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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"

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THE LIBRARY OF tHE 

UNIVERSITY OF 
NORTH CAROLINA 




THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 




ENDOWED BY THE 

DIALECTIC AND PHILANTHROPIC 

SOCIETIES 

BUILDING USE ONLY 




UNIVERSITY OF N.C. AT C||APEL HILL 




00044529180 



This book is due at the LOUIS R. WILSON LIBRARY on the 

last date stamped under "Date Due." If not on hold it may be 
renewed by bringing it to the library. 


DATE ppT^ 
DUE ^^^ 


DATE 

DUE ***^*- 
















































' 



































































































Digitized by the Internet Archive 
in 2013 



http://archive.org/details/philologischeran12 



PHILOLOGISCHER 

ANZEIGER. 

ALS ERGÄNZUNG . ^'^ 

DES 

PHILOLOGUS 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

EEISTST VON LEUTSCH. 

ZWOELFTER BAND. 



1882. 



GOTTINGEN, 

VERLAG DER DIETERICHSCHEN BUCHHANDLUNG. 

1882. 



Nr. t. Januar 1882. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leiitscli. 



1 . De hymni in Cererem Homerici compositione , dictione, 
aetate scripsit Kuno Francke, dr. phil. Kiliae. Ex officina 
Schmidt et Klannig. Progr. 1881, uro. 239. (28 p.). 

Was der Verfasser der vorliegenden abhandlung auf p. 11 
— 21 über die diction des liyranus auf die Demeter, insbesondre 
die abweichnng vom Sprachgebrauch der Ilias und Odyssee zu- 
sammengestellt hat, läßt in beziehung auf Vollständigkeit und 
genauigkeit wenig zu wünschen übrig. . Die Wörter und formen 
sind in drei klassen geordnet: .1). solche, welche theils bei He- 
siod, theils in den übrigen hyiiihen vorkommen, während sie bei 
Homer fehlen; 2) solche, welche weder bei Homer noch beiHe- 
siod, noch in den übrigen hymnen vorkommen ; 3) solche, welche 
eine andere bedeutung haben, oder in anderen Verbindungen ste- 
hen als bei Homer. Die zweite klasse ist beinah noch einmal 
so Timfangreich als die erste. In die zweite klasse gehören vier 
wortbildvingen mit 7to).vc (no7.va)]iiävTcoQ, noXvb^yno3v, 7zo)vfv/itng, 
nn).vnriTrt(t) und ebenso viele mit « privativum (Jiq}&oyyog, äyi- 
Xnnrnc , nq^näSinoiv , naräcpvX'kog); als ein wort, das einen der 
homerischen zeit fremden begriff einführt, ist bemerkenswerth 
OQyici V. 273 und 476, woran sich v. 274 svayimg im rituellen 
sinne anschließt (oQyia 8' avT/j Fyoav vno&i'jaofxni ^ mg uv snura 
tvayFOjg s-nbni'iec Fßov roov 'il(iaa)ja&s , wie V. 369 svayfcog sq- 
Snvzeg^ graiatpia dmga rilsvireg. Auch durch Wortbildungen wie 
ävrtinuog und ovlärof.i,ng (v. 229 o/ö« yrtQ arziTOfioi' /ueya cpi'g- 
jsQov ovXornfioio) tritt der Verfasser des hymnus merklich aus 
dem kreise der homerischen anschauungen heraus, wie auch 
durch den dem älteren epos fremden gebrauch von ÖEaTrotw (v. 365) 
Philol. Am. XTI. 1 



'2 1. Horaeros. Nr. 1. 

und dtanoavroi (v. 144). Solche wencluugen gemahnen uns an 
attische einflüsse. Zu ngönolo^ (v. 440 tr. to7 oi nQÜnolos xßt 
onäcov 'inXtz'' avaaaa) führt Francke Find. Nem. IV, 129, He- 
r od. II, 64, Euv. Hippol. 200 an; warum nicht Aeschyl. Choeph. 
358 TiQonolog it räi fieyiarcov idorimv zasI TVQc'avmv? Diese 
stelle hätte auch Ilgen zur empfehlung seiner änderung avdnari 
anführen können. Entschieden attisches gepräge hat die form 
«'^suf's V. 284, wenn sie auch durch das iambische metrum bei 
den Attikern eingang gefunden haben mag. Von Wortbedeu- 
tungen gehören hierhin Kare)[co im sinne von „landen" (v. 126^ 
und T(fii] anstatt des homerischen aiog (v. 132 ogiga y.s fir] .«e 
anQiäirii TzsQäauvtt^ «,u/%' anotoiaxo zi^itj^.) Der Verfasser ist 
freilich den atticismen in diesem hymnus so abgeneigt, daß er 
durch eine neue Interpretation auf eine , wie ims scheint , etwas 
gekünstelte weise, die homerische bedeutung auch hier festhalten 
will, (ne , me , quam non pretio emtam , sed vi ereptam secum dux- 
erant , vendentes poenam sive multam , quam parentibus meis solvere 
debebant^ ipsi aufferrent. So wird denn für die atethese der verse 
202 — 205 auch geltend gemacht, daß ilivi] dem epos fremd ist 
(p. 6). Dagegen nimmt Francke an der attischen contraction 
ttlovizag V. 369 keinen anstoß. Suhle, welcher unsern hymnus 
einem attischen dichter zuschreibt, will in der abhandlung de 
Tiymno Homerico quarto (p. 13) reltlrjs^ herstellen. Auch in 
diesem hymnus finden wir abschwächungen homerischer Wortbe- 
deutungen, welche, für sich betrachtet, sogar auf einen Alexan- 
driner würden raten lassen, wie uiAulSvfO) im sinne von „ent- 
stellen" (v. 132 iidog ufAuXÖviovau) , >itrTtQog als epitheton von 
a/^Oi; (v. 90 «;föt," aivörfgov y,ai nviitQor), Qsia in einer Verbin- 
dung wie V. 167 (^Qtiu yJ iC^- as lÖovan yvrniami' dip.vifgncop 
^ljlm(^a^) , während es bei Homer die bedeutung „ohne mühe, 
ohne beschwerde" hat, und der unterschiedslose gebrauch von 
SeiTitof und Öögno,; (v. 128). Wir vermissen yr^&oavrt] als sub- 
stantivum (v. 137 yr/OoninuL; ö' e8f'](^iiiro nag alli^yoiv sdidnv ts 
nach Ruhnkens restitution), iQvaüouQ als epitheton der Demeter, 
en7])iOi; vom acker (v. 451). Auch dylaöyttQTzo^' v. 23 such- 
ten wir vergeblich bei Homer. Zusammenstellungen wie sie 
Francke p. 11 — 21 gegeben hat, würden übrigens, wie uns 
scheint , an brauchbarkeit gewinnen , wenn sie nicht nach der 
zufälligen reihenfolge der verse, sondern nach kategorien der 



Nr. 1. 1, Homeros. 3 

ähnlichkeit, größerer und geringerer wiclitigkcit u. s. w. geord- 
net wären. Auch erscheint uns eine aufzählung der nachah- 
mungen des älteren epos wünschenswerth , wie sie z. b. Suhle 
zum hymnus auf Aphrodite p, 15— 16 gegeben hat. Die syntax 
wird nur gelegentlich , ohne anspruch auf Vollständigkeit , be- 
rührt; wir vermissen z. b. den hinweis auf Wendungen wie 
avrao fj'co dnfTTnjurir ttbq) ^nniAuri (v. 429) und avTiy.'' iycüv avl- 
Qovo" VT70 -/HQftuTng^ welche dem älteren epos fremd sind. Die 
tmesis wendet unser dichter sparsamer an als Homer , während 
die nachstellung der präposition hinter dem substantivum sich 
häufiger findet. Tm gebrauch des digamma ist die diflferenz 
nicht wesentlich ; wenn Francke p. 25 von dem digamma fere 
morlbundum redet, so erscheint uns dies übertrieben nach den 
Zusammenstellungen , welche nach Witzrens (Bemerkungen zu 
der prosodie der homerischen hymnen. Wien 1876) gegeben 
sind. 

Schließlich gelangt der Verfasser mit Voß zu dem resultate, 
daß der hymnus um die dreißigste olympiade vor die zeit des 
Solon zu setzen ist. Letzteren schluß zieht er daraus, daß Tri- 
ptolemos , der erst durch Epimenides zur zeit des Solon bedeu- 
tung bekam, gegen den eleusiuischen heros Demophou ganz zu- 
rücktritt. Damit fällt Welckers ansieht, daß der hymnus au 
den panathenäen vorgetragen sei. Auch Bacchos würde , wie 
p. 7 bemerkt wird , bei einem für eine athenische festversamm- 
lung bestimmten hymnus schwerlich weggelassen sein. Doch 
erscheint es uns immerhin denkbar , daß der hymnus zur zeit 
des Solon oder der Pisistratideu in eleusinischen priesterkreiseu 
entstanden ist. 

In dem ersten theile der abhandlung wendet sich der Ver- 
fasser gegen verschiedene versuche, den hymmxs in mehrere ge- 
sonderte bestaudtheile zu zerlegen oder größere Interpolationen 
nachzuweisen. Wir finden hier manche treffende bemerkung. 
So wird z. b. gegen Preller, welcher v. 21 — 37 als eine spä- 
tere iuterpolation ansah und unter anderem geltend machte, daß 
Helios hier den ruf der Proserpina hört, während nach dem 
sjiäteren bericht er den raub gesehen hat, mit recht an F, 277 
erinnert: 'fliiliög Ö' o^,- ;7«»t' icpogäg y.(u nävr inaxoif^ig. Wenn 
Preller in dem abschnitt v. 190—211 daran anstoß nahm, daß 
Demeter trotz ihrer vermummung göttlichen glänz um sich ver- 

1* 



4 2. Hesiodos. Nr. 1. 

breitet und die Metaneira mit elirfurcht erfüllt, so weist Francke 
darauf hin, daß schon die töchter der Metaneira nach v. 159 
etwas göttliches in der fremden geahnt haben. In der rede 
des Pluton (v. 360 — 369) werden die von Preller erhobenen 
Schwierigkeiten dadurch beseitigt, daß v. 364 (^hüa ö' iovau 
Ssanöaasig ndvTcof) das adverbium er&a auf den Olympos be- 
zogen wird. 

Einem neuen vorschlage begegnen wir p. 9 zu den versen: 
33 0(p(ja ßEV ovv yaiäv rs xai oigarov aarsgosvra 

},£vaas &sa xai novrov ayaQQOor i^dvoEvtu 
35 avyag t' tjsXiov, in 8' i'jXneto [iTjzsQa nsdttjr 
oxpso&ai y.ai cpvXa &s(icit> aisiyEVETiicov, 
locfQa Ol iXnig i&eXys (xiyav raov uiwßivriQ nsq. 
V. 37 erscheint dem Verfasser, wie schon früher dem herausgeber 
Mitscherlich, als eine müssige Wiederholung, und er beseitigt ihn 
deshalb, so daß in v. 34 3s den nachsatz einleitet. Dagegen 
ist zu erinnern, daß mit üslyeir ein neues moment eintritt, in- 
dem der nachdruck auf diesem Worte im sinn des „bezauberns" 
nicht auf ein ig liegt, wie Ilgen bemerkt hat. Im folgenden ist, 
wie Hermann gezeigt hat , eine lücke , in welcher von dem er- 
neuten hülferuf der Persephone in veränderter Situation die rede 
war. In dieser lücke konnte eOslyt näher bestimmt werden in 
dem sinne von cüö?« fi)) iax-/^iip , doch ist sdelye an sich aus- 
reichend. 

Wenn der Verfasser sich nicht damit begnügt, größere In- 
terpolationen zurückzuweisen , sondern den bau des hymnus auf 
den terpandrischen nomos zurückführt, so erscheint uns dies als 
eine unnütze Spielerei. Es bieten sich ungesucht auch andere 
eintheilungen. Einleitung, mitte und schluß sind freilich bei 
jeder eintheilung vorhanden , aber um dies zu erklären braucht 
man nicht den Terpander. — t — 

2. Hesiods werke und tage übertragen von Rudolf 
Peppmüller, Halle, Gebauer-Schwetschke'sche buchdruckerei. 
1881. — 30 p. 

Diese Übersetzung bildet die festgabe, welche prof. dr. Eck- 
stein bei seinem fünfzigjährigen amtsjubiläum von seinen Halli- 
schen Schülern und freunden erhalten hat. Trotzdem, dass wir 
es hier also mit einer gelegenheitsscbrift zu thun haben, ist die 



Nr. 1. 2. Hesiodos. 5 

Übersetzung doch sorgfältig gearbeitet, die verse sind glatt und 
leicht lesbar. Nur hin und wieder zeigt sich das widerstreben 
deutscher Wörter, sich dem antiken versmasse anzupassen. Es 
finden sich kürzungen von diphthongen wie ungleich — v, hin- 
terging vv — ] zuweilen begegnen auch verschiedene messungen, 
wie oder bald — v bald vv gemessen wird, ja in demselben verse, 
Avie berühmt v — iind unberühmt — vv. Auch könnte die Übersetzung 
zuweilen sich enger an den text anschliessen, z. b. gleich vs. 15 
es I liebt sie | niemand | , sondern gezwungen . . wäre gefäl- 
liger und treuer die Übersetzung : nicht | liebt sie der | sterbli- 
chen I einer, ge j zwungen. Von den änderungen, die der Über- 
setzer im texte für nothwendig hält, hat er schon im Philologus 
an verschiedenen stellen gehandelt , ich werde einige derselben, 
die mir bemerkenswerth scheinen, hier noch einmal besprechen, 
da ich aber die betreffenden bände des Philologus nicht zur 
band habe, so muß ich von vornherein um eutschuldigung bit- 
ten, wenn etwa meine darlegung die ausführungen des Verfassers 
nicht gradezu treffen sollten. 

21 slg hsQOv yuQ iig t« IÖü)v egyoio )(aTiCwv 

nXovGiov, og CnivSti fjtsv ugoi^i^ivai ^Jf cpvTevetv 
wird übersetzt : Denn, so jemand nach gut sich sehnt und den 
andern im Wohlstand sieht, dann pflüget er auch etc. 

Wenn nun der Übersetzer angiebt : ,,Ich lese statt sqyoio 
yjai^iov ßiOToio xuii^wv : Philol. XXXIX, 389 ff.", so ist die 
abweichung noch nicht ganz erklärt, denn er muss dann auch 
für og etwas anderes gelesen haben. Uebrigens ist in l'^yoio 
nicht die einzige Schwierigkeit dieser stelle, ich glaube, dass in 
einem der partieipia das fehlende verbum finitum verborgen ist, 
nämlich in iScov X6ev; diesi'Jfj' wäre wie idtuxav 92 zu erklären 
und die stelle, meinetwegen auch mit ßtoroio, so zu übersetzen: 
denn auf einen andern pflegt der zu sehen , der nach gut sich 
sehnt , auf einen reichen , der sich bemüht zu pflügen und 
zu säen, 

Vs. 141 lol fj,ev vnoxS'Ovioo fiaxageg &vr]Tot xuXiovxai 

devregotj äXX' h'finrjg ii^r] xul roXaiv oTtrjde'i. 
Hierzu bemerkt der Übersetzer: „Ich lese rol fjiev vnc'xd^ovtot 
fidxaQBg &vr]Tolg xul.iovrai,'^^, aber der zusatz dsvisQoi, weist 
auf 123 zurück, darum muss für vno^d'oviiot — im^S'onoi ge- 
lesen werden. Dies int^^r'i^onoi dtimooi gehört eng zusammen 



6 2. Hesiodos. Nr. 1. 

und ist von xukiovim abhängig , fiuxaQtg d^vt]io[ ist aber Sub- 
jekt, denn fjidxaQsg allein ist zu allgemein-, danach wäre der 
ganze satz etwa so prosaisch auszudrücken: ovwt fih ol [id- 
xuQsg d-i'rjToi Kalomiat hftx^ovioi dsvrsQoi, und die Übersetzung 
würde lauten : diese glückseligen menschen werden zwar im- 
X&urioi, zweiten grades genannt, aber nichtsdestoweniger genie- 
ßen auch sie überall Verehrung. 

159. Hier hat der Übersetzer ngongr} yivst] aufgenommen; 
ich stimme ihm bei, denn ich halte den dativ für verderbniß 
aus jenem. Dies wäre ein hübsches beispiel für Nauck, der in 
seiner Horazausgabe die spuren christlicher eiferer zu tilgen 
suchte ; offenbar veranlaßte der nominativ das bedenken, daß sie 
auch für uns noch diesen werth hätten , die änderung in den 
dativ beruhigt christliche gemüther. 

378 yrjgaiog 6e S'droig iiegov naiö iyxaTaXiinvjv, 
ist wegen des sinnes im Widerspruch mit 376-, der fehler scheint 
zunächst in hfQov zu liegen, weshalb dies auch verschieden ge- 
ändert wurde , ja manche haben aus Plutarch Mor. p. 480 F. 
geschlossen, daß er nicht ursprünglich im texte stand. Gewiß 
ist , daß dieser Zwiespalt des sinnes Plutarch aufgefallen sein 
müßte , wenn er &dvotg las , vielleicht hat aber Schümann mit 
seiner änderung in d^dvoi recht , was der Übersetzer aufgenom- 
men hat. Wenn dies 9dvoi im texte stand , konnte Plutarch 
keinen anstoß nehmen. So sehr ich also die aufnähme von 
^dvoi billige, muß ich mich gegen die aufgenommene conjektur 
Scaligers atfingov für 'inqov erklären. Ich glaube, daß sich 
sTSiJoi ganz schön erklären läßt nach analogie der ausdrücke 
hegoi' Toaovzor etc. Dies bedeutet doch: eben oder wieder so 
viel; danach ist in «Vi^rr nicht die Verschiedenheit in der per- 
son, sondern die gleichheit der Wiederholung hervorzuheben, wie 
durch: gleichfalls, ebenfalls. Die stelle würde also folgender- 
maßen übersetzt werden müssen: im alter möge er erst 
sterben, indem er gleichfalls einen söhn hinterläßt. 

380. nlscmi fih' nlfdioar f-ielhT], uet^ai ö' stti&i'jHij. 

Für (.ti:(Xbii hat der Übersetzer (isi'cor vorgeschlagen, weil er 
int&ijitt] in der bedeutung von mitgift faßt. Allerdings scheint 
der gegensatz zwischen usv und 8e auch einen solchen zu fie- 
XsTtj zu erfordern , aber ob gerade ^mS-rjn)! diesen sinnesgegeu- 
eatz enthält? 



Nr. 1. 3. Theokritos. 7 

üebrigeus möchte es an der zeit selu , in der klassischen 
philologie, besonders aber bei Übersetzungen, die resultate der 
Sprachwissenschaft gehörig zu benutzen; cilcp}]fjT^c ist 82 noch 
mit: , .brotessend" wiedergegeben obwohl Cart. Grdzg.^ p 292, 
nr. 398 längst die bessere deutung des wortes gab. Vs. 109 
sind ^-'noTieg 'u&Qconoi noch als ,, redende menschen" bezeichnet, 
obwohl Fick in Kuhns Zeitschr. XX, 172 (Curt. Grdzg.^ p. 463, 
ur. 626) eine viel ansprechendere deutung angebahnt hat. 

Abgesehen von diesen kleinigkeiten ist die Übersetzung als 
gut gelungen zu bezeichnen , und ich möchte nicht , daß diese 
ausstellungen ihr das verdiente lob irgendwie verringerten und 
schmälerten. Dr. Wäschhe. 



3. De scholiis Theocriteis scr. P. Kohlmanu. Neu- 
stettin 1880. (13 p) 

Die vorliegende abhandluug bezieht sich auf die im jähr 
1867 veröffentlichten scholien des cod. Ambros. 222. Zunächst 
werden diejenigen Varianten zusammengestellt, welche auf die 
Unwissenheit der abschreiber oder auf verkehrte grammatikerweis- 
heit zurückzuführen sind. Die unter dieser rubrik bis p. 8 auf- 
geführten lesarten werden schwerlich vertheidiger finden , abge- 
sehen vielleicht von der Variante nX'-zfQc~j [(^mnitini nXaicsQq)' 
ygucpstai rrloysocp) VII, 18, welche ja im cod. M. von erster 
haud steht, und ntnußft IX, 6, woraus Briggs rAnodev gemacht 
hat. Aber eine und die andre lesart ist hier einzureihen, welche 
der Verfasser in die zweite rubrik gebracht hat , welche dieje- 
nigen Varianten umfaßt , welche an sich richtig sind , oder auf 
den -WQ^ der emendation bringen. Dies gilt z. b. von der les- 
art Xlno^ III, 18 To näv Xi&oi,- . eav 8s ygärferai diu zov n linog^ 
vorjiov h'vrco^' .... Der Verfasser wendet gegen das hand- 
schriftliche lißfj.: ein, daß der ziegenhirt, welcher ja bittet, noth- 
wendig schmeicheln müsse. Aber in dem affecte der liebe können 
die meinungen und somit auch die worte mannigfach wechseln, 
lirro^' bleibt, so viel wir wissen, immer fett, wie XV, 147, 
welche stelle Kohlmann heranzieht, o^o^ essig. An unserer 
stelle ist ilnng ein alter Schreibfehler für li&og. Ist es z. b. 
anders, wenn es in dem liebesliede bei Meliere ,,?e bourgeois gen- 
tilhomme'^ lieißt Je langue nuit et jour et mon mal est extreme \ 
Depuis qu'a vos rigueurs vos heaux yeux m'ont soumis? Auch die 



8 3. Theokritös. Nr. 1. 

t 

lesart i^äXla^s, welche II, 85 in t^sadXa^sv stecken mag, ver- 
dient nicht den vorzug vor dem handschriftlichen i^aXdna^iiv, 
welches im munde der Simätha als einleitung zu der darauf fol- 
genden drastischen Schilderung der Wirkungen der krankheit 
nicht zu stark ist. Ebenso wenig ist VI, 11 Quirsi dem hand- 
schriftlichen cpaii'sc vorzuziehen: 2« 8e fiv aalu hviauzu cpaivti: 
trjv FaXätsiav . Idv 81 wg st' tioi qaii'Si trjv 'Avva. Zu letzterem 
wird Paulus Silentiarius Anthol. Pal. V, 266, 5: atjv ydg ffxoi 
■Aal növrog in/jQarov d'/.öva cpaivsi. aai. norufimv 8hai aal dirtag 
olvoiöcov^ gut verglichen. An einigen stellen haben die scholien 
den Verfasser auf eine neue conjectur oder eine neue erklärung 
geführt. Zu VI, v. 29 : 2iya ö iXaKzel viv nal tä kvpI . iivgg 
8s vJ^ayrsTv yQnq)Ovaiv , iv^ iXXiTzsg fj to Enstgsipsv . ol 8s ngoa- 
ranzixag vXdxrsi . yQaqjErai aiyug -["•••• ''<V03V vw t'^axTsT, 
sieht Kohlmann die Variante iXaKisi als die richtige lesart an 
und schreibt: aizra, avait'^ tiv vlanTst, vXäxrei. (Mit oüza war 
übrigens früher schon Fritzsche vorangegangen.) Die Wiederho- 
lung des verbums wird durch VIII, 69 oizta, tsusa&Sj v^fisa&a 
geschützt. Aber die plötzliche apostrophe au den hund erscheint 
uns um so bedenklicher, da der hund schon ohnehin nach v. 10 
bellt und Polyphem gleich darauf von dem hunde in der dritten 
person spricht. Gegen Ruhnkens allgemein angenommene con- 
jectur ai^a ö' iXaxTsTv viv wird eingewandt, daß Polyphem vor- 
her im präsens spricht und die darauf folgenden worte ravta 
Ö' 'laoig iaoQsvaa noisvvzä fis noXXäxi das präsens fordern. Da- 
bei ist aber nicht beachtet , daß ja zunächst das imperfectum 
folgt mit den worten : xa« yäg ox' 7]qcov aviäg , ixvv^äzo not^ 
^ailn Qvyxog Sj^oicsa, und daß Polyphem mit den worten ai^a auf 
den eingang seiner rede sUov zurückkommt. Es bestätigt sich 
durch die vorliegende abhandlung Bernhardys urtheil (Griechi- 
sche litteraturgeschichte, 2. theil, p. 566), daß wir in der sache 
durch die genaue mittheilung der schollen aus dem ältesten codex 
durch Ziegler nichts gewinnen. Wir zweifeln , daß der scho- 
liast XIII, V. 15 den sinn richtig getroffen hat, wenn er die 
worte alizm 5' sv eXucov durch in' svSoi^ia zy savrov ^äv erklärt, 
wobei er sich nicht darum kümmerte, daß iXusiv ohne object 
nicht ,, leben" bezeichnen kann. Der scholiast half sich eben so 
gut er konnte; ist es nun methodisch auf seine auctorität die 
conjectur t,c<idr ö' tv ^Xxmf ^ welcher seltsame ausdruck vitam 



Nr. 1. i. Piudaroö. 9 

honestissime agens bedeuten soll, zu gründen, wie Kohlmauu p. 7 
tliut? Daß «üztjj verderbt sei, ist auch von anderen angenom- 
men; conjectuven wie a'vXay.a (5' sv tlxmv von Unger und aiv 
ö's Ol ev ily.(üv von Kaiser erscheinen uns annehmbarer. Da- 
gegen erscheint uns der verschlag III, 27 x«('xe |u' anoqOi-iQK), 
To j'5 (iur T60»' aäu TSTVXTui ZU Schreiben austatt des handschrift- 
lichen Ka'Ua i.i)j 'no&äva sehr beachtenswerth. Bei Gräfes cor- 
rectur x//xa ö/) 'noOdfco sieht man nicht wie /»// in den text ge- 
rathen ist; wenn aber das glossem unodarco das ursprüngliche 
dnocpdsiQco verdrängte, so wird die sache erklärlich. 



4. De metris Pindari cj^uaestiones tres. Scr. Felix Vogt. 
(Dissertationes Argentoratenses IV, p. 207 — 312) Argentorati 
apud Carolum J. Truebner. 1880. 

Aus sorgfältigen beobachtungen zieht der Verfasser vorlie- 
gender abhandlung seine Schlüsse , welche referent als scharf- 
sinnig und anregend auch in den punkten anerkennen muß , in 
welchen er abweichender meiming ist. Der erste abschnitt han- 
delt über den auslaut der pindarischen verse und weist nach, 
daß Pindar in der großen mehrzahl der gedichte ausgänge wie 
-rcog und -log (Vogt faßt dies als exitus perfectus zusammen) 
zuläßt , ausgänge dagegen wie -lo {exitus iinj^erfectus) vermeidet. 
Der umstand , daß -zog mit -iwg als laug zusammengefaßt und 
-TO gegenübergestellt wird, erscheint mir als weniger auffallend 
durch einen blick auf die homerische metrik. Hier kann als 
regel aufgestellt werden : die auf kurzen vokal und consonant aus- 
gehenden endungen sind lang unter dem metrischen 
i c t u s , kurz ohne den i c t u s. Sie stehen auf einer stufe 
mit den endungen uv und oi , denn nach Hartel (Homerische 
Studien II, p. 5 ff. und I, p. 10) findet sich vor folgendem 
vokal (u bei Homer 146 mal lang, kurz in den büchern A-J 
und a-d 79omal, im ganzen Homer also vermuthlich etwa 4690 
mal; og findet sich 145mal lang, kurz nach meiner rechnung 
etwa 5750mal; dagegen ist z. b. ?; vor vokal 402mal lang und nur 
ca. 239mal kurz. — Da später -og -ov etc. auch unter dem 
ictus vor folgendem vokalischen anlaut als kurz vorkommen, so 
venuuthe ich, daß es üblich geworden war, in diesem falle den 
auslautenden consonanteu zum folgenden wort überzuziehen. 



10 4. Piiidaros. Nr. 1. 

Die mögliclikeit dieser ausspräche wird durch die kyprischen In- 
schriften wahrscheinlich gemacht, vrgl. W. Deecke in Bezzenbergers 
Beiträgen VI, p. 70. Vereinzelt kommen auf kurzen vokal und con- 
sonant auslautende endungen auch noch bei Pindar im versinnern 
als längen vor, vrgl. Vogt p. 214 oben. Die regel, daß die en- 
dungen og, ov, sg etc. nur unter dem ictus als lang gelten kön- 
nen, deren innere begründung auseinanderzusetzen hier zu weit 
führen würde, steht in einklang mit Vogts p. 256. 257 ausge- 
sprochener annähme , daß die pindarischeu verse stets auf eine 
ictuirte silbe ausgehn , da nach ihm die weiblichen versschlüsse 
mit Tovjf der vorletzten silbe zu. messen sind. 

Mit seinen gesetzen für den versauslaut steht Pindar kei- 
neswegs isolirt. Die beobachtungeu Vogts sind vielmehr nur 
ein glied in einer kette von Untersuchungen , die zur beschrän- 
kung und berichtigung der lehre von der syllaha anceps am 
versschluß mit hülfe von die ganze griechische poesie umfas- 
senden statistischen Zählungen angestellt zu werden verdienen. 
Eine solche Untersuchung würde z. b. ergeben , daß sich am 
Schluß des elegischen pentameters eine anfangs nur schwach, 
im verlauf der zeit aber immer stärker , am deutlichsten in der 
byzantinischen epoche , auftretende abneigung gegen kurze end- 
silhea. mit dem exitus imperfectus zeigt. Bei fallendem vers- 
au s g a n g haben auf die syllaha anceps am Schluß eines aus- 
lautenden spondeus am entschiedensten Nonnus , weniger conse- 
quent andere dichter , z. b, einige in byzantinischer zeit ana- 
creontische anaklomenoi schreibende, verzichtet. Da aber hier 
die endsilbe des verses keinen metrischen ictus 
trägt, so werden kurze endsilben mit dem exitus perfectus in 
gleicher weise wie die mit dem exitus imperfectus vermieden. 
Von den fällen , wo sich bei Pindar ausnahmsweise der exitus 
imperfectus findet , sucht Vogt einige durch textemendationen 
oder mit hülfe sprachlicher erkläruug zu beseitigen. Ich glaube, 
er geht darin zu weit ; denn wir haben es nur mit einer aus- 
nahmen gestattenden neigung, die sich bei Pindar etwas stärker 
geltend macht als bei anderen zeitgenössischen dichtem , nicht 
mit einem consequent durchgeführten gesetze zu thun. Verfehlt 
ist jedenfalls die vermuthung, xi und ttotc, welche mehrmals un- 
regelmässigen versausgang verschulden, hätten am Schluß einen 
nasal gehabt. 



Nr. 1. 4. Piudaros. 11 

Der zweite abschnitt handelt de continuatione rhythmi in 
strophis doricis. Vogt will darin nachweisen , daß in den Stro- 
phen durchweg continuation des rhythmus herrscht, welche durch 
den Schluß der verse nicht unterbrochen wird. Der Avichtigste 
punkt ist die behauptung , versus finem incidere imsse in medium 
coloii, z. b. P IX, Str. 3 : 

. . . V ^ II UV — v^ . . . 

Soweit es sich dabei um die abtrennung einer silbe durch den 
versschluß handelt, kann ich ihm beipflichten. Ueber die fälle, 
wo er den versschluß mitten in ein kolon fallen lässt , z. b. Ol. 
VII, Str. 6: 

. . . ^ — vv — wii — II w«; ^ — V . . . 

werde ich unten sprechen. 

Der dritte abschnitt handelt de syllaha ancipiti in medio 
versu strophae doricae. Am Schluß der akatalek tischen 
kola darf eine kürze nur an denjenigen stellen ein- 
treten, wo sich die kürze im ersten system (erste 
Strophe, erste ej)ode , seltener erste antistrophe) findet-, am 
häufigsten sind die kürzen im ersten vcrs. Daraus schließt 
Vogt, der trochäus sei ursprünglich, und der spondeus sei re- 
tardation. Ich kann ihm nicht beistimmen. Die kürze ist nach 
der häufigkeit des Vorkommens die ausnähme ; jetzt erfahren wir, 
daß sie sogar nur unter bestimmten bedingungen , also offenbar 
zur erreichung eines bestimmten effects , zugelassen wird , kann 
man daraus schließen , sie sei eigentlich das regelmäßige ? Ich 
vermuthe , daß durch die kürze gekennzeichnet wird , daß die 
schlußnöte „abgestoßen" werden soll , vrgl. Westphal , Musika- 
lische rhythmik §. 117. Um dies den Sängern deutlich zu ma- 
chen, drückte der dichter die abzustoßenden noten im ersten 
System stets durch sprachliche kürzen aus, und in den übrigen 
Systemen konnte in folge des abstoßeus an denselben stellen 
beliebig wieder eine sprachliche kürze eintreten. 

Vogt geht darauf aus , den trochäus für ursprünglich zu 
erklären, weil er mit hülfe kyklischer dactyleu die ganze do- 
rische Strophe in das yivog SinkaGiov bringen will. Außer dem 
trochäus führt er folgende beweismittel an (p. 260): der dacty- 
lus wird nie durch den spondeus vertreten. Ich meine , daß 
diese Vertretung überhaupt erst durch den epischen hexameter 



12 4. Pindfiros Nr. 1. 

eingeführt ist. Dieser ist aus zwei dactylisclien tripodieen, d. h. 
aus demselben kolon , welches den grundstock der dorischen 
Strophe bildet, zusammengefügt durch Verschiebung der cäsur : 

— vv — -vv — I — , — vv — vv 

In dem einen spondeus, der dabei in das innere des verses kam, 
suche ich den tirsprung der vertauschung von spondeen und 
dactylen. Die dorische sti-ophe zeigt uns die tripodie noch 
selbstständig, ihre dactylen sind nicht aus den dactylen des io- 
nischen epos abgeleitet und können daher nicht mit spondeen 
wechseln. — Ferner führt Vogt an, daß sich zweimal dacty- 
lische pentapodien finden, während Aristoxenos 16 moren als 
maximum für ein kolon des yipog Xaor anführt. Aristoxenos' re- 
gel ist im großen und ganzen gewiß richtig, aber es scheint 
mir doch nicht durchaus unmöglich , daß sich in der praxis 
ausnahmen finden. Wahrscheinlich aber ist die Sache anders 
zu erklären : Vogt hat uns gelehrt , dass der versschluss nicht 
unbedingt an die grenzen der kola gebunden ist, doch kann im 
allgemeinen höchstens eine silbe von einem kolon abgeschnitten 
werden. Sieben fälle aber führt Vogt p. 279 an, wo vers- 
schluß mitten in ein dactylisches kolon fällt, darunter sind sechs 
beispiele für die tetrapodie , eins für die (überhaupt nur zwei- 
mal vorkommende) pentapodie , für das häufigste kolon , die tri- 
podie , keins. Die tetrapodie findet sich 15mal und hat 6mal 
versschluß nach der hebung des dritten dactylus ( — vv — vv — 1| 

vv ) • ferner wird es nicht zuf all sein , daß die übrigen 

neun fälle, welche wenn wir die repetitionen innerhalb der ein- 
.zelnen gedichte berücksichtigen, 74 beispiele ergeben, 46mal 
wortschluss an ebenderselben stelle aufweisen , so dass wenn 
man die obigen sechs fälle (= 32 incl. Wiederholungen) mit 
einschneidendem versschluß hinzurechnet, 78 beispiele mit cäsur 
nach der dritten hebung 26 fällen ohne wortschluß an dieser 
stelle entgegenstehen. Sollte man nicht darnach vermuthen dür- 
fen , daß die über den umfang der tripodie hinausgehenden 
kola nicht als einheitlich zu betrachten sind ? — Das letzte 
aus der gravitas der dorischen Strophe geschöpfte argument Vogts 
brauche ich wohl nicht zu widerlegen. 

F. Haussen . 



5, K. Arnoldt, der eher im Agamemnon des Aeschylus 



Nr. 1. 5. Aeschyliis. 13 

ecenisch erläutert. Halle a./S,, KicLard Mtihlmanu. 1881. 89 p. 
gr. 8. 

Die abhandlungen über die chortecLnik der griechischen 
tragiker sind etwas in mißkredit gekommen. Die forschung 
entbehrt oft der sicheren grundlage, so daß willkürlichen hypo- 
thesen ein weiter Spielraum geboten ist. Die Unsicherheit und 
Schwierigkeit der Untersuchung darf jedoch nicht abhalten die 
Sache immer mehr zu ergründen und wenn leichtfertige hariola- 
tionen mißtrauen erweckt haben , so muß man auf der anderen 
Seite wohl anerkennen , daß manches sich geklärt hat und für 
den sachverständigen mehrere punkte als feststehend gelten können. 
Von wem aber kann man eine erörterting dieser frage mehr will- 
kommen heißen als von R. Arnoldt, welcher nicht nur diese Un- 
tersuchungen neuerdings angeregt und wesentlich gefördert, son- 
dern sich auch als den besonnensten forscher bewiesen hat? 
Arnoldt weiß auch das sichere und unsichere wohl zu unter- 
scheiden und wird es auch richtig würdigen, wenn wir nicht 
bloß den werth der vorliegenden lichtvollen abhandlung rühmen, 
sondern auch gegen einzelne aufstellungen unsere bedenken äußern. 

Wenn wir von einigen nebensächlichen punkten absehen, 
so läßt sich das resultat der Untersuchung in folgendem zusam- 
menfassen : Den anapästischen theil der parodos recitierte der 
Chorführer, den daktylischen sang derselbe Chorführer , nur den 
refrain läXimr lulivnv sang der vollstimmige chor ; die trochäisch- 
iambischen Strophen 160 ff. sang durchweg der ganze chor, ebenso 
die drei stasima. Einzelne mitglieder des chors kamen außer 
in der partie 1344 ff. in 475 — 488, welcher partie 0. Müller 
die bezeichnung ,,epodos" mit recht abgesprochen hat, in den 
beiden großen kommoi zur Verwendung und zwar in 475 — 488 
mit 489 — 502 die fünf protostaten, in dem ersten kommos 1072 
ff. 14 choreuten, wobei der koryphaios schwieg, im zweiten kommos 
1448 ff. der koryphaios und seine beiden parastateu, welche auch 
die kurze einleitende partie vortrugen, die trimeter 1399 ff. der kory- 
phaios, die Strophen 1407 — 11 = 1426 — 30 die beiden parastaten. 

Zunächst ist die verschiedene behandlung der beiden kommen 
auffallend. Einen anderen grund als den. daß die zahl 14 der 
zahl 15 sehr nahe steht, kann man dafür kaum finden. Und 
wie bedenklich ist die zahl 14! Warum soll bei einer so großen 
partie gerade der tüchtigste choreute in ruhestand versetzt werden? 



14 5. Aeschylus. Nr. 1. 

Aruoldt bemerkt /.um zweiten kommos : „Beachten wir die clrei- 
tbeiligkeit des kommos und zielien wir den umstand in betracht, 
daß in jedem der drei tbeile wiederum zwei chorstücke zu ein- 
ander in antistrophische entsprechung gesetzt sind, eines, das in 
der mitte, für sich besonders dasteht (in der mittelpartie ist die- 
ses letztere repetiert), so werden wir ganz von selbst auf die 
Verwendung des Chorführers und seiner beiden parastaten rechts 
und links von ihm geführt." Den parastaten weist er auch, 
wie wir gesehen, die respondierenden dochmischen Strophen 1407 
— 11, 1426 — 30 zu, während der koryphaios die trimeter 1399 f. 
erhält. Ebenso hält er es wohl für möglich , daß von dem 
zweiten theil der parodos die parastaten die beiden Strophen, der 
koryphaios die epodos übernommen habe. Nun aber besteht 
auch der ei-ste kommos aus 8 chorreden in je zwei trimetern und 
6 respondierenden partien. Müssen wir, wenn anders dort die 
ansetzung von koryphaios und den beiden parastaten richtig ist, 
nicht auch hier die trimeter dem Chorführer, die antistrophischen 
partien den parastaten geben? Es bleiben noch die fünf proto- 
staten. Mit vollem recht hat Hermann nach 0. Müller 475 — 
488 in vier theile getheilt; der mangel des grammatischen Zusam- 
menhangs und das verhältiais des inhalts macht diese abtheilung 
zweifellos. Das gleiche aber gilt auch für die folgende partie 
489— -502. Arnoldt hätte sich von den herausgebern, welche 
489 — 500 der Klytämnestra, 501 f. dem chor oder anderen per- 
sonen beilegen , durch die richtige bemerkung Keck's , daß fv 
yäg noiic tu qianlai ngnadilHij m'Xoi ganz offenbar ein redeschluß 
sei, ebenso wie durch die fehlerhafte conjectur Kirchhoff 's in 501 
offTii^ la iV aD.Mi belehren lassen können, daß in jener partie 
zwei sprechende anzunehmen sind. Dies können aber nur zwei 
choreuten sein. Wir haben also zusammen nicht fünf, sondern 
sechs chorreden und können auch hier an den Chorführer und 
die beiden parastaten denken. 

Ich will nicht sagen, daß diese vertheilung die allein denk- 
bare sei; es wird vielleicht einer kommen itnd mit annähme der 
von Kirchhoff angesetzten ephymnien die 12 chorika des letzten 
kommos den 12 choreuten geben ; man kann auch an eine ab- 
wechslung des koryphaios als halbchorführers und des anderen 
halbchorführers in den dialogischen und der beiden halbchöre 
in den respondierenden partien denken. Aber wir können uns 



Nr. 1. 5. Aescliylus. 15 

doch, weun wir <lurch da.s guuzc stück theils den gcsammtchor, 
theils den koryphaios mit den parastaten thätig sein lassen , auf 
ein bestimmtes princip berufen und brauchen nicht mit allen 
möglichen gliederungen umzuspringen , um iingefügige zahlen 
unterzubringen. 

Wie wir jene 14 choreuten des ersten kommos abweisen 
müssen, so fällt für uns auch der ,, schlagende beweis für die 
zahl der choreuten" hinweg. Ja wir möchten glauben, daß Ar- 
noldt bei dieser beweisführung die an ihm gewohnte Unbefan- 
genheit nicht ganz sich bewahrt habe. Es ist nachgerade be- 
dauerlich, daß eine thatsache , die weun irgend etwas in betreff 
der vertheilung der chorika offenkundig ist, immer wieder ver- 
kannt wird, die thatsache, daß die scene 1344 ff. auf einen chor 
von 12 personeu hinweist. Auch Kirchhoff setzt die zahlen 1 
— 15 bei! Daß der Chorführer mit alXn ■/.ifivoinwuaB^' e'/^nac da- 
q>al)i ßnvltv^ctja 1347 die abstimmung einleitet und mit ruvtriv 
imavth nutmOtv nlrjiiiopm den beschluß der mehrheit kon- 
statiert, daß dieser beschluß auch für die Illusion zur ausführung 
kommt, das alles steht so fest, daß alle gegenbemerkungen ebenso 
überflüssig sind wie die Wiederholung der alten gründe: aneg 
niqi(Hi\, TKiTu xuiäyarj a OQur. Einen beleg für 12 choreuten 
habe ich in der vertheilung von Eum. 585 — 608 gesucht; ich 
habe dabei nur das eine gefehlt , was ich hiermit wieder gut 
mache, daß ich mir habe entgehen lassen, daß bereits Weil an 
eine solche vertheilung gedacht hat. Wenn Arnoldt meint, ich 
habe bei der erklärung der worte nnXXa] jWfV iaptsr, Xs^ofi^v 8s 
avp7f'}Uü)^ ,,es sind unser zwar viele, aber jede wird sich kurz 
fassen" das bedeutungsvolle „jede" eingeschmuggelt, so hätte er 
beachten sollen, daß der gegensatz nnlXra „;.',,. f'rj^fi dieses „jede" 
an die band gibt, wenn nicht der gesammte chor sprechen soll. 
Arnoldt erlaubt sich, die unbefangenste und einfachste erklärung 
eine mehr spitzfindige als natürliche zu nennen : ich frage nur, 
was sollen denn außerdem die woi'te nnlXa'i /*f'.> Ftrui-r für einen 
sinn und zweck haben? Auch Weil bemerkt: hoc (nämlich, daß 
die einzelnen mitglieder sprechen) fortasse significatur verhis noX- 
Xai . . 'iviTii/imi^ : nam omnes simul hos trimetros sine cantu cleclami- 
tare, prorsiis absonum est. Wenn gar Arnoldt Eum. 244 — 275, 
in welcher bestimmt 12 theile hervortreten, an 15 choreuten ver- 
theilt, indem er die zusammengehörigen verse 244 f., 252 f. aus- 



16 5. Aeschylus. Nr. I. 

eiaauderreißt, ja sogar oga oqu. (xäV uv 2bb von dem folgenden 
trennt, so hätte ihn schon die Symmetrie und die analogie der übri- 
gen teile eines besseren belehren sollen. Es läßt sich behaupten, 
daß die partie 244 — 254 gar nicht an mehrere zu vertheilen sei; 
gibt man aber einmal diese vertheilung zu , dann kann man 1 5 
theile nur einer vorgefaßten meinung zu liebe linden. 

In ausführlicher erörterung weist Arnoldt die ansieht zurück, 
daß der chorgesang 160 ff. als erstes stasimon zu betrachten sei, 
ebenso die ansieht von Westphal , daß die anapästische partie 
355 — 66 zu dem folgenden stasimon gehöre. Bei der bespre- 
chung dieser letzteren ansieht fürchtet Arnoldt selber , es möge 
seine polemik gegen Westphal eigentlich als ein streit um des 
kaisers hart erscheinen, da er schließlich auf eine mittelstellung 
der anapästischen partie hinauskomme. Uns kommt die bekäm- 
pfung der ersteren ansieht fast auch so vor. Die termini parodos 
und stasimon sind zu allgemein und unbestimmt, zu wenig cha- 
rakteristisch, um die besondere art eines liedes zu kennzeichnen. 
Es steht ja fest, daß nrdrufinv nur im gegensatz zu TTixQoSog steht 
und das lied bezeichnet , welches der chor singt , nachdem er 
seinen Standort in der orchestra eingenommen hat. (vgl. Philol. 
XXXI p. 462). Zu der gliederung der tragödie steht also ur- 
sprünglich der begriff in keiner beziehung. Es konnte auch ein 
üräaittni' geben, als es noch keinen dialog gab, also auch das 
aräütiinr sich unmittelbar an die nÜQodog anschließen. Arnoldt 
selbst bemerkt, daß der ein- und umzug des chors in der or- 
chestra das wesen der parodos ausmache : form und Inhalt des 
fraglichen chorgesangs hat hiermit nichts gemein. Der inhalt 
liegt der motivierung des auftreteus des chors ganz fern und 
dient zur ethischen begründiing der handlung selbst; der um- 
zug des chors ist offenbar vollendet. Das gleiche gilt von dem 
zweiten theile der parodos der Perser und der Hiketides, von 
welchen beiden man noch mehr sagen kann, daß sie die ur- 
sprüngliche form des chorgesangs bieten, in der auf die naQodog 
gleich das aiüoifiov folgte. Man kann also immerhin sagen, 
daß bei Aeschylus öfter der parodos das erste stasimon unmit- 
telbar folge. Auf der anderen seite freilich kann man wieder 
auf die werte tJHCo aeßiXoav ats. Ag. 258, aXV ays, Ilfgaai, zoö' 
ivs^ö^svni xTs. Fers. 140 verweisen und das vorhergehende zu- 
sammenfassend als ersten Vortrag des chors, der sich an das auf- 



Nr. 1. 5. Aeschylus. 17 

treten desselben anschließt, also als parodos bezeichnen. Es läßt 
sich das eine wie das andere rechtfertigen ; man kann auch beides 
als unpassend hinstellen und einfach die gewöhnliche termino- 
logie als unzureichend betrachten. Aeschylus dichtete eben nicht 
in riicksicht auf solche termini und die teruiinologie des zwölften 
capitels der Poetik ist, wie auch Arnoldt bezüglich der exodos an- 
erkennt, für Aeschylus nicht maßgebend. Wenn übrigens Ar- 
noldt in jener stelle der Poetik mit Westphal nräai^ov ds nilog 
Xf^iiov 70 <C ^tft s77tiao6i')r ^ acifv ui unniarnv nni TQO'^aiOv 
schreiben will, so liegt das bedenkliche darin, daß die beiden 
definitionen von fnttnndioi und (TT(ifT//<',(' auf einander gebaut sind, 
wie wenn man etwa sagte : episodion ist was einem stasimon 
vorausgeht, stasimon was auf ein episodion folgt. 

Gegen die bemerkung Arnoldt's, daß zwischen der melischen 
parodos der Perser und des Agamemnon eine große Verschie- 
denheit obwalte in bezug auf die gliederung und Stellung der 
gedanken im allgemeinen, in bezug auf die syntaktische Ver- 
knüpfung im besonderen, muß ich auf Pers. 87 öoxifxoi^ ati. ver- 
weisen , wo der gedanke erst in der nächsten Strophe zum ab- 
schluß kommt : ,,zwar läßt sich nicht erwarten u. s. w. , aber 
dem trüge der gottheit kann niemand entgehen." Für die Ver- 
bindung von -Aaij^uu» /i-()C Ag. 1061, welche Arnoldt p. 54 Keck 
gegenüber zu rechtfertigen sucht, könnte man sich auf ausdrücke 
wie nugf^ftoi,' noli,', rvcfloi; nnv»: berufen. Aber der Zusammen- 
hang wie auch die conjunction c'^s erfordert dort entschieden, daß 
man av auf den chor beziehe und xotpp'räfp von isqI trenne. 
Der Chorführer kommt der aufforderung nach und macht zeichen 
mit der band; da auch diese zeichen zu keinem ziele führen, 
bemerkt er: sQf^r^vtoi^; foiy.ti' tj i^i-'irj toqov dtlaOai d.i. „sie hört 
und folgt nicht : es bleibt nichts anderes übrig als sie gewaltsam 
vom wagen herabzuziehen." 

Leider scheinen unsere gegenbemerkungen nur das zu be- 
stätigen , was wir am anfang gesagt haben: '/afisv yctQ ovSiv 
r^«;K, ülV ül(öfi£\fa. Aber wenn wir auch noch nicht zu einem 
bestimmten wissen durchgedrungen sind, so ist uns doch eine 
lebendigere auffassung ermöglicht und die ahnung des richtigen 
ist immerhin mehr wert als gänzliches nichtwissen. Um so mehr 
muß man den vf. auffordern in seinen Studien nicht zu ermüden. 

N. Wecklein. 
Philolog. Anz. XII. 2 



18 6. Herodot und Ephoros. Nr. 1. 

Adolf Bauer, die Benutzung Herodots durch Ephoros bei 
Diodor. — Besonderer abdruck aus dem zehnten supplement- 
bande der Jahrbücher für classische philologie (p. 281 — 342). 
Leipzig 1879. 1 mk. 60 pf. 

Der Verfasser der vorliegenden Untersuchung, die haupt- 
sächlich den bericht Diodors über Xerxes' feldzug gegen Hellas 
(XI, 1 — 19 und 27 — 37) zum gegenständ hat, geht von der 
Voraussetzung aus, daß der von Diodor für die griechischen ge- 
schichten im XI — XVI. buche nachweislich in ausgiebigem 
maße benutzte Ephoros für die in frage kommenden abschnitte 
des XI. buches dessen einzige quelle gewesen sei. An eine be- 
nutzung Herodots könne nicht gedacht werden , da die darstel- 
lung Diodors eine wesentlich andere auffassung und bedeutende 
unterschiede im detail zeige. Die trotzdem hier und da vorkommen- 
den wörtlichen Übereinstimmungen mit Herodot seien also, da 
man eine Verschmelzung zweier verschiedener relationen bei 
Diodor nicht wohl annehmen könne, dadurch zu erklären, daß 
Ephoros seinerseits die darstellung Herodots mit der eines an- 
deren berichterstatters verarbeitete (p. 291). Man darf wohl zwei- 
feln, ob Bauer noch heute durchaus an dieser ansieht festhält. 
Er hat neuerdings (Themistokles, p. 117, anm. 1) zugestanden, 
daß Diodor im XI. buch neben Ephoros auch wahrscheinlich 
noch den Theopomp benutzt habe, und wird hiernach auch eine 
mitbenutzung des Herodot nicht mehr für unmöglich halten. 
Nun beruht freilich die vermuthung Bauers , daß der bericht 
Diodors über die freundliche aufnähme des Themistokles am per- 
sischen hofe (XI, 57 fin. und 58 in.) auf Theopomp zurück- 
gehe, auf einem seltsamen mißverständniß von Plut. Them. 31, 
wonach Theopomp im gegentheil behauptete , daß Themistokles 
in Asien unstet umhergeirrt sei {_ov yag nhncoiAfvoi^ tt^iu rr^v 

fieto^ 08 dcoiji-ag /.ttynXag , . . sni tioHi' iQOtor aöeöcn,' Siriysr)^ 
Was jedoch Herodot betrifft, so kann nicht in abrede gestellt 
werden , daß er wenigstens an einer stelle des XI. buches von 
Diodor direct benutzt ist. Wer den bericht über die schlacht 
bei Mykale durchliest , wird sich leicht davon überzeugen , daß 
hier Diodor zwei sich widersprechende relationen zusammenge- 
schweißt hat. Cap. 35, 1 erzählt Diodor übereinstimmend mit 
Herod. IX, 100, daß unmittelbar vor der schlacht bei Mykale sich 



Nr. 1. 6. Herodot und Ephoros. 19 

im griechischen heere die künde von dem am nämlichen tage 
bei Platää erfochtenen siege verbreitet hätte. Diodor erblickt 
hierin ebenso wie Herodot eine wunderbare göttliche fügung, 
wie die worte n(jüaentat (fi'f^'j und Oav^aorbv 8l iykitio zo ano- 
TslaofÄU deutlich zeigen. Ganz unvereinbar mit dieser darstel- 
lung ist es jedoch, wenn Diodor im vorhergehenden (34, 4) be- 
merkt , Leotychides habe bereits am tage vor der schlacht den 
im persischen heere befindlichen loniern, um dieselben zum abfall 
zu bringen , durch einen herold die botschaft gesandt, daß die 
Griechen bei Platää gesiegt hätten. Daß Ephoros diese Über- 
lieferungen , die sich gegenseitig ausschließen , beide acceptirt 
hätte, werden wir nicht annehmen dürfen, dies ist vielmehr Dio- 
dors arbeit. 

Wenn so in einem falle eine directe benutzung Herodots 
durch Diodor erwiesen ist , so könnte man geneigt sein , eine 
solche auch an anderen stellen, die Übereinstimmung mit He- 
rodot zeigen , anzunehmen. Da indessen , wie Bauer nachweist, 
trotz häufiger anklänge an Herodot der Charakter der darstel- 
lung Diodors im allgemeinen ein durchaus anderer ist, und auch 
im detail viele abweichungen hervortreten, so wird man da, wo 
nicht gerade entschiedene indicien für die directe entlehung aus 
Herodot sprechen, Ephoros als c[uelle betrachten und auf grund 
des von Diodor gegebenen berichtes sich ein urtheil über die 
methode des Ephoros bilden dürfen, 

Bauer weist nun , indem er Diodors darstellung mit der 
Herodots durchgehend vergleicht, überzeugend nach, daß Epho- 
ros die thatsachen selbst zum größten theil aus Herodot ent- 
nahm und sich mitunter auch dessen auffassung und ausdrucks- 
weise aneignete. Sehr häufig jedoch hat er, wofür fast auf jeder 
Seite belege gegeben werden , den bericht Herodots willkürlich 
geändert, indem er sich von dem bestreben leiten ließ, durch 
Übertreibungen und künstliche antithesen größeren effect zu er- 
zielen. Mitunter bestimmte ihn auch Parteilichkeit für Athen, 
einen von Herodot abweichenden bericht zu geben. Wir wer- 
den in solchen fällen indessen nicht ohne weiteres mit Bauer 
absichtliche entstellung von selten des Ej)hoios annehmen dürfen •, 
denn es ist sehr wohl möglich , daß derselbe neben der erzäh- 
lung Herodots andere Überlieferungen vorfand , die den Athe- 
nern günstiger waren. Weitere unterschiede sind dadurch be- 

2* 



20 6. Herodot und Ephoros. Nr. 1. 

dingt, daß Ephoros bemüht ist, aus Herodots berichten das wun- 
derbare wegzuschaffen. Im allgemeinen ist die vergleichung von 
Bauer mit großer Sorgfalt durchgeführt , so daß irrthümer nur 
selten vorkommen. Ein freilich recht arges versehen begegnet 
p. 318, wo bemerkt wird, daß Herodot IX, 32 die stärke des 
persischen heeres bei Platää einschließlich der bundesgenossen 
auf 500000 mann angebe , worin ihm Ephoros bei Diodor cap. 
30, 1 gefolgt sei. Jene angäbe findet sich bei Herodot nir- 
gends , vielmehr läßt derselbe an der von Bauer citirten stelle 
das persische beer aus 300000 barbaren und etwa 50000 Hel- 
lenen bestehen. P. 341 wird fälschlich behauptet, daß Epho- 
ros bei Diod. X, 32 der von Herodot VII, 153 ff. gegebenen 
Version über Gelons verhalten gegen die Griechen gefolgt sei. 
Nach der von Herodot acceptirten Überlieferung kam das bünd- 
niß der Griechen mit Gelon wegen des Streites um den Oberbe- 
fehl nicht zu Stande, bei Diodor heißt es jedoch im gegentheil: 

tr^g dnhjg ro) rfKcan. Daß Gelon mit den Griechen ein bünd- 
niß schloß, wird auch in dem von Bauer übersehenen lll.frag- 
ment des Ephoros berichtet (Mueller, Fr. bist. Gr. I, 264). 

Die abweichungen des Diodor von Herodot in bezug auf 
den feldzug des jahres 480 sind übrigens schon vor Bauer, 
wenn auch nicht so eingehend, besprochen worden von Albracht, 
de Themistoclis Plutarchei fontibus, Gottingae 1873 (s. beson- 
ders p. 16—27), dessen schrift Bauer nicht gekannt zu haben 
scheint. Es werden dort auch die berichte des Nepos, lustin 
und Plutarch zur vergleichung herangezogen , während Bauer 
absichtlich die Untersuchung auf Diodor beschränkte, indem er 
den vergleich zwischen Herodot und Diodor allein für hinrei- 
chend hielt, um über die arbeitsweise des Ephoros aufschluß 
zu geben. 

Nicht ganz klar äußert sich der Verfasser über die frage, 
in wieweit Ephoros neben Herodot anderweitige Überlieferungen 
benutzte. Nach p. 291 sollte man glauben, daß dies sehr häufig 
geschehen sei, denn dort wird angenommen, daß der autor, dem 
Diodor folgte, die darstellung Herodots mit der eines anderen 
berichterstatters verbunden habe. In der nun folgenden spe- 
cialuntersuchung aber wird eine benutzung anderer quellen ne- 
ben Herodot nur in ganz vereinzelten fällen zugegeben und 



Nr. 1. 6. Herodot und Ephoros. 21 

demgemäß p. 329 Herodot als fast ausschließliche vorläge des 
Ephoros bezeichnet. Zu einem etwas anderen resultat würde 
Bauer wohl gelangt sein, wenn er die nachrichten des Ephoros, 
die sich nicht ohne weiteres auf Herodot zurückführen lassen, 
zusammengestellt hätte-, er würde alsdann gefunden haben, daß 
Ephoros doch nicht so selten , wie er annimmt , andere Überlie- 
ferungen herangezogen hat. Es sind hierdurch manche abweichun- 
gen bedingt, die Bauer entweder der willkür des Ephoros zu- 
schreibt oder überhaupt nicht zu erklären im stände ist. Wenn 
z. b. Diodor c. 32, 5 und 33, 1 den verlust der Perser bei Pla- 
tää auf mehr als 100000 und den der Griechen auf 10000 mann 
angibt, so liegt es freilich nahe, in diesen zahlen wegen ihrer 
beinahe genauen proportion eine erfindung des Ephoros zu er- 
blicken, wozu Bauer auch geneigt zu sein scheint. Erwägt man 
nun aber, daß Ktesias den persischen verlust auf 120000 mann 
berechnet, so wird man diesen autor wohl als quelle des Epho- 
ros betrachten müssen. Die angäbe, daß das landheer des Xer- 
xes über 800000 mann betragen habe (c. 3, 7), für die Bauer 
keine erklärung weiß , geht ohne zweifei ebenfalls auf Ktesias 
zurück, der dieselbe zahl gibt. In einem falle läßt sich nach- 
weisen , daß Ephoros und Ktesias aus der nämlichen quelle 
schöpfen. Diodor giebt nämlich c. 4 ein verzeichniß der nach 
Thermopylä gesandten griechischen Streitkräfte, welches Bauer 
umsonst mit Herodots angaben in einklang zu bringen sucht. 
Er hätte hierauf schon deswegen verzichten sollen , weil die Pe- 
riöken und die Malier, die nach Diodor je 1000 mann stellten, 
von Herodot überhaupt nicht erwähnt werden. Woher die zah- 
len Diodors stammen , bleibt nicht mehr zweifelhaft, wenn man 
Ktesias heranzieht Derselbe bemerkt, daß am kämpfe bei Pla- 
tää 300 Spartiaten, 1000 periöken und 6000 mann aus den 
übrigen griechischen Staaten theilgenommen hätten. Augen- 
scheinlich benutzt hier Ktesias die nämliche liste, aus der Epho- 
ros seine angaben über die nach Thermopylä gesandten contin- 
gente entlehnte. Die 300 Spartiaten und die 1000 periöken 
finden wir in gleicher weise bei Diodor. Zählt man die für die 
übrigen contingente von Diodor gegebenen Ziffern zusammen, so 
erhält man 6400 , was ungefähr den 6000 mann bei Ktesias 
entspricht. Ktesias und Ephoros schöpfen also aus derselben 
Überlieferung, nur daß Ktesias die erwähnten contingente nicht 



22 6. Herodot und Ephoros. Nr. 1. 

bei Thermopylä, sondern bei Platää zur Verwendung kommen 
ließ. 

Bauer hat sich nicht darauf beschränkt, den bericht Dio- 
dors über den feldzug des Xerxes mit der herodotischen dar- 
stellung zu vergleichen, sondern die Untersuchung auch auf die 
früheren bücher Diodors ausgedehnt. Was das erste buch be- 
trifft, so nimmt er mit recht an, daß hier das zweite buch He- 
rodots direct benutzt ist. Es spricht hierfür nicht nur der um- 
stand , daß sich vielfach bei Diodor die nämlichen nachrichten 
finden, wie bei Herodot, sondern es treten auch, wie Bauer 
zeigt, nicht selten wörtliche Übereinstimmungen hervor. Eine 
entlehnung aus zweiter band anzunehmen ist hier deswegen nicht 
wohl statthaft, weil das erste buch Diodors durchaus den ein- 
druck einer auf selbstständigem Studium beruhenden arbeit macht. 
Den evidentesten beweis für die directe benutzung Herodots 
würden sprachliche Übereinstimmungen liefern. Bauer glaubt 
einmal eine solche gefunden zu haben, indem Diodor I, 59 
ebenso wie Herodot an der entsprechenden stelle (H, 111) die 
relativform ijtig anwende. Aber Diodor folgt doch wohl hier 
dem gewöhnlichen Sprachgebrauch, wenn er schreibt: yvvaixog 
ovQCp vt^ead^ui, To nQoawnov , 7]Tig iitgov nsigav uvSgog ovx iX- 
Iritpf. — In den folgenden büchern bis buch V incl. gestaltet 
sich nun , wie Bauer zeigt , das verhältniß wesentlich anders. 
Die Übereinstimmungen mit Herodot finden sich hier viel sel- 
tener , als früher ; dazu kommt noch , " daß die nachrichten He- 
rodots, die bei Diodor wiederkehren, fast alle im zweiten buche 
des ersteren enthalten sind. Hieraus schließt nun Bauer, daß 
Diodor überhaupt nur das zweite buch Herodots benutzt habe, 
und will demgemäß die Übereinstimmungen mit stellen aus an- 
deren büchern Herodots, die bei Diodor von buch VII — X ent- 
gegentreten , sämmtlich durch die Vermittlung des Ephoros er- 
klären , der für diesen abschnitt wieder als quelle in betracht 
kommt. In weitaus den meisten fällen wird diese annähme 
richtig sein, zumal Bauer nachgewiesen hat, daß die von Diodor 
übernommenen nachrichten Herodots nicht selten willkürliche 
änderungen erfahren haben, für die Diodor selbst nicht verant- 
wortlich gemacht werden kann. Aber Bauer geht doch zu 
weit, wenn er eine benutzung Herodots, abgesehen vom zweiten 
buche, gänzlich in abrede stellt. Er selbst macht darauf auf- 



Nr. 1. 7. Plutarchos. 23 

merksam, daß Diod. II, 15, 1 über die bestattung bei den Ae- 
thiopen das nämliche mitthcilt wie Herod. III, 24 und ebenso 
wie dieser liier die form vfloQ braucht, während sich sonst bei 
ihm die attische form vaXoc findet. Die erhaltung dieser form 
ist bei der von Bauer angenommenen Vermittlung des Ktesias 
zwar nicht unmöglich, aber doch immerhin unwahrscheinlich, so 
daß hier die annähme einer directen benutzung Herodots jeden- 
falls den Vorzug verdient. Ganz sicher ist unmittelbar auf He- 
rodot zurückzuführen die mit dessen bericht (I, 29 ff.) durch- 
aus übereinstimmende erzählung von der Unterredung des Krösos 
mit Solon (IX, 2). An sich stände der annähme einer entleh- 
nung aus Ephoros nichts im wege , wenn nicht die nämliche 
geschichte IX, 27 wiederkehrte. Daß Ephoros sich eine solche 
Wiederholung erlaubte, ist schwerlich anzunehmen. An der er- 
sten stelle hat Diodor jedenfalls Herodot benutzt, während er 
an der zweiten , wo die geschichte in einem ganz anderen Zu- 
sammenhang vorgetragen wird, dem Ephoros folgt. 

Nach dem gesagten ist die ansieht Bauers über das ver- 
fahren des Diodor und das des Ephoros, die wir im allgemeinen 
richtig finden, dahin zu modificiren, daß Ephoros neben Herodot 
öfter andere Überlieferungen heranzog, als Bauer annimmt, und 
daß bei Diodor , obwohl er für gewöhnlich einer quelle folgt, 
hin und wieder die mitbenutzung eines anderen autors zugege- 
ben werden muß. 

L. HoUapfel. 

7. Arie, Willem van Geer, Specimen literarium inaugu- 
rale de fontibus Plutarcbi in vitis Gracchorum .... Lugduni 
Batavorum. Apixd fratres van der Hoek [1878]. (Leydener 
dissertation). 8*^. 3 bl. 95 p. 

Die bisherigen über die quellen der gracchischen Unruhen 
geführten Untersuchungen waren hinsichtlich Plutarch's zu vor- 
wiegend negativen resultaten gekommen, welche von R. Schmidt 
(Kritik der quellen zur geschichte der gracchischen Unruhen. 
Dramburg 1874) dahin zusammengefaßt wurden, daß nur das 
eine sicher behauptet werden könne , „daß wir über Plutarchs 
quellen zu keiner sicheren und beweisbaren annähme zu gelan- 
gen vermögen". Der verf. der uns vorliegenden schrift will 
von solcher freiwilligen resignation nichts wissen und setzt den 



24 7. Plutarchüs. Nr. 1. 

urtlieilen H. Peter's, Heinrich's und R. Schmidt's eine abermalige 
Untersuchung des Sachverhalts entgegen , auf grund deren er 
schließlich die für die einzelnen capitel der plutarchischen bio- 
graphieen der Gracchen verwendeten quellen namhaft macht 
oder "wenigstens im allgemeinen zu charakterisiren versucht. 
Er schließt mit dem satze : Itaque, si mihi iudicare licet (?), Plu- 
tarchüs , quamvis alia de Gracchis sentientem potissimum ducem se- 
cutus est Livium. — Die beweisführung van Geer's ist, — eine 
eigenheit sehr vieler holländischen arbeiten — unendlich breit 
und ermüdend , ohne indessen den stoff überall zu beherrschen 
und dessen zahlreiche Schwierigkeiten zu erschöpfen. In allem 
ernste hat sich der verf. daran gemacht, die sämmtlichen Schrift- 
steller, welche vor Plutarch eine darstellung der geschichte der 
Gracchen gegeben haben , hinsichtlich ihrer etwaigen beziehun- 
gen zu den biographieen Plutarch's durchzuprüfen , und wenn 
auch selbstverständlich die erhaltenen fragmente in den wenig- 
sten fällen ein sicheres urtheil ermöglichen , so gewinnt man 
doch schließlich den eindruck , daß der verf. die möglichkeit 
einer umfassenden benutzung des Posidonius, Tuditanus, Asel- 
lio, Claudius Quadrigarius u. s. w. (p. 41 — 45 werden circa 100 
Vorgänger des Plutarchs aufgezählt !) für vollständig ausge- 
schlossen ansieht. Da auch die von Plutarch selbst citirten 
gewährsmänner (Polybius, Fannius, Cicero, C. Gracchus) nach 
der ansieht des verf. nur für einzelne episoden genutzt worden 
sind, so kann als hauptquelle, wenn eine solche überhaupt an- 
genommen wird, eigentlich nur noch Livius in betracht kom- 
men , dessen zahlreiche berührungspunkte mit Plutarch schon 
von Heinrich (De fontibus et auctoritate Plutarchi in vitis Grac- 
chorum. Halae 1865) hervorgehoben worden sind. Als ein- 
zigen zwischen den darstellungen beider Schriftsteller bestehen- 
den wichtigeren gegensatz läßt der verf den bericht über die 
lex iudiciaria des C. Gracchus gelten und bekämpft mit geschick 
die ansieht der früheren, die auf grund der allerdings sehr ver- 
schiedenen beurtheilung der Gracchen seitens des Livius und 
Plutarchüs die direkte benutzung des ersteren in abrede ge- 
stellt hatten. Mit recht wurde hier auf den panegyrischen 
grundton der sämmtlichen plutarchischen biographieen hinge- 
wiesen. — Indem wir dem verf. insoweit zustimmen, daß auch 
wir eine reihe der auffallenden Übereinstimmungen zwischen Plu- 



Nr. 1. 7. Plutarchoö. 25 

tarch einerseits und Orosius, Valerius Maximus und den übrigen 
epitomatoren andererseits nur aus einer abhängigkeit des Plu- 
tarch von Livius uns zu erklären vermögen , so sind wir doch 
weit davon entfernt, auch den vom verf. hieraus gezogenen fol- 
gerungen uns vollständig anzuschließen. Je weniger der be- 
weis erbracht ist, daß Plutarch einer jeden seiner biographieen 
eine einzige hauptquelle zu gründe legte , um so consequenter 
glauben wir besonders hinsichtlich jener partieen , für welche 
uns , wie für die biographieen der Gracchen , die primären so- 
wohl, als die meisten abgeleiteten quellen nicht mehr vorliegen, 
uns auf die durch vergleichung mit den erhaltenen bruchstü- 
cken der quellenschriften gegründete constatirung der für ein- 
zelne abschnitte und capitel benutzten gewährsmänner 
des Plutarch beschränken zu müssen. Von einigen wenigen fäl- 
len abgesehen, hat die aufstellung von sogenannten „hauptquel- 
len" für die quellenkritik des Plutarch, dessen schriftstellerische 
Individualität noch viel zu wenig studirt worden ist, nur einen 
sehr geringen werth , was am besten durch den bunten Wech- 
sel der von den einzelnen forschern beliebten , sich gegenseitig 
aufhebenden hypothesen bewiesen wird. Was speciell das 
leben des Tib. Gracchus angeht , so kann der volle beweis da- 
für erbracht werden, daß Plutarch mindestens zwei, wahrschein- 
lich aber noch mehrere quellen zusammengearbeitet hat, was 
z. b. daraus hervorgeht, daß von ihm die anekdote von dem 
erscheinen des Tiberius auf dem forum als schutzflehender zwei- 
mal aus zwei verschiedenen quellen angeführt wird. Während 
die erste version (cap. XIII ende) wahrscheinlich auf Livius 
zurückgeht, steht die zweite (cap. XVI ende) in äußerst naher 
beziehung zu Appian (B. civ. I, 14 ende), über dessen verhält- 
niß zu Plutarch der verf. sich leider nicht klar geworden ist. 
Vielleicht ist hier mit Voltgraff (Greek writers on Roman Hi- 
story. Leyden 1880) an eine gemeinsame griechische quelle 
des Appian und Plutarch zu denken, für welche vermuthung ei- 
gentlich auch der verf, auf grund des an die spitze seiner ar- 
gumentation gestellten satzes sich hätte erklären müssen , indem 
er dafür hält , daß Plutarch ,,se duo fontes ei ad manus erant, 
Romanus et Graecus , ceteris paribus eum posteriorem verisimiliter 
priori praetulisse (p. 7). Was heißt freilich : ,^ceteris paribus^'' ? 
Nicolaua Damascenus und Strabo werden von dem verf. einzig 



26 8. Martialis. Nr. 1. 

deshalb , weil sie ,,«« homines Graeci^^ über römische Staatsver- 
hältnisse wahrscheinlich mangelhaft berichteten , aus der reihe 
der für Plutarch in frage kommenden quellen Schriftsteller ge- 
strichen (p. 49. 50). Von den zahlreichen, mit dem gegenständ 
der Untersuchung zumeist in nur sehr loser Verbindung stehen- 
den digressionen des verf. nennen wir den versuch, die vielbe- 
sprochene abfassungszeit der Plutarchischen biographieen in die 
jähre 98 — 107 zu setzen (p. 46). Als beweis dafür wird vor- 
gebracht , daß Senecio , dem Plutarch seine biographieen dedi- 
cirte, im jähre 107 zum vierten und letzten male consul gewesen 
ist und also (?) bald darauf gestorben sein wird , weil er 
ja außerdem das consulat zum fünften male bekleidet haben 
müßte. Da andererseits Plutarch seine vitae wahrscheinlich als 
hülfsbuch für den Unterricht des ihm zur erziehung anvertrauten 
Hadrian verfaßt hat, so können sie nicht vor 98 geschrieben 
sein (?). Den namen des aufopfernden freundes des C. Grac- 
chus will der verf. aus Laetorius in Lectorius geändert wissen. 

jB. Haupt. 

8. Hans Flach, zum ersten buche des Martial, in der 
Zeitschrift für die österreichischen gymnasien, 31. Jahrgang 1880, 
p. 801 — 815, und: 

9. Martialis epigrammaton librum primum recensuit, com- 
mentariis instruxit Joh. Flach. Tubingae 1881, Laupp. XXIV 
und 120 p. — 3 mark. 

Nachdem professor Flach in dem genannten aufsatze eine 
anzahl kritischer bemerkungen geboten hatte, veranstaltete er, 
nach nr. 9, p. XXIV nur auf wünsch seiner hörer, die vorlie- 
gende ausgäbe. Vorausgeschickt ist derselben eine zweckentspre- 
chende biographie des dichters (p. V — XIV), eine kurze bespre- 
ehung seiner metra (p. XIV — XVII) , ein überblick über die 
handschriften (p. XVII — XXI), eine erwähnung der hauptsäch- 
lichsten ausgaben (p. XXI — XXIV). Es folgt ein stark ver- 
änderter text des ersten buches des Martial mit kritischem und 
exegetischem commentar. 

Das latein der zunächst für studierende bestimmten aus- 
gäbe ist weder classisch noch gewandt ; ja man findet auch so- 
loecismen , wie nee (statt et ne) anapaestum quidem (p. XV), vi- 
lico cjxii ruribus praestat (statt praeeat ^ zii 49, 26), ulcos (statt 



Nr. 1. 9. Martialis. 27 

ulcera , zi; 65, 1), quod nee minus prorsus reiieiendum est (zu 
109, 1), ulteriores cuneos aera petis (in der Zeitschr. zu 26, 4). 
Vgl auch die anm. zu 11, 2. 26, 10 Die negation wird nicht 
zu 2^osse gestellt (z. b. zu 106, 10 und zu stringat der praef.) ; 
non nisi findet sich neben einander, ja zu einem worte verbun- 
den (zu 85, 8). Auch die zahl der druckfehler ist sehr bedeu- 
tend; und am Schlüsse des buches (116 und 118) sind im text 
nicht einmal mehr die pentameter eingerückt. 

Bei der aufzählung der wichtigsten ausgaben (aber 
nur der kritischen!) wird die 1825 erschienene ausgäbe von 
Lemaire gepriesen, quod primus indicem verhorum conflcere instituit, 
quamvis omnihus locis neglegenter confectum atque mutilum. at tarnen 
indicem! Also, daß der wort-iudex (des Jos. Langius, Lutet. 1600) 
schon älteren ausgaben beigegeben ist, so außer der editio in 
usiim Delphini bereits der ausgäbe des Ramirez und der Pa- 
riser von 1617, das ist dem Verfasser weder bei seinen Vorle- 
sungen über Martial noch bei der herausgäbe des dichters be- 
kannt geworden! Für die Variantenangaben hat der verf. 
selbst den Vossianns 1 (R) collationiert (vgl. z. b. epigramm 21), 
doch habe ich eine irgend für die kritik bedeutende abweichung 
von Schneidewin nicht gefunden. Dagegen sind die Varianten- 
angaben selbst recht nachlässig : die lesart des Palatinus fehlt 
an sehr vielen stellen (so 82, 3. 87, 3. 4. 88, 5. 106, 8. 9. 
108 , 6). Ja an zwei stellen fehlt bei lesarten , die gegen die 
Überlieferung aufgenommen sind, jede Variantenangabe (103,4. 6). 
Sodann wird 73, 2 der Puteaneus für zwei sich widerspre- 
chende . lesarten citiert , ohne daß man einen druckfehler ver- 
muthen kann. Das auffallendste aber ist, daß in dem aufsatz 
in der Zeilschrift 4mal (zu 15, 10; 26, 4; 66, 3; 82, 3) und 
Imal auch in der ausgäbe (zu 66 , 3) der Thuaneus für epi- 
gramme citiert wird, die er gar nicht enthält. Sollte der verf. 
bei Veröffentlichung des aufsatzes die bedeutung des Sternchens 
in Schneidewin's kritischem commeutar noch nicht erkannt und 
so auch in den nicht mit Sternchen bezeichneten epigrammen 
das ,,reliqui'-^ Schneidewin's auch auf den Thuaneus bezogen 
haben ? 

In metrischen dingen muthet uns der verf. ziemlich 
viel zu. Zunächst wird der durch conjectur gewonnene hexa- 
meteranfang desiituit aevi viridis (101, 3) nicht dadurch ge- 



28 9. Martialis. Nr. 1. 

rechtfertigt, daß Martial die gleiche personalendung 2mal vor 
der pentametercaesur statt einer langen silbe gebraucht hat. — 
P. XV bespricht der verf. die versfüße, in denen im choliambus 
statt des iambu.s, 1) ein spondeus, 2) ein dactylus, 3) ein ana- 
päst , 4) ein tribrachys eintreten kann ; aber unter den neun 
stellen, die er hierbei citiert, sind nicht weniger als drei fälsch- 
lich genannt: leicht verzeihlich ist es, daß der dactylus und 
tribrachys im ersten und dritten fuße von V, 51, 6 als „dwo 
tribrachi deinceps"- bezeichnet werden-, aber für den anapäst im 
dritten fuße wird I , praef. 3 citiert {cur in theatrum , Cato se- 
vere, venisti) und dieser irrthum in der anm. zu I, praef. 3 wie- 
derholt. Ja für den dactylus im zweiten fuße wird III, 64, 1 
angeführt: Sirenos hilarem navigantium poenam; weiß denn der 
verf. nicht, daß die Sirenen in der zeit Martial's noch nicht 
nach der ersten decliniert werden, und daß eine lange Senkung 
im zweiten oder vierten fuße des choliambus für Martial ganz 
unmöglich ist? Freilich der verf. hält sie für möglich: er selbst 
conjiciert 61, 5: Apollodoro plaudit spicifer (statt imbrifer) 
Nilus! — Auch über die positionslänge zeigt sich der verf. 
nicht hinlänglich unterrichtet: 115, 1 (invide ProeiUe) erklärt er 
invide als vocativ, und um diese dehnung durch muta cum li- 
guida des folgenden wortes zu rechtfertigen , citiert er lauter 
beispiele mit sp, str, scr. Nach einer solchen bemerkung würde 
ein böswilliger recensent sagen, er verwechsele auch liquida cum 
muta mit muta cum liquida^ wenn er 76, 2 [Flacce , Antenorei 
spes et alumne laris) einen hiatus statuiert. 

Fast durch das ganze buch ^) geht der irrthum , in den 
stellen , wo Martial den gleichen namen nennt , ohne weiteres 
die personen zu identificieren und ebenso der irrthum, 
die gedichte als an die verspotteten geschickt anzusehen. 
Als beispiel wähle ich I, 9: ,,Ad Cottam, vanum et nitidum ar- 
delionem, ad quem I, 23. VI, 70. X, 13. 49. 88. XII, 87 mma». 
Also all diese gedichte sollen auf dieselbe persönlichkeit gehen! 
Aber I, 23 ist Cotta ein cinaedus oder fellator, VI, 70 ein kern- 
gesunder 62jähriger mann, X, 49 ein unanständiger reicher 
gastgeber, XII, 87 ein homo pauperrimus, X, 64 endlich ist er 
nur in einem citierten verse eines anderen dichters die angere- 

1) Gegen Schluß bricht größere vorsieht durch; vgl. a. b. zu 
108 und 114, 1. 



Nr. 1. 9. Martialis. 29 

dete person. Und was soll das hier und sonst gebrauchte wort 
missaf Gewiß hat Martial einzelne seiner epigramme an die 
daselbst angeredeten personen geschickt, die dann auch mit ih- 
rem wahren namen bezeichnet sind ; aber an die von ihm ver- 
spotteten und dann auch dem in der praefatio ausgesprochenen 
grundsatz gemäss mit pseudonymen bezeichneten personen hat 
Martial das betreflPende epigramm ebenso gewiß nicht geschickt. 
Wenden wir uns zur textesgestaltung des verf. im 
einzelnen, so müssen als beachtenswert zwei von ihm selbst 
gemachte conjecturen bezeichnet werden: 48, 3 est audacior, 
wo velocior in der that nicht passend ist, und 34, 7 vel Thaide. 
Die aufnähme anderer lesarten als der Schneide- 
win's (incl. fremder conjecturen) war an 4 stellen durch den 
gedanken der betreffenden stellen gefordert: 43,5 lenta statt longa, 
49, 4 aquis statt equis (doch ist die gegebene erklärung fraglich), 
49,5 et fractis statt efractis, 116, 2 'pavxa statt pulcra; außer- 
dem ist dieselbe, ohne durch den sinn gefordert zu sein, zu bil- 
ligen : 1 5, 10 fluunt stattßuent, 18, 6 toxica saeva mero statt toxica saeva 
cado, 22, 1 quid nunc saeva statt quid non saeva, 26, 4 petis statt 
hihis (aber nicht sprachlich notwendig-, vgl. Varro Sat. men. 343), 
43,7 lactentes statt lactantes , 82,3 heu quanto (richtiger wäre 
en quanto) statt in tanto (doch bürdet Flach mit unrecht dieser 
lesart Schneidewin's eine ganz sinnlose erklärung auf), wohl 
auch 12, 1 und 85, 3 {ista necesse statt esse necesse). Die inter- 
punction ist 42,5 mit recht geändert, doch ohne änderung des 
Sinnes, vielleicht auch 62, 6. — — An folgenden stellen dage- 
gen sind ohne berechtigung conjecturen gemacht 
oder lesarten ohne kritischen werth aufgenommen 
worden: in der praefatio suavissimum für das allerdings wohl 
verderbte novissimum, stringat für scribat (Martial redet gar nicht 
von tadlern , sondern von ausklüglern der namen der verspotte- 
ten), incusarem statt excusarem (vgl. Philol. XLI, 2, wo ich diese 
und andere eine ausführlichere besprechung erfordernde stellen 
behandelt habe), praelegitur statt perlegitur (daß die bücher aus- 
gelesen werden, zeigt eben, daß sie gefallen); 6,3 f. exarmat 
für exorat , das natürlich nicht ,,eine besondere individuelle thä- 
tigkeit der bittenden hasen ," sondern ohne betonen des bittens 
nur den erfolg ausdrücken soll, und insonti für ingenti; 14,6 
acilicet geschmacklos für das treffliche sed tarnen , indem dichter 



30 9. Martialis. Nr. 1. 

und interpret verwechselt werden; 18, 5 wird die schlechte con- 
jectur nex nobis facile est statt der weit besseren Munro's in den 
text gesetzt; 21,2 (vgl. Philol. XLI, 2); 22, 4 gula statt sitis^ 
(vgl. Phil. a. o.) , 25,4 togae statt senes ■, 25, 7 tecum statt per te 
(vgl. Phil. a. 0.) ; 29,4 ist hoc eme quod mea sunt an sich nicht 
übel, doch ist der verlangte gedanke auch in Schneidewin's lesart 
genügend, ausgedrückt, (übrigens sind die kritischen und erklären- 
den noten nicht klar genug); 37, 1 ist miserum eine ganz schlechte 
conjectur für das feine misero (denn zu bedauern und zu beklagen 
hat man nicht die excremente , sondern das goldene geschirr, 
das sie aufnehmen mulSj; 39, 5 Imitator statt mirator\ 41, 6. 9. 10 
ohne alle berechtigung tepidum cicer statt madidum cicer und raiicis 
circumfert madidus cocus popinis statt raucus circumfert tepidis c. p., 
wobei ausdrücklich als grund der conjectur angegeben wird, daß 
dunst und wärme der küche nicht in die (doch mindestens daneben 
liegende) kneipstube dringen ; 43, 3 de seris tardantur vitibus 
uvae statt de tardis servantur v. u, (die Überlieferung ist dem 
herausg. ,, unverständlich" ; aber tardis „mit der reife säumend" 
ist eine feine bezeichnung der spät reifenden Sorten; und ser- 
vantur ist für das „aufheben" der trauben, die man im winter 
essen will, der technische ausdruck, vgl. z. b. Plin. h. n. XIV, 
3, 40- 46); 49, 5 f. und bes. 49, 13 f. werden ganz wüste än- 
derungen vorgenommen (vgl. Philol. XLI 2); 57,4 cruciet und 
satiet statt der besser beglaubigten indicative ; 70, 5 unde und 
vides statt inde und petes [petere heißt hier nur ,,nach e. seine 
richtung nehmen") ; 76, 6 inter statt omnes (aber das transitive 
fenerat ist durch die auch vom verf. citierte Cicerostelle ad fe- 
nerandas diripiendasque provincias gesichert); 79,3 nugas statt 
mulas (der spott beginnt eben schon mit v. 3); 80,2 ima statt 
una, das leicht durch die annähme erklärt wird, daß Canus bei 
mehreren gebettelt hat; 82, 9 prae metu unlateinisch statt des 
leicht verständlichen post metum, ferner wird grundlos ausfall 
eines verses vermuthet; 99, 18 contigeris für contigerit-^ 104,20. 
3 conjectur zur auswahl für venerint (,,wo doch die löwen eben erst 
vom niederwerfen der stiere kommen"); 105,4 cupies für voluit 
(vgl. Philol. XLI, 2); 109, 20 ipsi statt ipsa (vgl. Philol. XLI, 2); 
114,4 (vgl. jedoch 117,12); 117,13 2 conjecturen statt nee re- 
ges (vgl. Philol. XLI, 2). 

Die erklärenden anmerkungen des herausgebers sind 



Nr. 1. 9. Martialis. 31 

vielfach nachlässig oder irrig. 1 9 steht im text richtig Aeb'a, 
in der note dagegen unbegreiflicherweise Gellia und eine reihe 
von in der that auf Gellia sich beziehenden citaten ; auch wird 
daselbst von falschen zahnen der verspotteten gesprochen , wäh- 
rend sie 4 echte hatte und jetzt gar keine mehr hat. 8 8, 2 
ist statt Lavicana humus Lavicana via lemma und Inhalt der anmer- 
kung ; ja aus dieser vermeintlichen lesart („nostro ex loco patet^'-) 
wird auf begräbnilJstätten an der via Lavicana geschlossen (er- 
wiesen sind diese übrigens Becker - Marquardt V, 1, 364). — 
5 5, 10 wird ruber cadus als geschirr aus rotem Sandstein (statt 
thon) erklärt. 3 2 liest man in der anm. paedico statt fellator, 
ebenso 9 6 statt fellator oder cinaedus. Sehr arg ist es, daß der 
herausgeber 1 3, wie die gegebenen citate und die anm. zu 8, 1 
{eundera, i.e. Thraseam, ceZeirauz'i I, 13 j beweisen, SMi Paetus Thra- 
sea und die jüngere Arria statt auf Caecina Paetus und die äl- 
tere Arria bezieht; die jüngere Arria starb gar nicht mit ihrem 
gemahl. — Die grammatischen und sprachlichen anm. befremden 
mehrfach: 10 3, o giebt der herausg. zu dem Potentialis qualiter 

vivarn die Paraphrase utinam vivam und führt 2 stellen an , in 
denen in der that o oder osi mit conj. utinam mit conj. vertritt. 

1 1 6, 4 denkt der herausg. daran, hoc (sepulcro) erit als gleich 
mit hoc sepulcro tectus erit zu fassen, indem er tectus aus dem 
vorausgehenden tegitur ergänzt. 10 9, 11 wird zu gutta pallia 
non /efellit una verfehlt bemerkt : exspectasses : non fefellit domini 
spem, nulla gutta in pallia demissa-^ es schwebt vielmehr das bild 
eines schweigend mit den pallia eingegangenen Vertrags , sie 
nicht zu beschmutzen, vor. 61, 4 wird Stellaque nee Flacco 
minus (,,und Stella und nicht minder Flaccus") sprachwidrig 
erklärt : ,,i. e. nee Stella minus nee Flacco.'"'' 19,3 finden wir 
eine falsche anm. über totis diebus. 7 6, 1 wird über einen 
gebrauch von sed gesprochen, der an der betreffenden stelle gar 
nicht vorliegt. — 

Ferner sind noch folgende anmerkungen als irrig zu bezeich- 
nen: Inder praefatio wird Zwdej-e als der eigentliche ausdruck 
für epische (!) und lyrische dichtungen bezeichnet, von denen es 
auf die epigrammendichtung übertragen (!) sei. Ebenfalls in 
der pr aefatio wird titido , das natürlich den titel (die Über- 
schrift) des (ganzen) buches bezeichnet, erklärt als die „epistula, 
guae libro praecedit ;" das ist sprachlich unmöglich •, und was 



32 10. Sallustius. Nr. 1 

wäre dann ,,epistola vel potim titulo^'' für eine tavitologie Mar- 
tial's! 3, 7 wird basia iactas erklärt durch „basiis acceptis glo- 
riaris"- ; es heißt vielmehr „kulihändchen zuwerfen ;" vgl. luv. 
IV, 117 und besonders Phaedr. V, 7,28, wo ebenfalls der akteur 
durch kußhändchen für das applaudieren dankt. 1 4, 4 wird 
vagus sprachwidrig erklärt durch solutus timore vel doloribus ; es 
bedeutet „hin und her," d. i. „heraus und wieder hinein." 
21,3 wird zu saeva sinnlos bemerkt „ex Mucii opinione,^' als 
ob Mucius jemanden (den Pors. ?) für grausam hielte und 
nicht vielmehr selbst gegen sich grausam wäre. 4 3, 11 wird 
zu tantum spectavimus omnes bemerkt nempe te vorantem alios 
cibos. Es heißt vielmehr: „der eher war nur zum ansehen da, 
wie in der arena.^'' 5 6 soll auf einen caupo probus gedichtet 
sein statt improbus. 5 8, 4 wird meam in invidiam erklärt 
durch ita ut invidia adversus Phoebum afficiar • es bedeutet 
ita ut invidia (natürlich nicht "neid") in me exeitetur, d. i. ,,auf 
meine kosten". 6 4 wird puella (, jung") mit virgo identificiert. 
7 6, 7 f. sollen die oliven wegen ihrer Wertlosigkeit angeführt 
werden, während sie der dichter im gegensatz zum epheu we- 
gen ihrer einträglichkeit , als den bäum der einträglichen Mi- 
nerva, anführt. 9 9, 1 3 wird das in Martial's zeit noch unbe- 
dingt coUective moneta mit ,, einer münze" übersetzt. — Ebenso 
sind falsch die erklärungen von 11 und 26; 18, 6; 22, ß; 
26,5; 43,6; 45; 66,2; 89; 102; 106,1; 106,10. Ueber 
diese stellen habe ich gesprochen Philol. XLI, 2, p. 359. 

W. Gilbert. 

10. K. Kraut. Ueber das vulgäre eleraent in der sprä- 
che des Sallustius. Blaubeuren. 1881. 4°. 

Das Programm faßt manches, was bisher als archaisch be- 
zeichnet worden war, unter dem gesichtspuncte des vulgären, 
und da sich das archaische latein in der Volkssprache mehr er- 
halten hat als in der sich entwickelnden und reinigenden litte- 
ratursprache , so ist in der that manche eigenthümlichkeit des 
Sallust archaisch und vulgär zugleich. Das verdienst des verf. 
besteht nun weniger darin, diese beiden kategorien, die oft nicht 
zu trennen sind, schärfer gesondert zu haben (er beansprucht das 
selbst nicht , sondern begnügt sich damit, einen beitrag zur lö- 
suug der frage geliefert zu haben), als einmal in der beobach- 



Nr. 1. 11. Geschichte der musik. 33 

tung von dingen, die bisher übersehen worden waren, und dann 
in der vergleichung namentlich des Fronto, Apuleius und Gel- 
lius mit der diction des Sallust , wofür er eine hülfe an der 
dissertation von Ebert , De syntaxi Frontoniana hatte. So findet 
sich der gebrauch von facundla und die construction von docet 
mit dem dativ in der archaisierenden prosa des zweiten Jahr- 
hunderts wieder, und puncto, die Brünnert und Schnitze de ar- 
chaismis Sallustianis gar nicht besprochen haben , sind beispiels- 
weise der gebrauch von civitas = urbs^ quasi bei zahlangaben 
= ferme , iuxta mecum , metum oder timorem hadere = esse in 
timore. 

Bei der bis an die grenzen des erlaubten streifenden knapp- 
heit der form ist auf den zwölf quartseiten ein reiches material 
zusammengedrängt; die stellen des Sallust sind in der regel 
nicht ausgeschrieben, sondern nur mit zahlen angegeben, der ge- 
brauch in der spätem litteratur oft nur durch die abgekürzten 
namen der autoren verzeichnet. Die neuesten schritten von 
Könsch, Jordan, Eebling, Guericke, Badstübner, Stinner, Wölfflin, 
Hellmuth, Thielmann, Landgraf, Ebert, Schmalz sind sorgfältig 
benutzt, wogegen eine genauere lectüre des Apuleius und Gel- 
lius wohl noch manchen bisher nicht bekannten beleg abgewor- 
fen hätte. 

11. Fr. Aug. Gevaert, Histoire et theorie de la musi- 
que de l'antiquite. Tome II. Gand 1881. 

Sechs jähre nach erscheinen des ersten theiles, den ref. im 
IX. bände des Philol. Anzeigers p, 299 ff. besprochen, ist dem- 
selben der zweite theil und damit der abschluß von Gevaert's 
musikgeschichte gefolgt. Was damals zu empfehlung des ersten 
bandes gesagt wurde, gilt alles in gleicher weise auch von die- 
sem zweiten. Auch er enthält eine fülle werthvoller mitthei- 
lungen , für welche die freunde des klassischen alterthums dem 
verf, ihren dank nicht versagen dürfen. Zu polemischen erör- 
terungen bietet sich dieses mal trotz des bedeutenderen umfangs 
(652 p.) weniger anlaß als bei dem erscheinen des ersten bandes. 

Der neue band bringt uns in seinem ersten drittel eine 
darstellung der antiken rhythmik, um sich sodann in dem grö- 
ßeren schlußabschnitt einer umfassenden geschichte der musi- 
schen kunstschöpfungen des alterthums zuzuwenden. 
Philol, An/. Xll. 3 



34 11, CT^acliiclile der miiöik. Nr. 1. 

Während unsere heutige musik durch die gesetze der mehr- 
stimmigen harmonie beherrscht wird, war grimdprincip der grie- 
chischen kunst der wohlgegliederte rhythmus. Einer einge- 
henden behandlung dieses gegenständes durfte sich der verf. 
um so weniger entziehen, da wir gerade über diese seite der 
griechischen musik ungleich besser als über die harmonik der- 
selben unterrichtet sind, indem wir die rhythmischen Schöpfun- 
gen der griechischen dichter zum großen theil noch besitzen und 
uns mit unseren fragen nach der harmonischen beschaffenheit 
dieser gesänge vielfach auf die rhythmische gestaltung derselben 
ausschließlich angewiesen sehen. Gerade dieser letzterwähnte 
umstand nun ist es, der uns Gevaert's behandlung der griechi- 
schen rhythmik als äußerst werthvoll erscheinen läßt. Dem 
verf. ist nicht nur die litteratur über diesen gegenständ, die ja 
gerade in Deutschland neuerdings einen ziemlichen umfang er- 
reicht hat , nahezu vollständig bekannt ^) ; nicht nur hat er die 
erhaltenen werke griechischer dichter eingehend studiert ; er 
versteht es auch , die verschiedenartigen reihen , perioden und 
Strophen dieser gesänge in ihrer eigenthümlichkeit zu erfassen 
und zu beurtheilen und von ihnen aus seine Schlüsse zu ziehen 
auf die bewegungen des gleichzeitigen tanzes sowie die tonfälle 
des begleitenden gesanges. 

Nachdem bei beginn der abhandlung die aristoxenischen 
principien der rhythmik vorgeführt sind, werden im zweiten ab- 
schnitt die grundsätze besprochen, von welchen einerseits die alten, 
andrerseits die verschiedenen modernen sprachen bei ihrer messung 
der Silben ausgehen •, alsdann wird äußere form und innerer Cha- 
rakter der einzelnen griechischen versfüße und reihen entwickelt. 
Je nachdem nun eine anzahl gleichmäßig geformter reihen , tri- 
podien, tetrapodien oder dergleichen, sich entweder in einfacher 
Wiederholung (a a a) zu einem ganzen verbinden oder in symme- 
trischer gliederung, welch letztere wiederum entweder parallelen 
{ah ah) oder antithetischen bau (ab h a) zeigen kann, und je nach- 
dem diese glieder sich um einen mitlelpunkt (mesodikon) grup- 

1) Am engsten schließt er sich an Westphal und Heinrich Schmidt 
an; aber auch Ahrens, Arnoldt, Christ, Köchly, v. Leutsch, Ritschi 
u. a. werden citirt. Muff's chorische technik des Sophokles ist dem 
verf. leider unbekannt geblieben. Polemik gegen H. Schmidt findet 
sich p. 468 betreffs der bacchischen und päonischen maße , welche 
Gevaert als enge verwandt ansieht. 



Nr. 1. 11. Geschichte der musik. 35 

piren oder nicht, entstehen die mannigfaltigen Gestaltungen der 
rhythmischen periode (p. 146 ff.). Diese perioden, ein cha- 
rakteristisches merkmal der griechischen chor-poesie , lassen in 
ihren plastisch ausgeprägten formen auch heute noch , wo die 
begleitende orchestik uns dieselben nicht mehr veranschaulicht, 
die musikalischen intentionen des componisten erkennen und bis 
zu einem gewissen grade sogar die Wendungen der uns verlo- 
renen melodie errathen. Denn man darf wohl annehmen , daß 
die melodie jenen rhythmischen perioden durchaus analog ge- 
staltet war, so daß sie z. b. wenn das dritte glied rhythmisch 
dem ersten gleich war, auch ihrerseits in der tonfolge dasselbe 
motiv wiederholte. Unsere heutige abendländische musik ist 
bekanntlich in rhythmischer beziehung bedeutend ärmer , als es 
die Schöpfungen eines Pindar und Aeschylos waren , indem wir 
uns vielfach mit der bloßen Wiederholung viertaktiger motive 
begnügen ; doch gelingt es dem verf. namentlich durch zuhülfe- 
nahme älterer Volkslieder, die gleiche Symmetrie in rhythmischer 
wie melodischer beziehung auch in abendländischen gesängen 
nachzuweisen (p. 151 fF. 201), und nachdem er die structur 
der rhythmischen perioden in sämmtlichen erhaltenen dichtun- 
gen der Griechen auf das genaueste verfolgte , wurde es ihm 
möglich, nicht nur über reichthum oder armuth an musikalischer 
erfindung bei jedem einzelnen dichter sich ein urtheil zu bil- 
den ^), sondern auch geleitet von der rhythmischen structur der 
Strophen denselben entsprechende melodieen selbst unterzulegen ^j 

2) Man vergleiche besonders p. 498 das uitheil über Telestes. 
Merkwürdig aber ist, daß durch diese art der betrachtung unser verf. 
jetzt über die erhaltene composition von Pindars erster pythiscber 
ode zu dem umgekehrten resultat gekommen ist, als er im ersten 
bände ausgesprochen. Er hält diese melodie , weil sie der rhythmi- 
schen gliederung des textes so gut entspricht , neuerdings für echt 
II, p. 471. Ref. muß gestehen, daß die Verschiedenheit der ange- 
wandten notenschrift ihm dieses unmöglich erscheinen läßt. Im Alj'- 
pios haben wir bekanntlich zwei verschiedene Systeme der noten- 
schrift, von denen das erstere gesangnoten , das zweite solche für in- 
strumentalmusik enthalten soll , richtiger wohl ersteres die jüngere, 
letzteres die ältere Schreibart der griechischen Scalen darstellt. (F. 
Bellermann, Tonleitern und musiknoten p. 45 f. Westphal , Metrik 
P, p. 389. Gevaert I, p. 424). Wenn nun aber jene von Kircher 
publicirte melodie zwei verse in der jüngeren, der sogenannten ge- 
sangnotenschrift , die drei folgenden dagegen in der älteren (der in- 
strumentalschrift) notirt zeigt, so muß das natürlich sehr starke zwei- 
fei an ihrer echtheit erwecken. 

3) Solche finden sich p. 41. 50 ff., 71 ff., 100 ff., 115 ff. 133. 136. 
180 f., 185. 193 ff., 202 ff., 221. 228 ff., 404. 4.S5. 469. 637. 

3* 



36 11. C4eschichte der miisik. Nr. 1. 

Zwei bis drei rhythmisclie pcrioden , verbünden zuweilen 
mit einem proodischen oder epodiscben slitzchen, das unser verf. 
p. 199 nicht übel mit einem ritornell (einem instrumentalen vor- 
oder nachspiel in moderner musik) vergleicht, bilden eine Stro- 
phe. Da nun auch die Strophen mit ihren gegensätzen sich in 
ähnlich mannigfaltiger weise gruppiren lassen, wie wir das bei 
den Perioden gesehen, so wiederholt sich hier im großen wie- 
derum derselbe reichthum an formen (p. 208 ff.). In den dra- 
men kehrt sogar dieselbe Symmetrie noch ein drittes mal wieder 
in der gruppirung von chorgesang und dialog (p. 214 ff.). 

So bietet denn auch dieser abschnitt des Gevaert'schen 
Werkes des lehrreichen und interessanten, vielleicht sogar über- 
raschenden eine große menge , und kein gelehrter , der sich mit 
metrischen fragen beschäftigen will und in den Strophen der 
griechischen poesie etwas besseres erkennt als eine ungeordnete 
menge langer und kurzer silben, darf denselben unbeachtet las- 
sen. Sogar zu Verbesserung der texte unsrer Schriftsteller findet 
sich in diesem buche eine ganze reihe von beachtenswerthen 
Vorschlägen ; dieselben rühren meist von A. Wagener her , ei- 
nem mitarbeiter des Verfassers *). 

Wie in des verf. erstem bände, so fehlt es auch hier nicht 
an interessanten parallelen und ähnlichen einzelbemerkungen. 
P. 20 z. b. führt er an, daß bei den Völkern des mittelmeeres 
in alter und neuer zeit ein gleichmäßig beliebter rhythmus der 
dreiachteltakt gewesen , während derselbe nach p. 333 bei den 
ostasiatischen Völkern gar nicht, auch bei denjenigen Indoger- 
manen, welche von Semiten, Finnen oder Tartaren beeinflußt 
wurden, nur selten vorkommt. Fünftheilige rhythmen sind bei 
Basken und Finnen, sieben- und neuntheilige bei den Türken 

4) P. 60 und 68 stehen Verbesserungsvorschläge zu Aristides Quinti- 
lianos. — P. 276 wird in Aristot. Probl. 19, 23 gelesen: ^»« t» dinXaßia 
Ttjf vriitji rj vTiäiti; und weiter ctikolg statt akXois. — P. 322 ffnvlu 
statt ov ydßka Soph. bei Plut. de fi apud Delph. 20. — P. 361 fin- 
den sich änderungen zu dem text des Atbenäos 14 , 42; p. 379 zu 
ebend. 4, 17. — In Proklos Chrestomathie p. 320b Bk liest Wagener 
p. 423: o d* vofxog rovpavriov di,a tüiv ^ & wf xtPHTKi. — In Plut. de 
mu8. 12 (fikcevd-Qwnotf xat ^fXxiixov (p. 483). — Zu Schol. Aristoph. 
Nubes 332 wird p. 488 vorgeschlagen: ^tci to tv «Qfiovicc fnu ftij vno- 
niniuv. — Zu Telestes fr. 4 iQaröqavog oder TiQcttöi^wvoi (p. 633). 
Weitere Verbesserungsvorschläge zu Aristoteles, Aristoxenos und Theo- 
phrast enthält der anhang (von 642 an); dieselben sind zum größten 
theil von mir besprochen in der AUgem. mus. zeitung 1881, p. 481, 
anm. 21 £f. 



Nr. 1. 11. Geschichte der musik. 37 

beliebt (p. 20 f. 27). Für die regelmäßige Wiederkehr der ir- 
rationalen Silbe anstatt der kürze und die dadurch hervorgeru- 
fene Verzögerung des rhythmus liefern gewisse amerikanische 
gesänge ein analogon, in denen fortwährend die erste hälfte des 
taktes triolen , die zweite dagegen zweitheilige werthe enthält 
(p. 55). Für das zusammentreffen fallender oder steigender 
melodie mit dem gleichartigen rhythmus werden p. 62 beispiele 
von Rossini und Beethoven angeführt. Von dem reineren und 
sorgfältigeren bau der schlußfüße z. b. im hexameter, sowie von 
dem umstände , daß gerade an diesen stellen häufig vers- und 
wortaccent zusammenfallen , zieht Gevaert p. 48 einen bemer- 
kenswerthen schluß auf stärkere hervorhebung des letzten ictus, 
welche in späterer zeit die entstehung des reimes veranlaßt 
habe. Umgekehrt gilt ihm (p. 50) der durch irrationale silbe 
verzögerte eingang der dorischen Strophe und ebenso die nor- 
dische Sitte der allitteration als ein zeichen für vorherrschende 
betonung des versanfangs. 

Doch auch was dem ref. mißfallen oder wenigstens zwei- 
felhaft erschienen , soll nicht verschwiegen werden. Dahin ge- 
hört die bezeichnung orthios, welche der verf. p. 52 f. dem 
irrationalen trochäos vindicirt mit berufung auf Bakcheios p. 25 
Mb. Dieser excerptor hat dort zufolge seiner beschreibung 1$ 
aXöyov iiganog xat (xaxQuq ^eGeiog und ebenso mit seinem bei- 
spiel oQyrj entschieden einen irrationalen iambos im äuge, und 
schon dieser unterschied würde hier , wo iambos und trochäos 
als verschiedene fuße gezählt sind, immerhin beachtung verdie- 
nen. Nach Westphals nicht unwahrscheinlicher vermuthung in- 
des (Metrik I'', p. 25) wäre hinter dem namen orthios vielmehr 
die beschreibung jenes langgedehnten iambos ausgefallen, der 
mit dem trochäos semantos verwandt ist (AQuint. 37, 16); dann 
dürfte um so weniger dieser name dem irrationalen trochäos bei- 
gelegt werden. 

Ferner will es dem ref. nicht gefallen, daß der verf. p. 123 
all und jeden Zusammenhang zwischen dem versfuße p ä o n und 
dem liede päan leugnet. Beide bezeichnungen finden sich so 
häufig vertauscht , daß ihre ursprüngliche Verwandtschaft sich 
unmöglich bestreiten läßt ^). 

5) Ai'isi-. Hhet. ITT, 8 uennt eleu fulä päau, Plato Legg. III, 15 



38 11. Geschichte der musik. Nr. 1. 

Unrichtig ist ferner die p. 168 gegebene definition der 
diäresis: „wenn der ruhepunkt unmittelbar vor dem ersten 
guten takttheil des zweiten versgliedes eintritt". Diese definition 
paßt wohl auf trochäische und daktylische verse, nicht aber auf 
iambische und anapästische , iiidem hier die diäresis vor einem 
schlechten takttheil und dagegen die cäsur vor dem guten 
takttheil eintritt. Vgl. AQuint. 52 : „ein einschnitt, welcher den 
vers in gleichartige theile zerlegt, wird besser diäresis genannt 
als cäsur". Dem entsprechend hat auch Gevaert p. 171 bei 
besprechung des anapästischen tetrameters sowie p. 173 mit be- 
zug auf den iambischen tetrameter den ausdruck cäsur zur un- 
zeit gebraucht. 

Die anapästischen Systeme im griechischen drama wurden 
nach unserm verf. von sämmtlichen choreuten in ähnlicher weise 
vorgetragen wie das recitativ in der alten italienischen oper 
(p. 234), bei der komödie mehr dem parlando, bei der tragödie 
mehr dem eigentlichen gesang sich nähernd (p. 179 f.). Daß 
diese partieen mit ihrer unregelmäßigen verszahl nicht eine ab- 
gerundete melodie haben konnten, ist an sich klar, ebenso, daß 
sie zwischen dem dialog und dem strophenmäßigen gesang eine 
mittelstellung einnehmen mußten. In der annähme einer instru- 
mentalen begleitung und einer art declamirenden gesanges sind 
darum auch wohl alle stimmen einig. Ob freilich letzterer mehr 
nach art des recitativ gesungen oder mehr nach derjenigen der 
parakataloge gesprochen zu denken sei, wird sich heute schwer- 
lich mehr feststellen lassen. Sollen , wie unser verf. glaubt, 
sämmtliche choreuten bei diesem vortrage betheiligt sein, so war 
ein gemeinsames sprechen derselben keineswegs so unmöglich 
als p. 215 angenommen wird, das beweist nicht nur das spre- 
chen der Volksmenge im Ammergauer spiel , sondern auch das 
der evangelischen gemeinde in Erlangen bei dem credo ihres 
gottesdienstes Uebrigens ist man in Deutschland jetzt wohl 
ziemlich darin einig, daß die anapästen nur von dem Chorführer 
gesprochen wurden ^). Noch mehr aber steht Gevaert allein mit 

mehrfach das lied päou , vgl. Xenoph. Anab. 3, 2, 9. Bion V, 93. 
Christ, Metrik p. 385 f. 

6) Diese Übereinstimmung constatirt Muff, Chorische technik des 
Sophokles p. 54. Für die gegentheilige annähme erwähnt er nur 
Heimsöth. Vgl. Arnoldt , Chorpartieen des Aristoph. p. 121. 140. 
Christ, Metrik p. 259. 266. 



Nr. 1. 11. Geschichte der musik. 39 

der meiuuüg (p. 330), bei marschauapästen müsse auf arsis und 
thesis je ein ganzer schritt gekommen sein. Der grund, den er 
anführt, daß die vortragenden sonst zu leicht außer athem ge- 
kommen wären , scheint mir vielmehr dafür zu sprechen , daß 
die schritte recht langsam genommen werden mußten und man 
eben deshalb auf jeden ganzen versfuß nur einen schritt machen 
konnte. 

Uebrigens sei hier noch erwähnt, daß betreffs vereinzelter 
iambischer trimeter , welche ohne Personenwechsel in einen 
kommos eingeschaltet sind , Gevaert p. 227 nicht declamation, 
sondern gesang annimmt, indem ihm ein so rascher Wechsel von 
spräche und gesang undenkbar erscheint '^). Findet sich dage- 
gen bei ähnlicher gelegenheit eine ganze reihe von trimetern, 
und wechselt dabei zugleich die vortragende person, so nimmt 
Gevaert (p. 235, in Übereinstimmung mit Muff p. 64) melodra- 
matischen Vortrag an, indem er sehr richtig bemerkt, daß die- 
ser Wechsel bei der melodiösen spräche der Griechen und der 
großen einfachheit ihres gesangs nicht allzu, groß mehr er- 
scheine. 

Davon, daß Horaz seine öden gesungen habe, will Gevaert 
p, 187 nichts wissen. Ref gesteht, daß er persönlich sich ge- 
neigt fühlt dieser meinung zuzustimmen, obgleich dieselbe als 
eine ketzerische gilt, seit 0. Jahn sich im Hermes 1868 für 
den gesang der horazischen öden ausgesprochen. Betreffs des 
versus adonius aber hätte angesichts des u-xorius amnis , inter- 
lunia vento und ve-nale neque auro sich der verf. ebd. nicht so 
entschieden für die selbständige stfllung dieses verses bei Horaz 
aussprechen sollen. — Schließlich sei noch die kleinigkeit be- 
merkt, daß p. 216 besser von mehreren epeisodien in jeder tra- 
gödie gesprochen würde. 

Dem zweiten hauptabschnitt dieses bandes , der geschichte 
der musik, geht ein kapitel voran über die antiken saiten- und 
blasinstrumente. Diese partie , für deren erforschung dem 
verf. ein reichthum an mittein zu geböte stand, wie keinem an- 
dern vor ihm, ist von eminenter bedeutung für unsere kenntnis 
der hier besprochenen gegenstände. Da sich jedoch über die 

7) Muff p. 42, sowie H. Schmidt, Eurhythmie p. 77 und 189 sind 
zwar hierin anderer meinung. Indes ist der von Gevaert für seine 
«ansieht angeführte grund .sicherlich beachtenswertb. 



40 11. Geachiclite der musik. Nr. 1. 

holzblasinstrumente ref. kürzlich in der Allgemeinen musikali- 
schen Zeitung eingehend geäußert ^) und betreffs der Saitenin- 
strumente eine ähnliche absieht hegt, darf er hier diese fragen 
wohl übergehen. 

In der nun folgenden geschichte der praktischen 
kunst gibt uns Gevaert einen vortrefflichen überblick über 
entwickelung , blüthe und verfall der einzelnen kunstzweige im 
alterthum. Seine umfassenden litterarischen Studien , verbunden 
mit seinem großen geschick in den rhythmischen schematen fin- 
gerzeige für die melodische gestaltung zu finden, befähigten ihn 
in hervorragender weise dazu, dieses von Westphal dereinst be- 
gonnene aber leider nicht abgeschlossene werk zu ende zu füh- 
ren. In fünf kapiteln führt er uns vor : 1 ) die archaische kunst, 
sich bethätigend in einzelvorträgen für gesang sowohl als für 
Instrumente ; 2) die altklassische epoche , nämlich die dorische 
chorlyrik und das äolische liebeslied; 3) den dithyramb in Ko- 
rinth und Athen, zugleich höhepunkt der lyrik in Pindar und 
anfange des Verfalls in Phrynis ; 4) die musik im drama •, end- 
lich 5) das abblühen der einzelnen kunstzweige, die musik zur 
alexandrinischen und römischen zeit. 

Schlagen wir , um ein bild- zu gewinnen , wie der verf. 
diese abschnitte behandelt, einmal den zweiten unter ihnen auf, 
den von der dorischen und äolischen lyrik , bei welchem West- 
phal bereits nicht mehr als führer dienen konnte. Es wird hier 
zunächst p. 363 die hohe bedeutung besprochen, welche bei den 
für plastische formen so empfänglichen Griechen die zum ge- 
sang hinzutretenden orchestischen bewegungen hatten. Wie bei 

8) Ällg. mus. Zeitung 1881 , p. 465. Nur das sei hier erwähnt, 
daß der verf. leider über vrerbreitung des doppelaulos in Griechenland 
nicht die richtige ansieht hat und daß in folge dessen seine angaben 
über die natur dieses instruments einer bedeutenden modification be- 
dürfen. — Betreifs der signalinstrumente des römischen heeres be- 
bestätigt Gevaert p. 629 und 652, was Marquardt, Handbuch der röm. 
alterthümer III über dieselbe lehrt. Bucina und lituus stimmen nach 
den Untersuchungen unsres verf. in der octave zusammen, so daß jene 
einem waldhorn , diese einer modernen trompete in G entspricht. 
Erstere ermöglicht außer dem gruudton noch dreizehn, letzterer acht 
obertöne. Die legionen hatten außer der tuba und bucina noch das 
etruskische cornu aus thierhörnern , vielleicht identisch mit dem von 
Aristot. de audib. p. 802 erwähnten hörn. Gevaert vergleicht es dem 
alphorn oder hifthorn. — Vgl. hiezu den katalog (Annuaire) des 
Brüsseler conservatoriums für musik 1881, p. 143 f. wo sich auch das 
bei Marquardt fehlende cornu abgebildet findet. 



Nr. 1. 11. Geschichte der musik. 41 

uns die harmonischen unterstimmen Wirkung und eindruck der 
melodie heben und verstärken, so bei jenen der reigentanz, eine 
art instrumentalbegleitung für das äuge. Die Verschiedenheit 
der griechischen stamme und städte bot in den mannigfachen 
nationaltänzeu eine reiche fundgrube für ausdrucksvolle formen 
der orchestik. Die tanze konnten sich verschiedenfach gestalten, 
je nachdem entweder nur ein oder einzelne Vorsänger nach ein- 
ander sangen und spielten , während der chor ihnen mit gesten 
und Wiederholung des refrains secundirte (II. 18 und 24), oder 
indem eine hälfte des chores sang und die andere tanzte (Hym. 
Ap. Pyth.), oder endlich indem der ganze chor seinen eigenen 
gesang mit gesten und evolutionen begleitete. Der verf. be- 
spricht sodann die einzelnen gattungen der chorgesänge. Bei 
gelegenheit der hymnen erinnert er an die bei Aristophanes er- 
haltenen parodieen und wirft einen blick auf die vedischen 
hymnen, bei deren Vortrag drei solosänger und an vierter stelle 
der chor sich ablösten. Bei behandlung der päane zählt Ge- 
vaert die anlasse derselben auf, sowie die gottheiten, denen sie 
gelten , erinnert an die Verwandtschaft mit dem kitharodischen 
nomos (Strabo 9,3, 10), au die ursprüngliche begleitung der 
cither , an die ältesten versmaße , hexameter oder orthische 
rhythmen (Eur. Ion) , an vorkommen und fehlen orchestischer 
begleitung , an den refrain : ie paian. Es kommen dann die 
prosodien an die reihe, die parthenien, die hymenäen mit ihrem 
refrain , die threnoi , wobei interessante vergleiche mit klagelie- 
dern auf Corsica und in der Dauphind angestellt werden , end- 
lich die hyporcheme (bei denen in homerischer zeit nur der 
kitharode , später jedoch sämmtliche theilnehmer sangen) und 
die pyrrhicheu. 

Darauf werden p. 375 die meister, welche sich um begrün- 
dung oder ausbildung der einzelnen gattungen Verdienste erworben, 
der reihe nach durchgenommen. Zuerst Thaletas, der von Kreta 
her chortänze und zwar solche mit fünftheiligen rhythmen nach 
Sparta verpflanzte. Neben den raschen pyrrhichischen waffen- 
tanz , an welchem die verschiedensten altersklassen der männer 
sich betheiligten , traten damals die graziösen und gesetzten 
gymnopädien der männlichen jugend. Strophische gliederung 
glaubt ihnen der verf. absprechen zu sollen, da diese der sinn- 
gemäßen gesticulatiou hinderlich wäre. Die pyrrhicheu wurden 



42 11. Geschichte der muaik, Nr. 1. 

auf dem aulos , die gymnopädien auf der cither begleitet. Xe- 
uodaraas war meister in päanen und hyporchematischen liedern; 
au letzteren mögen bei ihm bereits beide geschlechter theil ge- 
nommen haben. Trotz der bekannten Schwerfälligkeit war den 
Spartanern doch eine gewisse fertigkeit in pantomimischen be- 
wegungen , die gäbe der nachahmung und ein sinn für erfas- 
sung der schwächen anderer eigen , so daß es au den hyakiu- 
thien oft sehr lustig zuging. Xenokritos aus Lokroi giebt un- 
serm verf. gelegenheit von der eigens an jenem orte heimischen 
tonart zu sprechen (vgl. hier anm. 11) und auf die später in 
dem südlichen theil jener halbinsel blühenden kunstschulen ei- 
nen raschen blick zu werfen; während er andererseits von der 
Wanderung dieses künstlers nach Sparta einen Schluß zieht auf 
die bedeutung der hier von Thaletas begründeten richtung. 
Der verf gedenkt sodann p. 380 der arkadischen chorreigen, 
von denen noch Polybios mit so großem stolze spricht , sowie 
der in Argos schon lange vor Sakadas üblichen chortänze, und 
geht nach kurzer erinnerung an die kriegslieder des schon in 
einem früheren abschnitt bei gelegenheit der aulodik erwähnten, 
der Zeitfolge nach indes hieher gehörigen Tyrtäos zu einer we- 
sentlich anderen art von chortänzen über. In den auf den 
zweiten messenischen krieg folgenden friedensjahren nämlich 
waren es die gesänge und tanze des Lydiers Alkman , welche 
unter stetigem beifall in Sparta zur darstellung kamen. Der 
dichter, dessen blüthezeit nach den neuesten forschungen zwi- 
schen 628 und 600 angesetzt ist, wird uns geschildert als ein 
mann von naivem , anmuthigem wesen und tiefem naturgefühl, 
wie es sich nur bei der Sappho wiederfindet. Gevaert führt 
uns die mannigfaltigen rhythmen Alkmans vor , der mit recht 
sagen konnte, er kenne die mancherlei gesänge sämmtlicher vö- 
gel, hebt darunter besonders das xma öäxivlov ildog mit seiner 
leichten raschen bewegung hervor und macht aufmerksam auf 
die hier zum ersten mal auftauchenden logaöden. Besonders 
lenkt er das augenmerk des lesers auf das 60. fragment , Ev- 
dovaiv (J' ogitov xoQv<paC, das er mit Köchly (Akad. vortr.) eine 
hochzeits-serenade xataxoifjbtjTtxöv nennt. Das metrische schema 
wird in antiken und modernen taktzeichen (diesesmal ohne me- 
lodie) veranschaulicht und in drei perioden , eine mesodische 
(6 -j- 4 -|~ 6 takte) und zwei stichische zerlegt (6 -|- 6 und 



Nr, 1. 11, Geschichte der rnusik. 43 

3 -|- 3). Das große partheneion ist das älteste gedieht , das 
längere als vierzeilige Strophen aufweist (Ahrens im Fhilol. 
XXVII). In folge dessen bestand natürlich auch die orchesti- 
sche bewegung bei Alkman nicht mehr aus einer kleinen zahl 
von bewegungen oder Stellungen, sondern in der regelmäßigen 
Wiederkehr größerer und mannigfaltigerer gruppen , welche vor 
dem äuge des Zuschauers mehrere male ein kunstreich erson- 
nenes bild vor überführten. Auch die cantilena erweitert sich 
und entwickelt sich ohne die einheit einzubüßen mit hülfe 
rhythmischer und melodischer metabolai zu größerer mannigfal- 
tigkeit. Er hat den vorher ziemlich ärmlichen gesaug mit dem 
reichthum und dem sinnenzauber asiatischer melodieen belebt. 
Dieses fremde element, mit dessen herbeiziehung der Phrygier 
Olympos die Instrumentalmusik umgewandelt hatte , verpflanzte 
der Lydier Alkman in den chorgesang. „Er wußte die dorische 
lyra dem gesang der Lydier zu vermählen" (Himerius). Aber 
nicht die klagende lydische weise des Marsyas stimmte er an, 
sondern die elegante lydische xui' l^ox^v^ die sich gefällt in der 
begleitung der orientalischen pektis (oder magadis fr. 91) ver- 
eint mit der weidenflöte. So verwerthete Alkman die erinne- 
rungen aus seinem heimathlande besonders für die hymenäen, 
jene specifisch lydischen gesänge (Suid. vfxivaiwf). Indes wußte 
er so gut wie Olympos sich dem griechischen genius zu fügen; 
er componirte seine parthenien zum theil jedenfalls in dorischer 
tonart ; wie solche noch zu Alexanders zeit existirten. Gleich 
dem maestro al cemhalo der italienischen oper leitete Alkman die 
aufführüng seiner compositionen, indem er die cither spielte (fr. 
66). Für gesänge dagegen, welche die begleitung der flöte er- 
heischten , wie die hymenäen , hatte er phrygische auleten in 
seinem dienst. Die einstimmigen gesänge , wie etwa die tafel- 
lieder, begleitete mau mit einem Saiteninstrument (Hesychios v. 
xXiipiufxßoi,). 

Mit. Alkmaus tod hört Sparta auf mittelpunkt der musen- 
kunst zu sein, seine schule versinkt bald in völliges dunkel, aus 
welchem nur noch drei sehr vereinzelte namen von lakedämoni- 
schen musikern hervorleuchten : Dionysodotos , Gitiadas und 
Spendon. Als componisten von chören in anderen städten wer- 
den zunächst noch Xanthos und Sakadas genannt , zu höherer 
blüthc schwingt sich dieser kunstzweig in Öicilien empor durch 



44 11, Geschichte der rausik. Nr. 1. 

Stesichoros (p. 388). Da Glaukos (bei Plutarch. Mus. c* 7) ihn 
eiDon nachahmer des Olympos nennt, der von Terpander und 
ähnlichen nichts habe wissen wollen, wundert sich Gevaert, bei 
Stesichoros in den erhaltenen fragmenten so wenig neue rhyth- 
men zu finden und kommt deshalb auf die vermuthung, jenes 
urtheil beziehe sich vielleicht auf die tisch- und liebeslieder des 
dichters. Von diesen ist nur wenig erhalten-, fr. 44 aber zeigt 
munteren asklepiadeischen rhythmus. In seinen chorgesängen 
läßt Stesichoros strophe und antistrophe je von 32 , die epode 
von allen 64 choreuten vortragen. 

Mit nicht minder lebhaften färben als die spartanischen 
chöre schildert Gevaert p. 393 das wesen der äolischen lyrik 
und die personen ihrer träger. Bei der duftigen färbung und 
dem melancholischen ton, welche manchen fragmenten der Sap- 
pho eigen sind, fühlt er sich an deutsche lieder erinnert. Die- 
jenigen metrischen formen , welche wir bei beiden lesbischen 
dichtem gemeinsam finden , wie die asklepiadeischen maße und 
die äolischen daktylen mögen wohl nach mitylenäischen volks- 
melodieen gedichtet und gesungen worden sein. Uebrigens fin- 
det Gevaert die Sappho erfinderisch in neuen maßen , während 
Alkäos sich auf einige wenige typen beschränkte. Auch die 
melodische erfindung sowie die formen der Instrumentation schei- 
nen bei der dichterin nach mehrfachen indicien reicher gewesen 
zu sein. Als metra von besonders glücklicher erfindung hebt 
Gevaert die scheinbar choriambischen maße fr. 54 und 60 her- 
vor. Zu dem verwandten liedchen fr. 78 2v Se ßittfuvoig gibt 
er uns p. 403 eine passende melodie in äolischer tonart, wie er 
bereits p. 185 auch für die beiden asklepiadeischen Systeme ge- 
than ^). Der reizende nachtgesang fr. 52 ist mit einer mixo- 
lydisch gedachten melodie versehen ^°). 



9) Die von dem verf. erfundenen melodieen zeigen in ihren ein- 
fachen tongängen Verwandtschaft mit den aus dem später^en alter- 
thum erhaltenen hymnen, fallen aber doch etwas leichter in das ge- 
hör als diese , was gerade kein fehler ist. In erörterungen darüber, 
ob die angeblich äolischen melodieen wirklich äolisch und nicht viel- 
mehr dorisch seien, wollen wir uns hier nicht einlassen. P. 402 stellt 
der verf. den grundsatz auf, die aus größeren versen bestehenden Sy- 
steme seien distichisch zu behandeln und hat demgemäß von Sappho 
fr. 78 nur zwei verse componirt. Bei dem größeren asklepiadeischen 
System aber p. 184 mußte er selbst diesem grundsatz untreu werden, 
weil er von dem kleineren System den sweiten und vierten vers ver* 



Nr. 1. IJ. Geschichte der nrasik. 45 

Wir übergebeu das über Anakreou und Ibykos, sowie das 
über die athenischen skolien gesagte und erwähnen aus dem 
folgenden kapitel Arion, den schöpfer des dithyrambos, der zu- 
gleich durch theilung der leistungen zwischen Vorsänger und 
chor den grund zu dramatischen aufführungen legte. Das athe- 
nische drama hat aus diesen korinthischen aufführungen drei 
seiner hauptsächlichsten metra entlehnt: die logaöden, die ioniker 
und die päonisch - dochmischen maße (p. 515). Auch der ab- 
schnitt über Pindar enthält manch interessante bemerknng , so 
die betrachtung , weshalb dieser dichter in dem freien Athen 
weniger anklang fand als anderwärts (p. 451), die Zusammen- 
stellung der von ihm erwähnten instrumente mit den metren 
der betreffenden gedichte (p. 471) , eine melodie ^^) zu der 
zweiten olympischen ode (p. 469). 

schieden singen läßt und dieselben tonfälle für das größere System 
beibehält. 

10) Freilich kommt die eigentbümlichkeit der mixolydischen scala 
mit ihrer falschen quinte h—f (oder transponirt e— b) hier nicht zur 
geltung, da diese quinte in dem ganzen liede vermieden ist. In der 
deutschen Übersetzung der schlußzeile scheint Köchly sich eine Ver- 
schiebung des daktylus an die zweite stelle erlaubt zu haben ; so wie 
dieser vers bei Gevaert scandirt erscheint, ist er jedeufalis unerträg- 
lich. Es müßte heißen: „uud immer noch Hey;' ich einsam". 

11) Bei mittbeilung dieser melodie fordert der verf. die kritik in 
etwas allzukühner weise heraus, indem er es unternommen, in lo- 
krischer tonart zu componiren. Wir wissen über diese tonart gar 
nichts, als daß sie mit der äolischen dieselbe octavgattung (wie a- a) 
gemein hatte (Eukl. p. 16. Bakch. Mb. 19.' Gaud. 2U); über ihre 
eigentbümlichkeit wird uns (auch von Pol lux 4, 9, 65 und Athenäos 
14, '20) absolut nichts bestimmtes mitgetheilt. Auch Westphal wußte, 
als er das 3. kapitel zu der ersten aufläge seiner harmonik schrieb, 
noch gar nichts darüber. Leider kam ihm später bei dem neunten 
kapitel mit anderen unglückseligen ideen auch der einfall, die lokri- 
sche tocart sei wohl ein in der quinte schließendes D-moU (!) gewe- 
sen , das hätte Gevaert nicht so gläubig hinnehmen sollen. — Da 
wir übrigens gerade von tonarten reden, mag eine andere klage hier 
gleich mit ausgesprochen werden. Die art, in welcher der verf. p. 347 
das 19. kapitel Plutarchs de musica illustrirt, hat vieles gegen sich. 
Die drei Scalen würden viel deutlicher zeigen, was sie zeigen wollen, 
wenn die halbtöne enger zusammengerückt wären. Sie wären ferner 
leichter lesbar und entsprächen der alten zeit des Olympos besser, 
wenn sie von e — e liefen statt in der weise der alypischen noten- 
schrift von f—f. Daß die dorische synemmenon-scala ihren finalton 
in der mitte habe, die diezeugmenon -scala dagegen unten, ist eine 
auf schwachen fußen stehende hypothese. Endlich ist entsetzlich stö- 
rend die hervorhebung des UTg als phrygischer mese. Daß aus der 
reihe von f—f nicht b, sondern c hauptton der scala sei, scheint al- 
lerdings nach den alypischen tabellen und der dynamischen nomen- 
clatur PO, welche beide fünfzehn gleichförmige systemata immutabilia 



46 11. öeschichte der miisik. Nr. 1. 

Höchst iuteressaiil ist die Stellung , welche unser Verfasser 
den jüngeren dithyrambikern gegenüber einnimmt. Obgleich 
er zugibt , daß der höhepunkt der gesangskunst zu ihrer zeit 
bereits überschritten war — er gesteht ja zu , daß zur blüthe- 
zeit des dramas für die musik bereits der verfall begonnen — 
macht er doch p. 483 und 576 darauf aufmerksam, daß die 
bekannten verdammenden urtheile nächst einigen übertreibenden 
komödiendichtern hauptsächlich von Plato und Aristoxenos her- 
rühren, männern, die von pythagoräischen anschauungen beein- 
flußt einen zu streng puritanischen Standpunkt einnehmen. Ari- 
stoteles dagegen beurtheilt jene schule ungleich günstiger , er 
erwähnt Timotheos und Philoxenos mehrfach in lobender weise 
(Metaph. 10,3. Poetik. 2 und sonst) und betrachtet sie als 
klassiker. In der that erhielten sich die compositionen dieser 
meister, so lange das heidenthum in Griechenland bestand hatte. 

Daß auch die lyrischen compositionen der tragiker bei 
Gevaert eingehende berücksichtigung finden, versteht sich von 
selbst. Wir wollen davon nur erwähnen, daß er bei Aeschylos 
zwei stilgatlungen unterscheidet, eine ältere noch mit Phryni- 
chos verwandte, und eine jüngere, in welcher er seine Selbstän- 
digkeit erlangt hatte (p. 526). Bei Euripides weist der verf. 
p. 542 ff. drei verschiedene arten der composition nach , die 
erste bis ol. 87, in welcher sich Euripides noch wenig von So- 
phokles unterscheidet , die zweite ol. 88 — 90 , deren leiden- 
schaftliche gesänge, namentlich in den ensemble-scenen deutlich 
an Timotheos erinnern , und endlich die letzte periode von ol. 
91 an. 

So ließe sich noch vieles erzählen von dem trefflichen In- 
halt der Gevaert'schen musikgeschichte. Indes ref. will durch 
seine anzeige die lectüfe des buches selbst nicht entbehrlich oder 
weniger interessant machen. Er schließt deshalb die empfehlung 
desselben mit der bemerkung , daß dieser erste versuch einer 

voraussetzen. Aber nach diesen Systemen, welche nur dorische oder 
hypodorische Scalen enthalten, dürfen wir uns doch unmöglich richten, 
wenn wir uns von einer wirklich phrygischen tonart, d. h. einer phry- 
gischen octavgattung eine anschauung verschaffen wollen. In erhö- 
hung des dorischen ges zu g , sowie in der bezeichnung des b (nicht 
c) als finalton der phrygischen synemmenon -scala trägt Gevaert 
unsrer anschauungsweise gebührend rechnung. Er hätte aber theti- 
sche nomenclatur wählen und nicht c als phrygische mese auszeich- 
nen sollen. 



Nr. i. 11. Gcpchiclite Her miiöik. 47 

geschiebte der griechischen mnsik in ausgezeichneter weise ge- 
lungen ist und daß für die geschichte der griechischen poesie 
daraus wesentliche vortheile erwachsen werden. 

Zum Schlüsse müssen wir auch hier noch ein paar kritische 
bemerkungen anfügen '^). Hesiod beschreibt im Schild des He- 
rakles von V. 272 an m änn er , die sich am reigentanz ergö- 
tzen. Voran fahren zu wagen die brautführer 273 und die- 
nerinnen mit fackeln 276, dann kommen 277 die fröhlichen tän- 
zer {r^aiv enovro). Eine schaar derselben (toi fxfv 278) singt 
zur syrinx , eine zweite schaar {ol öe 280) tanzt zur phorminx, 
eine dritte schaar kommt von auleten begleitet diesem zuge ent- 
gegen (282). In der Übersetzung von v. 277 folgt Gevaert p. 
371 der vulgata loiau' , die ja auf die brautführer bezogen in 
der that einen guten sinn gibt. Wenn er aber 278 den syrinx- 
chor einführt mit celles - lä, so suche ich eine Variante , die zu 
dieser femininform berechtigte, bei Göttling vergebens. Dagegen 
haben v. 280 für den chor zur phorminx die handschriften al, 
Gevaert aber in Übereinstimmung mit Göttlings text ceux - ci. 
Da zu anfang (v. 272) nur männer erwähnt sind, werden wir 
wohl auch in allen drei chören Jünglinge annehmen müssen. 

P. 364, anm. 4 enthalten die worte eile [la gesticulation] 
se lie aux noms propres eine falsche Übersetzung des textes toixt^ 
Plutarch will sagen Symp. probl. 9, 15, 2: „das hinzeigen der 
tänzer bezieht sich auf die besungenen gegenstände, z. b. auf 
die erde oder den himmel oder die zuhörer; wenn das nun in 
geordneter und rhythmischer weise geschieht, so ist das ähn- 
lich {eoixf'jy wie wenn in der poesie die hauptwörter mit schmuck 
und zierrath ausgestattet werden wie die schamhafte Themis, 
die munterblickende Aphrodite u. s. w. 

Horaz' worte : numerisque fertur lege solutis dürfen doch un- 
möglich so aufgefaßt werden, als sähe der Römer in Pindars 

12) Von druckfehlern und ähnlichen versehen führen wir an: 
p. 45 steht in allen drei gruppen der vierten notenzeile der nach 
oben gezogene striuh für das letzte viertel um ein achtel zu spät. 
P. 110 v/Avoy in Terpander fr. 1 scheint ein versehen Berjiks statt 
vfiviav. P. 539 ist für Euv. Troades anzusetzen; ol. 91, 1. P. 565 steht 
für das aichontat des Demetrios PLalareus die jahrzahl 389 statt 309. 
P. 566 und 573 ist mehrfach die namensform Phenias gebraucht, 
während p. 489 derselbe mann in der gewöhnlicheren f rm Pha- 
nias genannt war. P. 595 sind wohl die jahretziffern für Ennius aus- 
gefallen. P. 616 steht zweimal irrthümlich das jähr 119 statt 117. 



48 11. Geschichte der musik. Nr. 1. 

rhythmen eine art oratorischer prosa (p. 466) ; Horaz will jeden- 
falls mit jenen Worten nur das außergewöhnliche, kühne, gewal- 
tige jener rhythmen bezeichnen. 

Daß die mimischen tanze, welche Xenophon auf seinem be- 
kannten vückzuge aufführen sah , am hofe des Seuthes aufge- 
führt seien, ist ein irrthum des Athenäos (s. Gevaer p. 377 und 
567). In der Anabasis 6, 1, 5 werden diese tanze von den 
eigenen kampfgenossen Xenophons aufgeführt, unter denen sich 
die verschiedensten nationalitäten , auch Thraker und Mysier 
vertreten fanden, 

P. 514 heißt es: „abgesehen von den ganz musikalischen 
partieen zeigt das ernste drama von anfang an eine entschieden 
ausgesprochene neigung, seine metra auf zwei zu reduciren, auf 
den iambischen trimeter , le vers du dialogue ordinaire parle sur 
un accompagnement instrumental , und den anapästischen dimeter". 
Daß der verf in den angeführten Worten an eine fortgesetzte 
flötenbegleitung zu dem dramatischen dialog denke , ist nach 
dem vorausgehenden kaum anzunehmen ; auch weiß ja Ge- 
vaert viel zu gut , daß die lunge des einen dort beschäftigten 
auleten diese anstrengung unmöglich hätte aushalten können". 
Aber der ausdruck dialogue ordinaire legt jedenfalls diese auf- 
fassung näher als jede andere. P. 521 , anm. 3 gibt der verf. 
mit berufung auf Chaignet (la tragidie grecque) an , nur der 
Chorführer habe auf der thymele platz genommen, um von da 
mit der bühne zu correspondiren. In Deutschland nimmt man 
wohl jetzt allgemein mit Wieseler ^^) an , daß von jenem alten 
altar aus nach der bühne zu ein geräumiges brettergerüst auf- 
geschlagen wurde , und daß auf diesem sich die yQa^,fji,at die 
linien befanden , nach welchen der chor (d. h. natürlich der 
ganze chor) seine aufstellung regelte. Bei dieser annähme 
konnte der choryphäos ziemlich nahe an der bühne stehen, was 
gewiß nöthig war , wenn er mit den agirenden schauspielern in 
Zwiegespräch treten sollte. Daß in späterer zeit sänger und 
musiker Thumelici hießen (p. 581) j spricht auch für diese art 
der aufstellung. 

In der beschreibung von der claque des kaiser Nero p. 612 

13) Wieseler, Die thymele. Göttingen 1847. — Vgl. Sommer- 
brodt, Das altgriechische theater. p. 36. Muff, Die chorische technik 
des Sophokles p. 50. Christ, Metrik p. 259. 



Nr. 1. 12. Römische antiqnitäten. 49 

sind die ausdrücke imbrices und tectae nicht mit tempetes d'ap- 
plaudissements (das wären imbres und vaisselle cassee) zu über- 
setzen , sondern da ersteres wort eigentlich den hohlziegel , letz- 
teres den flachziegel bedeutet, so wird bei ersterem an ein klat- 
schen mit der hohlen, bei letzterem an solches mit der flachen 
band zu denken sein. In dem folgenden citat aus Sueton. Ner. 
cap. 21 geben mir die worte la femme quHl aimait le plus den sinn 
nicht genau genug an, der in den textesworten liegt : prout gtiam- 
que diligeret, d.h. von der frau, die er gerade damals liebte. 

Nicht der jüngere Dionysius , der musikos unter Hadrian, 
gilt für den Verfasser der schrift de compositione verborum , wie 
p. 616 angenommen wird, sondernder ältere, der rhetor aus der 
zeit des kaiser Augustus. 

Ich schließe mit dem wünsche , daß recht viele leser bei 
lectüre des Gevaertschen buches dieselbe freude empfinden mö- 
gen, die es mir bereitet hat. 

Karl V. Jan, 

12. Johannes Karbe, De centurionibus Romanorum 
quaestiones epigraphicae. Halis Saxonum , typis Karrasianis, 
1880. Inauguraldissertation. 8vo. 48 p. 

Die vorliegende dankenswerthe Specialuntersuchung beschäf- 
tigt sich p. 1 — 37 mit den primipilaren und zwar nach einigen 
allgemeinen bemerkungen p. 6 — 15 mit denen, welche nach 
ihrer entlassung definitiv in den ruhestand getreten sind, p. 16 
— 29 mit denen, welche weitere militärische Chargen der militia 
equestris übernommen haben und p. 29—37 mit der frage nach 
der Iteration des primipilats. Im zweiten theile p. 38 — 48 wird 
von denjenigen personen gesprochen, welche als centurionen in 
den kriegsdienst eingetreten sind. Wir freuen uns, der erst- 
lingsarbeit des Verfassers tüchtige kenntniß des schriftstelleri- 
schen und inschriftlichen materials, besonnene forschung und 
klare darstellung nachrühmen zu können, sind aber nicht in der 
läge uns überall mit den ergebnissen einverstanden zu erklären. 
Um den räum einer anzeige nicht zu überschreiten, beschränken 
wir uns auf folgendes. Wenn einerseits der unterschied zwi- 
schen primipili und primipilares richtig hervorgehoben wird, so 
scheint es andrerseits nicht erforderlich anzunehmen , daß der 
ordo primipüarium durch eine besondere Constitution des Augustus 
Philoloff. Anz. XII. 4 



50 12. Römische antiquitäten, Nr. 1. 

eingerichtet ist; es wird das durcli die p. 4 angeführten stellen 
auch nicht bewiesen ; dieser ordo miißte sich vielmehr nach ein- 
richtung des stehenden heeres ganz von selbst bilden. Der 
zweifei, ob Or.-Henz. 6939 und IRN. 4628 primo pilo oä.ev primi- 
pilari zu lesen sei, ist kaum berechtigt, da die erstere lesung 
sicher vorzuziehen ist. Richtig wird hervorgehoben, daß Augu- 
stus den primipiU den weg zu höhern ehrenstellen geöffnet habe. 
Der pag. 9 — 12 im anschluß an Madvig versuchte nachweis, 
daß der stand der primipilares plebejisch gewesen sei, scheint 
uns nicht gelungen ; denn wenn sich der verf. auf Corp. III, 
750 : p. p. leg. 1 Ital. ex eq, R. stützt , so ist eben primo pilo 
zu lesen, und der noch im dienste stehende erste centurio ge- 
hörte allerdings noch nicht zum ordo equester] dasselbe gilt von 
IRN. 1072, und die beweiskraft von Ovid. Am. III, 8, v. 9 ff. 
und Mart. Ep. VI, 58 ist nicht beseitigt. Auch gegen die übrigen 
gründe des verf. läßt sich vieles einwenden. Wir bedauern ihm 
hier nicht ins einzelne folgen zu können , da die erforderlichen 
erörterungen zu weit führen würden, wollen aber im allgemeinen 
bemerken , daß nicht genau zwischen den equites equo publica 
und denjenigen equites, welche nur den ritterlichen census be- 
saßen, unterschieden wird. Zu den letzteren gehörten die pri- 
mipilaner einfach wegen des ihnen bei der entlassung ausge- 
zahlten capitals , welches den rittercensus noch tiberstieg ; daß 
sie freilich nicht die respectabilität einer alten ritterbürtigen 
familie besaßen , ist unzweifelhaft und wird ausdrücklich von 
Ovid und Martial bezeugt ; die Verleihung des ritterpferdes 
war Sache des kaisers und primipilaren wurden gewiß schon 
ihres alters wegen selten damit ausgezeichnet. Derselbe irrthum 
kehrt p. 17 wieder, wo gesagt wird, diejenigen primipilaren, 
welche in höheren ämtern weiter dienen wollten, seien erst dann 
equestri loco gewesen, wenn sie ritterliche stellen bekleidet hät- 
ten; ebenso scheint uns der pag. 20 gegen Wilmanns versuchte 
nachweis , daß die praefecti castrorum nur plebejisch gewesen 
seien, nicht erbracht. 

Mit dem, was p. 14- — 15 über die von primipilaren des 
ruhestandes bisweilen übernommenen außerordentlichen ämter 
gesagt wird, erklären wir uns einverstanden, nur ist Spart. Did. 
lul. 5 wohl von einem primipilaren die rede , der sich noch 
]beim beere aufhält. Im abschnitte von den primipilaren, welche 



Nr. 1. 12. Kömisclie antiquitäten. 51 

zu ritterlichen officierstelleu gelangen wollten und daher nach 
ihrer entlassung noch beim heere blieben, wird p. 17 über die 
curae müitares extraoi'dinariae gehandelt und kann die Sammlung 
aus Tacitus als vollständig bezeichnet werden. Unter den in- 
schriftlichen Zeugnissen ist in Or.-Henz. 5456 statt leg. VII Äug. 
zu schreiben leg. III Aug. und statt Hadriano zu setzen Tra- 
iano ; außerdem gehört die erwähnung der dona nicht hieher, 
da diese in die erste periode der militärischen laufbahn des 
Pontius Sabinus fallen, welcher zunächst die ritterliche carriere 
wählte, dann aber einen neuen anfang als centurio machte und 
nach dem primipilat zu den städtischen tribunaten und zur pro- 
curatur gelangte. In der ausführung über die militiae urhanae 
der primipilaren (p. 23 f.) ist bei den inschriftlichen Zeugnissen 
übersehen, daß Corp. VI, 1636 zwischen dem p. p. und dem 
trib. vigilum noch den praef. legionis einschiebt , und als grund, 
weßhalb den primipilaren besonders die tribunate der städtischen 
besetzung zufallen , ist wohl kaum mit recht das bestreben be- 
zeichnet, diesen alten kriegsmännern die freuden der hauptstadt 
zugänglich zu machen ; eher dürfte man darin eine auszeichnung 
erblicken. Bei der Verwendung der primipilaren in der civil- 
verwaltung (p. 25 f.) ist Or. 3178 ohne weitere bemerkung auf- 
geführt, obwohl diese inschrift sehr verdächtig ist, vgl. Henzen 
p. 292. 

Der verf. wendet sich nun p. 29 zur Iteration des primi- 
pilats. Bei den pr. p. bis ist Or.-Henz. 6779 übersehen. In der 
behandlung des materials werden zunächst die primipiU bis als 
solche , . welche zwei primipilate unmittelbar nach einander be- 
kleideten , von den primipiU iteruni als denen , welche nach be- 
kleidung des primipilats und ritterlicher officierstelleu wiederum 
primipiU werden und dann zu ritterlichen militär- oder civil- 
stellen gelangen , richtig unterschieden ; wenn aber hinsichtlich 
der ersteren angenommen wird, daß der wünsch der kaiser, alte 
kriegsmänner länger bei der fahne festzuhalten , der grund ge- 
wesen sei, ihnen in continuo zwei primipilate anzuweisen, so ist 
das zwar nicht unmöglich, wir möchten jedoch lieber einfach an 
Versetzung aus einer legion in eine andre denken , wie solche, 
allerdings mit beförderung , auch bei centurionen vorkommt ; 
die gründe, warum man den primus pilus nicht bei einer legion 
ausdienen ließ, entziehen sich unserer kenntniß ; besondere vor- 

4* . 



52 12. Eömische antiquitäten. Nr. 1. 

theile werden mit diesem doppelten primipilat nicht verbunden 
gewesen sein, eben so wenig wie eine rasebere beförderung, wie 
denn der übersehene p. p. bei Or. -Henzen 6779 überall nicht 
weiter avanciert. 

Ueber die primipili iterum haben bereits Wilmanns Ephem. 
I, p. 101 und Mommsen zu Corp. V, 867 gehandelt-, ersterer 
macht nur darauf aufmerksam, daß das zweite primipilat eng 
mit der legionspräfectur zusammengehangen habe ; letzterer meint, 
gewisse vortheile hätten den aus dem primipilat entlassenen zu- 
gestanden , den aus dem tribunat oder der präfectur abgegan- 
genen jedoch nicht-, um sich nun diese vortheile zu sichern, 
hätten die betreffenden männer vor ihrer entlassung aus der 
militia ein zweites primipilat übernommen , freilich nicht um 
wirklich dienste zu thun , sondern um sofort entlassen zu wer- 
den. Dem gegenüber sucht nun der Verfasser nachzuweisen, 
dieses iterierte primipilat sei ein wirkliches gewesen , und die 
fraglichen officiere hätten sich darauf eingelassen , um einträg- 
lichere procuraturen zu erhalten, als solche, welche von cohorten- 
präfecturen oder tribunaten zu civilstellen übergingen. Die 
ganze institution sei darauf berechnet gewesen , die bewährte 
kraft der primipilaren dem beere möglichst lange zu erhalten. 
In der that würde die Mommsensche deutung nur dann befrie- 
digen, wenn sämmtliche primipili iterum direct zu civilstellen 
überträten-, das ist aber Or. 3423 (wenn nicht etwa p.p. Ms zu 
lesen ist) und Corp. V, 867 nicht der fall; auf der anderen 
Seite bedauern wir, daß der verf. den für seine sonst einleuch- 
tende ansieht durchaus nothwendigen beweis, daß das zweite 
primipilat ein wirkliches gewesen ist , nicht völlig beigebracht 
hat, so daß also die räthselhafte erscheinung des primus pilus 
iterum noch nicht in jeder weise erklärt ist. In einem anhange 
(p. 37) spricht der verf. sodann von denen, welche ohne primi- 
pilat zu ritterlichen stellen aufgestiegen sind : hier ist die ge- 
fälschte inschrift Or. 1065 als echt behandelt, zu Corp. HI, 
3427 die hohe bedeutung des trecenarius übersehen, so wie daß 
Or. 3341, — wie das IRN. 4551 entschieden der fall ist — 
in dem aufgeführten centurionate der p. p. versteckt liegen kann. 
Im zweiten theile (p. 38 — 48) wird sehr verständig über 
die jungen männer gehandelt, welche ihre militärische laufbahn 
mit dem centurionate begannen; jedoch sind zu den inschriften 



Nr. 1. 13. 14. Pädagogik. 53 

nachzutragen Corp. VI, 3584, Or. 3733, Henz. 5456." Die be- 
hauptung, daß von den centurionen, welche über das primipilat 
hinausgelangten, der größere theil ritterlicher geburt gewesen 
sei, ist namentlich für die zeit vor Severus nicht ohne weiteres 
zu unterschreiben ; insbesondere ist es wohl geradezu unmöglich, 
daß ein ritterbürtiger mann cornicularius praef. praet. gewesen 
ist, wie der verf. zu Corp. VI, 1645 annimmt. 

Die abschnitte de commodis primipilarium (p. 6 — 9), über 
die geehrte Stellung der primipilaren in den municipien (p. 14 
— 15) und über das avancement der primipilaren zu den ritter- 
lichen stellen der militia provincialis (p. 22 — 23) geben zu be- 
merkungen keine veranlassung. 

Das latein des verf. liest sich leicht, hält sich jedoch nicht 
völlig von versehen frei; so fallen pag. 5 in cum narrant und 
pag. 41 in cum tribuebantur die indicative, p. 31 die Verbindung 
qum'um utrique und das substantivische quidque , endlich p. 47 
die Wendung cum praefecti dignitate miUtiam incohaverunt unan- 
genehm auf, außerdem befremdet die constante anwenduug des 
veralteten buchstabens j. Der druck könnte correcter sein. 



13. M. Fabius Quintilianus, rednerische Unterwei- 
sungen, bearbeitet von G. L i n d n e r, phil. cand. 

14. Plutarch's Abhandlung über die erziehung der 
kinder, Übersetzung, einleitung und commentar von prof. Hein- 
rich Deinhardt. Pädagog. klassiker VIII. bd. 241 und 
65 p. 8. Wien 1881 bei A. Pichlers wittwe. 3 mark 50 pf. 

Aus der einleitung : Quintilian und seine zeit, erkennt man, 
wie das der ausbildung des redners bestimmte werk in einer 
Sammlung pädagogischer klassiker eine stelle hat finden können. 
Da nämlich nach Quintilians Überzeugung nur der redliche 
mann, der vir probus^ ein vollendeter redner werden kann, da 
ferner der letztere in den besitz der gesammten bildung gesetzt, 
namentlich also auch mit der philosophie und der geschichte 
eingehend bekannt gemacht werden muß , so ist das werk nach 
Bernhardy „ein auf grundsätzen der höheren sittlichen (und, 
fügen wir hinzu, wissenschaftlichen) bildung gebautes system des 
;;esammten rhetorischen wissens und wirkens" geworden. Und 
in der that .sind alle bücher, vorzugsweise aber das erste, wel- 



54: 13. Pädagogik. Nr. 1. 

ches „dasjenige behandelt, was dem berufe des redners (warum 
hier rhetors?) vorangeht", und das zweite, in welchem „die er- 
sten anfange der rednerischen Unterweisung und die fragen über 
die rhetorik behandelt werden", eine wahre fundstätte pädago- 
gischer Wahrheiten ; ich brauche den ausdruck fundstätte in 
seiner ursprünglichen bedeutung; man möge nur wieder hinge- 
hen nach dieser von den letzten generationen verlassenen , von 
früheren viel, vielleicht allzuviel benutzten statte; sie bietet 
eine fülle alter und doch immer wieder neuer erfahrungen so- 
wohl auf dem gebiete des Unterrichts wie der erziehung in 
würdevoller spräche, dem ausdrucke eines gebildeten von tiefer 
Überzeugung erfüllten mannes. Wie viel auf eine gute aus- 
spräche der ersten Umgebung des kindes ankomme, wie man den 
geist im zarten kindesalter nicht zu sehr anregen dürfe , um 
nicht frühzeitig abneigung gegen die Wissenschaften hervorzu- 
rufen, wie gerade für den ersten Unterricht der geschickteste 
lehrer zu wählen sei, wie es sich für den anfang des schreib- 
unterrichts empfehle, die angedeuteten schriftzüge von dem kinde 
nachziehen zu lassen , wie bei kleinen kindern das beste kenn- 
zeichen der beanlagung ein gutes gedächtniß sei , wie man den 
besonderen neigungen und anlagen der kinder rechnung tragen 
müsse, wie die prügeis träfe nur durch die nachlässigkeit 
der lehrer eingeführt sei und durch sorgsame aufmerksamkeit 
bei der erziehung und dem unterrichte überflüssig werde („wer 
sich durch verweise nicht bessern läßt, der härtet sich, wie der 
schlechteste sklave, auch gegen prtigel ab"; „durch schlage wird 
der geist des schülers niedergedrückt"), wie der öffentliche Schul- 
unterricht dem Privatunterricht vorzuziehen sei, insofern in der 
schule sowohl der Wetteifer als auch der muth für die spätere 
Wirksamkeit in der Öffentlichkeit angeregt werde („in der ein- 
samkeit verrostet der geist oder überhebt sich"), wie der lehrer 
aus den dichtem hervorragende stellen zuerst selbst möglichst 
gut vorlesen und beim lesen der schüler auf correcte ausspräche, 
genaue beobachtung der Interpunktion , richtige betonung , und, 
wo es nöthig sei, auf efPectvoUen Vortrag achten müsse, wie zu 
den ersten aufsätzen erzählungeu zu wählen seien, und das ur- 
theil des lehrers bei diesen ersten arbeiten nachsichtig sein 
müsse, damit die schüler nicht muthlos werden; wie die durch- 
gearbeiteten aufsätze (besser wohl klassische stellen) z. theil aus- 



Nr. 1. ]4, Pädagogik. 55 

wendig zu lernen seien , um das gedächtniß zu üben und zu- 
gleich den geist mit einer fülle schöner gedanken auszurüsten, 
dergleichen bemerkungen finden wir in beinahe ebenso reicher 
fülle , als eigentlich rhetorische abhandlungen , wie z. b. dar- 
über, „ob derjenige, welcher etwas vortragen will, sein concept 
wort für wort auswendig lernen soll , oder ob es genügt , bloß 
die hauptgedanken und ihre aufeinanderfolge sich einzuprägen". 

Die Übersetzung ist gewandt und fließend , von einzeln- 
heiten abgesehen liest sie sich wie ursprünglich deutsch ge- 
schrieben , und diesem umstände ist es zu verdanken , daß der 
reiche Inhalt des buches sich weit lebhafter und eindringender 
vor die anschauung stellt, als bei der lectüre des lateinischen 
textes. Die anmerkungen erklären dasjenige, was für den laien 
der erläuterung bedarf, in kurzem und deutlichem ausdrucke. 

Der zweiten schrift sendet der Übersetzer und erklärer in 
der einleitung, welche zugleich über das leben und die bedeu- 
tung Plutarchs orientiert, eine rechtfertigung darüber voraus, 
weshalb sie aufgenommen sei in eine Sammlung pädagogischer 
klassiker, Er gesteht zu, daß klassisch das schriftchen weder 
in der ursprünglichen gestalt zu nennen sei — die spräche ist 
dafür zu bequem, redselig und sorglos — noch wegen der ent- 
stellung durch lücken und interpolationen auf diese bezeichnung 
ansprach habe. Dagegen habe sie einerseits einer nicht unbe- 
deutenden geschichte sich zu rühmen — denn wie sie auf Rous- 
seau und Montaigne nicht ohne einfluß gewesen , so werde sie 
in den meisten darstellungen der geschichte der pädagogik aus- 
führlich behandelt — andererseits gewähre sie einen zusammen- 
fassenden einblick in die familienverhältnisse, die erziehungsweise 
und die hellenisch-römischen lebensanschauungen der gebildeten 
in der zeit der Antonine, welche mit der modernen zeit in man- 
chen beziehungen vergleichungspunkte biete, endlich sei sie das 
werk eines geistig gewandten, vielseitig gebildeten, vielerfahre- 
nen und — darf man wohl hinzusetzen — hochstehenden und 
verständig urtheilenden mannes. Darum hat ref. dasselbe mit 
großem interesse und nicht ohne belehrung gelesen, zumal der 
Übersetzer — für die vorliegende Sammlung offenbar angemes- 
sen — es sich zur aufgäbe gemacht hat , es in der weise zu 
bearbeiten , daß das gefühl von ungehörigkeiten oder lücken 
nicht in dem leser aufkomme. Die schrift ist reich an päda- 



56 14. Pädagogik. Nr. 1. 

gogischen belehrungen wie an hübschen Sentenzen über kunst 
und Wissenschaft , religion und menschenleben ; und auch die 
vergleichungen sowie die anekdoten sind meistens interessant, 
wenn gleich beides mehrfach gehäuft erscheint. Daß sie noch 
jetzt der aufmerksamkeit der gebildeten wie der pädagogen von 
fach würdig ist, läßt folgende blumeniese wohl erkennen : „zur 
tugend gehören drei stücke : natur, Unterricht und gewöhnung ; 
die natur ohne das lernen bleibt blind , das lernen ohne natur- 
anlage mangelhaft, die Übung ohne beide launenhaft und unzu- 
reichend. Zum ergiebigen ackerbau gehört gutes land, ein gu- 
ter ackermann und guter samen; dem lande ist die naturanlage, 
dem ackermann der lehrer und dem samen die lehren und er- 
mahnungen zu vergleichen; wem die gottheit diese drei stücke 
verleiht, der ist mit recht ein freund der götter zu nennen und 
glückselig zu preisen". „Die gewöhnung verändert und bestimmt 
die natur, und der charakter entsteht im allgemeinen durch die 
gewöhnung". „Wie man bei dem noch zarten körper am sorg- 
fältigsten beachten muß, was wachsthum und gedeihen schädigt 
oder fördert, so muß man eine gleiche Sorgfalt auch bezüglich 
der Sitten üben. Die kindliche seele ist weich und bildsam und 
wird durch die eindrücke und einwii'kungen , die sie erleidet, 
geformt •, das einmal geformte und erhärtete aber läßt sich 
schwer wieder erweichen und umformen ; auch das gesagte und 
verstandene prägt sich den kindlichen seelen ein wie sigelbilder 
dem wachs". „Eltern müssen das glück ihrer kinder wollen, 
die wahre glückseligkeit aber liegt in der tugend, und zu die- 
ser führt die gute erziehung und die rechte Unterweisung". „Es 
giebt drei lebensweisen , die thätige , die betrachtende (philoso- 
phische) , die genießende ; die letztere für sich wird zügellos, 
führt zur Sklaverei der wollust und zur nie der trächtigkeit und 
ist des menschen unwürdig ; die blos betrachtende ist nutzlos, 
die thätige ohne die philosophie geistlos und verirrungen und 
misgriffen ausgesetzt". Hinsichtlich der „mittel, um die schüler 
zum fleiße zu bringen, behaupte ich, daß es durch Vorstellun- 
gen und ermahnungen geschehen muß , nicht aber durch 
schlage oder eine anderweitige schimpfliche be- 
hau diu ng'; diese schicken sich für sklaven und nicht für frei- 
geborene und verfehlen den zweck ; denn schmerz und schimpf 
benehmen die lust zu geistiger arbeit; lob und tadel sind bei 



Nr. 1. 14. Pädagogik. 57 

freigeborenen wirksamer als schimpfliche strafe. Den übermuth 
muß man durch tadelnde bemerkungen dämpfen, durch das lob 
aber die Stimmung heben". „Man muß den kindern erholung 
von der arbeit gönnen und bedenken, daß dieser Wechsel sogar 
für erwachsene und das s-anze leben hindurch unerläßlich ist. 
Arbeit und erholung heben und würzen sich gegenseitig". ,,Für 
den erfolg des Unterrichts ist es vor allem wichtig , das g e- 
dächtnis zu üben, durch welches der wissensbesitz gesammelt 
und aufbewahrt wird ; die mythologie hat die Mnemosyne zur 
mutter der musen gemacht, um anzuzeigen, daß das gedächtnis 
das wissen entstehen läßt und nährt; erfahrung macht klug, 
aber die erfahrungen nützen uns nichts , wenn wir sie verges- 
sen". „Die lüge ist niederträchtig und hassenswerth ; sie ist 
kaum bei dem sklaven zu entschuldigen , viel weniger bei dem 
freigebornen ; es ist demnach eine wichtige und ernste pflicht, 
die zu erziehenden daran zu gewöhnen , daß sie die Wahrheit 
sprechen". „Wie die ärzte ihre bitteren arzeneien mit süßen 
saften vermischen , um sie annehmbarer zu machen , so müssen 
die Väter ihre väterliche liebe nicht nur in worten und im be- 
nehmen hervortreten lassen , sondern auch die neigungen des 
Jugendalters nicht allzueng und einförmig einzwängen wollen. 
Der jähe zorn steht nicht im Widerspruche zit der väterlichen 
gesinnung , wohl aber der nachtragende groll , und ein vater, 
der sich nicht versöhnen läßt, beweist, daß er seine kinder nicht 
liebt, sondern eigentlich haßt". Zuletzt noch folgende Inschrift: 
„Eurydice von Hierapolis widmet diese Inschrift den musen als 
eifrige liebhaberin der Wissenschaften ; schon mutter erwachsener 
kinder hat sie sich noch beflissen , sich lernend kenutnisse und 
Weisheit zu erwerben", nämlich zu dem zwecke, damit sie, in 
Illyrien , einem barbarischen lande , geboren , selbst ihre kinder 
unterweisen könne. 

Die anmerkungen sind ausführlicher als zu den andern 
bänden der Sammlung und beschränken sich nicht auf die noth- 
wendigsten erläuterungen , sondern erweitern sich zu pädagogi- 
schen betrachtungen , in welchen einzelne lehren des schrift- 
chens theils mit den betrefienden Vorschriften anderer bedeuten- 
der Pädagogen namentlich Plato, Aristoteles, Eousseau, Comenius 
verglichen theils von dem pädagogischen Standpunkte des Ver- 
fassers aus beleuchtet werden. Man findet auch hier (z. b. in anm. 



58 Bibliographie. Nr. 1. 

4 über sittliche gewöhnung und sittliche belehrung, in anm. 23 
über die geschichte der körperlichen Züchtigung) eine reiche 
fülle von belehrung und wird die ansichten des herausgebers 
in den meisten fällen als begründet und verständig anerkennen. 
So sei denn auch dieser achte band der pädagogischen klassiker 
lehrern und eitern warm empfohlen ! H. 

Bibliographie. 

Aus den Verhandlungen mit den Niederlanden in betreff des 
literarischen eigenthums , wii'd berichtet , wie in einer der im 
november v j. stattgefundenen Sitzungen der zweiten kammer 
der ministerpräsident v. ßochussen bestätigte, daß Verhandlun- 
gen mit dem Deutschen reiche zum gegenseitigen schütz des 
autorrechts eröffnet seien ; er zeigte zu gleicher zeit an , daß 
ähnliche Unterhandlungen mit noch anderen auswärtigen Staaten 
stattfinden. Er bemerkte dabei, daß Deutschland aus dem mit 
demselben abzuschließenden literarischen vertrage größeren nu- 
tzen als die niederländische nation ziehen werde , wobei er je- 
doch an eine in dem literaturblatt „de Portefeuille" erschienene 
Übersicht erinnerte , in welcher hervorgehoben wird , daß auch 
die niederländischen schriftsteiler und Verleger sich wegen der 
Übersetzung ihrer erzeugnisse ohne erlaubniß, beziehentlich ent- 
schädigung seitens deutscher Verleger zu beklagen haben. (Nat.- 
ztg.). Börsenbl. 1881, nr. 276. — Damit ist zu verbinden, 
was O. Mühlbrecht in demselben Börsenbl. nr. 288 über die art 
berichtet, mit der holländische buchhändler deutsche werke nach- 
drucken und zu ihrem vortheil verwerthen. 

Bericht über die Versteigerung der Sunderland- oder Blen- 
heimbibliothek in London geben Börsenbl. 1881, nr. 288. 294. 
Augsb. allg. zeit. nr. 345. 

Mehrere cataloge von antiquaren bespricht EAnz. 1881, 
nr. 304 : nr. 305 auch den von Baird u. cp. in Philadelphia. 

Mittheilungen aus der Verlagsbuchhandlung von B. G. Teub- 
ner in Leipzig, 1881, nr. 5: abth. I notizen über künftig er- 
scheinende bücher : Appendix artis Dionysii Thracis ab G. Uhligio 
recensitae. [XTV u. 36 p.]. gr. 4. — Studien über Euklid. 
Von dr. J. L. Heilberg in Kopenhagen, gr. 8. geh. — Ver- 
gils Eclogen in ihrer strophischen gliederung nachgewiesen, mit 
commentar von W. H. Kolster. gr. 8. — T. Macci Plauti comoe- 
diaCy recensuit instrumento critico et prolegomenis auxit Friedericus RH' 
schelius sociis operae adsumptis Gustavo Loeioe Georgia Goetz Fride- 
rico Schoell. Tom. II. Fase. 1. Aululariam continens ex recenaione 
Georgii Goetz. Tom. II. Fase. 2. Amphitruonem continens ex recen- 
sione Guatavi Loewe et Georgii Goetz. gr. 8. — Juli Frontini strate- 
gematon libri IV. Recensuü Gottholdvs Gundermann. 8. geh. — 



Nr. 1. Bibliographie. '^9 

— Nr. 6 , abtheilung I : Das verbum dare im lateinischen als 
repräsentant der indoeuropäischen wurzel DHA. Von dr. Phi- 
lipp Thielmann ^ kgl. Studienlehrer in Speier. gr. 8. — Poetae 
lyrici Graeci. Recensuit Theodorus Berg h. Editiouis quartae 
vol. II. poetas elegiacos et iambographos continens. gr. 8. — 
Porphyrii quaestionum Homericarum ad Iliadem pertinentium reli- 
quias collegit disposuit edidit Hermannus S ehr ad er ^ dr. phil., 
Oberlehrer an der gelehrtenschule des Johanneums zu Hamburg. 
Fasciculus alter, gr. 8. — Abriß der quellenkuude der grie- 
chischen und römischen geschichte. Von Arnold Schaefer. Erste 
abtheilung : Griechische geschichte bis auf Polybios, Dritte 
aufläge, gr. 8. — Bilder aus dem alten Rom von Hitgo Busch- 
mann^ lehrer am großh. Friedi-ich-Franz-gymnasium zu Parchim. 
gr. 8. — Marci Antonini commentarii edidit Joannes Stich. 8. 

Erschienen ist : Bibliotheca philologica oder geordnete Über- 
sicht aller auf dem gebiete der classischen alterthumswissen- 
schaft wie der altern und neuern Sprachwissenschaft in Deutsch- 
land und im ausländ neu erschienenen bücher. Herausgegeben 
von E. Ehrenfeuchter. Jahrg. XXXIV, 1. hft. : Januar — juni 
1881. Vandenh. u. Ruprecht in Göttingen. 

Kataloge von antiquaren: catalog des antiquarischen bücher- 
verlags nr. 69 von J. Jolovncz in Posen ; Adalbert Rente' s anti- 
quariat in Göttingen, nr. 20; 11. verzeichniß antiquarischer 
bücher von C. Speyer in Cannstatt. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 
thumswissenschaft. 1882. I. 

Deutschland, Oesterreicb, Schweiz. 

1. Beschreibung der pergamenischen bildwerke in den köuigl. 
museen zu Berlin. Hrsg, von der generalverwaltung. 4. aufl. Ber- 
lin 1881. 8. 10 pf. 

2. Brtms, Carl Georg, kleinere Schriften. 2 bde. Weimar 1882. 

8. XXXllI, 375 IV, 499 p. 20 mk. 

3. Buchholtz , E., die homerischen realien. 2. bd. öffentl. und 
privates leben. Abth. 1. Das öffentHche leben der Griechen im he- 
roischen Zeitalter. Auf grundlage der homerischen dichtungeii darge- 
stellt. Leipzig 1881. 8. XX, 438 p. 6 mk. 

4. Ciceronis , M. TuUii , Laelius de amicitia. Für den schulge- 
brauch erklärt von Gast. Lahmeyer. 4. aufl. Leipzig 1881. VIII, 
68 p. 60 pf. 

5. Cjcero's aasgewählte reden. Erklärt von Karl Halm. 1. bdch. 

9. verb. aufl. Die reden für S. Roscius aus Ameria und über das 
Imperium des Cn. Pompeius. Berlin 1881. VllI, 157 p. 

6. C'lemm, Geo. , de breviloquentiae Taciteae quibusdam gene- 
ribus. Praemissa est commentatio critica de figuris grammaticis et 
rhetoricis quae vocantur brachylogia aposioijesis ellipsis zeugma. Leip- 
zig 1881. 8. 158 p. 3 mk. 

7. Cornelius Nepos. Erklärt von Carl Nipperdey. 8. aufl. von 
Bernhard Lupus. Berlin 1881. 8. 190 p. 1 mk. 20 pf. 

8. Cornuti theologiae Graecae compendium. Kec et emendabat 
Carolua Lang. Leipzig 1881. 8. XX, 125 p. 1 mk. 50 pf 



^^ Bibliographie. Nr. 1. 

... ^" Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum. Editum con- 
silio et impensis academiae Caesareae litterariae Vindobonensis, 
Vol. V. Pauli Orosü historiarum adversum paganos libri VII. Ac- 
cedit eiusdem über apologeticus. Recensuit et commentario critico 
mstvuxit Carolas Zanc/emeister. Wien 1882. 8. XXXIX, 819 p. 16 mk. 
10. Curtius, Ernst, alterthum und gegenwart. Gesammelte reden 
und vortrage, bd. 1, 3. aufl. bd. 2. Berlin 1882. ä 7 mk. VII. 
383. VII, 347 p. 

11- , griechische geschichte. 5. aufl. Bd. I. Berlin 1881. 

8. VII, 687 p. 

12. Denkmaeler der alten kunst. Nach der auswahl und anord- 
iiung von C. O. ßlneller. 2. bd. 2. heft. 3. bearbeitung durch 
Friedr. Wieseler. Goettingen 1881. Querfolio p. 117-261. 15 stahlst. 9mk. 

13. Doerpfeld, W., F. Graeher , R. Borrmann , K. Siebold, über 
die Verwendung von terrakotten am geison und dache griechischer 
bauwerke. 41. progr. zum Winckelmannsfeste der archaeolog. gesell- 
schaft zu Berlin. Mit 4 tafeln in farbendruck. Berlin 1881. 4. 
32 p. 2 mk. 40 pf. 

14. Duemmler , Ernst, rythmorum ecclesiasticorum aevi Carolini 
specimen. Berlin 1881. 4. 24 p. 1 mk. 20 pf. 

15. Duncker, Max, geschichte des alterthums. 5. bd. 3—5. aufl, 
Leipzig 1881. 8. XVI, 579 p. 11 mk. 20 pf. 

16. Fricker , B. , die römischen funde zu Baden. Vortrag. Aa- 
rau 1881. 8. 13 p. (Aus XIII. jahresber. d. Vereins schweizerischer 
gymnasiallehrer.) 

17. Hermann , Karl Friedr. , lehrbuch der griechischen antiqui- 
täten unter mitwirkung von S. Droysen, Arnold Hug, A. Mueller 
und Th. Thalheim. Neu hrsgg. von H. Blümner und W. Dittenber- 
ger. In 4 bdn. Bd. 4. Lehrbuch der griech. privatalterthümer. 
1. hälfte. 3. verm. u. verb. aufl. Nach der 2. von K. B Stark 
besorgten aufl. umgearbeitet und hrsg. von Hugo Blumner. Freiburg 
i. Brsg. 1882. 8. 256 p. 4 mk. 

18. Hermae Pastor Graece e codicibua Sinaitico et Lipsiensi 
scriptorumque ecclesiasticorum excerptis collatis versionibus Latina 
utraque et Aethiopica libri clausula latina addita restituit commentario 
critico et adnotationibus instruxit Elxai libri fragmenta adiecit Adol- 
phus Hilqenfeld. Ed. II emendata et valde aucta. Leipzig 1881. 8, 
XXXII, 257 p. 

19. Herodoios erkl. v. H. Stein. 1. bd. 2. heft. Buch II. 
Mit erklärenden beitragen von //. Brugsch. Einem kärtchen von 
H. Kiejjert, u. mehreren holzschn. 4. verb. aufl. Berlin 1881. 8. 
199 p. 1 mk. 80 pf. 

20. Hertz , Martin , zur kritik von Cicero's rede für den P. Se- 
stius. Leipzig 1881. 8. (Aus Jahrbücher für class. philol. Suppl. 
bd. XII.) 

21. Hettner, Felix, die Neumageuer monumente. Mit tafel. 
Bonn 1881. 8. 30 p. (AusRhein, museum f. philologie.) Imk. 25pf. 

22. Horatii Flacci, Q., opera a Mauritio Hauptio recognita. Ed. 
IV a Joh. Vahleno curata. 347 p. 2 mk. 50 pf. 

23. Horatius Fiacctis, Q,. Recens. et interpretatus est Jb. Caspar 
Orellius. Edit. minorem sextam post Jo. Geo. Baiterum curavit 
Guil. Hir Sehfelder. Vol. I. Berlin 1881. 8. 2 mk. 25 pf. 

24. Jaeger, Oskar, geschichte der Griechen. 4. aufl. Gütersloh 
188L 8. XII, 558 p. 6 mk. 

25. List, Friedr. , das buch des Horaz über die dichtkunst. Ins 
deutsche übersetzt und mit einer einleitung und kurzen anmerkungen 
versehen. Erlangen 1881. 8. XI, 39 p. 1 mk. 



Nr. 1. Bibliographie. 61 

26. Mmi, August, geschichte der decorativen Wandmalerei iu 
Pompeji. Hrsg. v. d. redaction der archaeolog. zeitung. Mit 20 tafeln 
in 1. mappe in fol. Berlin 1882. 8. XII, 462 p. 54 mk. 

27. Meissner, Carl, die Cantica des Terenz und ihre eurythmie. 
Leipzig 1881. 8. (Aus Fleckeis. jahrbb. suppl. bd. XII.) 

28. Oehmichen , Gu.stav, de conipositione episodiorum tragoediae 
Graecae externa. Pars I. Erlangen 1881. 8. 96 p. 2 mk. 

29. Plauti, T. Macci comoediae. Rec. instrum. critico et pro- 
legomenis ausit Fr. Ritschflius sociis operae adsumptis Giist. Loewe, 
Geo. Goetz, Fr. Schoell. Tom. I. fasc. V. Truculentus rec. Frid. 
Schoell. LII, 155 p. 4 mk. 8U pf. 

30. Presuhn, Emil, Pompeji. Die neuesten ausgrabungen von 
1874-1881. Für kunst- und altertburasfreude illustrirt hrsg. Mit 
80 tafeln in chromolithogr. nach aquarellen von G. Discanno u. A. 
Butts. 2. verb. u. sehr verm. aufl. Leipzig 1881. fol. 90 mk. 

31. Rassniv , Hei'm. , de Plauti substantivis. Leipzig 1881. 8. 
(Aus Fleckeis. jahrbb. Suppl. bd. XII.) 8 mk. 20 pf. 

32. Schenk/, Heinr., Plautinische studien. Wien 1881. 8. (Aus 
sitzungsber. d. histor. philol. classe der Wiener akad. d. wissensch.) 
92 p. 1 mk. 40 pf. 

33. Statu epithalamium (Silv. I, 2.) denuo editum adnotavit 
quaestionesque adiecit archaeologicas Ati(/. Herzog. Leipzig 1881. 8. 
V, 47 p. 1 mk. 80 pL 

34. Tertullians i?i.varüi\\c\iQ Schriften. Aus dem lateinischen übers. 
von Carl Ad. Heinr. Kellner. Bd. I. Die apologetischen und prak- 
tischen Schriften. Bd. II. Die dogmatischen und polemischen Schrif- 
ten. Köln 1882. 8. VIIT, 504. 5U8 p. 16 mk. 

35. Teuffei, W. S., geschichte der römischen litteratur. 4. aufl. 
bearb. von i. iScA^jaöö. '2. liefg. Leipzig IStl. p.401 — 800. 4mk. 40pf. 

36. Taciti Corneli, dialogus de oratoribus. Recogn. Ae?nilitis 
Baehrens. Leipzig 1881. 8. 103 p. 2 mk 

47. Wietersheim , Ed. v. , geschichte der Völkerwanderung. 2. 
vollst, umsearb. aufl. besorgt von Felix Dahn. 2. bd. Mit Sachre- 
gister u. litteraturübersicht. Leipzig 1881. 8. VI, 532 p. 15 mk. 

38. Zeller, Ed., die philosophie der Griechen in ihrer geschichtl. 
entwickelung dargestellt. 3. bd. 2. abth. Nacharistotelische phi- 
losophie. 2. hälfte. 3. aufl. Leipzig 1881. 8. Xli, 865 p. 

Skandinavien. 

39. Bang, C. . Julian den Frafaldne. 2 Bl. 167 Sider. Kri- 
stiania 1881. 8. 2 kr. 80 0re. 

40. Frigell , Andreas, Epilegomena ad T. Livii librum XXI. 
Upsala 1880. (Aus Upsala Universitets Arskrift.) 56 p. 1 mk. 40 pf. 

England. 

41. Duncker, Max, the history of antiquity. From the Gerraan 
by Evelyn Abbott. Vol. 5. London 1881. 386 p, 21 sh. 

42. Epictetus, the enchiridion of. Translated from the Greek 
with preface and notes by T. W. H. Rolleston. London 1881. 12. 
84 p. 3 sh. 6 d. 

43. Horace., Works of, with a commentary by E. C. Wickham, 
Vol. l. London 1881. 12, 540 p. 5 sh. 6 d. 

44. — translated into english verse with a life and notes by 
Sir Theodore Martin. 2 vols. London 1881. 8. 770 p. 21 sh. 

45. Plato, the Theaetetus of. With translation and notes by 
Benjamin Hall Kennedy. London 1881. 8. 250 p. 7 sh. 6 d. 

Vereinigte Staaten von Nordamerika. 

46. Plato , the Protagoras. With an introduction and critical 
and explanatory notes by E. G. Sihler. New York 1881. 12. i ßh, 



62 Bibliographie. Nr. 1. 

Frankreich. 

47. Constans, L., la legende d'Oedipe etudiee dans l'antiquite au 
moyen äge et dans les temps modernes en particulier dans le Roman 
de Thebes texte fran9ais du Xlle siecle. Montpellier 1881. 8. CI, 391p. 

48. Curiius, Ernst, histoire grecque traduit de l'allemand sous 
la direction d'A. Bouche Leclercq. T. 2. Paris 1881, 8. VI, 668 p. 

49. DuüUeiix, A, , Marder Egrei, recherches sur les routes an- 
ciennesdaus le departement deSeine-et-Oise etc. Versailles 1881. 8. 94p. 

50. Eyger , Victor, disputationis de fontibus Biogenis Laertii 
particula de successionibus piiilosopborum. Bordeaux 1881. 8. 79 p. 

51. Lonyus, les pastorales de, ou Daphnis et Chloe. Traduction 
d'Amyot , revue et completee par P. L. Courier. Nouvelle edition 
accompagnee d'un glossaire des mots difficiles par Pierre Jannet. 
Paris 1881. 16. 176 p. 

52. Martha, Jules, Herakles au repos bronce grec du musee de 
Louvre. Paris 1881. 4. 19 p. et gravure. (Monuments de l'associa- 
tion pour l'encour. des etudes grecques No. 9.) 

53. Mueller, Lucian , metrique grecque et latine avec un appen- 
dice historique sur le developpement de la metrique cbez les an- 
ciens; Traduit de l'allemand par A. LegouSz et precedee d'une intro- 
duction par E. Benoist. Paris 1881. 16. 

54 OUe-Laprune , Leon, Essai sur la morale d'Aristote. Paris 
1881. XVII, 315 p. 

55. Pionius, Vita S. Polycarpi Smyrnaeorum episcopi. Primum 
graece edita a L. Duchesne. Paris 1881. 8. 40 p. 

56. Quicherat, L. , traite de versification latine a l'usage des 
classes superieures. 3e ed. revue corrigee et augmentee 24 tirage. 
Paris 1881. 12. XX, 424 p. 

Italien. 

57. Bohba , R. , Saggio sulla filosofia greco-romana considerata 
nelle sue fonti e nel suo svolgimento fino al Cicerone inclusivamente 
ed Anthologia philosophica di M. Tullio Cicerone. Torino 1882. 
16. VIII, 319 p. 

58. Piccolomini, Enea Silvio, osservazioni sopra alcuni liiogbi delle 
Kane di Aristofane. Torino 1881. 8. 28 p. 

59. Talamo , Salvatore , l'aristotelismo della scolastica nella 
storia della filosofia. Studii critici. 3za edizione notevolmente ac- 
cresciuta. Siena 1881. 8. XXXI V, 508 p. 8 lire. 

Spanien. 

60. Aristofanes, Comedias de, traducidas directamente del Griego 
por D. Federico Baräibar y Zumdrraga. Tomo III. Madrid 1881. 
4. 357 p. 14 real. 

61. Menendez Pelayo , Marcelino, San Isidoro. Su importancia 
en la bistoria intelectual de Espaila. Sevilla 1881. 4. 15 p. 

Polen. 

62. Cwiklinski, L., Homer i Homerycy rzecz o studyach i przek- 
tadach Homera szczegölnie w Polsce. Lw6w 1881, 8. (Homer u. die 
Homeriden. Ueber Studien und Übersetzungen des Homer insbeson- 
dere in Polen.) 

Beilage B. Academica und dissertationen. 

63. Bonn. Meier, Paul Jonas, de gladiatura Romana quaestio- 
nes selectae. Bonn 1881. 8. 56 p. Diss. 

64. Goettingen. Braune, Tbeod., observationes grammaticae 
et criticae ad usum ita sie tam (tamen) adeo particularum Plautinum 
ac Terentianum spectautes. Berolini 1881. 8. 63 p Diss. 

65. Halle. Fincher , Ernestus, de vocibus Lucilianis selecta ca- 
pita. (Diss.) Halle 1881. 79 p. 2 mk. 



Nr. I. 'Bibliographie. 63 

66.67. Kiel. Sehriftea der Universität Kiel. Bd. 27. 1880— 
81. Kiel 1881. (Darin: Ed. Labbert diss. de Pindari carmine Olym- 
pico decimo. Kiel 1881. 4. 27 p. Wüh, Moeller. Ueber die reli- 
gion Plutarchs. Kiel 1881. 18 p. 4.) 

68. Bock, Carl, de metris Horatii lyricis. Kiel 1880. 8. 69 p. 

69. Hansen , Marx , de tropis et figuris apud Tibnllum. Kiliae 
1881. 8. 50 p. 

70. Hass, Henr., de Herodis Attici oratione mol noXmias. Lip- 
siae 1881. 8. 48 p. 

71. Luebhcrt, Georg, de amnestia anno CCCCIII a Chr. n. ab Athe- 
niensibus decreta. Kiel 1881. 8. 95 p. 

72. Petersen, Wilh., Quaestiones de historia gentium Atticarum. 
Schleswig 1880. 8. 1.50 p. 

78. Marburg. Caesar, Julius, quaestiones duae ad Aristophanis 
aves spectantes. Marburg 1881. 4. XII p. 

74. Endemann , Carl , Beiträge zur kritik des Ephorus. Mar- 
burg 1881. 4. 25 p. 4. 

75. Spangenberg, Card. H. Gr., de T. Lucreti Cari tropi.?. Mar- 
burgi Cattorum 1881. 8. 54 p. 

76. Wilhelmi, Guil., de modo irreali qui vocatur. Marburg 1881, 
4. 23 p. 

Kleine philologisrhe zeitung. 

Die monatsbericbte der kgl. preuß. akad. der Wissenschaften 
zu Berlin november 1881, p. 982 — 989 enthalten einen aufsatz 
von A. Kirchhoff: Ueber die reste einer aus Aegypten stammen- 
den jetzt in Berlin befindlichen handschrift des Euripides (mit 
Schrifttafel). Es sind zwei doppelblätter und ein einzelblatt einer 
pergamenthandschrift in schöner großer uncialschrift ; sie ist älter 
aber vermuthlich nicht viel älter als sechstes Jahrhundert nach 
Chr., die seite hat je 28 zeilen. Der inhalt entspricht vers 242 
— 515 des Hippolytus, der hier gegebene text unterscheidet sich 
im wesentlichen nicht von dem der älteren Euripideshand- 
schriften, sondern bietet nur drei wesentliche Varianten: 302 reo 
statt lüuiv, 430 jU/; nooco(f9i(t]v statt fiqnoi' 6(pd^tit]v, 510 cigii, d' 
rjX&t statt rj/.d^e ö' u.qh. Daraus schließt Kirchhoff, daß die 
Überlieferung des Euripides im 6. — 12. Jahrhundert keinen Wan- 
delungen mehr unterworfen gewesen zu sein scheine. 

Athen, 28. nov. : das ministeriura des innern hat einen band 
„die Statistik Griechenlands" betreffend herausgegeben , der für 
die kenntniß des jetzigen Griechenlands von größter Wichtigkeit 
ist. Mittheilungen daraus giebt Augsb. allg. ztg. 1881, nr. 360. 

München, 28. nov. Das octoberheft (1881) der preußischen 
Jahrbücher enthält einen aufsatz des dr. Dziatzko über das b rit- 
tische museum, in dem die einrichtung desselben, nament- 
lich auch der täglich von c. 400 personeu besuchte lesesaal ein- 
gehend geschildert ist. Einzelnes daraus giebt Augsb. allg. ztg. 
1881, nr. 360. 

Rom^ 10. december. (Festsitzung des kaiserlich deutschen 
archäologischen instituts). Das kaiserlich deutsche archäologische 



64 Kleine philologische zeitung. lUr. 1. 

Institut eröflFnete gestern die reihe seiner wöchentlichen Zusam- 
menkünfte in herkömmlicher weise durch eine feierliche sitzung 
zum gedächtiiisse des geburtstags Winckelmanns. Der gelehrte 
Barnabit P. Bruzza, seit langen jähren ein thätiges mitglied des 
Instituts , besprach zuerst ein von dem fürsten del Drago auf 
seiner besitzung acqua bollicante vor Porta maggiore entdecktes 
antikes grab. Obwohl geplündert, enthielt dasselbe in einem 
anstoßenden gemach mit einem einzigen , nach art der kata- 
komben in den tuf eingeschnittenen loculus noch ein unver- 
branntes skelett, und zur seite desselben , aus gebrannter erde, 
eine feige, drei nüsse, ein medaillon mit einer obscönen darstel- 
lung, endlich zwei klingeln mit aufschriften in schönen griechi- 
schen reliefbuchstaben. Auf der einen liest man auf der einen 
seite EYllAOl ^ auf der anderen EYTY'XI; die zweite zeigt 
die aufschriften nPElJICOI und NIK^. Der vortragende fol- 
gerte aus diesen Inschriften , daß die mit ihnen gezierten ge- 
genstände und ohne zweifei auch die anderen vorher genannten, 
dem todten beigegeben worden, um seinen körper und seine 
manen vor zauber zu bewahren, und verbreitete sich in einge- 
hender rede über die von den alten zu solchem aherglauben 
verwendeten dinge. Genauer behandelte er hierauf die bedeu- 
tung der feige im alterthume , während er die abergläubische 
Verwendung der nuß als bisher unbekannt hervorhob. Wenn 
auch hie und da nüsse aus terracotta in antiquarischen Samm- 
lungen sich fänden , so sei doch über die art ihrer auffindung 
nichts bekannt. Der vortragende beschränkte sich daher darauf, 
über die arten der den alten bekannten nüsse und ihre bedeu- 
tung einige bemerkungen hinzuzufügen, und ging sodann auf 
die besprechung der klingeln über, deren abergläubische Ver- 
wendung er bereits früher einmal ausführlich im Institut behan- 
delt hatte. Er zeigte , wie namentlich in den letzten jähren 
zahlreiche exemplare dieser monumenten - classe aus antiken 
gräbern zu tage gefördert seien, vereinzelte in Asien und Grie- 
chenland, weit mehrere in Italien, bald aus gold und silber, 
bald aus erz , selten aus terracotta. Ebenso seien die mit In- 
schriften versehenen verhältnißmäßig selten. Bruzza erörterte 
den sinn der letzteren, die sich dem wesen von amuletten vor- 
trefflich anpassen. Die von ihm besprochenen gegenstände wa- 
ren durch die gefälligkeit des fürsten del Drago den anwesenden 
zur ansieht verstattet. — Es folgte ein vertrag des zweiten secre- 
tairs, prof. Heibig, über das homerische dinag afitpixvTTi'k'kov. 
Nach einer kurzen Übersicht über die stylistische und cultur- 
historische Wichtigkeit der verschiedenen formen der trinkge- 
faße , beleuchtete er die ansichten antiker und moderner ge- 
lehrten in betreff des bechers der homerischen Zeiten. Er ver- 
weilte sodann bei der unabhängig von einander von Buttmann 
und Frati aiifgestellten erklärung des amphiJcypellon als doppel- 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 65 

bechers und zeigte , wie diese form , obwohl nachgewiesen in 
mehreren in der nekropole von Villanora bei Bologna gefun- 
denen thongefäßen , keineswegs dem zweck entspricht , für den 
das depas amphikypellon im homerischen epos dient. Letzterer 
name sei synonym mit depas hypellon und aleison, und da aleison 
in der Odyssee (XXII, 9. 17) als afAfpunov, d. h. zweihenkelig, 
bezeichnet werde, so könne auch jener nur einen zweihenkeligen 
beeher bedeuten. Ein solcher aber sei , wie Schliemanns ent- 
deckungen bewiesen , selbst vor Homer bereits das gewöhnliche 
trinkgefäß gewesen. Die ausgrabungen von Kameiros und die 
ältesten sicilischen und italienischen gräber beweisen das gleiche 
für die der homerischen periode folgenden zeiten. Etymologisch 
suchte Heibig seine ansieht zu stützen durch die annähme, daß 
dem namen hypellon die wurzel xun = capere zu gründe liege. 
Wie die Latiner daraus cop-ulus, „henkel", cap-i-s, „gehenkelte 
schale", die Umbrer cap-i-f, „gehenkelte schale" hergeleitet, so 
hätten die Griechen in uralten zeiten daraus ein wort xvn-iXrj 
„henkel", xvniX-i,og, xvntlXog „gehenkelt", gebildet, aus dem 
dann äfKpixvntXXog ,,mit einem doppelten henkel versehen" ge- 
worden sei. Wenn Aristoteles (Hist. anim. IX, 40) das wort in 
anderem sinne gebrauche, so sei das nicht zu verwundern. Be- 
reits bei Homer ist >ivneXXov mit auslassung des dinag zum Sub- 
stantiv geworden, und allmählich erhielt dieses wort die bedeu- 
tung von beeher im allgemeinen , ohne rücksicht darauf, ob er 
mit henkeln versehen sei. Als dann diese allgemeine bedeutung 
sich festgesetzt , da sei das wort äfKpiitvnsXXov natu.rgemäß zur 
bezeiehnung eines doppelbechers geworden. Der vortragende 
richtete schließlich einige dankesworte an Alexander Castellain, 
welcher mit seinem reichen antikenschatz einige tanagräische 
terracotten-figuren zur ausstellung gebracht hatte. Die Ver- 
sammlung , welcher der kaiserliche botschafter v. Keudell bei- 
wohnte, war von einheimischen und fremden gelehrten und al- 
terthumsfreunden zahlreich besucht. Von jenen erwähnen wir 
den grafen Mamiani , vicepräsidenten der akademie der Lincei, 
die brüder de Eossi, die H. H. Lumbroso, Lanciani und meh- 
rere mitglieder der direction der alterthümer ; sowie den director 
der bibliothek Vittorio Emmanuele , Gnoli ; von diesen den frü- 
heren österreichischen minister, admiral v. Wüllerstorff, den di- 
rector der Ecole frangaise in Rom, Geffroy, mit mehreren mit- 
gliedern der letzteren, u. a. m. — Augsb. allg. ztg. 1881, 
beil. zu nr. 351. 

Athen. Man schreibt aus Athen, vom 15. december: der ban- 
kier Andreas Syngros hat dem könig Georg von Griechenland an- 
gezeigt, daß er zu den vor einigen monaten übergebenen 100,000 
frcs. für die errichtung eines archäologischen national- 
museums in Olympia zur bergung und aufstellung der von 
der deutschen regierung axxsgegrabenen alterthümer noch fernere 

Pbilol. Aaz, XII. 5 



6B Kleine philologische zeitting. t^r. 1. 

100,000 f'rcs. spende, um den bau sofort beginnen zu können. 
EAnz. 1881, nr. 307. 

Das Postblatt m\ 1 für 1882 ist bei ßAnz.. 1882 nr. 2 
erschienen. 

Die Nationalzeitung 1882 ur. 3 morgenausg. veröflfentlicht 
unter der Überschrift : „A rchäologische rückblicke" einen 
aufsatz, der zunächst über die 1881 in Mainz gefundenen reste 
römischer bauten und denkmale berichtet-, so über die Römer- 
brücke bei Mainz, und dabei auf einen im druck erschienenen 
aufsatz von Schneider verweist, dann über den maueizug des 
Römercastells in Castell, ferner über die inschriftensteine — s. 
Ph. Anz. XI, 7, p. 416, 9, p. 489 — , endlich über das in 
Worms errichtete museum , dessen einrichtung namentlich der 
munificenz eines wormser Privatmannes, des rittmeisters Max 
Heyl, zu danken. 

Göttingen, 3. jan. 1882. Ein brief über C. G. Heyne. Ver- 
öflPentlichung von einzelnen briefen hat zwar ihre gefahr: kann 
doch die Stimmung, in der sie geschrieben, Sachen wie personen 
unrecht thun und dadurch später irrige urtheile veranlassen. 
Die folgende mittheilung lalit aber dies nicht befürchten: sie 
besteht in einem briefe der professorin Sartorius von Walters- 
hausen an den spätem geheimen cabinetsrath Kehberg, der sein 
leben hindurch mit gelehrten Göttingens in enger Verbindung 
gestanden; der brief giebt treu den eindruck wieder, den der 
unerwartet eingetretene tod C. G. Heyne's auf die unparteiischen 
Zeitgenossen gemacht hat. Da die bedeutung Heyne's nicht al- 
lein für Göttingen , sondern auch überhaupt für die gedeihliche 
förderung der philologie allmählig allgemein anerkannt ist, 
dürfte dieser briet allgemeines interesse erregen : enthält er eben 
auch nichts neues, so dient er doch zur bestätigung und erläu- 
terung dessen , was Heeren in seiner bekannten biographie bei 
Heyne's tod berichtet. Hiernach lasse ich ihn folgen : 

Göttingen am 15. Jul. 1812. 

Ich wollte nicht in Mariens Vaterland reisen, mein theuerer 
Freund , ohne mir Ihren Segen dahin ausgebethen zu haben ■, 
nun aber macht eine andere große Begebenheit den Gegenstand 
dieses Briefs aus; eine Begebenheit die sich zwar lange schon 
vorhersehen ließ, von der aber jeder die Augen abwandte weil 
niemand ihre unabsehbaren Folgen berechnen mochte. — 

Heyne ist nicht mehr; vorgestern früh um 5 Uhr endigte 
der schönste Tod ein Leben dem sich nur wenige an Freude 
und Genuß, noch unendlich wenigere an Kraft und Thätigkeit 
vergleichen lassen. Heiter und wohl noch in der Stunde seines 
Todes klingelt er und scherzt mit einem Mädchen welches ihm 



Xr. I. Kleine philologische zeitung*. 87 

Wasser bringt, während er vor seinem Schreibtische in seine 
Papieren kramt, über sein frühes Aufstehen; als diese ein paar 
Minuten darauf ihm das Frühstück bringen will, findet sie ihn 
vor seinem Waschtische zusammengesunken, Augen und Mund 
geschlossen, gerade den letzten Athemzug aushauchend. Am 
Sonabend hat ihn mein Mann noch in der Societät gesehen wo 
er in einem neuen , schwarzen Tuchkleide aufs zierlichste ange- 
zogen, noch mit dem Leben und der Kraft eines Jünglings ge- 
redet hat. Eben so hat er in seiner letzten Vorlesung im Se- 
minarium am Montag Nachmittag gesprochen. Keiner hat ge- 
ahndet daß dieses seine letzten Worte seyn würden. 

Mad. Heyne war im Schlammbade zu Northeim , Heeren 
hat sie gehöhlt und versucht sie vorzubereiten; aber alle Vor- 
bereitung war überflüssig gewesen , ihr Herz hatte ihr sogleich 
die Wahrheit entdeckt. Diesen Morgen war ich bey ihr und 
fand sie wie immer , voll Kraft und Character sich gegen den 
Schmerz auflehnend um ihm nicht zu erliegen. Aber ihr In- 
neres war schmerzlich zerrissen und eine Lücke wird darin 
bleiben die für dieses Leben sich wohl schwerlich ausfüllen wird. 
Blumenbach war auch dort. Man sprach von den Briefen die 
geschrieben werden sollten. Blvimenbach hatte schon an Mad. 
Huber geschrieben, und ich erboth mich Ihnen, mein theuerster 
Fj-eund , eine Nachricht mitzutheilen die Sie gewiß ebenso wie 
uns , ja wie die ganze Stadt erschüttern wird. Mad. Heyne 
grüßt Marie und wird ihr, so bald der erste Sturm vorüber ist, 
ausführlich schreiben. Einen Brief den sie in Northeim von ihr 
erhalten, hat sie eben beantworten wollen als die Schreckenspost 
sie daran verhinderte. Blumenbach war so erschüttert als ich 
kaum glaubte daß seine Natur ihn dazu fähig machte, üeber- 
morgen früh wird der drey und achtzigjährige Greiß beerdigt 
und mit ihm der 50jährige Ruhm den sein Nähme über ein In- 
stitut verbreitete dem dieser Nähme für immer unvergeßlich seyn 
muß. Große Veränderungen bringt dieser Tod hervor. Ver- 
besserungen, so sehr sie in einzelnen Stücken vielleicht auch zu 
wünschen seyn möchten , gewiß keine. Ein jedes Institut hat 
eine Periode seiner Entwickelung die gewöhnlich die seines 
schönsten Glanzes ist. Dann erhält sich das Gebäude noch eine 
Zeit laug in seiner VoUendiuig bis es endlich wie alle Anstalten 
menschlichen Geistes oder menschlicher Kraft in sich selbst zu- 



68 Auszüge aus zeitschrifteii. Nr. 1. 

sammenstürtzt. In dieser letzten Periode befinden wir uns vor- 
züglich seit Heynens Tode, das bekennen alle, selbst diejenigen 
die mitunter schwer von ihm beleidigt und mishandelt, seine 
entschiedenen Widersacher waren. 

Sie , mein Freund , werden mit uns wie mit allen Billigge- 
sinnten und Unpartheyischen die Gefühle theilen die der Ver- 
lust eines Mannes erwecken muß dessen nicht genug erkannte 
Verdienste, dessen große und herrliche Eigenschaften so manche 
Fehler aufwogen. 

Am Sonabend oder Sontag reisen wir von hier ab auf 14 
Wochen wahrscheinlich , hoffentlich wenigstens bis Genf. — 
Gedenken Sie Ihrer Freunde auch in der Ferne und wenn Sie 
oder Marie mir ein freundliches Wort zurückgeben wollen, so 
werden die Nachbaren es gern besorgen. L. S. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Augsburger allff. ztg. 1881 : nr. 215. 224 : in Canossa: I. II: ein bitterer 
angriff auf die Stellung der preußischen regierung zu Rom , der eine 
Zeitlang aufsehen erregt hat; aber ruhig betrachtet, enthält er wenig 
factisches, auch trotz des sichern und vornehmen tones falsches und 
ungerechtes, wie wenn er die wähl des dr Korum deshalb angreift, 
weil dieser jesuitisch gebildet sei : aber alle katholischen lehranstalten 
werden in jesuitischem sinne geleitet und ist das seit ungefähr 1850 
das stille und erfolgreiche streben der Jesuiten gewesen. Beachtet 
dies der verf,, wird er auch einsehen, daß, wenn er — und zwar mit 
recht — in der lichtigen behandlung des Schulwesens das wichtigste 
heilmittel für den culturkampf erblickt, er von der regierung die lö- 
sung einer unendlich schwierigen aufgäbe verlangt, einer aufgäbe, die, 
soll der Protestantismus , d. h. die reine lehre des evangeliums , und 
unsre cultur - entwicklung nicht zu gründe gehen, selbstverständlich 
gelöst werden muß, aber auch nur gelöst werden kann in längerer 
zeit und unter consequenter durchführung der als richtig' erkannten 
principien. Und darin liegt für uns die gefahr: der Vatican und der 
Jesuit weiß leider sehr gut, daß ruhiges zuwarten und geduld girade 
nicht die stärkste seite des Deutschen ist. Aber hoffen wir, daß die 
richtige erkenntniß der große der gefahr regierung und volk auf die 
richtigen wege zwingt und geben wir diese hoffnung nicht auf, wenn 
diese erkenntniß ab und an zu schwanken scheint, wie z. b. bei der leitung 
des Schulwesens in Elsaß-Lothringen, s. unt. zu nr. 306. 329. — Beil. 
zu nr. 216: die neuesten karten des Piräus, von Ch. Beiger. — Jahr- 
buch der königl. preußischen kunstsammlungen ; kurze besprechung. — 
Nr. 217: züchtigungsrecht derlehrer: bezieht sich auf eine Verfügung 
des cultusministers : unsrer meinung nach machen die lehrer von dem 
ihnen zustehenden rechte viel zu wenig gebrauch. Man hat sich ge- 
wöhnt die haselnuß nur hinsichtlich ihrer nüsse zu betrachten: sie 
erzeugt aber auch etwas, was richtig behandelt pädagogisch mehr 
werth ist als manches compendium der pädagogik. — Beil. zunr. 219: 
die classische bildung im zwölften Jahrhundert, von H, Jacohy. — 



Nr. 1. Auszüge «US zeitsclirifteH. 69 

Beil. zu nr. 223: Gustav Meyer, zur neugriechiaclieii literaturge- 
schichte. — Nr. 226: zur neuesten phase der preußischen kirchenpo- 
litik : gegen die preußische regierung. Uns will es dabei bedünken, als 
wenn diesem und ähnlichen politikern etwas mehr geduld und ruhe an- 
zuempfehlen wäre: diese schweren dinge verlangen zeit. — Beil. zu 
nr. 229. 230. 231: F. Hommel , die läge des garten Eden nach den 
neuesten keilinschriftlichen forschungen. — Beil. zu nr. 231 : Kopaissee 
und Isthmos von Korinth: einige notizen: s. ob. hft. 6, p. 332. — 
Beil. zu nr. 233 : Hermann Lotze , nekrolog von R. FalcAenberff. — 
Nr. 242 : zur geschichte des culturkampfes : bezieht sich auf ein buch 
von Hahn , dem leiter der officiösen presse , das diesen titel hat. — 
Beil. zu nr. 242 : besprechung der Deutschen allgemeinen biographie. ■=" 
Nr. 243: deutsch -tschechischer sprach- und schulstreit. — Nr. 250. 
251 : zur reform des höhern Schulwesens in Rußland. I. II. — Beil. 
zu nr. 261 : besprechung von Schulteß europäischem geschichtskalender 
für 1880. — Nr. 263 : das urtheil in dem Prager exceßproceß. Dazu 
nachtrage in Beil. zu nr, 302. — Beil. zu nr. 271. 272: die classische 
bildung im dreizehnten Jahrhundert, vonC Jacohy. — Beil. zunr. 284: 
zur altern buchdruckergeschichte. — Nr. 285 : der kaiser über den 
culturkampf. — Beil. zu nr. 287 : ein tag in Aquileja , von A. v. 
Schweizer-Lerche7ifeldt. — Der deutschen spräche noth an der Adria. — 
Beil. zu nr. 289. nr. 290. Beil. zu nr. 291. 292. 293: ein tag in den 
ruinen von Akragas : sehr zu beachten. Vrgl. unt. Beil. zu nr. 319. — 
Beil. zu nr. 291: bemerkungen über das Römercastell bei Großkro- 
tzenburg am untern Main. — Nr. 293 : auslebten der Zeitungen über 
Th. Mommsens politische begabung. — Beil. zu nr. 294 ; Th. Mommsen 
und Gneist vor ihren Wählern : leidenschaft und ruhe. — Beil. zu nr. 295 : 
die keilinschriflen an dem nördlichen ufer des Hundsflusses , von M. 
Hartmann. — Beil. zu 296. 297: L. von Urlichs, acht wochen in Grie- 
chenland ; sehr zu beachten, weil man hier Wahrheit findet. — Beil. zunr. 
298 : der Skamandros, von P. W. Forchhamme^-. — Beil. zu nr. 300 : zur 
reform der österreichischen gymnasien : beachtenswerth : die grundsätze 
des grafeuThun (1849) werden hervorgehoben: auf die selbstthätigkeit 
des Schülers soll besonders hingewirkt werden. — Nr. 304 : Beil. zu nr. 
305: Lessingiana. III: vrgl. nr. 181 beil. — Beil. zu nr. 305. 306,314 : 
F. Schmidt- Schwarzenherg , über die principien der volkserziehung. 
I. II. III. — Beil. zu nr. 306 : zur beurtheilung des höhern un- 
terrichtswesen im reichslande: sehr ruhig geschriebene darstellung 
der angriffe gegen provinzial-schulrath dr. Baumeister: für den ferne 
stehenden ist schwer hier das richtige zu finden: so viel dürfte sich 
jedoch ergeben, daß Baumeister der Protestant unausgesetzt von 
der katholischen partei angegrifi'en wird, um die principien der preu- 
ßischen, d. h. deutschen schulverwaltung zu gunsten der päbstlichen, 
d. h. jesuitischen zu verdrängen. In diesem Stückchen culturkampf 
könnte nun die regierung ihr wollen, ihre kraft zu erkennen geben: 
warum geschieht das nicht? Woher der wachsende einfluß des ka- 
tholischen bischofs? Vrgl. unt. nr. 329. Dies muß hier genügen: 
auffordern möchte ich aber die Schulmänner Deutschlands , diesen 
kämpf scharf ins äuge zu fassen und in den pädagogischen zeit- 
8chriften und sonst den protestantischen schulrath in seinem guten 
kämpfe zu unterstützen. — Nr. 308: die frequenzverhältnisse der Uni- 
versität Prag. — Beil. zu 308. 309: Jacob Bernays von Th. Gotnperz: 
nekrolog. — Nr, 312 : fürst Bismarck über die Judenfrage : der fürst ver- 
wirft die bewegung der Antisemiten. — Beil. zu nr. 312: A. Boliz, Ho- 
merübersetzungen in Griechenland : betrifft Übersetzungen in das Neu- 
griechische, — Nr. 314: die pommersche provinzial-svnode hat den 
evangelischen oberkirchenrath ersucht, bei den Staatsbehörden auf 



70 Auszüge aus aeltschriften. Nf. l. 

beaeitigunpf des sosfenannten culturexamens für die protestantischen 
theologen hinzuwirken: ein schritt, der an und für sich nur zu bil- 
ligen ist , aber um so mehr verdient hervorgehoben und begrüßt zu 
werden, weil er gegen das jetzt herrschende verderbliche System durch 
die Prüfungen auf Oberflächlichkeit hinzuwirken , gerichtet erscheint. 
— Gedenktafel für Ludwig Tieck in Berlin — Beil. zu 'nr. 315: 
neue publicationen des Vereins für geschichte und alterthumskunde 
in Frankfurt a. M. — D. PnntahnnVs römische geschichte, Turin, 
1881 er«!chienen : nach blicken auf das leben des Verfassers wird ein- 
zelnes mitgetheilt, was den dilettanten erkennen läßt. — Nr. 318: auch 
ein stück Vergangenheit und gegenwart des collegien-saales: sehr viel 
beachtenawerthes enthaltend: was der verf. über die schwächen und 
mängel unseres gymnasial - Unterrichts , ebenso was er von dem be- 
denklichen zustande des jetzigen studentenlebens sagt, ist sehr wahr, 
besonders aber verdient das über das abiturienten-examen bemerkte 
alle beachtung: die art freilieh, wie vf. abzuhelfen gedenkt, erscheint 
unklar. — Beil. zu nr. 819: über die bergdurchstechung des Empe- 
dokles in Akragas: knüpft an oben nr. 291 flgg. an und sucht die 
volkssage, daß Empedokles einen felsen bei Akragas durchstochen um 
dem nordwinl Zugang zu Akragas zu verschaffen, gegen die angaben 
Plutarchs und anderer von den eselshäuten und dgl. als das richtige 
nachzuweisen : der verf. wird wohl recht haben, nur ist über die an- 
gaben Plutarchs u. s. w. wohl anders zu urtheilen. — Nr. 320 : nach- 
bildung der Tanagra-figuren durch berliner künstler. — Stadtplan 
von Jerusalem. — Beil. zu nr. 821 ; Ch. Beiger, Schliemanns neueste 
reise in der Troas , 1881 , empfiehlt die bei Brockhaus erschienene 
Schrift nachdrücklichst. — Nr. 829 : das höhere Schulwesen in Elsaß- 
Lothringen gerichtet gegen den ob. aus beil. zu nr. 306 verzeichneten 
artikel: mit sachkenntniß, wie es scheint, geschrieben, aber von ka- 
tholischem Standpunkt aus: der zweck ist auf die beseitigung des 
provinzial - schulrathes dr. Baumeister hinzuwirken, deshalb werden 
versehen selbst aus älterer zeit herbeigezogen, zum theil jedoch zwei- 
felhafter natur und kaum beweisbar. Daß bei der schwierigen auf- 
gäbe einer neuen Organisation fehler unterlaufen , versteht sich von 
selbst: die hauptsache bleibt consequente durchführung des als rich- 
tig erkannten princips, hier preußische, d. h. deutsche Organisation: 
das hat Baumeister uuter schwierigen umständen stets erstrebt und 
kommt es daher nur darauf an , auf diesem wege fortzugehen und 
neben und über Baumeister beamte gleichen strebens zu stellen, 
damit die pfäffische pfiffigkeit erkannt und in ihren schranken gehal- 
ten werde. Aehnliche Strömungen wie jetzt im Elsaß waren noch in 
den dreißiger jähren in der Uheinprovinz zu finden: mau wünschte 
die geistlichen churfürsten mit ihren raaitressen und nepoten zurück, 
wie jetzt in Elsaß die liederlichen Napoleons oder schwachen Bourbons. 
Uebrigens ist der Verfasser des in rede stehenden artikels kein phi- 
lolog : denn dann fände sich wohl nicht der lächerliche gegensatz 
zwischen Herkules und Augias hier vor. — Beil. zu nr. 329: die 
reisen des lieutenant Condee in Palästina. — Beil. zu nr. 333. 338. 
nr. 353: Lauth, neues von den pyramiden I. IL III. berichtet zuerst 
von Mariette , dann von mumien und verwandten gegenständen der 
ilgyptologie. — Beil. zu nr. 333: grausame behandlung von Schul- 
kindern in London. — Beil. zu nr. 385: Lucrez, übersetzt von M. 
Seydel: kurze anzeige mit einigen proben der Übersetzung. — Beil. 
zu nr. 338. 339 : M. Jferfx , altfranzösischo Volkslieder. — Beil. zu 
nr. 340 : anzeige des buches von Martens, die römische frage im ach- 
ten und neunten Jahrhundert. — Beil. zu nr. 345: JI. Mohrmann, 
Heinrich Lndolph Ahrens, nekrolog. -r- B^il. au nr. 348: Leasioga 



Nr. 1. Ansauge atie zeitschrifteu. Tl 

](iben von H. Düntzer: kuiae, lobende anztige. — Js'r. 352. 35ü : der 
kämpf um die schule in Rußland. 1. 11: schildert die schwierige 
läge der höhern unterrichtfeanstalten. — ISr. yöö. ÜöU: die tschecüi- 
sche Universität in Prag. — Beil., zu nr. 858 : anzeige von (iregoro- 
vius Athenais. — 

Deutsche Literaturzeituny hrsg. von Max Roediyer. Jahrg. II. 
JSo. 50. Sp. 1915: Faul Muerkei, Piatos idealstaat, dargestellt und 
mit besonderer rücksicht aut die moderne zeit beurttieiit. berlin 
ifcöl. ö. lUiJ p. 2 mark. Das werkchen entspricht seinem zwecke, 
dem leser den gedaukeuinhalt der merkwürdigen scürilt klar zu ma- 
chen. ±.. Hedz. — Sp. lüiö: Ludwig Adutn , die od^ssee und der 
epische cyklus. Ein versuch zur lösung der nomerischeu trage. Wies- 
baden lööU. 8. Vli lz5 p. 8 mark. Adam beüaupiet neben den 
alexandrinischen kyklikern habe es deren auch im secUsten jaurhun- 
dert gegeben, die den epischen cyclua autbauten. Diese idee tünrt er 
mit üeiB aber willküriicner kritia ohne berücksichtigung der mitlor- 
scher durch. G. Hninchs. — top. 1922: H- . tjiizner, gescüichte der 
römischen kaiserlegionen von Augustus bis Hadrianus. Leipzig 18öl. 
ö. VI, 291) p. ö,4u mark. Was sollen uos m scnlechtem ueutsch 
vorgetragene auszüge aus TacitusV Oiio Hieeck. — !5p. 1ÜZ7: Georges 
Ferrot et Cfiarles Vhipiez, Histoire de l'art dan« l'antiquile. Egypte- 
Assyrie-Perse-Asie mineure — (jrece-Etrurie-üome. Tome 1. Egyple 
Livr. I— 11. Paris. 18öl. 8. 17ö p. a lief. U,öU tr. t'utize empüelilt 
dies unternehmen die gesammte antike kunst darzustellen den mit- 
forschern. 

No. 51. Sp. 1955: Jacob Bernuys , Phokion und seine neueren 
beuriheiler. Ein beitrag zur geschiente der griechischen philosophie 
und politik. berim lööl. ö. ib9 p. 4 Mark. Bernays will die 
motive tür Phokion's politisches auftreten in den pbilosopiiischen ein- 
flüssen der akademie uud des penpatos finden. Die&er tendenz zu 
liebe ist auch die ganze darstellung der beziehungen der philosophie 
zur poiitik ungieicnmaßig behauueit. Die bernayssche auifassung 
dürfte doch der Wahrheit nicht entsprechen. Stil und diction des 
buches sind glänzend. M. JJieis. — fep. iböU: Atto Vanucci, Pro- 
verbi latini iliustrati Milano IbbU. 8. VUi , böi p. Ein unterhal- 
tendes buch mit fleiß , urtheil und geschmack aber ohne größeren 
wissenschaltlichen werth , da eine planmäßige veigieicnung altrömi- 
scher und italienischer sprücliwörter — etwa auch landscbattlich ge- 
schieden - nicht gemacht und daraus consequenzen nicut entwickelt 
sind, hingegen ein unnützer paralleienballaat aus dem sprücnwörter- 
schatz aller möglichen nationen das buch beschwert. 2/. Geitthe. — 
Sp. 19Öb : Aiunhe, Ijiodorus feiculus und die römische annalistik. Kö- 
nigshütte 1»81. 4. 40 p. Klimke will statt Eabius Pictor als quelle 
des Diodor Piso nachweisen. iJer positive theil ist zu allgemein und 
kurz um zu übei zeugen. Die schritt verdient reifliche erwägung. 
Holm. - Sp. 197U : M. F. Jr^fjuau, nt(ji i^g i!/.rji^ovs 71ut(}iöos iov 
ii6j(ov xaU.m^yov IJarnuyiov. Athen 18bi. 8. 24 p. 1 mark. Ver- 
fasser weist als heimath des Paeonios Mende bei Aenos in Thracien 
nach gegen das bisher angenommene Mende auf Pailene. Luinbros. 

1^0. 52. Sp. 2tJUU : Henry Charles Voote the Komans of Britain. 
London 1878. 8. 485 p. 12 sh. Die kurzen inschritten mit namen 
von cohorten und centurien in römischen belestiguugbbauten in Eng- 
land, die die von den betreflenueu truppentheiien ausgelührten stre- 
cken bezeichnen, bezieht Coote auf die centunation des ayer provin- 
ctaiis und lührt weiter aus, daß die römisch -biitische cultur in den 
angelsächsischen emrichtungen des landes fortbestand. Coote verficht 
diese ansichten ohne von den gegentheiiigen thatsachen belehrt zv} 
»«in zum mehrtachen mule. JS. Uitbner. 



72 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

Literarisches Ctntrulbiatt für Deutschland. Herausgeber und ver- 
antwortlicher redacteur prof. dr. Fr. Zarncke. No. 46. Sp. 1571 : 
Ad. Bauer, Themistokles. Studien und beitrage zur griechischen 
historiographie und quellenkunde. Merseburg 1881. 8. V, 173 p. 
3 mk. Bauer giebt eine entwicklung der nachrichten über The- 
mistokles in den einzelnen quellen und charakterisirt zugleich den 
standpuüct derselben in der historiographie. Herodot und Thu- 
kydides blieben für die späteren canon. Ephorus ist zu ungünstig 
beurtheilt (V), Thukydides verhältniß zu Herodot wird treffend (?) 
charakterisirt. G. Ji{usolt), — Sp. 1580 : Die elegien des Albius 
TibuUus und einiger Zeitgenossen. Erklärt von £. Fabricius. Berlin 
1881. 8. 2 mk. 50 pf. Wortreicher und unklarer commentar ohne 
wissenschaftliche bedeutung. Auch der populäre zweck hätte besser 
erreicht werden können. A. R{iese). — Sp. 1581: T. Livi ab urbe 
condita libri. Erklärt von W. fVeissenborn. 10. Bd. 2. Heft. Buch 
XXXXV und fragmente. 2. aufl. besorgt von JI. J. Müller. Berlin 
1881. 8. VIII, 220 p. 2 mk. 10 pf. Der abschluß des Weissenborn- 
schen Livius ist von H. J. Müller vortrefflich besorgt. Die hand- 
schriftlichen angaben sind genau, der text ist vorsichtig emendirt. 
Die fragmente sind bequem angeordnet. Die zugäbe des lulius Obse- 
quens ist dankenswerth. A. E(ußner). — Sp. 1585: Lenormant, Fr. 
la Grande- Grece. Paysage et histoire. Littoral de la mer ionienne. 
Tome I. Paris 1881. 8. VU, 473 p. Das buch ist für das große 
Publikum bestimmt. Münzen sind ausgedehnt als mittel historischer 
Forschung verwerthet. Süd -Italien ist nach der zeit der römischen 
kaiser neu gräcisirt worden. Die gegend Tarent, Metapont, Hera- 
clea , Siris , Sybaris , Silagebirge , Calabrien , Rossano u. s. w. Man- 
cherlei typographische, historische-archäologische gedauken stoßen in 
dem sonst interessanten buche auf. Bu{rsian). 

No. 47. Sp. 1003 : Victoris, episcopi Vitensis historia persecutionis 
Africanae provinciae. Rec. Michael Petschenig. Accedit incerti auc- 
toris passio Septem monachorum et notitia quae vocatur. Wien 1881. 
8. (Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum. Vol. VH.) Gegen 
die vortreffliche Halmsche ausgäbe war ein großer fortschritt unmög- 
lich. Zahlreichere handschriften sind benutzt und gute indices beige- 
geben. W. A{rndt). — Sp. 1614 : Theodor Birt, Elpides. Eine studio 
zur geschichte der griechischen poesie. Marburg 1881. 8. VIII, 126 p. 
1 mk. Der begriff der elpis in der antiken poesie wird ermittelt als 
»hoffnung der armen auf gewinn.« Die fischer sollen speciell das 
prototyp der armuth sein, und Birt versucht Theokrits 'Ahils als theil 
des ihm zugeschriebenen cyclus 'Elnidfe nachzuweisen. Es ist doch 
wohl dies resultat noch sehr unsicher. A. R(iese). — Sp. 1615: Servii 
grammatici qui feruntur in Vergilii carmina commentarii recensuerunt 
Georgius Thilo et Herrn. Hagen. Vol. I. Fase. II. In Aeneidos libros 
IV et V commentarii. Leipzig 1881. 8. XCVIII, 660 p. 10 mk. 
Lobende anzeige von A. Ii{iese). 

No. 48. Sp. 1635 : Schmitz, M., Quellenkunde der römischen ge- 
schichte bis auf Paulus Diaconus. Gütersloh 1881. 8. 128 p. 2 mk. 
Enthält massenhafte Wiederholungen beseitigter irrthümer und viel- 
fache nichtbeachtung wichtiger erscheinungen. Unbrauchbar weil 
ohne selbstständige studien gearbeitet. K.J.N{eumann). — Sp. 1652: C. 
Dilthey , de epigrammatis nonnuUis graecis disputatio. Göttingen 
1881. 4. (Index lectt. hibb.) 12 p. Enthält 4 ausführlich begrün- 
dete conjecturen zur anthologie mit etwas zu großer Unfehlbarkeit 
vorgetragen. Doch ist Dilthey der einzige geeignete zur herausgäbe 
der anthologie. A. L{udwi)ch. — 



Nr. 3. 3. Febrnar. Min 18S2. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als erg;änzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



15. Ueber hie und nunc in der Oratio obliqua, vonFriedr. 
K n k e. Programm des Karla-gymnasiums in Bernburg. 1881. 
II p. 4. 

Obwohl in letzter zeit grade das Studium der lateinischen 
grammatik so eitrig betrieben wird, so muß man sich doch wun- 
dern, daß in den scbulgrammatiken oft noch regeln vorkommen, 
die mit dem sprachgebrauche der beiden hauptschriftsteller, des 
Cicero und Caesar , gar nicht übereinstimmen. Aber während 
wir die spräche mancher späteren, für die schule weniger wich- 
tigen Schriftsteller genau kennen , besitzen wir bis jetzt leider 
noch keine vollständige Untersuchungen von diesen beiden für 
die schule so wichtigen klassikern. Daher ist jede abhandlung, 
welche uns mit der spräche dieser genauer bekannt macht und 
zugleich auch für die schule nutzen abwirft, mit dank aufzu- 
nehmen. Eine solche arbeit ist die oben verzeichnete, in welcher 
der verf. die frage über hie und nunc in der oratio obliqua im 
BGallicum und BCivile des Caesar einer genauen prüfung 
unterwirft. Grade weil für diesen punkt noch keine bestimmte 
regel in den verschiedenen grammatiken aufgestellt ist, sondern 
weil man bald die änderung von hic in ille und von nunc in 
tum verlangt, bald dies gesetz auf gewisse bedeutungen der be- 
treffenden Wörter beschränkt , bald wieder einzelne ausnahmen 
gestattet u. s. w. , so ist die Untersuchung von Knoke gewiß 
jedem sehr willkommen, wenn er sie auch nur auf Caesar aus- 
gedehnt hat, weil sie doch wenigstens zu einem bestimmten re- 
sultate kommt. Ob nun der Sprachgebrauch des Cicero mit dem 
des Caesar übereinstimmt, vermag ref. nicht zu sagen, jedenfalls 
Philol. An». Xli. ti 



74 15. Lateinische grammatik. Nr. 2. 

wäre es wünschenswerth, wenn der verf. seine Untersuchung auch 
noch auf Cicero ausdehnen wollte. 

Die hauptpunkte, zu denen der verf. gelangt, sind folgende : 
nie oder is (für letzteres fehlen leider die belegstellen) sind in 
der oratio ohliqua nie für hie gesetzt , sondern kommen überall 
da vor, wo sie auch in der oratio recta stehen würden. — hie 
findet sich in den verschiedensten Verbindungen, von denen be- 
sonders folgende beachtenswerth sind : 1) in Verbindung mit ei- 
nem vorhergehenden oder nachfolgenden relativum z. b. BGal- 
lic. V, 41, 5: errare eos dieunt , si quiequam ah his praesidii 
sperent , qui suis rebus diffidant. — 2) in welcher durch das 
pronomen hie auf einen nebensatz mit ut, quod, si oder auf 
einen acc. c. infinitivo hingewiesen wird z. b. BGr. I, 43,8: 
Populi Romani hanc esse consuetudinem, ut soeios atque amicos . . 
honore auctiores velit esse. — 3) in welcher hie einen gegensatz 
zu ille bezeichnet, wobei ganz wie sonst hie auf das näherlie- 
gende, iUe auf das entferntere geht z. b. BGallic. I, 44, 8: 
Provinciam suam hanc esse Galliam , sicut illam nostram — 
4) in welcher hie in beziehung auf etwas vorher erwähntes steht 
z. b. BGallic. I, 17, 2: Esse nonnullos ... hos seditiosa atque 
imprdba oratione multitudinem deterrere. — 5) solche fälle, in wel- 
chen geradezu etwas der gegenwart angehöriges hat bezeichnet 
werden sollen z. b. BGallic. I, 44,7: Nunquam ante hoc tem- 
pus exercitum populi Romani Galliae provinciae fines egressum. 

Was tum betrifft, so kommt es in der oratio obliqua bei 
Caesar nie vor, sondern er wendet nur nunc an, welches hier 
ebenso wie in der oratio recta gebraucht wird , d. h. um die 
gegenwart des sprechenden zu bezeichnen z. b. BCivil. III, 
10, 9: Depositis armis auxiliisque, quibus nunc confiderent, neces- 
sario populi senatusque iudicio fore utrumque eontentum. 

Jeder wird hieraus leicht entnehmen, daß diese resultate 
sich wesentlich von den gebräuchlichen grammatischen regeln 
unterscheiden, daß sie aber den scbülern manchen fehler er- 
sparen , wenn man denselben den gebrauch von hie und nunc 
in der oratio obliqua freigiebt. C. Wagener. 

1 6. Eschyle. Morceaixx choisis publi^s et annot^s par Henri 

Weil. Paris, librairie Hachette et co. (213 p.) Preis 1 fr. 6 c. 

Diese zunächst für schulzweeke bestimmte auswahl giebt 



Nr. 2. 16. Aeschylos. 75 

den Prometheus mit wenigen auslassungen , von den Persern v. 
1—139, 176 — 526, 787—842, von den Sieben gegen Theben v. 
1—181,375—720,874-960, dann Agam.v. 1—39,40— 103, 258 
—316, 1035—1330, 1372—1447. Choeph, v. 84—263, 479— 
584,653— 782,875 — 934,973-1076. Eum.v. 1—396, 681—710. 
Eine besprechung der schrift vom pädagogischen Standpunkt aus 
behalten wir einer andern Zeitschrift vor, aber wir sahen uns 
nicht in der erwartung getäuscht, daß bei einem literarischen 
unternehmen des um Aeschylos so verdienten herausgebers auch 
die Wissenschaft nicht leer ausgehen werde. Beifallswerth er- 
scheinen uns insbesondere die folgenden änderungen : Sept. v. 20 
niotot acpiv mg yivoiade ngog XQSog töÖs anstatt des handschrift- 
lichen niazovg oncog , v. 440 Kanatslg amikniv uqu nagsöHtva- 
Ofiivog anstatt ansiXsl dgäv, v. 620 noöaiyisg oifxa, x^^Q^ ^' ^^ 
ßgadiitetai anstatt no8äneg ofxfAu, v. 667 /iiy/i] ngoaeiös xovx 
anri^icoöaro anstatt nal nartj^imaaTo , v. 650 vno ös acöfiaji yä 
anstatt yäg ^ so daß die folgenden werte nlovzog äßvoaog sazai 
einem anderen choreuten in den mund gelegt werden können. 
Ag. 308 /; ö' saKTixpev für 6<r' eanijipsv , v. 1092 ai(ioa(payelov 
für uvÖQoacpayHOv , v. 1148 ylvauv t' ayeiv aimva 'Alav^immv 
8iuC anstatt ätsg, v. 1253 tov yäg tsJiOvvtog ; ov ^vfTJx af^Tj^a- 
päv für TOV yag rsXovvtog ov ^vvtjuu fi7j^ttv^i' , v. 1285 ngcc^siv 
viv vmiaaiia xeifjitj'ov nargog für u^siv, v. 1410 dnidinsv , ans- 
rufisv as — dnonoXig ö' sasi — filaog oßgifiov datav für «776- 
dixsg, anBTUfjisg. Choeph. v. 172 ovx saziv oatig zmv saco asigaizo viv 
für nXrjv iixov , v. 245 avyyivoiio väv anstatt lioi , v. 553 nov 
dei 71 noisiv , nov da (xij zi 8gäv Asycoj' (anstatt zovg ö' ev ii 
noieiv , zoiig 8s fitj zi 8gäv) woran sich dann schließt v(iäv 8s 
ngvnzEiv zugSs avv&ijxag i^äg mit hinzugedachtem iazi anstatt 
aiftt) 8s xgvTTZEiv, v. 754 cttoj^oj qjgsvog für igoTK^) qjgsvog, v. 774 
tv ayysXq) ydg xvgzog og&ovzai Xöyog für xgvnzög ^ v. 883 inl 
^vgov nslmv (Wecklein inl ^vgov zvx^g), anstatt inl ^vgov 
niXag , v. 900 nov St^ zu Xufingd Ao'^iov fiavzsvixaza anstatt 
zd Xoind , 995 &iyova^ ofxavlov für &iyovaav dlXov , Eum. 31 
xsi zig 'EXhjvcov ndga für xei nag'' 'EXXrivoop zifsg^ v. 169 icps- 
Gzim 8s fiavrixov (xidafxazi f^v^ov sxgavag anstatt lAavziam (iidaiiazif 
V. 330 cpgsronlavijg anstatt (f/gsvo8aX7jg. Die bisher zusammen- 
gestellten Verbesserungsvorschläge beziehen sich zum theil auf 
solche stellen, an denen bisher niemand anstoß genommen hat, 



76 16. Aeschylos. Nr. 2. 

aber auch loci conclamati, an denen mannichfache heilungsversuche 
angestellt sind und die mindestens lesbar gemacht sind , gehen 
nicht leer aus. So liest der herausgeber jetzt Ag. v. 1172 
iya de 9fQunnov<; rä^ fjuni^Sw^ i^o^«p d^un ton emporti bientot je 
me precipiterai dans le filet tendu, s. Soph. Oed. ß. 1252 (ioäiv 
yag sim^nuidsv Oldinnv^ anstatt diQfn'vov^ ?«;(' ift/7t8q) ^aXw. 
Ag. 1324 TOni? KnuTQO^^ Tifjtaögnvg Jfp^"^ (fnvtTai ro/V f/AoTg 
7IVSIV Ofiov anstatt rott,- f/joit,- rifjaögou' f^^ffgäi: q^^m ^lal mh' ffioig^ 
Eum. 361 i^tcüi ÖS relnKv fn fuai^cii fiiHnit: fnimjnirt'V (anstatt 
d twv 3' ai^lnav f^aidi di'xnig fTTiygniii-ii) mit der erklärung 
mais iL est du devoir des dieux de ratifier mes jugements, Aprks 
ßfcor il faut sous-entendre fnn. La locution n-lhat- fninguit nf est 
pour fnixQaii iiv xpiiCfov Tflfur. La synerese de r^Xfiu peut se 
difendre par celle de fn")fa Sept. v. 876. In dem avertissement 
steht daneben der Vorschlag f^hät (^' ?;?', ffutini üinni.; rtli-'uv 
anstatt des handschriftlichen Oküi (^' itT^lmti fiiuTai Ximu fni- 
ygaiKit Auf zwingende evidenz können der natur der sache 
nach derartige vorschlage keinen anspruch erheben. 

Vor den Worten der Klytämnestra Ag. v. 1060 El ö' «|j'i- 
tj^icov nma juij d^)[hi Xi'ynv , nl d ttvri r/covrjt; rfgitl^f yanß(nq) 
)lHji wird der leser der morceaux choisis rathlos stehen trotz der 
bemerkung: Clytemnestre fait elle-meme un signe de main, pour lui 
faire entendre qu'elle doit entrer. Wenn Klytämnestra von der 
Kassandra nur verlangt, daß sie vom wagen steige und ihr folge, 
was soll Kassandra denn sagen? Durch die bemerkungen der 
übrigen herausgeber kommen wir auch nicht weiter. Schnei- 
dewin bemerkte : „bei welchen worten ihr Klytämnestra durch 
mienen und zeichen der bände ausdrückt wie Kassandra ihr be- 
scheid thuen könne". Schütz „Ista dicens regina ipsa nutu gestu 
vultu sermonem adiuvabat" wozu Enger die worte fügte : cuius artis 
excolendae fieri non poterat quin plurimae in bellis Persicis occasio- 
nes oferrentur. Bei dem taubstummenunterricht mag ja so etwas 
erreicht werden, aber dies verfahren kostet viel zeit und mühe, 
was beides bei der Klytämnestra nicbt zutrifft. Unter den her- 
ausgebern hat Keck die unhaltbarkeit der gangbaren erklärung 
erkannt und faßt die worte so auf, daß Klytämnestra sich an 
den chor mit der aufforderung wendet: doch wenn sie reden 
taub und unempfänglich ist, bedeut der Wälschen statt der worte 
mit der band 



Nr. 2. 16. Aeschylue. 77 

Aber abgesehen von der änderung firj 5?;(otr' snog scheint 
uns manches gegen diese auflfassung zu sprechen. Keck meint 
freilich , der von ihm gewonnene gedanke passe in den Zusam- 
menhang wie hineingegossen , aber Klytämnestra , welche wäh- 
rend der ganzen scene sich nie mit einer aufforderung an den 
chor wendet, hat zu einem anliegen wie dem von Keck ange- 
nommenen um so weniger veranlassung da sie ja selber zeichen 
mit der band geben kann, wie denn auch die folgenden worte 
des chores auf einen solchen wünsch der königin keinen bezug 
nehmen. Es möge mir gestattet sein einen Vorschlag zu machen. 
Indem ich mich Alfred Ludwigs Umstellung der verse anschließe, 
lese ich: av Ö' äfz) qa» »//.,' xnu^aiov q^<^"V x^Q'- Klytämnestra 
erbebt drohend die band , indem sie die Kassandra auffordert 
vom wagen herabzusteigen ; wir brauchen nicht anzunehmen, 
daß sie wirklich zum schlage ausholte. Dazu passen nun treff- 
lich die nach Alfred Ludwig folgenden worte des chors : snov^ 
rd Xuiöza räv naunGiojTOiv Aj-'jjj. Man vergleiche Eum. v. 245: 
€«0«; 8a im^ivTtj(j()i; aqOf^yntov cp(ja8ui^, Klytämnestra sagt also: 
„anstatt durch barbarische rede , welche du verstehen würdest, 
nimm wahr durch die band , d. h. durch schlage , welche ich 
dir in aussieht stelle. Daß bei verben wie tiitdl^a) , TenfAuiQOfAai 
der dativ im sinne von utjq steht, ist ja bekannt. Wenn qppa^ov 
durch abschreiber an die verkehrte stelle gerathen war, so konnte 
leicht jemand der den metrischen fehler bemerkte durch die än- 
derung in (fiJii^t abhelfen; durch die unmittelbare nähe von ;fjr^« 
konnte auch der genetiv nufj^uiov leicht in den dativ übergehen. 

Die worte der Kassandra v. 1316 d/.X'' oc^' davovarj iauqtv- 
QfjTS fAOi zozf, 07av yvvTj yvpamng avz^ ifiov duvrj dvtjQ ta 8va- 
8dfi(t(jjoii dtj^ afSgoii ntcrj erklärt der herausgeber durch die 
bemerkung Cassandre demande aux vieillards de rendre un jour ä 
la mort le temoignage que ses predictions ri'etaient pas vaines. Raillee 
pendant toute sa vie eile tient sourtout ä ce qu^on reconnaisse enfin 
la verite de ses oracles. Aber auf einen solchen gedanken führt 
nichts in der Umgebung der verse. Die handschriftliche Über- 
lieferung «/J.' b}g QuvinGTß fAUQZvgsizs fjioi jnSs ist schwerlich 
richtig. Einen annehmbaren sinn giebt die änderung nuXüg &a- 
voi/arj nuQrvQtltt uoi nots, (Ag. 447 iy (fovalg naX<xig neaövra. 
Ch. 335 Toig SUSI naJäg &avovat. Eum. 458 icfdid-" ovirng ov 
xa?.(öt). Der durch diese änderiang gewonnene gedanke paßt 



78 16. Aeschylos. Nr. 2. 

vortrefiPlicli zu den unmittelbar vorhergehenden worten ovtoi 8va- 
oC^GJ &a(jivov mg OQvig cp6ß(^. 

Zu den worten des Orestes wie sie Weil Choeph. v. 1014 
hergestellt hat: 

IlaTQOKTovov 8' vqjußfjia ngoaqiwvwv t68s 

vvv avtov aivä), vvv anoifico^co naXiv^ 

alymv {isv egya nal nd&og ysvog is näv, 

ai^i]Xa viy.7]g Trjg8'' 'iicav niäaiiata, 
ist nicht darauf hingewiesen, daß (ih ohne entsprechendes 8s 
steht. An sich ist dies ja ohne bedenken, aber hier wüßten 
wir keinen entsprechenden gedanken zu gewinnen. Mit recht 
bemerkte Weil früher iilv ne in tralaticio guidem ordine ferri po- 
terat und änderte dlysivd 7' sgya. Eine änderung der folge 
der verse und die änderung des handschriftlichen naqmv in nä- 
liv scheint mir nicht geboten; das mit recht anstößige nh fällt 
weg durch die Schreibung : 

Nvv avtov aivm, vvv dnoifico^m Tzagmv, 

natQOKtovov ö' vqjaafxa Tigoaqicovmv t68s 

dXyov[isv sgya xal nd&og ysvog rs näv^ 

d^ijXa viKtig 7'ijg ö' sj^wv fiida/iata. 
Für die Verbindung des Singulars des participiums mit dem plu- 
ral des verbums giebt Matthiä§293 aus den tragikern beispiele 
genug. Im plural spricht Orest von sich in den Eumeniden 
V. 611 und V. 770. — Auch in der behandlung der worte der 
Electra Choeph. v. 146 können wir dem herausgeber nicht beistim- 
men. Hier schreibt Weil, wie schon früher tavz^ iv fiigsi ti- 
&ri(jii/ TTJg HUH-iig dgäg xsivoig Xsyovaa TijvSe r^v xaxrjv dgdv, an- 
statt des handschriftlichen iv fxsocp Tt&ri(Ai , indem er sich auf 
das scholion beruft sv :tsqiaXaicp, iv vTzo&sasi ti&tjixi. Daß die 
änderung unnöthig ist, hatte van Jongh gezeigt, indem er stellen 
wie Herod. IV, 9 yvtoiirjv ig fisaov q)SQ(o und Lucian. de con- 
scrib. bist. 60 fjiv&og iv (isao^ &sTsog verglich und darauf hin- 
wies, daß der genetiv t^^' xan'^g dgdg nicht von iv (xiacp, sondern 
von tavta abhängt. Die rede der Electra gewinnt aber , wie 
mir scheint, durch die Umstellung v. 142 : 

Tjfjilv fjiev svidg tdg8s ' tolg ö' ivavtloig 

xsivoig Xsyovaa rt'jvSs r^v naittjv dgdv 

Xiyoa q^avijvai aov, ndisg Tifidogov 

nal tovg KravüVTag dvtixaT&avsTv Si'mjv 



Nr. 2. 16. Aeschylos. 79 

* * * * * 

tjfiiv 8e nofinog ladi läv ia&Xcöv avco nzX. 
Eine der schwierigsten stellen in den Persern ist die episode 
von der besetzung Psyttaleas v. 454, welche wir bei Weil jetzt 
ia der folgenden gestalt lesen : 

'Sig yttQ ÜEog 

vaä>v sdcons xvSog "EXXriaiv ixu)[T]g, 

av&7]fASQ6v qjgd^avTsg sviäX'noig 8e^ag 

onXoiai vamv s^e&QmaHov ' a(x(pi 8s 

y.v'nXovvto näaav vifiov, aaz apiriiavEiv 

onoi igänoivio. IloXXa /xsv vvv ix x^gööv 

neiQOiaiv tjgdaaovzo, to^iHtjg 7' dno 

&cüfÄiyyog tot ngoönitvovisg coXlvaav, 
mit der änderung des handschriftlichen noXXnr (xsv yäg in noXXd 
IA,iv vvv. Es ist sehr unwahrscheinlich , daß in mar'' dfjii]^aveiv 
die Perser subject sind. Der fortgang der handlung ist dann 
auch sehr abrupt ; von den Persern, die in bedrängnis sind, geht 
derselbe unmittelbar auf die Griechen über und schildert ihre Ver- 
luste, woran dann ganz unvermittelt ein schließliches siegreiches 
vordringen der Griechen angeknüpft wird. So ist die vermuthung 
einer lücke nach Priens und Meinekes Vorgang berechtigt. Darin 
aber stimmen wir dem herausgeber bei, daß die Griechen, welche 
als hopliten ans land gegangen sind , nicht mit pfeilen und 
schleudern kämpfen können. Früher war der herausgeber an- 
derer ansieht. 

Es mögen noch zwei stellen erwähnt werden, an denen der 
herausgeber seine ansieht geändert hat. Die worte des chors 
Agam. V. 1200 lauten bei ihm so: 

Qavfxät,(o 8e oov 

növtov nfgav rgaqjstaav, uXXo&govv, to näv 

xvgslv Xeyovaav, waneg st nageatdretg^ 
anstatt dXXo&gow noXiv. Es genügt aber die leichte änderung 
noXsi , indem der dativ durch die analogie von adjectiven wie 
aXXorgtog , 8idcpogog u. drgl. genugsam gesichert ist. 

In den worten der Electra Choeph. v. 699 ändert Weil die hand- 
schriftliche fassung vvv ö' ^nsg iv 8o[xoiai ßanxsiag yaXTJg iargog 
ilnig Tjv, nagovaav iyygdq)Si in vvv ö' i'jneg t]v Sö^oiai ßax^eiag 
dhje turgog fXmg nnganfanvanv sKygacfis (rayes, cette espirance 



80 17. Aeschylos. Nr. 2. 

comme ayant manque. UagansGovaar est amene par fvßr)Xo3i;."j Die 
leichte änderung Trag nldh' fyygaqnv kommt den handschriften nä- 
her und empfiehlt sich durch Ag.221 Xird(^ 8e xat xAijöoißv nargtpovg 
nag'' ovÖh uiihva TTagdtruotr' fdti/To ^ih'ifjia^oi /:/(»«p'//c und die 
zahlreichen von Blomfield angeführten beispiele dieser wendung, 
Unter den in den text aufgenommenen Verbesserungen fran- 
zösischer gelehrten ist die änderung des handschriftlichen fiijv 
in (a), Prom. v. 246 besonders ansprechend: x«/ ur/ qp/io/v," Afj- 
roc tiongr/.v fj'co. Dieselbe rührt von T. Mitschenko Revue de 
Philol. 1877, p. 268 her. Schließlich möge darauf hingewiesen 
werden, daß die Morceaux choisis auch für die Interpretation feine 
bemerkungen enthält, welche nicht blos bei dem anfänger, für den 
diese auswahl zunächst bestimmt ist, Interesse finden werden. 

Ludwig Schmidt. 

17. Beiträge zur lehre vom griechischen pronomen o^^ und 
ovioi; bei Aeschylus. Von dr. Philipp Braun. Wissen- 
schaftliche beilage zu dem programm des königlichen gymna- 
siums zu Marburg von ostern 1879. Marburg, universitäts- 
buchdruckerei. R. Friedrich. (36 p). 

In der einleitung (bis p. 4) wird darauf hingewiesen, daß 
der noch neuerdings von Windisch (Ueber das relativpronomen in 
Curtius Studien II) angenommene unterschied, wonach oviog vor- 
wiegend anaphorisches, o8( vorwiegend deiktisches pronomen ist, 
durch den gebrauch des Aeschylus nicht bestätigt wird. Oft 
kommen beide pronomina in rede und gegenred e oder auch in 
den Worten einer person so vor, daß sie in buntem Wechsel auf 
denselben gegenständ, dieselbe handlung, dieselbe anschauung 
bezogen sind. Auf den ersten blick scheint in stellen der art 
eine willkür zu herrschen. Es ist dankenswerth , daß der Ver- 
fasser der vorliegenden sorgfältigen abhandlung sich dadurch 
nicht hat abschrecken lassen, nach allgemeinen gesetzen zu suchen. 

Wie frei die anschauung des dichters sich bewegte , zeigen 
stellen wie Eum. 231, wo der chor von einer person die so eben 
noch da war, aber entflohen ist, die worte gebraucht 8(Ha<i [ 
fAstfifit rövds qmra ndxxvitjyttä) ^ Eum 252, wo es von einer 
person auf deren anwesenheit man aus sicheren anzeigen schließt, 
heißt ya) vvv od' itddö^ fori nov mtranTttitojr, Ag. 615, wovon 
der eben abgetretenen Klytaemnestra gesagt wird atrr] (aiv ovtwe 



Nr. 2. 17. Aeschylos. 81 

slnt ^ardärovTi aoi, wie Suppl 505 von dem eben abgetreteneu 
vater tovto) fAfv nnm; xui ttrayuitO'^ aioi. So erhält der in 
§.1—3 besprochene bekannte spi achgebrauch, nach welchem 
oSt das in unmittelbarer nähe des subjects befindliche, nlrag das 
räumlich von ihm geschiedene bezeichnet , mancherlei modifica- 

tionen. Zu Suppl. 481 ßi ijfv nuinj alr'/dnv>i ya lov- 

Tois' . . . }afia)i fjoiudvi,' fji ulluvc . . . Ofg wird gut bemerkt, 
daß rorroDc vermittelst einer örtlichen anticipation gesetzt scheint 
„trage sie weg , so daß sie sich anderswo befinden." Bemer- 
kenswerth ist, daß oJro.. als Stellvertreter des pronomen personale 
der zweiten person sich nur einmal findet, Suppl. 911 nj/rot,-, 
jt nmtu; bei Sophocles finden wir es siebenmal. Unter den 
stellen, wo inioi^ das im bereich der zweiten person befindliche 
bezeichnet wird in § 6 auch Pers. 159 angeführt: luvra 8q Xi~ 
nnvn ixrrrm yovntnnrnlfiov^ 8< (jK)V< = uoh^ Iptäc rAiivm , dahin, 
WO ihr seid komme ich , mir rath zu holen. Aber es scheint 
besser hinter inuim zu interpungieren , wie Bernhardy (Wissen- 
schaftliche syntax p. 280) wollte, indem er zugleich auf die exe- 
gese des neutrum hinwies in stellen wie Choeph. 94 tu8^ fx~ 
^snvaa, ydnniov ^vnn, Myrmid. fr. 7«<^f m^v Aet'öfT^fc, qdidifji^ ^A'^iX' 
Xtv, dityilvfiitt'Tov^' Juvtiäiv fjoj^Oovc:, Soph. Oed. Col. 787 ulXd 
ont Ttid f'rj? Fxti iwoitii aXädiooQ nvpih^ hvaimv «*', Eur. 
Dan. fragm. 11 ravia jag ßnomii: (jiiroov ufyintdv^ rj ^vrovoCa. 
Die stelle war also unter § 3 anzuführen, wo von oüroc gehan- 
delt wird, welches zur bezeichnung dessen dient, was räumlich 
vom subjecte geschieden ist oder, wenn es zugegen ist, als von 
ihm getrennt, in keiner gemeinschaft zu ihm stehend bezeichnet 
werden soll. Im weiteren verlauf der Untersuchung wird auf 
manchen bisher weniger beachteten unterschied der beiden pro- 
nomina hingewiesen, insbesondre darin hervortretend, daß ods 
auf die zukunft, oi/ros' auf die Vergangenheit geht. In manchen 
punkten scheint uns aber der Verfasser zu weit zu gehen, z. b. 
wenn er den gebrauch von odt Sept. 38 (ma rwrd' uxovaag ov 
71 fjtrj i.tj(iflM dnim) aus der bezeichnung des zukünftigen her- 
leitet; es liegt doch näher, es auf den eben herankommenden 
boten, bei dem sich ja auch andere als xojqp« ngÖGana befinden 
konnten, zu beziehen. 

Die erscheinung, daß üich in den chorgesängen öfter ö8s 
anstatt ovtos findet, wird p. 23 dadurch erklärt, „daß für den 



82 17. Aeschylos. Nr. 2. 

chor, welcher uns die tiefsten ureigensten gedanken des dichters 
übermittelt, die anschauungen von räum und zeit schwinden, das 
vergangene liegt ihm ungetrübt vor äugen, als sähe er es vor sich, 
und die schranke des raums überfliegt sein klarer blick. Da 
eignet sich auch für seine rede das allgemeinere pronomen oös 
statt des beschränkteren oviog.^^ Es genügt zur erklärung die 
größere erregung des chors , durch welche das räumlich und 
zeitlich entfernte näher gerückt wird, wie in den sehersprüchen 
der Kassandra ; wir haben auch aus Brauns darlegung nicht den 
eindruck gewonnen, daß o8s allgemeiner ist als ovtos; eher sind 
wir geneigt in ohrog eine verallgemeinernde bedeutung wahrzu- 
nehmen in stellen wie Eum. 64 tovtcov s7Tq)8ag ovx snoiTjasr na- 
Trjo, was sich auf den vorhergehenden allgemeinen satz zurückbe- 
zieht avdgbg 8^ sTzsiSäv «^jw' avaanday növig ana^ &av6vtog , ov- 
rig sat ävaaraaig ^ während es vorher von dem bestimmten 
falle heißt (645) ni8ag fisv av Ivaeisv, sazi tov8^ axog. Inter- 
essant ist der nachweis in § 15, daß ovrog dann gebraucht wurde, 
wenn es sich um eine ablehnung, eine Verneinung , ein verbot 
handelt. Als eine stelle von besonderer beweiskraft erscheint 
Prom. 997: OQa vvv st aoi taW agcaya q)aivETai, „ich glaube, 
daß dir dies nichts nützen wird", wogegen Prometheus seinen 
festen entschluß es doch zu thuen mit den worten ausspricht 
mnrai ndlai S'q nai ßsßovlevzai tä8s. So erklärt Braun auch 
den gebrauch von oiro? Suppl. 940: lavrag ö' s^iovaag nh v.a.x 
evvoiav qjQivmv, dyoig av sinsg sq. Diese frauen , die du nicht 
mitnehmen wirst, könntest du nur durch gütliche Überredung 
bestimmen. Ebenso Eum. 683 : xsQ8mv a&mtov rovto ßovlsv- 
irjQiop .... ya&iarafjiai. Doch werden in § 19 neun stellen 
beigebracht, wo o8s in negativen sätzen steht. Dahin möchten 
wir aber nicht rechnen v. 949, na} lavra iasvtoi [a,7]8sv alnxtT]- 
Qioag, älX'' ayd^ sxaara q)Qät,e, denn hier steht aai xavtat. nach 
feststehendem sprachgebrauche, wie das lateinische idque. We- 
niger überzeugend ist der inhalt von § 16, nach welchem ovtog 
das bezeichnet, was dem subject unerwünscht, mißfällig, verhaßt 
ist. Diese bedeutung wird theils darauf zurückgeführt, daß durch 
ovtog etwas ausdrücklich bezeichnet wird als im bereich der 
zweiten person befindlich (§ 6), theils auf den gebrauch in ne- 
gativen Sätzen. Daß ovtog etwas vorzüglich hartes und widriges be- 
zeichnen kann, hatte schon Matthiä (Griechische grammatik p. 1040) 



Nr. 2. 17. Aeschylos. 83 

bemerkt mit Verweisung auf stellen wie Pind. Nem. 9,68: ml- 
gav fisv uyävoga qioitmoaToXcov iyy^^ojv ravtav — avaßäXXonai 
(hg nögaiata, aber Braun sieht diese bedeutung an vielen stellen 
wo wir sie nicht zu finden vermögen. An manchen stellen die 
für diese bedeutung in § 16 angeführt sind, verhält es sich ge- 
rade umgekehrt, wie Prom. 928 öv &7]v u ;fßö^«(g, raiiz^ iniyXtaaaa 
/Jiog, Ag. 97 toviav li^aa ori y.ca övrarov xat &siiig aivsiv^ 
585 dofioig §8 ravra nai KXvzainvfjaiQa fiiXsiv sixog ^äliata, 
Ch. 372 Tavra (xsv , m naT, ^igsiaGova ^gvaov , (xeyuXtjg 8s rv/^tjg 
na} vnegßogs'ov [isi^ova cpcoveig. Daß Choeph. 933 : zovd'^ oiicog al- 
QOVf*£&a ocfi&aXfiov gik(ov fii] navmXs&gov nsasTv hiergegen spricht, 
wird in § 19 bemerkt. Ebensowenig können wir uns davon 
überzeugen , daß ods das für die empfindung des subjects ange- 
nehme , seinem ohr verständliche , für sein begehren erwünschte 
bezeichnet. Die in § 17 zum erweise dieser bedeutung ange- 
führten stellen zeigen zum theil gerade das gegentheil, wie Ag. 
879, wo Klytämnestra, nachdem sie dem Agamemnon mitgetheilt 
hat , daß Orestes nicht in der heimath ist , die worte hinzufügt 
ft7]8g &avtiäGrjg t68e, Ag. 1162, wo der chor nach den unheil- 
verkündenden Weissagungen der Klytämnestra die frage stellt 
rl t68s rogov ayav mog iqjjjixiaoo ; Ag. 1567, wo die worte der 
Klytämnestra ^g r6v8' lvf.ßrig ^vv dlrj&ei'a ^grjaiAcv durchaus nicht 
auf angenehmes hindeuten. Andere gegen die von Braun auf- 
gestellte regel sprechende stellen sind in § 19 zusammengestellt. 
Eine feine bemerkung finden wir in § 18 über den gebrauch 
von ovtog Ag, 1404, wo Klytämnestra dem chor gegenüber äu- 
ßert: iym 5' argsarcp nagSia ngog sl8ÖTag Xsym ' av 8' aivsiv 
sl'rs fis ■ipsyeiv felsig, ofxotov . ovrög iaziv '^yafxsfxvoiv sfiog no- 
aig, vsi<gog 8s, T7Jg8s 8e^iäg ;f«ßo? sgyov sq. Hier wird als wahr- 
scheinlich bezeichnet, daß ovjog den begriff des vsugög antici- 
piert „dieser entseelte leichnam, vor kurzem noch so mächtig und 
jetzt ein elendes nichts, eine vergangene große." Von ähnlichen 
stellen gehören hierhin besonders Ag. 1610 ovivo aalov 8r] xai 
to xatdavsiv Sfioi i86pra tovzov jtjg /JCxTjg sv sgnsaiv und Sept. 
1045, wo Antigone über den todten Polyneikes sagt: rga^vg Ö' 
a&aniog ovzog oh ysvtjveöezai; denn so ist die stelle mit Ludwig 
Schmidt zu schreiben. 

Auch einige Verbesserungsvorschläge werden im verlauf der 
Untersuchung gemacht. Um die zahl der stellen, welche dem 



84 18. Plutarchos. Appianoß. Nr. 2. 

unter §15 gesagten widersprechen, zu verringern denkt der Ver- 
fasser daran Suppl. 729 zu lesen: aXV oiöev sazai' rmids /Arj 
rgear^r' sqiv anstatt des handschriftlichen aXV ovdfv scszai 7mv8e ' 
(itj TQictrjTs riv , was etwas paradox auf das schiff bezogen wird, 
Ag. 604 wird vorgeschlagen tI yng yvvutui lovzov tj8iov nvXag 
avdi^tti. 7«iö' ; uTzüyytii.oi' noan tjxtip onto^ 7n^i<jTa anstatt ;7i'i«ff 
avoJi^ni ; T<ttT^ anayyfilfiv nnobi. Dagegen mißbilligt Braun Prom. 
535 Hermanns conjectur a)J.ä /not tovt^ ffi^ivoi anstatt toÖ' 
iufjiivntj da das pronomen sich auf die zukunft beziehen müsse, 
mit der bemerkung: vielleicht ist zu lesen iä8 und als subject 
aus dem vorigen zu ergänzen yrraurj. Weshalb aber an dieser 
stelle die in § 7 j' dem pronomen ">8t vindicierte beziehung auf 
die Zukunft nöthig sei, will uns nicht einleuchten. Die conjectur 
zu Ch. 166 y4i'yißün>^ i-i'fytu yi5<>i, fiö/^jMOk,' nitfjwi' war uns schon 
aus Herwerdeus emendationes Aeschyleae im zehnten supple- 
mentband von Fleckeisens jahrb. p. 148 bekannt; der daneben 
stehende Vorschlag tintQ f,Öi-T' möchte wegen des absoluten ge- 
brauchs des verbums wenig anklang finden. Als ganz unan- 
nehmbar erscheint uns der Vorschlag Ag. 551 zu lesen : tl ydg 
7tS7i(juKTui . fp noXlcÖ j^ontat rd fxfv 7«< «»' ^^'S.snv flnträni «jf*«»", 
rd Ö' itiJt naniiiofAqa anstatt des handschriftlichen tv yng ns- 
7IQUXTUI . ravTa ö' ev noXXm ^(jörc^ sq. Es ist wohl zu lesen 
Cü yitg TZfrTQixxTai Talra^ nrillu ö' iv X(^''"V ^l- 

Untersuchungen wie die gegenwärtige sind gewiß sehr dan- 
kenswerth. Möchte es dem Verfasser gefallen, dieselben auf die 
beiden anderen großen tragiker und Aristophanes auszudehnen ; es 
ließe sich damit noch manche beobachtung über eigenthümliche 
structuren der beiden pronomina verbinden. 

18. Greek writers of Roman history. Some reflections 
upon the authorities used by Plutarch and Appianus by J. C. 
Vollgraff. Leyden, van der Hoek brothers 1880. (Leipzig. 
Harrassowitz). 8. 2 bl. 113 p. 1 bl. 

Die vorliegende schrift enthält drei unter einander in nur 
losem Zusammenhang stehende abhandlungen : die erste derselben 
ist der fiage nach den quellen der plutarchischen biographie des 
Fabius Maximus gewidmet (p. 1 — 34), die zweite bringt bemer- 
kungen über die von Appian und Plutarch benutzten gewährs- 
männer überhaupt, insbesondere aber über die von beiden aus 



Nr. 2. 18. Pluta.-chos. Appianos. 85 

gemeinsamer quelle geschöpften darstellungen der zeit der bür- 
gerkriege (p 35 — 71); den Schluß bildet eine charakterisirung 
von könig luba's historiographischer thätigkeit, die dazu dient, 
die im zweiten abschnitte besprochenen nachrichten des Plutarch 
und Appian, sowie den schluß der plutarchischen biographie des 
Antonius auf luba zurückzuführen (p. 72 — 113). — Für die 
abhandlung über Plutarch's Fabius ist der umstand verhäng- 
nißvoU gewesen , daß dem verf. die arbeiten von Soltau und 
Gilbert erst nach dem abschluß seiner eigenen Untersuchungen 
bekannt geworden sind, während ihm unter anderem die disser- 
tation von Buchholz (Quibus fontibus Plutarchus in vitis Fabii 
Maximi et Marcelli usus sit. Gryphisw. 1865) ganz entgangen 
ist. So giebt er uns im ganzen nur eine Wiederholung dessen, 
was schon von früheren gegen die annähme einer durchgängigen 
abhängigkeit des Plutarch von Livius vorgebracht worden ist, 
und was er den schon bekannten argumenten beifügt, nament- 
lich die langathmige erörterung des zwischen den auctor de viris 
älustribus und Plutarch bestehenden Verhältnisses , ist von ge- 
ringer bedeutung. Hervorzuheben ist nur die scharfsinnige be- 
merkung (p 33), daß Plutarch Fab. 3, als er die worte des 
Livius XXII, 3, beziehungsweise seiner quelle: equus repente cor- 
ruit — mit f| nv8ti <i; uirmv n^jodii/.dv naoiL\<.y(a<i fVTQuptnv tov 
innov yktiifiivov y.tti njvo^no^ — übersetzte, in seiner vorläge 
statt corruit wahrscheinlich die lesart horruit gefunden hatte. Ob- 
wohl der verf. in der einleitung es als ausgemacht hinstellt, daß 
Plutarch ,,when he has the choice hetween a Greek and a Latin 
source , he ceteris paribus generally prefers the former'''', so macht 
er von diesem „grundsatz" in dem vorliegenden falle keinen ge- 
brauch : nicht Fabius Pictor, sondern Coelius Antipater ist nach 
Vollgraff Plutarchs quelle gewesen. In einem verwunderlichen 
contraste zu des verf. verliebe für Coelius, luba und ,, gemein- 
same quellen" überhaupt steht die mehrmals wiederholte bemer- 
kung , daß Plutarchs vita des Marcellus ganz aus Livius ent- 
lehnt sei. — Die zweite imd wichtigste abhandlung führt klar 
und überzeugend aus, daß die zwischen Appian's geschichte der 
bürgerkriege und den plutarchischen biographien der Gracchen, 
des Marius , Caesar und Pompejus bestehende Verwandtschaft 
nur aus der benutzung derselben aufzeichnung erklärt 
werden könne , da vielfach nicht nur der Inhalt , sondern auch 



86 18. Plutarchos. Appianos. Nr. 2. 

die form der beiderseitigen berichte sich vollkommen entsprechen. 
Von besonderer bedeutung sind jene stellen, wo Appian und 
Plutarch gleichzeitig antiquarische, wie es scheint, nur für 
griechische leser bestimmte excurse einschalten , wie z. b. Plut. 
Tib. Gracch. 10 satt 8s lov noaXvovtog iv toig dTj/iag^oig io 
ygärog, vgl. App. B. C. 1,12 xai wv asi n a q a 'Pmnaioig 6 
KcaXicov dvvazKtsQog, oder wo beide dieselben abweichungen von 
ihrer urq[uelle , z. b. den commentarien des Caesar aufweisen. 
Mit großer umsieht stellt ferner der verf. jene stellen des Ap- 
pian und Plutarch zusammen, an denen wir schriftsteiler wie 
Tanusius Geminus, Asinius Pollio u. a. gelegentlich desselben 
ereignisses von beiden angeführt finden, und zieht daraus den 
Schluß , daß jene citate schon in der gemeinsamen quelle des 
Appian und Plutarch enthalten waren. Mit recht hat Vollgraff 
daher die direkte benutzung des Caesar, Augustus, Messalla und 
Volumnius sowohl, als besonders des Asinius Pollio seitens der 
beiden griechischen historiker in abrede gestellt, deren gemein- 
samer gewährsmann dem verf. zufolge die ganze römische revo- 
lutionsperiode behandelt und griechisch geschrieben haben 
muß. Die letztere vermuthung ist allerdings durch Übereinstim- 
mungen, wie die folgende nahe genug legt: 

App. B. C. c. 135 Plut Brut. 53 

Kai ßgovrov 'Avtätiog av £v- Tov ds Bqovtop o Avttßviog 

Qoov n SQ IS ßaXs ts rg aqi- avsvQwv ti&vrjxota tb (xsv 
Gty (fOiviKi8i sv&iig xai xav- aäfjia trj noXvtsXsataty tmv sav- 
aag za Xsixpava tfj fiijzgl 2iE- zov q)oivixi8(ov nsg ißaKsiv 
QOviXia ensfi-tpsv. sHsXsvasv . . . ta 8s Xsixpava 

TZQog 'zriv fxtjzsQa . . . 2!8Qßi- 
liav dnsnsfixpsp. 
Gleichwohl tragen wir bedenken, bei der geringen kenntniß, 
die wir bis jetzt von dem sprach- und wortgebrauch des Plu- 
tarch und Appian besitzen, die möglichkeit einer gleichartigen 
Übersetzung derselben lateinischen vorläge principiell auszuschlie- 
ßen. Der verf. freilich ist dazu durch seine im letzten abschnitte 
vorgetragene hypothese von der abhängigkeit des Appian und 
Plutarch von luba von Mauretanien dringend veranlaßt. Nach 
einer Zusammenstellung der über die römische geschichte des 
luba vorliegenden notizen, gelegentlich welcher als grenzpunkte 
für das todesjahr des königs mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit 



Nr. 2. 18. luba. 87 

die jähre 18 und 23 n. Chr. angesetzt werden, giebt der verf. 
einen wenig neues enthaltenden auszug aus Kellers Untersuchun- 
gen über das verhältniß des sogenannten luba zu Appian und 
Dio Cassius, welch letzterer für die geschichte des zweiten pu- 
nischen krieges den bericht des luba mit dem des Polybius und 
Livius combinirt haben soll. Auch für Plutarch's biographie 
des Sulla, in der wir den luba citirt finden, ist dieser nach 
der ansieht des verf. die hauptquelle gewesen, und erst durch 
seine Vermittlung ist Plutarch mit den commentarien des Sulla 
bekannt geworden. Man wird dem verf wohl zustimmen müssen, 
wenn er Plutarch's angaben über den tempel des Apollo Thu- 
rius (c. 17: vgl. besonders öcwp yaQ ol <P o iv ty sg zijv ßovv xa- 
Xoiaiv) auf einen kenner der semitischen sprachen, am wahr- 
scheinlichsten auf luba zurückführt. Damit ist aber selbstver- 
ständlich für die eruirung von Plutarch's hauptquelle nichts ge- 
wonnen, da wir bemerkungen wie die folgende : „there are many 
reasons for doubting ihat Plutarch lilmself collected his Informa- 
tion directly from Sulla" doch keineswegs als ernsthafte argu- 
mente gelten lassen können. — Bekanntlich weiß man von luba's 
römischer geschichte fast gar nichts , am allerwenigsten bekannt 
ist es , ob dieselbe bis auf die zeit des Augustus herab fort- 
geführt worden ist. Der verf. bejaht diese frage damit, daß er 
uns nachweist, daß des Plutarch erzählung von dem ende des 
Antonius sich durch große genauigkeit und Umständlichkeit und 
eine gewisse milde in der beurtheilung der Kleopatra auszeich- 
net. Nun waren Kleopatra und Antonius des luba Schwieger- 
eltern; also — . Wir folgen dem verf. nur ungern auf dies 
schlüpfrige gebiet, indem wir ihm zugeben, daß eine reihe der 
von Dio Cassius und anderen gegen Kleopatra geschleuderten 
vorwürfe in der darstellung des Plutarch fehlt und daß der 
Kleopatra wie dem Antonius gegenüber eine gewisse leidenschafts- 
lose objectivität bewahrt wird. Dagegen ist von einer Sympathie 
für die Schwiegereltern des luba in Plutarchs erzählung nirgends 
eine spur zu erkennen. Gewissenhaft werden alle thorheiten 
und Zweideutigkeiten des Antonius verzeichnet , der überall als 
o'vtt aQiovtog, ovts uvögcg ovrs oXojg i8ioig Xoyiaixoig dio(xov- 
fisvog erscheint (c. 66). Kleopatra aber ist ein eitles, gewissen- 
loses und feiges weib , das mit allen erlaubten und unerlaubten 
mitteln sich die gunst des Antonius zu erhalten sucht. Die für 



88 18. luba. Nr. 2. 

Octavia enthusiasmirten Römer beklagen den Antonius wegen 
des an seiner gattin begangenen treubruches, besonders um deß- 
willen, weil sich die körperlichen voraüge der Aegypterin mit 
denen der Octavia nicht vergleichen lassen. Zugegeben , daß 
die von Plutarch an Antonius und Kleopatra geübte herbe kritik 
eine gerechte gewesen, welchen grund konnte denn luba haben, 
jenes für seine nächsten verwandten so verhängnißvoU gewordene 
stück geschichte überhaupt zu behandeln, nachdem er erst, wie 
Vollgraff annimmt, in der darstellung des zweiten punischen 
krieges seinen vorfahren Massinissa in der überschwänglichsten 
weise hervorgehoben und verherrlicht hatte? Der (iuailtvi,' into- 
QixmruTni; müßte von einer wahren schriftstellerischen manie be- 
sessen gewesen sein , zugleich aber für den herzlosesten aller 
söhne gehalten werden müssen , wenn er in der that eine , wie 
auf grund der berichte des Appian und Plutarch anzunehmen 
wäre, mit Caesar und Augustus sympathisirende darstellung von 
deren kämpfen und siegen gegeben hätte. Mit großer Umständ- 
lichkeit, aber ohne jedes zeichen von theilnahme wird von Ap- 
pian und Plutarch die nied erläge und der tod des königs luba, 
des Vaters des geschichtsschreibers berichtet. Aber noch mehr ! 
Appian beschuldigt den älteren luba der treulosigkeit und grau- 
samkeit, die ihm sogar von seinen römischen bundesgenossen 
übel vermerkt worden sei. Vgl Appian B. C. II, 46 : ol uh 
(XniTini <ST{)atiä)rai tiw K»V{)i(oi(ik^ iq) 0''«(j(J) nqü^' 7iii(j^8naar, 
8s lol^u^ ini-l&oor TTtfjieöTtjasv uviovi; tts{>i jo rti^f^' , nai tug 
Xsixpara itji,' gavrnv iiHrji,' xaTtjxnvTiaer ^ avSfv ti (f^jurri'^a^ (n ds 
Ov(i(>nv nitQifuu'knlnnc. Zu allem Überfluß müßte endlich luba 
ausdrücklich hervorgehoben haben, daß er selbst nach der be- 
endigung des afrikanischen krieges von Caesar im triumphe mit- 
aufgeführt wurde, da Appian und Plutarch fast mit denselben 
Worten dieser thatsache gedenken. „Credat ludaeus Apella!" sa- 
gen wir mit dem verf. , indem wir der annähme einer so selt- 
samen psychologischen verirrung so lange zweifei entgensetzen, 
als uns dafür nicht triftigere beweisgründe oder wenigstens greif- 
bare anhaltspunkte erbracht werden. Hermann Haupt. 

19. Paulus Sauerbrei, de fontibus Zonarae quaestio- 
nes selectae. Lipsiae. Teiibner. MDCCCLXXXI. — (Jenaer 
Inauguraldissertation, H. Geizer gewidmet). 1 bl. 81 p. 8. 



I 



Nr. 2. 19. Zonaras. 89 

Den quellen des Zonaras hat bekanntlich zuerst Adf . Schmidt 
vor mehr als vierzig jähren nachgeforscht, dessen Untersuchungen 
wenigstens über die ersten elf bücher jenes Byzantiners genü- 
genden aufschluß gegeben haben. Die Schwierigkeiten , welche 
sich einer kritischen behandlung des größeren theiles des zwölften 
buches entgegenstellen , hat Schmidt nicht zu überwinden ver- 
mocht, und von einer Untersuchung der späteren, die eigentlich 
byzantinische zeit behandelnden bücher (XIII — XVIII) ist er 
von vorneherein abgestanden. Nachdem alsdann nach langem 
Zwischenräume von F. Hirsch in seineu „Byzantinischen Studien" 
(Leipzig 1876, p. 377—391) das die zeit von 813 — 965 um- 
fassende stück der chronik des Zonaras (XV, 19 — XVI, 23) 
eingehend geprüft und in der hauptsache auf Johannes Scylitzes 
zurückgeführt worden war, hat der verf. die für den Zeitraum 
vom tode des Theodosius bis zur regierung Michael's I (XIII, 
24 — XV, 17) von Zonaras benutzten quellen nachzuweisen ge- 
sucht. Der Schluß des zwölften und anfang des dreizehnten bu- 
ches ist auch diesmal außer betracht geblieben. 

Die mit höchst anerkennenswerthem fleiße geführten Unter- 
suchungen Sauerbrei's bestätigen fast durchgehends die von 
Hirsch geäußerte vermuthung, daß von Zonai-as für die in frage 
stehende periode die Chronographie des Theophanes als haupt- 
quelle zu gründe gelegt worden sei. Neben diesem aber ist 
Zonaras nach der ansieht des verf. namentlich für die regie- 
rungsgeschichte Leo's des großen und seiner unmittelbaren nach- 
folger einem zweiten gewährsmann gefolgt , von dem sich nur 
feststellen läßt, daß er auch dem Cedrenus bekannt war und 
sich auf höchst werthvoUe quellen , namentlich die verlorenen 
historien des Candidus und Malchus stützte. Von der regierung 
lustin's II an ändert sich dieses verhältniß — so vermuthet der 
verf. — insoferne, als von nun au Theophanes noch weit mehr 
in den Vordergrund tritt, so daß von Zonaras nunmehr wenige 
ergänzungen aus Georgius Monachus , Cedrenus , Leo Gramma- 
ticus, Nicephorus von Constantinopel und Procopius beigebracht 
werden. In dem ganzen von Sauerbrei behandelten Zeitraum 
findet sich aber außerdem noch eine reihe von stellen , die we- 
der aus den uns erhaltenen quellen , noch auch aus dem aus 
Candidus und Malchus schöpfenden anonymus herstammen. Wäh- 
rend der verf. geneigt ist, die angaben über feuersbrünste , ge- 
Philol. Aui. XII. 7 



90 19. Zonaras. Nr. 2. 

richtsverhandlungen und ähnliche Vorkommnisse in Constantinopel, 
zu denen sich nicht parallelen in den hauptquellen des Zonaras 
finden , auf eine auch von Theophanes und Malalas benutzte 
Stadtchronik zurückzuführen , hält er die bestimmung des Ur- 
sprungs anderer nachrichten, namentlich der zahlreichen heiligen- 
und wunder-geschichten und der Charakterschilderungen der ein- 
zelnen kaiser für unmöglich. 

Wir freuen uns , unsere Übereinstimmung mit dem größten 
theile der von Sauerbrei gefundenen resultate erklären zu kön- 
nen, welche ein äußerst günstiges zeugniß für die leistungen 
der Studien in Jena ablegen. Namentlich sind die nach- 
weise über das verhältniß des Zonaras zu seiner hauptquelle 
Theophanes und zu dem breviarium des Nicephorus fast durch- 
weg überzeugend und ebenso wird man auch die Charakteristik 
des für buch XIII und XIV benutzten wichtigen anonymus in 
der hauptsache als zutreffend bezeichnen müssen. Bedenklich 
freilich scheint es mir, mit dem verf die von Zonaras Dind. III, 
p. 253, 19 — 31 berichtete expedition des Leo I, gegen die Van- 
dalen auf Candidus als letzte quelle zurückzuführen, wofür kein 
weiterer grund beigebracht wird , als daß die an Zonaras an- 
klingende chronik des Cedrenus I, p. 613, 11 sq. ebenso wie 
Candidus eine bestimmte summe goldes vmd silbers als den be- 
trag der kriegskosten angegeben hat. Da nun aber die zahlen 
des Cedrenus , auf die es allein ankommt , ebenso wie die des 
Procop , Theophanes imd Nicephorus Callistus von denen des 
Candidus erheblich abweichen , können wir, wenn überhaupt ein 
Schluß gezogen werden soll, nichts anderes folgern , als daß ge- 
rade hier Candidus nicht benutzt ist. Noch geringere Wahr- 
scheinlichkeit hat die vom verf. ausgesprochene vermuthung für 
sich, daß von der letzten zeit des kaisers Leo an sich jener ano- 
nymus zu Malchus gewendet habe (p. 31). Positive Zeugnisse 
dafür liegen überhaupt nicht vor , wohl aber steht des Malchus 
Charakterschilderung des kaisers Zeno (fr. 9) in schroffem ge- 
gensatze zu Zonaras (p. 255, 1— 5), der an jener stelle gewiß 
nicht aus Cedrenus, sondern aus dessen quelle geschöpft hat, 
die eben jener räthselhafte anonymus gewesen sein wird. Was 
überhaupt das verhältniß des Cedrenus und Leo Grammaticus 
zu Zonaras anlangt, so haben wir uns nirgends davon überzeu- 
gen können , daß diese beiden von unserem Byzantiner direkt 



Nr. 2. 19. Zouaras. 91 

benutzt worden sind. Der verf. hat sich hier unzweifelhaft mit 
allzugroßer Zuversicht auf die gedruckt vorliegenden byzantini. 
sehen chroniken gestützt, die doch, in ihrer mehrzahl für nichts 
anderes als wortgetreue redaktionen, auszüge oder fragmente von 
großentheils verlorenen oder noch nicht edirten chronographieen 
gelten dürfen. Wenn wir nun aber bei Zonaras trotz mancher 
Übereinstimmung mit Cedrenus (Leo Grammaticus kann überhaupt 
nicht ernstlich in betracht kommen) da und dort bei jenem feh- 
lende angaben finden, so halten wir es, angesichts der be- 
kannten schriftstellerischen manier des Zonaras, 
für unmethodisch, solche notizen aus einer nebenquelle , die Zo- 
naras etwa gar aus dem gedächtniß citirte (p. 35. 36 etc.), ab- 
leiten zu wollen. Wie mißlich es ist, sich im einzelnen falle 
auf den gedruckten text der Byzantiner zu verlassen, davon ei- 
nige beispiele: die erzählung von der versuchten bekehrung des 
Alamundaros (Zonar. p. 262, 20 sequ.) führt der verf. (p. 41) 
aus dem gründe zum theile auf Theophanes zurück, weil bei 
Greorgius Monachus , den für jenes stück Sauerbrei als haupt- 
quelle des Zonaras annimmt, es heißt : ^evPjQog snianönovg and- 
öTfiXs TiQiig Tov ßaaiXsu (ed. Muralt, p. 518, 6 sq.), während 
Zonaras ebenso wie Theophanes angibt, es seien zwei bischöfe 
an Alamundaros geschickt worden. Aber auch der codex Mo- 
nacensis gr, 139 des Georgius hat, wie ich aus meiner collation 
der handschrift ersehe, die lesart: ZtvqQog snefixpsv ngog avtiv 
8 10 dsXmv utI. Aehnlich verhält es sich mit der erzählung 
von der unter lustin's regierung in Cilicien umherziehenden rie- 
sendame,von der Zonaras (p. 269, 7 — 8) berichtet, daß sie 
navTog bv iifjY. ov g ävdgog sig nfj)^vv oXor vnsQaviaiato. 
Damit stimmt Theophanes (p. 264, 12) : vnegs^ovan . . . fzdrza 
av&Qoinov rUsiov überein, nicht aber der codex Mosquensis des 
Georgius Monachus (p. 525, 12): vnsgsxovaa . . . änavra av- 
&Qconov. Auch hier klingt aber an Zonaras der codex Mona- 
censis an, in dem es heißt: vnsQ8)[ovaa . . anavza av&Qcanov 
[j,a n Q 6 V. Daß sich ähnliche Kicken auch in dem gedruckten 
texte des Theophanes finden, hätte von dem verf. bei verglei- 
chung von Zonar. p. 245, 32 sq. mit Euagrius II, 1 und Theo- 
phanes p. 161, 14 sq. bemerkt werden müssen. Während Zo- 
naras sich an jener stelle auf das engste an Theophanes an- 
schließt, hat er mit Euagrius den bei Theophanes fehlenden zu- 

7* 



92 20. DiouysiuB Thrax. Nr. 2. 

satz ai/v izigoig nXsictoig ialmxäg gemein ; wir dürfen wohl 
annehmen, daß diese worte nur durch die schuld der abschrei- 
ber bei Theophanes ausgefallen sind. Unrichtig ist die bemer- 
kung, daß die angaben des Zonaras p. 301, 9 — 302, 8 über 
die regierungsgeschichte des Phokas durchgehends aus Theo- 
phanes p. 449 — 456 herstammen. Die amtsjahre des patriar- 
chen Cyriacus (Zonar. p. 301, 29) finden sich nicht bei Theo- 
phanes, wohl aber bei Nicephorus (Chronogr. syntom. ed. de 
Boor p. 118) und die stelle des Zonaras p. 302,5 — 8 ist näher 
verwandt mit Georgius Monachus p. 562, 2, als mit Theophanes 
p. 449, 3. Ebenso verhält es sich mit der vom verf. (p. 64) 
auf Theophanes zurückgeführten episode des Perserkrieges des 
Heraclius (Zonar. p. 308, 19 — 24), die unzweifelhaft aus Georgius 
Monachus (p. 568, 20 — 21.p.569, 11 — 14) geflossen ist, dem Zona- 
ras wohl auch den größeren theil der von Sauerbrei auf Leo Gram- 
maticus und Cedrenus vertheilten stücke verdankt. Was die angaben 
des Zonaras über die reihenfolge und die amtsjahre der patri- 
archen anlangt, so hätte auf deren nahe Verwandtschaft mit der 
Chronographie des Nicephorus von Constantinopel (Zonar. p. 331, 
23—26. 339, 10 sq. 302, 23 sq. 301, 29 sq. etc. = Niceph. 
ed. de Boor p. 119) hingewiesen werden sollen, von der ich 
allerdings nicht bestimmt behaupten will , daß sie des Zonaras 
direkte quelle gewesen sein müßte. Kann man doch bei der 
Unzulänglichkeit des gedruckten oder kritisch bearbeiteten ma- 
terials über das gegenseitige verhältniß der sich unter einander 
wie ein ei dem andern gleichenden chronographieen nicht vor- 
sichtig genug urtheilen ! Diesen satz und die vom verf manch- 
mal unterschätzten Schwierigkeiten, die sich uns bei Untersuchung 
der byzantinischen geschichtsquellen ergeben, sollten die vorste- 
henden bemerkungen durch einige beispiele illustriren. Der 
werth der Sauerbrei'schen arbeit als einer im großen ganzen 
verlässigen grundlage für weitere über Zonaras anzustellende 
Untersuchungen wird durch sie nicht in frage gestellt, und würde 
es uns freuen , wenn der verf. , wie er es in der vorrede ange- 
deutet, auch das wichtige dreizehnte buch des Zonaras recht 
bald zum gegenständ einer gleich gründlichen Studie machen 
würde. Hermann Haupt. 

20. Appendix artis Dionysii Thracis ab G. Uhligio re- 



Nr. 2. 20. Dionysius Thrax. 93 

censitae. Beilage zum programm von Heidelberg. Lipsiae, typis 
B. G. Teubneri 1881. 

Das jetzt in Heidelberg durch den einfluß des geistvollen und 
gelehrten director Uhlig eifrig betriebene Studium alter gram- 
matik strebt auch nach erweiterung unserer kenntnis der geschichte 
der grammatischen arbeiten, deren mittelpunkt das hilfsbüchlein 
des Dionysius Thrax bildete. Hilgard hat die erklärer des Dio- 
nysius von einander gesondert (vgl. Phil.Anz. XI, 10, p. 505), 
Egenolff vier sich an Dionysius anschließende katechismen ver- 
öffentlicht (Phil.Anz. XI, 1, p. 23), nun folgt der meister selbst, 
um in dieser dem Dionysios vorausgesandten appendix für einzelne 
besonders wichtige capitel den nachweis der historischen aufein- 
anderfolge der genannten katechismen zu bringen und ihren Zu- 
sammenhang mit den grammatischen Studien des ausgehenden 
mittelalters und der angehenden neueren zeit : mit den werken 
der Chrysoloras , Gaza , Lascaris , Chalcondylas , Ph. Melanthon 
darzulegen; endlich zeigt er auch den einfluß des Dionysius 
Thrax auf die lateinischen grammatiker. 

In der als einleitung vorausgeschickten epistula dedicatoria 
an Usener erhalten wir eine reihe hochinteressanter mittheilungen. 
So hat z. b. Professor Merx vor kurzem in London eine syrische 
Übersetzung eines großen theiles der techne aus saec. V oder VI 
aufgefunden , die für die gewinnung der ältesten textgestalt der 
techne einen gleichen , wo nicht noch höheren werth wie die 
armenische des Cirbied (s. PhAnz. VIII, 9, p. 447) zu beanspruchen 
hat. Es wird mit beider hülfe in der definition des adiectivs 
(p. 636, 18 Bekk.) öfAcovv^wii gestrichen; in dem capitel über die 
adverbien wird die Streichung der gruppe 21 t« cv'klrixpsoig, die 
neben der sechszehnten ta aügoiasoag überflüssig ist, und die in 
der that auch von den katechismen und den lateinischen gram- 
matikern nicht angeführt wird , durch das fehlen dieser gruppe 
beim Armenier und Syrer zur gewißheit erhoben. Ebenso wird 
die species fietovaiaannov otofta dadurch, daß die armenische 
wie die syrische Übersetzung sie ebensowenig wie die älteren 
schoben anerkennen , als späterer einschub erwiesen. Ein plus 
bieten beide bei den adverb. Tzaganelsvaemg , wo sie beide nach 
q)f'ge noch idi Ssvgo bieten, welches also wohl original sein wird. 

Wo dagegen die syrische Übersetzung von der aimenischeu 
abweicht, folgt jene genauer der techne als diese, welche ohne 



94 20. Diouysius Thrax. Nr. 2. 

zweifei auf alten Dionysos er klär er n fußt^), nicht auf Dionys 
selbst. So folgt Syr. in der Ordnung der F^uXiastg der techne, 
Armen, offenbar durch Vermittlung eines scholiasten dem Apol- 
lonius. Ebenso hat als beispiel für das dionymum Steph., 
schol. Marc, 489 und Syr. richtig Unoig ö xai 'y4Xi^^av8Qog 
gelesen, während Armen, mit den handschriften der techne 
und den ältesten erotemata das falsche 'AlF^urÖQog ö ytai Udgig 
gelesen zu haben scheint Endlich wird das willkürlich nach 
analogie von sneidi^TTSQ gebildete siS^nfQ unter den avvdta^ioi 
awantmoi dadurch , daß ein analogon beim Syr. fehlt , als in- 
terpoliert nachgewiesen. 

Es folgt p. VI der plan und hauptinhalt der appendix : 
primum ut quivis facile ipse cognoscere posset , per qaos mutationis 
gradus praecepta Dionysii ad eos pervenissent qui XV et XVI saec. 
in occidente scientiam linguae graecae instauravere , deinde omnibus 
ut patesceret quantum doctrinae Dionysianae etiam latinis artigrapJiis 
inesset et quibus intervallis ab graeco teclinograplio distarent singuli. 

Was den ersten theil betrifft, so wird erwiesen, daß Moscho- 
pulus nicht der Verfasser der erotemata war, sondern sie nur 
neu redigiert hat. Eine ältere form des katechismus bieten die 
Erotemata Gudiana, welche fälschlich vom Verfasser des Wolfen- 
bütteler catalogs und nach ihm von Eitschl für moschopulisch 
gehalten wurden. Der unterschied zwischen beiden wird klar 
gelegt. Danach hat Moschopulus jenen, theils nach Hephaestion, 
theils nach philosophischer besonders peripatetischer lehre, theils 
endlich nach Choeroboscos in nicht ungeschickter weise erwei- 
tert und corrigiert. Ref. möchte besonders aus der definition 
des iniQQtjua schließen, daß er auch die techne gekannt habe. 
Er selbst wurde wiederum von Nilus Rhodius überarbeitet, der 
die ältere form des katechismus mit der moschopulischen conta- 
minierte und zuweilen auch auf eigene band änderungen vornahm. 
Endlich wird der nachweis geführt, daß die Erotemata Tubin- 
gensia ein excerpt aus dem echten Moschopulus sind, aber viel- 
fach verändert durch ausscheidungen , Umstellungen , Zusätzen 
jüngster byzantinischer Schulweisheit. 

Zum Schlüsse zeigt Uhlig, welchen weg die Dionysische 
doctrin durch Vermittlung der Erotemata bis auf Philipp Me- 
lanthon gemacht hat. Weder Manuel Chrysoloras noch Theo- 

1) Das wird erwie.sen p. V in der anmerkung. 



Nr. 2. 20. Dioiiysius Thrax. 95 

doros Gaza oder Demetrios Chalkondylas hat je den echten Dio- 
nysios benutzt. Der erstere fußt auf Moschopulus, ebenso Gaza ^), 
der seinerseits hauptquelle für Const. Lascaris ^) ist, welcher da- 
neben jedoch auf Moschopulus recurriert. Chalcondylas fußt auf 
Gaza und blickt beiläufig auch einmal auf Lascaris. Endlich 
Melauthon hängt fast ganz von Lascaris ab. So sehen wir wie 
die nebeueinanderstellung der lehre von den adverbien in den 
Erot. Guelferbytana, bei Moschopulus, Nilus, in den Erot. Tubin- 
gensia bei Chrysoloras, Gaza, Lascaris, Chalcondylas, zu denen in 
der Übersicht über die coniunctionen noch Melanthon kommt, zu- 
gleich die benutzuug des je vorhergehenden durch seinen nachfolger 
bedeutet. Nur Nilus und die Erot. Tubingensia scheinen schluß- 
glieder der Überlieferung zu sein ^), da Chrysoloras wieder auf 
Moschopulus zurückgeht. 

Für den zweiten theil müssen wir uns mit der andeutung 
begnügen , daß jedenfalls im ersten christlichen Jahrhundert ein 
lateinischer grammatiker die ganze techne des Dionysios , wenn 
auch mit nicht ganz unerheblichen Veränderungen, Zusätzen, aus- 
lassuugen, Verbesserungen und Verböserungen übersetzt habe, 
von dem die meisten erhaltenen artes abhängen. So viel sich 
aus der umsichtigen und höchst interessanten Zusammenstellung in 
der appendix ersehen läßt, dürften diese resultate wohl sicher sein. 

Wir müssen uns auf diese wiedergäbe des Inhalts der lehr- 
reichen und beachtenswerthen schritt beschränken, da die resul- 
tate unbestreitbar sind und da die bekannte akribie des Ver- 
fassers ZU nachbesserungen im einzelnen keine gelegenheit bietet. 
Das jähr der herausgäbe von Titze's Moschopulus ist nicht, wie 
p. X steht, 1832, sondern 1822. 

So möge denn die kleine schritt allen die Interesse an die- 
sen Studien haben, aufs wärmste empfohlen sein. 

Georg Schoemann. 

1) Ref. hält es nicht für unmöglich, daß Gaza doch noch über 
Moschopulus zurückgeht in den classen avyxcactS^icsmg und anayogtv- 
atiDg der techne und der Erot. Guelferbytana, von denen er die erstere 
mit y.aTct(fceaiwg bezeichnet. Vielleicht ist ein verlorenes bindeglied 
anzunehmen. Möglich aber ist es auch daß die änderung des namens 
auf Gazas rechnung zu setzen ist. 

2) Beide, Gaza und Lascaris haben daneben noch einzelne classen 
von adverbien aus Göttlings Theodosius aufgenommen. Vgl. p. 11, 47 — 56. 

3) Dafür spricht u. a. daß die Erotemata Tubingensia die adver- 
bia &uaafxov in d^iuxä [fallsetzende!] umgewandelt haben, worin ih- 
nen vernünftiger weise niemand gefolgt ist. 



96 21. Livius. Nr. 2. 

21. A. Vollmer, die quellen der dritten dekade des Li- 
vius. (Beilage zum Jahresbericht der höheren bürgerschule in 
Düren über das Schuljahr 1880 — 1881). Düren. Druck von 
Becker 1881. 27 p. 4. 

Der Verfasser hat sich die aufgäbe gestellt, in seiner von 
fleißigen Studien zeugenden schrift den beweis zu liefern , daß 
in der dritten dekade des Livius besonders zwei hauptquellen, 
Coelius Antipater und Valerius Antias contaminirt sind und daß 
Livius den Polybius vor dem anfang der vierten dekade in kei- 
ner weise benutzt hat. Zu diesem zwecke werden von dem verf. 
alle stellen des Livius, an denen sich dieser über die von ihm 
benutzten quellen äußert, zusammengestellt und in den von ein- 
ander abweichenden Versionen die spiiren des Coelius Antipater 
und Valerius Antias nachzuweisen gesucht. Den letzteren cha- 
rakterisiren die von Livius zu verschiedenen malen gerügten 
Übertreibungen in Zahlenangaben und die sucht, gliedern der 
gens Valeria die hauptroUen in der römischen geschichte zuzu- 
th eilen. Den Coelius Antipater läßt der verf, den größten theil 
seines geschichtswerkes aus Silenus schöpfen, der auch die haupt- 
quelle des Polybius gewesen sei; wie den Valerius seine unge- 
nauigkeit und erfindungssucht , so zeichnet den Coelius „gründ- 
lichkeit vmd ausführlichkeit" aus. Der verf. hält an der Böttcher'- 
schen hypothese insoweit fest , als er auch die auffallendsten 
Übereinstimmungen zwischen Polybius und Livius auf den von 
Polybius direkt, von Livius indirekt durch vermittelung des 
Coelius Antipater benutzten Silenus zurückführt. Einen kleinen, 
aber immerhin beachtenswerthen schritt vorwärts macht er jedoch 
durch sein zugeständniß, daß Livius in der dritten dekade „mei- 
stens zwei , bisweilen drei , seltener vier Überlieferungen neben 
einander stellte." Von diesem festen punkte aus hätte sich der 
verf. vielleicht doch zu einer unbefangenen beurtheilung des Ver- 
hältnisses zwischen Livius und Polybivis hindurchgearbeitet, wenn 
ihm nicht seine einseitige kritik der geschichtsschreibung des 
Coelius Antipater dazu den weg verlegt hätte. Welche anhalts- 
punkte mag der verf. haben , fragten wir uns , den Coelius , in 
unseren äugen einen der gewissenlosesten aller römischen anna- 
listen , als den „Thukydides der römischen geschichte'' zu be- 
zeichnen. An keiner stelle, die Vollmer auf Coelius zurück- 
führt, wird auch nur der versuch gemacht, die glaubwürdigkeit 



Nr. 2. 22. Cicero. 97 

seiner von Polybius abweichenden angaben zu prüfen. Und 
dennoch wird es ein ganz besonderes verdienst des Livius ge- 
nannt, daß er nicht zu dem werke eines ausländers Polybius, 
der als geisel nach Eom gekommen war, sondern zu dem „be- 
liebtesten und bestgeschriebenen" werke über den zweiten pu- 
nischen krieg, den Historien des Coelius Antipater, gegriffen hat ! 
Auch in anderen punkten ist die beweisführung des verf. eine 
wenig verlässige : für die nichtbenutzung des Polybius im 22. 
buche des Livius spricht z. b. nach Vollmer der umstand , daß 
sich jener nicht unter den citirten quellen des Livius befindet; 
Dio Cassius soll die ganze geschichte des hannibalischen krieges 
aus Coelius Antipater , also an keiner stelle aus Livius , Silius 
Italicus durchweg aus Ennius geschöpft haben ; als die quellen 
Plutarchs in den biographieen des Fabius und Marcellus werden 
in einem athem Livius , Coelius und Valerius Antias genannt 
etc. Beachtenswerth ist der versuch (p. 26) eine bekanntschaft 
des Cicero mit Valerius Antias nachzuweisen, dessen vormund 
der berühmte redner gewesen sein würde. Daß der von Cicero 
(de fin. I, 5, 13 und I, 7, 25) genannte C. Valerius Triarius 
„ein geschichtsforscher" war, geht allerdings aus den vom verf. 
angeführten stellen nicht unmittelbar hervor. 

Hermann Hawpt. 

22. De Ciceronis primo de Finibus bonorum et malorum 
libro quaestiones. Scripsit Fridolfus V. Gustafsso n. Hel- 
singforsiae 1878. 

Obgleich nur mit Untersuchungen über das erste buch de 
Finibus beschäftigt, glaubt der Verfasser genannter dissertation 
doch der frage nach dem werth der handschriftlichen Überliefe- 
rung nicht aus dem wege gehen zu dürfen und widmet ihr den 
ersten theil seiner schrift. Er nimmt zunächst für A einen noch 
höheren werth in anspruch als Madvig dieser besten band schrift 
beigemessen hat, aber wenn ich auch dieser ansieht vollständig 
beipflichte (vgl. meine besprechung der MüUerschen Cicero - aus- 
gäbe in diesem Anzeiger XI, 6, p. 313), so kann ich doch nicht 
umhin die art, wie er dieselbe wahrscheinlich zu machen sucht, 
mindestens für sehr ungeschickt zu erklären. Anstatt sämmtliche 
stellen, an denen die autorität von A geltend zu machen wäre, 
im Zusammenhang zu behandeln, behält er eine reihe von stellen, 



98 22. Cicero. Nr. 2. 

die mit dieser frage in berührung stehen , einer besonderen Un- 
tersuchung im zweiten theile vor und zieht hier meist nur solche 
in betracht, die, selbst wenn man in deren behandlung mit dem 
verf. einverstanden wäre, nicht den höheren werth von A ge- 
genüber den andern handschriften, sondern den der handschrift- 
lichen Überlieferung überhaupt oder doch von BE neben A zur 
anerkeunung bringen würden. Dies ist z. b. der fall III, 52, 
wo Gustafsson nach den spuren nicht von A allein, sondern zu- 
gleich von BE , welche alle primorie loco aufweisen , primorum 
löco statt der gewöhnlichen lesart primo loco schreiben möchte, 
oder 1,10, wo Gustafsson, indem er der allgemein recipirten Ver- 
besserung quoniam — videor (dies ist wenigstens theilweise über- 
liefert) die seinige, weit zweifelhaftere cum — videar vorzieht, 
das handschriftliche cum , das aber dem compendium von quo- 
niam zum verwechseln ähnlich ist, zu retten sucht, während er 
videri doch preisgeben muß , und so überhaupt an allen den 
stellen , wo die annähme einer lücke als unnöthig zu erweisen 
versucht wird. So mißbilligt er II, 97 Refert tarnen^ quo modo. 
<iBeatus> sibi videtur esse moriens. Magna laus Madvig's ein- 
schaltung und verbindet quo modo sibi vide<ia'>tur ; aber abgese- 
hen von der Zerstörung der hier grade recht angemessenen form der 
knappen sätze von denen bei Gustafsson nur magna laus als iso- 
lirter rest übrig bleibt, kann dieses urtheil sich ebenso wenig 
auf einen satz von so unbestimmtem Inhalt wie den von Gu- 
stafsson gestalteten gründen, wie es auf den vorigen § zurück- 
greifen kann , und selbst der ausdruck quomodo etc. ist nicht 
unbedenklich. Ganz verfehlt ist der dem verf. selbst zweifel- 
haft scheinende versuch, II, 25 die von Madvig angenommene 
lücke durch tilgung von nee verschwinden zu machen. Dagegen 
finde ich es im hinblick auf andre ellipsen in nebensätzen wie 
Ac. I, 19 quid verum (sc. sit), I, 24 neque vim {sc. esse), Fin. II, 
104 sed ut ad propositum (sc. revertamur) u. a. ganz in der Ord- 
nung, daß Gustafsson, wie schon vorher Bake und gleichzeitig 
Müller, IV, 2 quo loco quidque (sc. dicam) geschont wissen will, 
wie ich auch V, 96 fuit für entbehrlich halte. Gegen die von 
Gustafsson vertretene ansieht, daß V, 80 eher mala als fremder 
Zusatz anzusehen als der ausfall von bona anzunehmen sei, hat 
schon Madvig den unwiderleglichen einwand erhoben : qui ad' 



Nr. 2. 22. Cicero. 99 

dere aliquid vellet, utrumque (d. h. auch bona an der gehörigen 
stelle) addidisset. Uebrigens kommen die beiden letzteren stellen, 
da in Ä der text mit IV, 16 abbricht, für die beurtheilung die- 
ser handschrift nicht in betracht und die sämmtlichen auf die 
lückenhaftigkeit geprüften stellen, wie schon hervorgehoben, nur 
insoweit, als ein der Überlieferung günstiges ergebniß zugleich 
auch den werth der andern handschriften, in welchen jene gleich- 
mäßig überliefert sind, erhöht. 

Weiterhin theilt der verf. die wichtige beobachtung mit, 
daß die neben A als die besseren geltenden handschriften BE, 
welche, aus dem fünfzehnten Jahrhundert stammend, schon wegen 
dieses relativ jungen alters seinen verdacht erregen , im ersten 
buch nur 71 mal mit A übereinstimmen, dagegen die geringere 
handschriften-klasse ISlmal und zwar meist da, wo BE falsches 
bieten. Muß hierdurch allerdings der werth dieser handschriften 
bedeutend gemindert erscheinen, so finde ich es doch übertrieben, 
wenn Gustafsson die gemeinsame quelle derselben nicht anders 
als die der geringeren handschriften geradezu als eine interpo- 
lirte betrachtet , da doch verhältuißmäßig nur wenige fehler in 
BE den charakter der Interpolation tragen, während die meisten 
aus einem freilich gewaltigen mangel an Sorgfalt hervorgegangen 
zu sein scheinen und vielfach sogar einen um den sinn unbe- 
kümmerten Schreiber verrathen , z. b. II, 14 interdum statt iu- 
cundum , II, 29 bonos perfraudus statt honos praefandus. Auch 
darin kann ich Gustafsson nicht beistimmen, wenn er II, 16, 
wo in A und codd. dett. dicat irrthümlich wiederholt , in BE 
richtig ausgelassen ist, die vermuthung aufstellt, daß jene Wie- 
derholung schon aus dem allen handschriften gemeinsamen ar- 
chetypus herrühre und nur durch zufall nicht auf B und E mit 
übergegangen sei. Das richtige scheint vielmehr, daß in dem 
archetypus und so auch in der vorläge von BE das zweite dicat 
fehlte, dagegen von dem Schreiber der handschrift, aus welcher 
sowohl A als auch indirekt die geringeren handschriften zu 
stammen scheinen , irrthümlich aus dem anfang oder dem ende 
der vorangehenden zeile wiederholt war. In dem hier ange- 
deuteten verhältniß der handschriften folge ich Schiebe (Zeitschr. 
für gymnasial - wesen 1879, p. 192), der diese nahe liegende 
consequenz, zu welcher Gustafsson durch die von ihm gemachte 
Wahrnehmung von selbst hätte geführt werden sollen, an seiner 



100 22. Cicero. Nr. 2. 

stelle gezogen und. weiter begründet hat. Nur glaube ich trotz- 
dem nicht, daß das übereinstimmende zeugniß von BE und den 
geringeren handschriften , von denen diese entschieden als inter- 
polirt und jene höchst lüderlich geschrieben gelten müssen, da 
wo an sich die lesart der weitaus besten handschrift ebenso gut 
ist, von vornherein gegen diese entscheiden darf, wie z. b. oft 
in der Wortstellung, in welcher auch jede jener beiden hand- 
schriften-klassen für sich sehr häufig von A abweicht. Viele Um- 
stellungen und sonstige Verderbnisse weist auch ein zu der ge- 
ringeren klasse gehörender, am meisten mit zwei Oxforder hand- 
schriften {E und §) verwandter codex Dresdensis auf, den Gu- 
stafsson zum ersten mal , aber ohne nutzen theilweise vergli- 
chen hat. 

Einige bemerkungen über das prooemium des ersten buches 
de Finibus^ in denen dieses mit den einleitungen zu den philoso- 
phischen Schriften Cicero's im allgemeinen und mit der zu de Nat. 
deorum I insbesondere verglichen wird , bilden den Übergang zu 
der speciellen behandlung von siebenzehn stellen des ersten bu- 
ches. I, 2 tritt der verf. für die echtheit der bestüberlieferten 
lesart quod semel iam missum coerceri reprimique non potest ein und 
findet den vergleich von einem über die ufer tretenden flusse her- 
genommen, doch würde ein solcher, die angemessenheit des ver- 
bums mittere zugegeben , einen zumal im munde des vertheidi- 
gers des philosophischen Studiums unpassenden tadel enthalten. 
Besser ist , wenn wir nicht lieber mit Madvig admissum lesen 
wollen, der hergebrachte vergleich mit einem rennpferde, nur 
dürfte dann der noch von niemandem vorgeschlagenen Umstel- 
lung missum iam schwerlich zu entrathen sein. I, 6 faßt Gu- 
stafsson quos probamus mit recht in der gewöhnlichen bedeutung 
auf, während Seyffert und Holstein es für laudamus „citiren" 
nehmen. An derselben stelle will er die durch den namen Pan- 
aetius gestörte chronologische reihenfolge dadurch herstellen, daß 
er jenen für interpolirt erklärt. Aber warum soll denn Cicero 
grade den Panaetius nicht unter den nachfolgern des Chrysippus 
nennen? und ist denn wirklich ein solches versehen bei Cicero 
ganz beispiellos? Aerger freilich empfindet man die durch den- 
selben namen verursachte Störung Tusc. V, 107, wo die Vertreter 
verschiedener philosophenschulen durcheinander gewürfelt sind, 
aber auch hier darf Panaetius unter den lyhilosopM nohillssimi 



Nr. 2. 22. Cicero. 101 

nicht ausgelassen werden , sondern erscheint die von Heine vor- 
genommene Umstellung des namens nothwendig. II, 10 kann 
nohis gewiß auch von den Römern überhaupt und § 12 Ms lit- 
teris nicht anders als Tiis de Finihus lihris^ für welchen gebrauch 
Gustafsson passende belege anführt, verstanden werden. Einer 
eingehenden besprechung wird I, 18 sq. unterzogen. Zunächst 
irrt aber Gustafsson, wenn er Epicurus . . . non fere labitur nicht 
mit Madvig von der folgerichtigkeit und inneren Übereinstimmung 
im System des Epikur, soweit er dem Demokrit folgt, sondern 
von der objektiven Wahrheit seiner ansichten verstanden wissen 
will , eine auffassung , die den Cicero zu einem anhänger der 
atomistik stempeln würde und besonders auch durch das folgende 
cum multa non proho sowie durch § 21 direkt ausgeschlossen ist. 
Ebenso wenig sind ruinae einfach ,, falsche ansichten", sondern 
es kommt auch hier darauf an und entspricht vollständig der 
bedeutung des wortes , damit die den Zusammensturz herbeifüh- 
rende innere haltlosigkeit des epikureischen Systems zu bezeich- 
nen. Diese wird nun in dem satze censet enim — motum noch 
nicht abgeschlossen vorgeführt, sondern das enim leitet, was Gu- 
stafsson mit unrecht bestreitet, eine gedankenreihe ein, die über 
diesen satz noch weiter hinausgreift. Der folgende satz deinde 
. . . cum illud occurreret .... nunquam fore^ ut atomus altera 
alteram posset adtingere •, itaque adtulit rem commenticiam giebt dem 
verf. gelegenheit zu einer musterung der anakoluthe bei Cicero, 
unter denen er keins findet , welches zu der vorliegenden stelle 
paßte. Wie er hiermit Madvig's ansieht bestätigt, so folgt er 
ihm auch in der ratio emendandi, indem er die sehr wahrschein- 
liche vermuthung ruit atque adtulit r. c. aufstellt. Den anfang 
von § 23, vor welchem eine lücke anzunehmen unumgänglich 
scheint, bringt Gustafsson in einen unklaren Zusammenhang mit 
dem vorangehenden durch folgende textgestaltung confirmat autem 
illud (d. h. iudicia rerum in sensibus esse) vel maxime <Ceo>, quod 
ipsa natura, ut ait ille, sciseat et probet <3dem'^, id est voluptatem 
et dolorem. Beachtung verdient in § 49 die lesart nee assi- 
duitatis (assiduitates A und codd. dett.) nee vigiliae ea ipsa, quae 
laudatur , industria statt der gewöhnlichen aus BE entlehnten. 
Der besonders von Müller (semper <^Smpertit'^ aliquid) und Mad- 
vig {sie <^improbitas si'^ cuius) sehr passend hergestellte text in 
§50 nimmt bei Gustafsson eine gestalt an, die nicht nur wegen 



102 23. Cicero. Nr. 2. 

der vielen und zum theil recht gewaltsamen änderungen {aliqua 
suavitate invitat naturam statt cum sua vi atque natura, tranquillat 
statt et, spes statt spe, auslassung von non vor depravata, si statt 
sie) zu mißbilligen ist , sondern auch wegen der ungeheuer stö- 
renden , geradezu unmöglichen parenthese quemadmodum — tur- 
bulentaeque sunt und nicht am wenigsten wegen der, zumal bei 
der im übrigen genau beachteten responsion, unpassenden Ver- 
schleierung der der iustitia entsprechenden improbitas. Die be- 
handlung der übrigen stellen ist zu unbedeutend oder, wie die 
sieben selten lange und doch resultatlos verlaufende Untersu- 
chung über den Wechsel der numeri des pronomens in § 1 non 
eram nescius — mandaremus, zu unergiebig, um hier noch beson- 
ders erwähnt zu werden. A. Strelitz. 

23. Untersuchung über die frage der echtheit des brief- 
wechsels Cicero ad Brutum sowohl vom historischen als vom sprach- 
lichen gesichtspunkt aus. Von Paul Meyer. Züricher inau- 
gural - dissertation. Stuttgart. Ph. Knapp. 1881. VIII und 
210 p. 2 mk. 40 pf. 

Wer die vorstehende schrift mit aufmerksamkeit gelesen, 
wird sich wundern in Teuflfels litteraturgeschichte und zwar 
noch in der neuesten vierten aufläge, die von L. SchAvabe be- 
arbeitet und so eben an die öffentlichkeit getreten ist, folgenden 
auf die briefe ad Brutum bezüglichen passus zu finden : „in der 
that ist das, was man gegen die Sammlung geltend gemacht hat, 
von wenig erheblichkeit . . der schlichte Charakter dieser briefe 
ohne rhetorische geblähtheit sieht nicht nach fälschung aus." 
In der that ist das, was Meyer auf 210 selten gegen die Samm- 
lung geltend macht, nichts weniger als „von wenig erheblich- 
keit", und wer je die briefe gelesen und auf die absichtlichkeit 
der spräche aufmerksam geworden , wie sie sich besonders in 
dem streben nach allgemeinen Sentenzen kundgiebt, die zum 
theil den Inhalt ganzer briefe beherrschen , der wird kaum von 
einem „schlichten Charakter der briefe ohne rhetorische gebläht- 
heit" zu reden wagen. 

Die frage nach der echtheit des briefwechsels Cicero ad 
Brutum ist von den Engländern Tunstall und Markland in den 
vierziger jähren des vorigen Jahrhunderts angeregt, bei uns aber 
recht eigentlich in fluß gekommen durch die ausgezeichneten 



Nr. 2. 23. Cicero. 103 

abhandlungen C. Fr. Hermann's. die grade hundert jähre später 
als die der Engländer erschienen und sich mit einer fülle von 
gelehrsamkeit und Scharfsinn sowohl über die sachliche als sprach- 
liche Seite der briefe verbreiteten, um ihre echtheit zu erweisen, 
oder wie er sich ausdrückt, non reum aliquem, sed damnatum et 
tantum non extrerao supplicio affectum librum defendere eiusque auc- 
toritatem velut postUminio reducere (Vind. lat. epist. Cic. ad Br. 
Gott. 1844, p. 5). A. W. Zumpt, der Hermann zu widerlegen 
suchte, focht als iüngling mit zu ungleichen waffen gegen den 
streitbaren und kampfgerüsteten göttinger professor, und so 
schwankt seitdem das biid der briefe in der litteratur — fast 
ist man versucht zu sagen — von der gelehrten haß und gunst 
verwirrt. Neuerdings hat noch Cobet in der Mnemosyne, Nova 
Series vol. VII (1879) seine stimme mit großer entschiedenheit 
und Siegesgewißheit zu ihren gunsten laut werden lassen. — 
Meyer's verdienst nun in dieser weitschichtigen und verwickelten 
Streitfrage ist es , die ganze einschlägige litteratur über unsern 
gegenständ noch einmal gründlich und vollständig verarbeitet 
zu haben — Av^as z. b. C. G. Cobet für überflüssig hält — und 
dann gewissermaßen sublimiore e loco das todesurtheil über die 
briefe nicht sowohl gesprochen als bestätigt zu haben. We- 
sentlich neue gesichtspunkte großen stils wird man in der ar- 
beit nicht finden. Meyer steht eben auf den schultern seiner 
Vorgänger , aber fest und sicher. Sein fleiß und seine gründ- 
lichkeit verdient alle anerkennung , z. b. war mir und vielen 
andern die rezension der Hermann'schen abhandlungen aus der 
feder Lieberkühn's (Jenaer alig. litteraturz. 1846, p. 1186) 
völlig entgangen, und sein urtheil ist unbefangen, maßvoll, selten 
ungerecht. Eins hat mich wunder genommen. Wo verf. erst- 
mals meine abhandlung über die briefe ad Briitum citiert , thut 
er es mit folgenden worten: ,,eigenthümlich ist der Standpunkt 
von J. Becher, der die briefe zwar verwirft, aber in histori- 
scher beziehung alles in Ordnung glaubt und nur von „der 
sprachlichen seite die unechtheit zu zeigen sucht" (p. 3). 
Anders urtheilt Iwan Müller in Bursian's Jahresbericht X, (1877), 
p. 269 über meine arbeit, wenn er sagt: „übrigens theilt Becher 
mit recht Niebuhr's ansieht, daß die briefe an Brutus in einer 
verhältnismäßig frühen zeit geschrieben und wahrscheinlich als 
ein erzeugnis des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung zu 



104 23. Cicero. Nr. 2. 

betrachten sind, da sich der Verfasser derselben in der gesehichte 
jener zeit, in welche der angebliche briefwechsel fällt, gut be- 
wandert zeigt." Wie nun Meyer p. 5 sagen kann : „ich theile 
im wesentlichen durchaus den von Iwan Müller 1. 1. charakte- 
risierten Standpunkt", hoc ipse viderit, equidem nescio. — 

Meyer 's buch zerfällt in fünf kapitel: 1) die diplomatische 
beglaubigung unserer Sammlung (p. 6 — 9); 2) die briefe vom 
chronologisch-historischen und allgemein sachlichen gesichtspunkt 
aus betrachtet (p. 9 — 107); 3) die briefe vom sprachlichen ge- 
sichtspunkt aus betrachtet (p. 107 — 164); 4) die muthmaßli- 
chen quellen für unsere briefe (p. 164 — 200); 5) wann und 
wie ist die Sammlung entstanden? (p. 200 — 210). 

Das erste kapitel kommt zu dem auch sonst schon bekannten 
Schlüsse : „daß bloß vom diplomatischen Standpunkt aus die 
echtheitsfrage nicht beantwortet werden kann , weder für das 
erste noch für das zweite buch ; die art der Überlieferung be- 
weist nur für das hohe alter der briefe." 

Das zweite kapitel sucht verstoße gegen die ge- 
sehichte im allgemeinen, darunter Verwechselung und ver- 
mengung verschiedener dinge, Übertragung von ereignissen 
und zuständen früherer zeit in spätere, daneben auch mehr all- 
gemein sachliche bedenken, namentlich unwahrschein- 
liche thatsachen , ereignisse , urtheile und unpassende , unge- 
schickt ausgedrückte oder des echten Verfassers unwürdige ge- 
danken und Widersprüche in den einzelnen brieten nachzuweisen. 
„Gelangen wir hier zu einem negativen resultat, so genügt dies 
völlig für die Verwerfung", sagt der verf. Ich zweifle keinen 
augenblick, daß dies negative resultat erreicht ist, und gebe 
gern und neidlos zu, daß ich nicht mehr in historischer bezie- 
hung alles in Ordnung glaube. Früher hatte ich mich nament- 
lich durch die überraschende Sachkenntnis, die anderweitig in 
diesen briefen herrscht, verleiten lassen den mehr scharfsinnigen 
als wahren deduktionen Hermann's glauben zu schenken: gewiß 
verzeihlich, wenn selbst ein Niebuhr unsere briefe für zuver- 
lässige geschichtsquellen ansah. Meyer hat die Unmöglichkeit 
dieses Standpunktes dargethan; er geht jeden brief einzeln 
durch und faßt am Schlüsse desselben die historischen und all- 
gemein-sachlichen irrthümer und versehen zusammen. Am über- 
zeugendsten ist mir folgendes erschienen : am schluß von I, 4 



Nr. 2. 2'i. Cicpro. 105 

schreibt Brutus dem Cicero: his litterü scriptis consnlcin, te factum 
audivimus , eiue völlig absurde notiz. Denn wenn aucli bei 
Plutarch und Appian einer sage erwähnuug gescliieht, nach 
welcher sich Octaviau niv\ Cicero insgeheim verbunden haben 
sollen , um sich gegenseitig in der erlangung des consulates zu 
unterstützen, so ist doch Meyer völlig zuzugeben, daß wir hier 
nicht vor einem bloßen gerücht stehen, daß sich Cicei'o um das 
consulat bewerben werde, sondern vor der nachricht, daß 
er bereits consul geworden, einer nachriebt, die sich in 
Brutus gedauken sofort mit abgehaltenen consularcomitien und 
einer wähl verbinden mußte. Wir fragen mit dem verf. : wie 
konnte man überhaupt schon ungefähr am 6. mai des jahres 43 
neue consuln gewählt haben, nachdem Hirtius und Pansa erst 
am 27. und 28. april gestorben , ihre leichen vielleicht noch 
nicht einmal bestattet waren, da sie erst nach Rom transpor- 
tiert wurden? Und konnte Brutus eine solche nachricht für 
wahr halten? — Mit dem historisch unsinnigen Schluß dieses 
briefes steht der sachlich unsinnige anfang in vortrefflichem ein- 
klang : quanta sirn laetitia affectus, heißt es, cognitis rebus Bruti 
nostri et consuluni ^ facilius est tibi existimare qiicmi mihi scribere: 
cum alia laudo et gaudeo acci dis se, tum quod e. s. Brutus 
freut sich über alles von herzen , also auch über das traurige 
geschick der beiden consuln. Wenn aber Hermann , um diesen 
unsinn zu retten, gegen Markland, der bereits diesen Vorwurf er- 
hoben , einwendet, man dürfe von dem stoiker Brutus keinen 
starken ausbruch des Schmerzes erwarten , so ist diese art der 
interpretation kaimi der Widerlegung werth. 

Aehnliche sachliche unWahrscheinlichkeiten und historische 
Unrichtigkeiten deckt Meyer noch in vielen der briefe auf; ich 
hebe nur das wichtigste heraus : unhistorisch ist II, 4 die notiz, 
daß Dolabella von den ßhodiern abgewiesen worden sei, sowie 
der rath des Cicero, daß Brutus den Dolabella nach Asien ver- 
folgen solle , ferner I, 2 die expedition des Dolabella in den 
Chersones, und damit in Zusammenhang die angäbe, daß Brutus 
,,fünf legionen , die beste reiterei und die zahlreichsten hilfs- 
truppen" im Chersones stehen habe, unhistorisch ferner I, 3 die 
gänzliche Vermischung und zusammenziehung der beiden schlach- 
ten bei Forum Gallorum und Mutina. Sachlich bedenklich ist 
zunächst die thatsache, daß die hälttc der bei den briefen über- 
Philol Aez 511 8 



106 23. Cicero. Nr. 2. 

lieferten daten falscli ist, und daß eine chronologische reihenfolge 
derselben sich nicht aufstellen läßt, ohne die annähme von ana- 
chronismen, bedenklich ferner, daß Brutus nie auf die aufforde- 
rungen des Cicero antwortet, nach Italien zu kommen, im höch- 
sten grade befremdlich ist I, 3, 2 die ungeschickte darstellung, 
als ob die rostra auf dem Capitol wären , a qua (sc. multitudine) 
usque in Capitolmm deductus maximo clamore atque plausu in rostris 
collocatus sum'''-, abgesehen davon, daß Cicero an jenem tage no- 
torisch nicht gesprochen hat, wie aus Phil. XIV, 5, 12 un- 
zweifelhafthervorgeht, unsinnig endlich 1,12,1 „(Lepidus) bellum 
acerrime terra marique gerit''^ da man nichts davon weiß, daß Le- 
pidus irgendwie auch zur see krieg geführt hätte. Interessant für die 
art der Meyer'schen beweisführung ist die beleuchtung von I, 9. 
Dieser brief enthält das fast berühmt gewordene trostschreiben 
des Cicero an Brutus bei anlaß des todes der Porcia, wie es 
wenigstens seit P. Mantitius ganz allgemein gefaßt wird , indem 
man I, 17, 7 {yaletudinem Porciae meae tibi curae esse non miror) 
damit in Verbindung bringt. Die hauptschwierigkeit dreht sich 
nun um die frage nach der zeit, in welcher Porcia gestorben 
ist, worüber es zwei Versionen giebt, die eine gewöhnliche, wo- 
nach Porcia erst im jähr 42 auf die nachricht von der nieder- 
lage bei Philippi sich selbst das leben nahm , angeblich , indem 
sie glühende kohlen verschlang, die andere auch durch unsern 
brief vertreten , wonach sie schon etwa im mai des Jahres 43 
an einer krankheit in Rom gestorben wäre. Nun entsteht die 
frage: wie kam ein falscher dazu, der zweiten weniger verbrei- 
teten Version den vorzug zu geben und sich das poetisch-rieto- 
rische moment der ersteren entgehen zu lassen? Meyer giebt 
darauf p. 65 die ebenso einfache wie schlagende antwort, weil 
die erste , wenn Porcia nach Cicero und Brutus stai-b , ihnen 
dieses für briefe so fruchtbare motiv nicht darbot. — Unerwähnt 
kann ich nicht lassen, daß der name der Porcia in dem ganzen 
briefe nicht vorkommt — quod ipsum declamatoriam artem sane 
redolet — und daß der ganze brief keineswegs ciceronianische 
empfindung athmet; doch das sind subjektive momente und 
darum für die kritik nicht entscheidend. — 

Während ich in allen diesen punkten Meyer beizustimmen 
in der glücklichen läge bin , kann ich mich nicht für den von 
ihm behaupteten anachronismus in dem urtheil über Lepidus 



Nr. 2. 23. Cicero. 107 

erwärmen. "Wenn es II, 2, 1 heißt: ^^Lepidi tui necessarü, qui 
secundum fratrem affines habet quos oderit proximos, levitatem et 
inconstantiam aniniumque semper inimicum rei publicae iam credo 
tibi ex tuorum litteris esse perspectum ,'■'■ so braucht man dies weg- 
werfende urtheil wahrscheinlich nicht erst aus dem mehr als 
zwei monate später stattgehabten abfall des Lepidus herzuleiten : 
vielmehr hat Hermann nicht allein darin recht , daß die lobes- 
erhebungen in Phil. V, 14, 38 wahrscheinlich der eigentlichen 
innern Überzeugung Cicero's weniger entsprechen , als dies un- 
günstige urtheil , sondern auch darin , daß die stelle aus dem 
briefe ad Att. IX, 9, 3 vom jähr 49 ,,/sfe omnium turpissimus et 
sordidissimus" die angegebenen Schwierigkeiten völlig hebt. Meyer 
scheint hier ganz vergessen zu haben , was dem vertraulichen, 
nicht offiziellen briefe eignet und was sich für die Öffentlichkeit 
zu schicken schien. — Nicht minder abweisend muß ich mich 
dem verdachte Meyers gegenüber verhalten , als ob I, 15 der 
Verfasser überhaupt den tag der entscheidungsschlacht und. den- 
jenigen , an welchem die siegesnachricht eintraf, mit einander 
vermischt habe. Und endlich — auf ganz unsicheren fußen 
ruht die Unterstellung des verf. zu I, 6, daß von der geschichte 
Glykons bei Livius die rede gewesen sei und zwar im buch 121. 
Weil zu dem buch, das nach der Epitome von den Unternehmun- 
gen des C. Cassius und M. Brutus handelte, die seltsame und 
ganz singulare notiz erhalten ist : ,,qmz editus post excessum 
Augusti dicitur^'' , deshalb muß in demselben unter andern die 
geschichte mit Grlykon ihren platz gehabt haben , eine seltsame 
art der argumentatiou , die um so mehr frapjjiert, als Meyer 
doch sonst keine luftschlösser zu bauen geneigt scheint. Wie 
dem aber auch sein mag, jedenfalls sprechen wir dem verf. das 
recht nicht ab, am schluß dieses kapitels p. 106 zu behaupten: 
ich stehe keinen augenblick an, jetzt schon die ganze Sammlung 
als unecht zu bezeichnen. — lieber die spräche der briefe, 
die im dritten kapitel behandelt wird, habe ich noch heute die- 
selbe ansieht , die ich vor sechs jähren in meinem programm 
De Ciceronis quae feruntur ad Brutum epistulis p. 9 vorgetragen 
habe , nämlich : ,.unum atque parem quidem sermonem redolent hae 
epistulae cum veris Ciceronis , tarnen hoc discrimen inter utrumque 
interest, ut hie ex propria natura et nativa quadam indole ipsarum 
epiatularum ßuxerit, ille autem captatus et adscitus sit, ut incorrnpitae 

8* 



108 23. Cicero. Nr. 2. 

fidei speciem arriperet eredulosque lectores falleret,''^ Weil aber 
eine gewisse manier in diesen briefen herrscht, ein affektiertes 
streben es dem Cicero gleichzuthun , so ist es nicht zu verwun- 
dern , daß der briefton Cicero's , der sermo cotidianus ziemlich 
häufig durch verunglückte Wendungen überboten wird , die sich 
nicht als corruptel der handschriften abweisen oder durch eine 
einfache emendation beseitigen lassen, obwohl sie gegen den 
guten Sprachgebrauch verstoßen. Hierzu zähle ich — wie mir 
das seiner zeit Iwan Müller bestätigt hat — II, 1, 1 „«n diem 
ex die dilata'\ einen graecismus, der in dem Herodoteischeu 9, 8 
,,£§ fjfAfQrjg ig fjfiiQr]i' uvaßaXXo/jKvoi,^^ seine analogie haben mag, 
und § 3 „meum animum in aciem esse^\ I, 10, 5 ^,spes libertatis 
nusquam nisi in vestr orum castrorum principiis est, 1,15,1 
exp edire et deferre im sinne von „entwickeln, darlegen" und 
§ 2 „quem cum a me dimittens graviter ferrem" und § 5 „ani- 
mus idem, qui semper, infixus in patriae c ar itate'\ I, 7,2 
„sed Appuleius in sua epistula celebr ahitur, I, 16, 6 oppressor 
(ein unu^ Xtyöfjurov) und § 8 in integrum revocare u. a. Meyer 
bat hierzu sehr werthvolle und umfassende, ja man kann sagen, 
abschließende beitrage und ergänzungen geliefert; er verfährt 
auch hier nach derselben methode, die er im vorigen kapitel 
befolgt, daß er nämlich brief um brief einzeln „vornimmt". Ob 
nicht hier eine mehr systematische behandlungsweise doch besser 
am platz gewesen wäre? Denn das stand doch dem verf. von 
vorn herein fest, daß die briefe des Brutus keinen von den ci- 
ceronianischen verschiedenen Sprachgebrauch repräsentieren. — 
Es versteht sich, daß man in der aufdeckung solcher sprachli- 
cher mäugel und schaden sehr vorsichtig zu werke gehen muß, 
auf daß man nicht zu viel und dadurch schließlich nichts 
beweise. Ueber das ziel hinausgeschossen hat Meyer nach mei- 
ner ansieht in folgenden dingen : er bemerkt zu II, 1 „nisi me 
utilitas civitatis forte converterit'"'' ,, statt me erwartet man ein sach- 
liches objekt wie animum , mentem^'' ; warum denn ? Zu II, 2 
„mecumque ita contendit et a me ita fractus est, ut eum in per- 
petuum modestiorem sperem fore" heißt es : ,, unpassend ist die 
vollkommene parallelstellung von mecumque ita contendit (was 
auf einen günstigen erfolg des Servilius hindeutet) und et ita a 
me fractus est. Der satz mit ut paßt nur zum zweiten ita, aber 
nicht zum ersten." Ich gestehe nicht einzusehen, daß ita auf 



Nr. 2. 23. Cicero. 109 

einen günstigen erfolg hindeuten muß, es deutet weder auf ei- 
nen günstigen, noch auf einen ungünstigen, sondern läßt es un- 
entschieden, den ungünstigen erfolg lehrt erst das folgende. Zu 
II, 5, 5 templis deorum immortalium wiminet hominum egentium et 
perditorum spes" setzt der verf. hinzu: ,,man sagt wohl imminere 
in spem oder spei ^ aber spes imminet , wenn von ,,hoffnung auf 
raub" die rede ist, ist zu unbestimmt und schwach. Cicero hätte 
wohl ein stärkeres wort gesetzt wie aviditas, avaritia, furor, men- 
dieitas^ oder er hätte geschrieben : templis d. i. imminent liomines 
egentes et perditi.^'' Das ist entschieden zu viel behauptet, da in 
hominum egentium et perditorum klar genug ausgesprochen liegt, 
wessen man sich zu der spes zu versehen hat. s. Schueßler 
Zur lehre von den präpositionen bei Cicero : II (Hannover 1881), 
p. 16 ,,mit der bedrohlichen nähe verknüpft sich der begriff 
des begehrlichen trachtens." Zu I, 10, 3 ,,numquam enim in lio- 
nore extraordinario potentis hominis vel p oten tissimi potius 
accidit, ut e. s. sieht sich verf. genöthigt folgendes anzumerken: 
„diese selbstkorrektion beweist, daß der Schreiber speciell an 
den Octavian denkt. Die construktion des satzes scheint 
mir daher fehlerhaft, indem der allgemeine fall und der spe- 
zielle durcheinander gemischt sind. Man sollte erwarten: nam 
in honore extraordinario polentls hominis vel potentissimi potius 
praeter consuetudinein accidit ut (bei frühereu ähnlichen 
gelegenheiten war das immer der fall, jetzt dagegen ungewöhn- 
licher weise nicht") oder bloß nuntquam enim in honore extra- 
ordinario potentis hominis accidit^ ut e. s." Daß eine solche 
redeweise unlogisch ist, ist klar, aber ebenso klar ist, daß die- 
selbe auf einer abgekürzten ausdrucksweise beruht, die im brief- 
stil am allerwenigsten befremden kann : man denke sich mei- 
netwegen vel potentissimi potius in klammern. In demselben 
briefe § 4 hätte Meyer quatefeci nicht als unciceronianische bil- 
dung beanstanden sollen vgl, meine abhandlung p. 7. — Aber 
genug: über anderes, namentlich auch über I, 18, 3 gedenke 
ich mich in bälde an einem andern orte auszusprechen. 

Das vierte kapitel weist nach , daß der Verfasser dieser 
briefe aus den drei quellen : Orationes Philippicae , Epistulae ad 
familiäres und Epistulae ad Atticum geschöpft habe und setzt eine 
ähnliche ausbeutung anderer, damals noch vorhandener quellen, 
namentlich der echten briefe ad Bruium mit Sicherheit voraus. 



110 24. Griechische geschichte. Nr. 2. 

Neu ist auch dieses resultat nicht: referent hatte z. b. schon 
in seinem programm p. 9 — 11 die eclatantesten fälle einer sol- 
chen Benutzung der quellen herausgehoben. Namentlich die 
von mir zwischen I, 9 (dem trostschreiben des Cicero) und Ep. ad 
f'am. IV, 5, 5 (dem trostschreibeu des S. Sulpicius) gezogene 
parallele giebt dem verf. zu folgender schöner bemerkung an- 
laß p. 182: „wer die entlehnung aus Ep. ad fam. IV, 5 zugiebt, 
erkennt damit natürlich eo ipso die fälschung an ; denn wer 
sollte es für möglich halten , daß der echte Cicero den Serv. 
Sulpicius kopierte?" — Die frage nach der entstehungs z e i t 
und entstehungs art unserer Sammlung (kap. 5) eröffnet der 
phantasie und combinationsgabe jedes einzelnen ein weites feld. 
Verf. bewegt sich auf diesem schlüpfrigen boden ebenso kühn 
wie gewandt. Er läßt die beiden bücher ad Brutum mit Nie- 
buhr unter August oder Tiberius entstehen und betrachtet sie 
als anhängsei zu den sieben (?) echten büchern von briefen an 
Brutus, die nur bis ende 44 (?) gereicht hätten. Er stützt seine 
hypothese mit dem zeugnis des Plutarch, indem er versichern 
zu können glaubt, daß überall, wo Plutarch sich sicher auf die 
echte Sammlung ad Brutum bezieht, es briefe aus dem jähr 44 
sein müssen, dagegen an den zwei stellen, wo er von einer 
bloßen tradition oder unechten briefen spricht, diese 
in's jähr 43 gehören müßten. Den grund der abfassung 
giebt Meyer mit den worten Drumann's an : „in dem namen, 
der verhängnisvollen that, den Schicksalen und der persönlich- 
keit des Brutus lag eine Versuchung ihm solche Urkunden un- 
terzuschieben", den grund der erhaltung wird man wohl 
in ebendenselben momenten zu suchen haben. — 

Ist die frage nach der echtheit des briefwechsels Cicero ad 
Brutum nunmehr gelöst ? Man sollte es wünschen um der Wahr- 
heit willen. Aber die bemerkung ist alt, daß man gern glaubt, 
was man wünscht, und vielleicht hat der Franzose nicht so ganz 
unrecht mit seinem wort: Le meilleur usage qiie Von puisse faire 
de son esprit, &est de s'en mifier. Ferd. Becher. 



24. Georg Busolt, Forschungen zur griechischen ge- 
schichte, erster theil. Verlag von Wilhelm Köbner. 1880. 
gr. 8. 181 p. 

Die „Forschungen zur griechischen geschichte" sollen, wie 



Nr. 2. 24. Griechische geschichte. 111 

iu der vorrede bemerkt wird, theils ergauzungen und nachtrage 
zum ersten und vorarbeiten zum zweiten band der „Lakedämo- 
uier", theils aber auch Studien auf andern gebieten der grie- 
chischen geschichte enthalten. 

Das vorliegende buch lunfaßt drei abhandlungen, die sämmt- 
lich die peloponnesische geschichte betreffen. Der erste aufsatz, 
der die beziehungen Sparta's zu Olympia zum gegenständ hat, 
ist veranlaßt durch die von E. Curtius im Hermes (XIV, 129) 
unter dem titel ,, Sparta und Olympia" veröffentlichte abhand- 
lung. Während nämlich Busolt in den Lakedämoniern die pe- 
loponnesische symmachie als eine rein politische conföderation 
auffaßte, bekämpfte Curtius in der erwähnten abhandlung diese 
ansieht , indem er seine früher in der Griechischen geschichte 
gegebene darstellung eingehender zu begründen suchte. Nach 
Curtius war der bund vielmehr ein religiös -politischer, der in 
Olympia seinen religiösen iind in Sparta seinen politischen vor- 
ort hatte. Die macht Sparta's beruhte im wesentlichen auf dem 
einfluß, den dasselbe auf das seinem schütze anvertraute Olym- 
pia ausübte, ,, nicht am Eurotas, sondern am Alpheios hat Sparta 
seine vorörtliche Stellung erlangt." Busolt schreitet nun in dem 
vorliegenden buche zur Widerlegung der von Curtius zu. gunsten 
jener auffassung vorgebrachten argumente. 

Eine hauptstütze für seine ansieht erblickt Curtius in dem 
sogenannten diskos des Iphitos. Er meint, auch wenn man über 
das alter des diskos und die persönlichkeit Lykurgs urtheile, 
wie man wolle , so könne man doch mit Sicherheit annehmen, 
daß der vertrag mit Elis schon im achten Jahrhundert als etwas 
angesehen wurde, was mit den grundlegenden Staatseinrichtungen 
der Spartaner zusammenhing. Nun zeigt aber Busolt , daß die 
tradition von der Stiftung des olympischen festfriedens durch 
Iphitos und Lykurgos schon aus chronologischen gründen nicht 
als glaubwürdig betrachtet werden kann. Hierzu kommt der 
weitere umstand , daß uns spartanische Olympioniken erst von 
ol. 15 an begegnen, was zu dem Schlüsse führt, daß eine nähere 
Verbindung zwischen .den Spartanern und Eleern erst um die 
zeit des ersten messenischen krieges angeknüpft wurde. Busolt 
verweist deshalb jene tradition wohl mit recht in das gebiet 
der im anfang des sechsten Jahrhunderts sich entwickelnden po- 
litischen legende, die namentlich den zweck hatte, die spartani- 



112 24, Griechische geschichte. Nr. 2. 

sehen könige als legitime heerführer der Peloponnesier erscheinen 
zu lassen. Es konnte nicht fehlen, daß auch die olympischen 
spiele, die damals schon pauhellenische bedeutung erlangt hatten, 
zum object dieser politischen sagenredaction wurden. Als erben 
des Pelops , der die von dem idäiachen Herakles eingeführten 
Olympien aufs glänzendste geleiert haben soll (Paus. V, 8, 2), 
nahmen die sjjartanischen könige ein hervorragendes verdienst 
um diese spiele in anspruch. Die entstehung und die urkund- 
liche beglaubigung der legende, daß Iphitos und Lykurg die 
olympischen spiele erneuert und den festfrieden gestiftet hätten, 
fällt, wie Busolt ansprechend vermuthet, in die zeit, als Sparta 
mit Elis zusammen den letzten aufstand der Pisaten niederwarf 
und hierdurch den Eleern den besitz Olympia's definitiv sicherte 
(um 570). 

Nun ist aber jedenfalls daran festzuhalten, daß der diskos, 
auch wenn er nicht der zeit des Iphitos augehört, doch ein ir- 
gendwann zwischen Sparta und Elis getroffenes übereinkommen 
bezeugt; die Urkunde könnte also immer noch der von Curtius 
vertretenen ansieht zur stütze dienen. Es kommt also vor allem 
darauf an, den Inhalt der Inschrift festzustellen. Aus den von 
Busolt zusammengestellten nachriehten ergibt sieh mit Sicherheit 
nur das eine , daß der diskos die aukündiguugsformel der eke- 
eheirie enthielt uud außerdem die namen derjenigen, welche die 
ekecheirie gestiftet hatten oder als deren Stifter betrachtet wur- 
den. Da nun jeder Staat, der an den olympien theilnehmeu 
wollte , die festwaffenruhe anerkennen mußte , so folgert Busolt, 
daß Sparta durch den vertrag überhaupt keine besonderen Vor- 
rechte erhielt. Hiergegen läßt sich jedoch einwenden, daß durch 
einen vertrag, der außer dem namen des Iphitos nu.r noch den 
des Lykvirgos enthielt , die vorörtliche Stellung , welche Sparta 
den anderen an den olympien betheiligten Staaten gegenüber 
beanspruchte, anerkannt wurde; insofern hat also die von Cur- 
tius vertretene ansieht , daß das verhältniß , in welchem Sparta 
zu Olympia stand, eine wesentliche stütze seiner macht gewesen 
sei, ihre berechtigung. Andrerseits geht aber Curtius zu weit, 
wenn er behauptet , daß Sparta geradezu schutzmacht von Elis 
geworden sei, indem es beständige asylie des eleischen gebietes 
garantirt habe. Busolt macht hiergegen zunächst geltend , daß 
in der tradition von der unverletzlichkeit des eleischen gebietes, 



Nr. 2. 24. GnccLiscbe geseliichte. 113 

die sich zuerst bei Ephoros findet, nicht eine einseitig von Sparta, 
sondern eine gleichmäßig von fast allen Hellenen geleistete Zu- 
sicherung der asylie vorausgesetzt wird. Er zeigt sodann, daß 
die darstellung des Ephoros nicht nur mit sich selbst , sondern 
auch mit den thatsächlichen Verhältnissen in Widerspruch steht, 
indem er namentlich darauf hinweist, daß die Athener während 
des peloponnesischen krieges mit ihren flotten die eleischen kü- 
sten verheerten, ohne daß ihnen hieraus ein besonderer Vorwurf 
gemacht worden wäre. Mit recht erblickt also Busolt in jener 
tradition weiter nichts, als eine modification der thatsache, daß 
nach lind nach fast alle Hellenen , je nach ihrem beitritt zur 
festgenossenschaft , die unverletzlichkeit von Elis während der 
festzeit anerkannt hatten. Da die tiberlieferung von gehässig- 
keit gegen die Lakedämonier erfüllt ist, so vermuthet Busolt 
mit großer Wahrscheinlichkeit, daß dieselbe zu beginn des vier- 
ten Jahrhunderts , als die Spartaner Elis mit krieg überzogen 
hatten, von den Eleern zu agitationszwecken gegen Sparta zu- 
recht gelegt worden sei. Die thatsachen, aus denen Curtius die 
existeuz eines patronatsverhältuisses zwischen Sparta und Elis 
folgern zu müssen glaubt , bcAveisen zwar , daß Sparta sacrale 
beziehuugeu zu Olympia hatte, doch läßt sich hieraus , wie Bu- 
solt mit recht geltend macht, kein weiterer Schluß ziehen. 

In dem letzten abschnitt der abhandlung wird nachgewiesen, 
daß die olympien niemals ein pelopounesisches gesammtfest wa- 
ren, was sie nach Curtius eine zeit lang gewesen sein sollen, ehe 
sie zu einem panhellenischen Volksfest wurden. Die annähme, 
daß Olympia pelopounesisches bundesheiligthum gewesen sei, 
widerlegt Busolt namentlich dadurch, daß zur zeit, als die La- 
kedämonier ihre pelopounesische hegemonie begründeten , Olym- 
pia bereits panhellenische bedeutung erlangt hatte. 

Sehr eingehend wird diese Untersuchung besprochen in der 
von Holm in Bursians Jahresbericht gegebenen kritik des Bu- 
soltschen buches (Bericht über griechische geschieh te für 1879 
und 1880, p. 308 ff.). Holm ist geneigt, in manchen wesent- 
lichen puncten Busolt beizustimmen, erhebt jedoch gegen einzelne 
argumente gegründete einwendungen. 

Die zweite abhandlung, welche die Überschrift „Pisa" trägt, 
soll die bereits in den ,,Lakedämoniej'n" bekämpfte ansieht wi- 
derlegen, daß bis zum jähre 572 eine Stadt dieses namens existirt 



114 24. Griechische gescliiehte. Nr. 2. 

hätte, welche vorort der pisatischen oktapolis gewesen sei. Als 
zeugniß gegen diese annähme führt Busolt zunächst an Strabo 
VIII, 356 ff. Aus dieser stelle ist ersichtlich, daß den gelehrten 
des alterthums , über deren ansichteu Strabon referirt , keine 
Überlieferung mehr davon vorlag, daß Pisa mitglied der okta- 
polis gewesen sei, während man doch andrerseits noch von der 
mitgliedschaft frühzeitig verschollener städte wußte. Diejenigen 
autoren, die die existenz einer stadt Pisa annahmen, führten als 
beleg einen vers des Stesichoros an, in dem von einer nölig 
fllnu die rede war, die gegner faßten jedoch Pisa hier als land- 
schaftsnamen auf, weil der ausdruck tk^Ii:^ bei dichtem öfter 
eine ganze landschaft bezeichne. Nun glaubt aber Curtius aus 
einer neuerdings gefundenen dem sechsten Jahrhundert vor Chr. 
angehörenden Inschrift (vgl. Kirchhoff in der Archäol. zeitung 
XXXV, 196) folgern zu müssen, daß die dort vorkommenden 
Worte lav jäv lav Iv Illaa nur auf das gebiet der ehemaligen 
Stadt bezogen werden können ; Busolt zeigt jedoch, indem er die 
politischen Verhältnisse der Pisatis zu beginn des sechsten Jahr- 
hunderts eingehend erörtert, daß nichts im wege steht, Tliaa als 
bezeichnung der ganzen landschaft aufzufassen. Er stellt sodann 
die uns über Pisa vorliegenden nachrichten zusammen und ge- 
langt zu dem resultat, daß Pisa in der älteren litteratur ent- 
weder die landschaft bezeichnet oder die statte des olympischen 
Zeustempels oder den ort, an dem die spiele gefeiert wurden. 
Die von Strabon erwähnte ansieht, nach der Pisa eine zwischen 
zwei hohen bergen in der nähe einer gleichnamigen quelle gele- 
gene Stadt war, findet sich , wie Busolt glaubt, zuerst bei Pole- 
moü, der um 200 vor Chr. lebte. Dies bestimmt Busolt zu der 
annähme , daß diese ansieht wohl erst im dritten oder vierten 
Jahrhundert aufgekommen sei. Man habe damals leicht zu der 
Vorstellung verleitet werden können , daß ebenso wie um jene 
zeit die Eleer, auch die Pisaten früher eine einzige städtische 
bürgerschaft gebildet hätten. 

Nun werden aber die an sich bestechenden ausführungen 
Busolts hinfällig durch eine von ihm nicht beachtete Pindarstelle. 
Olymp. I, 23 ff. heißt es nämlich von Hieron: Id^tnsi 6s ol xlsog 
SV svccvoQi AvSov mionog anomla. Die bezeichnung anomla 
zeigt deutlich, daß Pindar sich Pisa, den ort des wettkampfes, 
als Stadt denkt. Da nicht anzunehmen ist, deß die dem Piudar 



Nr, 2, 24. Griechische geschichte. 115 

vorliegende Überlieferung von der ehemaligen existenz einer 
Stadt Pisa auf bloßer reflexion beruht, so liegt nicht der min- 
deste grund vor, an dem Vorhandensein dieser Stadt zu zweifeln. 
Augenscheinlich schwebte Pindar ganz dieselbe tradition vor, 
die wir bei späteren (Diod. IV, 73. Paus. V, 1, 6) finden, daß 
nämlich Oenomaos in Pisa residirte und Pelops ihm daselbst in 
der Herrschaft folgte. Da nun Pelops Phryger (Strabo VII, 321) 
oder Lyder (Nicol. Damasc. fr. 17) oder nach einer anderen 
angäbe phthiotische Achäer (Strabo VIII, 365) mit sich nach 
dem Peloponnes gebracht haben soll, so konnte leicht die Über- 
lieferung entstehen , daß er fremdes volk in Pisa angesiedelt 
habe und die Stadt insofern als /I^Ao^zos* anotxla bezeichnet wer- 
den. Wenn so die existenz einer stadt Pisa sicher erwiesen ist, 
so werden wir diesen namen auch an anderen stellen, an denen 
er nach Busolt die landschaft Pisatis hezeichnen soll , als stadt- 
namen aufzufassen haben, denn es ist doch wohl a priori anzu- 
nehmen , daß der nanie der stadt höchst selten für die ganze 
landschaft gesetzt wurde , da für dieselbe ein besonderer name 
zu geböte stand. In der inschrift ist also wohl doch das Stadt- 
gebiet gemeint. Wahrscheinlich denkt auch Hellanikos an die 
Stadt, wenn er berichtet, daß Pelops' söhne , Atreus und Thye- 
stes , nach der ermordung des Chrysippos aus Pisa geflüchtet 
seien (fr. 42). Auch die zahl der stellen, an denen unter Pisa 
die Stätte des agons oder des olympischen Zeustempels zu ver- 
stehen sein soll, dürfte sich jetzt verringern. Sicher ist die 
Stadt gemeint bei Euripides Iph. Taur. 1: ü^lo'ip 6 TavTaleiog 
sig lliaav fxoXm< , wahrscheinlich auch bei Simonides fr. 158 
Bergk., wo von Milon gesagt wird: og noii Uiar] smäyn vinijoag. 
Busolt will hier Pisa als die statte des Agons auffassen, doch 
würde alsdann wohl die präposition iv stehen. 

Daß Pisa im schiffskatalog fehlt, hat allem anschein nach 
darin seinen grund, daß die Stadt zur zeit als der katalog ver- 
faßt wurde, die politische bedeutung, die sie früher gehabt haben 
muß, bereits eingebüßt hatte. Ein großer theil der Pisatis be- 
fand sich damals schon im besitz der Eleer, auf die auch das 
recht der olympischen agonothesie übergegangen war (Strabo 
Vin, 354). Einer beantwortung bedarf noch die frage, wie wir 
uns das verhältniß Pisas zur oktapolis zu denken haben. Viel- 
leicht wurden die acht städte für sich ohne Pisa als ein ganzes 



116 24. Griechische geschichte. Nr. 2. 

betrachtet , weil sie schon zu beginn der olympiadenrechnung 
dem eleischen gebiet angehörten , während Pisa selbst , welches 
ursprünglich wohl vorort der Oktapolis war, seine autonomie 
noch lange behauptete. 

Der dritte aufsatz, der den meisten räum einnimmt, handelt 
über den argeiischen sonderbund während der jähre 421 — 418. 
Busolt will nachweisen, daß die bedeutung und das wesen des- 
selben in seinem bisher nicht genügend hervorgehobenen demokra- 
tischen Charakter beruhte. Zugleich bemüht er sich, durch Sich- 
tung der verschiedenen elemente, die sich nach dem Nikiasfrie- 
den an der oppositionellen bewegung gegen Sparta betheiligten, 
mehr klarheit in die verwickelte politische Situation jener zeit zu 
bringen. Zu diesem zweck werden zunächst die inneren Ver- 
hältnisse der in betracht kommenden peloponnesischen Staaten 
dargelegt. In erster linie beschäftigt sich die Untersuchung na- 
türlich mit Argos , über dessen politische bestrebungen von der 
zeit der Perserkriege bis auf den Nikiasfrieden Busolt eine sehr 
interessante skizze giebt. Es sollen hier nur wenige puncte her- 
vorgehoben werden , in denen sich einwendungen gegen Busolts 
darstellung erheben lassen. Die Verfassung , die zur zeit de^ 
Nikiasfriedens in Argos bestand, bezeichnet Busolt mit recht 
als eine vollendete demokratie. Gleichwohl hält er es nicht für 
unwahrscheinlich , daß die oligarchen während des archidami- 
schen krieges noch stark genug gewesen seien, ein btindniß der 
demokratischen regierung mit Athen zu verhindern. Eher dürf- 
ten wohl andere von Busolt selbst hervorgehobene umstände 
für die haltung der Argiver maßgebend gewesen sein , nament- 
lich die bedeutenden materiellen vortheile , die sie sich von der 
neutralität versprachen. Die politik des abwartens und auf- 
merksamen beobachtens hält Busolt für die beste, die Argos 
unter den gegebenen Verhältnissen habe einschlagen können, weil 
es so in der läge gewesen sei, aus der Schwächung der beiden 
großmächte vortheil zu ziehen, indem es im geeigneten moment 
aus seiner reserve hervortrat. Man vermißt hier die bemerkung, 
daß die Argiver gerade den geeigneten moment ungenutzt ver- 
streichen ließen. Im jähre 425 , als Sparta sich in der äußer- 
sten bedrängniß befand , war für sie die zeit zum handeln ge- 
kommen, sie verhielten sich jedoch bis zum frieden durchaus 
ruhig und setzten sich so der gefahr aus, allein von den Spar- 



Kr. 2. 24. Giiefliisclie g-eschiclite. 117 

tauern augegriflPen zu werden. Die auf die Vervollkommnung 
des heeres abzielenden maßregeln, vuu denen Diod. XII, 75 
spricht, scteinen nicht während des archidamischen krieges wie 
Busolt meint, sondern erst uacli dem abschluß des Nikiasfriedens 
erfolgt zu sein. 

Was die anderen Staaten des peloponnesischen bundes be- 
trifft, so weist Busolt nach, daß um die zeit des Nikiasfriedens 
außer Argos auch Mantinea und Elis demokratisch regiert wur- 
den. Ferner wird gezeigt, daß die demokratie auch in Achaja 
boden gewonnen hatte, während die haltung Sikyons zum min- 
desten zweifelhaft war. Sogar im oligarchischen Tegea existirte 
eine demokratische partei; nur in Korinth und Megara finden 
sich noch keine spuren demokratischen einflusses. Busolt gelangt 
schließlich zu dem an sich höchst wahrscheinlichen resultat, daß 
die demokrateu in allen peloponnesischen Staaten antilakonisch 
gesinnt waren. 

An diese Voruntersuchung schließt sich eine genaue darle- 
gung der Parteiverhältnisse in Athen und Sparta zu ende des 
archidamischen krieges und der durch den Nikiasfrieden veran- 
laßten Verwicklungen, die endlich das bündniß zwischen Athen, 
Argos , Mantinea und Elis herbeiführten. Sehr treffend be- 
merkt Busolt auf grund der vorangehenden ausführungen , daß 
dieser vierstaatenbund durch das bestreben veranlaßt worden sei, 
die peloponnesische demokratie mit der seestädtischen zu ver- 
einigen. In der schlacht bei Mantinea, durch die der bund ge- 
sprengt wurde, erblickt er mit vollem recht einen oligarchischen 
sieg. Das verdienst der von Busolt geführten Untersuchung be- 
steht aber nicht nur in dem nachweis , daß der bund seinem 
Charakter nach ein demokratischer war, sondern dieselbe ist auch 
insofern von Wichtigkeit, als manche thatsache in befriedigen- 
derer weise erklärt wird, als dies von selten der Vorgänger ge- 
schehen war. Namentlich sind die motive, durch die die wech- 
selnde politik der Korinthier bestimmt wurde , sehr gut darge- 
legt. Die unthätigkeit der Athener in Thrakien unmittelbar 
nach dem Nikiasfrieden , für die man bisher noch kein zurei- 
chendes motiv gefunden hatte, erklärt Busolt einleuchtender weise 
dadurch, daß ein versuch, den frieden daselbst mit gewalt her- 
zustellen, nothwendig den krieg mit dem argeiischen bund, dem 
damals auch die Korinthier und die chalkidischen Städte ange- 



118 25. Bömisclie geschichte. Nr. 2. 

hörten, zur folge gehabt hätte. Der anschluß Tegeas an Sparta 
Avar, wie Busolt jedenfalls mit recht annimmt, nicht durch die 
feindschaft gegen Mantinea, sondern durch die lakonische gesin- 
nung der oligarchischen regierung bedingt. Unhaltbar scheint 
uns übrigens die p. 131 anmerk. 40 aufgestellte annähme, daß 
der symmachievertrag zwischen Athen und Sparta durch einen 
Schlußartikel dahin erweitert worden sei, daß die beiden contra- 
henten nur gemeinsam krieg führen oder vertrage schließen 
dürften. Die werte : sigrjfXBvov avsv aXXrjXojp fn^te ansiöea&ai tq) 
(ii^tE nolepith (Thtik. V, 39, 3), auf die Busolt diese ansieht 
stützt, sollen wohl nur auf das Thuk. V, 35, 3 und 42, 2 er- 
wähnte versprechen der Spartaner hinweisen , die dem frieden 
nicht beitretenden Staaten gemeinsam mit den Athenern dazu 
zu zwingen. L. Hoha'pfel. 

25. HsciE^OBama no Phmckoh ncTopin npenMymecT- 
BeHHO Bt o6.iacTH xpeTBen /^eKa^ti .^HBm Bjia^HMipa 
ünporoBa. C.-neTepöypr-B 1878. 

(Issljedowanija po Rimskoi istorij preimuschtschestwenno 
w oblasti tretjei dekadüi Liwija Wladimira Pirogowa. S. Pe- 
terb. 1878. Untersuchungen über römische geschichte, insbe- 
sondere auf dem gebiete der dritten dekade des Livius von 
Wladimir Pirogoff. St. Petersburg 1878. 8. 1 bl., II, 
284 p. 2 bl.). 

Das verdienstvolle werk , über dessen Inhalt wir im nach- 
folgenden den lesern berichten, ist, wie aus den citaten des verf. 
hervorgeht, in der russischen litteratur das erste in seiner art. 
Damit soll freilich nicht gesagt sein , daß Rußland in dieser 
beziehung hinter den übrigen litteraturen des ausländes zurück- 
steht, da jene Verbindung philologischer detailuntersuchung und 
historischer combination , welche die neueren deutschen bearbei- 
tungen der antiken geschichte und historiographie charakterisirt, 
bis jetzt bei keinem iinserer nachbarn — etwa mit ausnähme 
der Niederländer — verständniß ixnd nachahmung gefunden hat. 
Wir rechnen es darum dem verf., der sich schon früher (1873) s 
durch seine gehaltvolle dissertation über die quellen des Eutro- \ 
pius bekannt gemacht, zum doppelten Verdienste an, daß er die j 
im historischen seminar der Berliner viniversität empfangenen 1 
anregung folgend, bei seinen landsleuten, deren Interesse sich ■ 



Nr. 2. 25. Römische geschichte. 119 

bisher vorwiegend der vaterländischen, gelegentlich auch wohl der 
byzantinischen geschichte zugekehrt hatte, die kritische methode 
der deutschen alterthumsforschung einzubürgern sucht. 

Pirogoff's buch zerfallt in vier in nur loser Verbindung 
stehende abschnitte, denen er eine ausführliche einleitung voraus- 
schickt, worin eine entwicklungsgeschichte der früheren bearbei- 
tungeu der römischen geschichte sowie eine anziehende Charakteri- 
stik der beiden von dem großen Niebuhr ausgehenden haupt- 
richtungen der geschichtsforschung , der auf die quellen-kritiJ': 
sich concentrirendeu (Nissen, Nitzsch etc.) und der historisch - 
juristischen richtung (Rubino , Mommsen) gegeben wird. Der 
erste und zugleich der bedeutendste abschnitt (p. 7 — 138) ist 
ausschließlich der geschichtsschreibung des zweiten punischen 
krieges gewidmet , über deren verschiedene Vertreter der verf. 
in eben so origineller , als scharfsinniger weise geurtheilt hat. 
Schon die von ihm befolgte methode der Untersuchung ist eine 
von dem größten theile der bisherigen forschungen völlig ab- 
weichende. Während von diesen viel kostbare zeit und mühe 
darauf verwendet wurde, sei es durch die vergleichung mit den 
wenigen erhaltenen f'ragmenten der originalquellen, sei es durch 
beobachtung des Sprachgebrauchs, sei es durch bloße hypothese, 
die persönlichkeit der für Polybius, Livius, Appian etc. maß- 
gebenden gewährsmänner zu ermitteln, steht der verf. von diesem 
versuche von vorneherein grundsätzlich ab. Er hält es für eine 
weit dankbarere aufgäbe, auf grund der zwischen den einzelnen 
darstellungen des hannibalischen krieges bestehenden einschnei- 
denden gegensätze die gesammte auf uns gekommene tradition in 
bestimmt unterschiedene gruppen zu sondern und von diesem 
unzweifelhaft festen punkte aus eine quellen-analyse der dritten 
dekade des Livius zu versuchen. Ausgehend von den schon 
von den früheren erkannten Widersprüchen zwischen einzelnen 
angaben des Polybius auf der einen und Appian, Diodor, Eu- 
trop und Dio Cassius auf der anderen seite, vergleicht der verf. 
diese zwei gruppen erstens in ansehung der von beiden gegebe- 
nen Schlachtenbeschreibungen, zweitens ihrer verschiedenen Stel- 
lung zu der person des Scipio Africanus, drittens hinsichtlich 
ihrer widersprechenden beurtheilung des verhältnißes der Bar- 
kiden zur karthagischen regierung. Er gelangt zu dem resul- 
tate , daß bei Appian und in gewisser beziehung bei Eutrop, 



120 25. Römische geschichte. Nr. 2. 

Diodor und Dio die ursprünglichste form der römischen tradi- 
tion über den hannibalischen krieg, die „römische vulgata", un- 
getrübt erhalten ist , während Polybins mit derselben nicht nur 
die berichte des Silenus und anderer punischer historiker com- 
binirt, sondern auch aus Vorliebe für Scipio Africanus die ge- 
schichte von dessen Unternehmungen , namentlich auf dem Afri- 
kanischen kriegsschauplatze , willkürlich geändert hat. Die an- 
nähme C. Peter's , daß bei Appian die werthlose compilation 
eines späten griechischen „afterhistorikers" {sit venia verhol) vor- 
liegt, wird nach Pirogoff am besten dadurch widerlegt, daß Po- 
lybius nur an solchen stellen , wo er sich der altrömischen tra- 
dition zuwendet, mit Appian übereinstimmt und zwar so, daß 
manchmal beide sich in schroffem gegensatze zu der in einzelnen 
abschnitten des Livius erhaltenen Überlieferung der jüngeren 
römischen annalisten befinden. Dem Polybius sowohl , als der 
römischen vulgata stehen, wie zum theil schon aus dem gesagten 
hervorgeht, Livius, Plutarch und einzelne partieen des Dio Cas- 
sius gegenüber, deren bericht als das resultat einer reihe von 
combinationen und verquickungen verschiedener Überlieferungen 
sich herausstellt. So hat namentlich Livius für die ganze dritte 
dekade neben Polybius auch den Silen in der bearbeitung des 
Coelius Antipater benutzt, außerdem aber auch noch die Ver- 
treter der verschiedensten „Überlieferungsschichten" von Fabius 
Pictor bis zu den annalisten der Sullanischen epoche herab für 
einzelne abschnitte seines werkes verwendet. Die direkte be- 
nutzung des Polybius sucht der verf. auf folgendem — wie uns 
scheint, einzig richtigem — wege darzulegen: da auch die auf- 
fälligsten Übereinstimmungen zwischen Livius und Polybius auf 
die Verwendung einer gemeinsamen quelle zurückgeführt worden 
sind, so gilt es, jene stellen des Livius herauszugreifen, an denen 
der einfluß der kritisch - polemischen excurse des Polybius , die 
für diesen charakteristisch und sein eigenstes eigenthum sind, 
festgestellt wei-den kann. Nun läßt sich aber in der that nach- 
weisen, daß Livius die folgenden excurse des Polybius.- 111,20. 
29 und 30. 47 und 48 gekannt haben muß, weil das in der 
darstellung des Livius zu beobachtende zurücktreten des in den 
Schilderungen des Silenus und Coelius Antipater vorherrschenden ' 
phantastischen elementes seine einzige erklärung darin findet, daß 
die polemischen ausfälle des Polybius gegen jene mythenhaften 



i 



Nr. 2. 25. Römische gescWclite. 121 

erzählungen des Silenus einen bleibenden eindruck auf Livius ge- 
macht haben. Am bedeutsamsten erscheint es dem Verfasser, daß 
in der zum großen theile aus Coelius geschöpften Livianischen Schil- 
derung von Hannibalsalpenübergang gerade jene für Coelius-Silenus 
charakteristischen Übertreibungen fehlen, gegen welche Polybius 
(in, 47. 48) seine scharfe kritik gerichtet hatte, daß ferner diese 
kritik selbst den grundtextund inhalt jener rede bildet, durch welche 
Livius (XXI, 30) den Hannibal die angst seiner Soldaten vor den 
schrecken und gefahren des gebirges beschwichtigen läßt. — 
Auf die bedenken, die sich der von Wölfflin versuchten einfüh- 
rung der streng philologischen methode in die Untersuchung 
über die quellen der dritten Livianischen dekade entgegen- 
stellen , hat der verf. mit nachdruck hingewiesen : mißverstan- 
dene griechische ausdrücke sowohl, als archaistische worte und 
Wendungen können dem Livius ebenso gut durch zweite band, 
als durch Polybius und Coelius Antipater (der schwerlich der* 
einzige archaisirende annalist gewesen) vermittelt worden sein; 
auch darf nicht außer acht gelassen werden, daß die sämmtli- 
chen original - quellen für den zweiten punischen krieg in grie- 
chischer spräche abgefaßt waren. — • Eigenthümlich ist die Stel- 
lung die der Verfasser der von L. Keller aufgestellten hypothese 
der benutzung luba's durch Appian und Dio Cassius gegenüber 
einnimmt. Während die zurückführung der gesammtdarstellung 
des Appian auf luba schon durch die mannichfachen berührungs- 
punkte des Appian mit Eutrop und Diodor ausgeschlossen wird, 
ist es nach der ansieht des Verfassers nicht unwahrscheinlich," 
daß die geographischen , archaeologischen und lexikalischen ex- 
curse des Appian und Dio Cassius dem Sammelwerke des luba 
entlehnt sind , der im anschluß an Soltau auch als quelle des 
plutarchischen Marcellus bezeichnet wird, lieber den gewährs- 
mann des Appian kann nur soviel gesagt werden , daß er dem 
kannibalischen kriege zeitlich sehr nahe stand und mit dem werke 
des Fabius Pictor bekannt war. Dio Cassius hat die tradition 
der römischen vulgata durch einzelne abschnitte des Livius 
lind wenige stellen des Polybius zu ergänzen gesucht. — Aus 
allen diesen ausführungen geht hervor, daß dem Polybius nur 
darum eine größere bedeutiing, als den übrigen quellen des 
kannibalischen krieges zukommt , weil ihm die punischen ge- 
schichtsschreiber und werthvolle mündliche traditioneu zugänglich 
Phüol. Anz. Xn, 9 



122 25. Römische geschichte. Nr. 2. 

gewesen sind; werden aber die Vorzüge zum theil schon durch 
seine Voreingenommenheit für Scipio Africanus und die gewalt- 
thätigkeit der an seinen Vorgängern geübten, oft ganz in die 
irre gehenden kritik aufgewogen, so ist es doppelt angezeigt, 
durch die heranziehung der bei Appian und den ihm verwand- 
ten autoren in ihrer reinsten form erhaltenen römischen vulgata 
die von Polybius-Livius entworfene darstellung zu ergänzen und 
zu berichtigen. 

Indem wir darauf verzichten , der beweisführung des Ver- 
fassers, die nicht in allen punkten eine gleichmäßig strenge und 
überzeugende ist , hier im einzelnen nachzugehen , glauben wir 
nur darauf aufmerksam machen zu sollen, daß die bezeieh- 
nung der quelle des Appian als römischer vulgata schwer- 
lich aufrecht erhalten werden kann, wenn anders darunter eine 
von Fabius Pictor sich wenig entfernende und von ausländischen 
quellen sowohl, als den aufzeichnungen des Scipionenhauses nicht 
beeinflußte Überlieferung verstanden wird. Pirogoff ist ganz im 
rechte, wenn er auf die bei Appian und Dio erhaltenen Über- 
reste altrömischer annalistik hinweist, aber er schießt in seiner 
polemik gegen die bisherige Überschätzung des Polybius weit 
über das ziel hinaus, wenn er das Vorhandensein mehrerer hete- 
rogener bestandtheile in Appian's darstellung leugnet. Bei die- 
sem und Dio Cassius sowohl, als bei Livius und Polybius liegen 
combinationen verschiedenartiger Überlieferungen, freilich combi- 
nationen von sehr abweichender beschaffenheit vor, und wie der 
verf. bei Livius und Polybius den oft unvermittelten Übergang 
von römischen zu punischen, von fabischen zu scipionischen, von 
älteren zu jüngeren traditionen mit glücklichem takte nachge- 
wiesen hat, so wird bei näherer prüfung sich auch für Appian 
und Dio eine ähnliche quellenanalyse als nothwendig heraus- 
stellen. Auf jeden fall ist es freudig zu begrüßen, daß die 
glaubwürdigkeit des Polybius, dessen darstellung bis zum heuti- 
gen tage vielfach als eine art von undiscutirbarer oflPenbarung 
hingestellt wird, von Pirogoif einer abermaligen schonungslosen 
kritik unterzogen worden ist. 

Nicht geringeren werth, als die quellenuntersuchungen des 
verf. besitzt seine im vierten abschnitte gegebene darstellung 
der inneren Verhältnisse Roms während der ersten jähre des 
hannibalischeu krieges, worin die Stellung des C. FlaminiuSj 



Nr. 2. 25. Römische geschichte. 123 

Terentius Varro, Fabius Cunctator zum kämpf der stände von 
zum theile ganz neuem Standpunkte aus erörtert wird. Um ein 
interessantes beispiel herauszugreifen, so weist der verf. ziemlich 
überzeugend nach , daß die traditionelle beurtheilung des Ver- 
hältnisses des consuls Terentius Varro zu seinem collegen Ae- 
milius Paulus der Wirklichkeit nicht entspricht. Während uns 
Livius glauben machen will, daß der zwischen beiden bestehende 
gegensatz ein rein politischer , mit der Spannung zwischen der 
demokratischen und senats-partei sich deckender gewesen sei, war 
nach Pirogoff Varro nicht sowohl der Vertreter der demagogie, als 
vielmehr der Stimmführer jener großen unter den plebejern, 
wie im Senate gleich stark vertretenen partei, die 
an stelle der langweiligen kriegführung des Fabius ein energi- 
sches losschlagen auf die Punier verlangte. Diese partei muß 
sogar zuletzt im senate die oberhand gewonnen haben, da beide 
consuln vor ihrem abgang nach Apulien den auftrag erhielten, 
den krieg nicht mehr länger hinauszuziehen, sondern einen ent- 
scheidenden schlag zu wagen (App. ' Aw. 17). Es war ganz 
correkt , wenn Varro diesem aviftrage folge gab , wobei er sich 
zudem im einvernehmen mit der majorität des aus Senatoren be- 
stehenden kriegsrathes befand, durch welchen der senat seinen 
einfluß auf die kriegführung geltend machte (App. ^Avv. 18). 
Ferner steht auch der äußerst herzliche dem Varro nach der 
Schlacht bei Cannae durch den senat bereitete empfang, die drei- 
jährige Verlängerung seines Imperiums, die von ganz besonderem 
vertrauen des Senates zeugende Übertragung einer außerordent- 
lichen militärischen mission gegen das aufständische Arretium 
im jähre 208, endlich seine mehrfache Verwendung als gesandter 
mit Mommsens charakterisirung des Varro als eines „rohen, un- 
verschämten" demagogen und „beiden von der gasse" in be- 
denklichem contraste. — Wie die bedeutung des Varro als po- 
litischen Parteiführers überschätzt und falsch aufgefaßt wurde, 
so hat andererseits die bedeutsame figur des consuls C. Flami- 
nius nach der ansieht des verf. bisher noch nicht die verdiente 
beachtung gefunden. Er war der unversöhnlichste feind, der 
jemals gegen die römische aristokratie aufgestanden und dieser 
doppelt gefährlich, weil er, wie einst Fabricius und Curius Den- 
tatus sich an die spitze der unzufriedenen kleinen grundbesitzer 
stellte. Die auspicien hat Flaminius nicht aus religiösem ratio- 

9* 



124 BibliograpHe. Nr. 3. 

nalismus mißaclitet, sondern hat sich gegen dieselben als eine 
gesetzwidrige bevormundung der consuln und behörden durch 
das patricierthum aufgelehnt. Wenn er aber durch seine poli- 
tischen und socialen reformen den namen eines der genialsten 
Staatsmänner der republik verdient hat, so ist es eben so gewiß, 
daß er der böse genius seiner Vaterstadt gewesen ist. Indem 
er zum ersten male die agrarische frage als ein Werkzeug poli- 
tischer agitation verwendete und wenigstens indirekt den ersten 
anstoß zu dem kämpfe der Latiner und Italiker um das römi- 
sche bürgerrecht gegeben, hat er Roms innere politik in jene 
bahnen gelenkt, die zu keinem anderen ziele als zur socialen 
revolution und zum bürgerkriege , in letzter linie zur begrün- 
dung des Caesarenthums führen konnten. 

Vermochten wir auch im vorausgehenden nur eine flüchtige 
skizze von dem reichen inhalte des Pirogoff'schen buches zu lie- 
fern, so hat diese doch vielleicht hingereicht, um die leser den 
Scharfsinn und die combinationsgabe des verf. und die wissen- 
schaftliche bedeutung seiner Untersuchungen erkennen zu lassen. 

H. Haupt. 



Bibliographie. 

Weitere berichte über die Versteigerung der Sunderland- 
oder Blenheim-bibliothek (s. PhAnz. XI, 12, p, 593) giebt Bör- 
senbl. 1881, nr. 300. 

Von „H inrichs' repertorium über die nach den halb- 
jährlichen Verzeichnissen erschienenen bücher, landkarten etc." 
liegt jetzt , von der bewährten band von Eduard Baldamus be- 
arbeitet, ein neuer band über das lustrum 1876 — 80 vor. Man 
findet in diesem repertorium nach der systematischen Ordnung 
von 23 hauptabtheilungen, die sich wiederum in circa 350, be- 
ziehungsweise mehr denn 600 unterabtheilungen der speciellsten 
art classificiren , die gesammten erscheinungen aus dem genann- 
ten Zeiträume, sodaß mit hilfe eines noch beigefügten Sach- 
registers, das ungefähr 1500 Schlagwörter aufweist, kaum ein 
einschlägiges problem, das aus dem täglichen verkehr an den 
sortimenter gestellt wird, ohne prompte und bequeme erledigung 
bleiben kann. Es darf also dies repertorium empfohlen werden. 
Vrgl. Börsenbl. 1882, nr. 0. 

Leipzig. lieber den deutschen buchhandel im jähre 1880 
giebt der bericht der Leipziger handelskammer , welcher erst 
jetzt erschienen ist, auskunft. Die zahl der buchhandlungen, 
welche über Leipzig verkehren, hat sich gegen das Vorjahr um 



Nr. 3. Bibliographie. 125 

200 vermehrt. Leipzig zählte 1879 131 commissionaire mit 
4984 committenten, 1880 ebenso viel commissionaire, 5184 com- 
mittenten, während der gesammte deutsche buchhandel mit ein- 
schluß der deutschen handlungen im auslande von 5540 auf 
5750 firmen gestiegen war, die sich auf 1333 städte vertheilen. 
Davon kamen auf das deutsche reich 4376 firmen in 987 Städten, 
auf Luxemburg 2 firmen in 7 Städten, auf Oesterreich 207 fir- 
men in 648 Städten , in den übrigen europäischen Staaten 1 44 
filmen in 630 städten, in Amerika 25 in 78, in Afrika 3 in 4, 
in Asien 4 in vier , in Australien 3 in 3 städten. 98 waren 
filialen, von den übrigen 5652 firmen beschäftigten sich 1270 
nur mit verlagsbuchhandel , 202 nur mit kunstverlag, 140 nur 
mit musikalienverlag, 112 mit kunstsortiment , 133 mit musika- 
liensortiment, 133 mit antiquariat, 3543 mit verschiedenen zwei- 
gen. Dazu kamen noch 144 expeditionen resp. redactionen. 
Von den 3543 firmen mit verschiedenen zweigen sind die mei- 
sten hauptsächlich Sortimentsbuchhandlungen, führen aber theils 
antiquariat, theils colportagehandel , kunstsortiment, landkarten- 
bandel, lehrmittelhandel , musikinstrumentenhandel , papier- und 
Schreibmaterialienhandel. 1070 sind zugleich leihbibliotheken, 
462 musikalienleihinstitute. Der verlagshandel hat 485 publica- 
tionen mehr als 1879 aufzuweisen; am stärksten ist die ziinahme 
in der pädagogik, eine Wirkung der Puttkamer'schen Orthogra- 
phie, dagegen ist die rechtswissenschaft um zweidrittel des ma- 
ßes zurückgegangen , um welches sie im Vorjahre in folge des 
erscheinens der Justizgesetze gewachsen war. Im ganzen steigt 
die production von jähr zu jähr. Ob auch das bedürfniß nach 
büchern im gleichen maße stetig zunimmt, läßt sich nicht so ein- 
fach feststellen. — Augsb. allg. ztg. 1882, beil. zu nr. 6. — 
Wenn man auf die klagen der buchhändler hört, so müßte man 
allerdings glauben, daß das bedürfniß nach büchern im publicum 
der production nicht entspräche : allein auf solche klagen ist 
nicht viel zu geben : jeder der handelt klagt, und lügt, weil er 
unersättlich ist; dagegen darf man wohl annehmen, daß in ein- 
zelnen kreisen der literatur das kauflustige publicum sich stetig 
verkleinert und zu diesen kreisen gehören in Deutschland jetzt 
alle, welche um die förderung der gelehrten forschung sich be- 
mühen. Schlimm für Deutschland! 

Ln englischen buchhandel erschienen im jähre 1881, 
dem ^^Publishers' Circular'-'' zufolge, einschließlich der neuen auf- 
lagen 5406 neue werke gegen 5708 im vorhergehenden jähre. 
Von der gesammtzahl kamen 744 neue bücher und 201 neue 
auflagen auf theologische werke; 539, beziehungsweise 143 auf 
Unterrichts-, classische und philologische werke ; 392, bezw. 108 
auf Jugendschriften ; 446, bezw. 218 auf romane und novellen; 
136, bezw. 26 auf politische und volkswirthschaftliche , sowie 
gewerbe und handel betreflfende werke; 169, bezw. 64 auf 



126 Bibliographie. Nr. 3. 

reclitskunde, Jurisprudenz u. s. w. •, 344, bezw. 108 auf kunst, wis- 
senscliaften und illustrirte werke; 200, bezw. 91 auf reisebe- 
schreibungen und geographische forschungen ; 356, bezw. 81 auf 
geschichtliche und biographische werke ; 111, bezw. 37 auf poesie 
und drama; 335, bezw. 4 auf Jahrbücher und periodische Schrif- 
ten; 108, bezw. 56 auf medicinische und chirurgische werke; 
149, bezw. 98 auf belletristische werke, essays, monographien 
u. s. w. , und 185, bezw. 51 auf verschiedene andere publica- 
tionen, wie flugschriften u. s. w. — Börsenbl. nr. 14. Augsb. 
allg. Ztg. 1882 beil. zu nr. 13. 

Der herzog von Hamilton hat, wie die „Times" erfährt, be- 
schlossen, seine in Hamilton palace aufbewahrte prächtige bib- 
liothek und manuscriptensammlung , welche literarische schätze 
enthält, die an werth selbst die der berühmten Sunderland- oder 
Blenheim - bibllothek übertreffen, sobald als möglich unter den 
hammer zu bringen. — Börsenbl. nr. 14. Weitere nachrichten 
über diese bibliothek finden sich Börsenbl. nr. 26. 

„Die bibliothek und der lesesaal des brittischen museum" 
ist ein aufsatz in Treitschke's preußischen Jahrbüchern 1881 
überschrieben, der sehr lesenswerth auch in das Börsenbl. nr. 
24. 26. 32 übergegangen. 

Aus Janssen' s geschichte des deutschen volks, bd. I theilt 
Börsenbl. nr. 44. 48 unter der Überschrift „die Verbreitung der 
typographie und des buchhandels vom ausgange des mittelalters" 
einen abschnitt mit. Dabei verweisen wir auf H. Baumgarten's 
besprechung von Janssens buch in Augsb. allg. ztg. 1882 beil. 
zu nr. 39. 

Der zweite theil von J. Jolowicz in Posen katalog „clas- 
sische Philologie" wird im RAnz. nr. 51 besprochen. 

Folgende notiz aus dem Börsenbl. nr. 50 dürfte auch un- 
sern lesern nicht uninteressant sein. Die bekannteren Berliner 
blätter finden nämlich, soweit es sich um den postdebit, also 
um die auswärtigen leser handelt, nach einem ausweis vom 
letztverflossenen quartal nachstehende Verbreitung. Den reigen 
eröffnet das liberale „Berliner tageblatt" mit 34,721 exemplaren. 
Der „Kladderadatsch" hat 15,064 postabonnenten , der conser- 
vative „Eeichsbote" 9428 , die „Berliner börsen-zeitung" 7877, 
das liberale ,, Deutsche reichsblatt" 7043, die „Berliner gerichts- 
zeitung" 7023 , das ultramontane „Schwarze blatt" 6641 , die 
„Kreuzzeitung" 6352, die „Tribüne" 6018, die „Nationalzeitung" 
5624, die „volkszeitung" 4762, die „Vossische zeitung" 4445, 
die „Norddeutsche allgemeine zeitung" 4341, der „Berliner bör- 
sen-courier" 4238, die „Germania" 3887, der „Reichs- und 
Staatsanzeiger" 3709, das „Kleine Journal" 2787, die „Berliner 
zeitung" 2358, die „Neue börsenzeitung" 1862, die „Berliner 
wespen" 1812, die „Bank- und handelszeitung" 1740, die „Wahr- 
heit" 1394, die „Staatsbürgerzeitung" 1083, das „Berliner frem- 



Nr. 3. Bibliographie. 127 

deublatt" 948, die „BerÜne^^ iieuigkeiten" (jetzt „Berliner presse") 
430, die „Ostendzeitung" 196, der „Berliner figaro" 188. 

Commentaria in Aristotelem graeca edita consilio 
et auctoritate academiae litterar um regiaeBorussicae. 
Nach beendigung der in fünf bänden abgeschlossenen Aristoteles- 
ausgabe hat die hiesige königliche akademie der Wissenschaften 
im anschluß hieran eine ausgäbe der griechischen Aristoteles- 
commentare unternommen, deren erste bände demnächst in mei- 
nem Verlag erscheinen, nämlich : Vol. IX Simplicii in Ari- 
stotelis physicorum libros I — IV edidit Hermannus Diels 
preis: 27 mark. — Vol. XI Simplicii in libros Aristote- 
lis de anima edidit Michael Hayduclc preis: 12 mark. — Die 
redaction des Unternehmens leitete anfangs prof. dr. A, Torstrik 
(Bremen) , der auch im auftrage der akademie das in Italien, 
Spanien , Frankreich , England vorhandene handschriftliche ma- 
terial katalogisierte. Nach seinem 1877 erfolgten tode trat Ober- 
lehrer dr. H. Diels (Berlin) an seine stelle. — Zweck des Un- 
ternehmens ist es, die meist seitdem 16. Jahrhundert nicht wie- 
dergedruckten und selten gewordenen texte der griechischen 
Aristoteleserklärer durch urkundliche und handliche ausgaben 
zu ersetzen. Daneben wird auch einzelnes ungedruckte seine 
erstmalige publication finden. Die Varianten der maßgebenden 
handschriften sowie die uöthigen nachweise der citate werden 
unter den text gesetzt. Am ende jedes bandes folgen indices 
nominiim und verborum ; letzterer, mehr oder weniger ausgeführt 
nach der bedeutung der schrift, wird außer den ueubildungeu 
und sonstigen abweichungeu von der älteren gräcität hauptsäch- 
lich die terminologie in's äuge fassen. — Die ganze Samm- 
lung ist vorläufig auf 25 bände im format dieser 
ankündig ung berechnet, die in beliebiger reihen- 
folge, sobald der druck irgend eines bandes vol- 
lendet ist, er scheinen und ein zel n verkauf lic h sind. 
Wenn ein band mehrere einzelcommentare enthält, werden auch 
diese , soweit es irgend thunlich ist , getrennt veröffentlicht und 
verkauft. — Diejenigen Schriften, welche nicht die form des 
commentars oder der paraphrase haben, aber dem Inhalte nach 
zur erläuterung der Aristotelischen Schriften dienen (z. b. Alex- 
ander de anima, de mixtione u. a.), können in dieser Sammlung 
nicht aufgenommen werden. Sie werden platz finden in dem 
von der akademie geplanten Supplementum Aristotelicum, 
das auch sonstige für die Überlieferung des Aristoteles wichtige 
Schriften aufnehmen soll. — Uebersicht über die vertheilung der 
einzelnen commentare. * = in Vorbereitung, ** = im drucke oder 
zum drucke eingereicht, f = wird in kurzem ausgegeben. *I. 
Alexander in Metaphysica; **II. 1. Alexander in Priora Ana- 
lytica ed. M. Wallies, *2. Alexander in Topica, 3. Alexander 
(Michael Ephesius) in Sophisticos eleuchos ; III. 1 . Alexander de 



12^ BibliograpMe. Nr. 3 

Sensu, 2. Alexander in Meteora; *IV. 1. Porpliyrü Isagoge, in 
Categorias; *2. Dexippus in Categorias, 3. Hermiae Protheoria. 
Ammonius in Porphyrii V voces, 4. Ammonius in Categorias, 
5. Ammonius de interpretatione ; V. 1. Themistius in Analytica 
Posteriora, 2. Themistius in Physica, 3. Themistius de Anima, 
4. Themistius (Sophonias) in Parva Naturalia, 5. Themistius de 
Coelo (ex hebr. in lat. Ven. 1574) et 1. XII {A) Metaph. (ex 
hebr. in lat. Ven. 1558)-, VI. l. Syrianus in Metaphysica, *2. ■ 
Asclepius in Metaphysica; *VII. Damascii naQsxßolai. Simpli- 
cius de Caelo; *Vin. Simplicius in Categorias; flX. Simplicius 
in Phys. I— IV, *X. Simplicius in Phys. V— VIII ed. H.Diels; 
fXI. Simplicius de Anima ed. M. HayducJc-^ XII. 1. Olympiodori 
Prolegomena in Categorias, 2. Olympiodori in Meteora; XIII. 1. 
loannes Philoponus in Analytica Priora cum Anonymo, 2. loan- 
nes Philoponus in Analytica Posteriora c. Anon. ; XIV. 1. loan- 
nes Philoponus in Meteora, 2. loannes Philoponus de Genera- 
tione et corruptione, 3. loannes Philoponus de Generatione ani- 
mantium; XV. loannes Philoponus de anima cum Anonymo; 
**XVI. loannes Philoponus in Physica ed. H. Vitelli; XVII. lo- 
annes Philoponus in Metaphysica; * XVIII. 1. David (Elias) in 
V voces, *2. Davidis Prolegomena et in Categorias; *3. Stepha- 
nus de Interpretatione ; XIX. Aspasius, Michael, Eustratius, Ano- 
nymus in Ethica. Heliodorus Prusensis; XX. (Andronicus) pa- 
raphrasis Ethicorum; XXI. 1, Eustratius in Analytica II Post, 
cum Anonymo, 2. Anonymus Neobarii et Stephanus in Ehetorica ; 
XXII. 1 — 5. Michael Ephesius ; XXIII. **1. Sophonias de Anima, 
**2. Paraphrasis in Categorias ed M. Hayduck, 3. [Themistius] 
in Priora Analytica , 4. Paraphrasis in Sophisticos elenchos ; 
XXIV. Leo Magentinus ; XXV. Varia incertorum commentaria. 

— Berlin märz 1882. — G. Reimer. 

Ausgegeben sind : Neuer bücherverlag von Breithopf und 
Härtet in Leipzig. Prospect: historisches taschenbuch, begründet 
von Fr. v. Raumer, herausgegeben von W. Maurenbrecher. Sechste 
folge, Jahrg. 1 , verlag von Fr. A. Broclchaus in Leipzig ; ver- 
lagsbericht von Fr. A. Perthes in Gotha. 

Verzeichniß der von T. O. Weigel in Leipzig debitirten 
werke ausländischen verlags: Theologie. — Sprachwissenschaft. 

— Geschichte. 

Es beginnt zu erscheinen : Eevista Germanica de litterature, 
artes et sciencias unter redaction von Ximenes und Monaste- 
rios, Leipzig; hft. 1 vom 1. märz liegt vor und zeigt nament- 
lich im titel höchst merkwürdige buchstabenformen. 

Die Fr. Lintz'sche buchhandlung in Trier macht bekannt 
Preisherabsetzung der Jahrgänge 1 — 6 der Monatsschrift für die 
geschichte Westdeutschlands mit besonderer berück- 
sichtigung der Eheinlande und Westfalens, herausgegeben von 
Richard Pich. Ferner kündigt sie an, daß vom 1. jan. 1882 



Nr. 3. Bibliographie. 129 

an in ihrem verlag erscheine an stelle der eben erwähnten mo- 
natsschrift : „Westdeutsche Zeitschrift für geschichte und kunst", 
daneben ein „Korrespondenzblatt der westdeutschen Zeitschrift 
für geschichte und kunst", wovon die erste nummer 1. Januar 
1882 ausgegeben. 

Kataloge von antlquaren: catalog nr. 70 des antiquarischen 
bücherlagers von Joseph Joloivica in Posen, classische philologie; 
Rheinisches buch- und kunst- an tiquariat {diw N ölte) in Bonn 1882 
ur. 1. Bibliotheca Ciceroniana; nr. 2. Scriptores Graeci. II. 
Pollux — Zosimos; bücherverzeichniß 71 von Simmel et co. in 
Leipzig : classische philologie. II. Lateinische autoren ; antiqua- 
rischer catalog von Ferdinand Steinkopf in Stuttgart, nr. 285, 
classische philologie (meist seltene werke): nr. 294 griechische 
classiker, nr. 297 lateinische classiker ; verzeichniß (III) anti- 
quarischer bücher bei Carl Steyer in Cannstadt; verzeichniß (89) 
des antiquarischen bücherlagers von C. Th. Völcker , in Frank- 
furt a/M. , literatur und gelehrtengeschichte , nr. 92 philologie 
und deren hülfswissenschaften. 

Antiquarischer anzeiger von C. Th. Völker's verlag und an- 
tiquariat in Frankfurt am Main, nr. 14. 1882. 

Verzeichniß der wichtigeren pnblicationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft. 1882. IL 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

77. Aristotelis politicorum über I, ex rec. Mar. Schmidt. Jena 
1881. 4. 21 p. 50 pf. 

78. Arnold, Franklin, quaestionum de fontibus Appiani specimen. 
Königsberg 1881. 8. (Diss.) 30 p. 80 pf. 

79. Bibliotheca philologica oder geordnete Übersicht aller auf 
dem gebiete der classischen alterthumswissenschaft wie der älteren 
und neueren Sprachwissenschaft in Deutschland und dem ausländ neu 
erschienenen bücher. Hrsg. von -E. Ehrenfeuchter. 34. jahrg. Heft 1 
Jan. — juni. Göttingen 1881. 8. 2 mk. 20 pf. 

80. Bibliothek der kirchenväter. Auswahl der vorzüglichsten 
patristischen werke in deutscher Übersetzung hrsg. unter Oberleitung 
von dr. Vale?itin Thcdhofer. Bdch. 860—367. 360—2: Chrysostomus 
ausgewählte werke. (.5. bd. p. 193—480.) 363. 64: Die briefe der 
päpste (bd. 7. p. 198 — 368). 365. Basilius' ausgewählte Schriften (bd. 8, 
p. 273—384). 366 — 387. Gregor's von Nyssa ausgewählte Schriften 
(2. bd., p. 385—599). Kempten 1882. 16. ä 40 pf. 

81. Bibliothek indogermanischer grammatiken bearb. v. F. Bue- 
cheler , B. Delbrück , K. Foy etc. Bd. 4 : Introduction to the study 
of language: a critical survey of the history and methods of compa- 
rative philology of the indo- european languages. By B. Delbrück. 
Authorized translation with a preface by the author. Leipzig 1882. 
8. XIV, 142 p. 4 mk. 

82. Birt, Theodor, das antike buchwesen in seinem Verhältnisse 
zur litteratur. Mit beitragen zur textgeschichte des Theokrit, Catull, 
Properz und andrer autoren. Berlin 1882. 8. VII, 518 p. 12 mk. 

83. Caesaris , C. lulii , commentarii de hello Gallico. Für den 
schulgebrauch erklärt von JS. Walther. Heft 1. Liber 1. u. 2 nebst 
einer einleitung und 8 karten. Paderborn 1881. 8. IV, 99 p. 
1 Ulk. 30 pf. 



130 Bibliograpliie. Nr. 3. 

84. Conze, A., C. Humann , R. JBohn, die ergebnisse der aus- 
grabuugen zu Pergamon 1880—1881. Vorläufiger bericht. Mit 4 ta- 
feln. Berlin 1882. fol. (Aus Jahrbuch der preuß. kunstsammlungen. 
Jahrg. II.) 8 mk. 

85. Beliehen, Fridr., de Theoxeniis. Addita est tabula. Berlin 
1881. 8. 56 p. (Dias.) 2 mk. 

86. Dissertationes philologicae Argentoratenses selectae, vol. V. 
Straßburg 1881, 8. III, 365 p. (Inhalt: Frid. Hanssen, de arte me- 
trica Commodiani p. 1—90. — Bernhardus Deipser, de P. Papinio 
Statio Vergilii et Ovidii imitatore. Accedit appendix critica, p. 91 
— 226. Georgius Wuest , de clausula rhetorica quae praecepit Cicero 
quatenus in orationibus secutus sit, p. 227—328. Augustinus Pohl, 
de oratione pro Polystrato Lysiaca, p. 329—365. 

87. Droysen, Hans, Athen und der westen vor der sicilischen 
expedition. Berlin 1882. 8. 59 p. 1 mk. 50 pf. 

88. Ellendt , Friedr. , lateinische grammatik bearb. von Mor. 
Seyffert. 24. aufl. von M. A. Seyffert und H. Busch. Berlin 1881. 
8. XII, 340 p. 2 mk. 40 pf. 

89. Fabricius, Ernst, de architectura Graeca commentationes epi- 
graphicae. Adiecta est tabula. Berlin 1881. 8. III, 86 p. 2mk.40pf. 

90. Hense, C. C, lateinische Stilistik für obere gymnasialklassen. 
Parchim 1881. 8. VIII, 214 p. 2 mk. 

91. Heydemann, Heinr, , Gigantoraachie auf einei* vase aus Alta- 
mura. Halle 1881. 4. (Hallisches Winckelmannsprogr.). 2 mk. 

92. Lagarde, Paul de, ankündigung einer neuen ausgäbe der 
griechischen Übersetzung des alten testaments. Göttingen 1882. 8. 
64 p. 3 mk. 

93. Lycophronis Alexandra rec. Fd. Scheer. Vol. I Alexandra 
cum paraphrasibus ad codicum fidem recensita et emendata indices 
subiecti. Berlin 1881. 8. XXXII, 148 p. 5 mk. 

94. Matz , Fridr. , antike bildwerke in Rom mit ausschluß der 
größeren Sammlungen beschrieben. Nach des verf. tode weitergeführt 
u. hrsg. von F. v. Dtthn. Gedruckt mit Unterstützung des kaiserlich 
deutschen archaeolog. Instituts. 3. (schluß-)band. Reliefs und son- 
stiges. Mit registern und karten. Leipzig 1882. 8. VI, 348 p. 9mk. 

95. Meyer, Wilh. , die geschichte des kreuzholzes vor Christus. 
München 1881. 4. 66 p. (Aus abh. d. bayer. akad.). 

96. Mommsen , Theod., römische geschichte. 2. bd. Von der 
Schlacht bei Pydna bis auf Sulla's tod. 7. aufl. Berl. 1881. 8. VIII, 
464 p. 5 mk. 

97. Nietzki, Max, de Thucydideae elocutionis proprietate quadam 
unde ducta quomodo exculta quatenus imitando efficta sit. Königs- 
berg 1881. 8. 68 p. 1 mk. 50 pf. 

98. Opera patrum apostolicorum. Textum rec. adnot. crit. exeg. 
bist, illustr. , versionem Latin, prolegg. indd. adiecit Franc. Xav. 
Funk. Vol. I. II. (I. Epistulae Barnabae, Clementis Romani, Ignatii 
Polycarpi, Anonymi ad Diognetum , Ignatii et Polycarpi martyria; 
Pastor Hermae, Ed. post Hefelianam quartam V. Tübingen 1878. 8. 
CXXXI, 612 p. 10 mk. II. Clementis Rom. epistulae de virginitate 
eiusdemque martyrium; epistulae Beudoignatii Ignatii martyria tria. 
Vaticanum, a S. Metaphraste conscriptum, latinum. Papiae et senio- 
rum apud Irenaeum fragmenta Polycarpi vita. ib. 1881. LVIII, 
371 p. 8 mk. 

99. Plauti, T. Macci, Menaechmi, in usum lectionum suarum ed. 
Joh. Vahhn. Berlin 1882. 8. 99 p. 2 mk. 

100. Fhilippson, Robert, de Philodemi libro qui est niqt aij^fimv 



Nr, 3. Bibliographie. 131 

xat (StifitiMetuiv et Epicureoriim doctrina logica. Berlin 1881. 8. 
Diss. 1 ink. 50 pf. 

101. Ranke, Leopold von, Weltgeschichte. 1. u. 2. aufl. 2. theil 
die römische republik und ihre Weltherrschaft. 2. abth. Leipzig 
1882. 8. VI, 413. IV, 41G p. 20 mk. 

102. Richter, Rieh., Catulliana. Leipzig 1882. 4. 1 mk. 20 pf. 

103. Snalfeld, G. Ä. , Italo-graeca. Kulturgeschichtliche studio 
auf Sprachwissenschaft], grundlage gewonnen. Heft 1. Vom ältesten 
verkehr zwischen Hellas und Rom bis zur kaiserzeit. Hannover 1881. 
8. 49 p. 1 jnk. 

104. Schindler, Hermann, observationes criticae et historicae in 
Terentium. Diss. inaug. philologica Halle 1881. 8. 53 p. Imk. 20pf. 

105. Schwann, Fr. .J., wo war das lager der 1. u. 20. legion zur 
zeit des Germanicus. Erwiderung an prof. H. Duentzer auf die kritik 
meiner schläft : der Godesberg und die Ära Chiorum des Tacitus in 
ihrer beziehung zu der Castra Bonnensis. Bonn 1881. 8. 37 p. 50 pf. 

106. Seebaß, Justus , de versuum lyricorum apud Sophoclem re- 
sponsione. Diss. Leipzig 1880. 8. 93 p. 1 mk. 20 pf. 

107. Sepp, Bernh., die Wanderung der Cimbern und Teutonen. 
München 1881. 8. 74 p. 1 mk. 40 pf. 

108. Sophokles, Oedipus Tyrannus für den schulgebrauch erklärt 
\OJi Frdr. Brandscheid. Wiesbaden 1882. 8. VII, 264 p. 2mk.80pf. 

109. Sophokles tragödien zum schulgebrauche mit erklärenden 
anmerkungen versehen von K. IVecklein. 6. bdch. Philoktetes. Mün- 
chen 1881. 8. 88 p. 1 mk. 25 pf. 

110. Stark, K. B., nach dem griechischen Orient. Reise-studien 
nebst einer lith. situationskarte und 1 photolith. tafel. 2. (titel-)ausg. 
Heidelberg 1874. 8. XII, 408 p. 5 mk. 

111. Steig, Reinhold, de Theocriti idylliorum compositione. Ber- 
lin 1882. 8. 47 p. 1 mk. 

212. Studien, leipziger, zur classischen philologie. Hrsg. von G. 
Curtius, L. Lange, 0. Ribbeck, H. Lipsius. 4. bd. 2. heft. p. 157 
—320. Leipzig 1881. 4 mk. 

(Inhalt : Paulus Glaeser, de Varronianae doctrinae apud Plutarchum 
' vestigiis p. 157—224. — Friedr. Adolf Voigt , beitrage zur mytho- 
^^ logie des Ares und der Athena p. 225—315. — G. Curtius, epigra- 
t phische miscellen p. 316—320). 

113. Streißnger , Jos., de syntaxi TibuUiana. Diss. Würzburg 

1881. 8. 49 p. 1 mk. 20 pf. 

114. Warnkroß, Max, de paroemiographis capita duo. Diss. 
Gryphiswaldiae 1881. 8. 64 p. 1 mk. 20 pf. 

115. Weißenborn, Herm. , die Übersetzungen des Euklid durch 
Campano und Zamberti. Eine mathematisch - histor. studie. Halle 

1882. 8. 71 p. 1 mk. 

116. Winckelmaym , Joh. Joach., geschichte der kunst des alter- 
thums nebst einer auswahl seiner kleineren Schriften. Mit einer bio- 
graphie Winckelmanns und einer einleitung vers. von Jul. Lessing. 
2. aufl. Leipzig 1882. 8. XXXU, 387 p. 4 mk. 

Skandinavien. 

117. Aars, J., Sokrates skildret gjennem oversaettelser af Piaton 
med indledning og anmaerkninger. Med et fotografi af Sokrates IV. 
4 bl. 303 p. Kristiania 1881. «. 4 kr. 

118. Andrae , P. , via Appia dens Historie og Mindesmaerker. 
Forste bind. Kjobenhavn 1881. 8. 334 p. 6 kr. 

119. Dahl, B., die lateinische partikel ,,ut" eine von der norweg. 
Universität mit der goldenen medaille des kronprinzen belohnte preis- 



162 Bibliographie. Nr. 3. 

Schrift. Universitätsprogr. für 1882. Sem. I hrsg. von /. P. Weiße. 
IV, 304 p. 8. 

Niederlande. 

120. Programma literarium Erasmiani Gymnasii. Erasmiana 
scripsit J. B. Kan. Accedunt tabulae Erasmi testamentum et notarii 
publici testimonium photolith. reddita eshibentes. De elocutione rhe- 
torica qualis invenitur in Annaei Senecae suasoriis et controversiis 
scripsit H. T, Karsten. Roterodami 1881. 4. 50 fl. 

England. 

121. Aristotle on the parts of animals. Translated with intro- 
duction and notes by W. Ogle. London 1882. 280 p. 12 sh. 6 d. 

122. Euripides' Troades. With revision of text and notes chiefly 
intended for schools. By Robert Yelverton Tyrrell. Dublin 1882. l2. 
118 p. 4 sh. 

123. Homer's Odyssey. Edited with marginal references various 
readings notes appendices and 3 facsimile plates. Vol. 3. Books 13 
to 24. London 1882. 8. 740 p 24 sh. 

124. — — , rendered into English verse by G. A. Schomherg. 
Books 13 to 14. London 1882. 8. 354 p. 12 sh. 

125. Jackson, W. T., Seneca and Kant; or, anexposition of stoic 
and rationalistic ethics with a comparison and criticism of the two 
Systems. London 1882. 12. 109 p. 5 sh. 

126. Mahaffy , J. P, , old greek education. London 1881. 12. 
158 p. 3 sh. 6 d. 

127. Ovidii Nasonis, P., Ibis ex novis codicibus ed. scholia vetera 
commentarium cum prolegomenis appendice indice addidit R. Ellis. 
Oxonii 1881. 8. LXIV, 204 p. 

128. Perry, W. C. , Greek and roman sculpture : a populär in- 
troduction to the history of Greek and roman sculpture. With 286 
illustrations on wood. London 1882. 8. 716 p. 31 sh. 6 d. 

129. Plotinus' works by J. Hunt. Diese falsche angäbe Phil. 
Anzeiger XI, p. 329 beruht auf einem druckfehler im Polybiblion, 
statt: John Hunt, the wards of Plotinus. A novel. Three vols, 

130. PlutarcNs life of Themistokles. With introduction expla- 
natory notes and critical appendix by Hubert A. Holden. London 
1881. 12. 290 p. 5 sh. 

Belgien. 

131. Ciceronis , M. TuUii, pro A. Licinio Archia poeta oratio ad 
iudices. Texte revu et annote par P. Thomas. Mons et Bruxelles 
1881. 12. 35 p. (Collection nationale de classique ä l'usage de l'en- 
seignement moyen.) 

Frankreich. 

132. Aesehylus. Theätre d'Eschyle traduction d' Alexis Pierron. 
9e edition revue et corrigee par le traducteur d'apres les travaux cri- 
tiques et exegetiques de Godefroy Hermann de Guillaume Dindorf, 
de Henri Weil, de Frede'ric Heimsöth etc. Paris 1882. 8. XC, 394 p. 
3 ir. 50 c. (Bibliotheque Charpentier.) 

133. Bertrand, E., de pictura et sculptura apud veteres rhetores. 
(These). Paris 1882. 8. 120 p. 

134. Caesar. Commentaires de lules Cesar guerre des Gaules. 
Nouvelle edition d'apres les meilleurs textes avec une introduction 
des notes un appendice et une carte de la Gaule ancienne par Ch. 
Lebaigue. Paris 1882. 12. XXIV, 311 p. 

135. Charrier, Louis, notice sur les ruines romaines des Beni- 
Ouelban departeraent de Constantine. Paris 1881. 8. 8 p. 15 planches. 



Nr. 3. Bibliographie. 1S3 

136. Cons, H. , la province romaine de Dalmatie. Paris 1882. 
8. XVI, 415 p. et carte. 

137. Ctirtius , E. , Histoire grecque traduite de rallemand sous 
la direction de A. Bouclw-Leclercq. T. 3. Paris 1882. 8. 514 p. 

138. Dumont, Albert et Jules Chaplain , Les Ceramiques de la 
Grece propre; Vases peints et terres cuites. Premiere partie vases 
peints. Paris 1882, 4. 84 p. avec 36 figures et -33 pl. 

139. Duruy , Victor, Histoire des Romains depuis les temps les 
plus recules jusqu'ä l'invasion des barbares. T. 4. d' Auguste a l'a- 
venement d'Hadrien. Paris 1882. 8. 845 p. 15 cartes et pl. 499 
frg. 25 fr. 

140. Forestie, Edouard, de'couverte d'un vase antique en bronze 
incruste d'argent aux environs de Montauban. Montaubanl882, 8, 8 p. 

141. Fourdrignier, Edouard, les casques gaulois ä forme conique, 
rinfluence Orientale. Tours 1882. 8. 31 p. (Aus Comptes ren- 
dus du congres tenu a Arras par la soc. fran9. d'archeologie en sept. 
1880). 

142. Fustel de Coulanges, la cite antique etude sur le culte le 
droit les institutions de la Grece et de Rome. 9, ed. Paris 1882. 18. 
483 p. 3 fr. 50 c, 

143. Girard, Paul, l'Asclepieion d'Athenes d'apres de recentes 
decouvertes. Paris 1882. 8. VIII, 134 p. 4 pl. (Bibliotheque des 
ecoles fran9. d'Athenes et de Rome fasc. 23). 

144. Huit, C, Platou a l'Academie fondation de la prämiere ecole 
de Philosophie en Grece. Paris 1882. 8. VIII, 64 p, 

145. Lecesne, Paul, de l'origine du pagus et du vicus. Est-elle 
gauloise? est-elle romaine':* Tours 1881. 8. 48 p. (Extrait.) 

146. Lenormant, Fran9ois, Histoire ancienne de l'Orient jusqu'aux 
guerres mediques. 9. ed. revue corrigee considerablement augmentee 
et illustree de nombreuses figures d'apres les monuments antiques. 
T, 2 les Egyptiens conten. 228 grav, 9 cartes dont 4 en coul. et une 
pl. en chromolith. Paris 1882. 8. 466 p. 

147. S a Huste , Conjuration de Catilina; Guerre de Jugurtha, fra- 
gments. Nouvelle edition d'apres les meilleurs textes avec une intro- 
duction des notes un index et une carte de la Numidie par Ch. Ze- 
baigue. Paris 1882. 12. XV, 198 p. 

148. Seiqnobos, C, de indole plebis Romanae apud Titum Livium 
(These). Paris 1882. 8. 76 p. 

149. Taciti dialogus de oratoribus edition revue sur les meilleurs 
textes et accompagne de notes grammaticales philologiques et histo- 
riques par E. Dupuy. Paris 1882. 12, VI, 50 p. 

150. Witte, J. de, Situla etrusque de bronze appartenant au 
prince Ladislas Czartoryski. Paris 1881. 4, 11 p. et flg. (Extrait 
de la Gazette archeol.). 

Italien. 

151. S. Ambrosii Mediolanensis episcopi opera omnia ad Medio- 
lanenses Codices pressius exacta cur Paulo Angelo Ballerini. Tomus IV. 
Mediolani 1879. fol, 1031 p. 

152. Aristofane, le nuvole tradotte in versi italiane da Augusto 
Franchetti con introduzione e note di Domenico Comparetti. Firenze 
1881. 16. LIII, 138 p. 2,50 I. 

153. JBindi, Vincenzo, Castel San Flaviano (presse i Romani Ca- 
strum novum) e di alcuni monumenti di arte negli Abruzzi e segna- 
tamente nel Teramano, Studii storici archeologici ed artistici. 2 vol. 
Napoli 1879. 1880. 12. 12 1. 

154. Casalini , Alessandro, le categorie di Aristotile studio. Fi- 
reaze 1881. 8. XIX, 340 p. 8 1. 



134 Bibliographie. Nr. 3. 

155. _ Cavalleri, Francesco Saverio, Thapsos appendice alla memo- 
ria Le Cittä e le opere di escavazione in Sicilia anteriori ai Greci. 
Palermo 1880. 8. 19 p. 1 tav. (dall' archivio storico sicil. n, s. V). 

156. Gentile, le beneficenze di Plinio Cecilio Secondo ai Comensi. 
In Rendiconti del Istituto Lombardo. Serie II, vol. XIV, fasc. XIV. 

157. Gloria, l'agro patavino dai tempi romani alla pace di Co- 
stanza in Atti del Istituto Veneto. Serie V, tomo 7, desp. 10. 

158. Holm, il rinascimento italiano e la Grecia antica: descorso. 
Palermo 1882. (Annuario della Univers, di Palermo). 

159. Motse de Corene, Geographie d'apres Ptoleme'e texte arme- 
nien trad. en franyais par Arsene Soukri. Venise 1881. 8, VIII, 46 p. 

160. Psello, Michele, Versi politici trovati e pubblicati da papas 
Filippo Matranga. Messina 1881. 8. IV, 22 p. 

161. RihoU, Saggio critico sopra Cornelio Tacito in Commentarii 
deir Ateneo di Brescia 1881. 8, 

162. Trousset, Giulio, i pirati antichi e moderni. Milano 1881. 
16. 262 p. 

163. Vallauri, Thomas, Historia critica litterarum Latinarum. 
Ed. XII. Accedit naQSQyov aliquot monumentorum Latini sermonis 
vetustioris. Augustae Taurin. 1881. Iß. 203 p. 1,50 1. 

Beilage (fortsetzung zu Philolog. Anzeiger XI, heft 8, 9, p. 478 ff.). 
A. Schulschriften und Programme (meist aus Süd- 
deutschland und Oesterreich). 1881. 

164. Barta , F. , sprachliche studien zu den Satiren des Horaz. 
II. Theil. Linz 1881. 8. 23 p. 

165. Baß, Josef., Dionysios I. von Syrakus. Wien (staatsgymn. 
im 2. bezirk) 1881. 8. 45 p. 

166. Benedetti , Giorgio, stato della commedia italiana nel Cin- 
quecento coli' aggiunta delle considerazioni dei rapporti della stessa 
coUe Atellane coi Mimi e coUa commedia classica latina. Görz 1881, 
8. 46 p. (Progr. v. Mitterburg.) 

167. Benedict, Anton, über eine mittelhochdeutsche Übersetzung 
der Meditationes des heil. Augustinus. Karolinenthal (Prag) 1881. 
8. 15 p. 

168. Bernd, Friedr., die logik nach Aristoteles und Kant. Wien 
1881. 8. 54 p. (Progr. der Theresian. akademie). 

169. Boldt , Gustav, der genetivus singularis der o - deklination 
bei Homer. Tauberbischofsheim 1881. 4. 16 p. (Teubner no. 586). 

170. Bouvier, Heribert, beitrag zur vergleichenden erklärung der 
Schildepisoden in Homer's Ilias und Vergil's Aeneis. Oberhollabrunn 
1881. 8. 24 p. 

171. Braiienhurg, Robert von, die historischen anspielungen in 
den tragoedien von Sophokles. Prag 1881. 8. 34 p. (Neustädter 
staatsgymn.). 

172. Buenger , G., Aristophanis Ranarum apud Suidam reliquias 
collegit et disposuit. Freiburg i. B. 1881. 4. (Teubner no. 522). 

173. Cammerer, Clemens, Quaestiones Thucydideae: de orationi- 
bus directis operi Thucydideo insertis. Burghausen 1881. 8. 20 p. 

174. Christ, A. Th., über die art und tendenz der luvenalischen 
personenkritik. Landskron 1881. 8. 23 p. 

175. Degenhari, J., kritisch-exegetische bemerkungen zu Cicero's 
schrift de natura deorum. Aschaffenburg 1881. 8. 68 p. 

176. Mnhauser, J. Ev. , die drei Spiranten der griechischen 
spräche. Landshut 1881. 8. 61 p. 

177. Faust, Studien zu Euripides. Altkirch 1881. 4. 31 p. 
(Teubner no. 444). 



Nr. 3. Bibliographie. 135 

178. Frey, Joseph, adnotationes gramraaticae et criticae ad M. 
Tullii de divinatione libros. Königsberg in Ostpreuß. 1881. 4. 10 p. 
(Progr. V. Roessel). (Teubner no. 10). 

169. Fritz , Aug. , zur frage der verwerthung der etymologie in 
der schule. Hörn 1881. 8. 72 p. 

180. Grimm, A. H. , anapaestos eos qui sunt in Vespis Aristo- 
phanis inde ab versu 1015 upque ad v. 10.50 enarravit. Schwerin 
1881. 4. 18 p. (Progr. des Fridericianum). (Teubner no. 563). 

181. Hauschild, G. R., die grundsätze und mittel der Wortbildung 
bei Tertuliian. Frankfurt a. M. 1881. 4. 56 p. (Stadt, gymn.). 
(Teubner no. 334.) 

182. Hoher, Matris ein beitrag zur quellenkritik Diodor's. Tü- 
bingen 1881. 4. 26 p. (Teubner no. 515.) 

183. Jnrenka, Hugo, beitrage zur kritik der Ovidischen heroiden. 
Wien 1881. 8. 32 p. (Staatsgymn. im 8 bezirk.) 

184. Keller , Chr. , zu lulius Firmicus Maternus dem astrologen. 
Erlangen 1881. 8. 43 p. 

185. Kerer, Anton, über die abhängigkeit des C. Silius Italiens 
von Livius. Bozen 1881. 8. 49 p. 

186. Kern, Hans, zum gebrauch des ablativ bei Vergil. Schwein- 
furt 1881. 8. 45 p. 

187. Kindelmann, Thomas, der philosophische gehalt des mythus 
in Platon's Phaedrus dargelegt mit rücksicht auf seine seelenlehre. 
Kremsier 1881. 8. 35 p. 

188. Klohüsa , Rud. , die von Aristoteles in der poetik für die 
tragödie aufgestellten normen und ihre anwendung auf die tragödien 
des Sophokles. Olmütz 1881. 8. 27 p. 

189. Ktiabenhauer, Frauz Xaver , Orakel und prophetie. Passau 
1881. 60 p. 

189a. Königs, über Platon's kunstanschauung. Schluß, Saarge- 
münd 1881. 4. 20 p. (Teubner no. 439). 

190. Kraut, K., über das vulgäre element in der spräche des 
Sallustius. Blaubeuren 1881. 4. 12 p. (Teubner no. 507.) 

191. Krebs, Franz, die praepositionen bei Polybius. Theil I. 
Würzburg 1881. 8. (Neues gymn. zu Regensburg). 61 p. 

692. Kummerer, .J. R., zum gebrauche des griechischen imperativ 
Aoristi. Brunn 1881. 8. p. 1-10. 

193. Lahhardt, Theob., Quae de ludaeorum origine iudicaverint 
veteres. Augsburg 1881. 46 p. (Gymn. zu St. Stephan.) 

194. Landgraf, Gustav, siehe Thielmann, Phil. 

195. Lazarewicz, Flores Homerici sive loci memoriales ex Homeri 
carminibus selecti cum brevi commentario et appendice. Leipzig 1881. 
8. 102 p, (Progr. von Culm). (Teubner no. 18). 

196. Lehmami, Julius, probe aus einer Übersetzung des Livius. 
Buch XXIX. Kempten 1881. 8. 39 p. 

197. Leist , 0., der Anticlaudianus (forts.). Stendal 1881. 4. 
p. 33-56. (Teubner no. 214). 

198. Loewner, H. , die herolde in den homerischen gegangen, 
Eger 1881. 8. 26 p. 

199. Lukas, Georg, das häusliche leben in Athen zu den zeiten 
des Aristophanes auf grund der in den komödien des dichters gege= 
benen andeutungen. II. abth. Weidenau 1881. 8. 43 p. 

200. MajcJirowicz , Franc. , de auctoritate libelli Plutarchei qui 
ntp» 'HgodÖTov y.ay.o^d^iiag inscribitur. Lemborg 1871. 8. (2, ober- 
gymn.). p. 19—35. 

201. Majer, Ludwig, Proklos über die definitionen bei Euklid. 



136 Bibliographie. Nr, 3. 

I. theil. Definition 1-7. Mit 2 tafeln abbild. Stutgart 1881. 4. 
30 p. (Teubner no. 514a). 

202. Majonika, H. , Aquileia * zur Römerzeit. Goerz 1881. 8. 
30 p. 1 tafel. 

203. Mayerhoefer, Anton, die Florentiner Niobegruppe. Eine ar- 
chäolog. Studie. Bamberg 1881. 8. 110 p. 

204. Mohr , Paul, zu Sidonius Carmina. Frankfurt a. M. 1881. 
4. 14 p. (Progr. v. Laubach.) (Teubner no. 547.) 

205. — , Waldemar, das lateinische verbum in sexta. Bensbeim 
1881. 4. 25 p. (Teubner no. 543.) 

206. Müller, Jakob, zur Übersetzung und erklärung desLiviusII, 
1—20. Neustadt a. d. Hardt 1881. 48 p. 8. 

207. Muhl, Job., zur geschiebte der attischen comödie. Augs- 
burg 1881. 8. (St. Annen Studienanstalt.) 127 p. 

208. Neuda, H., über die politischen beziehungen zwischen Rom 
und Aegypten bis zur thronbesteigung der königin Kleopatra. Krems 
1881. 8. 22 p. 

209. Neumeyer, Andreas, Agis und Kleomenes. Zwei lebensbilder 
aus der letzten zeit des spartanischen Staats. Amberg 1881. 8. 53 p. 

210. Fetschar, M., de Horatii poesi lyrica II. Teschen 1881. 
8. 20 p. 

211. Besl, WL, utrum Dialogus qui inscribitur de Oratoribus 
Tacito adscribi possit necne quaeritur. Czernowitz 1881. 8. 40 p. 

212. Rueck , Carl, de M. Tulli Ciceronis oratione de domo sua 
ad pontifices. München 1881. 8. 62 p. (Progr. d. Wilh. gymn.). 

213. Ryssel, Victor, über den textkritischen werth der syrischen 
Übersetzungen griechischer klassiker. Theil IL Leipzig 1881. 4. 
(Nicolaigymn.). (Teubner no. 468.) 

214. Schepß, Georg, handschriftliche studien zu Boethius de con- 
solatione philosophiae. Würzburg 1881. 8. 38 p. 

215. Schmalz, J. H. , über die latinität des P. Vatinius in den 
bei Cic. ad famil. V, 9 u. 10 erhaltenen briefen. Mannheim 1881. 4. 
p, 27-48. (Teubner no. 526). 

216. Schmidt, C. Eduard , beitrage zum parallel-Homer. (Home- 
rische iterati in lexikalischer anordnung.) Königsberg i. Pr. 1881. 4. 
20 p. (Progr. v. Loetzen). (Teubner no. 6.) 

217. Schmidt, Job., die psychologischen lehren des Aristoteles in 
seinen kleinen naturwissenschaftlichen Schriften. Prag 1881. 8. 39 p. 
(Obergymn. der Kleinseite.) 

218. Schneider, Heinr. , ist Xenophons kyropädie zur lectüre an 
unsern gymnasien geeignet. Pforzheim 1881. 4. 22 p. (Teubner 
no. 527.) 

219. Schnitzel, Clemens, de traiecto epitheti bei genetivverbin- 
dungen in den tragödien des Sophokles. Lemberg 1881. p. 1 — 18. 
(2tes obergymn.) 

220. Schoemann, Georg, commentatio de Zenobii commentario 
rhematici Apolloniani. Danzig 1881. 4. 29 p. (Stadt, gymn.) (Teub- 
ner no. 20). 

221. Seck, Franc, de Pompei Trogi sermone. Pars prior. Con- 
stanz 1881. 4. 27 p. (Teubner no. 525). 

222. Seihel, Max, die klage um Hektor im letzten buche der 
Ilias.^ München 1881. 8. 41 p. 

223. Soergel, J., Demosthenische studien I. Hof 1881. 8. 36 p. 

224. Steinhoff, R., das fortleben des Plautus auf der bühne. 
Blankenburg a. Harz 1881. 4. 23 p. (Teubner no. 597). 

225. Stich, Job., adnotationes criticae ad Marcum Antoninum. 
Zweibrückea 1881. 8. 38 p. 



Nr. 3. ßlbliograpLic 137 

226. Stix, zum gebrauch des infinitiv mit artikel bei Demosthe- 
nes. Rottweil 1881. 4. 34 p. (Teubner no. 51.3.) 

227. Stroei)ler , Heinr. , zur erklärung des Homer und Horaz. 
Darmstadt 1881. 4. 20 p. (Teubner no. 544). 

228. Sttimpf, Pliil., de Nesiotarum republica commentatio. Mün- 
chen 1881. 8. ö2 p. 

229. Thielmann, Phil., über spräche und kritik des lateinischen 
Apolloniusromanes. Nebst einem doppelten anhang. 1. Verbesserun- 
gen zum lateinischen Constantinroman von Fh. Thielmann. 2. die 
vulgata als sprachliches vorbild des Konstantinromanes von dr. Gustav 
Landgraf. Speier 1881. 8. 74 p. 

230. Thuemen, die Iphigeniensage im antiken und modernen ge- 
wande. Stralsund 1881. 4. 22 p. (Teubner no. 117). 

231. Uhlig , G. , appendix artis Dionysü Thracis. Lipsiae 1881. 
4. 36 p. (Progr. v. Heidelberg). (Teubner no. 523). 

232. Ulmann , C. Th. , pr«prietates sermonis Aeschylei quatenus 
in diverbio perspectae sunt. Pars I. Baden-Baden 1881. 4. (Teub- 
ner no. 520.) 

233. Wagner, Jos., zu Piatons ideenlehre. Nikolsburg 1881. 
8. 30 p. 

234. Walter, Jos., M. Tullii Ciceronis philosophia moralis. Pars 
altera sectio HI. Tullii ipsius quam maxime poterat verbis ad viam 
quandam et rationem revocabat. Mies 1881. 8. p. 25 — 53. 

235. Weiner t, A., die achäische bundesverfassung. (Ein beitrag 
zur geschichte des föderalismus.) 1. theil. Demmin 1881. 4. 31 p. 
(Teubner no. 104). 

236. Wex , Jos., die metra der alten Griechen und Römer in 
maaßen des deutschen reichs übersichtlich dargestellt. Straubing 1881. 
8. 64 p. 

237. Woksch , Karl, der römische lustgarten. Ein beitrag zur 
Untersuchung über den natursinn der Römer. Leitmeritz 1 881. 8. 22 p. 

288. Wollner, Carl, Sammlung poetischer beispiele zu den haupt- 
regeln der griech. syntax. Theil IL Kaiserslautern 1881. 8. 29 p. 

239. Zahlßeisch, J., anmerkungen zur seelenlehre des Aristoteles. 
Mit besonderer berücksichtigung des Trendelenburgschen commentars 
hierzu. Ried 1881. 8. 36 p. 

240. Zernitz, Antonio, i Menemmi di Plauto e le imitazioni che 
ne fecero il Trissino ed il Firenzuola Capodistria 1881. 8. 38 p. 

B. Academica und dissertationen. 
Bonn. 241. BuecheUr, Franc, Lexicon Italicum. Bonn 1881. 
4. 30 p. (Progr. acad.). 

242. Luehhert, Ed., de Pindari studiis Hesiodeis et Homericis 
dissert. Bonn 1881. 4. 18 p. 

243. Baumgarten , Frid. , de Christodoro poeta Thebano. Bonn 
1881. 8. 64 p. 

244. Brandis, Carl Georg, de aspiratione Latina quaestiones se- 
lectae. Bonn 1881. 8. 46 p. _ _ 

245. Demhoivski, Joh,, quaestiones Aristoteleae duae I. de xoivov 
ttladnjTtjQiov natura et notione II. de natura et notione toi! d^v/uov qi;a- 
tenus est pars oQi^iwg. Regimonti Pruss. 1881. 8. 111 p. 

246. HoUhoefer, Did., animadversiones in Euripidis Herculem et 
Alcestin. Bonn 1881. 8. 40 p. 

247. Kalkmann, Aug., de Hippolytis Euripideis quaestiones novae. 
Bonn 1881. 8. 44 p. 

248. Kreutzer, Joh., de Herodiano rerum Romanarum scriptore 
pars I. Bonn 1881. 8. 38 p. 

Philül. Anz. XII. 10 



138 Bibliographie. Nr. 3. 

249. Larfeld, GuiL, de dialecti Boeoticae mutationibus. Bonn 
1881. 8. 42 p. 

250. Meier, Jonas Paul, de gladiatura Romana. Bonn 1881. 
8. 56 p. 

251. Rassow , Herrn., de Plaiiti substantivis. Lipsiae 1881. 8. 
38 p. (Vollständiger in Jahrbücher f. philol. hsg. v. Fleckeisen suppl.- 
bd. XII.) 

252. Wolf, Henr., Analecta Aeschylea. Bonn 1881. 8. 39 p. 
Gröttingen. 25,3. Wieseler, Frid. , schedae criticae in Aristo- 

phanis aves. Goettingen 1882. 4. 15 p. (Ind. lectt.) 

Halle. 254. Catonis de agricultura c. VII et VIII cum adno- 
tationibus H. Keilii. Halle 1881. 4. (Ind. lectt.). 

255. Rythmormn ecclesiasticorum aevi Carolini specimen ed. Er- 
nestus Duemmler. Halle 1881. 4. (Progr. zur preisvertheilung.) 

256. Brueckler , CA., de chronologia belli quod dicitur Corin- 
thiaci. Halle 1881. 8. 50 p. 

257. Butzki^ Carl, de l'|f* Aristotelea. Halle 1881. 8. 35 p. 

258. Duderstadt, Ehrenfried, de particularum usu apud Catullum. 
Halle 1881. 8. 64 p. 

259. ^ic^möf, Paul, quaestiones Eutropianae. Halle 1881. 4. 66 p. 

260. Ehrhardt, Gustav, de Aristophanis fabularum interpolatione. 
Halle 1881. 8. 63 p. 

261. Fischer, Herm., de vocibus Lucilianis selecta capita. Halle 
1881. 8. 79 p. 

262. Fraesdorff, Gull., de comparativi gradus usu Plautino. Halle 
1881. 8. 44 p. 

263. Große, Beruh. , de Graecorum dea Luna. Lubecae et Halis 
1881. 4. 30 p. 

264. Günther, Edmund, de coniunctionum causalium apud Quinc- 
tilianum usu. Halle 1881. 8. 47 p. 

265. Hebold , Maxim., de infinitivi syntaxi Euripidea. Halle 
1881. 8. 66 p. 

266. Huebenthal , Carol., quaestiones de usu infinitivi historici 
apud Sallustium et Tacitum. Halle 1881. 8. 57 p. 

267. Jahr, Gull., Quaestiones Isocrateae. Halle 1881. 8. 86 p. 

268. Jecht, Rieh., de usu particulae ij&r} iu Piatonis dialogis qui 
feruntur. Halle 1881. 8. 55 p. 

269. Klifßmonn, Maxim., Cnrarum TertuUianarum particulae I 
et II. Halle 1881. 8. 51 p. 

270. Koch, Rieh,, de anacoluthis apud Euripidem capita selecta V. 
Halle 1881. 8. 63 p. 

271. Kriebitzsch, Paul, quaestiones de usu verborum cum praepo- 
sitionibus compositorum apud Sophoclem. Halle 1881. 8. 52 p. 

272. Lattich, Otto, de sermone vulgari Atticorum maxime in 
Aristophanis fabulis cognoscendo. Halle 1881. 8. 29 p. 

273. Maerkel, Paul , die leitenden gedanken der in Platon's po- 
litik entwickelten Staatsansicht dargestellt und mit besonderer rück- 
sicht auf den modernen Standpunkt beurtheilt. Halle 1881. 8. 102 p. 

274. Mollenhauer, Gustav, de verbis cum praepositionibus com- 
positis Polybianis. Halle 1881. 8. 41 p. 

275. Neumann, Karl Joh., Strabon's quellen im XL buche. I. Kau- 
kasien. Leipzig 1881. 8. 32 p. (Habilitationsschrift.) 

276. Pretzsch , Bernardus, de vitae Lysiae oratoris temporibu3 
definiendis. Halle 1881. 8. 46 p. 

277. Reqel, Max, über George Chapman's Homerübersetzung I. 
Halle 1881. "S. 35 p. 



Nr. 3. Kleine philologlsclie zcitung. 139 

278. Rololski, Job., Sallustius in conformanda oratione quo iure 
Thucydidis exemplum secutus esse existimetur. Halle 1881. 8. 47 p. 

279. Schaaff, kVoiu, de genetivi usu Plautino. Halle 1881. 8, 44 p. 

280. Schmienburg, Adolph, de Symmachi in Aristophanis inter- 
pretatione subsidiis. Halle 1881. 8. 33 p. 

281. Schmidt, Gualterus , qua ratione Euripides res sua aetate 
gestas adbibuerit in Heraclidis potissimum quaeritur. Halle 1881. 
8. 58 p. 

282. Schmidt, Job., de usu infinitivi apud Lucanum Valerium 
Flaccum Silium Italicum. Halle 1881. 8. 128 p. 

283. Schneemann, Carl , de verborum cum praepositionibus com- 
positorum apud Catullum Tibullum Propertium structura. Halle 1881. 8. 

284. Schulze , Carl , de versibus suspectis et interpolatis Ipbige- 
niae Tauricae fabulae Euripideae. Pars I. Halle 1881. 8. 78 p. 

285. Schwarz, Paulus, de fabula Danaeia. Halle 1881. 8. 53 p. 

286. Siemt , Oswald, über lateinisches C vor E und I im Picar- 
dischen. Halle 1881. 8. 85 p. 

287. Sommer, Alfred, de usu participii futuri activi apud aevi 
Augustei poetas. Halle 1881. 8. _ 58 p. 

288. Spehr, Frid. , de summis magistratibus coloniarum atque 
municipiorum. Halle 1881. 8. 38 p. 

289. Sturm, Guil., de fontibus Demosthenicae historiae quaestio- 
nes duae. Halle 1881. 8. 63 p. 

290. Wiegandt, Herrn., de ethico antiquorum rythmoruni charac- 
tere auctore Aristide Quintiliano. Halle 1881. 30 p. 

291. Wildenow, Eugen, de Menippo cynico. Halle 1881. 8. 39 p. 
Jena. 292. Schmidt, Maurit. , de numeris in choricis systematis 

Aiacis Sophocleae continuatis. Jenae 1881. 4. (Ind. lectt. hibb. 
1881/82.) 

298. Gundermann , Gotthold , de luli Frontini Strategematon li- 
bro qui fertur quarto. Lij)siae 1881. 8. p. 86 — 185 der Commenta- 
tiones lenenses vol. I. 

294. Mueller, Carolus, de Euripidis Phoenissarum parte extrema. 
Lipsiae 1881. 8. 80 p. 

295. Putsche , Hugo , das genus iudicii der rede Cicero's pro C. 
Rabirio perduellionis reo ad Quirites. Jena 1881. 8. 45 p. 

296. Eanke, Frid., die Doloneia. Leipzig 1881. 8. 82 p. 

297. Sarrazin, Jos. Victor, de Theodore Lectore Theophanis fönte 
praecipuo. Lipsiae 1881. 8. (p. 165—199 der Commentat. lenenses 
vol. I). 

298. Sauerbrei, Paulus, de fontibus Zonarae quaestiones selectae. 
Lipsiae 1881. 8. p. 1 — 81 der Commentationes lenenses vol. I). 

Bern, Lausanne, Leiden, Lund hatten keine philolog. dissertatio- 
nen im jähre 1881. 

Kleine philologische zeitung. 

Berlin. An der Vollendung der Olympia - ausstellung wird 
auch während der wintermonate, in denen der besuch fast voll- 
ständig unterbrochen ist , stetig fortgearbeitet. Dr. Treu leitet, 
wie die „Tägliche rundschau" berichtet, seit seiner rückkehr aus 
dem Orient die ergänzungsarbeiten selbst, so daß mit beginnen- 
dem frühjahr die neu eröffnete ausstellung sich als vollendet 
präsentiren dürfte. Von den durch den englischen consul auf 
der iüsel Khodus veranstalteten ausgrahungeu hat auch unsere 

10! 



140 Kleine pliilologlscLe zeitung. Nr. 3. 

museumsdirection, wie dasselbe blatt mittheilt, interessante funde 
erworben. Es sind dies terrakotten und vasen von den frühe- 
sten Zeiten bis zu den vollendetsten Schöpfungen späterer perio- 
den. Diese vasen sind nicht durchweg xhodischen Ursprungs; 
es besteht vielmehr ihr hauptwerth mit darin, daß sie eine auf- 
klärung über die haudelsverbindungen geben, welche E-hodus 
unterhielt. Von besonderer Schönheit ist eine große vase, welche, 
etwa aus dem vierten Jahrhundert stammend , nicht nur vorzüg- 
lich erhalten , sondern auch noch von einem glänz in der färbe 
ist, der überrascht. Bevor die aufstellung dieser funde erfolgt, 
werden jedoch noch einige wochen vergehen, da im antiquarium 
unseres museums dieselbe Überfüllung sich bemerkbar zu machen 
beginnt, wie in den meisten anderen abtheilungen. — Augsb. 
allg. Ztg. 1882, beil. zu nr. 1. 

Berlin. Der ägyptischen abtheilung des Berliner museums 
sind, der „Täglichen rund schau" zufolge, eine fülle von neuer- 
werbungen einverleibt worden , die dr. Stern von seiner reise 
mitgebracht. Da ist eine steintafel, einen Pharao vor den gott- 
heiten der katarakte darstellend; eine Naophore-statue eines ho- 
hen Würdenträgers aus der zeit der 26. ägyptischen königs- 
dynastie, mit bemerkenswerthen inschriften ; die basis einer sta- 
tue, auch ihrer inschriften wegen von werth. Von besonderem 
interesse ist ein werk aus granit, fast einem Säulenfuß ähnlich 
sehend, um den sich eine schlänge windet. In dieser form be- 
sitzt unser museum kein ähnliches stück aus der ägyptischen 
zeit. Eine statue des mondgottes ist ersichtlich aus einer grö- 
ßeren gruppe (vermuthlich einem monument Ramses' II) losge- 
löst. Von sehr sauberer ausführung ist ein amulet in der große 
eines siegelring-steines, in welchem in begleitung seines löwen ein 
Pharao, etwa aus der zeit der 18. dynastie, im kämpf einen 
feind niederschmetternd , geschnitten ist. Von den gypsen er- 
wähnen wir eine Kleopatra mit ihrem namen in hieroglyphen. 
Der abguß ist aus dem tempel von Dendera und zeigt die kö- 
nigin mit den abzeichen einer göttin. Weitere gypse stellen 
en relief eine arabische fürstin aus einer expedition einer ägyp- 
tischen königin dar. Ferner wohl von größtem interesse sind 
die abgüsse von holzreliefs aus der dritten oder vierten dynastie, 
vermuthlich die ältesten vorhandenen zeichen ägyptischer kunst, 
die übrigens formvollendeter sind als die werke späterer epochen. 
Zu den vorhandenen Statuen Isis' und Osiris' ist die dazu gehö- 
rende kuh gekommen, und ferner sind gysabgüsse, den gott der 
freude und kunst (Besä) darstellend, erworben. Die barocke 
gestalt Besa's , als gott und als göttin dargestellt , ist wohl zu 
den charakteristischsten Schöpfungen der altägyptischen kunst 
zu zählen. — Augsb. allg. ztg. beil. zu nr. 12. 

Amtliche berichte der königlichen kunstsammlungen enthält 
jRAnz. 1882, nr. 17, 24. 



Nr. 3. Kleine philologische Leitung. 141 

London, 10. jan. (Ein passionsspiel in Worcestershire). Das dorf 
Rons Lemh, unweit Pershore in Worcestershire, war vorige woche 
die scene eines religiösen Schauspiels, zu welchem das passionsj)iel 
in Oberammergau das vorbild geliefert hatte. Die aufführung, zu 
der sich eine große zuschauerschaft von nah und fern eingefunden 
hatte, bestand aus lebenden bildern, welche verschiedene ereignisse 
in dem leben lesu Christi veranschaulichten. An den tableaux be- 
theiligten sich etwa 50 personen im alter von 4 bis 82 jähren, 
und der dorfpfarrer hatte die hauptrolle übernommen. Während 
der Vorstellung trug ein sängerchor mit harmoniumbegleitung 
bruchstücke aus Mendelssohns „Elias" und dem „Messias" vor. 
— Augsb. allg. Ztg. beil. zu nr. 17. 

Von dem im verlage von Heinrich Schmidt und Carl Gün- 
ther in Leipzig erscheinenden neuen p rächt werk: ,,Grie- 
chenland in wort und bild : eine Schilderung des hellenischen 
königreiches von Amand von Schweiger-Lerchenfeld, 
(mit ca. 200 illustrationen. In 20 lieferungen k l72nik.), liegt 
die erste lieferung vor. Das werk will dem leser in großen, 
aber erschöpfenden zügen ein gemälde der hellenischen weit 
(soweit sie mit dem heutigen königreiche identisch ist) vorführen, 
und zwar vorwiegend, wie sie sich heute darstellt. Auf dieser 
reellen unterläge soll dann die erinnerung an das antike leben 
ihre verschollenen herrlichkeiten aufbauen , die landschaften be- 
leben , den Zusammenhang der erscheinungen zwischen ereigniß 
und Schauplatz herstellen und die lücke zwischen Vorstellung und 
Wirklichkeit überbrücken. Es soll also in erster linie das land- 
schaftliche element zur geltung kommen. Die unzähligen, von 
der sage, kultur und geschichte verklärten, alten orte sollen dem 
leser bildlich zur anschauung gebracht und hierbei geistig mit 
dem reichen schmuck der Vergangenheit versehen werden. Auf 
diese weise soll der leser in diesem werke kein antikes denkmal, 
kein berühmtes bauwerk, keine denkwürdige statte vermissen. 
Allen bildern sollen vorzügliche originalaufnahmen und Photo- 
graphien zu gründe liegen. Die erste lieferung beginnt mit 
Athen und enthält folgende abbildungen : der Piraeus (ansichten), 
ansieht von Athen, die propyläen, der tempel der Nike Apteros, 
der areopag, die akropolis von Athen (2 ansichten), die pnyx, 
das kap Sunion , Athene - tempel auf kap Sunion , Sulioten aus 
der Umgegend von Athen. Der Verfasser schildert in lebhaften 
färben den Piräus und die akropolis. Die ausstattung des Wer- 
kes ist ebenso vorzüglich wie die der anderen von der verlagshand- 
lung herausgegebenen prachtwerke. Das zweite heft enthält eine 
Schilderung der akropolis von Athen , die dritte und vierte lie- 
ferung die der Propyläen, der attischen landschaft, des Hymettos, 
des Pentelikon , der ebene von Marathon und der straße nach 
Eleusis. Vgl. RAnzeig. nr. 18. 25. 32. 50. 

Darmstadt, 11. jan. Ueber die auflindung einer handschrift 



142 Kleine philologisclie zeitung. Nr. 3. 

der Odyssee auf dem Athos entlehnt die „AVa ^EcfmitQiq'-'- vom 
21. dec. a. st. dem ,/PdQOi; rtjg MaxtSoj/ai" folgendes: eine 
neue archäologische entdeckung, die ganz dazu angethan ist, die 
lösung vieler schwebenden fragen in bezug auf die werke des 
unsterblichen sängers des alterthums herbeizuführen , wurde un- 
längst von dem in der philologischen weit durch seine funde 
von noch unbekannten Schriften des patriarchen Photios rühm- 
lichst bekannten P. N. Rokos gemacht. Dieser unermüdliche 
und glückliche hellenische alterthumsforscher entdeckte beim su- 
chen nach weiterem material für seine bevorstehende herausgäbe 
der Schriften des Photios in der Schatzkammer eines bedeutenden 
klosters eine papyrusrolle, auf deren rückseite die odyssee deut- 
lich geschrieben stand. Dieses unschätzbare kleinod des alter- 
thums ist, wie aus ihm selber hervorgeht, zur zeit der 117. 
Olympiade von einem Athener, namens Theophrast, abgeschrieben 
und im jähre 1428 von Andronikos, dem neffen des letzten hel- 
lenischen kaisers Konstantin Paläologos, nebst vielen anderen klei- 
nodien in's kloster nach dem Athos gebracht worden, woselbst 
er den rest seines lebens der askese widmete. In diesem kost- 
baren funde wird die zeit erörtert , in welcher der göttliche 
hellenische sänger blühte, und sein geburtsort sowie die quellen 
angegeben , aus welchen er die positiven demente seiner erzäh- 
lungen geschöpft haben mag. — Augsb. allg. ztg. beil. zu nr. 15. 
National-ztg. nr. 28 abendausg. [Die nachricht trägt den Stem- 
pel der unglaublichkeit. E. v. L.] 

Neapel, 25. jan. Das neapolitanische Journal „II Piccolo" 
meldet, daß in einem noch nicht ganz ausgegrabenen gebäude 
Pompejis eine überaus zierliche, von muscheln eingerahmte' mo- 
saik-fontaine aufgefunden wurde. Wie die übrigen ist sie 
von kapellenform , übertrifft aber alle durch ihren reichen male- 
rischen schmuck. Die decke stellt das meer dar, mit Aphrodite, 
wie sie der muschel entsteigt. Die göttin hält einen aus dem 
Wasser ragenden amorino am arme ; andere liebesgötter sind 
ringsum vertheilt. Unterhalb dieser gruppe ein amor, der einen 
delphin umfaßt und vor dem eine nereide hinschwebt. Am ufer 
links zwei frauen im profil, die eine stehend mit der linken band 
ihr kinn fassend, die andere sitzend und die rechte in bewunde- 
rung emporhaltend. Dieser gruppe gegenüber ein anderes auf- 
rechtstehendes frauenbild. In der mitte endlich sitzt ein dem 
beschauer den rücken zukehrendes weib, den blick auf das meer 
richtend. — Augsb. allg. ztg. nr. 37. EeichsAnz. nr. 35. 

Berlin, 1 1 . febr. üeber die ausgrabungen in Assos 
bringt das „Centralblatt der bauverwaltung" folgende mittheiiung 
des geh, bauraths prof . Adler : Eine eigenthümliche aber hocherfreu- 
liche erscheinung unserer zeit ist die thatsache, daß die alten städte 
und festplätze des griechischen volkes nach einander durch kunst- 
wissenschaftliche expeditionen erforscht werden. Kaum haben 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 143 

Troja und Mykenä ungeahnte schätze geliefert, kaum sind die 
deutschen arbeiten in Pergamon und Olympia zum abschluß ge- 
kommen, da rüstet sich Frankreich, nachdem es auf Delos und 
Samos weithvolles material gesammelt hat, zur umfassenden aus- 
grabung von Delphi. Aber auch die neue weit , der westliche 
kontinent , betheiligt sich bereits an diesem so friedlichen Wett- 
streite der Völker. Die Amerikaner haben die küste von klein- 
Asien zum schauplatze ihrer thätigkeit ausersehen und einen 
punkt derselben erwählt , der längst die gründlichsten Untersu- 
chungen verdiente. — Dieser punkt ist Assos. Zwei kleine ta- 
gereisen südlich A'on Troja, an den ausläufern des Ida-gebirges 
auf schroffer felsküste gelegen, beherrscht Assos mit weitem aus- 
blicke den golf von Adramytteion, dessen silberspiegel als herr- 
liche perle, die ebenso malerische wie fruchtbare insel Lesbos 
trägt, — die heimath des Pittakus und des Alkäus, der Sappho 
und des Arien. — Schon Homer kennt Assos , mit anderen 
Städten Mysiens und der Troas eng verflochten, kam es im VII. 
Jahrhunderte unter die herrschaft der lydischen könige. Hun- 
dert jähre später wurde es dem persischen großkönige unterthan 
und erhielt den Vorzug, als tribut seinen ausgezeichneten weizen 
an den hof zu liefern. Im IV. Jahrhundert wird es der sitz 
eines staatsklugen tyrannen Hermias , an dessen hofe — sogar 
verwandtschaftlich verbunden — in arbeitsamer muße Aristoteles 
lebt. — Nach den kämpfen der Diadochen wird die durch ihre 
feste läge vielumworbene Stadt ein theil des pergamenischeu 
reichs und erhält vorübergehend nach der gemahlin Attalos I. 
den namen Apollonia. Dem römischen weitreiche einverleibt, 
wird es von Strabo , Plinius und Pausanias genannt und tritt 
uns in der hauptquelle für unsere kenntniß der ersten Christen- 
gemeinden Kleinasieus in der apostelgeschichte noch einmal wie- 
der entgegen, um dann auf Jahrhunderte, wo byzantinische, ge- 
nuesische, türkische herrschaft einander hier abgelöst haben , zu 
entschwinden. — Erst in unserm Jahrhundert wird die Stadt 
wieder bekannt durch englische , französische und deutsche rei- 
sende. Ilire mittheilungen führen zur ersten kunstwissenschaft- 
lichen Untersuchung durch Texier im jähre 1838. Was dieser 
bekanntlich sehr flüchtig arbeitende autor gesammelt hat, findet 
sich in dem werke: DescrijHion de VAsie mineure, band II. Lei- 
der ist der ertrag nicht groß und was schlimmer ist , er wim- 
melt von Unrichtigkeiten. Der werthvollste gewinn für die alte 
kunstgeschichte war seine mittheilung eines dorischen peripteral- 
tempels, dessen epistylien friesartig mit reliefs in alterthümlichem 
style verziert sind. Daneben wui-den die sehr wohlerhaltenen 
ringmauern mit ihren thürmen und thoren genauer abgebildet, 
aber alle sonstigen bauwerke (darunter so wichtige wie eine 
byzantinische kirche des vierten bis fünften Jahrhunderts) unbe- 
achtet gelassen oder nur streifend berührt. Seit jeuer zeit war 



144 Kleine philologische zeitung. Nr. «3. 

Assos wieder eine stille stadt geworden, deren sonntäglicher frieden 
nur dann und wann gestört wurde, wenn die commandanten der 
Dardanellenschlösser zur ausflickung oder erweiterung ihrer fe- 
stungswerke antike quadern brauchten und schiffe und mann- 
schaften zum abbruch der herrlichen hellenischen thürme und 
mauern herübersandten. — Es war daher hohe zeit, daß das 
archäologische institut von Amerika auf den guten gedanken 
kam, eine Untersuchung der noch aufrecht stehenden und eine 
ausgrabung der verschüttet liegenden denkmäler von Assos in 
die band zu nehmen. An arbeit fehlt es hier so wenig als in 
Sardes , Ephesos , Milet , Alexandria — Troas und in zahlreichen 
anderen griechischen Städten Westasiens ; denn außer den von 
Texier mehr streifend als erschöpfend behandelten 2 bis 3 denk- 
mälern finden sich hier noch 1 theater , 1 gymnasion , 1 nym- 
phäum , ] agora , ferner hallen , Wasserleitungen , cisternen und 
gräber. — Es war ferner ein guter gedanke , daß das ganze 
für Amerika neue unternehmen in die bände eines kenntnißrei- 
chen und thatkräftigeu architekten, des Jos. Thacher Clarke, 
gelegt wurde. Nachdem derselbe während des vergangenen 
Jahres mehrere monate hindurch jene ausgrabungen geleitet hat, 
konnte er unter dem 20. September 1881 einen vorläufigen be- 
liebt erstatten , der nach erfolgter Verlesung in Washington in 
den American Architect and Building News vom 10. dezember 
abgedruckt ist, — Mit recht beschränkt sich der berichterstatter 
im wesentlichen auf die bei aufdeckung des dorischen tempels 
gewonnenen resultate, indem er hervorhebt, daß eine beschrei- 
bung der agora mit ihren Wasserwerken , des gymnasion , der 
verschiedenen stoen und hauen, des theaters, der befestigungs- 
anlagen, der gräberstraße und der einzigen reste der griechi- 
schen steinbrücke einen kleinen band füllen würde. — Als Illu- 
strationen sind dem berichte beigefügt: 1) die längst bekannten 
metopen- und epistylien-reliefs, welche sich seit 1838 imLouvre 
befinden , 2) der detailgrundriß , der den heutigen bestand er- 
kennen läßt, sowie 3) und 4) der restaurirte grundriß verglichen 
mit dem nach gleichem maßstabe (1 : 200) gezeichneten Thesei- 
ons-grundrisse. Das werthvollste für architekten ist die Illustra- 
tion. — Das erste, was jedem kenner auffällt, ist die große Ver- 
schiedenheit des neu aufgedeckten grundrisses von dem bei 
Texier gegebenen. Der französische Verfasser giebt einen pe- 
ripteros mit dipteralem pronaos, während thatsächlich ein schlich- 
ter antentempel, von einer ringhalle umschlossen, vorhanden war. 
Leider ist die Zerstörung eine sehr große gewesen , keine säule 
steht mehr am platze , ebensowenig die cellaquadern , selbst die 
Oberstufen an der ost- und westfront fehlen. Nur die sorgfältigste 
Verzeichnung der auf den noch in situ befindlichen quadern 
deutlich eingerissenen aufschnürungslinien und die sicher erkenn- 
baren Standspuren der säulen hat eine rekonstruktiou ermög- 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 145 

licht. — Hieruach war der aus trachyt erhaute tempel ein auf 
zwei stufen stehender dorischer peripteros von 6:13 säulen , in 
der stufen- und säulenzahl, sowie in der orientiruug und in den 
hauptmassen dem theseion in Athen so nahe stehend wie kein 
anderer tempel. In der oberstufe gemessen hat A.ssos 14,03 m 
hreite zu 30,33 m länge und Athen 13,81 m zu 31,77; bei 
beiden weicht die ostorientirung etwas nach süden ab. Alles 
andere ist aber völlig verschieden , nicht nur die cella - anläge, 
sondern auch die proportionirung und detailbildung. Während 
der kern in Assos den schlichten antentempel zeigt (ähnlich wie 1) 
das herakleion, 2) der nördlich davon belegene burgtempel, 3) 
der mittlere stadttempel in Selinus und 4) der tempelrest in 
Cadacchio auf Corfu), besitzt das Theseion noch ein sehr cha- 
rakteristisch formirtes hinterhaus , welches sicherlich besonderen 
kultzwecken gedient hat. — Die säulen in Assos haben nur 16 
furchen und dabei waren die der ringhalle von denen im pro- 
naos in der Stellung darin verschieden, daß bei den ersteren 
die scharfen Stege in die axen fielen, während bei den pronaos- 
säulen die übliche Stellung mit axialen furchen — wohl des 
besseren gitterverschlusses halber — gewählt war. üeber die 
außerordentlich wichtige frage der verjüngimg und Schwellung 
der Säulen, die allerdings bei so auseinandergerissenen und ver- 
schleppten baustücken große Schwierigkeiten macht, beobachtet 
der architekt ein auffallendes stillschweigen. Vielleicht hat er 
seine hierauf bezüglichen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. 
Indessen muß später ein urtheil seinerseits gefordert werden, da 
Texiers Zeichnungen gerade in diesem punkte mehr als fragwür- 
dig sind. — Von allgemeinerem interesse sind noch einige tech- 
nische besonderheiten. Die Unterstufen sind an ihren außen- 
flächen mit buckeiförmigen bossen besetzt , die niemals entfernt 
worden sind — also ähnlich wie bei den propyläen in Athen. 
Dagegen zeigen die schweren gesimsblöcke an den Stirnseiten 
U förmige nuthen , um hebeseile durchzuschlingen , wie solches 
auch in Aegina , Pästum , Selinus und an anderen orten vor- 
kommt. Die stoßflächen selbst sind durch glatte, vorspringende 
saumleisten gesichert, die Stufenblöcke (mit längen von über 3 m) 
mit eisernen klammern verdübelt ; eine struktur , die auch an 
den unterflächen der epistylien und an der oberen außenseite 
des kranzgesimses für die terracotta - rinne gewählt worden ist. 
Die Säulentrommeln sind in üblicher — wenigstens gering va- 
riirter — weise mittels holzdübel aufeinander abgeschliffen wor- 
den. In der cella haben sich mosaikreste von schwarzen und 
weißen marmorwürfeln vorgefunden , die einer spätzeit anzuge- 
hören scheinen. — Für einen so kleinen bau ist es befremdend, 
daß das epistylion wie das des parthenon aus drei platten ge- 
schnitten ist. Dabei geht die mittelplatte nicht durch , sondern 
die beiden außenplatten haben oben eine Verstärkung erhalten. 



146 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

Die glatten wie die plastisch geschmückten metopen sind in die 
triglyphen eingeschoben und die schweren kranzblöcke lagerten 
unmittelbar, und zwar ohne die von Texier an dieser stelle irr- 
thümlich abgebildeten Zwischenglieder, darauf auf. Aus vorhan- 
denen giebeleckstücken wird sich die neigung des giebels ge- 
winnen lassen; die deckziegel bestanden aus terracotta. — Er- 
freulich ist die fernere mittheilung, daß es gelungen ist, aus be- 
nachbarten mauern noch 20 wohlerhaltene kapitelle bester tech- 
nik hervorzuziehen und zu den 1 7 plastischen f'ragmenten, welche 
Paris bewahrt , noch 7 neue stücke , darunter 5 von beträchtli- 
cher große (unter ihnen eine vollständige metope mit 2 figuren) 
aufzufinden. Dagegen wird in der sonst so klaren und über- 
sichtlichen berichterstattung als herbe lücke jede mittheilung 
über . etwa gefundene antenkapitelle, wandhalssteine , giebelsteine 
und cella - quadern vermißt. Hoffentlich wird die weitere aus- 
grabung über diese zu einer guten graphischen rekonstruktion 
unentbehrlichen bauglieder das nothwendige material herbei- 
schaffen ; in jedem falle sollte nach dieser richtung hin alles ge- 
schehen, bevor der spaten und die hacke wieder zur ruhe kom- 
men. — Denn in der that ist der dorische tempel von Assos 
unter den jetzt bekannten wohl 50 peripteral-tempeln in einem 
punkte ganz hervorragend, nämlich in seiner dekorativen be- 
handlung mit archaischen reliefs an den epistylien. Um über 
seine zeitstellung ins reine zu kommen , bedarf es noch der 
gründlichsten Untersuchungen aller an ort und stelle noch ir- 
gendwo erhaltenen baureste durch die architekten. Wie es in 
Olympia nur durch das stets wiederholte messen, zeichnen, ver- 
gleichen und klassifiziren aller baufragmente möglich geworden 
ist, über so schwierige fragen wie die Verkleidung dorischer bau- 
glieder mit terrakotten am Geloer schatzhause , wie die rekon- 
struktion des leonidaion, der exedra u a. ins klare zu kommen, 
so wird atich hier das hohe ziel einer sicheren graphischen re- 
konstruktion nur auf gleichem oder ähnlichem wege sich errei- 
chen lassen. — Ebenso wünschenswerth bleibt eine erörterung 
der frage, mit welchem maßstabe der tempel gebaut worden ist. 
Bekanntlich gehen die archäologen, welche sieh mit der ge- 
schichte der griechischen plastik spezieller beschäftigt haben, 
auf grund eingehender kunstanalysen der archaischen reliefs mit 
der datirung des tempels weit auseinander. Während ihn ei- 
nige noch in das VII. Jahrhundert setzen, denken andere an die 
zweite hälfte oder an den schluß des VI. Jahrhunderts. Clarke 
hat sich — und gewiß mit recht — seine ansieht über die zeit- 
stellung noch vorbehalten. Indem er für die architektur auf 
der einen seite auf die ähnlichkeit ja Übereinstimmung mit dem 
theseion aufmerksam macht und gleichzeitig einen gewissen Zu- 
sammenhang mit dem heraion in Olympia andeutet, sieht er an- 
dererseits den außerordentlichen wertb der Skulpturen in dem 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 147 

umstände , daß mau in denselben die allmähliche Hellenisirung 
orientalischer typen deutlich erkennen könne. Gewiß ist gerade 
der letzte gesichtspunkt ein sehr wichtiger und verdient weitere 
beachtung. Die einflüsse des Ostens sind schon in uralter zeit 
bis an die küste gedrungen — beweis dafür die felsreliefs von 
Nymphi bei Smyrna — ; fest steht ferner, daß die lydische herr- 
schaft , speziell Kroesos , sich in glänzender weise kunstpflegend 
bei dem baue des Artemision in Ephesos sowie in Milet bethei- 
ligt hat. Wie leicht, daß die gleiche dynastie mit ihrem sprüch- 
wörtlichen reichthume auch in Assos mit rath und that einge- 
wirkt hat, umsomehr, da derselbe Kroesos, der als kronprinz um 
580 — 70 Statthalter des gebiets von Adramytteion, zu dem Assos 
gehörte, gewesen ist und gerade in die ersten Jahrzehnte des 
VI. Jahrhunderts die prachtbauten in Ephesos , Samos und Pho- 
kaea fallen. Diese hypothese würde eine wesentliche Unterstü- 
tzung gewinnen , wenn der uachweis gelänge , daß der lydische 
fuß dem tempelbaue zu gründe liegt. Damit wäre für die da- 
tirung ein terminus ante quem gewonnen, da bekanntlich der stürz 
des Kroesos 549 erfolgt ist. — In jedem falle sind wir dem 
archäologischen institute Amerikas, speziell dem fachgenossen 
Clarke , für die bisher gewonnenen ergebnisse in hohem grade 
zu danke verpflichtet und sehen weiteren mittheilungen mit leb- 
haftem interesse entgegen. 

Berlin, 13. febrnar. {Jubiläum Ranlce's). Die ,,Nordd. allg. 
ztg " schreibt: „Der altmeister deutscher geschichtswissenschaft, 
Leopold V. Eanke , feiert heute den tag seiner fünfzigjährigen 
mitgliedschaft der akademie der Wissenschaften. Gewiß ein sel- 
tenes , ein denkwürdiges Jubiläum , an dem die ganze wissen- 
schaftliche und gebildete weit innigen antheil nehmen wird. Se. 
majestät der kaiser und köni^- verliehen dem Jubilar aus diesem 
anlaß den character als wirklicher geheimer rath mit dem prä- 
dicat „excellenz." Cultusminister v. Goßler überreichte demsel- 
ben heute vormittag das allerhöchste patent, und überbrachte 
zugleich die glückwünsche und den dank der Staatsregierung. 
Diese ganz besondere allerhöchste auszeichnung , welche, abge- 
sehen von Alexander v. Humboldt, in Preußen vielleicht ohne 
Vorgang sein möchte, gilt allerdings einer seltenen treue in der 
arbeit, einer patriotischen hingäbe ohne gleichen, die der Jubilar 
in einem langen segensreichen leben bethätigt. Am tage der 
70. Wiederkehr seines geburtstages in den adelstand erhoben, 
feierte Leopold v. Ranke bereits am 20. febrnar 1867 sein fünf- 
zigjähriges , am 20. februar 1877 sein sechszigj ähriges doctor- 
jubiläum. Kanzler der friedensclasse des ordens pour le merzte 
ist er seit August Böckhs tode im jähre 1867. Heute steht der 
berühmte geschichtsforscher im 87. lebensjahre (geboren am 21. 
deceraber 1795) und trotz dieses hohen alters erfreut er sich 
nicht allein einer seltenen körperlichen rüstigkeit, sondern auch 



l'l«'^ Kleine philologische zcituug. Nr. 3. 

voller geistesfrische und einer wunderbaren arbeitsfreudigkeit, 
von welcher die literarischen ankündigungen allerneuester zeit 
beredtes zeugniß ablegen. Eine deputation der academie der 
Wissenschaften brachte ihrem gefeierten mitgliede heute gegen 
2 uhr ihre glückwünsche dar , wie denn überhaupt zahlreiche 
gratulationen von nah und fern einliefen. Besonders heben wir 
aus denselben ein glückwunschschreiben des generalfeldmar- 
schalls frhrn. von Manteuffel hervor. Der „Köln, ztg." wird 
noch berichtet : nachdem Eanke die abordnung der academie der 
Wissenschaften willkommen geheißen, richteten Dubois - Eeymond, 
als zeitiger Vorsitzender der gesammtakademie , und Mommsen, 
als zeitiger vorsitzer der historisch-philosophischen classe, anspra- 
chen an den Jubelgreis. Dubois- Eeymond erinnerte daran, daß 
die Cajetaner dem alter einen tempel gebaut hätten, und so hät- 
ten auch wohl die Berliner grund , das ruhmreiche alter zu 
feiern. Er, der redner, sei naturforscher ; aber wie Alexander 
v. Humboldt die continuität in der naturforschung begründet, 
so habe Eanke den Zusammenhang, die feste methode und die 
kritische forschung mit einem talent der darstellung verbunden, 
wie sie sonst nur dem dichter eigen seien. Mommsen betonte, 
daß die historisch-philosophische classe besonders stolz auf Eanke 
sein dürfe , denn sie bilde das heerlager , aus welchem er zur 
eroberung Deutschlands ausgezogen sei. Eanke habe ihn, Momm- 
sen , in seiner willkommbegrüßung als seinen concurrenten in 
der römischen geschichte bezeichnet. Dieses lob müsse er ab- 
lehnen , aber es sei seine größte freiide , daß er mit Eanke in 
allen grundanschauungen über die römische geschichte einig sei, 
trotz zahlreicher abweichungen in einzelheiten , welche theils 
durch die verschiedene richtung der forschung, theils durch an- 
derweitige unterschiede bestimmt wären. „Sie sind heute", so 
schloß Mommsen dem sinne nach seine rede, „der einzige histo- 
riker, dessen arbeiten das ganze gebiet der Wissenschaft um- 
fassen. Sie sind vielleicht der letzte, jedenfalls der erste !" Eanke 
ersuchte darauf v. Sybel , einen brief Bismarks vorzulesen , der 
bemerkte, sein glückwunsch gelte nicht nur dem Jubilar, sondern 
auch den freunden historischer Studien und den zahlreichen le- 
sern Eanke's, der gewiß noch durch Vollendung seiner Weltge- 
schichte der nation ein großes monument überliefern werde. 
Eanke brachte alsdann ein hoch auf den kaiser aus, welches die 
abordnung mit einem hoch auf den Jubelgreis erwiederte. — 
Augsb. allg. Ztg. nr. 47. Vrgl. EAnzeig. no. 39, 

»Im EAnzeig. nr. 51 findet sich eine anzeige von hft. I des 
bd. III der Jahrbücher der königlich preußischen kunstsammlun- 
gen, der wir folgendes entnehmen : Ein ganz besonderes Interesse 
beansprucht jedoch der vorläufige bericht über die ergebnisse der 
zweiten campagne der ausgrabungen zu Pergamon (1880 — 1881), 
erstattet von A. Conze, C. Humanu und E. Bohn, am Schlüsse 



Nr. 3. Kleine philologisclie zeitung. 149 

des hefts. Derselbe beginnt mit dem lebendig geschriebenen, 
die zu überwindenden großen Schwierigkeiten sehr anschaulich 
schildernden arbeitsbericht von Carl Humann. Eine statistische 
Übersicht am Schlüsse stellt die materielle ausbeute der zweiten 
campagne wie folgt zusammen: 1 ganze reliefplatte der gigan- 
tomachie und 1 torso der gigautomachie, lerner 1000 und einige 
kleinere fragmente der letzteren ; dazu wichtige architekturstücke 
vom altare , theilweise mit inschriften •, 1 ganze reliefplatte des 
kleinen frieses, 2 halbe platten und viele fragmente-, 1 relief- 
platte und andere bruchstücke einer kleineren gigautomachie , 1 
kolossalstatue der Atliena (2,60m hoch), 2 statuen von etwas 
über lebensgroße, eine davon Athena darstellend und einige frag- 
mentirte frauenstatuen ; 1 unversehrter frauenkopf und 2 be- 
schädigte Athenaköpfe , 4 halblebensgroße statuen, einige torsen 
und einzelne gliedmaßeu , welche alle zu derselben gruppe ge- 
hören dürften; 6 kleine reliefs verschiedener darstellung und 
einige hundert skulpturfragmente verschiedener art; 198 grie- 
chische inschriften oder bruchstücke solcher (die jedoch nicht 
zum transport nach Europa bestimmt wurden), 2 große und meh- 
rere kleine architekturstücke (friese) mit blumenornamentik so- 
wie tischfüße, greifenklauen etc.-, 20 marmorne reliefplatten mit 
Waffendarstellungen von den brüstungen der halle um den Athena- 
tempel nebst dazu gehörigen unterlags- und deckplatten sowie 
Zwischensäulen, 3 nischenmonumente in stücken, endlich kupfer- 
münzen, bronze- und mosaikfragmente, stücke von gemaltem ver- 
putz, einige gestempelte thonröhren und ziegel. Dazu kommt 
ein zweisäuliger ausschnitt vom aufbau des tempels der Athena 
polias und seiner hallenanlage sowie viele vereinzelte architektur- 
stücke. Diese fundstücke füllten im ganzen 260 kisten und 
wogen mit 8 dunkelgrünen in Pergamon angekauften marmor- 
säulen zu postamenten gegen 2500 ctr. Ueber die architektur re- 
ferirt sodann Eichard Bohn. Das hauptergebniß für diese be- 
stand in der aufdeckung des tempels und des von einer doppel- 
geschossigen Säulenhalle umschlossen gewesenen heiligen bezirks 
der Athena Polias aus einer periode , die vor die pergamenische 
königszeit hinaufreicht. Die mit reichem relief geschmückten 
schranken, welche das Obergeschoß zwischen den säulen abschlös- 
sen, sind nebst zwei ionischen Säulenfragmenten bekanntlich seit 
kurzem im ersten langen saale des museums aufgestellt. Die 
ausbeute an einzelfunden endlich bespricht Alexander Conze. 
Die reichlich tausend neu hinzugekommenen bruchstücke haben 
die weitere ergänzung der gigautomachie ermöglicht. Unter 
den inschriften verdient die jetzt ebenfalls im museum aufge- 
stellte, vollständig erhaltene weihung des hülfscorps des achäi- 
schen bundes, welches Eumenes II. in der entscheidungsschlacht 
bei Magnesia (190 v. Chr.) oder, wie es in der Inschrift selbst 
genauer heißt, am Phrygios - flusse in Lydien zur seite stand. 



150 Kieme philologiache zeitung. Nr. 3, 

hervorhebuug. Unter den statuarischen funden stehen zwei 
Athenastatuen und eine andere weibliche figur (vielleicht Hera) 
schon durch große und erhaltungszustand obenan. Besonderes 
Interesse erregten ferner bei ihrer auffindung die stücke einer 
kleineren reliefdarstellung der gigantomachie, auf welcher gerade 
die gestalt des Zeus ganz und links von ihm die der Athena 
zum theil erhalten ist. Dieses relief soll in der rotunde des 
museums neben den großen gruppen, die ihr als vorbild dienten, 
aufgestellt werden. Den besten gewinn der zweiten campagne 
repräsentiren jedoch jene schon erwähnten brüstungsplatten der 
halle vom Athenatempel. Derb gearbeitet , wie ihr platz hoch 
am gebäude es fordern mochte , zeigen sie in buntem gemisch 
Waffenstücke, kriegsgeräthe aller art für den land- und seekrieg, 
Schiffsschnäbel, Streitwagen, feldzeichen , pferdeschmuck, helme, 
Schilde , panzer , Schwerter verschiedener form , armstulpen und 
beinschienen , einen visirhelm und sogar eine pfeilschleuderma- 
schine. Sie werden sonach für das Studium der kriegsalterthü- 
mer hellenistischer zeit ein unverächtliches material bieten. Von 
einer der platten ist dem aufsatz eine lichtdruckabbildung bei- 
gegeben. Ihrer aufstellung, so schließt der bericht, harrt auch 
noch die ganze exedra Attalos des zweiten , vor allem aber der 
große altarbau. Dessen rekonstruktion ist jetzt bereits sammt 
der herstellung großer zusammenhänge der relief-komposition so 
weit gesichert, daß die wiederaufrichtung des ganzen Wunder- 
werks in einem eigens dafür herzustellenden lichtraume gefor- 
dert werden muß und gewiß als eine einzig dastehende erschei- 
nung auch zur durchführung kommen wird. — Außer der schon 
erwähnten lichtdrucktafel sind dem bericht plane von der akro- 
polis und der anläge des Athena - tempels sowie eine radierte 
rekonstruktion des letzteren , nach Zeichnung von R. Bohn , bei- 
gegeben. — Vrgl. PhAnz. XI, 12, p. 596. 

Die im Verlage von Siegmund Bensinger, in Wien, Leipzig 
und Prag, erscheinende illustrirte pr achtausgabe der 
gesammten werke Lessings (revidirt von Heinrich Laube) 
ist nunmehr bis zur 23. lieferung gediehen. Die letzten liefe- 
rungen enthalten die lustspiele: „der junge gelehrte" und „der 
Misogyn", das trauerspiel ,,Philotas", den „Nathan", das tendenz- 
stück „die Juden", den anfang der „Hamburgischen dramatur- 
gie", die anfange des „Laokoon" und der „Abhandlungen über 
die fabel." Sämmtliche dramen und selbst die kritischen abhand- 
lungen sind reich durch holzschnitte illustrirt, die „Hamburgische 
dramaturgie" u. a. durch ein portrait Conrad Eckhoffs, der „Lao- 
koon" durch eine reproduktion des gemäldes von Timanthes, 
die Opferung der Iphigenia darstellend, welches Lessing bekannt- 
lich benutzt, xun. an der gestalt des Agamemnon, der vor schmerz 
sein gesiebt verhüllt, seine ästhetischen ansichten über die gren- 
zen der darstellung des Schmerzes zu exemplifiziren , während 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 151 

freilich die alterthumswissenschaf't inzwischen diese deduktion 
hinfällig gemacht hat. Die illustrirte Prachtausgabe von Les- 
sings werken erscheint in ungefähr 50 lieferungen von je 3 — 4 
bogen mit im ganzen circa 500 illustrationen, initialen und rand- 
verzierungen , zum preise von 50 pf. für die lieferung, deren 
alle drei wochen eine zur ausgäbe gelangt. R Anzeig. nr. 55. 
Vrgl. PhAnz. XI, 2, p. 137. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Auffsburr/er allgemeine zeiiuny, 1882: beil. zu nr. 10: zur philoso- 
phie des fünfzehnten Jahrhunderts: bezieht sich auf R. Falckenbergs 
Schrift über Nicolaus Cusanus (Breslau 1880). — Beil. zu nr. 14: 
Athen im mittelalter, von A. Boltz. — Beil. zu nr. 18: die italieni- 
schen archive, namentlich die venetianischen. — No. 23. Beil. zu 
nr, 24: Schumann, die landwirthschaft in Italien: betrifft die neuere 
zeit , bietet aber manches für das alterthum brauchbare. — Beil. zu 
nr. 25: besprechung von Kleinpaul's „Rom." — Beil. zu nr. 26: zur 
leidensgeschichte der Wiener Universität: der artikel geht von der 
schritt Wolfs , der neue universitätsbau in Wien" aus und schließt 
mit den werten: ,,im jähre 1884 werden es hundert jähre, daß die 
Universität in Lemberg eröffnet wurde. Es wurden damals deutsche 
und lateinische reden bei der eröffnung gehalten , im theater wurde 
das deutsche drama „die zwei brüder" gespielt. Nur in der theolo- 
gischen facultät waren einige polnische professoren , die aber nicht 
polnisch vortrugen, alle andern professoren waren Deutsche. Der 
Professor der deutschen litteratur las über Wielands ,,Abderiten." 
Jetzt ist die Lemberger Universität ganz polonisirt, in die Prager le- 
gen die Tschechen bresche und die Wiener — hängt von den stimmen 
polnischer und tschechischer deputirten ab !". — Beil. zu nr. 31 : 
Friedrich Ritschi, besprechung des zweiten theils von Ribbeck's bio- 
graphie. — Beil. zu nr. 33: Fr. Pecht, Unterrichtsliteratur: knüpft 
an Dummreichers schritt „Unterrichtspolitik" (Wien) an und bezieht 
sich besonders auf Oesterreich. — Nr. 37 : A. Boltz, anzeige von Pa- 
parrigopulos geschichte des hellenischen volkes hft I, welches die Ur- 
geschichte bis auf Homer enthält, daneben eine umfangreiche vorrede, 
welche die Verbreitung des Hellenismus von Alexander dem großen 
bis auf die neueste zeit entwickelt. — Nr. 41. 42. 44. 45: die kir- 
chenpolitische debatte im preußischen abgeordnetenhause. — Beil. zu 
nr. 42: Lessingiana. IV. — Nr. 46. Beil. zu nr. 47: die Prager Uni- 
versität im österreichischen herrenhause. — Nr. .^)1: deutsche fragen 
im ungarischen reichstage: harte anklagen gegen Deutschland werden 
ausgesprochen, aber jeder beweis fehlt. Man sieht, daß Skobelefs (über 
dieses russischen generals rede , von der in den zeitungen bis zum 
Überdruß gesprochen worden , vrgl. Augsb. allg. ztg. nr. 43) an sehr 
vielen orten leben und eben so schreien als dieser rohe soldat. 

Deutsche literaturzeitung hrsg. von Max Hoediger. Jahrg.III. 1882. 
No. 1. Sp. 1: H. Creme?-, biblisch-theologisches Wörterbuch der neu- 
testamentlichen graecitaet. 3. sehr verm. u. verb. aufl. Liefg. 1. 
Gotha 1881. 8. 128 p. 2 mk. 40 pf. Die gelehrsamkeit , das ge- 
sunde urtheil in der darstellung rechtfertigen den beifall den das buch 
fand , doch sei ein zurücktreten des sprachlichen Clements gegen die 
entwicklung der biblisch- theologischen begriffe zu wünschen. Halsten. 
— Sp. 2 : Gustav Teichmüller , litterarische fehden im vierten jahrh. 
vor Christi. Chronologie der Platonischen dialoge der ersten periode. 



152 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. S. 

Plato antwortet in den gesetzen auf die angriffe des Aristoteles. Der 
Panatlienaikos des Isokrates. Breslau 1882. 8. VII, 320 p. 8 mk. 
Die Chronologie der Platonischen dialoge und die auffassung der ge- 
setze will Teichmüller festgestellt haben. Alles vorgebrachte ist un- 
bewiesene hypothese gestützt auf mangelhafte benutzung der Überlie- 
ferung und leichtfertige ergänzung ihrer lücken. Keine frage ist ge- 
fördert. E. Heitz. — Sp. 6 : Archimedis opera omnia cum commentariis 
Euiocii. E codice Florentino recensuit latine vertit notisque illustravit 
J. L. Heiberg. Vol. I. 1880. XII, 499 p. Vol. II. 1881. VIII, 
468 p. 8. 12 mk. Fleißige von urtheil u. kenntniß zeugende, höchst 
verdienstliche arbeit, aber der hrsg. hat zu sehr die schlechte Über- 
lieferung copirt. E. Eberhard. — Sp. 9 : T. Macci Platiti comoediae 
recensuit instrum. critico et prolegomenis auxit Frid. Ritschelius sociis 
operae adsumptis Gust. Loewe , Georg Goetz, Frid. Schoell. Tomi I, 
fasc. IV Asinaria. Leipzig 1881. 8. XXVIII, 110 p. 3 mk. 60 pf. 
F. Bücheier führt die geringen ausstellungen auf, die er an der vor- 
trefflichen ausgäbe zu machen habe. — Sp. 10: Gustavus Graeber, 
Quaestionum Ovidianarum pars prior. Berlin 1881. 4. 33 p. 1 mk. 
60 pf. Handelt fleißig und besonnen von der Chronologie der tristien 
und briefe aus dem Pontus. F. Leo. — Sp. 12: M. Petschenig, zur 
kritik und Würdigung der Passio Sanctorum quattuor Coronatorum. 
Wien 1881. 8. 21 p. 40 pf. Die meisten sprachlichen eigenthüm- 
lichkeiten der vita sollen sich bei Schriftstellern des 5. u. 6. jahrh. 
finden. Aber die handschriftliche grundlage unseres textes berechtigt 
noch nicht zu solchen Untersuchungen. Wattenbach. — Sp. 17: Lud- 
wig von Sybel, katalog der Skulpturen zu Athen. Mit systematischer 
Übersicht und epigraphischem index. Marburg 1881. 8. XXIV, 
459 p. 7 mk. Kann sehr gut als inventar aller vorhandenen skulptur- 
reste für Athen besuchende archaeologen dienen. Ein wissenschaftli- 
cher katalog ist es nicht. G. Körte. 

No. 2. Sp. 52: Exercitationis grammaticae specimina ediderunt 
seminarii philologorum Bonnensis sodales. Bonn 1881. 8. 61p. Imk. 
20 pf. Kurze Inhaltsangabe YOaA. Kießling. — Sp.57: Victor Floigl, 
Cyrus und Herodot nach den neugefundenen keilinschriften. Leipzig 
1881. 197 p. 6 mk. In anlaß der auffindung der annalen Nabünä- 
hids und des Cyruscylinder geschrieben. Eine reihe beachtenswerther 
aufstellungen neben überstürzenden combinationen. E. Schröder. — 
Sp. 59: M. Vigie, Etudes sur les impots indirects romains. Vicesima 
hereditatis. Paris 1881. 8. 50 p. 2,50 fr. Kenntnißlose schrift. 
Otto SeecJc. 

No. 3. Sp. 93: /. v. Leeuwen commentatio de Aiacis Sophoclei 
authentia et integritate. Utrecht 1881. 8. XVI, 203 p. 2 fl. Be- 
handelt stilistische wie metrische freiheiten und zieht Schlüsse auf 
abfassungszeit der stücke, im zweiten theil kritik, zahlreiche athetesen, 
besonders nützlich dürften seine ausführungen über den archetypus 
des Laurentianus sein. Das buch ist scharfsinnig, geschickt und le- 
bendig geschrieben, aber in seinen Schlußfolgerungen auf abwege ge- 
rathen. G. Kaibel. — Sp. 95: A. Draeger, historische syntax der 
lateinischen spräche. 2. bd. 2. aufl. Leipzig 1881. 8. XXII, 870 p. 
14 mk. Ein nützliches praktisches repertorium, aber es fehlen har- 
monie des Systems u. präcision der wissenschaftl. methode. F. Heer- 
degen. — Sp. 102 : Karten von Attika. Auf veranlassung des kais. 
deutschen archäol. Instituts und mit Unterstützung des königl. preuß. 
ministeriums der geistl. etc. angelegenheiten aufgenommen durch Of- 
fiziere u. beamte des kgl. preuß. groß, generalstabes. Mit erläutern- 
dem text hrsg. v. E. Curtius. Heft 1. Athen und Peiraieus. Berlin 
1881. fol. 4 karten. 71 p. Text 4. 12 mk. LolUng findet v. Alten'$ 



Nr. o. Auszüge aus zeitöclirifteu. 15^ 

arbeit (aufnähme) und seine anschauung durchaus zu loben bis auf 
die besprechung der befestigung der Eetioneia und der axzi^. Milch- 
höfer's Übersicht über geschichte und topographie des Peiraieus werth- 
voll durch Üeiß und Vollständigkeit des materials, aber die anordnung 
des materials lasse zu wünschen übrig. Die neuen resultate Milch- 
höfer's sind anzuerkennen, werden mit der zeit noch zu erweitern 
sein. lieber einzelne detailfragen trägt Lollincj abweichende ansichten 
vor. — Sp. 105: Friedr. Hultsch, Heraion und Artemision zwei tem- 
pelbauten loniens. Ein Vortrag. Berlin 1881. 8. 52 p. Der nerv 
der arbeit ist das metrologische Interesse. Alle längenmasse des al- 
terthums, des mittelalters und der neuzeit stammen bis zur einfüh- 
rung des meter's von der ägypt. königselle ab. — d. 

No. 4. Sp. 123: J. Frohschammer, über die principien der ari- 
stotelischen Philosophie und die bedeutung der phantasie in derselben. 
München 1881. 8. V, 143 p. 8 mk. Frohschammer nimmt unter 
die principien der Aristotelischen philosophie die phantasie auf, findet 
in ihr das einheitliche princip der aristotelischen weltauflfassung. Aber 
das geht über die grenzen und den sinn der Aristotelischen lehre 
hinaus. T. Wildauer. — Sp. 126: Nonni Panopolitani paraphrasis S. 
Evangelii loannei. Edidit Augustinus Schemdler. Accedit S. Evan- 
gelii textus et index verborum. Leipzig 1881. XL, 331 p. 8. 4 mk. 
50 pf. Lobende referirende anzeige von ^. Tiedke. — Sp. 127: Rud, 
Bitschofsky , de C. SoUii ApoUinaris Sidonii studiis Statianis. Wien 
1881. 8. 1 mk. 60 pf. Eine fleißige arbeit, die aber zu viel auf 
Statins zurückführt. F. Voigt. — Sp. 131: G. Luehbert, de amnestia 
anno CCCCIII a. Chr. n. ab Atheniensibus decreta. Kiel 1881. 8. 
98 p. (Diss.) Lobende referirende anzeige von A. H'öck. 

No. 5. Sp. 167: Adolf Kiene, die epen des Homer. Hannover 
1881. 8. 123 p. Thörichte schrift. Richard Neuhauer. — Sp. 169: 
W. Allers, de L. Annaei Senecae librorum de ira fontibus. Göttingen 
1881. 8. 77 p. Diss. 1 mk. 50 pf. Als hauptquelle sucht Allers 
mit großer Wahrscheinlichkeit Chrysipp thqI nsy&ujy zu erweisen. Jf. 
J. ATueller. — Sp. 174: Adolf von Breska, Untersuchungen über die 
quellen des Polybius im dritten buche. Berlin 1881. 8. 98 p. 1 mk. 
60 pf. Beifällige anzeige von Holm, — Sp. 474: H. D. J. van Sche- 
vichaven, Epigraphie der Bataafsche Krijgslieden in de Romeinsche 
Legers gevolgd van een Lijst van alle geregelde Hulptroopen tijdens 
het Keizerrijk. Leiden 1881. VI, 126 p. 3 mk. 50 pf. Wissenschaft- 
lich werthlos. E. Hühner. 

No. 6. Sp. 205 : Eduard Sievers , grundzüge der phonetik. Zur 
einführung in das Studium der lautlehre der indogermanischen spra- 
chen. 2. wesentlich umgearb. u. vermehrte aufl. der grundzüge der 
lautphysiologie. (Bibliothek indogermanischer grammatiken I). Leipzig 
1881. 8. XV, 224 p. 4 mk. 50 pf. Die arbeiten der englischen phonetiker 
Bell, Ellis, Sweet und des Dänen Storm sind hier verwerthet und das 
treffliche louch ist überall erweitert und verbessert, einige kaum zu 
rechtfertigende punkte (Widerspruch gegen die aufstellung eines all- 
gemeinen lautsystems, eintheilung der laute in sonore und geräusch- 
laute) sind hartnäckig beibehalten. H. Collitz. — Sp. 207 : F. Glaser, 
Publius Vergilius Maro als naturdichter und theist. Kritische und 
ästhetische einleitung zu Vergil's Bucolica und Georgica. Gütersloh 
1880. 8. Vm, 230 p. 2mk. 50 pf. Kießling charakterisirt die Ver- 
kehrtheit des buch's durch proben. — Sp. 207: Acta seminarii philo- 
logici Erlangensis. Ed. Iwanus Mueller et Fduardus Woelfflin. Vol. IT. 
Erlangen 1881. 8. 529 p. 9 mk. Lobendes inhaltsreferat von W. 
Ditienherger. — Sp. 217: Fligier, die urzeit von Hellas und Italien. 
Ethnologische forschungeu. BraunscUweig 1881. 8. VIII, 50 p. 4. 4 nxk. 

PhiioL Anz, XIL U 



154 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 8, 

Unreifes elaborat. H. Kiepert. — Sp. 219: Hugo Bluemner, die ar- 
chaeologische Sammlung im eidgenössischen polytechnikum zu Züricli. 
(Gypsabgüsse und antiken). Mit 4 tafeln. Zürich 1881. 8. XII, 
200 p. Lobendes referat von Fr. v. Duhn. 

No. 7. Sp. 242 : lustini philosophi et martyris opera quae fe- 
runtur omnia. Ad optimos libros mss. nunc primum aut denuo col- 
latos recensuit prolegomenis et commentariis instruxit, translatione 
latina ornavit indices adiecit Joh. Carol. Th. eques de Otto. Tomi III 
pars II. Opera lustini subditicia fragmenta Pseudo - lustini (Corpus 
apologetarum christianorum saec. II vol. V). Ed. III plur. aucta et 
emendata. Jena Fischer 1881. 8. 425 p. 8 mk. Referat von H. 
Holtzmann. — Sp. 243: Rud. Kunert, Quae inter Clitophontem dia- 
logum et Piatonis rempublicam intercedat necessitudo. Greifswald 
1881. 8. 37 p. 1 mk. Der Klitophon sei eine nach Veröffentlichung 
von Republik buch I verfaßte Streitschrift. Möglich , hat aber doch 
schwerlich die fortsetzung der Platonischen republik veranlaßt. E. 
Heitz. — Sp. 245: Cornelii Taciti de vita et moribus lulii Agricolae 
über. Rec. J. J. Comeüssen. Leiden 1881. 8. 40 p. Die ausgäbe 
scheint wesentlich im Interesse der vielen vielfach ganz verunglückten 
emendationen gemacht zu sein. A. Reifferscheid. — Sp. 246: Poetae 
latini aevi Carolin! rec. E. Duemmler. (Monumenta Germaniae histo- 
rica poetarum Latinorum medii aevi tom. I pars posterior). Berlin 
1881. VIII, p. 393 — 652. 4. Lobende anzeige von Joh. Huemer. 
Die emendation ist noch nicht abgeschlossen, die Orthographie zu nach- 
sichtig gegen die fehler der Schreiber, die imitationssteilen sind fleißig 
gesammelt. — Sp. 251 : Augustin Marrast, la vie byzantine au VIe 
siecle. Prefaces et commentaires par Adrien Plante. Paris 1881. 8. 
XXXV, 454 p. 8 fr. Lose zusammenhängende bilder aus der zeit lu- 
stinians. Gute dilettantenarbeit. Spyr. P. Lamhros. — Sp. 254: 
W. Bramhacli, das tonsystem und die tonarten des christlichen abend- 
landes im mittelalter etc. Leipzig 1881, 8. IV, 53 p. Die musika- 
lischen Voraussetzungen sind nicht überall richtig, das litterarhisto- 
risch-philologische ist sehr dankenswerth. H. Bellermann. 

No. 8. Sp. 278 : Georg Friedr. Unger, der sogenannte Cornelius 
Nepos. München 1881. 4. (Aus abhandlungen der bayr. akad. der 
wiss. XVI, abth. I). 100 p. 3 mk. Der Atticus der widmung ist nicht 
Pomponius Atticus, die Zugehörigkeit der vitae zu einem werke de 
viris illustribus weise nicht allein auf Nepos hin , dem Nepos seien 
die vielfachen irrthümer nicht zuzutrauen , von römischen quellen 
seien nur die spätesten benutzt, Nepos politischer Standpunkt sei ein 
anderer als der des angeblichen Probus, ebensowenig stimme der 
Sprachgebrauch. Dagegen ist die autorschaft des Hyginus sehr wahr- 
scheinlich gemacht. H. J. Müller. 

No. 9. Sp. 319: Gaetano Pelliccioni, Emiliano Sarti ed alcuni 
fragmenti postumi degli studi di lui. Bologna 1881. 8. 142 p. 9 
tafeln. G. Kaibel referirt über den Inhalt dieser warmen biographie. 
— Sp. 824 : Max Duncker, geschiohte des alterthums. V. bd. 3. 4. 
5. aufl. Leipzig 1881. XVI, 579 p. 11 mk. 20 pf. Lobende Würdi- 
gung des Werkes von Ariiold Schaefer, der bedenken geltend mächt 
gegen Duncker's ansieht über die Wanderung der Graeco-Italiker nach 
Griechenland, über das doppelkönigthum zu Sparta, über die zeit des 
königs Pheidon von Argos, über den rath auf dem Areopag, über 
den einfluß von Delphi auf aufhebung der blutrache u. kleinigkeiten. 

No. 10. Sp. 356 : K, L, Kayser's Homerische abhandlungen hsg. 
von Herrn. Usener. Leipzig 1881. XLVIII, 106 p. 3 mk. G. Hin- 
richs lobt die ausgäbe und charakterisirt Kayser's standpunct in der 
Homerforachung. — Sp. 358: P. Terentius Afer, ausgewählte komö- 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 155 

dien. Zur einfübrung in die lectüre der altlateinischen lustspiele er- 
klärt von Karl Dziatzko. II. bändchea: Adelphoe. Leipzig 1881. 8. 
114 p. 1 mk. 50 pf. Bis auf kleinigkeiten kann man mit der ein- 
leitung (über das verhältuiß vou Terenz zu Menauder und Dxpliilus), 
mit dem weaeutlich grammatischen commentar (besonders gute syn- 
taktische beobachtuDgen) mit metrischen und prosodiscbeu anmerkuu- 
gen durchaus zufrieden sein. Der anhang behandelt unsichere stellen 
meist ohne Widerspruch herauszufordern. F. Leo. 

No. 11. Sp. (585 : Joh. JJrauseke, der brief des üiognetos nebst 
beitragen zur geschichte des lebens und der schritten des Gregorios 
von Neoeaesarea. Leipzig 1881. 8. VIII, 207 p. 3 mk. Der haupt- 
theil der schritt weist überzeugend nach , daß kein grund sei , den 
brief des Diognetos später als in die letzten regierurigsjahre Marc 
Aurel's zu setzen. H. Hoizmann. — Sp. 390: Flatonis opera quae fe- 
runtur omnia ad Codices denuo collatos ed. Martmus Sclianz. Vol. V. 
Fase, prior. Symposion. Leipzig 1881. XIV, 74 p. 2 mk. Die aus- 
gäbe ist zu loben, doch .stehen noch etwas zu viele emendationen im 
texte selbst, die nicht auf Sicherheit ansprach machen können. Be- 
sprechung einzelner stellen. Fr. Susemihl. — Sp. 394: G. A. Saal- 
feld ., C. Julius Caesar. Sein verfahren gegen die gallischen stamme 
vom Staudpunkte der ethik und politik unter Zugrundelegung seiner 
- commentarien und der biographie des Sueton. Hannover 1881. 8. 
34 p. 80 pf. Die schrift bringt nichts neues. W. Dittenberger. — 
Sp. 399: Ph. A. Dethier , Etudes archeologiques. (Oeuvre posthume). 
Konstantinopel 1881. 4. 64 p. 8 mk. Tr. J^iVscÄ/eW hätte gewünscht, 
daß statt dieser sachlich mangelhaften aufsätze das andenken an die 
Verdienste des verstorbenen als direkter des ottomanischen museums 
für alterthümer durch eine biographie geehrt wäre. — Sp. 413: Ho- 
mers Ilias. Uebersetzt und erklärt von Wilhelm Jordan. Frankfurt 
a. M. 1881. 8. XIII, 686 p. 5 mk. Die anzeige J. Fenner's lobt 
versmaaß , anmuth der spräche , aesthetischen sinn und gründliche 
forschung. 

No. 12. Sp. 427 : Trois, poeines yrecs du moyen äge inedits re- 
cueillis par feu le prof. Jf. Wa(/?ier. Avec le portrait de l'auteur. 
Berlin 1881. 8. XX, 349 p. 12 mk. Enthält JirjyriCig nv U/Miojs 
1820 verse, der Achill hat mit dem Homerischen fast nur den namen 
gemein, no. 2 die Venediger versification des Pseudo-Callisthenes, no. 3 
die liebesgeschichte des Lybistros und der Rhodamne. Die ausgäbe 
ist nicht kritisch sondern giebt nur das nicht ganz durchgearbeitete manu- 
script Wagner 's wieder. A. Eberhard. — Sp. 432 : Heinrich Peter, 
lexikon der geschichte des alterthums und der alten geographie. Die 
historischen personen, Völker, länder und statten aus der orientalischen, 
griechischen und römischen geschichte bis zur zeit der Völkerwande- 
rung. Leipzig 1882. 8. 456 p. 8. Für den Standpunkt der oberen 
gymnasialklasseu und des laien berechnet, gewissenhaft gearbeitet, 
die litteraturnachweise hier und da etwas veraltet. — Sp. 437 : A. 
Milchhöfer, die museen Athens. Athen 1881. 8. IV, 108 p. ^ Ein 
praktisch populärer führer durch die antikenschätze Athens. Georg Treu. 

No. 13. Sp. 462: Marti^ius Erdmann, de Pseudolysiae epitaphii 
codicibus. Leipzig 1881. 8. 38 p. (Straßb. Diss.) Pseudolysiae ora- 
tio funebris edidit Martinus Erdmann. Leipzig 1881. 8. 30 p. 80 pf. 
Die handschriften sind richtig classificirt, die Zeugnisse für den Epita- 
phios vermißt man. In der recensio geht Erdmann unrichtigerweise 
von der classe F g aus, die nur byzantinische bearbeitung nach einem 
dem Paiatinus verwandten codex ist. U. v. Wilamowitz-MöÜendorff. — 
— Sp. 463; T. Mucci Plauti miles gloriosua Emendabat adnotabat 
O. Rihhech. Leipzig 1881. 8. III, 106 p. 2 mk. 80 pf. Die aus- 



156 Auszüge aus üeitsehriften. Nr. 3. 

gäbe stellt Ribbecks persönliche auffassung in den Vordergrund. Die 
emendationen zum theil sehr einleuchtend und beachtenswerth , zum 
theil verfehlt. O. Seyffert. — Sp. 467: Gustav Gilbert, handbuch der 
griechischen staatsalterthümer. 1. bd. der staat der Lakedaimonier 
und der Athener. Leipzig 1881. 8. VIII, 432 p. 5 mk. 60 pf. Das 
buch hat den orientirenden zweck einer zusammenfassenden darstel- 
lung, die anmerkungen sind daher umfangreich, der text ist farblos, 
eigne auff'assungen sind vielfach vorgetragen. Die histor. darstellung 
des attischen Staats giebt ein weniger klares bild als die des lakedai« 
monischen. Th. Thalheim. 

No. 14. Sp. 500 : Albert Martin, le manuscrit d'Isocrate Urbinus 
CXI de la Vaticane. Description et histoire. Receusion du panegy- 
rique. (Bibliotbeque des ecoles fran^. d'Athenes et de Rome fasc. 24). 
Paris 1881. 8. 33 p. 1,50 frcs. Eingehende beschreibung des wich- 
tigen codex und genaue collation die die lesart der ersten band und 
die nachtragenden bände (6) feststellt. Auch nach Bekker bringt die 
collation noch einige vortreffliche lesarten ans licht. Karl Reinhardt. 
— Sp. 501: Eduard Vl'ölfflin , die allitterierenden Verbindungen der 
lateinischen spräche. (Aus Sitzungsberichten der bayer. akad. der 
wiss. philol.-hist. cl. 1881. Bd. II. Heft 1. München 1881. 8. 94 p. 
1 mk. 20 pf. H. J. Müller giebt inhaltsreferat : die art und sinnver- 
hältnisse der alliterirenden formelhaften Verbindungen werden erör- 
tert und bis ins romanische herunter verfolgt. — Sp. 510: H. Schlte- 
tnami, Orchomenos. Bericht über meine ausgrabungen im böotischen 
Orchomenos. Mit 9 abbild. u. taf. Leipzig 1881. 8. VI, 58 p. 3mk. 
Desselben reise in der Troas im mai 1881. Mit einer karte. Ebd. 
1881. 77 p. 8. 2 mk. Die erste schrift berichtet über die ausgra- 
bung des schatzhauses in Orchomenos, die zweite über die höhenmes- 
sungen Schliemanns, die nachweisen sollen, daß nur Hissarlik anhäu- 
fung vorhistorischer trümmer aufweise. Benndorf. 

No. 15. Sp. 582: Gustave d'Eichthal, Socrate et notre temps. 
Theologie de Socrate. Dogme de la providence. (Extrait de l'annu- 
aire de l'associat. pour l'encourag. des etudes grecques en France. 
Aunee 1880.J Paris 1881. VIII, 96 p. Ist mit wohlthuendem phil- 
hellcnismus geschrieben aber befriedigt wissenschaftlich in verschie- 
denen punkten nicht. — Sp. 533: Rud. Hcrcher, Homerische aufsätze. 
Mit dem bildniß Hercher's. Berlin 1881. 8. 95 p. 4 mk. Lobende 
anzeige von R. Neubauer. — Sp. 535: loannes lülg , Vita L. Aelii 
Seiani Tiberio imperante praefecti praetorio. Innsbruck 1882. 8. 
VI, 38 p. 80 p. Eine erschöpfende Zusammenstellung und besonnene 
discutieruug des materials in correctem latein. Ign. Prammer. — 
Sp. 540 : Ernestus Fahricius , de architectura Graeca commentationes \ 
epigraphicae. Adiecta est tabula. Berlin 1881. 8. 86 p. 2mk. 40pf. 
Die schrift behandelt den vertrag zwischen der baubehörde des tem- 
pels des Zeus ,,königs" zu Livadia mit dem Steinmetzen philologisch 
imd technisch gleich vortrefflich mit wichtigen aufschlüssen auch für 
architecten , in deren interesse deutsche bearbeitung wünschenswerth 
gewesen wäre. R. Bohn. 

No. 16. Sp. 566: Peter N. Paj)pageorg , kritische und paläogra- 
phische beitrage zu den alten Sophokles -scholieu. Leipzig 1881. 8. 
86 p. 2 mk. Lobende anzeige von G.Kuibel, der gegen die behand- 
lung des scholions Ai. 581 nach cod. G Widerspruch erhebt. Die Stel- 
lung des cod. G zu L wird charakterisirt. Außerdem enthält das 
buch viele mehr oder minder sichere emendationen. — Sp. 567: Herrn. 
Genthii , epistula de proverbiis Romanorum ad animalium naturam 
pertinentibus. Hamburg 1881. 4. 12 p. Die schrift ist zur raschen 
Orieutirung über den bestand römischer Sprichwörter nützlich, bezeich- 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 1-57 

net aber nicht einen entschiedenen fortschritt der wissenschaftlichen 
erkenntniß. E. Voic/t. 

Zitterarisches centralblatt für iJeutsehland , herausgegeben von 
F. Zarncke 1881. Nr. 48. Sp. 1653: 31. Valerius Murtialis , epi- 
grammaton libruni priinuui recensuit couimentariis iustruxit Joan- 
nes Flach. Tübingen 1881. 8. XXIV, 119 p. 3 mk. Dieser com- 
mentar ist erwünscht und befriedigt ein bedüi'fniss. Die sachliche 
erklärung ist reichhaltig. A. R{iese). — Sp 1653: Poetae Latini 
aevi Carolini. Recensuit Erntstus Uuemmler. Toraus I, 2. Berlin 1881. 
4. Lobende anzeige mit einigen bemerkungeu von E(he))t. — Sp. 1659 : 
Ludivig von Syhel , Katalog der sculpturen zu Athen. Mit systemati- 
scher Übersicht und epigraphischem index. Marburg 1881. 8. XXIV, 
459 p. 7 mk. Ein werk concentrirtesten fleißes und großer selbst- 
verläugnung. weil ein bloßes Inventar mit statistischen und literarischen 
nachweisen geliefei't werden konnte. Die systematische Übersicht ist 
nicht absolut vollständig. Ref. giebt nachtrage. A. M{ilchhöfe)r. 

No. 49. Sp. 1685: Exercitationis grammaticae specimina. Edide- 
runt seminarii philologici Bonnensis sodales. Bonn 1881. 8. 61 p. 

1 mk. 30 pf. Lobende anzeige von Cl{emm). — Sp. 1685: Rud. Her- 
cher , Homerische aufsätze. Mit dem bildniß Hercher's. Berlin 1881. 
U. bespricht einige bedenken zu denen ihm bei aller vortrefi'lichkeit 
die aufsätze anlaß geben. — Sp. 1686: Buumcjarten, Friedr., de Chri- 
stodoro poeta Thebano. Bonn 1881. 8. (Diss.) 66 p. A. L{udivi)ch 
empfiehlt das schriftchen und giebt ein paar bemerkungen dazu. 

No. 50. Sp. 1722: Polak, H. J., ad Odysseam eiusque scholiastas 
curae secundae. Fase, prior. Leiden 1881. 8. VIII, 275 p. Sr. 
[Schrader) : die kritischen beitrage zeigen die nothwendigkeit einer 
neuen ausgäbe der Odysseescholien und sind selbst ein werthvoller 
beitrag zu diesen. Ref. giebt selbst beitrage. — Sp. 1723: Adam, 
Ludw. , die Odyssee und der epische cyclus. Ein versuch zur lösung 
der homerischen frage. Wiesbaden 1880. 8. Vit, 125 p. 3 mk. 
Wieder eine neue theorie über die bestandtheile der Odyssee und den 
einfluß den die einstellung dieses gedichts in den großen kyklos von 
der /j.tji'ts yuiag auf dessen gestaltung gehabt hat. Reine birnge- 
spinnste. Sr. — Sp. 1724: Heerdegen, Ferd., über historische entwi- 
ckelung lateinischer Wortbedeutungen. Ein lexikalischer beitrag zur 
latein. bedeutungslebre, syntax und Stilistik. Erlangen 1881. 8. 107 p. 

2 mk. Giebt die bedeutungsgeschichte von ,,orare" unendlich sorg- 
fältig. Eine massenuntersuchung in der art würde gewiß ersprießlich 
sein, aber die ausführung erfordert zu viel kraft. CI{emin). 

No. 51. Sp. 1761: Phdarqne vie de Demosthene. Texte grec 
revu sur le manuscrit de Madrid accompagne d'une notice sur Plutar- 
que et sur la source de la vie de Demosthene d'an ai'gument et de 
notes en fran9ais. Par Ch. Graux. Paris 1881. 8. XXV, 95 p. Der 
erste theil der handschrift die viten des Nikias u. Crassus, Alkibiades 
und Coriolanus, Demosthenes und Cicero, Agesilaos und Pompeius um- 
fassend , hat bedeutenden kritischen werth. Graux hat sie für den 
text trefflich benutzt. Ref. F. Bi{aß) führt eine reihe der wichtigsten 
stellen an und bespricht andere, wo er abweichender meinung ist. — 
Sp. 1767 : 3Iilani, Luigi Adriauo, il Ripostiglio della Venera. Monete 
romane della seconda metä del terzo secolo Ordinate e descritte. Con 
tre tavole eliotipiche. Verona 1880. 8. 213 p. 4. Beschreibung 
von 50000 stück römischen münzen aus der zeit 242 — 287 n. Chr. aus 
einem funde in der pi-ovinz Verona. Bu{rsian). 

Nr. 52. Sp. 1786: Eichthal,, Gustave d', Socrate et notre temps. 
The'ologie de Socrate. Dogme de la provideuce. Paris 1881. 8. 
Vlll, 96 p. Die lehre von der Vorsehung bei Sokrates bildet den mit- 



138 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

telpunct der Untersuchung in verständlicher weise, wennaach den re- 
sultaten nicht beigepflichtet werden kann. — Sp. 1795: Voigt, Moritz, 
über das vadimonium. Leipzig 1881. 8. 74 p. 2 mk. 20 pf. In- 
haltsreferat von —t. — Sp. 1798: Meyer ^ Wilh. , die urbinatische 
Sammlung von spruchversen des Menander Euripides u. anderer. Mün- 
chen 1880. 4. 53 p. (Aus den abhandlungen der bayer. akad. der 
wissensch. I. cl. XV. bd. 2 abth.) — Die Sammlungen der MsvüviJqov 
yvuif^cci, jnouöan/oi, (8 versch. Sammlungen mit ca 850versen) sind ent- 
standen aas ausbeutung älterer umfangreicher spruchsanimlungen. — 
Die urbinat. Sammlung speciell geht auf vorzügliche quellen zurück. 
/. K[oiGalu). — Sp. 1799: Arnohlt , Rieh., der eher im Agamemnon 
des Aeschylus scenisch erläutert. Halle a. S. 1881. 8. XIII, 89 p. 
2 mk. 40 p. Mustergültige Untersuchungen über die vorliegenden 
schwierigen probleme. A. L{udtoi)ch. — Sp. 1800: Heller, H. , die 
absichtssätze bei Lucian. Theil I: iV«, ms, onuyg. Berlin o. j. (Sym- 
bolae loachimicae). Dankenswerthes material zur histor. syntax der 
griech. spräche. B{ru)ij)n{an). — Sp. 1880: Lamhros, Spyrid. , ein 
besuch auf dem berge Athos. Bericht etc. Aus dem neugriechi- 
schen übersetzt von P. Heinrich von Rickenbach. Würzburg 1881. 8. 
32 p. Nach dem original und der Boltzschen Übersetzung überflüs- 
sig. V. G{ardthausen). 

1882. No. 1. Sp. 25: UannayuÜQyios, ß. N. XQixi,xa xal t(i- 
fAtjviVTixa ilg m anoandßficcia uöv "^ Ekkrjvtav TQccyixwv noitjmy. Leipzig 
1880. 8. 55 p. Ein fleißiger beitrag zur kritik der tragiker mit 
einigen sehr beachtenswerthen besserungen, wenn gleich der größere 
theJl der emendationen verfehlt ist. J. K{viGala). — Sp. 26: Arie- 
niidvros aus Daldis Symbolik der träume, üebers. und mit anmer- 
kungenhegleiiei YOnFriedr. S. Krauß. Wien 1881. 8. XIV, 333 p. 
Eine fließende Übersetzung. Leider wird Artemidoros nicht als cul- 
turdenkmal seiner epoche , sondern vom gesichtspunkt moderner spe- 
culation aus betrachtet. Sp(itt)a. — Sp. 26: Piaton' s staat. Griechisch 
und deutsch mit kritischen und erklärenden anmerkuugen. Bd. I. II. 
Leipzig 1881. 8. XXV, 391, 427 p. 4 mk. Der text ist mit be- 
rücksichtigung neuerer monographien eklektisch gestaltet, die Überse- 
tzung wortgetreu. Die erklärung auf das nöthigste beschränkt. M. 
W{o)hlr{a)h. — Sp. 26: Uphucs, Karl, die definition des satzes. Nach 
den platonischen dialogen Kratylus, Theaetet, Sophistes. Landsberg 
a. W. 1882. 73 p. 2 mk. 80 pf. Das buch leidet an Unklarheiten 
und Widersprüchen und fördert den gegenständ nicht. 31. W{o)hlr{a)b. 
— Sp. 27: Wot'lffUn, Ed., die alliterierenden vei-bindungen der latei- 
nischen spräche. München 1881. 8. 94 p. 1 mk. 20 pf. (Aus Si- 
tzungsberichten der Münchner akademie der wissensch. philos.-phil.- 
hist. cl. Bd. II. Heft I. Wölft'lin verfolgt die allitterierenden Ver- 
bindungen des lateinischen vom anfang an bis zu den romanischen 
sprachen, weist bei diesen neue Verbindungen an stelle verloren ge- 
gangener werte auf Alles mit der beschränkung auf coordinirte 
Worte. A. R{iese). — Sp. 29 : Madinf/, J. N., die Verfassung und Ver- 
waltung des römischen Staates. Bd. I. Leipzig 1881. 8. XIV, 593 p. 
12 mk. Soll ohne Vollständigkeit in litteratur, quellen oder auch nur 
des stoff's zu beabsichtigen ein klares übersichtliches bild des römischen 
Staates und seiner entwicklung geben; dient der auschauung, ist kein 
instrument zur arbeit. Er leugnet gegenüber Mommsen daß es zu 
Rom eine ausgebildete theorie der Staatsgewalt gegeben , beginnt 
ebenfalls im gegensatz zu Mommsen nicht mit der magistratur son- 
dern mit bürgerschaft und senat. Die behandlung ist historisch, nicht 
juristisch. Kritik und exegese Madvigs fördern viele fragen. Seinen 
zweck erreicht das buch vollstäudig. 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 159 

No. 2. Sp. 56: Philologische Untersuchungen, hrsg. v. A. Kieß- 
ling u. U.V. Wilamowifz-Möllrndorff. Beft 4. Antigonos von Karystos. 
Berlin 1881. 8. VIII, 356 p. 6 ink. Ausführliche besprechung von 
E. R{ohde), der das verdienstliche des buches wesentlich in den ex- 
cursen über die aufiassung der philosopheuschulen als iHacoi und über 
den „kynischen jjrediger Teles" sieht. Daa Charakterbild des Anti- 
gonos selbst sei ein sensationelles phantasiegemälde. — Sp. 59: Eugen 
Frohwein. Verbura Homericuni. Die homerischen verbalformen zusam- 
mengestellt. Leipzig 1881. 8. IV, 144 p. 3 mk. 60 pf. Nützliche 
und fleißige Zusammenstellung nach La Roche'« ausgäbe leider ohne 
angäbe der Varianten. — Sp. 59: A. Gerber et A. Greef, lexicon Ta- 
citeum. fasc. IV. Leipzig 1881. 8. p. 837—480. A. E. bespricht 
besonders den artikel et (86 spalten). — Sp. 60: Bitschofshy , Rud., 
de C. SoUii Apollinaris Sidonii studiis Statianis. Wien 1881. 8. 
87 p. 1 mk. 60 pf. Lobende anzeige von A. R{iese). 

No. 3. Sp. 88: Cornelii Taciti de vita et moribus lulii Agricolae 
liber. Recens. /. /. Comelissen. Leiden 1881. 8. Unter vielen ver- 
unglückten emendationen findet sich doch ein brauchbarer rest. Fein- 
heit der sprachlichen beobachtung und kritische gewandtheit sind 
anzuerkennen. A. E{ußner). — Sp. 89 : Venantü Fortunuii opera poe- 
tica. Rec. et emend. i^rü?. Zuo. Berlin 1881. 4. (Monumenta Germ, 
histor. Auct. antiquissimi T. IV, 1). XXVH, 427 p. 12 mk. Gute 
ausgäbe. Einige kritische miscellen fügt hinzu A. R{iese). 

No. 4. Sp. 105: Bihliorum sacrorum Graecus codex Vaticanus 
auspice Pio IX — collatis studiis CaroU Vercellone et Josephi Cozza. 
Romae. 6 voll. fol. 1868 — 1881. Die ausgäbe vrimmelt voller ver- 
sehen und unrichtiger angaben. E. K{estk). — Sp. 108: Veteris te- 
stamenti Graeci Codices Vaticanus et Sinaiticus cum textu recepto 
collati ab Eherhardo Nestle. Supplementum editionum quae Sixtinam 
sequuntur omnium in primis Tischen dorfianarum. Leipzig 1880. V, 
187 p. Dieses Supplement macht Tischendorfs ausgäbe erst zu einer 
kritischen, soweit es ohne vergleicliung der hdss. möglich ist. R. K. 
— Sp. 120: Aristophanis Plutus. Rec. Ad. von Velsen. Leipzig 1881. 
8. VI, 85 p. 2 mk. Verdienstvolle ausgäbe. {A. v. Bamber)(/ macht 
bedenken gegen eine reihe emendationen geltend. 

No. 5. Sp. 156: G. F. Unger, der sogenannte Cornelius Nepos. 
München 1881. 4. 100 p. (Aus abhandl. der bayer. akademie). A. 
E{ußner) giebt ausführliches referat über den gang der Untersuchung 
die zu dem resultat kommt, daß nicht Nepos sondern vermuthlich 
Hyginus der Verfasser des feldherrenbuchs sei. — Sp. 158: Consfantin 
Ritter, die Quintilianischen declamationen. Untersuchung über art 
und herkunft derselben. Mit 2 facsimiledrucken. Freiburg i. Br. 
1881. 8. XIV, 275 p. 8 mk. Ausgezeichnete Untersuchung über 
die Scheidung der eebten und unechten declamationen. Referat von 
A. E{ußner). 

No. 6. Sp. 173: Georg Voigt, die Wiederbelebung des classischen 
alterthums oder das erste jahrli. des humanismus. Bd. 2. 2. umgearb. 
aufl. Berlin 1881. 8. VIII, 547 p. Lobendes inhaltsreferat. — Sp. 
186: Heinrich Schliemanii, Orchomenos. Bei'icht über meine ausgra- 
bungen im böotischen Orchomenos. Mit 9 abbilduugen u. 4 tafeln. 
Leipzig 1881. 8. VI, 58 p. 3 mk. Angabe des Inhalts von Ru{r^ 
sian), die ,,schatzbäuser" waren fürstengräber. — Sp. 187: G^(si. 
JTugenumn , de Graecorum prytaneis capita tria. Breslau 1881. 8. 
61 p. 1 mk. 50 pf. Fleißig und verständig, aber breit und die con- 
troversen wenig fördernd. — Sp. 187: Vlgie M., etudes sur les irapots 
indirects romains Vicesima libertatis Vicesima hereditatis. Paris 
1881. 8. Die au$eiaandersetzuugeu sind klar uud verutäudig etwas 



160 Auszüge aus zeitscliriften. Nr. 3. 

breit. L. fülut fehlerhafte einzelheiten an. — Sp. 191 : Kleinpaul. 
Rud., Rom in wort und bild. Eine Schilderung der ewigen stadt und 
der Campagna. Mit 368 illustr. Liefg. 1. 2. Leipzig o. j. fol. p. 1 
— 28. Anzeige von Bu{rsian). 

No. 7. Sp. 204: P. E, Lucius, die Therapeuten und ihre Stel- 
lung in der geschichte der askese. Eine kritische Untersuchung der 
Schrift de vita contemplativa. Straßburg 1880. 210 p. 8._ 4 mk. 
Verf. erweist, daß das buch eine tendenzdichtung sei , und nicht von 
Philo sein könne. Die positiven aufstellungen , es sei eine etwa aus 
ende des 3. jahrh. stammende vertheidigungsschrift für das asketen- 
leben sind sehr zweifelhaft. — ss— — Sp. 205: Arnold Schaefer, ab- 
riß der quellenkunde der griechischen und römischen geschichte. 2. 
abth. Die periode des römischen reiches. Leipzig 1881. 8. 199 p. 
3 mk. F. R. bedauert das ausfallen der Schriftsteller des hellenismus 
und überhaupt auch die unvollständigkeit der späteren abschnitte. 
Das ganze erreicht nicht die Vollkommenheit der ersten abtheilung. 

F. R. — Sp. 218: Herrn. Ä'oecA/j''5 gesammelte kleine philologische 
Schriften. Unter leitung von Geo, M. Thomas hrsg. von Oottfried 
Kinkel jun. und Freist Boeckel. Leipzig. 1. Bd. Opuscula Latina ed. 

G, Kinkel. VII, 597 p. 15 mk. Inhaltsangabe von Cl. — Sp. 219: 
Poetae Latini minores rec. et emend. Aemilius B'dlirens. Vol. III. 
Leipzig 1881. 8. 308 p. A. R(iese) erkennt die herbeischafFung des 
handschr. materials an, tadelt aber die kritische mißhandlung der 
texte. — Sp. 220: Andr. Frigell , epilegomena ad T. Livii librum 
primum. Upsala 1881. 8. 80 p. Dankenswerthe erörterungen über 
den werth der Livianischen handschriften, sowie besonnene beitrage 
zur kenntniß livianischen Sprachgebrauchs. A. F. 

No. 8. Sp. 236 : A. Schwegler, geschichte der griech. philosophie. 
Hrsg. V. Karl K'Ostlin. 3. verm. u. verb. aufl. Freiburg i. Br. 1882. 
8. VIII, 462 p. 6 mk. Die neue aufläge hat den werth des buchs 
erhöht. — Sp. 248: Xenophons gastmahl. Griechisch u. deutsch hsg. 
von Geo. Ferd. Rettig. Leipzig 1881. 8. IV, 273 p. 2 mk. 25 pf. 
Wichtig für die exegese und verständniß des ganzen, weniger für die 
kritik nebst beitragen des ref. B{laß). 

No. 10. Sp. 309: Jacob Krall, studien zur geschichte des alten 
Aegypten I. Wien 1881. 80 p. Klare und verständige forschungen 
zur Chronologie der Aegypter, die Phönixperiode habe nie existirt, 
priester und gemeiner mann benutzten das wandeljahr von 365 tagen. 
G. F. — Sp. 310: Zielinski , Thadd. , die letzten jähre des zweiten 
punischen krieges. Ein beitrag zur geschichte und quellenkunde. 
Leipzig 1880. 8. 174 p. 4 mk. Viele Schwierigkeiten der Überlie- 
ferung über die letzten jähre des 2. pun. krieges werden definitiv be- 
seitigt. Polybius darstellung findet rechtfertigung. — Sp. 323 : Perrot, 
Georges et Charles Chipiez, histoire de l'art dans l'antiquite-Egypte-As- 
syrie-Perse-Asie mineure-Grece-Etrurie-Rome. Tom. I l'Egypte Cont. 
environ 600 gravures dessines d'apres les originaux. Livr. 1 — 6. Paris 
1881. 4. G. F{hers) rühmt wissen, methode, reiche an ort und stelle 
gesammelte anschauungen, guten geschmack der verfassei*. Für eine 
reihe einzelner punkte giebt er seine abweichende meinung an. 

Notiz: Preisavfgabe der Utrechtsch Genootschap van hunsten en 
ivetenschappen : Mit rücksicht auf die von H. MüUer-Strübing in seinen 
Schriften ausgesprochenen ansichten wünscht man eine Untersuchung über 
den werth, welcher den werken des Aristophanes und Thucydides für die 
kenntniß ihrer zeit zuzusprechen ist. Preis 300 gülden. Termin: 
1. dec. 1883. Einzuliefern bei dem Secretär d. gesellsch. mr. R. M. 
Baron van Lynden. 



Nr. 4. 5. April. Mai 1888. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



26. Junggrammatische streifziige im gebiete der syntax von 
dr. Hermann Ziemer, o, 1. am k. domgymnasium und der 
realschule erster Ordnung zu Kolberg. Kolberg, L. F. Postsche 
buchhandlung L. Jancke u. dr. P. Jancke. 1882. 

Die vorliegende schrift ist eine erweiterung, theilweise Um- 
arbeitung der in nro. 4. 5 des Philologischen anzeigers vom 
jähre 1881 besprochenen programmabhandlung vom jähre 1879. 
Der erste abschnitt (bis p. 27, früher p. 11) giebt eine inter- 
essante characteristik der sogenannten junggrammatischen schule. 
Unsere anzeige möge sich auf den zweiten abschnitt „das psy- 
chologische moment in der bildung syntactischer sprachformen" 
beschränken. 

Unter psychologischer betrachtung einer syntactischen er- 
scheinung versteht der Verfasser eine analyse derselben mit rück- 
sicht auf die entstehung im sprechenden menschen. Von der 
junggrammatischen schule (insbesondre Paul in seiner „Sprach- 
geschichte") sind fast ausschließlich einzelformen berücksichtigt 
worden , syntactische Verbindungen nur insoweit als sie mit der 
Wortbildung und flexion in connex treten. Früher hatte Ziemer 
behauptet, das psychologische moment sei ehemals der philologie 
unbekannt gewesen ; jetzt spricht er sich (p. 40) vorsichtiger aus 
mit den worten : „man sage nicht, es sind dies alles längst be- 
kannte Sachen. (Es ist vorher insbesondre von dem Übergang 
der spräche aus dem abstracten in's concrete die rede gewesen). 
Gewußt sind sie wohl als factor, aber ihr wesen richtig erkannt 
und namentlich den positiven werth der isolierung begriffen und 
nach allen selten hin gewürdigt zu haben , dies verdanken wir 
Piiilol. Aqz. Xn. 12 



162 26. Grammatik. Nr. 4. 

nur den neuesten sprachwissenschaftlichen Untersuchungen". Es 
mag dies für die formenlehre wohl begründet sein, aber wir be- 
kennen von vornherein, daß wir in den anziehenden und verdienst- 
vollen syntactischen Untersuchungen des verfassera» keine methode 
entdeckt haben, welche der älteren philologenschule unbekannt 
gewesen wäre. Auch verwirft Ziemer grammatische termini wie 
^füj'jM« u. drgl. nicht mehr so entschieden wie früher, indem er 
bemerkt (p. 49) : „wir wollen dieser terminologie an sich nicht 
den krieg erklären; man wird sie ja brauchen können, um sich 
über gewisse erscheinungen kurz und präcis auszudrücken; nur 
wird es immer besser sein , wenn der erklärer sprachlicher Vor- 
gänge den Schüler in die Werkstatt der spräche, in die psycho- 
logischen Vorgänge, deren ausdruck die spräche ist, einführt, als 
wenn er nach dem satze „wo begriffe fehlen, da stellt ein wort 
zur rechten zeit sich ein" mit einer phrase, welche oft wenig 
anschaulich oder ganz nichtssagend ist, sich begnügt." Doch 
verdient der ausdruck hyperbaton nach Ziemer keine Schonung, 
sondern tilgung. Darüber wird (p. 5) bemerkt: „ist aber das 
hyperbaton, wie die gewöhnliche definition der grammatiker es 
will, jede auffallende änderung der logischen Wortfolge und fas- 
sen wir diesen begriff nicht allzueng und ängstlich, so kommen 
wir schließlich dahin, daß die ganze spräche aus hyperbaten be- 
steht." Es wird aber, wie uns scheint, genügen vor der meinung 
zu warnen, daß der name hyperbaton eine ganz willkürliche 
abweichung von der gewöhnlichen Wortstellung bezeichnet, ohne 
den ausdruck ganz über bord zu werfen. Auch der name ana- 
coluthie ist nach Ziemer, als unglücklich gewählt und nicht auf 
alle eingeschlossenen fälle passend, zu verwerfen. Man braucht 
ja aber den ausdruck meist nur da, wo der verband eines Satz- 
gefüges sich derart gelockert hat, daß anfang und ende, aus den 
fugen gerathen , nicht harmonieren , und da erkennt ihn auch 
Ziemer als statthaft an. Streng genommen dürften wir ja auch 
nicht einmal von unregelmäßigen Zeitwörtern reden, und es wird 
doch immer geschehen. 

Das zweite capitel handelt von der ausgleichung zweier gedan- 
ken- oder redeformen nach dreifachem gesichtspunkte. Die erste ca- 
tegorie bildet die formale oder functions-ausgleichung, eine äußere 
assimilation oder exäquation nach dem schema a=b (progressiv- 
formale ausgleichung) oder h=a (congressiv-formale ausgleichung, 



Nr. 4. 26. Grammatik. 163 

wie in den beispielen haec eet lex prima, hi sunt reges Persarum 
(wo ist aber da eine ausgleichung?) ijSt uqj^ij zJji^ 6(JioXoyia>;. 
Hierhin gehört der fall audacior quam paratior , der übrigens 
nicht identisch ist mit magis audaeter quam parate, da durch diese 
Wendung das zweite prädicat ausgeschlossen oder mindestens 
bezweifelt wird. Daran schließen sich genus- numerus- und ca- 
susausgleichungen. Ein störender druckfehler begegnet uns 
p. 70, wo // uQiazTj T^v ;/y,' als numerusassimilation bezeichnet 
wird. Auf eine Casusausgleichung wird auch suus quisque zu- 
rückgeführt. Aber in stellen wie Cic. de div. II, 8, 20 classes 
alteram naufragio , alteram depressam interire. Cornel. Ham. 2 
ut clausi plures ferro quam fame interirent kann nicht wohl von 
einer Casusausgleichung die rede sein. Wenn zu der attraction 
des vocativs p. 71 bemerkt wird „griechische beispiele sind mir 
nicht bekannt", so ist dem sonst so sorgsamen Verfasser entgan- 
gen, daß Matthiä in seiner griechischen grammatik § 312 fünf 
beispiele zusammengestellt hat , denen wir noch Aesch. Suppl. 
535 ysrov nolviA.v)jrszo(j , sqümoQ laZi^ und Theoer. id. XVIII, 
V. 9 0VI03 8tj 77(j(äi^e xaifSgaOsi , co qiXi: ju/jißQi-' ; hinzufügen. 
Eine stelle wie Göthes „Hermarin und Dorothea, Polyhymnia: 
Ihn verwirrt nicht die sorge der vielbegehrenden Städter, 
Die dem reicheren stets und dem höheren, wenig vermögend, 
Nachzustreben gewohnt sind, besonders die weiber und mädchen 
möchten wir nicht unter die beispiele der erscheinung rechnen, 
daß appositionen und appositionsartige Zusätze , welche hinter 
dem relativsatze stehen, in beziehung auf ihre casus vom relativ- 
pronomen attrahirt werden. 

In cap. III (tempusausgleichung) wird zunächst der infinitiv 
des perfects, wo das präsens erwartet wird, besprochen. Es wer- 
den fünf arten dieses perfectinfinitivs unterschieden. Unzweifel- 
haft richtig wird die letzte gebrauchsform , nach welcher nach 
den praeteritis der verba oportet, decet, convenü der infinitiv per- 
fecti steht , wo wir das präsens erwarten , auf eine formale aus- 
gleichung zurückgeführt, treffend wird dazu bemerkt: in der 
seele des dichters (Plaut, mil. 730 itidem divos dispertisse vitam 
humanam aequom fuit) begegnen sich zwei gedanken : „es wäre zu 
wünschen , daß die götter theilten" — und „sie haben leider 
nicht getheilt" d. h. sie sollten eigentlich getheilt haben, sie hät- 
ten theilen sollen, so daß der wünsch, der vor der seele schwebt, 

12* 



164 26. Grammatik. Nr. 4. 

und das was wirklich geschehen ist, mit solcher gewalt sich durch- 
dringen, daß der stärkere theil (die götter haben nicht gewollt) 
vermöge seines eigenthümlichen gewichts naturgemäß im perfect 
zum ausdruck gelangt. 

Wenn weiterhin in Cic. de nat. d. III, 28 {Huic loco sie 
soletis occurrere: non idcirco non optime nohis a diis esse provisum 
quod multi eorum beneßcio perverse uterentur) der conjunctivus irii- 
perfecti auf den vorhergehenden infinitivus perfecti zurückgeführt 
wird, so liegt es näher mit Schömann auf stellen wie XXII, 61, 
zurückzugehen (^Epicurus vere tuus quid dicit quod non modo pTii- 
losophia dignum esset, sed mediocri priidentiaf) 

In cap. IV (von der modusausgleichung) wird ein nachtrag 
zu Dräger gegeben; ich habe mir, ehe Drägers werk erschienen 
war und ehe ich von einer junggrammatischen schule gehört 
hatte , allein aus den Tusculanen , aus de finibus, de natura deo- 
rum, de oratore und Livius etwa 13 beispiele von der attraction 
des modus aufgezeichnet, die bei Dräger wie bei Ziemer fehlen. 
Zur modusausgleichung in relativsätzen : 

Tusc. I, 5 Si solos eos diceres miseros quibus moriendum esset, 
neminem tu quidem eorum qui viverent exciperes. De orat. I, 55, 
236 nam si ita diceres qui iuris consultus esset, esse eum oratorem, 
item qui esset orator, iuris eundem esse consultum. Liv. XXVI, 
49, 14 meae populique Romani disciplinae causa facerem ne quid 
quod sanctum usquam esset violaretur. In causalsätzen : De fin. III, 
18, 64 Ex quo fit ut laudandus is sit qui mortem oppetat pro pa- 
tria, quod deceat cariorem nobis esse patriam quam nosmet ipsos. 
De nat. d. VI, 17 ut ob eam ipsam causam, quod etiam quibusdam 
regionibus atque urbibus contingere videmus, hebetiora ut sint hominum 
ingenia propter coeli pleniorem naturam hoc idem generi humano 
evenerit, quod in terra, hoc est in crassissima regione mundi collocati 
sint. De nat, d. I, c. 22 Sed Simonidem arbitror, quia multa ve- 
nirent in mentem acuta atque subtilia, dubitantem quid eorum esset 
verissimum desperasse omnem veritatem. I, 33 Qutim Epicurus Ti- 
mocratem , quia nescio quid in philosophia dissentiret , totis volumi- 
nibus conciderit. In temporalsatzen : De nat. d. III, 17, § 18 
Sed eas tu ita refellis ut , quum, me interrogaturus esse videare et 
ego me ad respondendum compararem , repente avertas orationem 
nee des respondendi locum. III, 23, § 59 ut quum de diis immor- 
tah'bvs dispiitemus dicamus digva diis immortalibus. Tusc, III, 1, 1 
/ 



Nr. 4. 26. Grammatik. 165 

Ita fit ut animus de se ipse tum iudicet quum id ipsum quo iudi- 
catur aegrotet. II, 23, 54 ut enim fit in proelio ut ignavus miles 
ac timidus, simulac viderit hostem, ahiecto scuto fugiat, quantum pos- 
sit — sie qui sq. De orat. I, 26, 121 Adolescentulus vero sie 
initio accusationis exanimatus sum ut hoc summum beneficium Q. 
Maximo debuerim quod continuo consilium dimiserit, simulac me fra- 
ctum ac debilitatum metu viderit. De nat. d. II, 19 Primusque 
sol, qui astrorum tenet principatum^ ita movetur, ut, quum terras larga 
luce compleverit, easdem modo his modo Ulis partibus opacet. 

Beachtenswertli ist p. 85 die bemerkung über die formale 
ausgleichung in fällen wie Horaz serm. I, 3, 5 Caesar qui cogere 
passet Si peteret per amicitiam patris atque suam non Quidquam 
proficeret. Wenn aber der fall Caius si Titus abibat, aegre ferebat 
mit dem griechischen on/na an'ioi verglichen wird, so paßt diese 
analogie mehr auf den conjunctiv in fällen wie si peteret , wo 
im Vordersatz die unbestimmte zeit durch den conjunctiv aus- 
gedrückt wird, dem sich dann der nachsatz assimiliert. Noch 
deutlicher tritt dies in dem folgenden si collibuisset hervor. Da- 
gegen die stelle de fin. II, 20, 64 (aberat omnis dolor: qui si 
adesset, nee molliter ferret et tamen medicis plus quam philosophis 
uteretur) ist anderer art, denn hier ist ein irrealer bedingungs- 
satz, wo der conjunctiv des imperfects, wie auch im griechischen 
das imperfectum mit dem begriff der dauer auf die Vergangen- 
heit angewandt wird , wo wir den conjunctiv des plusquamper- 
fectums erwarten. 

Am zahlreichsten sind die iu cap. III behandelten fälle der 
combinationsausgleichung , wo durch ausgleichung zweier sich 
gegenseitig bedingender sprechweisen neubildungen entstehen. 
Als beispiele von Verbalsubstantiven mit dem dativ konnten 
stellen wie Aesch. Pers. v. 523 yf/ re -mu q>&iToh- dcofjrjfiaia 
Aristoph. nub. 305 ovQuvioig ti. dtu'ni bwQtinuia angeführt wer- 
den, wie zu dem von Dräger § 162 behandelten accusativ bei 
adjectiven auf bundus Verbindungen Avie (xv^ia (ivoia mfinaaräv Pers. 
951, lOHQ nnnnnun'}^ Choeph. 22, na cfvhiAog Soph. Antig. 789. 
Wenn in dem capitel VI (von den combinationsausgleichungen 
im bereich der raodi) auf eine wiederholte redeform Piatos hin- 
gewiesen wird , welcher den Infinitiv nach einem eingeschobenen 
Zwischensatze z. b. mj; oIiaui setzt wo man den indicativ erwar- 
tete (z. b. roi'if, oji' olfiui, uiu)'Aato7utoi elmt) , so war zu be- 



166 27. Grammatik. Nr. 4. 

merken , daß sich diese attraction nicht nur schon bei den tra- 
gikern findet (Aesch. Pers. 188 rovroj (iTÜaiv rn' an' sj'™ 'öoxovr 
OQÜr , Tfi-ieiv SV alh]X'i[iGi ^ auffallender wegen der nachstellung 
des Zwischensatzes v. 565 jvix)a Ö' rAqivyati dmy.i'' avjoi dg 
aKfivofitr , mehr darüber bei Erfurdt zu Soph. Antig. 736), son- 
dern auch bei lateinern, wie Cic. de rep. I, 37 si, ut Graeci di- 
cunt, omnes aut Graios esse aut barbaros, vereor ne barbarorum rex 
fuerit. De off. I, 7, 22 quoniam^ ut placet Stoicis, quae in terris 
gignuntur ad usum hominum omnia creari. Die betreffenden stellen 
sind von Meineke zu Theoer. XII, v. 14 lind von Bernhardy 
in den paralipomena syntaxis Graecae p. 16 zusammengestellt. 

Sehr ansprechend ist die erklärung des ablativs in stellen 
wie Plaut. Amph. 293 nullus hoc meticidosus aeque. Most. I, 1,30 
quo nemo adaeque jparcus. Ziemer faßt im anschluß an andere forscher 
den ablativ als ausdruck der trennung „von wo , im abstände 
von, von wo gerechnet" daher „im vergleich zu." So erklären 
sich auch Verbindungen wie Hör. epist. I, 16 alium sapiente, II, 
1, 240 aliis Lysippo, serm. II, 3, 208 species alias veris und ein 
fall wie nsto d 'A^iXlnv ovin; nijjQ na^/äoraroii „von dir an ge- 
rechnet ist keiner der glücklichste." Die Wendung ituvdv agt- 
aror förtr ^ ^^r a&lioag sieht Ziemer (p. 132) als einen für den 
comparativ gewählten jüngeren ersatz an. Die von uns schon 
früher als interessant bezeichnete beobachtung, daß die coordi- 
nation durch oratio directa bei den verbis dicendi im archaistischen 
latein viel seltener ist, als bei den verbis sentiendi, wird p. 116 
durch eine sehr sorgfältige Statistik ergänzt, aus der hervorgeht, 
daß die coordination bei den verbis dicendi nur lO^'/o, die Sub- 
ordination 72,8% beträgt, während bei den verbis sentiendi die 
coordination 415,8*^/0, die Subordination aber nur 219,2% be- 
trägt. Der Verfasser hat durch seine schrift thatsächlich erwiesen, 
daß diejenigen recensenten denen eine fortsetzung der im jähre 
1879 erschienenen programmabhandlung wünschenswerth erschien 
— auch ich gehörte zu denselben, wenn ich es auch nicht aus- 
drücklich aussprach • — in ihrem urtheile sich nicht getäuscht 
haben. Ludwig Schmidt. 

27. Historische syntax der lateinischen spräche von A. 
Dräger. IL band. 2. aufl. Leipzig 1881. 8. 

Nachdem Dräger etwa im jähre 1850 die vorarbeiten zu 



Nr. 4. 27. Grammatik 167 

seiner historischen syntax begonnen, erschien 1874 der I., 1876 
der II. band, 1878 die zweite aufläge des I., 1881 die des II. 
bandes. Wir wiederholen dem verf. unsern aufrichtigsten dank 
für sein lehrgebäude, selbst wenn wir uns bei genauerer prüfung 
sagen müssen, daß es im gründe doch nur ein provisorischer 
barackenbau ist-, aber auch nur einen solchen herzustellen er- 
forderte so viel fleiß und kenntniß , daß vor ihm niemand die 
historische syntax als ganzes darzustellen sich unterfangen hat. 
Nicht nur benutzt jeder philologe fast täglich dieses unentbehr- 
liche hilfsmittel, sondern dasselbe ist der avisgangspunct und das 
Vorbild geworden für eine reihe ähnlicher syntactischer mono- 
graphien , die in den letzten Jahrzehnten erschienen sind und 
noch erscheinen. Und doch ist zur zeit davor zu warnen, daß 
man sich nicht blindlings auf das buch verlasse, sondern im ein- 
zelnen nachprüfe, und begreiflich zu machen, daß der erste vrf. 
eines solchen Werkes dasselbe unmöglich der Vollendung nahe 
bringen konnte. Immerhin bleibt es ein gewinn , daß seine be- 
gehungs- und Unterlassungssünden zur berichtigung herausfordern. 
Namentlich glauben wir , daß für die zweite aufläge durch ge- 
wissenhafte ausnutzung der neuesten litteratur mehr hätte ge- 
schehen können als wirklich geschehen ist. Nicht daß wir dem 
verf. einen Vorwurf machen wollen ; die entschuldigung liegt 
nahe genug, wenn wir bedenken, daß derselbe nicht in einer 
Universitätsstadt lebt, daß er neben seiner syntax auch den Ta- 
citus ediert hat, und daß der zufluß von material so groß ge- 
worden ist, daß es immer schwerer wird Ordnung zu halten. 

Gehen wir von den sprachlichen denkmälern aus, so ist die 
archaische litteratur zu wenig selbstständig und im ganzen doch 
nur nach Holtze behandelt, auch selbstverständlich ohne ausnu- 
tzung der epigraphischen monumente : neben Cäsar werden seine 
,,nachahmer" genannt, wofür mit rücksicht auf die verf. belli 
Afric. und Hispan. „fortsetzer" zu sagen war, neben Sallusts 
Catilina und lugurtha dessen fragmente (statt historien) ; der un- 
stete Nepos erscheint meist vor Tacitus eingereiht; Fronto als 
Vorkämpfer der archaistischen (verf. gebraucht dieses adiectiv 
irrthümlich = archaisch) ist viel zu wenig berücksichtigt-, das 
spätlatein ist laixt programm nur skizziert, meist nach den Samm- 
lungen Bünemanns zu Lactanz; dagegen ist vollkommen zu bil- 
ligen, daß nicht jede dichterische licenz registriert wird. Einen 



168 27. Grammatik. Nr. 4. 

beleg zu unserer behauptung betreffend Fronto giebt beispiels- 
weise die angäbe 11^, 39 multo multoque scheine nur einmal 
bei Val. Max. vorzukommen , während allein bei Fronto drei 
beispiele sich finden (p. 28 N. longior , 102 amplius , 214 magis 
obnoxius), späterer bei Mamertin, Augustin, Macrobius nicht zu 
gedenken. 

Außerdem wäre dringend zu wünschen, daß die citate nach 
den neuesten texten abcorrigiert würden. Nehmen wir § 86 die 
Decomposita, so werden der reihe nach aufgeführt adcongero 
(Plaut. Truc. 1, 2, 17 Spengel degero), ambadedo (schlechte con- 
jectur, handschrift und neuere herausgeber ambedo), adingero aus 
Sisenna (vielmehr aus Serenus Sammonicus) •, aus Terenz prode- 
ambulo (Spengel prodambulo). Während dann neben dem subin- 
vito Ciceros subinvideo fehlt, werden perinungo und praeinnuo (codd. 
und Riese pertimeo) mit unrecht dem Varro zugeschoben , super- 
impono mit unrecht dem Vergil , superingero (codd. super egerit) 
dem Tibull , circuminicio , circuminspicio , circuminsto mit unrecht 
dem Livius, da an sämmtlichen stellen das in zu tilgen oder 
vielmehr längst getilgt ist. Ebenso werden für den accus, grae- 
eus § 166 zwei beispiele aus Plautus angeführt, während statt 
latera überliefert ist latere und pectus auf schlechter conjectur 
beruht, so daß vielmehr die construction bei Plautus fehlt. Wir 
sind uns bewußt, nicht nur äußere fehler gesucht zu haben, aber 
so lange das fundament schief ist, muß der weiterbau gefährlich 
werden. So sind die grammatischen Stichwörter verdorben oder 
sehr unsicher bei: Ennius acuta ululare (Vahlen nach codd. acute); 
Plaut, mil. 1405 oratus sum venire (vgl. Heerdegen, semasiolog. 
unters. 3, 24 f.); Plaut. Asin. 1, 3, 37 scio quod, welches die 
archaische latinität noch nicht kennt, (dagegen jetzt Blaß im 
Rh. mus. 1882, 151); Sali. Cat. 19 sunt qui ita dicunt (Jordan 
dicant)', Livius 21, 43 agite, cum düs bene iuvantibus (statt agite- 
dum)'^ 22, 12 cura animum incensus (lies incessit), u. s. w. Verf. steht 
somit noch auf dem standpuncte von 1850, als er sich seine 
ersten collectaneen aus Livius ed. Drakenborch machte. 

Auch die angaben über vorkommen, nichtvorkommen, erstes 
vorkommen einer construction bedürfen der revision. So heißt 
es § 154, der infin. histor. komme bei lustin nur einmal vor, 
obschon Mohr de infin. bist. 18 stellen anführt; § 598 die con- 
struction des dat. gerundii mit object komme nur bei Plautus 



Nr. 4. 28. Grammatik. 169 

vor, obwohl Livius 21, 54, 1 alle neuern herausgeber mit cod. 
Put. schreiben locus equites tegendo satis latebrosus und. Fronto in 
erinnerung an Plautus schreibt epistulam scribundo operam do. 
Daß ob mit gerundiv nicht erst bei Cicero auftritt, zeigt Cato 
r. r. 134 K. ob struem obmovendam ; daß super mit gerundiv nicht 
erst bei Tacitus, Hör. carm. saec. 17 decreta super iugandis /e- 
minis; quanto . . tanto nicht erst bei Accius , sondern schon bei 
Terenz Eun. 1053. Heaut. 425, u. s. w. 

Endlich seien die etymologischen bemerkungen einer nach- 
prüfung bestens empfohlen. Es nützt nichts , die Identität von 
sed mit der alten präposition se, sed {sed fraude^ inschriftl. „son- 
der trug"; vgl. ,, sondern") zu bestreiten, und schadet geradezu 
die von ergo mit fojoj zu behaupten, da dann erga und corgo 
unerklärt blieben, auch die Römer für ,,in der that" ihr pro- 
fecto hatten; über schwierigere partikeln aber, deren grundbe- 
deutuug nur aus der etymologie erkannt werden kann, wie über 
donec (vgl. Ribbeck, partikeln), über sine erföhrt man gar nichts. 

Vom fehlen wichtiger beobachtungen kann unter solchen 
umständen noch nicht gesprochen werden , noch weniger von 
irrthümern in uamen und zahlen; der gipser und der maier 
können noch nicht ein haus betreten, so lange der maurer nicht 
fertig ist. Nur daran soll noch im allgemeinen erinnert werden, 
daß, wo von dem auftauchen neuer constructionen die rede ist» 
verglichen werden sollte , wie die ältere latinität denselben ge- 
danken ausgedrückt habe ; und so wäre beispielsweise dem dativ 
vere aestimanti das ältere si quis aestimet, dem descendenti das ubi 
descenderis bei Sali. Cat. 55 u. ä. an die seite zu stellen. Möch- 
ten auch bei einer dritten aufläge die paragraphenzahlen auf der 
höhe der Seitenzahlen wiederholt werden. 

Das interesse an dem werke würde uns viel mehr veranlas- 
sen auf tiefere fragen einzugehen ; allein wir glauben damit später 
noch frühe genug zu kommen. 

28. Philipp Thielmann, das verbum dare im lateini- 
schen als repräsentant der indoeuropäischen wurzel dha. Leipzig, 
Teubner. 134 p. 8. 

Eine Untersuchung aufgebaut auf breitem materiale, muster- 
gültig in der methode, reich an gesichtspuncten und resultaten. 
Während Max Müller annimmt, die Römer hätten, da sie die 



170 29. Grammatik. Nr. 4. 

wurzeln da (geben, Si'dcoiJi) und dJia {rldri^u, thun) wegen der 
mangelnden aspiraten nicht unterscheiden konnten, das zweite 
verbum durch Synonyma wie ponere, facere ersetzt, weist verf. 
evident nach, daß dare in zahllosen Verbindungen die bedeutung 
von thun oder ii'&tjixi hat, namentlich in der archaischen und 
in der dichterischen spräche. So stellt er nebeneinander die Um- 
schreibungen fugam facere (= die flucht ergreifen, fliehen) mit 
fugam dare, ruinas facere und dare, besonders lehrreich turbare 
(intransitiv,) turbas turbare^ turbas facere^ turbas dare. Interessant 
ist, daß impetum dare = facere., wahrscheinlich ein ausdruck der 
Soldatensprache , erst bei dem verf. des bell. Hispan. auftaucht 
und dann in Livius äugen gnade gefunden hat. Den bekannten 
Umschreibungen wie saucium facere (= sauciare, auch Ascon. p. 
31, 2 K.) planum facere = explanare setzt verf. analoga in re- 
ducem, subiugum dare u. ä. zur seite ; dem bekannten sie dabo 
der komiker das sie agam ; dem facta facere ein facta dare, edere, 
wobei auch die Juristen mit damnum dare (verursachen) ihr theil 
bekommen. Dem clamorem facere (vulgär statt tollere) entspricht 
clamorem dare, dem gemitus facere gemitus dare, dem verba facere 
dicta dare (auch Livius 7, 33, 11. 29, 2, 12). Auch bei in cu- 
stodiam (Juristenlatein), in carcerem, in pistrinum dare wird nichts 
geschenkt, sondern das verbum ist = setzen zu interpretiren. 
Während morti dare besprochen wird , hat verf. memoriae dare 
bei Gellius 1,11,6. 6(7) 1,1 nicht hierher gezogen; vergleicht 
man die bei den Script, bist. Aug. häufige redensart in litteras 
mittere (vol. I, Pet. 80, 7. 144, 4. 203, 4. 215, 18. II, 42, 21 
und oft), so wird man auf die leichte und durch den Sprachge- 
brauch des Gellius (vgl. Philolog. 41, 340) nahegelegte conjectur 
memoriae mandare verzichten können. 

Da es unmöglich ist den gang der fesselnden Untersuchung 
anzugeben, so sei nur noch bemerkt, daß verf. wie ein lanus, 
rückwärts und vorwärts blickt, in das sanskrit und zend wie in 
die romanischen sprachen. 



29. Amedaeus Mercier, de neutrali genere quid fac- 
tum Sit in Gallica lingua. Paris 1880. 80 p. 

Die bei F. Vieweg erscheinende „Collection philologique" 
bringt in zwanglosen , bald kleineren bald größeren heften ar- 
beiten über Philologie und literaturgeschichte , deren titel auch 



I 



Nr. 4. 29. Grammatik. 171 

das interesse deutscher philologen erregen, weil die themata ent- 
weder bisher keine zusammenhängende bearbeitung gefunden ha- 
ben, oder doch voraussichtlich von einem Franzosen besser be- 
handelt werden konnten. Die in der Überschrift genannte ab- 
handlung rührt von einem schon mehrere Jahrzehnte im amte 
stehenden gymnasialprofessor her und ist auf anregung von prof. 
Darmesteter als Pariser doctordissertation gedruckt worden. Be- 
kanntlich haben sich die lateinischen neutra auf um entweder 
zu den masculina auf ms geschlagen, so caelus^ collus, dorsus, vinus 
schon bei Plautus , Ennius , Petron (französ. ciel, cou, dos, vin, 
analog o?/Os), oder sie sind durch Vermittlung der pluralform 
als femininum in die erste declination übergegangen, so gaudia, la 
joie ; mirabilia , la merveüle. Der leser wird in der broschüre 
mehr beispiele finden, als sie eine grammatik geben kann, und 
dafür dem verf. dankbar sein , wenn auch Vollständigkeit weder 
beabsichtigt noch erreicht ist ; verwundern dagegen muß man 
sich über die art der behandlung. 

Wenn au^ arma , orum französ. Varme , fem. geworden ist, 
so wird zum beleg der vers arma virumque cano und ein ande- 
rer aus der chanson de Roland, angeführt. Den ersten theil der 
beweisführung würden wir wie durchgängig dem verf. als überflüssig 
schenken; für den zweiten aber käme es darauf an zu bestim- 
men, wann zuerst das femin. auftauche, nämlich im gesetzbucbe 
des langobardischen königs Eotharis (307 f.) quälibet arma. Ana- 
log wären für fortia = la force keine beispiele des adjectiv 
fortis , und auch nicht erst stellen aus den Monum. Germ, von 
Pertz, sondern Commodian, apolog. 312 (am Schlüsse des hexa- 
meters inanivit fortia mortis), ibid. 40. 571 anzuführen. Von 
Neue's latein. formenlehre , der I-, 529 £f. doch viel mehr und 
viel besseres bietet, hat verf. keine notiz genommen, auch nicht 
von dem lexicon von Georges , welches ihn belehrt hätte , daß 
arva, arvae nicht erst in den Monum. Germ, sondern bereits bei 
Naevius und Pacuvius vorkomme. So darf man denn auch nicht 
erwarten hier ausgeführt zu finden, wie , abgesehen von dem in 
nachlässiger ausspräche verloren gehenden schluß-m der neutra, 
auch die epischen und elegischen dichter dem plural vorgear- 
beitet haben , indem sie beispielsweise ausschließlich gaudia ge- 
brauchten, um den dactylus zu füllen (vgl. die lexica zu Vergil, 
Ovid u. a.) , wohl weniger wie die lyriker gaudia in erotischem 



172 30. Epigraphik. Nr. 4. 

ßinne, die Christen von der freude des jenseits gebrauchten, beide 
also ursprünglich den plural mit gutem rechte. Wir haben 
demnach, ohne den verf. tadeln zu wollen, bloß zu constatieren, 
daß von lateinischer seite für die lösung der interessanten frage 
nichts geschehen ist. 

30. Carl Bone, anleitung zum lesen, ergänzen und da- 
tieren römischer Inschriften mit besonderer berücksichtigung der 
kaiserzeit und der Eheinlande. Mit einer lithographierten tafel. 
Trier 1881. kl. 8. IV und 94 p. Preis 1 mk. 50 pf. 

Der Verfasser beabsichtigt in erster linie anfänger in der 
epigraphik das regelmäßige und häufig vorkommende erkennen 
und verstehen zu lehren, sodann will er auch für solche wissen- 
schaftlich gebildete , welche ohne fachmänner zu sein doch bei 
vorkommender gelegenheit an dem verständniß von inschriften 
ein Interesse haben, ein willkommnes hülfsmittel bieten. Für 
beide zwecke kommt die kleine schrift in der that einem oft 
empfundenen bedürfniß entgegen. Während die jüngeren philo- 
logen jetzt fast überall auf Universitäten gelegenheit zum Stu- 
dium der epigraphik finden, haben die älteren eine solche meist 
entbehren müssen; es sind daher manche sehr wackere gelehrte 
ohne alle kenntniß dieses fachs und fühlen bei der von jähr zu 
jähr zunehmenden bedeutung der epigraphischen Studien diesen 
mangel schmerzlich •, größere inschriftsammlungen zu studieren 
und sich durch Übung auf eigne hand die nöthige kenntniß zu 
verschaffen liegt ihnen meist fern , und so werden sie mit freu- 
den die vorliegende kurze anleitung begrüßen. Auch die zweite 
kategorie von lesern wird dem Verfasser dankbar sein, denn al- 
lerdings gerathen oft, namentlich in den ehemals von den Römern 
besetzt gehaltenen gegenden Deutschlands, nicht philologisch oder 
historisch gebildete freunde des alterthums in eine läge , wo es 
ihnen von großer Wichtigkeit wäre, eine Inschrift lesen und ver- 
stehen zu können. 

Wir stehen nicht an zu erklären, daß der Verfasser die er- 
wartungen, welche er erregt, in vollem maße erfüllt. Die kleine 
schrift zerfällt in drei abschnitte, von denen der erste vom lesen 
der inschriften, und zwar von der schrift und den verschiedenen 
arten derselben, der zweite vom ergänzen der inschriften und 
der dritte vom datieren derselben handelt. Die regeln sind 



Nr. 4. 30. Epigraphik. 173 

überall in höchst praktischer weise mit beispielen belegt. Drei 
anhänge geben eine übersieht über besonders gebräuchliche ab- 
kürzungen , ein chronologisches und alphabetisches verzeichniß 
der kaiser bis auf Theodosius und einen katalog der legionen. 

Um zu beweisen , mit wie großem Interesse wir das büch- 
lein gelesen haben , wollen wir nicht unterlassen, einige punkte, 
welche uns aufgefallen sind, hervorzuheben. So hätte mit leich- 
ter mühe angegeben werden können, an welcher stelle die als 
beispiele benutzten inschriften sich in den größeren Sammlungen 
finden. Im dritten abschnitt fehlt der hinweis , daß das fehlen 
des praenomen oder cognomen einen Schluß auf die zeit der in- 
schrift gestattet. Im legionsverzeichniß hätten die legionen glei- 
cher nummer genau auseinander gehalten werden müssen , und 
zu den nummern XVII bis XIX, sowie XXIII, XXV und XXVI 
war ein zusatz erforderlich. Ferner ist hervorzuheben , daß es 
heneficiarii consulis (p. 17, 19, 83) nicht giebt, sondern das COS 
als consularis zu deuten ist. Vgl. neuerdings Cauer in der 
Ephem. epigr. IV, p. 379. Pag. 73 erklärt der Verfasser ohne 
zweifei mit berücksichtigung von Bramb. 671, 672, 674, daß 
die leg. XXII primig. p. f. nie in Untergermanien gestanden, 
sondern nur detachements zu den steinbrucharbeiten im Brohl- 
thal entsandt habe. Dem gegenüber ist aber auf Bramb. 680, 
662 und 660 hinzuweisen, aus deren richtiger combination Ur- 
lichs bereits vorlängst (Bonner jahrbb. XXXVI, p. 100 jBF.) ge- 
zeigt hat, daß die fragliche legion in der that unter Trajan eine 
kurze zeit in Germania inferior gestanden hat. Pag. 77 wird 
in höchst auffallender weise der M. Caelius des bekannten Bon- 
ner Steines wiederum , wenn auch zweifelnd , zum legaten ge- 
macht. Nach den neuesten forschungen über die uniformierung 
des römischen heeres in der kaiserzeit, durch welche das costüm 
des Caelius als mit der Stellung eines legaten völlig unverein- 
bar mit Sicherheit nachgewiesen ist, durfte man die Wiederho- 
lung jener veralteten annähme nicht mehr erwarten. Caelius 
ist weder legat , noch tribun , noch centurio gewesen , sondern 
als evocat (s. Philolog. Anz. IX, p. 221 ff.), oder wenn die ab- 
kürzung EVO für jene zeit durchaus nicht zu halten ist, als 
optio anzusprechen. Gleich bedenklich ist , daß in der forme! 
(S. L. M. in solchen fällen , wo der votivstein mehreren gotthei- 
ten gewidmet ist, der letzte buchstabe mit meritis aufgelöst wird, 



174 31. Epigraphik Nr. 4. 

so p. 16, 17, 18, 54, 56. Es ist dies eine unseres Wissens ganz 
singulare auffassung und schwerlich haltbar. Die herausgeber 
des letzten bandes der Ephemeris lösen stets durch merito auf, 
vgl. IV, nr. 26, 171, 176, '184, 292, 430, 474 und den index. 
Consequent hätte der verf. p. 61 auf dem der Fortuna Augusta , 
gewidmeten steine das M. auch mit meritae wiedergeben müssen, 
was aber nicht geschehen ist. Pag. 50 bei erwähnung der con- 
sularfasten war auf Klein's treffliches werk: Fasti consulares inde 
a Caesaris nece usque ad Imperium Diocletiani zu verweisen. An 
druckfehlern sind uns nur wenige aufgestoßen: p. 29, zeile 17 
muß es heißen tig. 8 für 3. Mehrfach findet sich die buchsta- 
benform J, p. 55 im texte einer inschrift, p. 77 und 84 wie- . 
derholt in der Umschrift. Pag. 1 8 endlich fehlen bei Bramb. 500 
= Hettner, Bonner katalog 13 — wo auch die lesung genauer 
ist — in der Umschrift der legende die worte et genio loci. 

Diese wenigen bemerkungen sollen aber unser oben ausge- i 
sprochenes urtheil über den werth und die brauchbarkeit des 
büchleins nicht alterieren. A. Müller. 

3 1 . Ueber den gebrauch einiger pronomina auf attischen in- 
schriften. Vom Oberlehrer dr. Ernst Schmolling. Oster- 
programm des k. Marienstifts - gymnasium zu Stettin. (21 p ). 
Stettin, druck von Heercke und Lebeling. 

Eine sorgfältige prüfung der attischen inschriften in bezie- 
hung auf den gebrauch der pronomina erscheint dem Verfasser 
um so nothwendiger , da unsere grammatiken und lexica uns 
über den gebrauch der griechischen pronomina auf grund der 
überlieferten texte der griechischen Schriftsteller complicierte , ja 
vielfach sich widersprechende regeln an die band geben, Ueber 
die spräche der inschriften wird bemerkt, daß dieselbe der lebenden 
spräche noch näher stand als die der Schriftsteller. Die bemerkens- 
werthesten resultate der angestellten forschung, bei welcher die in- 
schriften nach drei perioden (erste periode von der ältesten zeit 
bis 403 V. Chr., zweite periode von da bis 300 v. Gh., dritte 
periode von da bis 30 v. Ch.) gemustert sind, sind folgende: 

Zffiäv ohne folgendes avräv als directes reflexivum findet 
sich in der ersten periode zweimal, sonst nur bei Thucydides 
und seinen späteren nachahmern, wie Polybius u. a. In der 
zweiten und dritten periode findet sich weder von oq^cö* noch 



Nr. 4. 31. Epigraphik. 175 

Ton acpsTtQog ein beispiel. 2qäv avzmf in der ersten periode 
siebenmal, darunter einmal acpüg avrovg. Zweimal steht es nara. 
10 orjfianofjuvov {ovg viv eXt^rat ^ ßnv'/.tj ocpcof avzäv (IV, 27a 
67 und [/; Ö« ^ovAij] // an ßrivlsvovaa aqjcop avzmv \ßlia&ai?^y 

ähnlicli wäre sXhcjdai rov ö/;[/^o)' rgtlg {avbQag) i'E, iav- 

7w[r, II, 403, 26, c. 210 v. Ch. und e)^ea9ai top ö^]|Moj' nsvts 
ävdoag [ — — — s| suvtär ., 11, 405b, 12 nach Köhler etwas 
jünger als tit. 403. 

ZqiiitQov ohne uvtäv nur einmal in einer metrischen in- 
schrift: vikiiv slnnktnov urijU 'ilaßov [f)]fp[f 7£()o»'.] vom jähre 
442, wie sich auch das possessive cg einmal in einer metrischen 
inschrift findet: fipJj^ia To8e i]c i'^Q'/z/i Ilsiain^^TQatog 'Inniovl^vtog 

^qihfQog nviäv in der ersten periode viermal. Es erscheint 
auffallend, daß statt dieses oqhfQog avtäiv^ welches IV, 71, 8 
ohne ausgesprochenen oder zu denkenden gegensatss steht, nirgends 
acftTEfjog gebraucht ist, während sich bei Thucydides regelmäßig 
aqiersQog und nur einmal aqj^eQog nvrav findet. (VIII, c. 86). 

Avrov findet sich nur zweimal in der ersten periode, wobei 
es zweifelhaft ist ob avzov oder savtov zu lesen ist, in der 
zweiten periode suvtov siebenmal im possessiven sinne, zehnmal 
im reflexiven. Daneben dreimal avzov, welche Schreibung auch 

für drei andere stellen vorgeschlagen wird : «^[«j j'«X?.£r«< 

nou]Gtiv ^ ^drjvuio^vg ay^ot.'d'ov — — — xai avrog nui Irov^ 
nttTf(ja Tüv av^Tov 170,3 roTg avzKv rsXeai (der Zusammenhang 
nicht klar) 203, 16 und xa&sa^rtjxojg iv ry avrov n^^iazsi, v. p. 
jzolei? 268, 7. Dagegen findet sich alrov nicht in der dritten 
periode. Bemerkenswerth ist aus der zweiten periode die form 
slavzov (115b), aus der dritten iaimv (^ntgl tijv inrmv amqigo' 
aviTji 478c, 6 (50 v. Ch.) und f^ iarmv 487 (50 v. Gh.), so 
wie iardu 489b (35 v. Gh.). In beziehung auf die Stellung ist 
in der dritten periode auffallend tov ■AO(rfi[riT^f savtäv 481, 16 
(acc. c. inf. - satz) , woraus der Schluß gezogen wird, daß erst in 
den letzten jähren dieses Zeitraums die im Neuen testament nicht 
seltene prädicative Stellung des savtov bei den Attikern allmäh- 
lich eingang gefunden hat. 

Das possessive avzov findet in der ersten periode sich mit 
eigenthümlicher Stellung hinter dem artikel : rflsö]« 7olg avtmv 
sumptu eorum IV, 61a, 31 und ^ dg nnXtg y ufianefiipaftf^t?] ry 



176 31. Epigraphik. Nr. 4. 

a[Tga7iä )[()i^a9oo TjysfAOvsvovaa , rirav iv rfi avTrjg ö noXsfiog rj 
IV, 46b, 25. In der zweiten periode findet sich diese Stellung 
ganz vereinzelt: Tfi'A«[<jt roig avzov sumptu eins. Aus der dritten 
periode wird kein beispiel dieser Stellung angeführt. Bemerkens- 
werth ist in der ersten periode das schwanken zwischen tb avro 
und tö avtov, während aus der zweiten periode nur rh avtb und 
aus der dritten kein beispiel des neutrum angegeben wird. 
Dualformen fehlen. In der ersten periode findet sich darauf 
folgend y.a\ in der bedeutung von atque. Es findet sich in der 
zweiten periode nur die formel avtdv xai iy.y6jovg avrov , statt 
dessen auch wohl avrov xai snyovovg oder avtov xa/ rovg iayo- 
vovi,- , aber nie kvtov '/.ai tolq iytyovovg aviov, während in der 
dritten die formel den artikel angenommen hat: avrnv h«J tovi; 
£y.yr'rovg ainoT , woneben nur avtnv xai iy.y6iovc ohne atrov 
beibehalten ist. 

Ueber ovtoc wird p. 9 bemerkt, daß die bemerkung Pas- 
sows (im Lexicon s. ohToc) „doch scheint die Stellung nicht 
gleichgültig, sondern nvrog mit mehr nachdruck nachgestellt 
worden zu sein, in welchem falle es als nachdrückliche apposi- 
tion erschien" durch die Inschriften nicht bestätigt wird. Der 
genetiv dualis heißt nach den Inschriften der ersten periode 
tovTniv für masculinum und femininum ; in den folgenden beiden 
Perioden hat SchmoUing keine dualform gefunden. 

Oöe, von dem sich neben otSs, (u8s die formen oi'ds und 
a'ids finden, ist in der ersten periode in seiner Stellung schwan- 
kend : t6 i/)7/qrifT|Ma rode und t68s to xpijq)iaua, nöXtig ai8s und 
alds nölttg, anders in den folgenden perioden, denn in der zwei- 
ten ist die Stellung roÖs to ip/igtia/na oder, wo ein ds nöthig 
war, TO 8s ipt'jqjiaua 7oöf, auch in der dritten ist diese Stellung 
bei weitem überwiegend, denn 60 beispielen der Stellung to'Ö« 
TÖ xvt'j(fia^a stehen nur zwei beispiele der Stellung to xpfiqiöna 
To5f 367 und 370 gegenüber. Im ersten wie im zweiten Zeit- 
raum finden sich verschiedene beispiele vom fehlen des artikels : 
ai8t\ — — [anaQxai (sichere ergänzung) 226, 1. ai8s no\liiig 
— — 7« ö[(jF£//ojMija ansSoaa^'^ 257, 45. Jaiöe noXeig xaiuTs- 
Xovai Tov q)6(jov 258, 15 T«(5]f avf'yoa^iar sgyu rov ifcö, dög ynr- 
sXttßor f'^ovta 322. a. A. (ö 8irha) T('ö' fnoisi 7/7;70ö[r()«7]ov 
öJifiu und ähnlich in vielen metrischen Inschriften der ersten 
periode. Aus der zweiten periode: ' ^dijraioar nnXtig aide csvfi- 



Nr. 4. 31. Epigraphik. 177 

fia^oi (nur letzteres ist das prädicatj 17. 18 i\sQ(6avfu rdde 
632, auzu avi[9ii>ia^i' zäi^dt 600. a. A. kivai 8s av\^r&ij-4ag ' A&^tj- 
iuioiii y.ai XuXy.idtvGif 7(4^[öfc 17b. Daran wird (p. 11) die be- 
merkung geknüpft , daß in allen fällen , wo das Substantiv bei 
68e den artikel hat, wie namentlich bei dem häufigen zööt ?o 
\p/'jq)t(iuuj das xpi]rfiauu, der vertrag, das gesetz schon vorher auf- 
geführt war , niemals erst folgte , während in allen fällen wo 
der artikel fehlt, der vertrag oder die aufzählung der nolsigj 
der soya u. s. w. nachfolgt. Hieraus wird für 32 die ergänzung 
rag 08 av]ußolug zdgSa gefolgert, denn der vertrag ging voran, 
lieber drei fälle aus der dritten periode {-aui 7ioitjaua&ai rijv 
iTziygacprjv Tijide 489b, 22. t/^i' ^nr/ijc.rffjr zijtös 482. 71 und 
trjv fTj^i'/Qctq rip z/jtds, wie wahrscheinlich zu lesen ist 478. 29 
wird bemerkt, daß die angedeutete aufschrift fehlt, und man 
entsprechend dem früheren Sprachgebrauch imyoaqiriv t/jvde ohne 
den artikel erwarten würde ; daraus wird der schluß gezogen, 
daß gegen ende dieser periode — die citierten Urkunden fallen 
in die zeit von 60 — 35 v. Chr. — oÖs auch in der bedeutung 
„der folgende" den'artikel verlangte, seine Stellung aber noch hinter 
dem namen beibehielt. 

Ohrng bezieht sich in den allermeisten fällen auf etwas vor- 
her erwähntes , doch weist es in der ersten periode dreimal auf 
das folgende: nhzoi an (ivzäv 231 a. E. 233. 12b, 235. 13, 
worauf jedesmal colonien, die von den Erythräern stammen, auf- 
geführt werden. 

'Extiing deutet die beziehung auf ferner stehende nomina 
an, doch bezieht es sich in einer metrischen Inschrift der ersten 
periode auf einen eben genannten eigennamen {z6i8e ö' exsivov] 
syyoi'ot lair^auizo 381), und in der Inschrift 121. 17 der zweiten 
periode i\nii8ri b ötn«] nQOzujhv zs xazaazu&u^g im zrjv zl,ov 
Eitjinov (jvXay-tjV vno nznltituinv, zsXtvzriGuvzog extivov dniÖcoKS, 
Es wird (p. 13) bemerkt, daß in allen perioden nicht selten der 
bloße artikel steht, wo man ode erwartet, daß aber nichts dafür 
spricht , daß dies pronomen etwa allmählich außer gebrauch ge- 
kommen und durch ohzng ersetzt worden wäre. Auch wird der 
irrthum Brauns berichtigt, welcher in dem 1879 zu Marburg 
erschienenen programm ,,über den gebrauch von oÖs und ovzog 
bei Aeschylus" p. 28 behauptete, daß an stelle des bei Aeschylus 
noch ungemein häufigen o8e im Neuen testament allgemein olzog 
Philol. Anz. XU. 13 



178 31. Epigraphik. Nr. 4. 

steht. Wahlj clavis Novi Testamenti philologica s. v. o8i führt 
nicht weniger als 12 stellen aus demselben auf. 

lieber 'inaatog wird bemerkt, daß der dual nicht vorkommt 
und daß in der ersten periode es nie ohne artikel steht; für 
das eine beispiel aus der zweiten periode o^i%>v\vai 8s xarn siog 
maoTov sna\TiQ(ivg tovg OQy-ovg 52. 37 wird vorgeschlagen lov 
sTovg snäatov s-na\r^Q(>vii. Dagegen fehlt in der dritten periode 
der artikel regelmäßig , und was nicht weniger auffallend ist, 
syiaarog scheint seine feste Stellung vor dem nomen erhalten zu 
haben; dies wäre eine analoge erscheinung wie oben bei oöe, 
welches in der ersten periode beliebige Stellung hatte, in den 
folgenden perioden aber je nach seiner bedeutung vor- oder 
nachgestellt erscheint. Während sadiegog und «f/giorfpo? we- 
nig anlaß zu bemerkungen bot («aqpca kommt gar nicht vor), 
haben die pronomina Trag und änag, wozu in der ersten periode 
noch das seltenere ov/inag kommt, zu einer ausführlicheren dar- 
stellung (p. 16 — 21) den stoflf gegeben. 

Ueber die form ^vfinag erfahren wir, daß sie zum letzten 
male auf einer inschrift vom jähre 412 v. Chr. vorkommt, wäh- 
rend övfinag zum ersten male sich auf einer inschrift vom jähre 
420 findet. In der ersten periode findet sich näg außer IV, 
51. 31 Sittileaav thv ndv^ra iquvov ^ wo Schmolling geneigt ist 
tbr änav\ia ^qÖvov zu lesen, nur in metrischen stellen. In der 
zweiten periode begegnen wir näg ebenso oft als änag. Die 
früheste nicht metrische Urkunde, die ein näg bietet, ist I, c. 22 : 
na\Gi roig Tlv&ocfärovg sc. visai (ergänzung sicher) aus 399 
V. Ch. In beziehung auf die Stellung wird bemerkt, daß sich 
in der ersten periode nur einmal (in der angeführten inschrift) 
IV, 51. 31 näg zwischen artikel und Substantiv eingeschoben 
findet und daß er nur bei avfiTiag fehlt. In der zweiten pe- 
riode findet sich diese Stellung bei anag zweimal, in der dritten 
sowohl bei Tzäg als anag öfter. In der zweiten periode fehlt 
der artikel bei Tiag nur in zwei fällen, aber nie bei ä/iag, anav- 
Tsg und nävt^g, abgesehen von der Urkunde 631, deren fassung 
Schmolling in zweifei zieht, in der dritten sehr häufig bei 77« 4:. 
Einmal bei anag, aber nie bei nävtsg und anavrsg. 

In beziehjing auf die bedeutung wird bemerkt (p. 17), 
daß avfinag nur bei solchen großen angewandt zu sein scheint, 
welche als avis verschiedenen theilen summiert zu denken sind, 



Nr. 4. 32. Aescbylus. 179 

da es entweder direct mit necpulaiov verbunden ist oder mit ei- 
nem von >i8'(f(iclainv abhängigen worte außer 37t, 7 i,v^nag 6 
qpopoc, wozu wohl noch |U/) ufia ^^ufin^avtac, dlld 7?]«^« fA^foog 
Tohg qpo]j»ovv,' kommt. Eigenthümlich ist die bedeutung von näq 
in einem pachtcontract einer phratrie mit einem gewissen Dio- 
doros (600.21): x«[/ ö]><[«'i/;f-]* rag d^in^Xnvg 8)g )iaT\r/ n(t\r,^av\ 
t[?)]i' cü[oß]/'. Hier entspricht nFig dem lateinischen quisque: bis 
vere quoque. Daraus, daß in der zweiten periode sich nie ndvteg 
oani, sondern nur ß;7«rrsc o(Toi findet, wird geschlossen, daß a;7«? 
in dieser periode stärker war als ndg. Daß aber bei der Stellung vor 
dem artikel bezw. Substantiv nüg, dagegen hinter dem Substantiv 
änag den Vorzug erhielt, wird auf rhythmische gründe zurückgeführt. 
Zu der formel tjuvti ci^sm, die sich stets in feierlichen 
vertragen oder eidschwüren findet: ßoijdsiv Travu a&evsi. -Aatd 
70 Svvatov oder noX^fifjaKt fo-id tov dsTrng navtl ö&svsi xazd ro 
dvvarov 66b, 17 bemerken wir schließlich, daß sie auch Ae- 
schylos in den Schutzflehenden v. 147 vorgeschwebt haben mag, 
wo der chor die Artemis mit den Worten narrl 8s a&spsi .... 
Qvatog ysvia&m um hülfe anruft. Von den herausgebern hat 
niemand darauf aufmerksam gemacht, und wenn referent darauf 
aufmerksam geworden ist, so dankt er es dem Studium der ver- 
dienstvollen vorliegenden abhandlung, deren in aussieht gestellte 
fortsetzung sehr wünschenswerth ist. — t — 

32. Der chor in den Sieben des Aischylos, von dr. Muff. 
Osterprogramm des könig- Wilhelms-gymnasiums zu Stettin, 1882. 
(31 p.). 4. 

Im eingange entscheidet sich der Verfasser aus äußeren und 
inneren gründen für die zwölfzahl der choreuten und geht dann 
zu der besprechung der strophischen gliederung der parodos 
über. Schließlich entscheidet er sich dafür, daß das ganze lied 
antistrophisch gebaut war. In der ersten partie wird hinter v, 88 
nordiui ßod vnso tsiy^tcop eine lücke u — uiw/c-^u w~ an- 
genommen. Es ist freilich mit solchen lücken, die bloß um 
der responsion und der personenvertheilung willen vorgenommen 
werden, zumal hier wo die vorhergehenden worte in den hand- 
schriften anders lauten, eine mißliche sache. In der zweiten 
partie (v. 105 — 150), welche mehr indicien der responsion auf- 
weist als die erste, aber weniger als die dritte, stellt Muff die verae 

13* 



180 S2. Äeschylos. Nr. 4. 

iw /-t«x«(Jii,' tteÖQOi, u}t^d(^si ß(jetfCi)i 

eiaa&ai ' ti (islXo^isv ayäctovoi 

Im) daißov •^Qvaoni'ßtj^^ anib' snidt tav- 

8s Tzöhr, ccv not elcpilijrav t&ov 
als strophenpaar i', unter die beiden letzten choreuten vertheilt, 
hinter das strophenpaar d' 

aiQ. d' otKOvst^ rj ovk ay.oust'' aönidbtv y,zvn(iv ; 
ninXmv xa« are^^av 95 
nöz el fitj vvv {sie) afixpi "kitav e^o[Ä£v 
dftiarQ. S' yavnov öidoQxa • ndzayog ov% svog 8oq6i; 
71 Qt^sig ; naXai- 
^&Kiv '^gr^g^ TTQoScoaeig yeiv Tsäv^ 
während in der handschrift die ersten beiden verse hinter v. 93 
nötsQu dtjt' £}'üö noimiam ßgsTt] 8ai[i6v(ov stehen. Prien war in 
der Umstellung vorangegangen, nur daß er die ersten beiden 
verse hinter v. 96, also an den Schluß seiner Strophe 8' setzte. 
Es werden für die Umstellung gründe angegeben, die Prien nicht 
geltend gemacht hat. „V. 94 sagt einer der choreuten, es sei 
■höchste zeit, sich an die götter zu halten; warum man noch zö- 
gere das zu thun ? Danach sollte man erwarten , daß die ge- 
bete gleich folgten. Aber das geschieht nicht; es wird wieder 
auf den waffenlärm draußen aufmerksam gemacht und ausge- 
führt, daß es jetzt zeit sei sich den göttern mit weihgeschenken 
zu nahen. Nun ist aber die zweite aufforderung zum gebet 
770t' ii fiTj 1VV, äficpi XiTaT i^ofAev ; offenbar schwächer als die 
erste axfAÜ^Ei ßQSTtcov ^^(Ea&ai ; sie muß ihr also voraufgehen, weil 
sonst keine Steigerung erzielt würde. Dazu kommt ein anderes. 
Die Worte v. 100 t( Qs^tn^; 7TQ(>8m(jsig sind kein inniges gebet, 
wie man es nach der ankündigung ditfiä^ti .... sitadai er- 
warten sollte ; ein solch ernstliches flehen beginnt erst mit v. 
102 i(h 8ttifiov iQvaonfihj'^^ vor diesem verse also müssen die 
verse 94 — 95 ihre stelle erhalten." 

Die beiden letzten Strophen werden halbchören zugewiesen; 
für das vorhergehende strophenpaar (v. 135 — 150) ergeben sich 
ungezwungen sechs einzelchoreuten. Für die mittelpartie (v. 104 
— 135) ist mehr der vers als der gedanke bestimmend. Die 
metrischen grenzen sind durch drei syncopierte jambische hexa- 
podien gegeben. So vertheilt sich Strophe wie antistrophe unter 
je drei choreuten. Wenn übrigens p. 7 der vermerk des scho- 



¥ 



Nr. 4. 32. Aeschjlus. 181 

Hasten rvv rn nXt;n9og zu v. 105 (&eo} noho^oi, l'r' ne TzüvzEg^ 
fiGiösTs TTfiQ&f'imv ['A^Ginv lö-^oii) auf die größere länge der äu- 
ßerungen zurückgeführt wird, so möchten wir eher auf den in- 
halt, insbesondre [yjaini Xo-iov zurückgehen. Es wird dann (p. 7) 
darauf hingewiesen , daß , wenn hier sämmtliche mitglieder des 
chors sich zweimal hintereinander im einzelgesange ablösen, dies 
gerade so begreiflich ist, als wie der analoge Vorgang im Oedipus 
auf Colonos. Daß sie dabei nicht in der gewöhnlichen weise 
natu, aroi/^niig oder x«r« ^vyd aufgestellt einziehen, sondern ein- 
zeln einer hinter dem anderen , ist außerdem auch dadurch be- 
dingt, daß der chor sofort nach seinem einzuge durch die stao8oi 
nach der bühne hinaufsteigt. 

Bei der besprechung des epeisodion v. 163 — 164 erklärt 
sich Muff gegen die vertheilung von v. 200 

0VH0V1' 7«ö eOTui fiQog ■dsiZr^ ß?w^' ovv ß-Bovg 
rovg 7rjg a}.oi(yi]g nnXscog saXeiTrEir löyog 
unter den chor und Eteocles , da in einer antistrophisch ge- 
gliederten partie den versen der einen person wohl verse ei- 
ner anderen, verse eines Schauspielers versen des chors ent- 
sprechen, nie aber innerhalb der sich deckenden partien ver- 
schieden abgegrenzte stellen mit verschiedenen personen. Es 
konnte auch geltend gemacht werden, daß die sogenannte anti- 
labe abgesehen von dem angezweifelten verse Prom. v. 980 über- 
haupt bei Aeschylos nicht vorkommt. Daher wird in loig yaq 
&£ovg geändert mit aufnähme der conjectur vaovg für rovg 
Tfig im folgenden verse. Wenn sich ferner die folgende sticho- 
metrische partie unter 10 choreuten vertheilt, so fallen die kom- 
matischen partien dieses epeisodions dem koryphaeos und dem 
parastates zu. 

Daß das erste stasimon (v. 270 — 349) von halbchören vor- 
getragen wurde, wird nicht bloß aus dem Inhalte geschlossen, 
sondern auch daraus, daß die zweimal drei trimeter, welche nach 
Schluß desselben den dialog wieder einleiten, deutlich zu ihrem 
vortrage zwei gesonderte personen und zwar die Chorführer ver- 
langen , woraus auf halbchorformation zu schließen ist. In dem 
zweiten epeisodion (v. 350 — 700) spricht sich Muff für die stro- 
phische entsprechung der wechselreden des boten und des Eteocles 
aus. Die trimeter, in denen der könig davor gewarnt wird, den 
brudermord zu begehen , sowie die vier trimeter , welche am 



182 32. Aeschylos. Nr. 4. 

Schlüsse des epeisodions zwischen dem chor und Eteocles gewech- 
selt werden, werden dem Chorführer zugewiesen, die vier Stro- 
phen halbchören. 

Das zweite stasimon (v. 701 — 772) wird halbchören zuge- 
wiesen. Aber zwischen antistrophe ß' und strophe y' scheint 
uns ein enger Zusammenhang vorzuliegen , weil antistr. ß das 
subject Aaiogy strophe y das prädicat syeivato enthält: 

' yänöllcoyog svTE Aä'iog 

ßia, TQig einorrog iv 

(ieaofiqxiloig Tlvdinolg 

1QriGTi]Qioig^ &r7'jG}iov7a yiv- 

vag atSQ aa^siv noliv 

)iQar7]&sig Ö' ix q]iX(ov aßovliaig 

sysivajo fisv fiogov altq) 

naiQOxtovov Oidmödar, 
Nach Muff könnte es scheinen, als wenn nur die Wolfen- 
büttler handschrift ds hat, aber es steht im Mediceus. Wenn 
man St mit Porson streicht, so fehlt zu sIts das verbum, aber 
wir vermissen den nachweis , daß dies öfter vorkommt. An ds 
aber ist kein anstoß zu nehmen. Hermann bezog es auf ein zu 
ergänzendes fAsv : ^ AnöXlcorog ^sv ßia. Wir möchten stellen 
vergleichen wie die im sinne überraschend ähnliche Plato apol. 
p. 28 insiStj sinev rj f^tj^^Q avirn — — aviog anoBavsl — o öe 
tovt' axovßag lov fisv davatov xal tov •aivÖvpov cokiyo3Q?jaB. 
Ueberdies findet sich ds öfter nach participien in demselben 
satze Xen. Mem. p. III, 7, 8 ■&av(id'C,(a oov si ixsivovg Qadioog 
^stQOVfisrog Tovzoig ds u7]5iva tqotzov oisi 8vvtjaea&ai nQOßsvf^' 
&ijvai. So wird man nicht umhin können das stasimon dem ge- 
sammtchor zuzuschreiben , zumal auch nach Muff es nicht leicht 
ist, für die letzten Strophen halbchöre anzusetzen, da in strophe s 
die disposition für beide Strophen gegeben wird. 

Ueber das dritte epeisodion (v. 773 — 812) wird bemerkt, 
daß die wechselrede zwischen dem chor und dem boten nur von 
dem koryphaeos geführt sein kann und zugleich Arnoidts re- 
sultat anerkannt , daß solche anapästischen Systeme, welche den 
stasimen vorangehen, nicht diesen , sondern den vorhergehenden 
epeisodien zuzuweisen sind. Das folgende stasimon (v. 812 — 837) 
wird halbchören zugewiesen, ob die beiden letzten jambischen 



Nr. 4. 32. Aeschylos. 183 

Strophen dem gesammtchor oder dem Chorführer zufallen , bleibt 
unentschieden. 

In dem abschnitte über die exodos (v. 838 — 1063) wird 
Heimanns aufstellung, der in der ersten hälfte (bis v. 935) nur 
hallchöre auftreten läßt , gegen Weils ansieht , welcher schon 
hier die beiden Schwestern einführt, mit guten gründen in schütz 
genoromen. Dagegen erklärt sich Muff gegen die von Hermann 
angenommene vertheilung der abschnitte der ersten syzygie unter 
halbchöre Die vertheilung unter zwölf choreuten bewährt sich 
auf überraschende weise bei den drei syzygieen, welche auf das 
erste um seiner metrischen besonderheit willen für sich zu betrach- 
tende und zu behandelnde erste strophenpaar folgen. Die lyri- 
schen anfange desselben werden den hemichorien zugewiesen, 
die anapäste dem koryphaeos und dem parastates. „Es bleiben 
noch zwölf chorische sätze übrig , von den allemal vier auf je 
ein strophenpaar kommen. Es ist nicht denkbar, daß sich halb- 
chöre in der weise in sie getheilt haben sollten, dafi immer A 
die erste, B die zweite hälfte der strophe sang ; es hätte dann 
immer jedes hemichorion seine eigene weise kopiert , statt die 
des anderen in treuer nachahmung wieder vorzuführen. Nein, 
die consequent durchgeführte gliederung in kleine absätze sowie 
die kommatische natur des threnos sprechen deutlich für Vortrag 
der einzelchoreuten." Hieran schließen sich sehr ansprechende 
vermuthungen über die reihenfolge der sänger. 

Der xfg'^vog der Schwestern liegt außerhalb des bereiches 
dieser Untersuchungen , da er schauspielern gehört. Weils ver- 
muthung , daß die drei verse , welche die chorischen schlußbe- 
merkungen einleiten (1040 — 1042) hinter den klagesang der 
Schwestern gehören , wird bestritten , da die verse dorthin ganz 
wohl passen , wenn man sie als anruf faßt , als einen vom ge- 
fühl äußerster rathlosigkeit eingegebenen anruf an die stolztro- 
tzenden geschlechtsaustilgenden rachegöttinnen, die eben erst ihre 
furchtbare macht so deutlich gezeigt haben. Auch wird einge- 
wandt, daß der chor überhaupt in die zweite partie gar nicht 
gehört. Doch wird anerkannt, daß der klagesang etwas unver- 
mittelt abschließt und ein ruhepunkt, ein zusammenfassender 
accord zu fehlen scheint. Eine lücke erscheint deshalb wahr- 
scheinlich , wenn nicht der dichter absichtlich so verfahren ist, 



184 33. Demosthenes. Nr. 4. 

damit das eingreifen des Herolds als ein plötzliches, den gesang 
unterbrechendes, erscheint. 

Auch bei den schlußanapästen bewährt sich die zwölfzahl 
des chors. Wenn man bei fünfzehn choreuten die beiden ana- 
pästischen Systeme v. 1040 — 1051 dem chortührer zuweist, das 
Strophenpaar 1051 — 1058 und 1059 — 1065 den parastaten, so 
würde jeder halbchor aus sieben choreuten bestanden haben, 
und je sieben hätten sich mit dem parastaten an der spitze je 
einer der Schwestern angeschlossen. „Was wird aber aus dem 
koryphaios? Zurückbleiben darf er nicht; einem der halbchöre 
folgen oder vorangehen darf er auch nicht, denn dann kämen 
die ungeraden zahlen acht und sieben heraus , und der führer 
hätte sich der führung begeben. Was folgt daraus? Dies, daß 
der chor der Septem aus zwölf und nicht aus fünfzehn personen 
bestanden hat." 

Bei der anzeige dieser klaren und besonnenen Untersuchun- 
gen ist uns nicht sowohl die rolle des kritikers als des referenten 
zugefallen , da dieselben , abgesehen von einem diflferenzpunkte 
für uns durchaus überzeugend gewesen sind. 

—t— 

33. JHMOlQENOrS Jl äBMBTOPJAl. Les harah- 

gues de Demosthfene , texte grec , public d'apr^s les travaux les 
plus recents de la philologie avec un commentaire critique et 
explicatif, une introduction generale et des notices sur chaque 
discours par Henri Weil. Deuxieme edition, entierement re- 
vue et corrigee. Paris. Librairie Hachette et Co, 1881. 

Daß die neue aufläge der im jähre 1870 erschienenen aus- 
gäbe der Staatsreden des Demosthenes die bezeichnung entihre- 
ment revue et corrigee verdient , zeigt sich bei genauerer verglei- 
chung. Dem texte sind insbesondre die von Cobet und anderen 
holländischen kritikern wie Herwerden vorgeschlagenen emenda- 
tionen und athetesen au gute gekommen. So haben über 20 
stellen eine neue gestalt bekommen , in folge dessen auch zum 
theil die anmerkungen, wie z. b. in der 'ETTtarolr] fJiiXlnnov 
§ 3, wo wir früher zu dem handschriftlichen y.ai. ravia tw 5//jU<p 
SV doxovrt^ inoiijaei' die bemerkung lasen: II faut peut-etre re- 
trancher ev. Benseier, de hiatu p. 83 sq. a remarque gue VTiiatus 
6tait soigneusement iviti dans cette lettre , diese jetzt Cobets an- 



Nr. 4. 33. Demosthenes. 185 

derung avvdo'Anvvra gewichen ist. Wir finden manche anspre- 
chende änderung Tourniers in den kritischen noten erwähnt, 
doch keine in den text aufgenommen. Am meisten thut uns 
dies leid in der stelle der dritten olynthischen rede § 27 O'na' — 

ooHt^ fQrmiag fnsö-vuiAfiot , y.ai yJu-A^Suifxni loiv [xer unoXcoXozojv, 
Qr/ßaia>t' 5' afi^oXcor o/tco?, rcov ö' uXaojv nvdsrog hvrog a'^iu^oem 
nsni 7mv TToojTfioor mov ((iTiTainad'ai, f^ov 8 tjfii'v y.at in ij^itTHQ 
avTÖöv da(fu).m^^ r/^sir x(u ra räv ((D.mv 8i>iuia ßorißt'vsiv , wo 
Tournier durch die weglassung von 5' rjinv di§ anacoluthie weg- 
räumt. Weil nimmt an dem uominativ ingiX)]unhoi anstoß, der 
sich in der mitte findet, aber läßt sich nicht aus tu pisv alla 
aicono) das positive If'yco entnehmen, um so mehr da nöXl^ av 
r/mr tiTTtiv vorhergeht? Im lateinischen ist die ergänzung von 
dico nach vorhergehendem nego ganz gewöhnlich wie Acad. II, 
31,100 qui id non modo ita esse negabat, sed sibi quia sciret aquam 
nigram esse, unde illa concreta esset, albam ipsam esse, ne videri 
quidera. De nat. deor. I, 25, 71 negat esse corpus deorum, sed 
tamqucün corpus nee sanguinem , sed tamquam sanguinem. De fin. 
II, 21, 68 Altert negant quidquam esse bonum nisi quod Jionestum 
Sit, alteri plurimum se et longe longeque plurimum tribuere honestati, 
sed tarnen in corpore et extra esse quaedam bona. De legg. VI, 15 
Quid, quod Zaleucum istum negat ullum fuisse Timaeus? At Theo- 
phrastus , auctor haud deterior mea quidem sententia. Dieser ein- 
wand gegen Tourniers änderung erscheint uns also hinfällig ; es 
ist natürlich bei der annähme derselben am Schlüsse stark zu 
interpungieren , so daß die folgenden worte aTzsazfnf'jus&a ixsv 
einen selbstständigen satz beginnen. Ein anderer Vorschlag 
Tourniers scheint uns auch der aufnähme würdig , in der rede 
Tzeul rmv iv Xsogovrjaw, § 69 "Oarig ulv yäo, c6 ävögsg ^A&t]ialoi^ 
TiftQidav a ovvoiasi 77] nüXn univei, 87]ui-i>fi , di8r/(ji, •AnrrjyoQH 
anstatt des handschriftlichen SiSoani. 

Von in den text aufgenommenen emendationen des heraus- 
gebers sind zu nennen in der rede vneQ MsyaXonoX(7äv § 5 
^Ainr^or zoiivv ur^ tiqÖtsqov tovgSe ysvia&ai q>nßsQovg y.at /uj- 
ycilovg iudw^tsv tj Ttehot fxixQo] y?ysvri<3f>vrai in anlehnung an S 
7£ ytvriGoviai. Früher nach der vulgata yBvriaovtai. In der rede 
vnso rijg 'PoSicov iXfv&eQiag § 23 ist in den Worten ijrrTjirui 
iiTin yi(iK?8(iiiinvi'o-)v vTTo jetzt eingeklammert mit hinweis auf 



186 33. Demosthenes. Nr. 4. 

Benseier de hiatu p. 86. Ibid. § 33 XQriv mirw y.a} lovg r/jv 
vno Tcov jiQoyovfov ra^ir sv zy fzoXirsia naQadsSofisvijv \finovtag 
Hat noXiTsvoi^svovg oXiyaQjf^inüg arifinvg tov ßvfjßovXsvaiv vfiTv 
^av^tolg <,nol'kolg'^ Tzotela&ai mit der bemerkung ficris rolg 
nolloig nouia&ai pour avtoig noieia&ai, wodurch ein trefflicher 
sinn gewonnen wird, wie durch die einklammerung von fßoTJ- 
&?]asf in der zweiten olynthischen rede § 14 oAoji,' fAsv yag rj 
MaHsdowAtj Sirafii^ xai «p^^ *'' i"^^*' ^QOG&i^mj fiSQig sati iig ov 
(ifXQa, oiov vTTrJQ^t' 7to&^ vfxlv STzl Tifio&80v ngog, ^Olvv&iovg ' nä- 
Xiv av TiQog lloTsidatav 'OXvi&ioig icpävtj t« tovto avvttficpozsQov, 
vvvi 8s QsTtaloig azaaid^ovai y.al Tsrayi^isvotg im ttjv ivgavvi- 
atjv ohiav [fßorj&riasv^i^ In der vierten Philippischen rede § 50 
a aq)aX?Qwg vfxiv -^al ovdafiöjg ev nävz'' 'iist. Der cod. S hat 
ovdafxöög anavz' . Früher nach der vulg. y.ai ov naXwg anavr . 
Ibid. § 52 Nvv 8s ngärov ftsv ö ßaaiXsvg anaai tolg EXXrjaiv 
Qixsimg sx^i xal <CniaTmg'^, nävrcov ^maza 5' tjfih mit der be- 
merkung je corrige la legon inadmissible '/.ai ndvzcov tjxiaza tjfiiv 
vulg. 8rj tjfuv S. 

Der herausgeber hat nicht die ängstliche abhängigkeit von 
der handschrift S wie Voemel, und thut wohl daran. An einer 
stelle scheint er uns diese handschrift aber zu wenig berücksichtigt zu 
haben. In der rede ttsq) tkv iv XsQgovrjacp § 50 haben S und 
L £1 8s fxtjSsvi rovzo (i^Ts doxslj wo Weil ^ijts einfach wegläßt, 
um sich nicht der superstition schuldig zu machen. Es steckt 
darin aber wohl fifjnoTs, wie umgekehrt Dindorf im Prometheus 
des Aeschylos v. 156 die worte mg fx/jnozs &e6g fxi^zs zig dXXog 
zoig ö' iysy^Osi in fxtjzs &sm> (irizs zig at'8Qmp geändert hat. 

Daß auch in der fassung der erklärenden anmerkungen 
manches geändert ist , mag hier nur angedeutet werden. Neu 
ist die erklärung von Philipp. IV, § 41 "SionsQ zot'vvv svog ijfimv 
sudazov zig iazi yovsvg , ovza avfinäai]g rtjg nolscog noivovg 8eI 
yoimg zovg avfinavzag tjysiG&ai: Faut-il sous-entendre yorsag avec 
Toiig ovfinavzai;'? Je ne sais si les peres de famille avaient seuls 
droits au theorique. On voit par Hyperide (p. 14 sq. Blaß) quHls 
pouvaient le reclamer pour eux - memes et leurs enfawts presents h 
Athknes. Eine stelle , zu welcher der herausgeber seine ansieht 
geändert hat, ist § 37 der vierten Philippischen rede: ov8slg 
iati rcöf zQiriQaQX^h' Swa^ihav ov8s zäf eiaq:s()eiv , oazig ovH 
fl^iov za na&/jKOvz* ecy' iavzov noish, vzt iQtjf^az^ ov negier. Dazu 



Nr. 4. 33. Demosthenes. 187 

ist jetzt bemerkt sous pritexte que Vargent Hau rare, während der 
herausgeber früher geneigt war, die worte als glosse auszuscheiden. 

Die einleitungen zu den einzelnen reden, die übrigens wohl 
geeignet sind in das Verständnis einzuführen, sind im wesentlichen 
unverändert geblieben, wie z. b. zu dem urtheile Cobets über 
den brief des Philippos (misc. crit. p. 52) quam non magis Phi- 
lippus Macedo scripsit quam aut tu qui haec legis aut ego bemerkt 
wird : Je pense au contraire qu'un rheteur eüt ete tout aussi inca" 
pöble de Vecrire que je le serais ou que Veminent critique de Leyde 
le serait lui-meme. Doch hat der herausgeber über die vierte 
Philippische rede sein urtheil wesentlich modificiert, indem er 
namentlich den abschnitt über das theorikon, der ja den sonst 
bekannten grundsätzen des Demosthenes in's gesiebt schlägt, 
nicht mehr dem Demosthenes beilegt. Auch in dem Übergang 
von dem ersten aus der rede über die Chersones entlehnten ab- 
schnitte (§ 28 — 30) sieht er jetzt ein ohne rechtes geschick an 
den vorhergehenden abschnitt geknüpftes exordium und vermißt 
am Schlüsse die einheit und richtige gedankenfolge. Doch setzt 
er noch immer einen beträchtlichen kern voraus , welcher von 
einem anordner um eine gewisse zahl anderer stücke vermehrt 
wurde. Auch hinsichtlich der sechs ersten paragraphen der rede 
;7(iOs rriP IniozolrjV rljp flhXinnov stimmt Weil jetzt Blaß darin 
bei, daß dieselben von der band desselben rhetors stammen konnten, 
welcher die übrige rede verfaßt hat , während er früher mit 
Winiewski dieses exordium für Demosthenisch hielt. 

Die neue aufläge giebt einen guten überblick über das in- 
zwischen für Demosthenes geleistete, und wir wüssten nur uner- 
hebliches nachzutragen. Der herausgeber ist ja mit der deut- 
schen Wissenschaft ebenso vertraut als mit der französischen. 
Von französischen nach der ersten aufläge erschienenen werken 
sind besonders bemerkenswerth Croiset, des idees morales dans Z'e- 
loquence politique de Demosthene (1874), Girard^ etudes sur Vilo- 
quence attique (1874), Cai'tauld , de causa Harpalica (1881), die 
Übersetzung der plaidoyers civils von Dareste (1875) und der 
plaidoyers politiques von ebendemselben (1879). Dazu kommt man- 
cher hinweis auf in französischen Zeitschriften erschienene auf- 
sätze. Dieselben bleiben bei ixns manchmal unbeachtet, wie z. b. 
ünger in den Sitzungsberichten der k. bairischen academie der 
Wissenschaften zu München 1880 die reste des textes des frie- 



188 34. Vergilius. Nr. 4. 

dens zwischen Athen und Philipp vom jähre 452 im C. J. Att. 
I, 1, 105 entdeckte, ohne zu wissen, daß Weil im jähre 1879 
in der Revue de pMlologie 'p, 9 zu demselben resultate gelangt war. 
Schließlich möchten wir die ausgäbe Weils insbesondre sol- 
chen fachgenossen empfehlen , welche zum ersten mal sich mit 
Demosthenes beschäftigen , womit aber nicht gesagt sein soll, 
daß nicht auch schon länger mit dem großen redner vertraute 
manche anregung und belehrung aus derselben schöpfen werden. 

Ludioig Schmidt. 

34. Wenzel Kloucek, kritisches und exegetisches zu 
Vergilius. Programm des deutschen gymn. zu Prag 1879. 
29 p. 8. 

Kloucek hat bereits in seinen „miscellen zu Vergilius" im 
Jahresbericht des k. k. obergymnasiums zu Leitmeritz — 1873 — 
durch mehrere glückliche emendationen und conjecturen sich be- 
kannt gemacht und bietet heute zunächst zu Ecloge VIII, 26 — 28 
eine erwägenswerthe vermuthung. Er setzt nämlich hinter „spe- 
remus" das fragezeichen und zieht „amantes"^ zu dem „jungentur^^ 
des folgenden satzes. Kloucek dient der Intention des dichters 
durch diese emendation in thatsächlicher weise, wie es mir scheint. 
Die bisherige beziehung von amantes zu speremus hat vieles gegen 
sich. Denn was haben wir (menschen) in unserm lieben 
[amantes) zu hoffen , wenn greife und pferde sich fortan zusam- 
menfinden?! Es kann doch nur einen gesunden sinn geben, 
wenn „speremus" in der allgemeinen bedeutung ,, erwarten" auf- 
gefaßt wird und wir die ganze stelle also deuten: bei der that- 
sache, daß Nysa einem Mopsus sich hingiebt, können wir nun- 
mehr auch die baldige möglichkeit erwarten d. h. uns darauf 
gefaßt machen , daß die unsympathischsten , die unbomogensten 
wesen, wie greife und pferde, hunde und dammhirsche in liebe 
sich verbinden, — Georg. II, 228 und 29 wird „Baccho" für : 
eine randglosse des ,,Lyaeo" v. 29 erklärt , die ein dem „fru- i 
mentis''^ besser respondierendes ,^vino^'' oder ,,w2W" verdrängt habe. 
Wir würden jedenfalls auch letzteres lieber sehen, — Greorg; 
III, 46 — 48 zieht Kloucek „CaesaWs" zu ^^nomen'-'- und läßt es' 
durch seine Stellung zu anfang der verszeile und vor dem die 
beiden Infinitive verbindenden „ef" stark betont werden. Bisher 
machten viele sogar nach ^^Caesaris'-' ein komma. Wir billigen 



stI 



Nr. 4. 34. Vergilius. 189 

auch hier Kloucek's Vorschlag als dem gesammtgedanken der 
stelle ersprießlicher. — Aen. I, 707 und 8 liest Kloucek statt 
convenere ohne stütze irgend paläographischer natur „cum venere''^. 
Aber er hebt auch auf diese weise die schon von Kvicala „Vergil- 
studien" pag. 161 betonten Schwierigkeiten der construction nicht, 
und eine härte würde immer verbleiben. Mir scheint eher Wun- 
derlich's Vorschlag das richtige zu treffen, welcher die Verbin- 
dung von „jussi diseumbere'''' mit „mirantur"^ v. 709 empfiehlt. 
Wir müßten dann allerdings hinter „convenere'''- ein punctum ma- 
chen, wogegen aber im gründe nichts erinnert werden kann. — 
Aen. n, 240 wird als überflüssige Interpolation von Kloucek 
angesehen, die den vers „scandit fatalts macliina muros feta armis" 
(237 £F.) nachgebildet sei. Ich kann mich hiermit nicht befreunden, 
da mir v. 240 mit dem prädicat „inlabitur'-'' einen durchaus passenden 
gegensatz zu „scandit muros'-' und eine ergänzung des gedankens oder 
vielmehr eine ausspinnung desselben zu bilden scheint. — Aen. II, 
328 —33 verwirft Kloucek die Wagner'sche erklärung und betrachtet 
V. 332 als Interpolation eines den v. 330 falsch verstanden habenden 
abschreibers. — Aen. 11, 453 — 56 vermuthet der verf., daß die 
Worte „postesque relicti a tergo'-'- interpoliert seien, ohne dafür voll- 
ständig überzeugende gründe vorzubringen. Denn eine gewisse 
abundanz der worte , wenn sie auch oft, streng genommen , uns 
wie tautologien vorkommen, müssen wir bei Vergil als ziemlich 
häufig vorhanden constatieren , namentlich aber da , wo es sich 
um die detailschilderung von örtlichkeiten hervorragender art 
handelt. — Aen. II, 695 — 697 ist die annähme, daß eine Ver- 
schiebung von „signantemque vias'-'- und „cernimus Idaea'-'- statt- 
gefunden haben müsse, unsres erachtens, deßhalb unnöthig, weil 
die gegenwärtige Stellung der worte ein malerisches und ein 
viel bezeichnenderes bild gewährt, als wenn das wort „/ötaea", 
welches zur variirung des bildes so wesentlich ist, erst in v. 697 
nachgehinkt käme. Denn eine wirkliche syntaktische Schwierig- 
keit kann doch in der gegenwärtigen Stellung nicht gefunden 
werden. — In Aen. III, 4 und 5 und Aen. III, 60 und 61 hat 
Kloucek Schwierigkeiten gesucht, wo sich deren gar keine be- 
finden. Bezüglich der letzteren stelle hat der verf. selbst be- 
kannt, daß er die passage als gut vergilisch jetzt vertheidigeu 
könne , was er früher nicht geglaubt , „aber unser dichter liebe 
ja amplificationen". Wir halten Kloucek beim wort und fügen 



190 34. Vergilius. Nr. 4. 

hinzu , daß Vergil bekanntlich in der Aeneis nicht ad amussim 
beurtheilt werden darf. — Aen. III, 69 — 71 wird statt ,,venti 
dant'''- vorgeschlagen „eunti dat'-'- und zwar wesentlich aus dem 
gründe, weil der verf. nicht glauben kann, daß Vergil hier, wo 
er in den worten ^^placata venti dant maria'-'' doch das aufhören 
der einer abfahrt von Thracien hinderlichen Witterung betont, 
statt des einzig günstigen n o r d windes katachrestisch den s ü d- 
wind genannt haben sollte. Hierauf läßt sich erwiedern, daß 
erstens der „auster" im allgemeinen als günstiger wind , ohne 
rücksicht auf die himmelsrichtung , von Vergil gebraucht wird, 
wie Aen. III, 61 , wo doch auch von der abfahrt von Thracien 
weg die rede ist, daß aber dann grade an der fraglichen stelle 
das ,^dant venti placata maria'-'- sehr an seinem orte ist, weil hier 
an einen längern unfreiwilligen aufenthalt gedacht werden muß, 
was auch aus vers 71 aus den worten ^^deducunt socii naves et 
litora complenf'' hervorleuchtet. Der sinn ist dann: die ungün- 
stigen winde übergeben, durch ihr aufhören nämlich, die meere 
der benutzung. So ist bei Ho rat. od I, 3, 15 der auster be- 
kanntlich der aufwiegler und beruhiger des Hadria. Ferner 
muß man unter diesen venti, welche aufhören, grade die etesischen 
nordwinde, welche der schifiahrt in Thracien so ungünstig waren, 
verstehen und annehmen , daß der milde auster, mit dem wehen 
jener verglichen, den harrenden Schiffern als erlösung galt. So 
betrachtet dürfte wohl an der stelle nichts zu ändern sein. — 
Zu Aen. IV, 512 — 16 werden die worte „quaeruntur" und 
„quaeritur" für corrupt erklärt , da jene zaubermittel doch in 
Wirklichkeit nicht erst gesucht werden konnten, sondern schon 
vorhanden sein mußten. Kloucek vermuthet, daß ein früher 
etwa vorhandenes ,,sparguntur*'' und „spargitur'''' durch die rand- 
bemerkung eines erklärenden äbschreibers verdrängt worden 
seien. — Aen. VI, 358 — 61 wird statt „capita" von Kloucek 
„cupide" vorgeschlagen. Doch läßt sich für „capita"' Georg. H, 
355 anführen, woselbst dieser ausdruck für die wurzel des reb- 
stocks gebraucht wird. — Von den übrigen stellen heben wir 
noch hervor Aen. VIII, 90 — 96, woselbst der verf. mir doch 
im conjicieren zu weit gegangen zu sein scheint. Er findet näm- 
lich „noctemque" für unhaltbar, da Vergil den Aeneas mit tages- 
anbruch, d. h. nach Sonnenaufgang die reise zu Evander antreten 
und um nachmittag daselbst anlangen lasse. Aber, so frage ich, 



Nr. 4. 35. Horatius. 191 

•wo steht denn , daß das ,^remigmm'\ welches doch nicht nur die 
unmittelbare fahrt, das abstoßen vom lande und das abfahren 
bedeutet, sondern auch die zurüstung zu dieser ruderfahrt, erst 
mit tagesanbruch begonnen habe?! Der verf vergleiche nur 
V. 80 und 86 und er wir finden, daß hier auch schon vor Son- 
nenaufgange die ruderfahrt betrieben wurde , wenn auch nur 
vorerst iudirect durch das versöhnen des Stromes durch ein 
nächtliches opfer. Es dürfte sich darum die annähme, v. 94 
sei von einem interpolator eingeschoben worden, schwerlich recht- 
fertigen lassen. E. Glaser. 

35. Weise, de Horatio philosopho. Kolberger gymnasial- 
programm. Ostern 1881. (18 pag.). 

Im eingange der vorliegenden abhandlung werden die stellen 
zusammengestellt in denen Horaz sich auf die stoische oder epi- 
kureische lehre bezieht, sei es im anerkennenden oder ablehnen- 
den sinne. Daß stellen wie Carm. III, 24, 35 Quid leges sine 
moribus vanae proficiunt. Epist. I, 16, 52 Oderunt peccare boni vir- 
tutis amore. Carm. III, 2, 13 Dulce et decorum est pro patria 
mori auf die stoiker zurückgehen möchten wir bezweifeln. Eher 
möchten wir dahin manche vom Verfasser nicht berücksichtigte 
stelle ziehen, wie Carm. II, 2, 17. I, 22, 1. III, 2, 17. Bei der 
aufführung der stellen , wo Horaz geringschätzig von den Stoi- 
kern spricht, vermissen wir Epist. I, 2, 1 — 4. Andrerseits 
möchten wir sätze wie Metiri se quemque modulo ac pede verum 
est (Epist. I, 7, 98), Quam seit uterque libens, censebo, exerceat ar- 
tem (Epist. I, 14, 44), JSlil ego contulerim iucundo sanus amieo nicht 
mit Weise (p. 4) auf Epicur zurückführen. Als ein unterschied 
von Epicur wird p. 5 hervorgehoben, daß Horaz die spräche 
nicht als qiiGsi entstanden ansieht, während er sich in beziehung 
auf die entstehung des rechtes an Epicur anschließt. Wenn bei 
dem hinweise darauf, daß Horaz nicht an Unsterblichkeit glaubte, 
die stellen erwähnt werden, welche das gegentheil zu erweisen 
scheinen (p. 6), so vermissen wir Carm. II, 13, v. 22 — 40. Ob Horaz 
nach seiner innersten herzensüberzeugung freigeist und systemati- 
scher atbeist oder monotheist war, wird die nachweit nicht entschei- 
den können. Weise faßt Horaz mit W. Ernst Weber („Horatius 
Flaccus als mensch und dichter" p. 215) als monotheisten und 
sieht die Minerva in Carm. I, 12, 10 als ein attribut des lupiter an. 



192 35. Horatius. Nr. 4. 

Aus den öden, die zum theil aus officiellem anlaß entstanden 
sind, läßt sich wenig für den religiösen Standpunkt des dichters 
schließen , eher aus den satiren und episteln , und da möchte 
denn doch in den worten : namque deos didici securum agere aevum 
(sat. I, 5, 101) der eigentliche kern seiner religiösen Überzeu- 
gung, wenigstens für die frühere periode, liegen. 

Ob Horaz in Cairm. I, 34 von einer art religiöser bekeh- 
rung Zeugnis abgelegt hat, ist bekanntlich eine alte Streitfrage. 
Weise schließt sich in der beantwortung derselben an A. Kirch- 
hoff an, welcher in der programmschrift ,,die Stellung des Horaz 
zur Philosophie" (p, 9) mehrere gründe zusammengestellt hat, 
durch welche ihm eine art von religiöser bekehrung des Horaz 
ausgeschlossen schien •, Weise, welcher übrigens bei dieser gele- 
genheit nicht hätte unterlassen sollen Kirchhoff zu nennen, des- 
sen gründen er ja beitritt, modificiert dessen ansieht in sofern 
als er p. 9 bemerkt: manifestum est Horatium per brevissimum 
tempus, per unum vel duos annos sententias de diis Epicureas com- 
probasse. In der tolerirung der volksreligion stimmt Horaz mit 
den Stoikern überein. 

Die characteristik der ethik des Horaz von p. 10 an bietet 
nichts neues , insbesondre für den , welcher mit Kirchhoffs sehr 
lesenswerther schrift vertraut ist. Es war aber mehr hervorzu- 
heben, daß die moral des dichters in geschlechtlichen dingen 
denn doch etwas gar zu lax ist. Den ehebruch greift er nicht als 
Sünde an , sondern weist nur auf die mannichfachen Unbequem- 
lichkeiten hin, welche derselbe möglicher weise mit sich führt, und 
giebt den leuten, welche dazu neigung haben, die mittel an, sich 
auf bequeme und vergnügliche weise für die entbehrung schad- 
los zu halten. Und wenn er in seinen öden den Römern von 
der heiligkeit der ehe predigt, so liegen hier im hintergrunde 
politische motive, ähnlich wie wir uns erinnern irgendwo gelesen 
zu haben, daß der erste Napoleon die Bibel unter der rubrik 
,,politik" mit sich führte. Auch vermissen wir den hinweis dar- 
auf, daß Horaz eine heilung der sittlichen schaden von der 
dichtkunst erwartet (Epist. II, 1, 120), wie er andrerseits als 
eine Wirkung der habsucht hervorhebt, daß sie von der dicht- 
kunst abzieht (Epist. ad Pisones v. 330). 

Schließlich gelangt Weise zu dem jetzt wohl allgemein an- 
erkannten resultate, daß Horaz eklektiker gewesen ist. Wenn 



I 



Nr. 4. 36. Ovidius. 193 

er aber (p. 17) unter den dem Epicur entlehnten Sätzen den 
satz aufFührt virtutem non per se, sed proi^ter fructus esse petendam, 
(auch Kirchhoff spricht dies, freilich weniger schroff, p. 21 aus 
mit den werten : im ganzen motiviert er die aufforderung zur 
tugend stets mit dem hinweis auf die wenn auch innerlich mit 
ihr verbundenen so doch außer ihr liegenden segensreichen fol- 
gen , mit dem hinweis ferner auf die traurigen folgen ihres ge- 
gentheils, des lasters, auf die Störungen, die unruhe und gefahr, 
die von ihm unzertrennlich sind) , so bekennen wir keine stelle 
des Horaz zu kennen wo dieser grundsatz unumwunden aus- 
gesprochen wäre, eher möchten wir dies in beziehung auf 
gewisse vitia , wie den ehebruch , zugeben. Der ausspruch ode- 
runt peccare honi virtutis amore (Epist. I, 16, 52) lautet denn 
doch anders. 

Als mängel der Horazischen lebensanschauung hatte Kirch- 
hoff seinen egoismus und quietismus bezeichnet; hierin folgt ihm 
Weise, indem er noch den mangel des Unsterblichkeitsglaubens 
hinzufügt. 

Wir glauben , daß der inzwischen verstorbene gymnasialdi- 
rector Campe, dem der Verfasser im auftrage des Colberger leh- 
rercollegiums seine schrift zu seinem fünfzigjährigen amtsjubiläum 
gewidmet hat, schwerlich in derselben für ihn neue gesichtspunkte 
gefunden haben wird , daß er aber ohne zweifei an der anzie- 
henden darstellung, welche von liebe zu dem dichter und einge- 
hender kenntnis desselben getragen wird , seine freude gehabt 
haben würde, wenn nicht seine früher so unverwüstliche kraft 
durch langsam schleichende krankheit gebrochen wäre. Es wäre 
übrigens wünschenswerth, daß der Verfasser mehr auf die reiche 
literatur über diesen gegenständ hingewiesen hätte; wir haben 
von älteren hierhin gehörenden Schriften nur d'Estree prosopo- 
grapJieia Horatiana , von neueren Werner , quaestiones Horatianae 
und „Kirchhoff, Stellung des Horaz zur philosophie. Programm 
des gymnasii losephini in Hildesheim für 1873" erwähnt ge- 
funden. 

36. Quaestionum Ovidianarum pars prior. Scripsit Gu- 
stavus Graeber, phil. dr. Elberfeldae 1881. Prostat Berolini 
apud Weidmannes. 4. p. XXXTLI. 

37. De amicorum in Ovidii Tristibus personis. Dies, inaug, 
Philol. Anz. XIL 14 



194 36. Ovidius. Nr. 4. 

quam .. scripsit Balduinus Lorentz. Lipsiae, Prankenstein 
und Wagner. 1881. 8. p. 52. 1 mk. 50 pf. 

Von den beiden abhaudlungen beschäftigt sich die erstere, 
was dem zu allgemein gehaltenen titel freilich nicht zu entneh- 
men ist, mit der ermittelung der adressaten von Ovids Epp. ex 
Ponto und Tristien überhaupt, die andere nur mit denen der 
letzteren; sie ergänzen sich demnach gegenseitig und gelangen 
daher vereint im nachstehenden zur besprechung. 

In der einleitung (p. III — IX) vertheidigt Graeber als jähr ( 
der Verbannung Ovids mit Clinton , Fischer , Leutsch , Merkel | 
u. a. gegen Brandes und Meyer 761/8, läßt Ovid im frühjahr 
762/9 nach Tomi gekommen sein, setzt damit gleichzeitig die 
herausgäbe von Trist, lib. I., II in den sommer 762/9, III an- 
fangs 763/10, IV ins frühjahr 764/11, V ans ende dieses Jahres. 
Ex Pont. I — III wurden zum größten theil 765/12 geschrieben 
und 766/13 nach Korn geschickt, IV fällt zwischen 766/13 und 
769/16. Uebersehen wurde dabei, daß neuerdings C. Schrader 
(Neue Jahrb. f. philol, u. päd. XL VII, 1, 115, p.846 ff.) für fast 
genau dieselbe ansieht, theilweise mit derselben begründung, ein- 
getreten ist. Einzelne behauptungen Graeber's, daß z. b. aus Trist. 
I, 11, 43 f. hervorgehe, ver ap'propinquare (cf . aber 1, 1 , 42) ferner 1 
aus Trist. I, 1,127: {Ovidium) nuper advenisse Tomos, gehen wohl j 
zu weit. Der beweis für die behauptung: nondum (a. 762/9) ! 
confectum in Dalmatia Pannoniaque bellum erat läßt sich durch 
bloße hinweisung auf Trist. II, 169 f. doch wohl kaum führen. : 
Im großen und ganzen aber sind Graeber's ausführungen maß- j 
voll und, obwohl die vorgebrachten gründe keineswegs neu ge- 1 
nannt zu werden verdienen , vollständig. Daß für den ansatz - 
des Verbannungsjahrs Ovids auf 761/8 unwiderlegliche beweise 
nicht erbracht werden können , geht auch aus dieser erörterung 
aufs neue hervor^). 

1) Eine endgültige lösung dieser frage glaubt O.Gruppe iu seiner 
recension der abhandluDg von Lorentz (Philol. ruudschau. I, 1881, p. 
1623 f.) durch Zuziehung der bisher nicht beachteten stelle Trist. J, 
3, 71 f., wo Ovid bei der Schilderung seiner letzten stunden in Rom 
den anbruch des tags mit den worten: dum loquor . . . Lucifer ortus 
erat andeutet, erzielt zu haben. Da nach angestellter astronomischer 
berechnung Venus im herbste 8 nicht morgen-, sondern abendstern 
war, müsse Ovids Verbannung ins jähr 9 gesetzt werden, da die sinn- 
liche lebhaftigkeit der stelle die möglichkeit einer bloß construierten 
bestimmung ausschliesse. Mit welcher lebbaftigkeit aber Ovid bei 
rein üngieiten Situationen den anbruch des tages, mit dem er den 



Nr. 4. 36. Ovidius. 195 

In dem haupttheil der abliaudlung (p. IX — XXVIII) be- 
spricht Graeber zunächst die von Ovid für seine familie be- 
stimmten briefe. An dessen gattin läßt er außer den nicht zwei- 
felhaften briefen (Trist. I, 6. III, 3. IV, 3. V, 11. 14. Ex Pont. 

1, 4. m, 1) mit Loers und Woelffel auch Trist. V, 2, 1 —44 
gerichtet sein, berührt kurz das schreiben an deren oheim Eufus 
(Ex Pont. II, 11 j, endlich das an P. Suillius Eufus, Ovids Schwie- 
gersohn (Ex Pont. IV, 8). Die vermuthung Graeber's , dieser 
brief sei vielleicht eine epistula gratulatoria paullo post nuptias ad 
S. missa, steht mit dem inhalt desselben nicht im einklang und 
läßt sich schwerlich, wie er glaubt, aus v. 11 folgern. In der 
erörterung der lebensverhältnisse des Suillius schließt sich Grae- 
ber wesentlich an Nipperdey und Waddington an, denen er ne- 
ben Borghesi, Henaen, Merkel , Mommsen , Teuffei u. a. auch in 
der folgenden abhandlung über die fautores Ovidii und die an 
sie gerichteten briefe sich anschließt, ohne daß er auf eigenes 
urtheil , das nicht selten mit erfolg geltend gemacht wird , ver- 
zichtete. Aus den oft sehr weitläufigen, durch eingehende sach- 
kenntniß , insbesondere aber verwerthuug der einschlägigen epi- 
graphischen literatur sich auszeichnenden Untersuchungen sei hier 
nur das für die kenntniß von Ovids Epp. ex Ponto und Tristien 
wichtigste hervorgehoben. An Paullus Fabius Q. F. Maximus 
(geb. nach Gr. c. 709/45) ist nach ihm sicher nur Ex Pont. I, 
2 und III, 3 gerichtet ; I, 5 wird gegen Nipperdey, I, 9 gegen 
diesen, Merkel und Teuffei mit Riese (= Haakh bei Pauly VI, 

2, p. 2920, Woelffel, Dinterj dem Maximus Cotta zugetheilt. Un- 
bestimmt läßt Graeber die adresse von Ex Pont. III, 8, wäh- 
rend er Trist. V, 2, 1 — 44 gegen Koch mit Loers und Woelffel 
aus nicht ganz triftigen gründen dem Fabius ab- und der uxor 
Ovidii zuspricht. Die folgende eingehende darstellung des le- 
bens des Paullus Fabius Max. ist für unseren zweck von gerin- 
gerem Interesse •, die weitere , mit Teuffei übereinstimmende aus- 
einandersetzuug über M. Valerius Messala Corvinus bietet nichts 

aufgang des Lucifer geradezu identificiert, ausmalt, zeigen neben vielen 
anderen stellen: Amor. U, 11, 55. Met. II, 114 f. IV, 663 f. Wie fer- 
ner Ovid mit der astronomischen Wahrheit umzuspringen gewohnt war, 
geht aus den Fasten hervor; für unseren fall vgl. man III, 877. IV, 
676. V, 548. VI, 474 mit V, 419. Endlich ist zu erwägen, daß Ovid 
in der Stimmung, in der er Trist. I, 3 schrieb, gewiß nichts ferner 
lag, als das bestreben, mit der astronomischen Wahrheit im einklang 
zu bleiben. 

14<^ 



196 ' 36. Ovidius. Nr. 4. 

neues. An dessen söhn M. Valerius Corvinus Messalinus (geb. 
nach Graeber zwischen 715/39 und 719/35, gest. 775/22 = 
Borghesi-Henzen) ist neben Ex Pont. I, 7. II, 2 auch, wie p. XX 
nach Scaliger, Teufifel u. a. nachträglich ausgeführt wird. Trist. 

IV, 4 gerichtet. Für des Messalinus bruder M. Aurelius Cotta 
Messalinus (geb. c. 730/24 — 735/19, er selbst, nicht sein söhn 
cons. 773/20 = Borghesi-Henzen) läßt Graeber mit Dinter, 
Eiese u. a. (s. oben) Ex Pont. I, 5. 9. II, 3. 8. III, 2. 5, fer- 
ner (.= Haakh, Teuffei u. a.). Trist. IV, 5 und endlich auch 

V, 9 bestimmt sein. Letzteren brief spricht er dem Celsus ab, 
an den nach Graeber, der hierin Politianus folgt, Trist. I, 5 und 
III, 6 gerichtet sind. Wenn dabei u. a. p. XVII behauptet 
wird, Ovid sei schwerlich vor 727/27 oder gar erst (p. XXII) 
nach 731/23 in das haus des Messala gekommen, so stimmt dies 
wenig mit den kurz vorher citierten stellen Ex. Pont. II, 2, 1. 97. 
m, 3, 69 ff. Auch die beweisgründe , welche Graeber p. XX 
aus der bezeichnung iuvenis zu schöpfen sucht, sind, zusammen- 
gehalten mit der behauptung p. XV, daß puer auch ein trice- 
narius genannt werden könne, nicht unanfechtbar. Es folgt das ' 
brüderpaar C. Pomponius Oraecinus und L. Pompomus Flaccus 
(geb. nach Graeber 735/19), an die nur Epp. ex Ponto gesandt 
sind, und zwar an jenen I, 6. II, 6. IV, 9, an diesen I, 10. 
Bezüglich der nach Henzen gemachten behauptung , Graecinus 
sei 774/21 in das collegium der Arvalen cooptiert wogpden, ist 
zu bemerken, daß Henzen selbst (Acta fr. Arv. p. 195) dies nur 
vermuthungsweise ausgesprochen hat. Den schluß bildet die vita , 
des Sextus Pompeius, des gönners des Valerius Maximus und 
Ovid , auf den dieser gegen sein lebensende hin die größte hoff- 
nung gesetzt zu haben scheint, da er ihm Ex Pont. IV, 1. 4. 
5. 15 widmete. In der anordnung des Stammbaumes des Pompeius 
will Graeber gegen Drumann und Kempf den aufstellungen von 
Borghesi und Waddington gefolgt sein, ersterem auch in der 
darlegung der Verwandtschaftsverhältnisse des Pompeius und Au- 
gustus. Nach Borghesi (Oeuvres V, p. 135 f.) war aber Cn. 
Pompeius Sex. f. Sex. n. cos. suf. 723 , der großvater unseres 
Sextus, nicht der enkel des Sex. Pompeius Sex. f. Cn. n. vir 
doctus und söhn des Sex. Pompeius Sex. f. Sex. n. cos. 719, 
wie Graeber p. XXVI angibt, sondern der söhn des ersteren 
und jüngere bruder des letzteren. Unser Sextus hat nach 



Nr. 4. 37. Ovidius. t97 

Graeber's vermuthung vor seinem consulate (767/14) Achaia 
verwaltet, vielleicht zur zeit der Verbannung Ovids , den er auf 
dessen reise nach Tomi unterstützt zu haben scheint (Ex. Pont. 
IV, 5, 33 f.). 

Für die fortsetzung von Graeber's arbeit, in der er die so- 
dales Ovidii behandeln will , wäre es wünschenswerth , wenn er 
ira interesse einer gleichmäßigeren und mit dem titel der ab- 
handlung mehr übereinstimmenden bearbeitung des Stoffs alles 
nebensächliche in die noten verweisen , in den text selbst dage- 
gen alles für die kenntniß von Ovids Tristien und Epp. ex 
Ponto wichtige aufnehmen würde. Daß auch Graeber trotz sei- 
ner sorgfältigen Untersuchungen bezüglich der ermittelung der 
adressaten der Tristien über die seitherigen wesentlich hinaus- 
gehende resultate kaum erzielt hat, ist weniger seine schuld, als 
vielmehr in der sache selbst begründet, welches urtheil in der 
besprechung der abhandlung von Lorentz seine bestätigung fin- 
den wird. 

Dieser , der die arbeit Graeber's noch nicht gekannt zu 
haben scheint, hat sich als ziel gesteckt, die adressaten derje- 
nigen briefe der Tristien, die weder allgemein gehalten noch an 
Ovids gattin , Augustus , Perilla oder ad invidum gerichtet sind, 
zu ermitteln. Er findet sie in : Cotta Messalinus , Sextus Pom- 
peius, Paullus Fabius Maximus, Curtius Atticus, Brutus und 
Carus. Muß mau einerseits anerkennen, daß Lorentz das ein- 
schlägige material mit fleiß gesammelt und umsichtig für seinen 
zweck verwerthet hat , so beruht andererseits die vertheidigung 
der vorgeführten auslebten doch meistens nicht auf originellen, 
sondern den Vorgängern entlehnten und nur weiter ausgeführten 
gründen. An Cotta, dessen leben nach den gangbaren quellen 
dargestellt wird, läßt er Ex Pont. I, 5. 9. II, 3. 8. III, 2. 5 
in Übereinstimmung mit Dinter , Woelffel (von Lorentz sonst 
durchweg Woelfel genannt), Riese u. a. , die jedoch nicht er- 
wähnt werden , gerichtet sein. Trist. IV, 4 theilt er gegen 
Haakh und Koch hauptsächlich aus dem gründe Cotta und nicht 
dessen bruder Messalinus zu, weil Ex Pont. I, 7 (cf. v. 37 f.) 
der erste an diesen gerichtete brief sei. Das nämliche ließe 
sich für Cotta aus Ex Pont. I, 5, 1 ff. folgern. Im übrigen 
spricht der ganze Inhalt und ton von Trist. IV, 4 durchaus 
nicht für Lorentz' behauptuug (vgl. Graeber p. XX). Mit mehr 



198 37. Ovidius. Nr. 4. 

recht, wenn auch theilweise von Haakh entlehnten gründen 
spricht Lorentz außerdem Trist. IV, 5 gegen Koch dem Cotta 
zu. Die abstammung und das leben des Sextus Pompeius stellt 
Lorentz nach Drumann u, a. dar,, ohne dabei der abweichenden 
ansichten von Borghesi und Waddington, die er beide citiert, zu 
gedenken. Nicht unser Sextus war der frater Arvalis 767/14 
nach Borghesi V, p. 134f., sondern dessen vater cos. suf. 749/5. 
Von den Tristien ist an jenen nach Lorentz , der hierin Koch 
folgt, V, 9 und der mit dessen inhalt angeblich übereinstimmende 
brief I, 5 gerichtet. Dieser zeigt jedoch eine Vertraulichkeit, 
die dem verhältniß zwischen Ovid und Pompeius fremd sein 
mußte , daher Graeber (p. XXI) mit mehr Wahrscheinlichkeit, 
gestützt auf Ex Pont. I, 9, 15 ff. , diese epistel dem Celsus zu- 
theilt. Aus der eingehenden Untersuchung über die familie Und 
das leben des Paulus Fahius Maximus , wobei Lorentz Vertraut- 
heit mit der einschlägigen literatur zeigt, sei hervorgehoben, daß 
die gehurt des Paullus auf c. 699/45 angesetzt und damit über- 
einstimmend weiter angenommen wird, der „puer" bei Horat. 
carm. IV, 1, 15 sei nicht unser Paullus, sondern dessen söhn, 
der von Sen. controv. I, 12 erwähnte Fabianus Maximus, der 
bruder des Paullus Fabius Persicus. Diese, wie Lorentz p. 21 
anm. selbst erklärt, auf Orelli zurückgehende vermuthung läßt 
sich durch positive beweise weder vertheidigen noch widerlegen. 
An unseren Paullus erklärt Lorentz mit Koch Trist. III, 6 (= 
7 nach Loers) und gegen Loers und Woelffel auch V, 2 aus 
gründen gerichtet, die mit den von Koch vorgebrachten im we- 
sentlichen übereinkommen, obwohl er diesem hierin ausdrücklich 
nicht gefolgt sein will. Ueber das leben des Atticus hat Lo- 
rentz neues nicht beigebracht. Daß Koch nach dem vorgange 
einiger viri docti die an Atticus gerichteten Epp. ex Pento II, 4 
und 7 für der unechtheit verdächtig hält , wundert Lorentz , da 
„id prorsus certum est, rede neminem eorum, qui nostra aetate Ovidii 
carminihus dederunt operam, de epistulis Ulis nostro poetae tribuendis 
dubitasse." Man vgl. aber "Weise in seiner ausgäbe I, p. V. III, 
p. 308. 313. Gruppe, Minos p. 489. Mit Koch wird Trist. 
V, 4 dem Atticus zugesprochen , außerdem der similitudo senten- 
tiarum wegen, ein beweisgruud, den Lorentz selbst p. 30 anm. 2 
für unzulässig erklärt hat, Trist. IV, 7. V, 6 und 13, Letzteren 
brief läßt aber Koch , theilweise aus denselben gründen , an 



Nr. 4. 37. Oviditis. 199 

Atticus und nicht an Macer gerichtet sein, was Lorentz nicht 
erwähnt. Ebenso übergeht er, daß auch Koch Trist. III, 14 
(= 15 nach Loers) dem Brutus^ den Lorentz nach Woelffel mit 
M. lunius Silanus identificiert , zugetheilt hat. Außer diesem 
briefe spricht er den mit ihm consilio et ingenio übereinstimmen- 
den Trist. I, 7 dem Brutus zu. Die ähnlichkeit besteht haupt- 
sächlich in der erwähnung der Metamorphosen , ein wohl nicht 
ganz durchschlagender beweisgrund. Daß Trist. III, 5 an den 
nur aus Ovid bekannten Carus gerichtet sei, vertheidigt Lorentz 
nach Micyll, Heinsius und Burmann mit im wesentlichen von 
Koch entlehnten gründen. Außerdem weist er ihm einer an- 
deutung Merkel's (Trist, p. 68) zufolge Trist I, 9 und endlich 
noch III, 4 zu. Sonderbar würden sich dann aber doch in letz- 
terem gedieht die an Carus , den erzieher der kinder des Ger- 
manicus, gerichteten worte v. 4 : vive tibi et longe nomina magna 
fuge ausnehmen. Die adressaten von Trist. V, 7 und 12 end- 
lich läßt Lorentz unbestimmt ; besonders bestreitet er , daß letz- 
terer brief mit Koch dem Rufinus zuzutheilen sei. 

Vergleicht man die resultate der neuerdings erschienenen 
hauptarbeiten über die adressaten der Tristien — es sind dies 
die von Koch, Graeber, Lorentz und etwa noch Gruppe (Philol. 
rundschau I, 1881, p. 1619 — 1624) — miteinander, so ergibt 
sich von selbst, wie weit wir noch von einem sicheren ergebniß 
entfernt sind. So ist Trist. I, 5 nach Koch und Lorentz an 
Sextus Pompeius , nach Graeber an Celsus , nach Gruppe an 
Cotta gerichtet, III, 5 nach Koch und Lorentz an Carus , nach 
Gruppe an Cotta , III, 6 nach Koch und Lorentz an Paullus 
Fabius Maximus, nach Graeber an Celsus, IV, 4 nach Koch und 
Graeber an Messalinus , nach Lorentz und Gruppe an Cotta, 
V, 2 nach Koch und Lorentz an Paullus Fabius Maximns, nach 
Graeber an Ovids gattin, V, 4 nach Koch und Lorentz an At- 
ticus, nach Gruppe an Cotta. V, 9 nach jenen an Sextus Pom- 
peius, nach Graeber an Cotta, V, 12 endlich nach Koch an Eu- 
finus, was Lorentz bestreitet. Daß hier jemals eine Vereinigung 
zu Stande kommen wird , wie dies bezüglich Trist. IV, 5 (an 
Cotta) gegen die einzige stimme von Koch der fall ist, erscheint mehr 
als zweifelhaft. Jedenfalls reichen dazu die bisher befolgten grund- 
sätze, auch der von Gruppe a. o. p. 1620 aufgestellte, wonach sich 
durch die briefe an dieselbe person fortwährend dieselben gedanken, 
dieselben Wendungen hindurchziehen sollen, nicht aus. Gustav Nick. 



200 38. Livius. Nr. 4. 

38. Guil. Jung, de fide codicis Veronensis cum recen- 
sione Victoriana comparati. Göttinger doctor-dissert. 1881. 48 p. 

Wiewohl die frage nach dem werthe des codex Veronensis 
in der ersten dekade des Livius durch Mommsen und Wodrig 
(siehe Bursians jahresber. II. III, 731 ff.) zur genüge behandelt 
zu sein schien, zeigt doch die Unsicherheit der letzten ausgäbe 
von Weißenborn , daß es dringend nöthig sei sicherere resultate 
zu erzielen. Verf. hat sich, da die sachlich interessanteren stellen 
meist durch Wodrig vorweggenommen waren, auf die verbalfor- 
men (discrepanzen in modus , tempus , numerus) und die Wort- 
stellung beschränkt. Können nun namentlich im zweiten ca- 
pitel seine ergebnisse nicht gerade blenden, so hat er doch das 
verdienst gezeigt zu haben, daß die recensio Victoriana (so wird 
man wohl correcter sagen als die nicomachische) willkürlich ge- 
glättet ist; sie hat immer das gewöhnliche gegenüber dem 
Veronensis, der das seltene, aber doch Livianische bietet. Vic- 
torianus hat ungleiche verbalformen , die aufeinander folgen , oft 
ausgeglichen, und speciell wo Livius, um nicht zu ermüden, im 
ausdrucke wechselt, das gewähltere gegen den in nächster nähe 
vorkommenden normalausdruck abgetauscht. So wird auch 3, 6, 6 
tristiorem nuntium referentes (Vi ct. — reportantes Veron.) daraus 
zu erklären sein, daß responsum tulere vorausgieng, während die 
lesart des Veronensis auf Virgil Aen. 2, 115 tristia dicta reportat 
zurückführt. 

S. 28 wird die beobachtung gemacht, daß namentlich dann 
subjecte in den ablat. absol. eingeschoben werden, wenn sie pro- 
nomina oder eigennamen sind (ebenso Nepos Dio 2, 5. Datam. 
5, 5), daß mithin 3, 67, 3 capi me Roma consule potuit zu halten 
ist. 3,61,7 zieht verf. mit Veron. dedit dictayor, und wünschte 
durch gleiche Wortstellung auch 22, .50, 10 haec ubi dicta dedit, 
stringit gladium cuneoque facto etc. den hexametrischen fluß zu 
mäßigen. Auch sonst giebt derselbe kritische beitrage, welche 
der beachtung werth sind, und auch in minder wichtigen fragen 
eine methodische behandlung so wie eine sorfältige vergleichung 
der parallelstellen aus Livius. 



39. Pomponius Mela und seine Chorographia. Programm 
. von Joseph Fink. Rosenheim 1880. 23 p. 8. 

Nachdem die abfassung der chorographie des Mela unter 



Nr. 4. 39. Mela. 201 

dem kaiser Claudius durch die Untersuchungen von Bursiau und 
Frick festgestellt schien und nur zwischen den jähren 43 oder 40 
die entscheidung schwankte, ist im sommer 1880 von zwei Seiten 
der versuch unternommen worden , Mela's werk in die zeit des 
Augustus hinaufzurücken. Gustav Oehmichen hat in seinen PH- 
manischen Studien zur geographischen und kunsthistorischen li- 
teratur (Erlangen, A. Deichert) einen eigenen abschnitt (p. 32 — 48) 
der frage nach der „abfassungszeit der chorographie des Pompo- 
nius Mela" gewidmet. Der andere versuch ist von Joseph Fink 
ausgegangen, auf dessen schritt hier um so mehr hingewiesen 
werden darf, da sie in Schwabe's bearbeitung der Teuffel'schen 
litteraturgeschichte p. 667 unbeachtet geblieben ist. Der verf. 
geht von den zwei bekannten stellen aus, in welchen Mela seine 
heimath Tingentera angibt (II, 96) und einen bevorstehenden 
triumph des principum maximus über Britannien erwähnt (HI, 49). 
Er sucht dann aus den geographischen Veränderungen insbeson- 
dere in Hispania^ Numidia, Mauretania^ Gallia die zeit, in welcher 
Mela schrieb, zu erschließen, und betrachtet zu diesem zwecke 
auch die von Mela augeführten colonieu. In der zweiten hälfte 
seiner schrift handelt er von den quellen Mela's. 

Die neuere litteratur über sein thema hat der verf nicht 
genügend benutzt. So ist es ihm begegnet , p. 3 anm. 1 die 
stellen bei Gell. X, 7 und Solin. 11, 6 auf P. Varro Atacinus 
zu beziehen, während er aus ßitschls Opuscula III, 390 und 393 
entnehmen konnte, daß das citat bei Gellius vermuthlich aus M. 
Varro's Libri de geometria herrührt und daß das von Solinus 
angeführte opus (nicht ,, gedieht") de litoralibus wahrscheinlich 
mit M. Varro's schrift de ora maritima identisch ist. — Für das 
Vorhandensein geographischer karten in Eom führt Riese, Geogr. 
lat. min. p, XII außer der vom verf p. 4 anm. 4 erwähnten 
stelle aus Varro de r. r. I, 2, 1 noch Prop. V, 3, 37 und Vi- 
truv. Vm, 2, 6 f. an. AberRiese's Sammlung lag, wie es scheint, 
dem verf ebenso wenig vor, als Mommsen's Solinus und Halm's 
Vellejus. Neben der p. 4 anm. 6 aufgeführten litteratur war 
auch Hansen programm von Sondershausen 1879 und Frick's 
aufsatz im Philologus XXXIV, 741 zu nennen-, dagegen ist 
ebenda Fleckeisen's name irrthümlich genannt. Auffallende irr- 
thümer finden sich auch in den citaten von quellen; so wird 
p. 8 anm. 15 citiert: Dio 19 (statt 59, 25); p. 9 anm. 17: 



202 39. Mela. Nr. 4. 

Octav. 52, 59. Doch genug hiervon; wir wenden uns zur be- 
weisführung des verfs. 

Zu Mela's erwähnung von Tingentera II, 96 wird p. 5 
anm. 9 bemerkt : „er macht den eigenthümlichen zusatz : unde 
nos sumus. Da sich bei ihm nur noch II, 57 (Ultra sunt . . 
Pola qnondam a Colchis ut ferunt Jiabitata, in quantum res trans- 
eunt! nunc Romana colonia) eine solche beifügxmg findet, welche 
ebenso wenig vermißt werden würde als die erstere, so möchte 
ich diese [diese letztere? oder diese beiden?] für eine spätere 
zuthat halten." Dies mag als probe dienen , daß der verf. sich 
bisweilen jeden versuch eines beweises erspart. Er thut dies aus- 
drücklich bei der Voraussetzung, daß jedes „geographiebuch" die 
jüngsten Veränderungen mittheile, daß also die übergehung der- 
selben einen sicheren schluß auf die frühere entstehung des be- 
treffenden Werkes gestatte. Zu welchen folgerungen dieser satz 
in der litteraturgeschichte führt, kann ein beispiel lehren : Florus 
II, 30, 38 sagt bestimmt, daß die zwei von Varus verlorenen adler 
noch in den bänden der Cherusker seien; die wiedergewinming 
gelang aber nach Tac. Ann. I, 60, II, 25 in den jähren 15 und 
16 n. Chr.; so müßte Florus seine epitome, wie Titze wollte, 
uro hundert jähre früher geschrieben haben. Nichts ist doch 
leichter denkbar, als daß ein Schriftsteller die angäbe seiner 
quelle wiedergibt, ohne zu prüfen, ob sie nicht veraltet sein 
könnte. Hat es demnach hier der verf bei der grundlegung 
für seinen nachweis an vorsieht fehlen lassen , so vermißt man 
auch in der führung desselben die nöthige umsieht wenigstens 
in einem punkte. Bei der interpretation der werte Mela's I, 
29 f. (nicht „II") Malucha . . amnis est nunc gentium, olim regno- 
rum quoque terminus , Boechi lugurthaeque. Ab eo Numidia ad ri- 
pas exposita fluminis Ampsaci . . verkennt der verf, p. 8 die 
wichtige thatsache, daß auch nach der erweiterung Mauretaniens 
bis zur provinz Nova Africa für das gebiet zwischen der alten 
(karthagischen) provinz Afrika und dem eigentlichen Maureta- 
nien der name Numidia im gebrauche der Volkssprache, also 
auch der geographischen autoren blieb; vgl. Kiepert, lehrb. der 
alten geogr. p. 219. Bei der erklärung der stelle III, 90 Eu- 
doxus qaidam avorum nostrmnim temporibus cum Lathyrum regem 
Alexandriae profugeret übersieht der verf. p. 11, daß die flucht 
auch bei der rückkehr des Lathyrus 89 v. Chr. stattgefunden 



Nr. 4. 40. Tacitus. 203 

haben kann; vgl. Hansen, jahrbb. f. philo!. 1878, p. 501. Auch 
läßt er unbeachtet , daß schon der plural avorum nostrorum auf 
einen freieren gebrauch hindeutet. Hier versteigt er sich sogar 
zu der behauptung, es liege im sprachgebrauche Mela's „ein 
■wort immer in der eigentlichen bedeutung zu nehmen", während 
er p. 16 im Widerspruche dagegen behauptet, ,,es wehe sogar 
manchmal ein poetischer hauch durch seine worte." Die spräche 
Mela's scheint Fink überhaupt nicht untersucht zu haben ; er 
äußert sich p. 14, anm. 28: „daß Sallust von Mela nachgeahmt 
worden sei , behaupten C Frick . . und E. Schweder" , deutet 
aber seine eigene Überzeugung in dieser frage mit keinem worte an. 

Unter die quellen des Mela wird p. 12 der HI, 70 anschei- 
nend genannte Hij)parch nicht gerechnet , da der verf. nach 
Hansen das überlieferte ipparchms in id parcius geändert wissen 
will. Dagegen scheint der verf. gegen Hansen den Hanno als 
direkten gewährsmann des Mela zu betrachten; er führt p. 13 
die übereinstimmenden stellen an , die abweichungen aber nicht. 
Die Übereinstimmung Mela's mit Sallust in der beschreibung 
von Afrika erklärt der verf. p. 14 aus der beiderseitigen be- 
nutzung einer (nicht bezeugten) lateinischen Übersetzung des 
Eudoxus. Den Cornelius Nepos hat Mela, wie der verf. p, 14 
nach Hansen annimmt, unmittelbar benutzt. Außerdem soll Mela 
(p. 1.5 ff.) aus Pytheas, Caesar, Lucretius, vielleicht auch P. 
Varro Atacinus (?) geschöpft und für die länder des mittelmeers 
einen periplus und eine beschreibung des binnenlandes (p. 20) 
verwerthet haben. 

Hiemit ist aber gewiß nicht das letzte wort über diese 
frage gesprochen. Zu ihrer lösung bedarf es noch weiterer sach- 
licher und sprachlicher Untersuchungen ; es ist zu wünschen, daß 
der verf. die begonnenen Studien mit strenger methode und mit 
umfassender erwägung aller einschlagenden momente fortsetze. 
Die Verbesserung einiger versehen, schreib- und druckfehler der 
vorliegenden schrift wird sich ihm selbst ergeben. 

40. C. E. Güthling, De Cornelii Taciti libris minoribus 
disputatio: I. De Agricola. Programm des städt. evang. gymn. 
zu Liegnitz 1878. p. 11 — 16. 

Eine einfache frage ist in dem vorliegenden schriftchen auf 
einfache weise erörtert. Einfach erscheint die frage nach dem 






204 41. Tacitus. Nr. 4. 

■wesen des Taciteischen Agricola, da derselbe vom autor nament- 
lich cap. 1 und 46 deutlich genug als historisches werk und 
zwar als biographie bezeichnet ist und bei seiner rhetorischen haltung 
doch alle eigenthümlichkeiten eines historischen werkes an sich trägt, 
wie sie Cic. or. 20, 66 angibt. Und einfach ist die art, wie der verf. , 
die frage behandelt hat, indem er unbefangen das object betrachtend j 
und störende aufPassungen ablehnend zu einem ergebnisse gelangt, 
das zwar nicht neu, wohl aber richtig ist. Es wird p. 15 in die i 
Worte zusammengefaßt: Teuffelius verissime iudicavit Tacitum vitam 
Agricolae composuisse sequentem rhetorum morem et praecepta. Vitam 
quin composuerit non est dubium. Wie aber die an sich einfache 
frage durch ungenaue auslegung, unbegründete Unterschiebung,"' 
durch verkennung der wirklichen analogieen und hereinziehung 
gesuchter vergleiche zu einer verwickelten geworden ist, so scheint 
die darstellung des verfs. der gefahr, sich zu verwickeln, insbe- 
sondere dadurch entgangen zu sein , daß sie auf einige Streit- 
punkte gar nicht, auf keinen tiefer eingeht. So läßt der verf. 
manches bedenken unerledigt, das leicht beseitigt werden konnte, 
und bringt manchen gedanken als neu vor, der schon von an- 
deren gefunden und mitgetheilt war. Doch ungeschmälert bleibt 
ihm das verdienst richtiger auffassung und klarer darstellung. 

41, Joseph Wormstall, emendationen und erläuterun- 
gen zur Germania des Tacitus. Programm des k. Paulinischen 
gymnasiums zu Münster 1876. 3 — 12 p. 4. 

Der Verfasser einer 1868 erschienenen schritt „Ueber die 
Tungern und Bastarnen" wiederholt in dem vorliegenden pro- 
gramm seine dort niedergelegte vermuthung, daß Germ. cap. 46 
sordes omnium ac torpor procerum zu ändern sei in fortes animi 
{fortis animus) et (acf) Corpora procera, wobei er außer anderen 
wenig zwingenden gründen die Zeugnisse des Polyb. XXVI, 9 
(XXV, G), Plut. Aemil. Paul. 9. 12 und App. b. Mithr. 69 an- 
führt. An Corpora dachte schon Mützell , corporum proc'erum 
schlug Nipperdey (1863) vor. Außerdem werden folgende drei 
erklärungen (mit den entsprechenden änderungsvorschlägen) mit- 
getheilt: In cap. 3 wird nach einer etwas gezwungenen Überse- 
tzung {augurantur Wahrschauen, virtutis concenlus aufschrei innern 
kraftgefühls, tsonus gelaut, murmur zitterton , repercussuB rückhall) 
voces — videntur gegen die von den neueren herausgebern außer 



Nr. 4. 42. Firmicus Maternus. 205 

Ritter, Baumstark und Holder aufgenommene conjectur von Rhe- 
nanus vocis — videtur vertlieidigt und der längst von Müllenhoff 
nachgewiesene , aber seither wieder mehrfach verkannte unter- 
schied der zweifachen von Tacitus angeführten schlachtweisen, 
eigentlicher gesäuge und kurzer tonreihen „etwa in der weise 
des kuhreigens" erörtert. Im cap. 5 versteht der verf. unter 
gloria frontis das stirngelock der armenta und sucht in snus honor 
nicht nur, wie jetzt auch Prammer in seiner ausgäbe , eine be- 
ziehung auf den faltenbehang (wamme) an der brüst des rindes, 
sondern eine bezeichnung desselben, weshalb er sinus honor lesen 
will. Im cap. 7 werden die bekannten auf die germanischen 
frauen bezüglichen worte nee illae numerare aut exigere piagas 
pavent geändert in nee illae vulnerare aut excipere piagas pavent. 
Der verf. beruft sich zur bestätigung seines Vorschlags auf cap. 
18 extr., wo es von der frau heißt idem in proelio passuram au- 
suramque; aber daß idem nicht so buchstäblich zu fassen ist, er- 
gibt sich aus dem daneben stehenden idem in paee, was doch 
unmöglich so gefaßt werden darf, als ob das weib etwa in der 
Versammlung gleich dem manne erschienen wäre. Der verf. 
hält nee — pavent für unvereinbar mit dem überlieferten nume- 
rare aut exigere piagas ; zwar gibt er zu, daß darin eine anspie- 
lung auf die römischen frauen gefunden werden könne , meint 
aber, die „factischen zustände" verböten eine solche deutung. 
Ref. ist hierüber andrer meinung und hofft, der verf. werde seine 
vermuthung selbst ebenso aufgeben , wie er sich von seinem in 
der zeitschr. f. d. gymn.-wesen XXI, 970 ff. gemachten vorschlage 
vidnerari aut exigere (,, herausfordern") piagas stillschweigend los- 
gesagt hat. 

42. Lexicalische bemerkungen zu Firmicus Maternus. 
Zwickauer gymnasialprogramm von Oberlehrer Dressel. 1882. 
36 p. 4. 

Seitdem die astrologie allen credit verloren hat, hat auch 
das früher von ärzten eifrig betriebene Studium der libri ma- 
theseos des Firmicus Maternus aufgehört. So weit mit recht; 
aber wir sind doch auch in das andere extrem verfallen , wenn 
trotz der mahnungen von Lessing und von Jak. Burckhardt (im 
Constantin) seit vielen Jahrhunderten nicht einmal für einen 
neuen abdruck des Werkes etwas geschehen ist, so daß exemplare 



206 42. Firmicus Maternus. Nr. 4. 

zu 40 mark ausgeboten werden. In neuester zeit hat Chr. Kelber 
im Erlanger progr. von 1881 namentlich mit hülfe des codex 
Monacensis einen anfang zur textverbesserung gemacht ; von dem 
cod. Montepessulanus haben näher stehende collationsproben durch 
den immer dienstbereiten prof. M. Bonnet erhalten ; dr. A. Köh- 
ler hat handschriften in Wien , Paris und Italien ausfindig ge- 
macht, so daß das project einer neuen ausgäbe sich mit zeit und 
gelegenheit wird realisieren lassen. 

Von anderer seite ist Dressel zu hülfe gekommen, und da 
er vorwiegend die häufig vorkommenden Wörter untersucht , so. 
hat er von dem im einzelnen unzuverlässigen texte im großen 
ganzen doch nur wenig zu leiden. Er hat 1) nach Wörtern ge- 
sucht, die in den bisherigen lexicis fehlen, 2) nach solchen, 
welche neue , in den handwörterbüchern nicht angegebene be- 
deutungen angenommen haben . 3) nach solchen , welche fehlen 
oder in auffallender weise zurücktreten. Dadurch ist es ihm ge- 
lungen, werthvolle beitrage zur geschichte der lateinischen spräche 
zu liefern, wesentlich im anschluß an Wölfflins abhandlung über 
die latinität des Cassius Felix. So bestätigt er nicht nur, daß 
morbus (5 mal) gegen aegritudo (107 mal), valetudo ij'^) , vitium 
(137), languor, debilitas u. a. beinahe verschwindet, sondern er 
zeigt ähnlich, daß liberi = kinder nicht durch das romanische 
infantes, sondern durch filü verdrängt, „söhne" aber durch filii 
masculi gegeben wird. Beinahe auf jeder seite sieht man , daß 
zwischen der classischen latinität und den romanischen sprachen 
eine große entwicklung, voll von lokalen und individuellen schwan- , 
kungen, in der mitte liegt. Auch diese längst überstandenen 
krisen müssen erkannt werden , will man die letzten resultate 
verstehen. Wenn man also die Umschreibung der adverbia durch 
mente in den romanischen sprachen ins äuge faßt, so wird man 
vergeblich Vorläufer im spätlatein suchen; die ganze bildung ist 
zu jung , da im ältesten italienisch mente noch als eigenes Sub- 
stantiv erscheint. Aber den verfall der adverbia und andere 
ersatzbildungen wird man mit leichtigkeit nachweisen können, 
und so hat verf. die zahlreichen Umschreibungen mit ratione 
(z. b. facüi, frequenti), rationibus bei Firm, aufgedeckt, welche den 
adverbien starke concurrenz machen und auch die classischen 
Umschreibungen mit modo ^ wie miro modo, miri{s) modis , mirum 
ad modum unterdrücken. Warum indessen weder modo noch ra- 



I 



Nr. 4. 43. Miscellanca. 207 

tione bestand haben konnte, ist leicbt zu errathen, und darum 
gewinnt der 3, 1,21 gemachte versuch, similimore als Übergang zu 
mente an bedeutung. Denn während schon die älteren klassiker von 
belebten wesen lieber sagen latronum, bestiarum more als modo, über- 
tragen die augusteischen dichter jenes more vermittelst der perso- 
nification auf leblose dinge, Avie more aquae, fluminis, fulminis, und 
nachdem dies in die silberne prosa übergegangen war , konnte 
more = modo auch zur adverbialumschreibung verwendet werden. 
Ein solcher überwundener durchgangspunct ist es auch, 
wenn zwischen den untergehenden causalpräpositionen oh und 
propter und der Umschreibung mit causa und gen. (franz. h cause 
de) andere mit merito alcs (rei) = indem jemand (etwas) daran 
schuld ist, im guten und schlimmen sinne wie bei dignus, na- 
mentlich von den Afrikanern, und auch von Firm. (p. 24. 25) 
versucht werden, oder wenn poena und punire, die sich schließ- 
lich doch durchgeschlagen haben, durch animadverto und animad- 
versio abgelöst sind. Zu dem capitel bedeutungsveränderung giebt 
noch die letzte seite des programms ein interessantes beispiel, 
nämlich die älteste stelle für vüla = Stadt. Verf. hat die neuere 
litteratur, z. b. Paucker u. ä. sehr sorgfältig benutzt, wogegen 
zu bedauern ist, daß die neueste aufläge von Forcellini in ganss 
Sachsen nicht aufzutreiben war. 

43. Isidoras Hilberg, Epistula critica ad loannem 
Vahlenum per c^uinque lustra philosophiae doctorem clarissimum 
de nonnullis scriptorum Graecorum et Eomanorum locis emen- 
dandis explicandisve. Vindobonae sumptibus Alfredi Hoelderi 
MDCCCLXXVII. 19 p. 8. 

Bei einer gelegenheitsschrift , die wohl nicht in die bände 
sehr vieler fachgenossen gekommen ist, mag es gestattet sein, 
hier einfach den inhalt in der hauptsache mitzutheilen , zumal 
wenn dieser sich selbst zu empfehlen geeignet erscheint. Abge- 
sehen von den erklärungen zu einzelnen stellen wie Suet. vit. 
Ter. p. 32 K., Liv. VII, 2, 11 hat der verf. zahlreiche conjec- 
turen zu sehr verschiedenen autoren mitgetheilt. Aelian. de nat. 
an. VI, 65 ol Iv-Aot äairmg {AClNSlC statt /IQIN.QC, dsivü^;) 
nuQHiiivovai. — Athen, deipnos. I, 27c fiaßOiy.cg (statt 
fiaaaulu'jT)]^^ nalöi. — Psellus min. encom. cimicis p. 91 cpsv- 
yovai Tovi ülievovTas (statt ciliaHorzag). — Charito Aphrod. 



208 43. Miscellanea. Nr. 4. 

de Chaereae et Callirhoes amoribus VI, p. 113, 6 H. rofii^cov 
n a 1 6 6 g {stsitt ngog) vTZTjQsaiav vnsax^G&ai. — Heliod. Aethiop. 
II, p. 65, 15 B. wansQ •<»'^> im ovcfiari ßlrj&sig. — Paus. VII, 
4, 8 yei'f'adai Ol (X/(j)) naidag "yiyQiöv (statt "^4ysl6v) re x«/ Mi- 
"kava. — Suid. s. v. (DiXiazimv: Tslivrä Ös sm ^eßaarov av" 
joyiQatOQog (statt ücongcirovg). — Aus Theodorus Prodromus 
wird eine reihe von 9 stellen, an welchen £ und o (nicht in ei- 
gennamen) als lange vocale überliefert sind, leicht geändert, 
ferner de Ehod. et Dos. amor. VI, 384 H. roiovrov (statt 
ToiovToai'). — Georg. Pisid. hexaem. 158 H. wypirj (nach Cod. 
B statt (T7fj'/</)). — Ael. var. bist. p. 53 , 4 H. qi ilö n oli g 
(statt cft?67Tnig, wofür Hercher nach Perizonius q)iX6naTQig schrieb). 
— Weniger glücklich als die meisten dieser vorschlage erschei- 
nen die folgenden vermuthungen zu lateinischen texten. Plaut, 
mil. gl. 69 molestiae sunt: orant, <Cplorant,^ ambiunt [ohsecrant]. 
• — Anthol. Lat. 299 R. In magum mendicum (statt medicum), 
394, 7 f. lulius ardenti divertit lumina Soli \ Cancro (statt aere). 
683, 21 E^i'go guot in nostro vivebant (statt videbantur) corpore 
formae. 779, 21 Quod discinctus eras nimio, quod (statt animo^ 
quoque) carpitur unum. 671, 73 Nos tarnen hoc brevius, si fas mu- 
tilare (statt simulare) Maronem, — Als besonders glänzend 
wird in der zeitschr. f. d. österr. gymn. XXVIII, 902 die be- 
handlung der stelle aus Tac. dial. 34 hervorgehoben; ref. hält 
gerade diese für mislungen. Der verf. nämlich setzt nicht we- 
niger voraus als folgendes: der text war durch eine lücke ent- ; 
stellt; ein abschreiber, der sie richtig ahnte, aber am unrechten 
platze suchte , nahm zur ausfüllung derselben eine u m s t e 1- 
lung der namen Caesar Dolabellam unter auslassung der 
Worte tertio et vicensimo vor. Auf diese gewiß nicht einfache 
hypothese gründet der verf. seine emendation, indem er einen 
satz und an anderer stelle diese zahl einschiebt und jene zwei 
namen transponirt , so daß die stelle lautet : nono decumo aetatis 
anno <CQ. Hortensius A fr icae causam de fendit'^, L. Cras- 
8US C. Carbonem uno et vicensimo, altero et vicensimo Asinius Pollio 
C. Catonem, Caesar Dolabellam <.tertio et vicensimo'^ 
' — insecuti sunt. Ref. möchte die erörterung dieser stelle aus dem 
reichhaltigen und geschmackvollen schriftchen wegwünschen, um 
den günstigen eindruck des ganzen nicht gestört zu sehen. 



Nr. 5. 44. Miscellanea. 209 

44. Aemilii Baehrensii, professoris Groningani, Mis- 
cellanea critica. Groningae , in aedibns J. B. Woltersii. 
MDCCCLXXVIII. 200 p. 8 inax. 

Daß ein buch drei jähre nach seinem erscheinen besprochen 
wird, ist freilich ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich ist auch 
die reichhaltigkeit des in der Überschrift bezeichneten buches, 
und ungewöhnlich ist es, daß die deutsche kritik ein wenn auch 
im auslande erschienenes werk so wenig beachtet , zumal wenn 
der Verfasser ein Deutscher ist. So mag es denn gestattet sein, 
hier auf die Miscellanea critiea von E. Bährens hinzuweisen und 
recht viele leser zur kenntnisnahme derselben einzuladen. Schon 
die praefatio enthält manches anregende ; aber ihr herber ton 
vermag uns nicht zu fesseln. Das bedeutendste dem umfange 
wie dem werthe nach sind die beitrage des Verfassers zu latei- 
nischen dichtem. Die mittheilungen zuPropertius (p. 70 — 106) 
sind eine Vorarbeit zu seiner 1880 erschienenen ausgäbe; die 
zu Horatius haben in Bursians Jahresbericht XVIII (1879. II) 
138 f. durch W. Hirschfelder eine besprechung gefunden. Doch 
mag als probe der von Bährens geübten textkritik die anord- 
nung der Ars poetica des Horaz hier angeführt werden: I, vers 
1—13, 136 — 152, 14—72. II, 391—407, 275—284, 73—85. 
86—88, 92, 89—91, 93—135, 240—243, 153—239, 244—273 
(nicht 272), 323—332, 285—294. III, 408—418, 295—306, 
{docebo scribendi reete - sapere) 309, 307, 308, 310—322, 333— 
390, 419 — 476. Vers 274 ist, wie es scheint, nur durch ver- 
sehen ausgefallen und soll zwischen 273 und 323 stehen (s. p, 54). 
Außerdem finden sich umfangreichere beitrage zu den zwei ge- 
dichten Precatio Terrae matris und Precatio omnium Jierbarum, 
welche Bährens dem Antonius Musa zuschreibt (p. 107 — 113) 
und die er 1879 im I. bände seiner Poetae latini minores abge- 
druckt hat; ferner zur tragödie Octavia (p. 114 — 124) und zu 
den fabeln des Avianus (p. 176 — 194). Kleinere mittheilungen 
betreffen die Menippeischen satiren des Varro, die Sentenzen des 
Publilius Syrus, ein anonymes bruchstück bei Hyginus (fab. 177), 
ein weiteres aus dem epischen gedichte des Varius de morte Cae- 
saris und zwei des Sueius, die elegien des Maximianus und ein- 
zelne stellen aus Senecas tragödien, Ovids Heroiden und aus dem 
Culex. — Unter den auf lateinische prosaiker bezüglichen ab- 
schnitten nimmt der „ad Quintum Ciceronein" überschriebene auf- 
Philolog. Anz. XII. 15 



210 44. Miscellanea. Nr. 5. 

satz (p, 23 — 32) die erste stelle ein; er behandelt das Commen- 
tariolum petitionis , das Bährens gegen Eußner , Jordan u. a. ^) 
für ein achtes werk des Quintus Cicero hält. Neben dem von 
Bücheier zu grnnde gelegten codex Berolinensis zieht Bährens 
einen Harleianus des 11. Jahrhunderts herbei, über welchen 
schon F. Kühl im Rhein, mus. XXX, 26 f. mittheilungen ge- 
macht hatte, den aber R. Y. Tyrrell, Correspondence of Cicero I 
unbeachtet ließ. Von den 25 stellen, an welchen Bährens con- 
jecturen zum comm. pet. vorträgt, ist beiläufig der dritte theil 
mit rücksicht auf den Harleianus, etwa ein fünftel im hinblick 
auf die vereinigten Zeugnisse des Harleianus und Berolinensis 
emendiert; doch war es kaum ein mal möglich, die lesart des 
Harleianus ohne weiteres in den text zu setzen. Die ausführ- 
lichste abhandlung der Miscellanea betrifft den Agricola des 
Tacitus (p. 125 — 170); von manchen neueren herausgebern über- 
sehen (vgl. Literar. centralbl. 1880, nr. 29), hat sie erst in der 
ausgäbe von Cornelissen 1881 erwünschte beachtung gefunden. 
Bährens meint, daß in der Überlieferung auslassungen zu nach- 
tragen, weiterhin diese zu correcturen führten, die an unrechtem 
platze in den text kamen ; er glaubt daher vielfach durch trans- 
position emendieren zu können. Wir finden den nachweis nicht 
evident, bescheiden uns aber mit dieser andeutung unseres zwei- 
feis, da auf die besprechung von einzelheiten nicht eingegangen 
werden soll. Nur sei bemerkt , daß manche emendationsvor- 
schläge nicht neu sind. So haben 4,15 auch die Zweibrückener 
herausgeber nach Lipsius ultraque quam geschrieben. Schon 
Acidalius dachte 9, 12 an amaritiem, verwarf es jedoch wieder." 
Ernesti vermuthete bereits , daß 11,9 eundem hinter hahitum 
ausgefallen sei. 13, 13 patrati operis steht bei Ritter im texte. 
Daß 15, 7 vielleicht atque concordiam , 42, 8 parata simulatione 
zu lesen sei, meinte auch Ernesti. 45, 7 schrieben die Bipontiner 
divisus und Ernesti ergänzte excruciavit. Daß der Verfasser an 
diesen wenigen unter so vielen stellen seiner Vorgänger sich 
nicht erinnert hat, wird ihm bei der ausdehnung der einschlä- 
gigen litteratur nicht zum Vorwurf gemacht. Einzelnes bieten 
die Miscellanea auch zu anderen Schriften des Tacitus : Ann. 
XIV, 15, 17 et maerens Burrus ac laudans <:^ Seneca'^ ; vgl. 
Dio LXI, 20. — Germ. 2, 8 nisi si patriast. 14, 4 ülum defen- 
1) Vgl. auch J. Gentile, La Rassegna settimaoale VIII, p. 120, 



Nr. 5. 45. Miscellauea. 211 

dere ^ißf^ tueri; vgl. Dial. 7, 8. — Dial. 18, 18 qui probato 
Catone Appium Caecum magis mirarentur, wie jetzt Bährens in den 
text seiner ausgäbe gesetzt hat. — Die conjectur des verfs. zu 
Liviua I, 58, 5 cum velut vinxisset obstinatam pudicitiam victrix 
Libido ist, wie es scheint, von H. J. Müller übersehen worden. — 
Auf die vereinzelten bemerkungen zu P. Annius Florus , Verg. 
or. an poeta, und Varro de 1, 1. und auf die zahlreicheren zu 
Apuleius und Symmachus (im anschluß an die mittheilungen von 
0. Seeck, Comm. Mommsen. p. 595) sei nur mit einem worte 
hingewiesen. — Vieles ist problematisch, was Bährens in den 
Miscellanea niedergelegt hat ; schon die art solcher arbeiten bringt 
es mit sich, daß verhältnismäßig wenig evidente resultate ge- 
wonnen werden. Aber kaum eine erörterung wird man in dem 
buche finden, die nicht für die kritik und erklärung der betref- 
fenden stelle oder für die technik der emendation anregend und 
belehrend wäre. 

45. H. J. Mueller, Symbolae ad emendandos seriptores 
latinos. Particula 11. 24 p. 8. (Ausschnitt aus der festschrift 
zu der zweiten säkularfeier des Friedrichs-Werderschen gymna- 
siums. Berlin, Weidmann 1881. V, 369 p.). 

Der erste theil von H, J. Müllers Symbolae, der als Pro- 
gramm des Friedrichs-Werderschen gymnasiums zu Berlin 1876 
erschien, enthielt außer beitragen zur kritik der Catonischen di- 
stichen, des Ausonius und eines gedichtes des Paulus Diaconus 
bemerkungen zu den von Usener herausgegebenen Commenta Ber- 
nensia zu Lucanus. Auf diese Commenta beziehen sich auch die 
konjekturen im anfang des vorliegenden zweiten theils der Sym- 
bolae. Es folgen berichtigungen der in Rieses Anthologia latina 
benutzten Holderschen vergleichung der Leidener handschriften 
(Voss. fol. 111 und q. 86). Die daran sich reihenden emen- 
dationen zu Caesar de hello Gallico sind zunächst durch Pauls 
vorschlage angeregt : V, 40, 1 mittuntur ad Caesarem confestim 
ab Cicerone litterae magnis propositis praemiis, si pertulisaent. Paul 
liest si <Cjqui^ pertulissent, Müller qui pertulissent ; ref. hält si 
pertulissent für richtig, erkennt aber darin einen hinweis auf ein 
persönliches subjekt und vermuthet daher mittuntur . . litterae 
<^nuntiique'^ , vgl. 45, 1 litterae nuntiique ad Caesarem mittebäntar. 
— VI, 22, 3 potentioresque humiliores emendiert Paul durch trans- 

15* 



212 45. Miscellanea. Nr. 5. 

position, indem er potentiores humüioresque \iest; Müller verbessert 
mit einer kleinen ergänznng potentiores <at>que humüiores. — 
VI, 35, 10 dblata spe ergänzt Paul durch einschal tung von 
tanta, das M. A. Seyffert in den text aufgenommen hat; Müller 
glaubt, da audeat vorhergeht, sei durch haplographie ac ausge- 
fallen, und liest demnach <hac> oblata spe. — VII, 77, 4 schlägt 
Müller vor : cum Ms mihi res <e>rit (statt sit) und empfiehlt 
auch Hör. epod. 1, 5 quibus te nita <e>rit (statt sit oder si) 
super stite iucunda und lustin. XI, 7, 6 2^^^'<^ontatur (statt percon- 
tatus) und vielleicht im folgenden respondet (statt respondit) zu 
lesen. — V, 8, 2 wird das überlieferte et leni Africo provectus 
gegen Pauls änderung at geschützt-, vgl. Kraner -Dittenberger 
zu IV, 35, 2. — Die beitrage zur kritik des Cicero beziehen 
sich zumeist auf die rede pro S. Roscio ; hier wird § l [qui se- 
deant] ausgeschieden, dagegen 2 das nach Fleckeisen von Halm 
u. a. ausgeschiedene quos videtis adesse beibehalten. — 21 wird 
die von Halm und Pluygers vorgeschlagene ergänzung bona ve- 
neunt und die nach Hotoman von Eberhard aufgenommene bona 
proscribuntur abgewiesen und <bonorum> manceps empfohlen. — 
22 wird [si aliquid non animadvertat] als eine aus §130 f. stam- 
mende randbemerkung eines lesers bezeichnet. — 55 wird der 
änderung von huc in huic die ergänzung huc <ei> inimicus ve- 
nias vorgezogen. — 112 soll quod minima leve videtur iis, qui 
minime ipsi leves sunt geschrieben werden, da das überlieferte 
grave nur ein in den text gedrungenes glossem zu minime leve 
sei und das richtige leve verdrängt habe. — 112 wird die äl- 
tere ergänzung egestate vivum mit rücksicht auf § 24 und 128 
statt der von Halm eingeführten inopia vivum empfohlen. — 
Zwei stellen behandelt Müller aus der rede pro Archia : § 8 cum 
(statt tum oder tu eum) adscriptum negabisf und 11 sed quoniam 
census . . indicat eum . . ita se iam tum gessisse {^pro cive eis tem- 
poribusl , quem tu criminaris . . iure esse versatum, <is> ef . . . ; 
je eine stelle aus den briefen: ad fam. X, 8, 6 ut (statt vel 
oder ut vel) omnem impetum, und aus zwei reden: proFonteio61 
intendite (stsitt inserite) oculos ] de imperio Pomp. 46 quibus ^je?' (statt 
semper) erat molestum. — Zu dieser rede möchte auch ref. eine 
vermuthung mittheilen : der satz § 1 5 nam in ceteris rebus cum 
venit calamitas, tum detrimentum accipitur; at in vectigalibus non 
solum adventus mali, sed etiam metus ipse adfert calamitatem ent- 



Nr. 5. 45. Miscellanea. 213 

hält eine tautologie. Denn adventus mali ist nur eine Variation 
für cum venu calamitas ; Cicero kann aber nicht gedacht haben 
adventus calamitatis adfert calamitatem ; er mußte schreiben . . 
adfert detrimentum (oder damnum, wenn er wie bei calamitas 
und malum den ausdruck wechsehi wollte). Eine ähnliche ver- 
tauschug sinnverwandter begriffe ist p. Mur. 9 überliefert: quodsi 
licet desinere, si te auctore possum, si nulla inertiae, nulla superbiae, 
nulla inhumanitatis culpa suscipitur, ego vero libenter desino; sin 
autem fuga lahoris desidiam , repudiatio supplicum superhiam , ami- 
corum neglectio improbitatem coarguit, nimirum haec causa est eius 
modi, quam nee industrius quisquam nee misericors nee officiosus 
deserere x>ossit. Die drei wiederholt gebrauchten begriffe hat 
Cicero im ausdruck sorgsam variiert : inertiae, desidiam und dazu 
industrius; inhumanitatis, improbitatem und officiosus; also gewiß 
nicht superbiae, superbiam und misericors, sondern crudelitatem 
(statt superbiam). Auf repudiatio supplicum crudelitatem weist so- 
wohl der gegensatz misericors hin als auch der § 10 folgende 
satz : ipse me existimarera . . crudelem, si misero . . defuissem. — 
Auf die beitrage zu Cicero läßt Müller zwei bemerkungen zu 
Firmicus Maternus folgen und zahlreichere zur epitome des 
Florus, welche gegen Jahns herstellung des textes gerichtet sind. 
Es wird vorgeschlagen: I, 1, p. 9, 1 nee <mansit> diu in fide 
Albanus im anschluß an ältere ausgaben. — P. 9, 22 et <equites 
in> centuriis tribus auxit nach Pighius und Sauppe. — I, 18, 
p. 31, 13 ipsum (statt ipsam) belli caput Cartliaginem gegen cod. N 
(und B) und ohne rücksicht auf p. 20, 17 ipsa caput urbium 
Capua. — I, 22, p. 38, 10 ut qui (statt quia) frangi virtute non 
poterat mora comminueretur nach N mit älteren ausgaben. — P. 
38, 19 Mf de Italia sua dubitaret (statt dubitare debuisset) nach N 
mit älteren ausgaben. — P. 40, 28 summoverat (statt summovebat) 
mit Halm gegen N nach B und lordanis. — P. 41, 19 duo 
omnium et ante (statt antea) et postea ducum maxime duces mit Opitz 
(Jahrb. f. Philol. 1880, 207) nach N und Jord. — I, 35, p. 57, 27 
guorum in fide et clientela (statt et in clientela) regnum erat mit 
älteren ausgaben nach N. — II, 5, p. 82, 26 nee ideo minus 
socii promissa . . reposcere armis <^non>desierunt ] schon Düker 
empfahl nee ideo magis . . desierunt oder nee ideo [^minus^ . . de- 
sierunt, was Halm aufnahm. — II, 7, p. 84, 15 inter initia urbis 
(statt libertatiä) nach N (und B) mit Halm und den früheren 



214 45. Miscellanea. Nr. 5. 

herausgebern. — I, 1, p. 9, 26 wird Jahns lesart potest gegen 
N B und Jord., I, 22, p. 35, 4 ades . . terribilius gegen Spen- 
gels bedenken geschützt. — Aus Gellius behandelt Müller fol- 
gende stellen: VI, 3, 16 (= Cato p. 23 Jordan) id metuere, 
<ne>, si nemo esset homo , quem vereremur, quidquid luberet, face- 
remus, ne . . . — VI, 3, 36 (= Cato p. 24) ecquis est tandem, 
qui vestrum (statt vestrorum) . . aequum censeat. Vgl. aber XX, 
6, 12. — VI, 3, 38 (= Cato p. 24) sed si honorem non aequum 
est haberi ob eam rem, quod bene facere voluisse quis dicitur (statt 
dicii), neque fecit tarnen, Rhodiensibus non oberit (nach J. F. 
Gronov) . .? — XV, 8, 1 Cum legeremus orationem veterem Fa- 
vorini . ., locum (statt totum), ut meminisse possemus . ., perdidici- 
mus. — XV, 12, 3 (C.Gracchus:) postremissimum nequissimumque 
<me> existimatote. — XV, 18, 3 Ea . . ariolatio levis tum qui- 
dem Visa [est] et vecors, magnae mox admirationi fuit. — XV, 27, 4 
(Laelius :) Is qui non [ut] Universum populum . , adesse iubet. — 
XV, 30, 6 petorritum enim est non ex Graecia dimidiatum, sed or- 
tum (statt totum) trans Alpibus. — XIX, 12, 1 fere omnes memo- 
riae nostrae [universos]. Vgl. jedoch über omnes universos Wölfflin, 
sitzungsber. der philos. -philol. cl. der k. bayr. akad. der wiss. 
1880, p. 427. — Wir unterlassen es, die emendationen Müllers 
zu dem durch Heydenreich bekannt gemachten Libellus de Con- 
stantino Magno eiusque matre Helena zu verzeichnen und müssen 
auch darauf verzichten die exegetisch-kritischen beitrage zu Li- 
vius anzuführen. Doch darf die bemerkung nicht fehlen , daß 
die Übersicht aller Verbesserungen , die der treffliche erneuerer 
der größeren Weißenbornschen ausgäbe zum texte des Livius 
beigesteuert hat, alle freunde dieses historikers zu besonderem 
danke verpflichtet, lieber den weiteren inhalt der Symbolae 
sei nur in kürze angedeutet, daß zwei lückenhafte fragmente 
des Philosophen Seneca (91 und 95 bei Haase) von Müller er- 
gänzt, die aus einem codex Cusanus von Klein herausgegebenen 
excerpte aus Valerius Maximus mehrfach emendiert, die angaben 
bei Bücheier und Riese über den codex Vossianus p. 86 der 
fragmente des Petronius berichtigt werden. Wie Müller aus 
Flor. I, 44, p. 72, 11 (Jahn) die ächtheit der worte et desuper 
vulnerarent bei Caesar b. G. I, 52, 5 zu erweisen suchte, so ver- 
werthet er Val. Max. V, 0, 7 zur ausfnllung einer lücke bei 
Liv. XXIV, 18, 3. Berichtigungen und nachtrüge aus dem 



Nr. 5, 46. Miscellanea. 215 

soeben genannten Vossianus zu Martialis und aus anderen hand- 
schriften zu Ausonius, Avianus und dem rhetor Seneca verspricht 
Müller demnächst an anderem orte zu veröffentlichen. Mit der 
angäbe seiner neuesten emendationen zu dem philosophen Se- 
neca mag der bericht über die gehaltvollen Symbolae geschlossen 
werden: dial. I, 4, 3 in qua \iLna\ vim sui anirai ostenderet mit 
Gertz und Koch. ■ — 11, 2, 2 totus orbis in<ter> tres divisus 
mit Wölfflin und Koch. — II, 11, 3 c« vel (statt ut) ludibrium. 

— IV, 11, 2 nee (statt ne) Jwc nach Madvig und Koch. — IV, 
25, 1 alieno labori (statt labore) condoluit. — V, 2, 4 imhlicum 
consilium \senatus\ mit Koch. — V, 4, 4 quam non sui potens, 
wenn wirklich quam non sit intens unerträglich sein sollte. — 
De benef. V, 6, 3 regiam cluderet <et se> et filium . . tonderet. 

— V, 14, 3 qtiorum scilicet (statt s?) malis copia est. — Nat. 
C[U. I, 2, 6 nümquam cm^onam colligi nisi stabili aere et pigro vento 
[frequentissime autem austroj , cum coelum maxime grave et spissum 
est . nam qui stat aer , inpelli et diduci et in aliquam faciem fingi 
potest . is autem, qui fluit, aliter non solet adspici nee feritur qui- 
dem lumine. Die worte aliter non solet adspici sind vor nam qui 
stat überliefert. — II, 12, 1 illa . . comminatio est [eonatio^ sine 
ictu. — II, 27, S'*genus . . quod acerbum magis dixerim quam so- 
norum, quäle (statt qualem) audire solemus. — II, 37, 3 si non est 
futurum, etiamsi \non\ susceperis vota, non fiet. — II, 59, 5 lon- 
geque violentius semper ex necessitate quam ex virtute concurritur 
(ohne consurgitur statt corruitur). — IV, praef. 20 vel si (statt 
et si^ raari dividimur. — Ep. 16, 9 retrahe ergo te a vanis , et 
cum voles seire, quod petis (statt peies), utrum naturalem liabeat an 
caecam cupiditatem ... — 20, 13 lacte et pane (statt panno) 
esse contentus nach den excerpten p. 460 Haase — de rem. fort. 
1, 3 omnes terriculas eius eludas , vgl. fragm. 87, p. 434 Haase. 

— 12, 1 quos ne viderem (statt videri vellem). — Den inhalt der 
schrift von Müller hat die anzeige nicht erschöpft, aber sie hat 
wohl genug daraus geschöpft , um die leser an diese reiche 
quelle wissenschaftlicher anregung und belehrung zu locken. 



46. Spicilegium criticum scripsit H. T. Karsten. Lug- 
duni Batavorum apud E. J. Brill 1881. 61 p. 

Der besonders durch seine kritischen beitrage zur Mnemo- 
syne bekannte Rotterdamer gelehrte behandelt in dem oben ge- 



216 46. Miscellanea. ' Nr. 5. 

nannten schriftcheu eine große anzahl von stellen aus Cicero 
und den beiden Seneca. Von dem jüngeren Seneca sind es vier 
tragödien : Hercules furens, Troades, Phoenissae, Medea, zu welchen 
Karsten im auscliluß an die ausgäbe von F. Leo kritische er-i' 
örterungen liefert. Wir begnügen uns anzumerken, daß der 
Vorschlag zu Med. 149 nectens statt ßectens schon von N. Hein- 
sius gemacht worden ist. Die bemerkungen zu Cicero betrefifen 
die vier reden p. Sestio, p. Caelio , f, Plancio, p. Sulla. Der 
verf. knüpft zunächst au die neuen ausgaben der rede p. Sestio 
von Koch - Eberhard und Hirschfelder an , hat sich aber in der 
speciallitteratur auch sonst fleißiger umgesehen, als wir dies von 
holländischen philologen zu erwarten pflegen. Allerdings ist 
ihm doch manches entgangen. Außer W. Paul hat § 12 auch 
ein landsmann des verfs., Cornelissen in seinen Coniectanea latina 
(Deventer 1870) p. 80 acuendum vermuthet. Unter den emen- 
dationsversuchen zu 12 stabulae praeclare waren die von Urlichs, 
Ehein. mus. XXXIII, 151 und von Wirz, jahrbb. f. philol. CXI, 
489 nicht zu übersehen; zu 16 insane war die vermuthung von 
Weidner, Criticarum scriptiomwi specimen (Köln 1864) p. 10 zu 
beachten. Das programm von Schüßler, zur lehre von den prä- 
pos. bei Cic. II (Hannover 1881) p. 8, wo über § 34 gehan- 
delt ist, war dem verf. wohl noch nicht zugänglich. Zu § 46 
incitarentur ist jetzt auch Hertz , zur kritik von Cicero's 
rede f. d. Sest. (Leipzig 1881), p. 47 zu vergleichen. Der 
Quidam, welcher § 50 fugisset conjiciert hat, ist Keil, Eos I, 19. 
Ob § 62 nicht der Vorschlag von Urlichs, Rhein, mus. XXXIII, 
153 gegenüber der Umstellung von Koch den vorzug verdient, 
mußte erwogen werden. Zu § 131 konnte auf die im Philol. 
anz, I, 224 mitgetheilte conjectur von Hassenkamp hingewiesen 
werden. Zu § 137 consilium [senatus^ ließ sich auf die ähnliche 
interpolation bei Sen. dial. V, 2, 4 verweisen. In den 'bemer- 
kungen zu der rede p. Caelio erinnert sich der verf. , daß die 
Worte § 54 neque tulisset und esse von Francken Mnem. N. S. 
VIII, 224 (und servis schon früher von Madvig) als unächt bezeichnet 
worden sind; dies hatte Cobet vergessen, als er ebenda IX, 142 
den Vorschlag von Pluygers servis und esse zu streichen anführte. 
Aber daß p. Plane. § 19 bereits Madvig, Advers. crit. II, 231, 
und Wunder schon früher tot quot vermuthete, hat auch der verf. 
übersehen. Daß derselbe die coujectureu von Pluygers zu der 



Nr. 5. 47. Komische geschichte. 217 

rede p. Sulla § 10 debeat und § 56 [praediis deminwtis\, die von 
Cobet Mnem. N. S. IX, 136 und 138 mitgetheilt sind, kennen 
konnte, läßt sich aus seinem citat zu § 44 schließen ; die emen- 
dation ut cum famiUari [tuo) ist übrigens längst von Richter vor- 
gebracht. In den beitragen zu den Suasoriae und Controversiae 
des rhetors Seneca hat der verf. nicht beachtet , daß sein Vor- 
schlag zu contr. II, 1, 28 se satis minatum schon von R. Wachs- 
muth, Quaestt. crit. in Sen. rhet. (Posen 1867) p. 9 gemacht 
ist, und daß die ihm von Boot mitgetheilte Verbesserung zu contr. 
II, 7, 4 prodite mihi fronte bei Bursian im texte steht. Die an- 
nähme des verfs. , daß contr. VII, 3, 9 deinde zwischen -di und 
inde durch dittographie entstanden sei, hat schon H. Müller, Rhein, 
mus. XXI, 407 ausgesprochen. An dieser stelle werden ditto- 
gramme im texte des rhetors an zahlreicheren beispielen nach- 
gewiesen, als der verf. p. 34 gesammelt hat ; vgl. auch Thomas, 
Schedae crit. in Sen. rhet. (Berlin 1880), p. 8. Auch belege 
für den fälschlich gesetzten apex hat H. Müller a. o. p. 415 
verzeichnet, worauf der verf. in seiner erörterung zu contr. IE, 
1, 12 verweisen konnte. — Von den emendationen des verfs., 
die zwar nicht gleichmäßig gelungen, aber fast durchweg be- 
achtenswerth sind , haben wir keine einzige angeführt , sondern 
es vorgezogen, seinen bemerkiingen kleine nachtrage beizufügen. 
Wenn der leser dadurch gespannt wird , Karstens Spicilegium 
selbst zu prüfen, so ist der zweck dieser anzeige erreicht. 



47. Die letzten jähre des zweiten punischen krieges. Ein 
beitrag zur geschichte und quellenkunde von Thaddäus Zie- 
linski. Leipzig. Teubner 1880. 8. 2 bl. 174 p. 1 bl. 

Wir freuen uns, die uns vorliegende, Ludwig Lauge in 
Leipzig gewidmete schrift als eine leistung ersten ranges bezeich- 
nen zu können, welche allen ansprach darauf erheben darf, in 
mehr als einer hinsieht der ausgangspunkt für eine neue behand- 
lung und auffassung der geschichte und historiographie des han- 
nibalischen krieges zu werden. Noch selten ist die brennende 
frage nach dem Verhältnisse der dritten dekade des Livius zu 
Polybius einerseits , zur römischen annalistik andererseits mit 
gleichem Scharfsinne und gleicher gründlichkeit behandelt worden, 
wie dies in dem der quellenkritik gewidmeten abschnitte von 
Zieliriski's buch geschieht. Und so überraschend die von dein 



218 47. Römische geschiebte. Nr. 5. 

verf. getuuiibueii reöuitate auch öiuil , bo Vv irü nüiu iLaeii Joch 
um so unbedenklicher seine Zustimmung schenken, als Zieliriski's 
beweisftihrung eine äußerst strenge, acht wissenschaftliche methode 
zu gründe liegt , der gegenüber die in früheren Untersuchungen 
zu tage geförderten vermuthungen und combinationen in einem 
sehr wenig günstigen lichte erscheinen. 

Der erste hauptabschnitt des buches (p. 1 — 81) ist der 
feststellung der ereignisse vom jähre 205 bis zum jähre 202 
gewidmet. Ohne vorerst die frage nach den quellen der hierfür 
in betracht kommenden darstellungen des Polybius, Livius, Ap- 
pianus und Dio Cassius zu behandeln, sucht der verf. über den 
Ursprung der zwischen jenen berichten bestehenden discrepanzen 
ins klare zu kommen, indem er die größere oder geringere Wahr- 
scheinlichkeit der einzelnen erzählungen sowie die entstehung 
der namentlich bei Livius sehr zahlreichen Widersprüche und 
dittographien eingehend erörtert. Als Schlußresultat dieses ab- 
schnittes ergiebt sich in schroffem gegensatze zu den aufstellungen 
L. Keller's, daß die bei Appian, Dio Cassius und den ihnen ent- 
sprechenden stellen des Livius vorliegende Überlieferung in einer 
reihe von punkten , wo sie dem Polybius widerspricht , sich als 
iinglaubwürdig erweist. Wir werden dem verf. beistimmen, wenn 
er demgemäß auch in denjenigen fällen, in denen eine controle 
der cassianisch - appianeischen Überlieferung nicht möglich ist, 
dem Polybius den Vorzug einräumt und überall, wo uns Poly- 
bius zur bestätigung nicht vorliegt, die berichte des Appian und 
Dio nur mit großer vorsieht benutzen zu dürfen glaubt. — Wie 
sehr dem gewissenhaften Livius jede begabung für eine kritik 
der ihm zu geböte stehenden geschichtsquellen abgieng, erhellt 
am besten daraus , daß er jene beiden sich so \röllig entgegen- 
gesetzten traditionen, des Polybius und des Appian-Dio Cassius, 
in einer ganz äußerlichen weise mit einander verbunden , auf 
gut glück bald der einen sich angeschlossen, bald nach der an- 
deren gegriffen hat. Die abhängigkeit eines großen theiles des 
30. buches des Livius von Polybius hat der verf. in dem zwei- 
ten hauptabschnitte (p. 82 — 152) schlagend dargethan; er geht 
dabei von einer principiellen Widerlegung der irrthümlichen grund- 
anschaunng aus, daß Livius, wenn er in der dritten dekade den 
Polybius benutzt hätte, dies ebenso ausschließlich habe thun 
müssen, wie in der vierten und fünften dekade. Von vorneher- 



Nr. 5. 47. Römische geschichte. 219 

ein, so führt der verf. aus, ist vielmehr das gegentheil viel wahr- 
scheinlicher, weil dem Livins für den hannibalischen krieg außer 
Polybius noch die historien des von den Zeitgenossen des Livius 
überaus hochgestellten Coelius Antipater zu geböte standen , die 
durch ihre ganze anläge den Livius zu einer viel eingehenderen 
berücksichtigung , als die in der vierten und fünften dekade 
neben Polybius benutzten annalisten auffordern mußten. Die 
einzeluntersuchung hat diese vermuthung durchaus bestätigt und, 
wie schon angedeutet , in der Livianischen erzählung zwei 
grundverschiedene traditionen nachgewiesen, von denen die eine 
auf Polybius , die andere auf die dem Appian und Dio Cassius 
gemeinsame quelle, Coelius Antipater, zurückgeht. Nur an we- 
nigen stellen glaubt der verf. bestimmte spuren einer dritten 
quelle zu finden, welche im gegensatz zu Polybius und Coelius 
die auffassung vertritt, daß der ganze zweite punische krieg von 
Hannibal auf eigene faust und ohne Unterstützung der Karthager 
geführt worden sei. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird diese 
dritte quelle mit dem im 30. buche zweimal citirten Valerius 
Antias identificirt. Im übrigen werden wir es angesichts des 
umstandes, daß Coelius Antipater, wie für Livius, so höchstwahr- 
scheinlich auch für Valerius Antias eine hauptquelle gewesen ist, 
nur billigen können, daß der verf. eine genaue abgrenzung zwischen 
dem ursprünglichen eigenthum des Coelius und Valerius nicht ver- 
sucht, sondern in der regel mit der Scheidung der polybianischen 
stücke von den annalistischen einlagen sich begnügt hat. — 
Im hohen grade interessant sind die Untersuchungen Zieliriski's 
über die einzelnen Schilderungen des Coelius zu gründe gelegten 
quellen , welche eine überraschende abhängigkeit des römischen 
annalisten von griechischen Vorbildern, namentlich von Xenophon 
und Homer ergeben. Wenn wir auch den beweis für die be- 
hauptung des verf. , daß dem Coelius für die geschichte des 
afrikanischen krieges nur quellen von sehr untergeordneter art 
zu geböte standen, nicht für erbracht halten, so stimmen wir ihm 
doch vollkommen in dem satze bei, daß an der geschichtschrei- 
bung des Coelius die phantasie — wir möchten hinzusetzen, auch 
die tendenz — einen gleichen theil, wie die historische Überliefe- 
rung gehabt hat. Sogar in der gewissenlosen römischen anna 
listik steht in dieser beziehung Coelius Antipater einzig da. — 
Wir können nicht umhin , nachdem wir allerdings nur die 



220 48. Römische geschichte. Nr, 5. 

hauptsächlichsten punkte aus dem reichen inhaite von Zieliriski's 
buch hervorgehoben haben , gegen eine von dem Verfasser über 
die quellen des 21. und 22. buches des Livius allerdings nur 
im vorübergehen gemachte bemerkung unsere bedenken zu äu- 
ßern: indem er das verhältniß des Polybius zu Livius im 30. 
buch im hinblicke auf die Untersuchungen Nissens über die 
vierte und fünfte dekade bespricht und die Wahrscheinlichkeit 
der einschaltung coelianischer stücke in die aus Polybius her- 
übergenomraenen abschnitte zu erweisen sucht, erklärt er zugleich, 
daß er an eine „regelrechte contamination" nicht glauben könne. 
(F. 86, vgl. auch p. 82). Um alsdann die verschiedene art der 
Übereinstimmung des Livius mit Polybius im 21, buch und in 
den von dem verf. und Nissen behandelten abschnitten klar zu 
machen, giebt er im anhange eine allerdings sehr dankenswerthe 
Zusammenstellung von Liv. XXX, 3 ff. mit Polyb. XIV, 1 ff., 
ferner Liv. XXXI, 14 mit Polyb. XVI, 25, endlich Liv. XXI, 
26 mit Polyb. III, 41. Ohne frage verfolgte dabei Zieliriski 
die absieht , die geringere Wahrscheinlichkeit einer direkten be- 
nutzung des Polybius im 21. und 22. buche des Livius nach- 
zuweisen, für die wir alsdann nothwendig den Coelius Antipater 
als hauptquelle annehmen müßten. Dies würde aber, von an- 
deren Schwierigkeiten ganz abgesehen, wieder bestimmt voraus- 
setzen, daß Coelius sich in den mit Polybivis übereinstimmenden 
abschnitten in äußerst ängstlicher, ja geradezu sclavischer weise 
an die ihm mit Polybius gemeinsamen quellen angeschlossen hätte 
— eine annähme, welche gerade durch die vom verf. gelieferte 
Charakteristik der schriftstellerischen manier des Coelius Anti- 
pater in hohem grade unwahrscheinlich gemacht wird. 

Hermann Haupt. 

48. Carl Gooß, die römische lagerstadt Apulum in Da- 
cieu. Schäßburg 1878. 4. 56 p. Gymnasial-programm. 

Schon in den „Jahresberichten der geschichtswissenschaft, 
I. Jahrg. für 1878, Berlin 1880, p. 95" nahm ich anlaß, diese 
monographie als eine „mustergültige" arbeit auf dem gebiete 
der provinzialgeschichte zu bezeichnen. „Der Verfasser macht 
uns mit den wechselnden Schicksalen der römisch - dacischen la- 
gerstadt Apulum, heute Karlsburg im südwestlichen Siebenbürgen, 
bekannt und wählt für sein gemälde einen so reichen historischeu 



Nr. 5. 48. Römisclie geschichte. 221 

hintergrun.d, daß er uns in nuce die geschichte der ganzen pro- 
vinz Dacien, wenigstens von 106 — 257, ja ein gutes stück der 
römischen reichsgeschichte im II. und III. Jahrhundert vorführt. 
Gooß belehrt uns in anschaulilicher weise über leben und trei- 
ben der zu Apulum seit Hadrians zeit stationirten legio XIII 
gemina, über die socialen zustände der lagerstadt, über Verwal- 
tung und Verfassung derselben, über die tempel, die öfientlichen 
gebäude u. s. w.". Der encyklopädische charakter der 
„Jahresberichte" zwang mich , meine besprechung der verdienst- 
lichen Schrift auf jene paar allgemeinen sätze zu beschränken. 
So will ich denn au dieser stelle ein ausführlicheres referat 
über die arbeit bieten, deren inhalt nicht bloß für den ge- 
schichtsfreund und zumal den kulturhistoriker, sondern auch für 
den Philologen und archäologen hochinteressant ist. 

Abschnitt I, (p. 3 — 8) beschäftigt sich mit der „anläge des 
Standlagers am einfluß des Ompoly in den Maros. Der verf. 
verwerthet über 320 inschriften aus dem C. I. L. III, sowie 
sonstige funde, zahlreiche mauer- und sculpturreste (p. 3). Der 
dacische hauptwaffenplatz (später Apulum) wurde unter Trajan 
durch die legio I adjutrix angelegt (p. 5 f.). Aber bald nach- 
her versetzte der kaiser diese legion nach dem rechte n Donau- 
ufer zum schütze Obergermaniens , und die vertheidigung Da- 
ciens übernahm die legio XIII gemina, deren älteste erwähnung 
sich in einer Inschrift vom 16. mai 142, C. I. L. III, nr. CVII 
findet (p. 8.) 

Abschnitt II, (p. 8 — 22) gibt zuerst eine quellenmäßige 
„Vorgeschichte der leg. XIII" (p. 8 — 10), sodann (p. 10 — 27) 
führt uns der verf. leben und treiben der legio XIII im Carls- 
burger Standlager vor. „Die Soldaten derselben sind .... rö- 
mische bürger, welche wegen überhandnehmender Verarmung den 
kriegsdienst zu ihrem lebensberufe erwählten, heiratheten . . . 
und ihre söhne in der regel wieder zum heeresdienste erzogen." 
Durch die betreffenden inschriften werden wir des näheren über 
die eintheilung der legion belehrt, über die organische gliede- 
rung der legion und das System ihrer Chargen, zumal auch über 
die mancherlei stufen, auf denen der miles gregarius zum cen- 
turio steigt. Der unterste grad war der secutor trihuni (Ordon- 
nanz !), dem folgt der tesserarius (Überbringer der tagesparole an 
den centurio), die nächsthöhere stufe ist der optio (adjiitant 



222 48. Römische geschichte. Nr. 5. 

des centurio). Eine noch etwas höhere charge bekleideten die 
signiferi, welche die feldzeichen der 30 manipel, und die 
V exillarii, welche die feldzeichen der cohortes trugen. Der 
gehülfe beim rechnungswesen hieß „adjutor officii rationum", und 
zum personal des rechnungswesen gehörten der cornicularius und 
der librarius. Der kern der legion sind die 60 centuriones , die 
von der pike auf gedient haben. Später avancierten die centu- 
rionen zum ränge der primipüi oder primipilari (die erste stelle 
der sechs centurionen der ersten cohorte !) und waren dann zu- 
gleich praefecti castrorum , platzcommandanten. ,,Sehr selten 
brachte es ein bürgerlicher vom primipilus noch bis zum le- 
gionstribunen. Dagegen begann da, wo seine lauf bahn ab- 
schloß, erst recht der ämterlauf des senatorischen Jünglings." 
Von den sieben namen der legionstribunen von Apulum gehören 
nur zwei dem bürgerstande an. Die obersten commandanten 
oder legati der leg. XIII sind immer prätorischen ranges 
und erhalten nach dem rücktritt die Verwaltung einer pro- 
vinz, in der regel wahrscheinlich Ehätien; 14 legati der leg. 
XIII sind inschriftlich bezeugt (p. 14-— 16). „Die besten zeugen 
der angestrengten thätigkeit (schanzarbeit!) der leg. XIII sind 
die unzerstörbaren gebrannten ziegeln mit dem Stempeleindruck 
der XIII. legion . . . ." (p. 17 f.). Die leg. XIII führt im 
jähre 158 u. z. eine zum theil noch kenntliche Wasserleitung 
in die Stadt (p. 18 f.). Folgende atiszeichnungen von Soldaten 
unserer legion sind epigraphisch nachgewiesen: doppelte ration, 
befreiung vom friedensdienst („immunes"), als decoration die ha- 
8ta pura (speer ohne spitze) , vexilla (fähnchen) , armillae (arm- 
bänder), catellae (kettchen), fibulae (heftnadeln), torques (halsring), 
coronae ohsidionalis , triumphalis, muralis , vallaris , navalis , ovales, 
civica, aurea (p. 19 f.). Ehrenvolle militärentlassungen (missio 
honesta) nach 20jähriger dienstzeit wurden durch den provinzial- 
statthalter vollzogen. — Höchst interessant für die weitesten ge- 
bildeten kreise ist folgendes ergebniß unseres verf. (p. 20 f.). 
Aus den Inschriften erhellt auch, daß die „Soldaten meist ver- 
heirathet waren, und aus den pietätvollen inschriften 
der grabmonumente läßt sich auf ein inniges fami- 
lienleben schließen". So bezeichnet z. b. der primipilus 
Aurelius Labinius seine frau Aurelia Priscilla als „pietate et ca- 
stitate incomparabilis", und der 16 jähre und 9 monate alten 



Nr. 5. 48. Römische geschlchte. 223 

„fiUae pientissimae Alpiae Constantinae" setzen der „veteranus ex 
decurione Alpius Conganius und seine gattin Aelia als parentes in- 
felicissimi den grabstein. 

Im abschnitt III „die kanabae im allgemeinen und die ka- 
nabae der XIII. legion" (p. 22 — 31) wird der name, die bedeu- 
tung und geschichtliche entwicklung des begriffes kanabae nach 
Th. Mommsens abhandlung im VII. bände des „Hermes" erklärt 
(p. 24). „Nach Mommsen ist in folge der zwischen stadt und 
hauptquartier bestehenden incompatibilität der nicht militä- 
rischen lagergemeinde zwar korporationsrecht aber 
keineswegs stadtrecht eingeräumt worden." Diebe- 
wohner einer wirklichen Stadt sind b ü r g e r, die einer lagerstadt 
verweilen dort oder technisch: consistunt ad canabas le- 
gionis oder ad legionem. Das wort consisiere bezeichnet nach 
Mommsen den bleibenden aufenthalt in einem orte oder in einer 
gegend, mit welchem die heimathsberechtigung sich nicht ver- 
knüpft. Die lagerstädte haben also keine b ü r g e r und ihre 
bewohner nur ein doniic ilium . keine civitas. Auch fehlt 
solchen lagerstädten der eigenname und erst mit ertheilung 
des Stadtrechts wurden z. b. die „kanabae der leg. XIII" umge- 
tauft in ein „munici pium Apulum", Die bedingungen der 
Zugehörigkeit zu einer solchen lagerstadt waren die civitas Ro- 
mana und das domicilium im lager (p. 25). Man unterscheidet 
eine ältere form der Organisation der kanabae (im ersten 
jahrh. u. z.) — in dieser älteren periode besteht der vorstand 
aus dem „curator veter anorum et civium Romanorum, qui consistunt 
ad canabas legionis illius (sein rang unter dem centurio), der quae- 
stör veteranorum oder civium Romanorum, der actor — und eine 
jüngere form (seit dem 2. jahrh. u. z.); in dieser späten 
epoche wird die lagerstadt verwaltet von zwei beamten (magi' 
8tri\ ferner vom aedilis und vom aedis custos, tempelhüter (nach- 
bildung der municipalen magistratur der duumvirl und aediles 
(p. 27). Was speziell die kanabae von Carlsburg betrifft, so 
fungirt dort der ordo decurionum ; sonst entspricht die Organisation 
den canabae legionis XIII geminae der Jüngern form. Die 
magistri sind noch für die zeit Trajans inschriftlich bezeugt. 
Alle diese kanabae concentriren sich um einen sacralen mittel- 
punkt ; ein tempel der römischen bürger unserer kanabae ist 
inschriftlich nachweisbar (p. 29). Die kanabae der leg. XIII 



224 48. Römische geschichte. Nr. 5. 

dauern bis M. Aurel; dann folgt, wie für Dacien überhaupt, so 
auch für unsere lagerstadt die leidensepoche des marcomani- 
sehen krieges (p. 29 ff.). 

Der IV. abschnitt schildert die geschichte von „Municipium 
und colonia Apulum" (p. 31 — 44). M. Aurel erhob gegen ende 
seiner regierung, also kurz vor 180, die kanabae leg. XIII zu 
einem municipium. Seitdem heißt es nur noch: municipium 
Aurelianum Apulum. Die ableitung der letzteren bezeichnung ist 
ungewiß ; an eine damalige einwanderung aus Apulien ist nicht 
zu denken. Die benennung Apulum begegnet zuerst auf einer 
inschrift vom jähre 180 u. z. Natürlich erhielt das neue muni-4:| 
cipium auch eine neue Verfassung. Jetzt amtirt eine rein bür-' 
gerliche behörde von viermännern , zuerst auf unbestimmte zeit" 
eingesetzt , seit Septimius Severus jährlich gewählt (p. 32 f.). 
Auch in diesem municipium gab es einen ordo und die augu-^ 
stales (mittelstand). Seit M. Aurel bestanden selbständig neben-^/ 
einander qvh municipium Apulum (von 180 u. z. bis Grordian IIL, 
resp. 238 — 244 u. z.) und eine colonia Apulum (nachweislich seit 
192, bis 250 u. z.). Nach Mommsen hat M. Aurel zugleich 
mit erhebung der kanabae zum municipium eine colonia juris italici 
gegründet (p. 33 f.). Die neue colonie blühte zumal unter Sep- 
timius Severus (reg. 193 — 211). Die epigraphisch bezeugten 
götter des dacischen Apulum sind : lupiter, Inno, Minerva, Apollo, 
Diana, Luna, Liber, Mars, Mercur, Venus, Hercules, „Genius Ca- 
nabensium .... imperatoris, leg. XIII gem."-, Aeskulap (schutz- 
gott Apulum's !), Silvanus Mithras, der Sol, Bussumarus (der kel- 
tische lupiter!), zwei thrakische nationalgötter Soumandus und 
Sula. 

Der V. und letzte abschnitt (p. 45 — 56) befaßt sich mit 
der „blüthezeit und dem Untergang" von Apulum. Seit Anto- 
ninus Pius ist Dacien in drei Verwaltungsgebiete getheilt-, der 
sitz des procurator Augusti provinciae Apulensis wurde nach Apu- 
lum verlegt (p. 46). Bald nach Septimius Severus beginnt die 
gefährdung Daciens durch die Gothen, die Karpen und die freien 
Dacier. Die kaiser Maximin I. , Gordian III. und Philippus 
Arabs thun noch manches zur erfolgreichen vertheidigung der so 
sehr entlegenen provinz gegen die barbaren (p. 55). Kaiser 
Decius heißt im jähr 250 u. z. (cf. C. I. L. III, nr. 1433) der 
„restit^itor Daciariim'^ , sei es, daß er Apulum den nameu „Co- 



Nr. 5. 48. Römißche geschichte. 225 

lonia novo Apulensis" verlieh , weil er das im jähre 238 zuletzt 
epigraphisch bezeugte municipium mit der kolonie zu einem 
gesammtwesen vereinigte, sei es, daß er auf den trümmern des 
von den Carpen zerstörten Apulum eine neue colonie gründete. 
Apulum wird noch erwähnt auf einem meilensteine aus dem jähre 
251—253. 

Es wäre kleinlich , mit dem verf. über einzelheiten rechten 
zu wollen; indeß möchte ich noch folgendes bemerken. Jener 
soeben erwähnte meilenstein gibt die letzte directe künde 
über unser Apulum ; es ist also nicht zu verdenken, wenn Gooß 
seine abhandlung mit folgender notiz schließt: „im jähre 257 
ist dann Dacien bis auf einige strecken des Banats vollständig 
in die bände der feinde gefallen , weßhalb auch seine münzära 
mit dem 10. jähre abbricht." Da aber der verf. seiner Unter- 
suchung überhaupt einen so reichen historischen hintergrund ge- 
geben hat, so vermisse ich am Schlüsse der arbeit ein zweifaches, 
einmal einen kurzen quellenmäßigen hinweis auf die 274 u. z. 
durch den kaiser Aurelianus vollzogene abtretung Daciens (an die 
Gothen und Vandalen) , also auf das letzte Schicksal der ge- 
sammten provinz, der Apulum angehörte ■^), und dann im Zusam- 
menhang hiemit die notiz, daß zunächst die Carpen, dann die 
Vandalen und Gothen, und zumal die letzteren, die schlimmsten 
feinde der provinz waren. Denn was die Carpen betriflft, so 
erlitten sie schon unter Philippus (reg. 244 — 249) eine empfind- 
liche niederlage, und Aurelian brachte ihnen solche Verluste bei, 
daß er schon vor der abtretung Daciens mit der Übersiedlung 
des besiegten volks auf römisches gebiet beginnen konnte, die 
später im jähre 295, unter Diocletian, vollendet wurde (vgl- 
Zosim. I, c. 70, Vop. Aur. c. 30, Eusebii chron. ed. Miopre, p. 571. 
572, ad. a. Chr. 293. Aur. Vict, c. 40, nr. 50, fasti Idactiani 
Pusco, Anulino coss. : 295 p. Chr. 

Bedenklicher, als diese kleine Unterlassungssünde ist folgende 
behauptung unseres verf. (p. 55): „die Carpen standen in so 
schlechtem rufe . . . ., daß die mutter des heiligen La- 
ctantiusausDacien vor den Carpen über die Donau 

1) Die tbatsache der abtretung Daciens ist bezeugt durch fol- 
gende quellen: Vop. Aur. c. 35. 39. Eutrop. IX, 15^ Sextus Rufus bre- 
viar. de victoriis et provinciis Romanis (edit. Bipont.) p. 9 und die 
münze nait der inschrift Bacia fehx (bei Eckhel D. N. Pars II, vo- 
lum. VII, p. 480 f. und Cohen, Monnaies des emper, Rom. V, p. 135). 

Philol. Anz. XII. 16 



226 Bibliographie.. Nr. 5. 

floh"; denn sie zeugt von einem gänzlichen mißverständniß der 
betreffenden quelle , Lactantius de mort. persec. c. IX (ed. H. 
Hurter) : „Alter vero Maximianus , quem sibi generum Diocletianus 
asciverat (gemeint ist also Diocletians College, der kaiser Galerius 
[reg. 293 — 311], der gemahl von Diocletians tochter Valeria), 
.... Omnibus qui fuerunt malis pejor. Inerat huic bestiae natu- 
ralis barbaries, et feritas a Romano sanguine aliena. Non mirum, cum 
mater ejus transdanuviana infesiantibus Carpis in Daciam novam 
transjecto amne confugerat." Nicht die mutter des „christlichen 
Cicero", den die katholische kirche übrigens niemals als „hei- 
ligen" verehrt hat, sondern die mutter des grimmen christenfein- 
des Galerius floh also vor den Carpen über die Donau nach der 
Dada nova oder Aureliani. Diese kleinen ausstellungen ^) sollen 
aber nicht die werthschätzung der vorliegenden schrift beein- 
trächtigen, im gegentheil spricht ref. sein aufrichtiges bedauern 
aus, daß die vortreffliche monographie, der auch in weitern ge- 
bildeten kreisen, vor allem in philologischen, ausgedehnte Ver- 
breitung zu gönnen wäre , keinen besseren platz gefunden hat, 
als ein gymnasial-programm. Franz Görres. 

Bibliographie. 

J. Petzholdt bespricht Faulmann's geschichte der buchdrucker- 
kunst im Börsenblatt nr. 87. 

Zur „rabattfrage" ein aufsatz im Börsenblatt nr. 89. 

Baer in Frankfurt a/M. antiq. katalog enthaltend eine „aus- 
wahl werth voller werke und Zeitschriften aus allen Wissenschaften" 
bespricht RAnz. nr. 94 mit besonderer rücksicht auf philologie ; 
— ferner Köhlers antiquariat nr. 361 ebendas. nr. 105 beil. 1. 
Baer u. co. lagerkatalog 112, enthaltend auch münzen aus dem 
klass. alterthum wird besprochen RAnz. nr. 118. Ausgegeben 
sind mittheilungen von Brochhaus nr. 2, woraus wir hervorheben 
geschichte der kunst im alterthum von Georges Perrot und 
Charles Chipiez. 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung von B. G. Teubner: 
künftig erscheinende Schriften : Theophanis chronographia. Re- 
censuit Carolus de Boor. Vol. I. Textum Graecum continens. 
Vol. II. Dissertationem de chronographiae Theophanis codicibus; 
vitas Theophanis; Anastasii Bibliothecarii chronographiam tri- 
pertitam ; indices continens. — Studien zur byzantinischen 
geschichte und litteratur. Von Carl de Boor. Heft 1 . 

1) Ein weiteres geringes versehen (p. 15) — die regierungszeit 
des Antoninus Caracalla ist bis zum jähre 222 (statt 217) ausgedehnt- 
wird den irgendwie sachkundigen leser kaum irritiren. 



Nr. 5. Bibliographie. 227 

Die quellen der chronik des Theophanes. gr. 8. geh. — De- 
mosthenes und seine zeit von Arnold Schaefer. Zweite aufläge. 
In zwei bänden, gr. 8. geh. — Hermann Koechlys gesammelte 
kleine philologische Schriften. Unter leitung von G. M. Thomas 
herausgegeben von Gottfried Kinkel jun. und Ernst BÖchel. Zwei- 
ter band : deutsche aufsätze. Herausgegeben von Ernst Böckel. 
gr. 8. geh. — Zur geschichte und topographie der Rheinlande 
in römischer zeit von Theodor Bergh. gr. 8. geh. — Catulls 
gedichte. Erklärt von Alexander Riese, gr. 8. geh. — A.ri- 
stotelis Politica. Tertium edidit Franciscus Susemihl. 8. geh. — 
Arriani scripta minora. E. Hercher iterum recognovit , edenda 
curavit A. Eberhard. 8. geh. 

Angekündigt wird von Engelmann Webers Weltgeschichte. 2. aufl. 

Eingeschickt ist ankündigung von Drugulin, buch- und 
kunstdruckerei in Leipzig. 

Ausgegeben ist schulkatalog von Teubner bis ostern 1882. 

Kataloge von antiquaren: antiq. anzeiger der Dieterich^ soh&a. 
Sortimentsbuchhandlung in Göttingen ; — H. Georg's antiq. ka- 
talog nr. 46 in Basel; — Jolowicz dsgl. in Posen nr. 67. 70 ; 
— von Kirchhoff & Wigand in Leipzig nr. 643 ; — Nolte's an- 
tiq. bibl, Cic. nr. 4 in Bonn ; Stargardt in Berlin, auch Numis- 
matik nr. 138. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft. 1882. III. 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

299. Adam , Jobs. , de codicibus Aeschineis. Berlin Mayer und 
Müller 1882. 8. 46 p. 1 mk. 60 pf 

300. Ansi^ach, E., de Bacchidum Plautinae retractatione scaenica. 
Bonn Nolte 1882. 8. 61 p. 1 mk. 20 pf 

301. Aristophatiis corooediae. Annotatione critica, commentario 
exegetico et scholiis Graecis instruxit Frdr. H. 31. Blaydes. Pars 
IV Aves. Halle Waisenhaus 1882. 8. XX, 510 p. 10 mk. 

302. Arnitn, Joa. de, de prologorum Euripideorum arte et inter- 
polatione. Diss. Greifswald (Jena Frommann) 1882. 8. 106 p. 
1 mk. 50 pf 

303. Barth, Paul, de infinitivi apud scaenicos poetas Latinos usu. 
Berlin Calvary 1882. 8. VII, 66 p. 

304. Catonis , M. Porci, de agri cultura liber, 31. Terenti Var- 
ronis rerum rusticarum libri tres ex rec. Henri Keilii. Vol. I. fasc. 1. 
Leipzig Teubuer 1882. 8. 109 p. 2 mk. 40 pf 

305. Chamhalu , Aug. , de magistratibus Flaviorum. Adiecta est 
appendix de Titi nomine imperatoris. Bonn Strauß 1882. 8. 31 p. 

306. Cicero's ausgewählte reden. Erklärt von Karl Salm. 3. 
bdchn. Die reden gegen L. Sergius Catilina und f. den dichter Ar- 
chias. 11. verbesserte aufläge. Berlin Weidmann 1882. 8. V, 126 p. 
1 mk. 20 pf. 

307. Co7nmi^ntaria in .\ristotelem Graeca edita consilio et aucto- 
ritate academiae litterarum regiae Borussicae. Vol. IX: Simj)licii in 
Aristotelis physicorum libros quattuor priores commentaria ed. Herrn. 
Diels. XXXI, 800 p. 27 mk. XI: Simplicii in libros Aristotelis de 
anima commentaria ed 3Iich. Hayduch. XIV, 361 p. 12 mk. Berlin 
G. Reimer 1882. 8. 

16* 



228 Bibliographie. Nr. 5. 

308. Culmann, P. W., etymologische aufsätze und grundsätze III 
und IV: III: umschau auf dem gebiete der vogelwelt und der wurzel 
va für liebhaber der Sprachforschung. Straßburg Schmidt 1879. 8. 
1 mk. 90 pf. IV : umschau auf dem gebiete der griechischen und 
lateinischen grammatik. Ein beitrag zur aufklärung grammatischer 
geheimnisse. Ebda 1882. 94 p. 2 mk. 

309. Curtius, Georg, griechische schulgrammatik. 15. unter mit- 
wirkung von Bernhard Gerth verb. aufl. Ausgabe für Deutschland in 
der amtlich festgestellten rechtschreibung. Leipzig Freytag 1882. 8. 
X, 406 p. 

310. Deecke, W. und C. Pauli, etruskische forschungen und Stu- 
dien. 2. heft. I. Der dativ larS-iale und die Stammerweiterung auf 
-ali [die etruskische spräche indogermanisch -italisch.] II. Nachtrag 
zum templum von Piacenza [die leber ein templum'] von W. Deecke. 
Mit 6 lith. tafeln. Stuttgart Heiz 1882. 8. V, 97 p. 

311. Droysen, Joh. Gust. , grundriß der historik. 3. umgearb. 
aufl. Leipzig Veit 1882. 8. VI, 90 p. 

312. Engelbrecht, Aug. Gottfr., de scoliorum poesi. Wien Gerold's 
söhn 1882. 8. 101 p. 

313. Eyßenhardt , Pranc. , römisch und romanisch. Ein beitrag 
zur Sprachgeschichte. Berlin Bornträger 1882. 8. XI, 205 p. 

314. Faust ^ Ad., homerische studien. Straßburg Trübner 1882. 
8. 41 p. 1 mk. 

315. Foerster, Rieh., de Aristotelis quae feruntur physiognomicis 
recensendis. Kiel universitäts-buchh. 1882. 4. 24 p. 

316. Froehlich, Franz,, die gardetruppen der römischen republik. 
Aarau 1882. 4. 68 p. (Progr. der Aarauer kantonschule). 

317. Gehhardt, Ed., studien über das Verpflegungswesen von Rom 
und Constantinopel in der späteren kaiserzeit. Dorpat, Karow 1881. 
8. 92 p. 

318. Guhl, Ernst und Wilh. Koner, das leben der Griechen und 
Römer nach antiken bildwerken dargestellt. 5. verb. u. verm. aufl. 
Mit 568 (eingedr.) holzschnitten. Berlin, Weidmann 1882. 8. XX, 844 p. 

319. Halfpajj gen. Klotz, Rieh., quaestiones Servianae. Diss. 
Greifswald (Jena Frommann) 1882. 8. 54 p. 75 pf. 

320. Hartmann , Otto Ernst , der römische kalender. Aus dem 
nachlasse des verf. hrsgg. von Ludw. Lange. Leipzig, Teubner 1882. 
8. XXXI, 266 p. 8 mk. 

321. Hecht, Max, quaestiones Homericae. Diss. Königsberg. 
Nürmberger 1882. 8. 29 p. 1 mk. 20 pf. 

322. Herodotos erklärt von Heinr. Stein, 3. bd. Buch V. VI. 
4. verb. aufl. Berlin, Weidmann 1882. 8. 230 p. 1 mk. 80 pf. 

323. Hesychii Milesii onomatologi quae supersunt cum prolego- 
menis ed. Joa. Flach. Accedunt appendix, Pseudohesychiana, indices, 
specim. photolith. cod. A. Leipzig, Teubner 1882. 8. LXXII, 263 p. 9 mk. 

324. Hirzel , Rud. , Untersuchungen zu Cicero's philosophischen 
Schriften. 11. theil. De finibus. De officiis. 2 abtheilungen. Leipzig, 
Hirzel 1882. 8. 913 p. 18 mk. 

325. Horaz, briefe an Augustus und lulius Plorus. Ins deutsche 
übersetzt und mit einer einleitung und sachlichen anmerkungen ver- 
sehen von Fridr. List. Erlangen 1882. 8. VI, 53 p. 

326. Inscriptiones , Graecae antiquissimae praeter Atticas in At- 
tica repertas consilio et auctoritate academiae litterarum regiae Bo- 
russicae ed. Herrn. RUhl. Berlin, Reimer 1882. fol. V, 193 p. 16 mk. 

327. Johannis Euchaitorum metropolitae quae in codice Vaticano 
Graeco 676 supersunt Johs. Sollig descripsit Pauhis de Lagarde edidit 



Nr. 5. Bibliographie. 229 

Goettingen, Dieterich, 1882. 4. XVI, 228 p. (Aus abhandlungen 
der Goettinger gesellsch. d. wissensch.). 

328. loannis Gazaei descriptio tabulae mundi et Anacreontea. 
Reo. Eug. Abel. Berlin, Calvary 1882. 8. 87 p. 2 mk. 40 pf. 

329. Jordan, Henr. , vindiciae sermonis Latini antiquissimi. Kö- 
nigsberg, Härtung 1882. 4. 20 p. 1 mk. 20 pf. 

330. Jüly, Joa. , vita L. Aeli Seiani Tiberio imperante praefecti 
praetorio. Innsbruck, Wagner 1882. 8. VII, 38 p. 80 pf. 

331. Kalkmann, Aug., de HippolytisEuripideis quaestiones novae. 
Bonn, Strauß 1882. 8. 125 p. 2 mk. 

332. Kii-chhoff, Friedr. Chr., vergleichung der Überreste vom 
theater des Dionysos zu Athen aus dem 5. jahrh. vor Chr. geburt mit 
den regeln des Vitruv für die erbauung griechischer theater und mit 
meiner orchestischen hypothese. Altona, Schlüter 1882. 4. 8 p. 1 mk. 

333. Klimke , der zweite Samniterkrieg. Königshütte, Lowack 
1882. 4. 18 p. 1 mk. 

334. Kolster, W. H., Vergil's eklogen in ihrer strophischen glie- 
derung nachgewiesen mit kommentar. Leipzig, Teubner 1882. 8. 
XIII, 226 p. 

335. Lauth, Frz. Jos. , die ägyptische Chronologie gegenüber der 
historischen kritik des herrn Alfred von Gutschmid. München (Berlin 
Th. Hofmann) 1882. 8. LXXXIV, p. 269—326. 6 mk. 

336. Laves, A., kritische beitrage zu Xenophons Hellenika. Po- 
Ben, Jolowicz 1882. 4. 22 p. 1 mk. 

337. Livi, Titi, ab urbe condita libri. Erklärt von W. Weißen- 
born. 4. bd. Heft 1. Buch XXI. 7. aufl. von H. J. Müller. Berlin, 
Weidmann 1882. 8. VI, 155 p. 1 mk. 50 pf. 

338. Maaßen , die römische Staatsstraße von Trier über Belgien 
bis Wesseling a. Rh. und der Römerkanal am Vorgebirge. Mit 2 li- 
thogr. Zeichnungen. Bonn (Köln, Boisseree) 1881. 8. VI, 119 p. 2 mk. 

339. Meister, Rieh. , die griechischen dialecte auf grundlage von 
Ahrens werk: de Graecae linguae dialectis dargestellt. Bd. I. Asia- 
tisch-äolisch, Böotisch, Thessalisch. Göttingen, Vaijdenhöek und Ru- 
precht 1882. 8. VIII, 310 p. 

340. Monumenta Germaniae historica edidit societas aperiendis 
fontibus rerum Germanicarum medii aevi. Auctorum antiquissimorum 
tomi V pars prior. lordanis Roraana et Getica rec. Theodorus Momm- 
sen. Berolini, Weidmann 1882. 4. LXXIV, 200 p. 

341. 3Hiller, Job. , emendationen zur Naturalis historia des Pli- 
nius V. Wien, Gerold's söhn 1882. 8. 26 p. (Aus Sitzungsberichten 
der Wiener akad. d. wiss.) 

342. Naegelsbach, Carl Fridr. v., lateinische Stilistik für Deutsche. 
7. aufl. besorgt von dr. Iw. 3Iü/ler. Nürnberg, Geiger 1882. 8. 
XXXII, 757 p. 

348. Niese, Benedictus, die entwicklung der homerischen poesie. 
Berlin, Weidmann 1882. 8. VI, 261 p. 6 mk. 

344. Oeri, J. J. , beitrage zum verständniß der Trachinierinnen 
des Sophokles. Berlin, Weidmann 1882. 8. 68 p. 2 mk. 

345. Overbeck , J. , geschichte der griechischen plastik. 3. um- 
gearb. und verm. aufl. 4. halbband. Mit 37 holzschn. u. holzschn. 
2. bd. (VI und p. 187—502) Leipzig, Hinrichs 1882. 8. 9 mk. 

346. Perrot, George und Charles Chipiez , geschichte der kunst 
im alterthum. Aegypten — Assyrien — Persien — Kleinasien — 
Griechenland — Etrurien — Rom. Autor, deutsche ausgäbe, l.abth. : 
Aegypten. Mit ungefähr 600 abbildungen im text. 4 färb, und 15 
schwarz, tafeln. Bearb. von dr. Richard Pietschmann. Mit einem vor- 



230 Bibliographie. Nr. 5. 

■wort von Oeo. übers. Liefg. 1. Leipzig, Brockhaus 1882. 8. (In 
ca. 20 lieff.). 

347. Piatonis opera quae feruutur omnia. Ad Codices denuo col- 
latos ed. Martinus Schanz. Vol. V. Fase. 2. Phaedrus. Leipzig, 
Tauchnitz 1882. 8. XVI, 178 p. 2 mk. 

348. Piatonis Symposion Phaedrus. Ad Codices denuo collatos ed. 
Marl. Scham. Ed. stereot. Leipzig, Tauchnitz 1882. 8. 106 p. 45 pf. j 

349. Poetae Ijrici Graeci. Rec. Theod. Bergk. Ed. IV , vol. II 
poetas elegiacos et iambographos continens. Leipzig, Teubner 1882. 
8. IV, 522 p. 10 mk. 

350. Quintiliani M. Fabii, institutionis oratoriae liber X. Erklärt 
von E. Bonnell. 5. aufl. von dr. F.Meister. Berlin, Weidmann 1882. 
8. 75 pf. 

351. Richter, Rieh., de epitaphii qui sub Lysiae nomine fertur 
genere dicendi. Dissert. Greifswald , (Jena Frommann) 1881. 8. 
35 p. 75 pf. 

352. Boeder, W., über C. G. Cobet's emendationen der attischen 
redner, insbesondere des Isaios. Berlin , Weber 1882. 8. IV, 88 p. 
1 mk. 50 pf. 

353. Bothe. Carl , de vetere quem ex Odyssea Kirchhoffius eruit 
NößTü). Berlin, Calvary 1882. 4. 29 p. 

354. Schaefer, Arnold, abriß der quellenkunde der griechischen 
und römischen geschichte. 1. abth. Griechische geschichte bis auf 
Polybios. 3. aufl. Leipzig, Teubner 1882. 8. III, 112 p. 2 mk. 

355. Schwabe, Ludw., Pergamon und seine kunst. Rede. Tü- 
bingen, Fues 1882. 8. 28 p. 1 mk. 

356. Sonnenburg, P. E. , de Menaechmis Plautina retractata li- 
bellus. Bonn, Behrendt 1882. 8. 45 p. 1 mk. 20 pf. 

357. Sophokles erklärt von F. W. Schneidewin. 7. bdch. Phi- 
loktetes. 8. aufl. besorgt von A. Nauck. Berlin, Weidmannn 1882. 
8. 163 p. 1 mk. 50 pf. 1. bändchen: allgemeine einleitung Aias. 
8. aufl. besorgt von Aug. Nauck. Berlin, Weidmann 1882. XII, 
203 p. 1 mk. 50 pf. 

358. Stange, Fridr. Otto, de re metrica Martiani Capellae. Leip- 
zig, Fock 1882. 8. 62 p. (Diss.) 

359. Stehen, Heinrich, de Spartanorum re militari. Diss. Greifs- 
wald 1881. 8. 31 p. (Jena Frommann.) 

360. Tacitus, des C. Cornelius, dialog über die redner. Uebers. 
und mit den nöthigsten anmerkungen versehen von C. H. Krauß, 
Nebst einem an hang für philolog. leser. Stuttgart, Melzler 1882. 8. 
VI, 90 p. 2 mk. 

361. Teuber, Carl, quaestiones Himerianae. Diss. Breslau, Koeb- 
ner 1882. 8. 46 p. 1 mk. 20 pf. 

362. Texte und Untersuchungen zur geschichte der altchristlichen 
litteratur hrsg. von O. v. Gebhardt und Adolf Harn ack. l.bd. Heft 
1 u. 2 die Überlieferung der griechischen apologeten des 2. jahrh. in 
der alten kirche und im mittelalter von Adolf Harnack. Leipzig, 
Hinrichs 1882. 8. VIII, 300 p. 9 mk. 

363. Thielmann , Philipp , das verbum dare im lateinischen als 
repräsentant der indoeuropäischen wurzel dha. Leipzig Teubner 1882. 
8. VIII, 134 p. 2 mk. 40 pf. 

364. Thümen, F. , die Iphigeniensage in antikem und modernen 
gewande. Stralsund 1881. 4. 22 p. (Berlin, Mayer u. Müller.) 

365. Thukydides erklärt von J", Classen. 5. bd. 5. buch. 2. aufl. 
Berlin, Weidmann. VI, 194 p. 1 mk. 80 pf. 

366. : — — de hello Peloponnesiaco libri octo. Ad optimorum 
librorum fidem editos explanavit Emestiis Frid. Poppo. Ed. II quam- 



Nr. 5. Bibliographie. 231 

auxit et emendavit loa. Maüh. Stahl. Vol. IV. Sect. I. Leipzig, 
Teubner 1882. 8. 208 p. 2 mk. 70 pf. 

367. Tomaschek , Wilh. , zur künde der Haemushalbinsel. Topo- 
graphische, archäologische und ethnologische miscellen. Wien, Ge- 
rold's söhn 1882. 8. 73 p. (Aus sitzungsber. der Wiener akademie 
der wiss.j. 

368. Veckenstedt, Edm., Ganymedes. Libau, Puhze 1882. 8. 
36 p. 1 mk. 

369. Wachsmuth, Gurt, studien zu griechischen florilegien. Ber- 
lin, Weidmann 1882. 4. III, 219 p. 

370. Heise, Fr. Oscar, die griechischen Wörter im latein. Leipzig, 
Hirzel 1882. 8. VIII, 546 p. (Preisschriften der fürstl. Jablonowski- 
schen gesellsch. zu Leipzig XXIII.) 

371. Weißschuh, Joa. , de rhotacismo linguae Graecae. Diss. 
Leipzig, Hinrichs 1881. 8. 1 mk. 

372. Wetzstei7i, 0. H. R., L. Annaeus Seneca quid de natura hu- 
mana censuerit. Diss. Neustrelitz, Jacoby 1881. 8. 110 p. 1 mk. 

373. Wieseler, Fridr., schedae criticae in Aristophanis Aves. 
Goettingen, Dieterich 1882. 4. 15 p. 80 pf. 

374. Xenophon^s Anabasis. Erklärt von C. Rehdantz. 1. bd. 
Buch I — in. Mit einer karte von H. Kiepert und 2 tafeln abbildun- 
gen. 5. Aufl. besorgt von O. Carniilh. Berlin, Weidmann 1882. 8. 
IV, 204 p. 1 mk. 80 pf. 

374a. Ziegler, Chr., das alte Rom. 18 tafeln in farbendruck u. 
5 holzschn. Mit erläuterndem texte. Billige Schulausgabe der Illu- 
strationen zur topographie des alten Rom. Stuttgart, Neff 1882. 4. 
Vm, 32 p. 4 mk. 

375. Ziemer, Hermann, junggrammatische streifzüge im gebiete 
der syntax. In 2 abschnitten. Colberg, Post 1882. 8. VIII, 156 p. 
2 mk. 70 pf. 

376. Zimmermann, Alb. , de Proserpinae raptu et reditu fabulas 
varias inter se comparavit. Lingen, von Acken 1882. 8. 67 p. 

377. Zingerle, Anton, kleine philologische abhandlungen, 3. hft. 
Innsbruck, Wagner 1882. 8. X, 83 p. 2 mk. 40 pf. 

Skandinavien. 

378. Josefns, Flavius, .J0dernes krig med Romerne. Oversat fra 
Graesk af A. Reiersen (1757) Gjennemset od udgiven paa ny af J. 
Belsheim. Horten, C. Andersen 1882. 8. 

379. Madvig, J. N., den romerske Stats Forfatning og Forvalt- 
ning. Andet Bind. KJ0benhavn, Gyldendal 1882. 8. 670 p. 9 kr. 

380. Nyrop, K., Sagnet om Odysseus og Polyphem. K)0benhavn 
(M. P. Madsen) 1882. 8. 75 0re. 

England. 

381. Antoninus , Marcus Aurelius, the fourth book of the Medi- 
tations. A revised text with translation and commentary and an ap- 
pendix on the relations of the emperor with Cornelius Fronto by 
Hastings Croßley. London, Macmillan 1882. 8. 84 p. 6 sh. 

382. Aristophanes , The Clouds. Edited by W. C. Green. New 
edition. London, Rivingtons 1882. 8. 3 sh. 6 d. 

383. Demosihenes' oration on the Crown. With an english trans- 
lation introduction notes and indices by Francis W. Simpson. Ox- 
ford, Thornton 1882. 8. 340 p. 10 sh. 6 d. 

384. Forbes , S. R. , Rambles in Roma : an archaeological and 
historical guide to the museums galleries, villa's, churches and anti- 
quities of Rome and the Campagna. With maps plans and illustra- 
tioDS. London, Nelsons 1882. 8. 356 p. 3 sh. 6 d. 



232 Bibliographie. Nr. 5. 

385. Hicks, E. L., a manual of greek historical inscriptione. Ox- 
ford, Frowde 1882. 8. 382 p. 

386. Hudson, Charles F. , a new greek and english concordance 
of the new testament. Prepared by — under the direction of H. L. 
Hastlngs. Revised and completed by Ezra Abbott. 5th thousand. 
London, Bayster 1882. 8. 530 p. 7 sh. 6 d. 

387. Ovidii Nasonis, P., Ibis es novis codicibus edidit, scholia 
vetera commentarium cum prolegomenis appendice indice addidit H. 
Ellis. Oxonii 1881 (Leipzig, T. 0. Weigel). 8. LXIII, 204 p. 7 mk. 

388. Perry, W. C, Greek and roman sculpture: a populär intro- 
duction to the history of greek and roman sculpture. Witb 286 il- i 
lustrations on wood. London, Longmans 1882. 8. 31 sh. 6 d. j 

389. Sophocles by J. A. Paley. (Cambridge greek and latin texts). ' 
London, Whittaker 1882. 18. 320 p. 3 sh. 6 d. ! 

390. — Oedipus Tyrannus. With introduction and english notes 
by Lewis Camjjbell and Evelyn Abbott. New and revised edition. 
Oxford, Frowden 1882. 12. 136 p. 2 sh. 

391. — Oedipus Tyrannus. With Translation, notes and indices 
by Benjamin Hall Kennedy. Cambridge 1882. 8. 212 p. 6 sh. 

392. Terence , Andria. With notes by Wilhelm Wagner. (Cam- 
bridge texts.) London, Whittaker 1882. 12. 88 p. 1 sh. 6 d. 

393. — the Heauton-Timorumenos. With notes by W. Wagner, 
(Cambridge texts.) London, Whittaker 1882. 12. 84 p. 1 sh. 6 d. 

394. — Adelphi. With notes by Wilh. Wagner, dsgl. 

395. — Phormio. With notes by Wilh. Wagner, dsgl. 

Frankreich. 

396. Arrien les entretiens d'Epictete recueillis par — . Traduc- 
tion nouvelle complete par V. Courdaveaux. 2. edition revue et cor- 
rige'e. Paris, Didier 1882. 12. 420 p. 3 fr. 50 c. 

397. Caillemer, E., Etndes sur les antiquitesjuridiquesd'Athenes. 
La natural isation a Athenes. Caen, Le Blanc Hardel 1882. 8. 40 p. 
(Extrait des Meraoires de Tacademie nationale de Caen.) 

398. Chauvet, Emm. , logique de Grauen. Paris, Pedone-Lauriel 
1882. 8. 55 p. (Extrait du Compte rendu de l'academie des scien- 
ces morales et politiques). 

399. Cornelius Nepos. Texte latin publie d'apres les travaux 
les plus recents de la philologie avec un commentaire critique et ex- 
plicatif et une introduction par Alfred Monginot. 2ed. revue et cor- 
rigee. Paris, Hachette 1882. XLIV, 367 p. 8 fr. 

400. Duruy, V., la politique religieuse de Constantin (312—337.) 
Paris 1882. 8. 47 p. (Extrait du Compte rendu de l'academie des 
sciences morales et politiques). 

401. Euripide, Hecube. Texte grec accompagne d'une notice 
d'un argument analytique de notes en fran9ais et conforme a l'edition 
des sept tragedies d'Euripide publice par H. Weil. Paris, Hachette 
1882. 16. 95 p. 1 fr. 

402. Fleury, Edouard, Antiquites et monumeuts du departement 
de l'Aisne. Quatrieme partie. Paris, Mena 1882. 4. 287 p. 

403. Fouillee, Alfred, Histoire de la pbilosophie. 3. edition, 
Paris, Delagrave 1882. 8. XVII, 558 p. 

404. Gauthier, Jules, la cimetiere gallo -romain de Thoraise 
(Doubs). Besan9on 1882. 8. 12 p. 4 pL 

405. Heron de Villefosse , Antoine, les inscriptions latines de 
l'exposition des fouilles d'Utique. Vienne 1881. 16 p. (Extrait du 
Bulletin epigraphique 1881 nov./dec.). 



Nr. 5. Bibliographie. 233 

406. Heuzey, Leon, les fouilles de Chaldee. Communication d'une 
lettre de M. de Sarzec. Paris Didier 1881. 8. 14 p. et pl. (Extrait 
de la Revue archeologique 1881 nov.). 

407. 3Iarc- Aurele , pensees de. Traduction d' Alexis Pierron pre- 
cedee d'une introduction accompagnee d'un commentaire et suivie des 
lettres de Fronton. 4e edition revue et corrigee. Paris, Charpentier 
1882. 18. 423 p. 3 fr. 50 c. 

408. Martha^ Jules, les sacerdoces atheniens. Paris, Thorin 1882. 
8. VIII, 188 p. Bibliotheque des ecoies fran9aises d'Athenes et de 
Rome. fasc. 26. 

409. Momrtxsen, Tiieod., histoire romaine. Nouvelle edition tra- 
duite par de Guerle. 7 vol. T. 1. 436 p. T. 2. 878 p. T. 3. 383 p. 
T. 4. 380 p. T. 5. 385 p. T. 6. 414 p. T. 7 et dernier 383 p. Pa- 
ris Marpon et Flammarion 1882. 18. Chaque volume 3 fr. 50 c. 

410. Mourier, Ath. et /. Deltour, Catalogue et analyse des the- 
ses fran^aises et latines admises par les facultes des lettres avec index 
et table alpbabetique des docteurs. Annee scolaire 1880/81. Paris, 
Deldlain 1882. 8. X, 36 p. 1 fr. 50 c. 

411. 3Iuntz, Eiig., le musee du Capitole et les autres collections 
romaines. Paris, Didier 1882. 8. 15 p. (Extrait de la Revue ar- 
cheol. janv. 1882). 

412. Perrot, Rapport de la commission des ecoies d'Athenes et 
de Rome sur les travaux de ces deux ecoies pendant l'annee 1881. 
Paris, Didot 1882. 4. 40 p. 

413. Piaute, comedies de. Traduction nouvelle en vers par R. 
Grille. T. 2. Angers, Lachese et Dolbeau 1882. 18. 535 p. 

414. Sophode Oedipe a Colone. Texte grec avec argument et 
notes en fran^ais ä l'usage des classes par M. Berger. Paris, Dela- 
grave 1882. 12. V, 102 p. 

415. Taillebois , Emile, epigraphie d'Acquoise; les inscriptions 
gallo-romaines du musee de Dax. Dax 1882. 817 pl. (Extrait du 
Bulletin de la Societe de Borda). 

416. Thedenas H. et A. Heran de Villefosse, l'inscription de Gor- 
dien, 1. Notes sur Tinscription de Gordien au musee de Bordeaux, 2. 
a propos de l'inscription de Gordien conservee au musee de Bordeaux. 
Vienne, Savigne 1882. 8. 28 p. et planche. 

417. Vfülentin , Florian, Miscellanea. Vienne, Savigne 1882. 8. 
8 p. ("Extrait du Bulletin epigraphique de la Gaule). 

418. Zeller, E., la philosophie des Grecs consideree dans son de- 
veloppement historique. le partie: La philosophie des Grecs avant 
Socrate). Traduite de l'allemand avec l'autorisation de l'auteur par 
Emile Boutroiix. T. 2. Les Eleates Heraclite Emp^docle les Atomi- 
stes Anaxagore les Sophistes. Paris, Hachette 1882. 8. II, 564p. 10fr. 

Italien. 

419. Becchetti, Sosthenis, de linguae Latinae origine et vetustate. 
Roma, tip. Regia 1881. 16. 16 p. 

420. Bobha , R. , Saggio sulla filosofia greco-romana considerata 
nelle sue fonti e nel suo svolgimento fino a Cicerone inclusivamente ; 
ed Anthologia philosophica ex Marco Tullio Cicerone. Torino, Para- 
via 1882. 319 p. 3 1. 

421. Canna, letteratura greca e moderna. In Rendiconti del Isti- 
tuto lombardo di scienze e lettere serie II, vol. 14, fasc. 15. 

422. Celesia, Emanuele, storia della letteratura in Italia nei se- 
coli barbari. Vol. L Genova 1882. 8. 430 p. 4 1. 

423. Duruy, Vittorio, storia romana iasino alla invasione dei 



234 Bibliographie. Nr. 5. 

barbari tradotta ed annotata da Francesco Bertolini. Seconda edizione 
riveduta e corretta dalla XIV edizione francese. Napoli, Detken 1882. 
16. XXXII, 584 p. 4 1. 

424. — — , storia greca tradotta dalla X ediz. francese ed anno- 
tata da Francesco Bertolini. Napoli, Detken 1882. 16. 486 p. 4 1. 

425. Fincati, Luigi , le triremi 2e ediz. con importanti aggiunte. 
Roma 1881. 8. 10 tavole. 

426. Fumagahi, Osservazioni circa la sintassi della congiunzione 
cum. Rovigo Liceo Ginnasio „Celio". Programmi 1878/79. 1879/80. 
8. 128 p. 

427. Garlatida , F. , della lunghezza di posizione nel latino nel 
greco e nel sanscrito; osservazioni. Torino, Loescher 1882. 8. (Dalla 
Rivista di filologia anno X.) 

428. Gozzoii, Giovanni, la Vittoria greca. Cenni di storia ed 
arte a proposito di un bronzo esistente uel Museo di Brescia. Roma 

1881. 4. 20 p. et 1 tav. 

429. Gregorovius, Ferdinande, Atenaide storia di una imperatrice 
bizantina: versione dal tedesco di Raffaele Mariano, Torino, Loescher 

1882. 8. XII, 298 p. 5 1. 

430. Holm, Adolfo, studii di storia palermitana: epoca antica. 
Palermo 1880. 8. 22 p. (Dal Archivio storico siciliano n. s. anno V). 

431. Inama, Vigilio, Letteratura greca. 2a ediz. Milano, Hoephi 
1882. 32. 202 p. 1,50 1. 

432. Lanza, Carlo, Esiodo e la Teogonia — Coluso „il rapimento 
di Elena" versione dal greco — Trifiodoro ,,lo sterminio di Troja." 
In Atti dell' academia Pontaniana. Vol. XiV. Napoli 1881. 

433. Lanzellotti , Biagio , di un antico sepolcreto presso Chieti. 
Chieti 1882. 8. 26 p. 

434. Pindaro , Gerone I o la prima Olimpica e le tre prime Pi- 
zie: con un appendice -per Nicold Camarda. Palermo 1882. 16. 69 p. 

435. Sardagna, Vittorio, storia della Grecia antica dalle origine alla 
colonizzazionedell'Asia minore. Saggio. Verona, Drucker 1882. 12. 346 p. 

436. Sofocle. Tragedie, traduzione di Feiice Bellotti. Milano, 
Sonzogno 1881. 16. 348 p. 1 1. 

437. Tacito Gaio Cornelio. Gli Annali: saggi di traduzione di 
Antojiio Ferri (1873-74). Rieti 1881. 16. 124 p. 1 1. 

438. Tartara, Alessandro, dalla battaglia della Trebbia a quella 
del Trasimeno: questioni di storia romana. Torino, Loescher 1882. 
135 p. (Dalla Rivista di filologia classica. IX e X.) 

439. Tartara, Alexander, animadversiones in locos nonnullos Va- 
leri Catulli et Titi Livi iterum emendatiores editae. Rom, Loescher 
1882. 8. 102 d. 2 mk. 

440. Vivanet, Filippo, la storia antica della Sardegna. Gagliari 
1881. 8. 79 p. 

Spanien. 

441. Cesar, Cayo Julio, los comentarios de, traducidos por D, 
Jose Goya y Muniain. Nueva ediciön que comprende los libros es- 
critos por Hircio y traducidos por D. Manuel Balbuena. Tomo I. 
Madrid, Luis Navarro 1882. 8. LXVIII, 273 p. 14 r. Tomo IL 
ibid. 331 p. 14 reales. (Biblioteca clasica 44. 45.) 

442. Demöstenes y Esquines , Madrid Administraciön , Leganitos 
18, 2. 211 p. 12. 2 reales. (Biblioteca universal vol. 74). 

443. Duvcker, Max, Historia de Grecia. Tomo III que com- 
prende desde la era de las Olimpiadas hasta el levantamiento del 
pueblo coDtra la nobleza 776 — 630 A.I.C. Vertida del aleman por D.; 
F. Garcia Arzuso. Madrid, Francisco Isavedra 1881. 4. 28 r. (Tomoj 
VII de la Historia de la Antigüedad.) 



Nr. 5. Bibliographie. 235 

444. Xenofonte historia de la entrada de Cyro el menor en el 
Asia y de la retirada de los diez mil griegos que fneron con el, tras- 
ladada de griego en castellano por Diego Graciän y enmendada la 
traduciön castellana por el licenciado D. Casimire Florez Canseco. 
Madrid, Luis Navarro 1882. 8. XXXIV, 316 p. 14 reales. (Biblio- 
teca cläsica vol. 46.) 

Griechenland. 

445. KoQcc^, ' Adajuavriov , tck jufro: 9dvaTot> svQi&tvTU Gvyyga/Ujuä- 
na , ßovkrj juiv xcd ö'unävrj Ttjg tv MaaaaXia xsvToix^g ^niTgonr/g Kogarf, 
inifidficc di 'Avögiov Z. Mäfxovy.cc GvXXfysfTn n y.ul iy.d\Söfiiva. T6- 
fiog ngwTog niQii)((x)v vkyjy FaXXoyQar/Ay.ov li^iy.oiJ xcd mg }v toj Xt^txw 
rijg raki.iy.tjg ^Axadtj/uiceg Mioygi'cffovg tov Koga^ arj/ufKÖOfig. 'Ef A^rivaig, 
nfgg?,g 1881. 8. <, 528 wA. 

446. IlanaggrjyonovXog, K., taiogice tov iXXrjt>i,xov MO-vovg. "Ex- 
öocig ß', Tofiog et', ßtßk. u ^ Ay^Moi. ^Ev 'AQ-i^paig, 2. K. BXaarög 1881. 
8. iuö\ 140 aiX. 3 dga/. 

447. 2xaff idiüJTtjg, 11., xgmxalnagairjgrjotig inljüJvilg ictvnu 12 
ßtßXiiov Mdgxov ' AvTtavivov. 'Eu 'AO^rjvaig 1881. 8. 16 OiX. 

Beilage (fortsetzung zu Pbilolog. anzeig. XII, heft 2, 3, p. 134 ff.), 
A. Schulschriften und programme 1881 (nachtrag.) 

448. Böhm , David , beitrage, welche C. Julius Caesar in seinen 
commentarien de hello Gallico zur ethnologie der Germanen liefert. 
Herrüannstadt 1881. 4. 

449. Grimm, A. H., anapaestos eos qui sunt in Vespis Aristopha- 
nis inde a versu 1015 usque ad v. 1050 enarravit. Schwerin 1881. 4. 
Teubuer no. 563. 

450. Held, die rede des Demosthenes mgl nagangtaßsiag. Lemgo 
1881. 4. Teubner no. 612. 

451. Mohr, Paul , zu Sidonius' carmina. Frankfurt a. M. 1881. 
4. no. 547. 

452. Obermaier, A., die coniugatio periphrastica activa und der 
Irrealis im lateinischen. Stadtamhof 1881. 8. 

453. Schneider, H., ist Xenophons Kyrupädie zur lektüre an un- 
sern gymnasien geeignet. Pforzheim 1881. 4. no. 527. 

454. Seck , Franz, de Pompei Trogi sermone. Konstanz 1881. 
4. no. 525. 

455. Voß , Georg , de versibus anapaesticis Plautinis. Lipsiae 

1881. 4. no. 447. 

B. Academica und Dissertationen 1880 — 81. 
Berlin. 456. Vahkn, Job., Emendationes CatuUianae. Berlin 

1882. 4. 8 p. Ind. lectt. 

Bonn. 457. Lübbert , Ed. , Originum Eliacarum capita selecta. 
Bonn 1882. 4. 14 p. 

Erlangen. 458. Luchs, Aug., Emendationum Livianarum par- 
ticula prima. Erlangen 1881. 4. 

459. Jlanayiuigytog, ^ Avdgiag ., ngayfiania nsgt rwv gtj/nanxwy 
iniS^iitav „liog , ncc, Ttfj , ziov , not, nca, uu, tnüv, liovg, nag nag' inra 
xal itxoci noitiTfüg zf xal mColg avyygarfivßtp. 'A^yivriciv 1880. 100 p. 

460. n oXixTj g, N, r,, (ffj/uujdiig juiTfbjgoXoyixol uvd^oi. 'Ef Ad-i^vatg 
1880. 8. 50 p. {^ Anöcnaofxa ix tov Tlciovaacov). 

461. Preuß , Sigismund , de bimembris dissoluti apud scriptores 
Romanos usu sollemni particula prior. Edenkoben 1881. 4. 

Göttingen. 462. Peters, Guil., observationes ad P. OvidüNa- 
souis Heroidum epistolas. Lipsiae 1882. 8. 74 p. 

Greifs wald. 463. Wilamowiiz-Möllendorff, U. de, de Euripidis 

Heraclidis commentatiuncula. Gryphiswaldiae 1882. 4. 16 p. 



236 Bibliographie. Nr. 5. 

464. Kunert, Rud., quae inter Clitophontem dialogum etPlatonis 
rempublicam intercedat necessitudo. Greifswald 1881. 8. 37 p. 

465. Richter, Rieh., de epitapbii qui sub Lysiae nomine fertur 
genere dicendi. Greifswald 1881. 8. 35 p. 

466. Stehfen, Henricus, de Spartanorum re militari. Greifswald 
1881. 8. 31 p. 

467. Warnkroß, Max., de paroemiographis capita duo. Greifs-,, 
wald 1881. 8. 62 p. ' 

Halle. 468. Keil, Henr., de libris mss. Catonis de agricultura. 
Halae 1882. • 4. 12 p. 

Jena. 469. Aristotelis Politicorum liber primus ex rec. M. 
Schmidt. Jena 1882. 4. 21 p. 

Königsberg. 470. Jordan , Henr. , Vindiciae sermonis Latini 
antiquissimi. Regiinontii 1882. 4. Ind. lectt. 

471. Apollinarii metaphrasis psalmorum VI — VIII ab Arthurio 
Ludwich edita Königsberg 1881. 4. Progr. acad. 

472. Arnold, Franz, Quaestionum de fontibus Appiani specimen. 
Regimonti 1882. 8. 30 p. 

473. Fischer, Rieh., Quaestionum de praetoribus Atticis saeculi 
quinti et quarti a Chr. n. specimen. Regimonti 1881. 8. 47 p. 

474. Hecht, Maximil. , Quaestiones Homericae. Regimonti 1882. 
8. 29 p. 

475. Kohilinski, Georg de. De ^/ YvocaliumapudHomerum men- 
sura Caput I. Regimonti 1882. 8. 30 p. 

476. Nietzki, Maxim. , de Thucydideae elocutionis proprietate 
quadam unde ducta quomodo exculta quatenus imitando efficta sit. 
Regimonti 1881. 8. 68 p. 

Leipzig. 477. Barth, Paul, de infinitivi apud scaenicos poetas 
Latinos usu. Lipsiae 1881. 8. 66 p. 

478. Breska , Adolf von, Untersuchungen über die quellen des 
Polybius im dritten buche. Leipzig 1880. 8. 

479. Ewald, Paul, der einfluß der stoisch-ciceronischen moral auf 
die darstellung der ethik bei Ambrosius. Leipzig 1881. 8. 88 p. 

480. Kaelker , Fridr. , quaestiones de elocutione Polybiana cum 
epimetro de hiatu in libris Diodori Siculi. Lipsiae 1880. 8. 

481. Kanakis , Ilarion , üionysius der Areopagite nach seinem 
Charakter als philosoph dargestellt. Leipzig 1881. 8. 

482. Koetschau, Paulus, de M. Tullii Ciceronis oratione in toga 
Candida habita. Lipsiae 1880. 8. 43 p. 

483. Lorentz, Balduinus, de amicorum in Ovidii Tristibus per- 
sonis. Lipsiae 1881. 8. 52 p. 

484. Maaßen, Hedde, de littera Vv Graecorum paragogica quae-' 
stiones epigraphicae. Lipsiae 1881. 8. 

485. Noethe, Henricus, de pugna Marathonia quaestiones. Susati 
1881. 8. 71 p. 

486. Schwabe, Ern. , quaestiones de scholiorum Thucydideorum 
fontibus. Lipsiae 1881. 8. (Leipziger studien III, p. 65—150). 

487. Smith , Charles Forster , a study of Plutarch's life of Arta- 
xerxes with especial reference to the sources. Leipzig 1881. 8. 56^ 

488. Warncke, Pedro , de Dativo pluralis Graeco. Lipsiae 188^ 
8. 64 p. 

Marburg, 489. Caesar, Julius, orationes duas promotorias a se 
habitas proposuit. Marburg 1882. 4. (Ueber die ursprüngliche form 
der aristophanischen dramen. — Ueber auftact). 

Münster. 490. Langen, Peter, analectorum Plautinorum par- 
ticula I. Münster 1882. 4. 13 p. 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 237 

Kleine philologisrhe zeitung. 

Berlin, 18. febr. (Pergamon). — Das letzte heft (das erste 
des dritten Jahrganges) vom Jahrbuch der königl. preußischen 
kunstsammlungeu enthält außer anderen interessanten abhand- 
lungen auch den zweiten officiellen bericht über die ausgrabun- 
gen zu Pergamon. Zunächst erzählt der leiter der Unternehmung, 
Karl Humann, in gewohnter frische den verlauf der arbeiten in 
dieser zweiten campagne, und giebt zur erläuterung eine ansieht 
der bürg mit der noch umlaufenden türkischen mauer , welche 
von ihm abgebrochen wurde, sowie einen vortrefflichen plan der 
burgkrone im maßstabe von 1 zu 2500. Durch verschiedene 
färben werden die arbeiten der ersten und der zweiten campagne, 
antikes und späteres mauerwerk von einander unterschieden. 
Durch ein netz in kleinen quadraten sich kreuzender linien wird 
es ermöglicht , jeden , auch den kleinsten fleck auf dem gipfel 
der bürg genau zu bestimmen. Ueber die statuarischen funde 
haben wir bereits in no. 329 (1881) dieser blätter alles wesent- 
liche mitgetheilt; neu ist, daß zwei Athena - statuen gefunden 
wurden, und zwar die eine kolossal, gegen drei meter hoch, die 
andere immer noch reichlich überlebensgroß , beide auf attische 
originale des fünften Jahrhunderts zurückgehend ; an inschriften 
und bruchstücken von solchen fand man 198, die jedoch nicht 
alle in das Berliner museum übergeführt werden. Das haupt- 
interesse nimmt der zweite theil des berichts in ansprach: Bohn 
bespricht die architektonischen funde und giebt ganz neue auf- 
schlüsse über die gesammten anlagen auf der bürg. Drei große 
terrassen sind es , mit denen der westliche theil der pergameni- 
schen burgkrone sich nach Süden senkt, auf der untersten stand 
der große altar, auf der obersten der schon in der ersten cam- 
pagne ausgegrabene tempel des Augustus, die mittlere trug den 
alten tempel der Athena einer seite und war auf zwei anderen 
von einer zweischossigen halle umgeben. Deren Obergeschoß 
ward durch eine offene säulengallerie gebildet, zwischen denen 
als brüstung reliefplatten mit Waffendarstellungen angebracht 
waren. Von diesen platten , welche mit ihrem schmuck eine 
ganze encyklopädie des antiken waffenwerkes bilden, besitzen wir 
20; sie sind großentheils bereits gereinigt und im Berliner mu- 
seum ausgestellt. Die photolithographische nachbildung einer 
solchen ist unserem hefte beigegeben. Sie ist besonders dadurch 
bemerkenswerthj daß sie unter anderem einen visirhelm mit völ- 
liger gesichtsmaske enthält. Doch ist die photolithographie sehr 
blaß ausgefallen. Bohns bericht ist eine aufnähme der mittleren 
terrasse, eine reconstruction derselben im vollen schmuck ihrer 
baulichkeiten und statuen, plane des Athena - tempels sind der 
zweigeschossigen halle beigegeben. An dritter stelle berichtet 
Conze über die funde an inschriften und statuen. Wir schließen 



238 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

mit Humanns worten , denen wir aufs lebhafteste zustimmen : 
„liegen noch immer reste der gigantomachie in Pergamon? Wahr- 
scheinlich. Sind noch andere kunstschätze dort verborgen? Si- 
cherlich. Werden wir wieder dort graben? Ich hoflfe es." — 
Augsb. allg. Ztg. beil zu nr. 52. 

Berlin. (Der Parthenon). Seit am anfang dieses Jahrhun- 
derts durch das noch heute mustergültige werk von Stuart und 
Eewett die noch erhaltenen antiken bauten Athens dem west- 
lichen Europa genauer bekannt wurden, trat der Parthenon, der 
haupttempel der Athene auf der akropolis der Stadt, sofort in 
den mittelpunct des interesses, und dieses interesse hat sich nur 
noch gesteigert, je mehr griechische tempel ausgegraben und 
genau gemessen und gezeichnet wurden. Eine solche Vollendung 
ist dem ganzen, wie jedem einzelnen theile gegeben, in solcher 
harmonie steht die plastische ausschmückung mit der architektur, 
während in Olympia am großen Zeustempel die ausführung der 
bildhauerarbeiten weit hinter der composition derselben steht und 
auch das bauwerk als solches nicht dem attischen tempel gleich 
kommt. Aus dieser, so zu sagen, einzigkeit des Parthenon er- 
klärt es sich , daß künstler und gelehrte sich mit Vorliebe mit 
ihm beschäftigen. Denn leider ist das gebäude einer großen 
Zerstörung ausgesetzt gewesen; von den Veränderungen zu schwei- 
gen , welche es trafen , als es aus einem tempel der Jungfrau 
Athene zu einer byzantischen kirche der Jungfrau Maria , und 
später aus einer christlichen kirche in eine moschee umgewandelt 
wurde, kam das hauptunglück doch erst im ausgange des 17. 
Jahrhunderts , als der Venetianer Morosini Athen belagerte und 
beschoß. Das feste haus war türkisches pulvermagazin geworden, 
und wurde durch eine hineinfallende bombe mitten auseinander 
gerissen, so daß vollständig nur noch die Westseite stehen blieb, 
von der ostseite nur eine Säulenreihe, das mittelstück aber sehr 
zerstört wurde, obwohl die kolossalen marmorblöcke, die mit der 
vollendetsten technik aneinandergefügt waren, auch hier noch 
bedeutenden widerstand leisteten. So klar nun auch die äußere 
gestalt des großen tempels vor uns steht, so blieben doch über 
die innere einrichtung bei der großen Zerstörung mannichfache 
zweifei übrig, die von verschiedenen auf verschiedene weise ge- 
löst wurden. Am genauesten vermessen und am wahrschein- 
lichsten restaurirt wurde der Parthenon von dem Engländer 
Penrose ; in mehrfacher hinsieht abweichend von dem Verfasser 
der epochemachenden „tektouik der Hellenen", von Bötticher. 
So hohe Verdienste dieser gelehrte um das verständniß der hel- 
lenischen architektur und der gesammten hellenischen Ornamentik 
hat, so hinderte ihn doch ein allzu logisches streben nach Unter- 
scheidungen und nach classificirungen der bauwerke, der unbe- 
wußte wünsch seine eigenen constructionen in ihnen wiederzu- 
finden, zuweilen an der unbefangenen beobachtung des geschieht- 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 239 

lieh gegebenen; dieser fehler machte sich auch bei seiner be- 
trachtung des Parthenon geltend. Es ist bekannt , daß in die- 
sem tempel der schätz der Athene, sowie geräthe für festzüge 
aufbewahrt wurden ; Bötticher nahm nun an, daß der ganze tem- 
pel nur als schatzhaus gebaut war und dem religiösen cult der 
Athene gar nicht diente, diese annähme führte ihn zu mehrfa- 
chen irrthümern; der tempel ist durch eine quermauer in zwei 
hälften, eine größere, in welcher das goldelfenbeinbild der göttin 
stand, und eine kleinere getheilt; um nun die einheit des tem- 
pels als schatzhaus zu wahren, nahm Bötticher an, daß die tren- 
nende Zwischenmauer schon im alterthume durch zwei seiten- 
thüren durchbrochen war; aus dieser annähme folgte ihm wie- 
derum, daß das bild der göttin direct an der mitte der rück- 
wand in einer art von nische stand ; um endlich im hauptraume 
mehr platz für weihgeschenke u. s. w. zu gewinnen , nahm er 
über den inneren Säulenreihen ein Obergeschoß an. Da diese 
mit vieler gelehrsamkeit begründete reconstruction Böttichers in 
die meisten werke der architekturgeschichte übergegangen ist, 
so verdient eine Widerlegung derselben die größte beachtung. 
Eine solche, unseres erachtens vollständig gelungene, hat aber 
der von Olympia her bekannte architekt Dörpfeld in dem soeben 
erschienenen (dritten) hefte des sechsten Jahrgangs der mitthei- 
lungen des deutschen archäologischen instituts zu Athen geliefert. 
Wir dürfen diese vorzügliche abhandlung als eine frucht der 
ausgrabungen von Olympia betrachten; denn durch diese ist der 
Zeustempel freigelegt und seine innere einrichtung zweifellos be- 
kannt geworden. Dabei fiel der bedeutende unterschied auf, 
welcher zwischen seinem cellagrundriß und der von Bötticher 
gegebenen reconstruction des Parthenon besteht; hier das große 
bild des Parthenon in einer geschlossenen nische an der rückwand 
der cella aufgestellt — dort das Zeusbild nach allen selten frei 
im mittelschiffe stehend. Man habe erwarten dürfen, daß Phi- 
dias seine beiden kolossalen goldelfenbeinstatuen , wenn auch 
nicht in gleicher , so doch wenigstens in ähnlicher weise aufge- 
stellt habe. Da nun in Olympia die disposition der cella so 
deutlich sei, so dränge sich die frage auf, ob nicht Bötticher 
bei seiner allen früheren aufnahmen widersprechenden restaura- 
tion des Parthenongrundrisses sich geirrt habe. Durch diese 
bedenken veranlaßt , unternahm Dörpfeld zu Athen eine genaue 
nachprüfung des grundrisses des Parthenon, speciell aller der 
puncte, welche Bötticher selbst als für seine reconstruction ent- 
scheidend bezeichnete, vor. Er kam dabei auf grund ganz si- 
cherer, rein technischer beobachtungen zu dem resultate, daß 
Böttichers reconstruction falsch sei. Ohne auf das detail dieser 
beobachtungen, welche übrigens Dörpfeld in einer auch dem 
laien vollkommen verständlichen weise dargestellt hat, einzugehen, 
heben wir nur die resultate dieser feinen Untersuchung hervor: 



240 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

1) die beiden von Bötticher angenommenen seitlichen thüren in 
der westwand der cella stammen aus byzantinischer zeit, 2) an 
stelle der von Bötticher angenommenen bildnische ist ein hin- 
terer Säulengang (querstoa) zu restauriren, 3) die Parthenos stand 
weiter nach osten auf dem von Bötticher als bema bezeichneten 
unterbau, 4) die gewöhnliche bezeichnung der einzelnen räume 
des tempels ist nicht richtig, vielmehr sind für die vier haupt- 
räume des tempels die vier in den Inschriften vorkommenden 
namen zu setzen, und die östliche vorhalle als pronaos, der län- 
gere innenraum, die eigentliche cella als hekatompedos, das hin- 
tere gemach als parthenon, die westliche Säulenhalle als opi- 
sthodom zu bezeichnen. Da der parthenon in seiner art eine ganz 
einzige erscheinung, vielleicht auch das in sich vollkommenste 
bauwerk der erde ist, so beansprucht jede auf ihn gerichtete 
Untersuchung doppelte beachtung, und wir können die klare und 
lehrreiche abhandlung Dörpfelds allen auf das wärmste empfehlen, 
welche für die hellenische baukunst ein Interesse haben. — Augsb. 
allg. ztg. beil. zu nr. 61. 

Rom, 7. märz. Eine bedeutende archäologische entdeckung 
scheint in Eom bevorzustehen. Der docent an der hiesigen Uni- 
versität und vicebibliothekar der Alexandrina , professor Con- 
stantinMaes, kündigt an, daß er die hoffnung habe, in der nähe 
der kirche S. Luigi dei Francesi , einen Obelisken aufzufinden. 
In einem von ihm in der Alexandrinischen bibliothek aufgefun- 
denen seltenen buche , betitelt : „II Mercurio errante delle gran- 
dezze di Roma, von Pietro Rossini, Eom 1693," ist unter anderen 
merkwürdigkeiten auch eine ,,spitzsäule (guglia) unter der erde 
nahe bei San Luigi dei Francesi" erwähnt und dazu folgende 
nähere angäbe gemacht: ,, diese ist gleichfalls eine der größten, 
mit den oben beschriebenen Charakteren (hieroglyphen) geziert 
und liegt ganz unter der erde , und zwar quer zur straße zwi- 
schen dem palaste des fürsten Giustiniani und dem des signor 
Patritii. Ich sah sie bei gelegenheit einer ausbesserung der 
Wasserleitung für die fontaine der piazza Navona, welche dort 
entlang läuft." Daß nicht an eine Verwechselung mit dem nach 
sante Bartoli (Memoire no. 103) am fuße des „Monte Citatorio" 
gefundenen , jetzt auf dem platze von Montecitorio stehenden 
Obelisken des Marsfeldes zu denken ist, geht daraus hervor, 
daß der „Mercurio errante (III, 72) ausdrücklich auch von die- 
sem spricht. Nach der volkstradition soll in jener gegend eine 
mit bildwerken bedeckte antike säule, ähnlich der Trajans- und 
der Marc-Aurel-säule, sich befunden haben, was leicht auf eine 
Verwechselung mit dem obelisken beruhen könnte. Hoffentlich 
bringen nachgrabungen bald gewißheit über die wichtige frage. 
— Augsb. allg. ztg. beil. zu nr. 70, no. 75. 

Rom, 10. märz. In Pompeji hat man beim wegräumen der 
Schutthaufen südlich von der Abbondanza - straße außer einer 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 241 

menge von amphoren mit aufschritten, sowie über dreißig schön 
bemalten trinkschalen , auch die Überreste von zwei umgekom- 
meneu gefunden und zum ersten male die bekannten gypsab- 
güsse des dortigen localmuseums um diejenigen eines kindes be- 
reichern können. Dasselbe ist, nebst einer frau, vielleicht seiner 
mutter, in der gasse zwischen der fünften und sechsten insula 
der achten region umgekommen. Beide haben in der richtung 
nach dem stadtthore zu fliehen wollen und sind von dem bim- 
stein- und aschenregen begraben worden. Die form des körpers 
des kindes, welches etwa zehn jähre alt gewesen zu sein scheint 
und, mit dem antlitz gegen die frau gewendet, auf der linken 
Seite lag, ist bis auf die linke seite des kopfes in der asche 
vollkommen gut erhalten worden, so daß sie nach dem von Fio- 
relli erfundenen verfahren durch eingießen flüssigen gypses re- 
producirt werden konnte. Das kind war nur mit der kurzen 
ärmellosen gegürteten tunica bekleidet, in welche der rechte ge- 
gen die brüst gedrückte arm eingehüllt war, während der linke 
gegen den mund erhoben ist, offenbar in der absieht, denselben 
gegen das eindringen der asche zu schützen. Die beine sind 
gegen den leib heraufgezogen ; die fuße waren nackt. Neben 
dem skelett der frau hat man zwei gut gearbeitete goldene arm- 
bänder , sowie zwei goldene fiugerringe gefunden, den einen mit 
einem amethyst, auf den ein Mercur mit Caduceus, den anderen 
mit einem smaragd , auf dem ein füllhorn gravirt ist. Beide 
personen lagen ungefähr vier meter über dem Straßenpflaster, 
haben also offenbar erst spät sich zur flucht entschlossen , die 
ihnen nicht mehr gelingen sollte. — Augsb. allg. ztg beil. zu 
nr. 74. 

Rom, 18. märz. (Archivio di Giacomo Leopardi.) Das ,,Di- 
ritto" berichtet: professor Mommsen, welcher sich in den Marken 
befindet , um die römischen Inschriften in Piceno zu sammeln, 
hat das haus Leopardi's besucht, an der treppe die bekannte 
griechische Inschrift geprüft, welche fälschlich dem dichter zu- 
geschrieben ist und ihre authenticität erkannt. Er machte dann 
der familie Leopardi den Vorschlag, in einem an die bibliothek 
anstoßenden saal die autographen Giacomo Leopardi's , alle auf 
denselben bezüglichen Schriften und alle ausgaben seiner werke 
zusammenzustellen. Der Vorschlag des berühmten geschichts- 
schreibers wurde als sachgemäß anerkannt und sofort in aus- 
führung gebracht. Um sich über alle italienischen und auswär- 
tigen publicationen , und auch die Zeitungsartikel , welche sich 
auf Leopardi beziehen , auf dem laufenden zu erhalten , wendet 
sich nun der repräsentant der familie an die herausgeber und 
Verfasser mit der bitte , ihm von solchen nachricht zu geben. 
Wer Schriften dieser art gütigerweise als geschenk anbietet, 
werde dafür als zeichen der dankbarkeit ein Ricardo di Leopardi 
(andenken an Leopardi) erhalten. Um Verwechslungen mit der 

Philol. Anz. XII. 17 



242 Kleine philologische zeitung. Nr. 5, 

neuen Leopardi-bibliothek der stadt Recanati zu vermeiden, sind 
die erbetenen Zusendungen an „Giacomo Leopardi in Recanati" 
zu adressiren. — Augsb. allg. ztg. beil. zu nr. 85. 

Wien, 15. april. In den letzten tagen hat sich von hier 
eine wissenschaftliche expedition nach Kleinasieu begeben. Die 
vorjährige reise der professoren Benndorf und Niemann und des 
dr. V. Luschan nach Lykien und Karlen — als fortsetzung der 
unter dem früheren unterrichtsminister v. Stremayr mit den Un- 
tersuchungen auf Samothrake so erfolgreich begonnenen öster- 
reichischen archäologischen expeditionen von dessen amtsnach- 
folger frhrn. v. Conrad bereitwilligst gewährt und von dem da- 
maligen k. u. k. minister des äußeren, frhrn. v. Haymerle, auf 
das eifrigste und wahrhaft kunstbegeistert unterstützt — hatte 
das Vorhandensein zweier antiker bauwerke constatirt, deren ge- 
nauere erforschung im Interesse der Wissenschaft und kunst wün- 
schenswerth erschien. Das auf veranlassung des hofraths von 
Eitelberger eingeholte votum eines kreises von fachmännern sprach 
sich auf grund einer denkschrift des professors Benndorf und 
photographischer aufnahmen entschieden für die Verfolgung und, 
soweit möglich , ausbeutung der gemachten entdeckungen aus, 
und am 29. dec. v. j. trat eine gesellschaft von kunstfreunden 
zusammen, welche sich die archäologische erforschung Kleinasiens 
zur aufgäbe gemacht und zunächst eine zweite expedition nach 
den im Vorjahre berührten gegenden veranstaltet hat. Die ge- 
sellschaft besteht unter dem präsidium sr. excellenz des grafen 
Edmund Zichy und des reichsrathsabgeordneten Nikolaus Dumba, 
aus den zwei ehrenmitgliedern , sr. durchlaucht dem regierenden 
fürsten Johannes Liechtenstein und baron Marco Morpurgo, Prä- 
sidenten der k. k. priv. dampfschiffahrtsgesellschaft des österrei- 
chisch-ungarischen Lloyd, aus einem leitenden comite, zusammen- 
gesetzt aus den ministerialrath frhrn. v. Andrian, professor Benn- 
dorf, reg.-rath Bucher, hofrath v. Eitelberger, hofrath ritter v. 
Hochstetter, professor Kundmann, graf Karl Lanckoronski , A. 
ritter v. Lanna , frhrn. Alexander v. Warsberg, graf Clemens 
Westpfahlen, professor Zumbusch. In großmüthiger weise unter- 
stützt von sr. kaiserl. hoheit erzherzog Rainer, sr. durchlaucht 
dem regierenden fürsten von Liechtenstein , den freiherren Al- 
bert und Nathaniel v. Rothschild und v. Leitenberger , ritter v. 
Dräsche und einem ungenannten herrn, wurde es der gesellschaft 
möglich, in kürzester zeit die für das unternehmen erforderlichen 
mittel aufzubringen. Und nachdem se. maj. der kaiser, um die 
zu erwerbenden kunstgegenstände der stadt Wien zu sichern 
und dem Studium zugänglich zu erhalten , allergnädigst geruht 
hatte, deren aufnähme in die Sammlungen des allerhöchsten kai- 
serhauses zu gestatten, konnte unverzüglich die Vorbereitung der 
expedition in angriff genommen, und dieselbe , dank vielseitiger, 
kräftigster förderung, bereits in diesem frühjahr ins werk gesetzt 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 243 

werden. Es ist hier vor allem der warmen Vertretung der In- 
teressen der gesellschaft seitens ihrer excellenzen des ministers 
des auswärtigen, graten Kalnoky, des sectionschefs v. Kallay 
und des k. k. botschafters , frhrn. v. Calice , welcher unter an- 
derem auch die ungewöhnlich schleunige ausfertigung eines kai- 
serlich osmanischen fermans zu danken ist, dann des k. k. 
marine-commandanten und viceadmirals, excellenz frhrn. v. Pöck, 
welcher im einverstäudnisse mit dem k. k. hotschafter in Kon- 
stantinopel das dortige k. k. Stationsschiff „Taurus'- der expedi- 
tion beiordnete , und ebenso des k. und k. reichskriegsministe- 
riums, welches einen feuerwerker und vier geniesoldaten zu Ver- 
fügung stellte, zu gedenken ; und ferner die umfassende und in 
wohlwollendster weise gebotene hülfeleistung des österreichisch- 
ungarischen Lloyd, das fördernde entgegenkommen der südbahn- 
gesellschaft, der Wiener baugesellschaft, des baron Julius Schwartz, 
Kahl und comp, in Krondorf, G. Mattoni hervorzuheben. Hof- 
photograph W. Burger stattete die expedition mit einem photo- 
graphischen apparate aus , professor Kiepert in Berlin überließ 
die betreffenden sectionen seiner noch nicht publicirten neuen 
karte von Kleinasien, und dr. Humann in Smyrna lieh durch 
seinen erfahrenen rath der neuen , wie der vorjährigen expedi- 
tion werthvolle hülfe. Ihnen allen gebührt der lebhafteste dank, 
woran sich schließlich auch die hoffuung knüpfen darf, daß diese 
edlen beispiele ihre fortsetzung in anderen freiwilligen beitragen 
zur Unterstützung dieses Unternehmens finden werden , das sich 
ebenso sehr einen patriotischen als einen wissenschaftlichen zweck 
gesetzt hat , die seit langem emfindliche lücke an antiken bild- 
werken in den Wiener kunstsammlungen auszufüllen. Sobald 
das unternehmen gesichert war, richtete sich das augenmerk der 
gesellschaft darauf, diese gelegenheit zu forschungen und Studien 
in umfassender weise auszunützen, und da das k. k. ministerium 
für cultus und Unterricht und das oberstkämmerer-amt auf den 
gedanken eingingen, jüngere kunstgelehrte und einen geologen 
die reise mitmachen zu lassen, setzt sich nunmehr die expedition 
aus folgenden mitgliedern zusammen : dr. Otto Benndorf, professor 
der archäologie an der Universität Wien ; dr. Eugen Petersen, 
professor der archäologie an der Universität Prag; George Nie- 
mann, architekt, professor an der academie der bildenden künste 
in Wien-, dr. med, Felix Ritter v. Luschan, docent an der Uni- 
versität Wien ; dr. phil. Rob. Schneider , custosadjunct an den 
kunstsammlungen des allerhöchsten kaiserhauses ; dr. phil. Ema- 
nuel Lockroy in Wien-, dr. phil. Franz Studnicka in Prag; dr. 
phil. Emil Tietze, beamter der geologischen reichsanstalt Wien ; 
Gabriel Knaff 1 , ritter von Johnsdorf, Ingenieur in Wien. Der 
verschiedenartig wissenschaftliche character dieser activen theil- 
nehmer der expedition bezeichnet auch , wie vielseitig die von 
dem unternehmen angestrebten zwecke sind. Am 20. april ge- 

17* 



244 Kleine philologisclie zeitung. Nr. 5. 

denken die reisenden von Smyrna aus in das innere Kleinasiens 
einzudringen. Wir werden nicht ermangeln , wie über die för- 
derung , welche das unternehmen hier durch anderweitige groß- 
müthige Unterstützung noch findet, so über dessen fortgang und 
erfolge auf jenen fernen Schauplätzen aus besten quellen zu be- 
richten. — Augsb, allg. ztg. nr. 111. 

Berlin, 16. april. Die Sitzungen der centraldirection des 
deutschen archäologischen Instituts , zu welchen die professoren 
Brunn aus München, Michaelis aus Straßburg, Kekule aus Bonn 
hieher gekommen waren , wurden gestern geschlossen. Es wur- 
den für die serienwerke des Instituts , die etruskischen urnen 
und Spiegel, die terracotten, die Sarkophage, die attischen karten, 
die nöthigen mittel bewilligt und die berichte der secretaire des 
römischen und des athenischen Instituts vorgelegt. Die wich- 
tigste angelegenheit war der beschluß, den architekten Dörpfeld 
für das Institut in Athen zu gewinnen. Zum Schlüsse wurden 
die reisestipendien vertheilt, zu welchen diesmal eine große an- 
zahl von bewerbungen eingelaufen waren. Ein junger gelehrter 
erhielt es zum zweiten male, dr. Puchstein , der jetzt in Kairo 
verweilt und die besondere aufgäbe verfolgt, die gebiete zu 
durchforschen, in denen griechische und aegyptische kunst ein- 
ander berühren. Ferner wurden die doctoren Pabricius, Wissowa, 
Dürr zu Stipendiaten des Instituts gewählt. Das Stipendium für 
christliche archäologie wurde dem licentiaten Nikolaus Müller 
verliehen. — Augsb. allg. ztg. nr. 109. 

Berlin, 16. april. Eine unscheinbare aber nicht unwichtige 
erwerbung hat die antiken-abtheilung des alten museums in dem 
„knaben von Tarent" gemacht, einer figur (wahrscheinlich grab- 
figur) aus kalkstein , die hohes Interesse durch die spuren von 
rother färbe gewinnt, welche sich am fleisch und anderwärts 
zeigen. Ebenfalls im antiquarium des alten museums im saale 
für die kleinbronzen und terracotten ist eine in der umgegend 
von Pompeji ausgegrabene bronzene doppelherme (jugendlicher 
satyr und satyrweibchen, die fröhlich vor sich hinlächelnd nach 
entgegengesetzten selten blicken) von sauberster ciselirarbeit zur 
aufstellung gekommen. Welche Sorgfalt im alterthume dem klei- 
nen kunsthandwerk zugewandt worden, erkennt man auch an dieser 
herme , die doch nichts als ein gitterpfosten war , vielleicht ein 
theil von der einfassuug eines jener kleinen Ziergärten, die man 
so häufig in den pompejanischen häusern antrifft. Beweis : die 
rechteckigen seitlichen durchbohrungen des Schaftes , welche of- 
fenbar die querstäbe des gitters aufzunehmen bestimmt waren, 
und die unter dem fuße des pfeilers eingravirte zahl XIII, die 
anzudeuten scheint, daß unser stück das dreizehnte in einer reihe 
von pfosten war. In der abtheilung der gypsabgüsse im neuen 
museum ist die herrliche Samothrakische Nike (aus dem Louvre) 
wieder aufgestellt worden, neu ergänzt durch fast einen ganzen 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 245 

flügel, ein stück des Oberkörpers (hals und armtheil) , ein fuß- 
stück u. s. w. Ferner sei der köpf einer höre aus Frascati 
erwähnt und der torso eines an die Pergamener erinnernden 
gestürzten giganten. Im kuppelsaal ist auf die brunnenmündung 
mit dem relief „geburt der Athena" (Madrid) eine Athena nach 
der tempelstatue des Phidias aus dem Parthenon gesetzt worden, 
während in dem schrank für kleinere gypsabgüsse ein köpfchen, 
sowie band- und armfragment der Aphrodite von Milos (Paris) 
gelegt sind. — Augsb. allg. ztg. beil. zu ur. 111. 

Prag, 21. april. Die „Times" enthält einen höchst beach- 
tenswerthen artikel aus Rom, d. d. 6. april, über das pantheon. 
Man behauptet bekanntlich, das pantheon repräsentire als unicum 
eine dritte art römischer rundtempel (nämlich ohne umgebenden 
säulenkranz), welche zwar die vollendetste sei, dennoch aber auf- 
fallenderweise von Vitruvius gar nicht erwähnt werde. Schon 
die einrichtung, daß in das eigentliche heiligthum nicht etwa 
mehrere stufen hinaufführen , sondern daß man zwar zur ein- 
gangssäulenhalle drei stufen hinaufsteigt, dann aber wieder in 
das eigentliche heiligthum (die cella) 20 zoll abwärts geht, ist 
eine abweichung von allen übrigen heiligen gebäuden der Römer 
und muß den gedanken an eine ursprünglich andere bestimmung 
des gebäudes und nachträgliche adoptirung für einen tempel 
nahelegen. Nun hat denn auch bereits im jähre 1834 ein 
geistreicher römischer architekt und archäologe , Stefano Piale, 
die vermuthung aufgestellt , daß das pantheon ursprünglich von 
Valerius Ostiersis bestimmt gewesen sei , einen bestandtheil der 
thermen des Agrippa auszumachen, imd zwar das laconicum oder 
Schwitzbad. Diese anschauung ist durch die neuesten ausgra- 
bungen in den Caracallischen thermen auf das evidenteste be- 
stätigt worden. Man hat daselbst eine bis in detail gleichartige 
riesige rundhalle ausgegraben, welche nach allgemeiner Überzeu- 
gung der archäologen als laconicum diente. Nehmen wir die 
vor den einzelnen nischen des pantheons stehenden säulen weg 
und bringen wir die verschiedeneu runden nischen (welche der 
abwechselung halber zwischen den viereckigen hergestellt wur- 
den) in ihre ursprüngliche viereckige gestalt zurück , so haben 
wir eine identität der ursprünglichen anläge des pantheon mit 
der anläge des Caracallischen laconicums, wie sie eclatanter sich 
kaum denken läßt. Es ist dies in der erwähnten Times-nummer 
durch beifügung der grundrisse des pantheons und jenes laconi- 
cums anschaulich gemacht, der einzige sehr stichhaltige einwand, 
den man bisher der Piale'schen hypothese entgegenhielt, daß es 
undenkbar sei, ein so kolossales rundgebäude bis zu der tempe- 
ratur zu heizen, welche doch von einem laconicum ausdrücklich 
verlangt wird , auch dieser ist durch eine entdeckung wegge- 
räumt, welche, wie der Verfasser des Times-artikels mit recht 
sagt, einigermaßen dem ei des Columbus gleicht. Man hat näm- 



246 Kleine philologisclie zeitung. Nr. 5. 

lieh, analog den factischen ausgrabungsfunden in den Caracalla- 
thermen nicht bloß einen, sondern mindestens ein halbes dutzend 
großer öfen anzunehmen, welche, wenn sie geheizt wurden, eine 
afrikanische hitze hervorbringen mußten. Sie waren an der au- 
ßenwand des kreisförmigen saales, hinter den nischen und etwas 
tiefer als diese ; von ihnen verbreitete sich die heiße luft in das 
unter dem boden und in den wänden befindliche System thönerner 
röhren. Wem die hitze zu stark war, der konnte ganz nach 
seinem belieben weiter gegen die mitte des saales rücken , wo 
natürlich die niederste temperatur war-, außerdem konnte die 
wärme durch die bereits von Vitruvius angegebene Vorrichtung 
an der Öffnung der kuppel regulirt werden. Es erübrigt nur 
noch beizufügen, daß die einrichtung des nun ausgegrabenen 
laconicums der Caracallathermen und des pantheons vor seiner 
Umwandlung zum tempel aufs beste der Schilderung Vitruvs 
entspricht, während man bisher, wie ein blick in die illustrirten 
handbücher über römische alterthümer zeigt , durchaus im un- 
klaren gewesen ist. Augsb. allg. ztg. no. 116, beilage. 

Berlin, 24. april. In der anthropologischen gesellschaft 
wurden vorgestern briefe des ehrenmitgliedes dr. H. Schliemann 
mitgetheilt, welcher seit anfang märz die ausgrabungen in der 
Troas wieder im großartigsten maßstabe aufgenommen hat. 
Unter den seiner forschuug unterzogenen angriffspuncten befindet 
sich eine reihe von örtlichkeiten, welche Ilium novum angehören, 
und bei denen unsere archäologen besondere funde alter sculptur 
vermuthet haben ; ferner der alte burgplatz und die älteste stadt. 
Die ausgrabvmg des theaters hat bereits begonnen und vier 
Säulen von syenit, sowie ein großes capitäl von carrarischem 
marmor sind gefunden worden. Auch die grabhügel des Achilles 
und Patroclus sind bereits durch schachte in angrifi genommen, 
und dabei constatirt worden , daß die gegen ende vorigen Jahr- 
hunderts von dem damaligen botschafter Frankreichs bei der 
Pforte, grafen Choiseul, ausgeführte Untersuchung einen irrthüm- 
lichen bericht geliefert hat. Dr. Schliemann glaubt nach der 
menge und art der aufgefundenen keramischen reste, welche ar- 
chaisch-hellenischen Ursprungs sind, die errichtung des Achilles- 
hügels auf das jähr 900 v. Chr , also etwa auf die zeit Homers, 
ansetzen zu dürfen. Aus der dritten stadt — also aus derje- 
nigen, die für Troja gehalten wird — sandte Dr. Schliemann 
die abbildung eines in neun meter tiefe gefundenen gefäßes. — 
Augsb. allg. ztg. no. 117. 

Eeichsanz. nr. 98 : eine genauere angäbe des Inhalts der 
geschichte der kunst von Perrot u. Chipiez, übersetzt von dr. Ri- 
chard Pietschmann (Leipzig, Brockhaus). 

Aus Rom wird geschrieben : die jüngst wieder aufgenom- 
menen ausgrabungen am römischen forum, welche die 
zwischen den kirchen San Loremo in miranda und 5. Maria li. 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 247 

beratrice befindliche erdwand wegzuräumen zur aufgäbe haben, 
lieferten bisher nichts von dem , was man dort zu finden hoffte 
(konsularf asten und den fabierbogen), führten dagegen zur ent- 
deckung eines fragments des römischen Stadtplans. Dieser schon 
an sich höchst wichtige fund wird dadurch noch werthvoller, 
daß das neugewonnene fragment einen punkt der stadt Kom be- 
trifft, dessen topographische einzelheiten noch manchem zweifei 
unterworfen waren. Soweit sich nämlich jetzt bevirtheilen läßt, 
enthält das fragment einen theil der Umgebungen des Kastor- 
tempels , also gerade die gegend des römischen forums , welche 
heute frei gelegt wird. Eeichsanz. nr. 100, 

Göttingen, 15. mai. Wie wir in der ,,Köln. ztg." lesen, hat 
der unterrichtsminister die einführung der neuen lehrpläne 
für die höheren schulen mit einer an die schulbehörden , direc- 
toren und lehrer gerichteten circularverfügung begleitet , worin 
es heißt, nachdem die in den gymnasieja seit der im jähre 1856 
getroffenen änderuug des lehrplans als übelstände empfundenen 
anordnungen des Sprachunterrichts und die lehrpläne der andern 
hierher gehörigen austalten gewürdigt worden : ,,in anderer weise 
übt der namentlich in den letzten fünfzehn jähren in reißender 
Schnelligkeit gesteigerte zudrang zu den höheren schulen , ins- 
besondere den gymnasien, einen erschwerenden einfluß auf die 
erfolgreiche ertheilung des Unterrichts aus." Zur erläuterung 
dieses satzes werden folgende zahlen augeführt. Im jähre 1868 
bestanden im preußischen Staate 197 gymnasien, 172 höhere 
schulen der verschiedenen kategorien, zusammen 368-, im jähre 
1880 war die zahl der gymnasien auf 249, die der höheren 
schulen überhaupt auf 489 gestiegen. Im jähre 1868 kam ein 
gymnasialschüler in Preußen auf 427, ein schüler der höheren 
schulen überhaupt auf 266 köpfe der bevölkerung; im jähre 
1880 war das verhältniß der gymnasiasten 1 zu 362, das der 
schüler höherer schulen überhaupt 1 zu 215 (zur vergleichung 
kann dienen , daß gleichzeitig im königreich Sachsen das ver- 
hältniß 1 zu 624, bezw. 1 zu 281 war). Im jähre 1863 fan- 
den sich unter 144 gymnasien 29, also 20 pet. , mit einer 
frequenz (ungerechnet die vorscliulklassen) von mehr als 400 
Schülern, im jähre 1880 hatten unter 249 gymnasien 63, also 
26 pct. , eine frequenz von 400 bis 700 schülern. Dann fährt 
der minister fort : ,,wenn man selbst absieht von der frage , ob 
nicht mit dieser schnellen Vermehrung des besuchs der höheren 
schulen der procentsatz derjenigen schüler sich gesteigert hat, 
welche, für die aufgäbe derselben minder geeignet, eben dadurch 
zu einer hemmung des Unterrichts werden , so treten jedenfalls 
zwei momente von zweifellos erschwerendem einflusse hervor. 
Einerseits hat eine ansehnliche zahl unserer höheren schulen eine höhe 
der gesammtfrequenz erreicht, welche ihre gesunde entwickelung 
gefährdet .... Für den director ist es kaum erreichbar , daß 



248 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

er die gesammtheit der schüler nach betragen, fleiß und leistun- 
gen, geschweige denn nach ihrer individualität kenne und durch 
diese persönliche kenntniß erforderlichenfalls zweckmäßigen ein- 
fluß übe. Der große umfang des lehrercollegiums lockert das 
band unter seinen einzelnen gliedern , welches die unerläßliche 
und unersetzliche bedingung eines einheitlichen Zusammenwirkens 
ist. Die ganze schule kommt in die gefahr, einer großstadt 
darin ähnlich zu werden , daß die lehrer und schüler fast wie 
fremd an einander vorübergehen und die persönliche theilnahme 
der lehrer für die schüler auf ein verschwindendes maß herab- 
sinkt . . . Die lehrercollegien haben sich gegenwärtig zu halten, 
daß eine solche blos äußere erfüUung des berufs nicht blos die 
sittliche einwirkung des Unterrichts aufhebt, sondern dem schüler 
die arbeit verleidet und erschwert und daß dieselbe durch ein 
hinausgehen der schule über die ihr angemessenen dimensionen 
zwar erklärt, aber weder nothwendig veranlaßt wird, wie hoch- 
schätzbare beispiele des gegentheils beweisen, noch gerechtfertigt 
werden kann. Auch in diesem falle muß an die allgemein vor- 
handene gefahr erinnert werden, weil dieselbe unverkennbar zum 
theil bereits zur thatsache geworden ist. Als zweites erschwe- 
rendes moment wird angeführt, daß der bedarf an lehrerkräften 
dahin geführt hat, in der regel die schulamtscandidaten unmit- 
telbar nach dem bestehen der wissenschaftlichen prüfung „mit 
der beschäftigung und Verantwortlichkeit einer vollen lehrkraft" 
zu betrauen. „Die revision der lehrpläne hat wesentlich den 
zweck verfolgt, hindernisse zu beseitigen, welche in der lehrein- 
richtung der inneren schulen selbst den erfolgen ihres Unterrichts 
entgegenstehen; dagegen vermag dieselbe nicht, Schwierigkeiten 
zu lösen, welche aus anderen thatsächlichen Verhältnissen her- 
vorgehen." 

Meppen, 19. mai. Obgleich die lehrercollegien mit außer- 
ordentlicher schärfe gegen die sogenannten pennalverbindungen 
vorgehen und über die theilnehmer die härtesten strafen ver- 
hängen, gelingt es doch nicht, das Verbindungswesen auf den 
gymnasien zu unterdrücken. So ist hier , nachdem vor kurzem 
erst eine Verbindung entdeckt worden ist, abermals eine schüler- 
verbindung aufgelöst worden. Nur fünf schüler sind bei der 
kneiptafel in einem caflfeehause in der nachbarschaft abgefaßt 
und angezeigt worden. Das lehrercollegium hat die sogenannten 
chargirten der Verbindung, 3 schüler, von der anstalt verwiesen 
und die beiden anderen mit carcer und dem consilium abeundi 
belegt. — Solche und ähnliche berichte über schülerverbindungen 
an gymnasien treten uns immer häufiger aus allen gegenden des 
reichs entgegen und nirgends wird die darin liegende große ge- 
fahr anerkannt. Die bisher dagegen angewandten mittel erwei- 
sen sich als fruchtlos. Um wirksame gegenmittel zu finden, ist 
auf die gründe dieses Unwesens zurückzugehen. Einen der wichtig- 



Nr 5. Auszüge aus Zeitschriften. 249 

sten finden wir in der immer weitergehenden beschränkung des 
Unterrichts in den beiden klassischen sprachen. Denn jemehr 
man diese zurürücktreten läßt, in denen sich doch der frucht- 
barste same für das schöne, edle und erhabene birgt, desto mehr 
muß nothwendig in der Jugend der sinn für das niedere und 
gemeine platz greifen. Also vor allem verlangen wir Wiederein- 
setzung der alten sprachen in ihr recht. 

Aufruf. In Landsberg a/W. hat sich ein coniite gebildet, wel- 
ches dem hochc/eachteten ■philoloyen und littcrarhistoriker Gottfried 
Beruh a rdy eine gedenktafel zu errichten beabsichtigt. Dieselbe soll an 
seinem geburtshause in Landsberg Wollstraße no. 3 angebracht werden. 
Wir sind überzeugt, daß diese Idee bei all den zahlreichen freunden Bern- 
hardy's, dessen große Verdienste um die klassische pbilologie, sowie 
um die griechische und römische litteraturgeschichte allgemein aner- 
kannt sind, freudigen anklang finden wird. Beiträge sind an den 
Schatzmeister des comites herrn Hermann Schoenrock in Landsberg 
a. W. einzusenden. 

Auszüge aus zeitscbrifteii. 

Literarisches centralhlatt für Deutschland , herausgegeben von F. 
Zarncke, 1882. Nr. 11. Sp. 348: Gregorovius, Ferd., Athenais. Ge- 
schichte einer byzantinischen kaiserin. Leipzig 1882. 8. XI, 287 p. 5mk. 
Enthält eine fülle fesselnder Schilderungen von den politischen, socialen, 
kirchlichen zuständen des oströmischen reichs, die hauptfigur erscheint 
etwas legendenhaft in den nachrichten. H. H — t. — Sp. 360: Ap- 
piuni historia Romana. Edidit Ludov. Mendelssoh/i. Vol. II. Leipzig 

1881. VI, p. 565 — 1227. 4 mk. 50 pf. Der text ist im wesentlichen 
nach den handschriften der besseren classe constituirt, auf die Über- 
setzung des Candidus ist wohl zu viel gewicht gelegt. Der text ist 
mit großer vorsieht corrigirt. Die anmerkungen enthalten treffende 
emendationen. Einzelne bemerkungen und emendationen fügt derref. 
G. Z. zu. 

No 12. Sp. 388: Pauli Orosii historiarum adversum paganos li- 
bri VII accedit eiusdem über apologeticus. Recens. et comment. cri- 
tico instruxit Carolus Zangemeister. Wien 1882. 8. XXXIX, 817 p. 
16 mk. (Corpus scriptor. ecclesiast, Latinor. vol. V). Ausführliche 
lobende anzeige von F. R{iihl). — Sp. 403: Archimedis opera omnia 
cum commentariis Eudocii. E codice fiorentino rec. etc. J. L. Heiberg. 
Vol. III. Leipzig 1881. 8. LXXXIX, 525 p. 6 mk. Lobende anzeige 
von —z—r. 

üo. 13. Sp. 429: Ranke, Leop. von, Weltgeschichte. 2. theil. 
Die römische republik u. ihre Weltherrschaft. 1. u. 2. abth. Leipzig 

1882. 8. VI, 413 p. IV, 416 p. 20 mk. Der stofP ist mit vollkom- 
mener Sicherheit und leichtigkeit bemeistert in staunenswerth jugend- 
licher kraft. Die auffassung der älteren römischen geschichte ist Momm- 
sen gegenüber eonservativ, da er die tradition über dieselbe als eine an 
historische ereignisse anknüpfende poetisch ausgestattete erinnerung 
betrachtet. Auch im zweiten theil überall originale auffassung und 
geistvolle beobachtung. — Sp. 441 : Felix Hartmann, de aoristo se- 
cundo. Berlin 1881. 8. 1 mk. 20 pf. Anerkennende, wenn auch 
auf anderm wissenschaftlichen boden stehende anzeige. B{ru)gm{an). — 
Sp. 442: Thieynann, Q,.. grundzüge der homerischen modussyntax, sowie 
lehre vom gebrauch und unterschied der partikeln (cv und xiv. Berlin 
1881. 8. III, 55 p. X« soll auf das redende subject selbst, «»'auf besondere 
außerhalb der berechnung liegende umstände hinweisen. Die idee 



250 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 5. 

beachtenswerth, aber kaum beweisbar, zumal die etymologie in stich 
läßt. B{ru)gm{an). — Sp. 442 : Taciti, Cornelii, dialogus de oratoribus. 
Recogn. Aeniil. Bährens. Leipzig 1881. 8. 103 p. 2 mk. Baehrens 
macht gegenüber Michaelis eine neue Classification der handschriften 
geltend, und giebt reiche emendation wesentlich auf paläographie ge- 
stützt, aber damit paßt nicht immer Sprachgebrauch und stil. A. 
E{ußner). — Sp. 445: Ad. de Ceuleneer, notice sur un diplome mili- 
taire de Trajan trouve aux environs de Liege. Berlin 1881. 8. 65 p. 
2 mk. Inhaltsreferat. 

No. 14. Sp, 469: Bormann, Eugen, fastorum civitatis Taurome- 
nitanae reliquiae descriptae etc. Marburg 1881. 4. XXXII p. 1 mk. 
20 pf. Eine gegenüber Lefaye u. Martin verbesserte ausgäbe. 

No. 15. Sp. 500: Fligier , die urzeit von Hellas und Italien. 
Ethnologische forschungen. Braunschweig 1881. 4. 50 p. (Aus ar- 
chiv für anthropologie XIII). Ziemlich werthlose mit Verachtung hi- 
storischer und philolog. forschung geschriebene abhandlung. F. Ii{ühL) 

No. 16. Sp. 542: T. Zivi ab urbe condita libri. Recogn. If. J. 
Mueller. Pars II libros III et IV continens. Berlin 1881. 8. X, 
102 p. 75 pf. Fortsetzung der bewährten ausgäbe. A. E{ußner.) — 
Sp. 543: Catalogus codicum Latinorum bibliothecae regiae Monaceusis. 
Secundum Andreae Schmelleri indices corapos. Curolus Hahn et 
Gicc/l. Met/er. Tom. II, pars IV, cod. num. 21406—27268 complectens. 
München 1881. 299 p. Knapp und übersichtlich. 

No. 17. Sp. 564: Anton Baumstark, ausführliche erläuterung des 
besonderen völkerschaftlichen theiles der Germania des Tacitus. Leip- 
zig 1881. IV, 839 p. Ist im wesentlichen eine nützliche compilation 
des bis 1876 geleisteten. W. A{rndt). — Sp. 565: Mich. Petschenig, 
die handschriftliche Überlieferung des Victor von Vita. Wien 1881. 8. 
98 p. 40 pf. Anerkennende anzeige von JV. A{rndt). — Sp. 580: Bren- 
tano, E., zur lösung der Homerischen frage. Nebst einem anhang. Einige 
bemerkungen zu Schliemanns Ilios. Mit einer karte der troischen ebene 
und zwei planen. Heilbronn 1881 8. 2 mk. 50 pf. 138 p. Bren- 
tano's positive ausführungen stehen hinter den negativen zurück. 
Bu{rsian.) — Sp. 581: Blümner, H. , die archaeologische Sammlung 
im eidgenöss. polytechnikum zu Zürich. Zürich 1881. 8. XVI, 201 p. 
2 mk. 40 pf. Bu. giebt einige correcturen dazu. — Sp. 582 : Milch- 
höfer, A., die museen Athens. Athen 1881. 8. V, 108 p. 8 p. Die 
aufgäbe des buches ,,dem gebildeten reisenden als führer durch den 
antikenvorrath der athenischen kunstsammlungen zu dienen" ist ge- 
löst. Bursian fügt einzelne bemerkungen hinzu. 

No. 18. Sp. 608: F. Blaß, die attische beredsamkeit. 3. abth. 
2. abschnitt: Demosthenes genossen und gegner. Leipzig 1881. 8. 
Teubner. 9 mk. Das hauptverdienst liegt in der Würdigung un^ Zer- 
gliederung der stilistischen eigenart der einzelnen redner. Die zahl- 
reichen controversen über die geschichte der redner, bes. Aeschines 
sind knapp und mit wohlerwogenem urtheil behandelt , wenu auch 
die ergebnisse nicht überall endgültig sind (z. b. Hyperides lebenszeit, 
die ansetzung der Leocratea.) Entschieden falsch ist, daß Aeschines 
die gesetzwidrigkeit der ausrufung des kranzes im theater im jähre 
336 noch nicht entdeckt habe. Die nachtrage hätten hier und da 
mehr geben können. Der nachtrag über die composition des Demo- 
sthenes ist das wichtigste, es ist nur die frage , ob überhaupt von ei- 
nem compositionsgesetz des Demosthenes zu sprechen ist. lA. — Sp. 
609 : T. Macci Plauii. Miles gloriosus. Emendabat adnotabat Otto 
Ribbec'.. Leipzig 1881. 8. VI, 106 p. 2 mk. 80 pf. Es ist eine 
recensio wie sie sich Ribbeck bei seinen langjährigen wiederkehren- 
den Studien über das stück gestaltet hat, ohne eine editio critica sein 



Nr. 5. Auszüge aus Zeitschriften. 251 

zu wollen. Der fortschritt gegen die ausgäbe Ritschis von 1849 ist 
bedeutend. Ref. S. bespricht dann eine anzahl stellen , wo er ab- 
weichender meinung ist, v. 115. 230 ff. 330. 390. 456. 781. 784. 1241. 

Nö. 19. Sp. 627: lUlf/, Joannes, vita L. Aeli Seiani Tiberio impe- 
rante praefecti praetorio. Innsbruck 1882. 8. V, 38 p. Annalistisch 
behandelt, fleißig und geschickt, ohne wesentlich neue ergebnisse. — 
Sp. 638: Schubert, Fr., eine neue handschrift der Orphischen Argo- 
nautica. Wien 1881. 8. 39 p. 60 pf. Die arbeit ist unsicher weil 
sie auf dem unzureichenden Hermannschen apparat beruht. C'l{etnm.) 

No. 20. Sp. 657: de Lugarde , Paul, ankündigung einer neuen 
ausgäbe der griechischen Übersetzung des alten testaments. Göttingen 
1882. 8. 64 p. 3 mk. Lagarde giebt proben zweier recensionen, 
die erstere mit einem umfassenden kritischen apparat, aber ein uner- 
reichbares ziel für eine einzelne kraft, die zweite soll den archetypus 
einer handschriftengruppe herstellen, den amtlichen text der sprengel 
von Antiochien und Constantinopel , den text des märtyrers Lucian. 
Refer. hätte lieber gesehen, wenn Lagarde die recensiou des Eusebius 
herzustellen und festzustellen versucht hätte, was fürOrigines als echte 
Septuaginta galt. E{herhard) N[e-stle). — Sp. 683: karten von A.ttika. Auf 
veranlassung des bais. deutschen archäolog. instituts etc. aufgenommen 
durch Offiziere und beamte des k. preuß. großen generalstabes. Mit 
erläut. texte von E. Curtius und /. A. Kaupert. Heft I: Athen und 
Peiraieus. Berlin 1881. 4 karten gr. fol. IV, 71 p. 4. Bu. rühmt 
die geuauigkeit der aufnähme, findet aber am texte mehrfach anlaß 
zum zweifei und Widerspruch, soweit er blatt 1. 2 betrifft, der text 
der weiteren blätter, G. v. Aitens Schilderung der befestigungsanlage 
des Peiraieus und besonders A. Milchhöfer's reconstruction des Pei- 
raieus nach erbauung der Hippodamischen stadtanlage wird gelobt. — 
Sp 685: JE. JBucJihoiz, das öffentliche leben der Griechen im heroischen 
Zeitalter. Auf grundlage der Homerischen dichtungen dargestellt. 
Leipzig 1881. 8. XX, 436 p. 6 mk. (Buchholz, Homerische realien 
bd. 2). Eine fleißige compilation. Der band umfaßt das öffentliche 
leben im homerischen Zeitalter , jedoch sind partien hineingezogen, 
die nicht hineingehören, auch im einzelnen finden sich Unrichtigkeiten 
und Widersprüche. Cl^emm). 

No. 21. Sp. 713: C'lemm, Georg, de breviloquentiae Taciteae 
quibusdam generibus. Praemissa est commentatio critica de figuris 
grammaticis et rhetoricis quae vocantur brachylogia aposiopesis el- 
Ijpsis. Leipzig 1881. 8. 158 p. 3 mk. A. E{ußner) giebt eine lo- 
bende Übersicht des Inhalts unter beifügung der einzelheiten die ihm 
nicht gelungen scheinen. 

Deutsche litteraturzeitung , hrsg. von M. Roediger. 1882. No. 17. 
Sp. 602: Lorenz Orasberger, erziehung und Unterricht im klassischen 
alterthum, mit besonderer rücksicht auf die bedürfnisse der gegenwart. 
Nach den quellen dargestellt. 3 theile. I. theil: die leibliche erzie- 
hung bei den Griechen und Römern. VHI, 414p. U. theil: der mu- 
sische Unterricht oder die elementarschule bei den Griechen und Rö- 
mern. VIII, 422 p. III. theil: die ephebenbildung oder die musische 
und militärische ausbildung der griechischen und römischen Jüng- 
linge. VIII, 642 p. Würzburg 1864-81. 80 mk. Der archäolog 
und pädagog finden in dem buche eine verständige und zuverlässige 
darstellung des gesammten materials der pädagogischen einrichtungen 
der Griechen und Römer. SuHtoürk. — Sp. 604: U. v. Wilamowitz- 
Moellendorff, Antigenes von Karystos. (Philologische Untersuchungen 
hsg. von A. Kießling und XJ. v. Wüamowitz - Moellendorff. Heft 4). 
Berlin 1881. 8. VHI, 356 p. 6 mk. Das buch faßt nicht nur die 
nachrichten über die drei homonymen Antigenes v. Karystos zusam- 



252 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 5. 

men, die für identisch gehalten werden, sondern giebt besonders eine 
darstellung der politik und cultur der helienistischen zeit. Die quel- 
lenuntersuchungen über Diogenes sind aber noch nicht abschließend. 
H. Diels. — Sp. 607 : Arnold Schäfer , abriß der quellenkunde der 
griechischen und römischen geschichte. II. abth.: die periode des rö- 
mischen reiches. Leipzig 1881. 199 p. 3 mk. Ein buch von großer 
Sachkunde, umsieht und Sorgfalt, wenngleich in einzelheiten manches 
anders zu wünschen wäre. Bormann. — Sp. 611: Carl Robert, bild 
und lied. Archäologische beitrage zur geschichte der griech. helden- 
sage. (Philolog. Untersuchungen hsg. v. A. Kießling und U. v. Wi- 
lamowitz - Moellendorff. Heft 5). Berlin 1881. 8. 258 p. 5 mk. 
Soll in allgemeinen umrissen darstellen, wie die griechische heldensage 
in bild und lied gestaltet wird, wie das bild vom liede abhängig ist, 
und wiederum das lied vom bilde. Die Untersuchung fördert sehr, 
fordert aber vielfach zweifei und Widerspruch heraus, zumal da der 
gegenständ für dogmatische behandlung noch nicht reif erscheint. 
R. Kekule. 

No. 18. Sp. 633: Victoris episcopi Vitensis historia persecutionis 
Africanae provinciae. Ex rec. Mich. Fetschenig . (Corpus Script, ec- 
clesiastic. Latinorum Vindobonense. Vol. VII. Wien 1881. XVI, 174p. 
3 mk. 60 pf. Michael Fetschenig , die handschriftliche Überlieferung 
des Victor von Vita. Wien 1880. 98 p. 8. (Aus sitzungsber. der 
Wiener akad. d. wiss. bd. 96). Die ausgäbe Petschenigs ist gegen- 
über Halm ein fortschritt in der von Halm selbst eröffneten richtung. 
Die handschi'iftliche Überlieferung ist auf grund umfassender Sprach- 
studien mehr zu ihrem recht gekommen. Die handschriftenuntersu- 
chung ist eingehend, der gegensatz französischer und deutscher hand- 
schriften ist nicht gefaßt, auf orthographische quisquilien zu viel 
werth gelegt. Der versuch, den prolog als unecht zu erweisen, ist 
nicht geglückt. A. Reifferscheid. — Sp. 638: Aristophanis Plutus rec. 
Adolphus V. Velsen. Leipzig 1881. 8. VI, 85 p. 2 mk. Eine aus- 
gäbe mit demselben apparat wie die ausgäbe der frösche. Die emen- 
dationsversuche des herausgebers sind nur zu geringem theil glück- 
lich. A. V. Bamberg. Sp. 639: T. Macci Flatiti Truculentus rec. 
Frider. Schoell. Leipzig 1881. 8. LH, 155 p. 4 mk. 80 pf. Die 
handschriftl. Überlieferung, die bereits gelegt war hat nur wenig ge- 
wonnen. Der text ist hauptsächlich bereichert dui'ch neuere (beson- 
ders Bücheler's) emendationen. Scholl selbst geht zu weit in ände- 
rung des textes, im suchen nach glossenartigen worten und hochfah- 
render kritik seiner Vorgänger. A. Spenqel. — Sp. 643: Julius Steup, 
Thukydideische studien. Heft 1. Freiburg 1881. VI, 92 p. 2 mk. 
40 pf. Bedeutende , scharfsinnige Untersuchung der drei ersten bei 
Thukydides mitgetheilten aktenstücke. Zur heilung der aufgedeckten 
Schwierigkeiten bedient er sich der annähme von lücken und Inter- 
polationen in ungerechtfertigter weise. U. v. Wilamowitz-Müllendorff. 
— Sp. 644: Heinrich Swoboda, Thukydideische quellenstudien. Inns- 
bruck 1881. 85 p. 2 mk. Das buch ist mehr das ergebniß der lec- 
türe der Thukydideslitteratur als des Thukydides selbst. Besonders 
schwach ist Interpretation und emendation des textes. U. v. Wila- 
motoitz-Möllendorff. — Sp. 649: antike bildwerke in Rom mit ausschluß 
der größeren Sammlungen beschrieben von Friedr. Matz. Nach des 
verf. tode weitergeführt und hersg. von F. v. Duhn. Gedruckt mit 
Unterstützung des kais. deutschen archäologischen Instituts. Bd. I. 
Statuen, hermen, büsten, köpfe. 1881. XVIIl, 532 p. Bd. IL Sar- 
kophagreliefs. 1881. VIII, 484 p. Bd. III. Reliefs und sonstiges. 
Mit registern und 2 karten. 1882. VI, 348 p. Leipzig. 8. 33 mk. 
Lobende anzeige von Ad. Michaelis, der den reichthum der Sammlung 



Nr. 5. Literatur. 253 

betont, die genauigkeit der beschreibungen für ausreichend hält, die 
anordnuDg vielleicht etwas anders wünscht, die register wegen ihrer 
Vollständigkeit, genauigkeit, brauchbarkeit bewundert und nur eine 
einleitende Übersicht über die geschichte der römischen museen ver- 
mißt. — bp. 677 : Charles Thovias Newton, die griechischen Inschriften. 
Zwei aufsätze. Autorisirte Übersetzung von J. Imelrnann. Hannover 
1881. 8. 102 p. 2 mk. Lobende anzeige von G. Hinrichs. — Sp. 
682 : Hans Droysen, Athen und der westen vor der sicilischen expe- 
dition. Berlin 1882. 8. 1 mk. 20 pf. Droysen will besonders die 
handelsbeziehungen Athens zu den westlichen colonialgebieten nach- 
weisen, beachtenswerth , wenn auch vielfach die vermuthungen unsi- 
cher sind. Arnold Schaefer. 

No. 20. Sp. 707: A. Vera, Piatone e l'immortalitä dell' anima. 
Neapel 1881. 62 p. Alessandro CJnapjJclii , delle interpretazione 
panteistica di Piatone. Pubblicazioni del R. Istituto dei studi supe- 
riori di Firenze. Sezione di filosofia e filologia. Firenze 1881. 4. 
584 p. 2 Schriften die in anlaß der Teichmüllerschen arbeiten ent- 
standen sind, die Vera's für, die Chiapelli's gegen Teichmüller. Vera 
verfährt ebenso einseitig wie Teichmüller, Chiapellis arbeit ist eine 
eingehende fleißige kritik des letzteren. £. Zeller. ~- Sp. 710: Cata- 
loyue of ancient manuscripts in the British museum. Part I. Greek. 
Printed by the order of the trustees. London 1881. 8. IV, 25 p. 
Lobende anzeige von ^V. Waitenbach. — Sp. 711: Emile Legrand, 
Bibliotheque grecque vulgaire. Paris 1881. T. IL CVII, 399 p. T. 
III. XLVII, 448 p. 40 fr. Enthält in sorgfältiger ausgäbe das la- 
trosophion des .Johann Staphidas, die vulgärgriechische Alexanderdich- 
tung nach der fassung des pseudo-Kallisthenes , ferner kyprische lie- 
beslieder, eine geschichte Michael's des braven, Hospodars der Wal- 
lachei im 16. jahrh. von Georg Palumedes . den Kfjnog Xagiriov von 
Caesarius Daponte. Spyr. F. Lambros. — Sp. 716: M. Schmitz, quel- 
lenkunde der römischen geschichte bis auf Paulus Diaconus. Güters- 
loh 1881. 8. 2 mk. Der Verfasser glaubte durch excerpiren aus 
guten büchern ein gutes elementarbuch liefern zu können, aber vieles 
ist ganz verfehlt. A. Holm. — Sp. 717: Ferd, Gregorovius, Athenaüs. 
Geschichte einer byzantinischen kaiserin. Leipzig 1882. XI, 287 p. 
5mk. Der Verfasser hat verstanden ein historisches zeitbild um die 
wenigen nachrichten über die kaiserin Eudokia zu gruppiren. A.Frey. 
— Sp. 722: Pompeji, die neuesten ausgrabungen von 1874 — 1881 für 
kunst und alterthumsfreunde illustrirt, hersg. von Emil Fresuhn. 2. 
verb. u. sehr verm. aufl. 10. abth. mit 80 tafeln. Leipzig 1881. 8. 
XII, 83 p. fol. 90 mk. Empfehlende anzeige von G. Hirschfeld. — 
Sp. 723: Imp. lustiniani P. P., A Novellae quae vocantur siue consti- 
tutiones quae extra codicem supersunt , ordine chronologico digestae. 
Graecis ad fidem codicis Veneti castigatis ed. C. F. Zachariae a Lin- 
genthal. Pars I. IL Leipzig 1881. 8. XV, 564, 436 p. M. Cohn 
ist von der ausgäbe befriedigt, nur vermißt er eine lateinische Über- 
setzung des griech. textes und synoptische tabellen zu den altern an- 
ders geordneten ausgaben. 

Literatur 1883. 
(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Cavallin, S. J., aoristi infinitivus Homericus ad verba dicendi et 
sentiendi relatus num futurum tempus significare possit. Upsala. 4. 

Kiene, Ad., die epen des Homer. Hannover 1881. 8. 

Francke, Kuno, de hymni in Cererem Homerici compositione dic- 
tione aetate. Kiliae 1881. 4. 



254 Literatur. Nr. 5. 

Orphei Lithica accedit Damigeron de lapidibus rec. Euqenius Abel. 
Berlin 1881. 8. 

Hendeß, R. , über die echtheit einiger griechischen Orakel. Gru- 
ben 1882. 4. 

Engelbrecht, Aug. Godofr., de scoliorum poesi. Vindobonae 1882. 8. 

Poetae lyrici Graeci rec. Theod. Bergk. Edit. IV, vol. IL Poetas 
elegiacos et iambographos continens. Lipsiae 1882. 8. 

Schneidewin, H., de Theognide eiusque fragmentis in Stobaei flori- 
legio servatis. Stettin 1882. 4, 

Muff, Christian, der cbor in den Sieben des Aischylos. Halle 
1882. 4. 

Dettweiler, Peter, über den freieren gebrauch der zusammenge- 
setzten adjectiva bei Aeschylus. Gießen 1882. 4. 

Schmidt, Moritz, Minutiae Sophocleae. Jena 1881. 4. 

Panagiotoptilos , Sp. G. , 'ßfjjutjPivnxd xccl xfjmxä eig tov Oldtnoda 
Tvqavvov lov Hocf'Oxliovg. ' AS^rjvtjGip 1881. 8. 

Sophocles, Oedipus Tyrannos für den schulgebrauch erklärt von 
Friedr. Brandscheid. Wiesbaden 1882. 8. 

Engelmann, Richard, beitrage zu Euripides. I. Alkmene. Berlin 
1882. 4. 

Kalkmann , Aug. , de Hippolytis Euripideis quaestiones novae. 
Bonn 1882. 8. 125 p. 

Aristophanis ranae rec. A. v. Velsen. Lipsiae 1881. 8. 

Studi di filologia greca pubbl. da E. Piccolomini. Vol. I. 1. no. 1. 
E. Piccolomini , osservazione sopra alcune luoghi delle Rane d'Aristo- 
fane. 2. V. Puntoni , Alcune favole dello Jnffayirtjg xat 'I^fvrjMtijg. 
3. F. Novati, Saggio suUe glosse aristofanesche del lessico d'Esichio. 
Torino 1882. 

Babrii fabulae rec. Mich. Gitlbauer. Vindobonae 1882. 

Thucydidis de hello Peloponnesiaco libri octo ed. Em, Frid. 
Poppe. Ed. altera ed. Joh. Matth. Stahl. Vol. IV, 1. (L. VII). 

Piatonis Protagoras ed. Stallbaum. Editio IV emendatior ed. J. 
S. Kroschel Leipzig 1882. 8. 

Uphues , Kar] , die definition des satzes nach den Platonischen 
dialogen Kratylos Theaetet Sophistes. Landsberg a. W. 1882. 8. 

Archimedis opera omnia cum commentariis Eutocii ed. J. L. Hei- 
berg. Vol. III. Lipsiae 1881. 8. 

Foerster, Richard, de Aristotelis quae feruntur physiognomicis re- 
censendis. Kiel 1881. 4. 

Cornuti theologiae Graecae compendium rec. Carolus Lang. 
Lips. 1881. 

Pseudolysiae oratio funebris ed. Martin Erdmann. Lips. 1881. 8. 

Erdmann, Martin, de Pseudolysiae epitaphii codicibus. Lips. 1881. 

Windel, loannes, de oratione quae est inter Demosthenicas decima 
septima et inscribitur nt^t twv nqhg ^ AXt^av&qov cvvS^rjxiZv. Lipsiae 1881. 4. 

Evers, E., ein beitrag zur Untersuchung der quelleubenutzung bei 
Diodor. (Aus festschrift zur feier des öOjähr. Jubiläums der Königs- 
städt. realschule zu Berlin 1882.) 

Fritzsche, Fr. V., additamenta Lucianea. Rostock 1881. 4. 

Hesychii Milesii Onomatologi quae supersunt cum prolegomenis 
edidit loannes Flach. Lipsiae Teubner 1882. 8. 

Barth, Paul, de infinitivi usu apud scaenicos poetas Latinos usu. 
Lipsiae 1881. 8. 

Rassow , Hermann, de Plauti substantivis. Leipzig 1881. 8. 
(Teubner). 

Plauti comoediae rec. Ritschi etc. Tom. I, fasc. 5. Truculentus 
rec. F. Schoell. Lips. 1881. 8. (Teubner). 



Nr. 5. Literatur. 255 

Hasper, Theod., ad Epidicum Plautinam. Dresdae 1882. 4. 

Meißner, Carl, die Cantica des Terenz und ihre Eurythmie. Leip- 
zig 1881. 8. (Teubner.) 

Kolster, W. H., Vergils eklogen in ihrer strophischen gliederung 
nachgewiesen mit commentar. Leipzig 1882. 8. 

PUiß , Theodor, der reiz erzählender dichtung und die Aeneide 
Vergils. Basel 1882. 

Hertz, Martin, Analecta ad carminum Horatianorum historiam V. 
Breslau 1882. 8. 

Harnecker, 0. , qua necessitudine coniunctus fuerit cum Cicerone 
Cafcullus. Friedeberg i. Nrn. 1882. 4. 

Albius TihuUus elegien. In modernen rythmen von Georg Fischer. 
Ulm 1882 8. 

Keil, H., delibrismanuscriptisCatonis de agricultura. Halle 1882. 4. 

Cato, M. Porcius, de agricultura liber, M. Terentü Varronis rerum 
rusticarum libri tres. ex rec. H. Keuii. Vol. I, 1 Lipsiae 1882. 

Deiter, de Ciceronis codice Leidensi no. CXVII denuo collato, 
Emden 1882. 4. 

Hertz, Martin, zur kritik von Cicero's rede für den Sestius. Leip- 
zig 1881. 8. 

Hirzel, Rud., Untersuchungen zu Cicero's philosophischen Schriften. 
IL theil: de fiaibus de officiis. Abth. I. II. Leipzig 1882. 8. 

Oetüng, W., Cicero's Quinctiana. Oldenburg 1882. 4. Progr. 

Cornelius Nepos. Mit anmerkungen für schüler \on L. Englmann. 
München 1882. 8. 

XJnger, Georg Friedr., der sogenannte Cornelius Nepos. München 
1881. 4. 

Allers, Guil., de L. Annaei Senecae librorum de ira fontibus. 
Goettingen 1881. 8. 

Cornelii Taciti de origine et situ Germanorum liber edidit Al- 
fredus Holder. Freiburg u. Tübingen 1882. 
|L — — , dialogus de oratoribus rec. Aem. Bährens. Lipsiae 1881. 8. 
P Clemm, Georg, de breviloquentiae Taciteae quibusdam generibus 
etc. Lips. 1881. 8. 

Des C. Cornelius Tacitus dialog über die redner. Ueb ersetzt und 
mit den nöthigsten anmerkungen versehen von H. C. Krauß. Stutt- 
gart 1882. 8. 

Weinkauff, Franz, de Taciti dialogi . . de oratoribus auctore. 2. 
ausgäbe. Cöln 1881. 8. 

Fontes iuris Romani antiqui ed. C. G. Bruns. Editionis quartae 
supplementum ed. Theod. Mommsen. Freiburg u. Tübingen 1881. 8. 

lustiniani novellae quae vocantur sive constitutiones quae extra 
codicem supersunt ed. C. E. Zachariae de Lingenthal. Pars II. Lip- 
siae 1881. 8. _ 

lordanis de origine actibusque Getarum. Edidit Alfredus Holder, 
Freiburg u. Tübingen 1882. 8. 

Schulze, E. R., de attractionis pronominis relativ! apud oratores 
Atticos recentiores usu et formis. Bautzen 1882. 4. 

Wilhelmi, de modo irreali qui vocatur. Marburg 1881. 4. 

Curtius , Georg, griechische schulgrammatik. 15. unter mitwir- 
kung von dr, Berjihard Gerth verb. aufläge. Ausgabe für Deutsch- 
land. Leipzig 1882. 8. 

Ziemer, Hermann, junggrammatische streifzüge auf dem gebiete 
der Syntax. Colberg 1882. 8. 

Boltz, Aug., die hellenische neugriechische spräche. Darmstadt 1881. 

Warren, Minton, on the enclitic ne in early latin. Baltimore u. 
Straßburg 1881. 8. 



256 Anzeige. JJr. 5. 

Hense, C. C. , lateinische Stilistik für obere gymnasialklassen. 
Parchim 1881. 8. 

Thielmann, Philipp, das verbum dare im lateinischen. Leipzig 
1882. 8. "^ ^ 

Schmidt, M., de columna Xanthica. Jenae 1881. 4. 

Froehner, W., BuUes metriques. Paris 1882, 8. (Extrait). 

Bormann, Eugen, fastorum civitatis Tauromenitanae reliquiae de- 
scriptae et editae. Marburg 1881. 4. 

Blümner, Hugo, Laokoonstudien. Heft 1. Ueber den gebrauch 
der allegorie in den bildenden künsten. Freiburg i. Brsgau und Tü- 
bingen 1881. 8. 

Winckelmann, Joh. Joach., geschichte der kunst des alterthums, 
nebst einer auswahl seiner kleineren Schriften mit einer biographie 
Winckelmanns von Julius Lessing. 2. aufl. Heidelberg 1882. 8. 

D'örpfeld, Graeber, Borrmann, Siebold, über die Verwendung von 
terrakotten am geison und dache griechischer bauwerke. Mit 4 ta- 
feln. Berlin 1881. 4. 

Brendicke, Hans, genealogieen sämmtlicher griechischer götter und 
heroen in 18 Übersichtstafeln und erklärungen. Köthen 1881. 4. 

Schäfer , Arnold , abriß der quellenkunde der griechischen und 
römischen geschichte. Abth. I: Griechische geschichte bis auf Po- 
lybios. 3. aufl. Leipzig 1882. 8. 

Schmitz, M., quellenkunde der römischen geschichte bis auf Paulus 
Diaconus. Gütersloh 1881. 

Hug, Arnold , studien aus dem klassischen alterthume. Heft I. 
Freiburg u. Tübingen 1881. 8. 

Hermann, K. F., lehrbuch der griechischen alterthümer. IV. bd. 
1. hälfte. Hugo Blümner, lehrbuch der griechischen privatalterthü- 
mer. Erste hälfte. Freiburg i. Breisg. u. Tübingen 1882. 8. 

Neumann, Carl, geschichte Rom's während des Verfalls der repu- 
blik. Aus seinem nachlaß hrsg. von £1. Gothein. Breslau 1881. 8. 

Soltau , Wilh. , über entstehung und Zusammensetzung der altrö- 
mischen Volksversammlung. Berlin 1880. 8. 

lülg , loannes , Vita L. Aeli Seiani Tiberio imperante praefecti 
praetorio. Oeniponti 1882. 

Fröhlich, Franz, die gardetruppen der römischen republik. Aarau 
1882. 4. 

Hartmann, Otto Ernst, der römische kalender hrsg. von Ludwig 
Lange. Leipzig 1882. 8. 

Lange, L. , de diebus ineundo consulatui sollemnibus interregno- 
rum causa mutatis commentatio. Lipsiae 1882. 4. 

Chambalu , Augustus , de magistratibus Flaviorum. Adiecta est 
appendix de Titi nomine imperatoris. Bonn 1882. 

Koechly, Hermann, akademische vortrage und reden. Neue folge 
hrsg. V. Karl Bartsch. Heidelberg 1882. 8. 

Hermann, Gottfr. , lateinische briefe an seinen freund Volkmann 
hrsg. von A. B. Volkmann. Heidelberg 1882. 8. 

Nicandri Nucii fragmentum Franciscus Eyssenhardt ex codice Am- 
brosiano exscripsit. Hamburg 1882. 4. 

Steinmetz, K., eine synesis. Ratzeburg 1882. 4. 

Anzeige. 

Die 36. Versammlung deutscher philologen und Schulmänner soll 
am 27. bis 30. september d. j. in Karlsruhe abgebalten werden. Das 
Präsidium: (direkter Wendt in Karlsruhe und geh. hofrath professor 
Wachsmuth in Heidelberg), ersucht die fachgenossen, welche vortrage zu 
halten oder thesen zu stellen gedenken, um baldige anmeldung derselben. 



Nr. 6. Juni 1$$2. 

Philologisclier Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



49. Leo Meyer, griechische aoriste. Ein beitrag zur 
geschichte des tempus- und modusgebrauchs im griechischen. 
Berlin, Weidmann 1879. 188 p. Preis 4 mk. 

Gegenüber der schule der Junggrammatiker, die die lin- 
guistik immer ausschließlicher als eine naturwissenschaft be- 
handelt, so daß dieselbe wesentlich auf eine lautphysiologie 
hinausläuft , bekennt sich der Verfasser zu denjenigen lingui- 
sten , welche auf den lebendigen Zusammenhang mit der phi- 
lologie werth legen und anerkennen, daß jedes wort erst im 
Satze seine volle kraft bethätige und daß für die grammatik 
den mittelpunkt , um den sich alles andere gruppieren muß, 
die gestaltung des satzes bildet. Diese Stellung des verf. würde, 
auch wenn sie nicht aus seinen früheren Schriften bekannt wäre 
und auch in dieser ausdrücklich betont würde , doch aus der 
ganzen behandlung des Stoffes unverkennbar zu tage treten, und 
von diesem Standpunkte aus ist die entschiedene betonung der 
bedeutung, ist die wörtliche Übersetzung jeder der überaus zahl- 
reichen stellen zu beurtheilen. Der philolog wird sich über diese 
Stellung des verf. nur freuen können , um so mehr , als derselbe 
sich von kühnen hypothesen freihält und nur in seltenen fällen 
zum zweifei nöthigt , den größten theil der schrift vielmehr ur- 
kundliches material in lichtvoller gruppierung bildet. Dieses 
urtheil wird dadurch nicht beeinträchtigt, daß der haupttitel 
insofern zu weit ist, als die ganze Untersuchung sich auf Homer 
beschränkt und auch da nur den kürzesten aorist erschöpfend 
behandelt. Gerade die beschränkung auf ein verhältnismäßig 
kleines gebiet giebt der schrift gegenüber dem umfassenden werke 
Phüol. Anz. XII. 18 



258 49. Griechische grammatik. Nr. 6. 

von G. Curtius üher das griechische verbum seinen werth , so 
daß man dieselbe als einen werthvollen beitrag zur genaueren 
erkenntnis und Unterscheidung derjenigen augmenttempora anzu- 
sehen hat, die wir mit einem gemeinsamen namen als aoriste zu 
bezeichnen gewöhnt sind. 

Der verf. führt zunächst aus, daß die im sanskrit sich fin- 
denden sieben aoriste mit einer ausnähme auch im griechischen 
vorkommen, also sehr altes indogermanisches sprachgut sind. Er 
charakterisirt zunächst den mit bloßem s gebildeten aorist, wel- 
cher noch im conjunktiv vorwiegend den kurzen vocal zeigt 
(z. b. pfQvaaofxev, Tiaeee, fxv&i'jaofiai, iXaaaeai, Is^eTai), weil hier 
kein grund zur vocalzusammenziehung war; wir dürfen daraus 
schließen , daß , wie diese formen ganz dieselben suffixe zeigen, 
wie der indicativ futuri oder präsentis, dies auch bei den übri- 
gen formen der fall war, welche später überall, wo sie nicht 
durch das metrum geschützt waren , durch die langvocalischen 
formen der späteren gräcität verdrängt wurden, also zu schreiben 
ist 0QGsii,\ oQOsi, oQaovGi, ogaeade, oQaotrai^ nicht oQOt]g, oQaoaat, 
ogacovrai. Aber freilich, da die gedehnten vocale im con- 
junktiv sich unleugbar schon bei Homer finden (z. b. H 29 
naiooDfÄSv. H 38 oQaa^xEv, W 210 onaijTs u. ö.), so ist die Wie- 
derherstellung der ursprünglichen formen im Homer ein ding 
der Unmöglichkeit. — Während die zweite altindische aorist- 
bildung mit sis im griechischen unvertreten ist, findet sich die 
dritte mit sa in einigen , wenn auch nicht häufigen formen , wie 
f-ns-ao-v (aus '*s-ntr-ao-v\ ohe, n^^rn und sieben andern (p. 14), 
die mit ausnähme von oxpeaOs ß 704. ü 313, was jedenfalls 
hierher zu ziehen ist, schon bei Curtius verbum II, 283 stehen. 
Es folgen die fast auf den singular und die dritte plur. be- 
schränkte aoristbildung auf -ita in eSojx«, sütjxa und *?/xß, und 
die sehr häufige aoristbildung mit bloßem a, (griechisch o, s), 
welches im sanskrit bei fehlendem augment den ton hat, wie im 
griechischen noch der infinitiv und das particip ; hierher gehören 
die (bei Curtius II, 1 4 — 20) aufgeführten aoriste wie eqvyor, ha- 
fxov, fUnar. Vom reduplicirenden aorist sind allgemein ge- 
bräuchlich nur die beiden verba 'Ijyayov und finov (aus ^ipeps- 
770») , die übrigen nur dichterisch ; dieselben zeigen in weitem 
umfange causative bedeutung , so daß es sich bei ihnen nicht 
sowohl um aoristische, also temporale Verhältnisse handelt, sondern 



Nr. 6. 49. Griechische grammatik. 259 

um bedeutungsentwicklungen ; so z. b. ^fA«;^*«^ theilhaftig machen, 
Xeladelv vergessen machen. Verf. zieht hierher auch die form 
f'anfTE B 484 u. ö., während die herausgeber mit Bekker scitists 
schreiben und Curtius dieses verbum zur vorigen classe zählt 
(verbum II, 19, no. 93), soAvie -Af^y.lvOi , das wohl richtiger wie 
thlaOi als perfect anzusehen ist (Curtius p. 24). Mehr Zustim- 
mung wird verf. dafür finden , daß er mit Curtius saTröfiijv als 
reduplicierenden aorist ansieht , da das augment mit dem s in 
eantro gar nichts zu schaffen hat und mit ausnähme von A" 285 
und X 324 überall auch in den übrigen modis das i- gelesen 
werden kann , wie es gelesen werden muß bei Pindar Ol, VIII, 15 : 
mznn anv yfgog tanrjt'' dylanv. Ganz unei'wähnt, wofür man kei- 
nen grund sieht, ist Ithms^ das jedenfalls hierher gehört. 

Ganz ausführlich geht nun aber der verf. ein auf den 
kürzesten aorist, dessen erörterung den weitaus größten 
theil des buches bildet (p, 24— 172). Gemeint sind damit die- 
jenigen aoriste, welche nur aus Stammsilbe, personalendung und 
moduskennzeichen bestehen und mit denen die gleichgebildeten 
präsentia (^ftui , cfripii) zusammenzustellen sind. Wie nun aber 
alle verschiedenen sprachformen ursprünglich auch verschiedene 
bedeutung hatten , auf der andern seite aber auch mit der glei- 
chen form ursprünglich die gleiche bedeutung verbunden ist, 
so ist auch anzunehmen, daß die verschiedenen präsens- und 
aoristbildungen ursprünglich verschiedenes bedeuteten und daß, 
wo solche besonderen kennzeichen ganz fehlen, auch von beson- 
derer bedeutungsfärbung nicht die rede sein kann, der kürzeste 
aorist und das kürzeste präsens also ursprünglich nichts eigen- 
thümlich aoristisches oder präsentisches hatte. Verf. bespricht 
nun zuerst den imperativ (p. 26 — 29) als die im allgemeinen 
einfachste form des verbums ; das g in 86g u, s. w. erklärt 
er noch als aus »'>( entstanden und leugnet für Homer die form 
liiGTJtg ganz. Für den conjunktiv (p. 29 — 44) wird mit 
Curtius als ursprüngliches kennzeichen das aus ursprünglichem 
a hervorgegangene n und f angenommen , wie es noch bei den 
mit s gebildeten aoristen vorwiegend ist und hier in 'i'0-(isv, 
8(ü-o-fiiHv H 299, ^ß/jOfAsv K 97, O/'^ofttv (wie statt ßsioiAsr, &fi.o- 
(jsr, das noch die meisten texte haben, zu schreiben ist) zu tage 
tritt; unerwähnt geblieben ist, jedenfalls wegen des zweisilbigen 
Stammes, bez. der reduplication eQtiofAev A G2 und Hr/^tio/^sp fJt 128. 

18* 



260 49. Griechische grammatik. Nr. 6. 

So ist auch in der dritten pers. plur. statt des /joJooöj der ausgaben 
überall yväovai. etc. herzustellen, ebenso ß/jeig^ &i]ei, Säei statt 
■dt]rii>', &Tjrj, däri. In allen übrigen formen tritt schon der ge- 
dehnte vocal auf, also yicöoj , contr. yiöä etc. Als ursprüngliche 
bedeutung des conjunktivs , wie sie noch in selbständigen 
Sätzen zu tage tritt, ist die des willens aufgefaßt, die auch noch 
in den absichtssätzen deutlich heraustritt, während in den übri- 
gen nebensätzen diese bedeutung des conjunktivs abgeschwächt 
ist zu der der erwartung, der unsichern Zukunft, ja des nur 
gedachten , möglichen falles ; die letztere bedeutung hat er be- 
sonders in den sehr zahlreichen relativsätzen und den condicio- 
nalsätzen, welche beide nicht die partikel xfV, äv = möglichen 
falls, unter gewissen umständen, haben. — Die ursprüngliche 
bedeutung des Optativs (p. 44 — 62) ist die des Wunsches, 
und während beim imperativ die zweite person vorwiegt, weil 
ein befehl in der regel an die gegenüberstehende person gerichtet 
wird, der conjunktiv aber in seiner grundbedeutung des wollens 
vorwiegend in der ersten person auftritt , so kommt im optativ 
meist die dritte person vor. Nicht oft wird der wünsch mit 
e'i&s, häufiger mit si ydg eingeleitet. In abhängigen sätzen fehlt 
meist av (xiV), das im conjunctiv meistens dabei steht; dagegen 
steht dasselbe regelmäßig beim optativ in hauptsätzen, in welchen 
dann der optativ die bedeutung der möglichkeit, ja Wahrschein- 
lichkeit — av = „unter gewissen umständen" — gewinnt, so 
daß überall deutlich auf eine bedingung hingewiesen würde. 
Verf. führt nun die sämmtlichen hierher gehörigen beispiele auf 
und schließt daran den optativ mit xsv, av in nebensätzen. 
Daß auf sogenannte haupttempora des hauptsatzes im abhängigen 
satze der conjunktiv, auf präterita des hauptsatzes im nebensatze 
der optativ zu folgen pflegt, erklärt sich daraus, daß der con- 
junktiv, welcher ursprünglich den willen, die erwartung des re- 
denden bezeichnet, auf etwas wirklich als möglich oder wahr- 
scheinlich gedachtes, der optativ dagegen, der nur den, mögli- 
cherweise ganz unerfüllbaren , wünsch bezeichnet , in ein viel 
unsichereres, also auch ferner gerücktes gebiet, in eine ferner 
gerückte zeit, also die Vergangenheit, weist. 

Wie imperativ, conjunktiv und optativ, so hat auch der 
Infinitiv des kürzesten aoristes (p. 62 — 88) eine vorwiegend 
futurische richtuug. Als sein ursprüngliches suffix nimmt verf. 



Nr. 6. 49, Griechische graramatik. 261 

-/<f;«( an und leugnet die möglichkeit der entstehung des suf- 
fixis -rat aus psvai^ die Benfey annimmt ; aber nach Gust. Meyer 
Griech. grammatik § 594 kommt die form Snperat wirklich zwei- 
mal vor auf der tafel von Dali. Erschöpfend wird nun der ge- 
brauch des Infinitivs entwickelt, wie er sich findet bei ngir und 
nuQOi;^ bei den verben zur bezeichnung des zwecks, des antrei- 
bens, aufforderns, bittens, wollens, wünschens, Verlangens und in 
imperativiscber bedeutung. Daß bei dem letzteren ursprünglich 
ein ausdruck wie oQnto hinzuzudenken sei, wie auch Kühner, 
Ausf. griech. gramm. II, 588 lehrt, erscheint dem ref. wenig 
wahrscheinlich; auch ist falsch, was Kühner behauptet, daß im 
deutschen der Infinitiv nur von kindern so gebraucht werde; 
bekanntlich bediente sich des Imperativischen infinitivs ein könig 
in diesem Jahrhunderte mit Vorliebe. Vielmehr soll wohl mit 
dem der form nach unbestimmten Infinitiv der begriff recht 
energisch urgiert werden , wie dies in anderer weise geschieht, 
wenn man im lateinischen z. b. dare pollicentur statt se daturos 
esse pollicentur sagt ; das Imperativische giebt dann die Situation 
oder der Zusammenhang. Braucht man doch für den imperativ 
nicht blos den Infinitiv, sondern auch das futurum, ja den indi- 
cativ präsentis , wo umgekehrt die form , der befelil , mit der 
größten entschiedenheit betont werden soll ; an eine ellipse wird 
hierbei niemand denken. — Hieran schließt sich der Infinitiv 
bei iari mit adjectiven ii. ä., sowie bei den verben des Verspre- 
chens, versicherns, sagens, glaubens, scheinens. 

Der indicativ hat das augment und wird durch dieses 
als Präteritum gekennzeichnet (p. 88 — 124). Hierher gehört 
der form und bedeutung nach auch scpt^r (nebst (j)/] und //) so- 
wie i'ita , während bei /}» von aoristischer bedeutung nicht die 
rede sein kann. Die stelle E 9 /^i 8f ng ei Tgäsaai ^ÜQtjg 
(p. 107) und die ähnlichen damit zusammengestellten möchte 
ref. liber so auffassen , daß das nomen als apposition zu dem 
pronomen erscheint, also : unter den Troern war einer , nämlich 
Dares, oder : Dares, sc. mit namen. — Zum Schluß werden noch 
die präterita ijfiui und. xf-üua als imperfecte bezeichnet, während 
aTtvTD mit ausnähme von Ä 584 aoristisch , fnloTaro dagegen 
präsentisch gebraucht worden zu sein scheint; die erklärung der 
präsentia dieser verba ist noch dunkel. 

Das participium des kürzesten aorists (p. 124 — 172) 



262 49. Griechische grammatik. Nr. 6. 

bezeichnet an sich ebenso wenig etwas vergangenes als irgend 
eine andre form des aorists , sondern nur etwas , bei dem die 
Zeitdauer, die es in anspruch genommen, nicht weiter in frage 
kommen, das nur als ganz kurze zeit dauernd bezeichnet werden 
soll, letzteres z. b. in S.(,ia ö' ytltcp •AUTadim und in öi'ir« ö' 
ig rjtXiov. In den meisten fällen aber bezeichnet das participium 
auch dieses aorists das präteritum , mag nun , wie meistens das 
hauptverbum auch im aorist , oder im imperfect (p. 131) oder, 
was selten der fall ist , im präsens oder futurum stehen , oder 
mag es sich an einen imperativ, conjunktiv, Optativ oder Infini- 
tiv anschließen. Auch das seltene particip (jp«';,' (nur dreimal 
vorkommend) und das sehr häufige Imv hat aoristische bedeutung, 
die für eine sehr große anzahl stellen (sie füllen zehn selten) 
nachgewiesen wird. Man wird in bezug auf einzelne stellen 
verschiedener meinung sein können ; so glaubt ref. nicht , daß 
in dem oft wiederkehrenden verse ol ö' ors ö/; o'/^sdov tjoar in'' 
al'kijXoiaiv (övrsg (s. p, 140) das particip nothwendig aoristisch 
zu fassen ist; aber für die weitaus meisten fälle muß man die 
erklärung als richtig anerkennen. Hieran schließt sich die be- 
trachtung des nur der form, aber nicht der bedeutung nach hier- 
hergehörigen participiums «oo/ , bei dem sehr oft ni()^ ursprüng- 
lich = sehr, steht, worauf das participium medii folgt-, hier 
sind Siy^isroi^ (p. 159) und päofAerog (160) ihrer bedeutung nach 
als präsentia bezeichnet, während die form bei beiden (? s. Cur- 
tius I, 188 s. V. naf4tr()g) eine perfectform zu sein scheint; ganz 
dasselbe scheint der fall zu sein bei den participien iHfieiog und 
agiAftoi; (p. 163), dem sich noch ivxrifjiBvog anschließt. Wie 
sq)t]v und qpoct,', so hat auch cpdiASiog durchaus aoristische bedeu- 
tung, i](A.evüg und usifAerog und iniarä^ASvog dagegen präsentische. 
Zum Schluß stellt der verf. noch diejenigen verba zusammen, 
die von der verbalgrundform indicativi präsentis bilden. Ihre 
zahl ist sehr klein, sie beschränkt sich auf rjuai, neiftui, aztirai, 
deren erklärung dunkel ist und deren präterita (außer ativzo) 
als imperfekta anzusehen sind, und (y//«/, sJ^n und uui^ von de- 
nen q.i]ul und elpti in allen formen außer dem indicativ nach 
form und. Inhalt aoristischen charakter tragen ; ihre wurzeln ha- 
ben also ursprünglich jedenfalls nicht den begriff der dauer ent- 
halten und cf)]fjii bedeutete ursprünglich „ich werde laut, ich spreche 
los", ffju/ „ich nehme eine bestimmte gehrichtung", aus welcher 



Nr. 6. 50. Lateinische grammatik. 263 

bedeutung sich auch leicht die futurbedeutung von sl/xi „ich will 
gehen" erklären ließe. Bei f/jn/ dagegen ist es nicht mehr mög- 
lich, die sinnliche grundbedeutuug ans licht zu ziehen 5 es gilt 
schon bei Homer nur noch als formwort , um nominalen prä- 
dicaten verbale form zu geben. — Ein vollständiger index aller 
besprochenen verbalformen erhöht die brauchbarkeit des werth- 
vollen buches. 

In bezug auf die form sind dem ref. nur der satz p. 127 
„selbstverständlich wird überall die sorgfältige prüfung des ao- 
ristischen gebrauchs die wahre grundbedeutuug der je in frage 
kommenden verbalform genau festzustellen ein wichtiges moment 
bilden", und die französischen formen ,,temporell, participiell, 
pronominell, adverbiell" neben ,, verbal, local, präpositional" auf- 
gefallen. Fr. 

50. De genetivi apud priscos scriptores Latinos usu. Vom 
Oberlehrer dr. Eduard Loch. Abhandlung zu dem programm 
des königl. gymnasiums zu Barteustein 1880. 34 p. 4. 

Die arbeit ist eine ergänzung der durchgängig noch der 
Vervollständigung bedürftigen bekannten werke von Holtze und 
Dräger über die lateinische syntax: sie behandelt, wie der titel 
besagt, den gebrauch des genitivs in der lateinischen spräche 
der archaischen periode. Es werden nacheinander erörtert der 
genitiv apj^ositivus , materiae, posisessivus , objectivus, gerundü und 
gerundivi, qualitatis, partitivus , genitiv abhängig von causa gratia 
ergo vicem, von adjektiven, von verben , genitiv pretii, abhängig 
von interest und refej-t, sogenannter genitiv graecus, genitiv excla- 
mationis. Soweit referent controlirt hat, ist das material fast 
vollständig gesammelt , vermißt hat er unter den beispielen von 
plenus c. gen. Plaut. Mil. 90 plenus periuri atque adidteri, ein vers, der 
allerdings zu dem wahrscheinlich unplautinischen theile des pro- 
logs gehört, vgl. Brix zu 79; sonst pflegt jedoch der Verfasser 
auch solche stellen unter dem namen des Plautus mitzuzählen. 
Zu oblivisci mit dem akkusativ der sache gehört noch die pas- 
sive konstruktion Mil. 1359 muliehres mores discendi, oiliviseendi 
stratiotici\ ferner fehlt Poen. prol. 40 ü hoc quoque etiam, quod 
paene oblitus fui e. q. a. Zu tilgen dagegen ist unter dem gene- 
tivus Graecus das für die eigeuthümliche construktion domi cupio 
angeführte beispiel aus Mil. 801 ejus domi cupiet, da dies nur 



264 51. Homeros. Nr. 6. 

conjektur Ritschl's ist-, die Überlieferung hat übereinstimmend 
eiusmodist und so Brix, dessen anmerkung man vergleiche ; auch 
steht die erklärung von domi cupere keineswegs unbestritten fest, 
vgl. Brix zu Trinummus 841 

Als besonders bemerkenswerth hebe ich folgende beobach- 
tungen hervor : bei Plautus findet sich kein beispiel des genitivus 
gerundii nach einem adjektivum, der genitivus qualitatis ist im äl- 
teren latein viel seltener als der ablativus qualitatis und beschränkt 
im allgemeinen auf bestimmte redensarten : eius huius etc. modi, 
preti mit adjektiv {preti maioris parvi), niliili, frugi bonae oder 
bloß frugi, non nauci\ für den genetivus partitivus tritt sehr selten 
eine präposition ein. Zu bedauern ist , daß die auffassung der 
grammatischen beziehungen mitixuter der nöthigen schärfe und 
klarheit entbehrt, was nicht selten eine fehlerhafte anordnung 
zur folge gehabt hat : unter dem genitivtis appositivus sind zusam- 
mengestellte fälle, wie flagitium hominis, scelus viri mit stabulum 
nequitiae und scelerum caput : diese beispiele haben doch höchstens 
das miteinander gemein, daß von einem substantivum ein genitiv 
abhängig ist •, unter dem genitivus materiae ist untergebracht hospi- 
tium calamitatis aus Trin. 553 von einem landgut, wo das Un- 
glück einkehrt; die genitive abhängig von causa gratiä ergo vi- 
eem bilden eigene abschnitte unter der rubrik des gen. parti- 
tivus, welcher bezeichnet ist als genetivus quantitatis pendens 
ex adverbiis. 

Die arbeit ist auch in ihrer jetzigen gestalt nicht unver- 
dienstlich , würde aber bei methodischerer behandlung an inne- 
rem werthe sehr zugenommen haben. 

51. I. lieber den Ursprung der homerischen gedichte von 
J. P. Mahaffy, professor am Trinity College in Dublin. II. 
Ueber die spräche der homerischen gedichte von A. H. Sayce, 
professor an Queens College in Oxford. 

Autorisirte Übersetzung von dr. J. Im el mann, professor 
am Joachimsthalschen gymnasium bei Berlin. — Hannover, 1881. 
Hellwingsche Verlagsbuchhandlung. 68 p. 8. 1 mk. 50 pf. 

Professor Imelmann hat mit Übersetzung der beiden vorlie- 
genden abhandlungen einen glücklichen griff gethan. Sie ver- 
dienen auch in Deutschland allgemein gekannt und beachtet 



Nr. 6. 51. Homeros. 265 

zu werden. Ich will sie nicht kritisiren, sondern nur kurz über 
sie berichten. 

I. Mahaffy hält fest an der „wesentlichen einheit selbst 
der Ilias als der conception und des Werkes eines einzigen schö- 
pferischen geistes." Die fürsprecher dieser einheit, „welche die 
stärkste und unerschütterlichste position einnehmen", haben aber 
ihre sache in England wie in Deutschland ,, durch Übertreibungen 
und unbillige zumuthungen an unsern glauben verdorben." Es ist 
ferner unkritisch und zeugt von einem sehr mangelhaften Verständ- 
nis der Überlieferung, wenn man Ilias und Odyssee als das werk 
eines und desselben dichters in anspruch nimmt. Es ist ferner 
unkritisch , die einheit eines jeden gedichtes in der strikten 
durchftihruug eines in sich abgeschlossenen planes , in der aus- 
führung eines logischen grundrisses zu suchen. Mit der einheit 
der Ilias hat es seine besondere bewandtnis , der ursprüngliche 
plan war in ganz ungewöhnlicher weise erweiterungsfähig. Die 
ursprüngliche dichtung war ohne allen zweifei eine A c h i 1 1 e i s 
(Grote) und ist erst später zu einer Ilias angeschwollen , und 
zwar durch besondere lieder, die für ihre jetzige stelle vielleicht 
gedichtet, vielleicht zurechtgemacht worden sind (gegen Grote). 
Daraus erklärt sich die Inkonsequenz oder Zwiespältigkeit der 
Charaktere, eines Agamemnon, Diomedes und besonders des Hektor, 
dessen „rolle in der tragödie ernstlicher , als Grote vermuthete, 
mitgenommen worden ist." — Der ursprüngliche plan der Ilias 
ist nicht absolut original. In dem, was Phoenix im 9. buch 
über Meleagers leben und tod erzählt, liegt der stoff für ein 
glänzendes epos : der zorn der Artemis , die Verwüstungen des 
ebers , seine Verfolgung und erlegung , der streit um die beute, 
der sich daraus entspinnende krieg der Kureten und Aetolier, 
der mutter fluch über Meleager, seine plötzliche Weigerung dem 
vaterlande zu helfen, das flehen der verwandten, die erstürmung 
der Stadt , die bitten der gattin , sein plötzlicher Wiedereintritt 
und sieg , sein vorzeitiger tod — alles das , mit ausnähme des 
endes , erzählt Phoenix mit direkter beziehung auf Achilleus' 
zorn und düstere trostlosigkeit , und diese Meleagersage , Melea- 
gers zorn und seine Weigerung, dem vaterlande beizustehen, kann 
der funke gewesen sein, der den gedanken der Achilleis im 
geiste Homers entzündete. Kann sein. Aber kann es nicht auch 
umgekehrt gewesen sein ? Kann der dichter der Achilleis nicht 



266 51. Homeros. Nr. 6. 

der Meleagersage gerade diese form gegeben haben, so daß er 
„ein epos im epos" geschaffen hätte, wie es ja auch „eine tra- 
gödie in der tragödie" giebt? Wenn freilich dieser theil des 
9. buches nicht zur ursprünglichen dichtung gehörte und wenn 
die Meleagersage vor entstehung der Achilleis allgemein in 
dieser gestalt verbreitet war, so fällt unsere vermuthung in sich 
zusammen. 

Die ästhetischen anschauungen MahafPys sagen uns sehr zu. 
Es ist vollkommen richtig, daß der geschmack in fragen der hö- 
heren kritik kein kompetenter richter ist, daß vor allem das le- 
sende publikum über die e i n h e i t eines planes oder den ex- 
acten aufbau eines verwickelten ganzen nicht zu urtheilen ver- 
mag , so sehr es auch über den w e r t h einer dichtung auf die 
dauer entscheidet; denn unkritische, nur den genuß oder die 
erbauung suchende leser werden in jedem werke, das sie als 
eines überkommen haben , einheit und Zusammenhang finden, 
wie unzusammenstimmend oder widerspruchsvoll es im einzelnen 
auch sein mag, und, gestehen wirs nur, wir alle dringen schwer- 
lich bis zur auffassung des gesammtplanes vor oder halten, uns 
die einheit des kunstwerkes, des epischen zumal, kaum in jedem 
augenblicke gegenwärtig : „das vergnügen , welches gebildete 
männer gegenwärtig aus der Ilias schöpfen, beruht nicht auf ih- 
rem plan sondern auf ihren einzelheiten. Um ihrer prächtigen 
scenen, um ihrer rührenden episoden, um ihrer malerischen gleich- 
nisse willen lieben wir die Ilias zumeist, nicht ihrer Ökonomie 
oder ihrer structur halber." Beispiele: die psalmen „Davids", 
das Book of Common Prayer. 

Letzteres beispiel verwendet Mahaffy auch zur Widerlegung 
des einwandes , daß eine größere anzahl oder gar eine ganze 
schule so vortrefflicher dichter, wie sie seine hypothese voraus- 
setzt, in einem so kurzen Zeitraum nicht habe existiren können. 
Auch das deutsche evangelische kirchenlied im Zeitalter der re- 
formation dient ihm als analogen. Wie, das möge man in der 
Schrift selbst nachlesen. 

Zum beweise endlich dafür, wie subjectiv und wie wenig 
beweiskräftig die ästhetische kritik sei, führt Mahaffy II. 24, 
527 — 552 an, eine stelle, die ihm eine handgreifliche und im 
höchsten grade störende Interpolation zu sein scheint und die 
doch bisher von keinem einzigen destructiven kritiker ange- 



Nr. 6. 51. Homeroö. 267 

fochten ist. Ich glaube, der englische gelehrte hat recht. Warum 
mag selbst W. Jordan, ein mann von so feinem, geläutertem 
geschmack und sicherem takt, die verse unbeanstandet gelassen 
haben? — 

Das über die Odyssee gesagte wird einem erheblichen 
Widerspruch kaum begegnen. Im wesentlichen mit Kirchhoff 
einverstanden, schätzt Mahaffy doch die composition des gedich- 
tes sehr hoch und nimmt auch die zweite hälfte gegen den Vor- 
wurf der Verworrenheit und langweiligkeit in schütz. ,,Es würde 
nicht schwer sein , den nachweis zu führen , daß die prüfungen 
des unerkannten Odysseus in seinem eigenen palaste unter den 
übermüthigen freiem höchst kunstvoll variiert und verlängert 
sind, um den leser mit Ungeduld die schreckliche katastrophe 
erwarten zu lassen." Das gereiftere alter, meint er, werde heut- 
zutage die Odyssee häufiger und mit größerem vergnügen lesen 
als die Ilias. Wenn die Griechen der historischen zeit die Ilias 
vorzogen, so erklärt er das aus einem ,, pädagogischen" Interesse. 
Die Charakterschilderung wird des höchsten lobes werth befunden. 
Er schließt mit dem hinweis auf einen eigenthümiichen poetischen 
zug im Charakter der Penelope. Nichts sei auf den ersten blick 
befremdender als Penelopes hartnäckiges zweifeln am ende der 
erzählung, aber nichts sei gleichwohl psychologisch wahrer und 
tiefer. „Für eine natur wie Penelope war die Sehnsucht nach 
ihrem gatten so sehr die beschäftigung ihres lebens geworden — 
„gram füllt die stelle meines fernen kindes" (könig Johann act 3 
scene 4) — hat ihr denken dergestalt genährt und gesättigt, 
daß ihr nach seiner rückkehr ihr leben leer erscheinen mußte, 
ihre beschäftigung geraubt , und daß sie jener dumpfen erstar- 
rung anheimfiel, welche den geist lähmt. Denn nach einem gro- 
ßen und plötzlichen verlust wissen wir nicht', wie wir uns auf 
eine Veränderung unserer läge , auch wenn es eine glückliche 
ist, einrichten sollen , xmd unser gemüth will zuerst in das auf- 
hören eines kummers nicht willigen , der uns durch seine Ver- 
traulichkeit beinahe theuer geworden ist. Eine solche conception 
würden wir von Menander oder Shakespeare erwartet haben. 
Bei Homer ist sie wahrlich im höchsten grade überraschend." — 

Nicht um zu mäkeln , sondern um zu zeigen, wie aufmerk- 
sam ich gelesen habe, erwähne ich, daß ich trotz der vortreffli- 
chen, einem deutschen original völlig gleichkommenden über- 



268 51. Homeros. Nr. 6. 

Setzung, doch an drei stellen angestoßen bin: p. 4 „gedichte, 
in einigen von welchen"-, p. 9 „wie [sc. sollen wir ver- 
theidigen] Diomedes' furcht , irgend einem gott in Glaukos' ge- 
stalt zu begegnen, wo er an demselben tage . . verwundet hat" ; 
p. 22 „aber selbst zugegeben das, so scheint doch"; und bald 
darauf: „blutvergießen u. s. w. vor äugen, war der dichter . . 
bedacht". Ich spreche nicht von fehlem, sondern nur davon, 
daß ich momentan einen kleinen anstoß genommen habe. 

II. Die zweite abhandlung ergänzt die erste und bewegt 
sich mit ihr in gleicher richtung , wenn sie auch in den ergeb- 
nissen nicht völlig mit ihr übereinstimmt. Die summarische ana- 
lyse des homerischen dialekts scheint uns allerdings darzuthun, 
„daß die homerische spräche eine mosaik ist — der ausdruck 
vielleicht zu stark und nicht ganz zutreffend — worin Wörter 
von verschiedenem alter und aus drei verschiedenen dialekten — 
dem aeolischen, dem jonischen und dem attischen — - 
dergestalt mit einander vermischt sind , wie es nur in einem 
künstlichen dialekt denkbar ist, in einer nie wirklich vom volke 
gesprochenen, sondern von generationen von dichtem nach und 
nach für die bedürfnisse der epischen composition ausgebildeten 
Sprache." Man vergleiche hiermit die interessanten ausführungen 
W. Jordans in der einleitung zu seiner Übertragung , um nicht 
zu sagen nachdichtung der Odyssee. Wir heben hier nur zwei- 
erlei aus dem lehrreichen aufsatz hervor. 

Erstens ein princip. „Das zuverlässigste und wichtigste 
beweismittel, das wir in betracht zu ziehen haben, wenn wir al- 
ter und Charakter der Ilias und der Odyssee bestimmen wollen, 
ist die spräche dieser dichtungen. Hier ist kein räum für den 
individuellen geschmack oder die laune des kritikers; die ver- 
rauthungen und probabilitäten der „höheren kritik", wie die 
Deutschen es nennen, müssen festen thatsächlichkeiten platz ma- 
chen. Kennen wir das wann und wo eines wortes oder einer 
grammatischen form, so kennen wir auch die zeitgrenze der stelle, 
in der sie vorkommen, und den geographischen horizont des Ver- 
fassers." So Sayce im anfang seiner schrift. Den kleinen sei- 
tenhieb auf die Deutschen brauchen wir ihm um so weniger übel 
zu nehmen, als sich in der that viele auch der dii minorum gen- 
tium die finger an der höheren kritik verbrannt haben. 

Zweitens eine folgerung. Es ist gewiß verkehrt, bei aufiäl- 



Nr. 6. 52. Homeros. 269 

ligen und schwer zu erklärenden erscheinungen der sprachlichen 
form , der prosodie und metrik gleich mit dem auskunftsmittel 
„versnoth" bei der hand zu sein ; aber ebenso verkehrt ist es, 
in sprachlichen härten , prosodischen anomalieen und metrischen 
eigenthümlichkeiten oder Unregelmäßigkeiten ganz besondere und 
beabsichtigte Feinheiten entdecken zu wollen. Neben dem tiefern 
Verständnis der poetischen technik, die auch dem genialsten und 
sprachgewaltigsten dichter wegen des häufigen Widerstreites zwi- 
schen gedanken und form immerhin Schwierigkeiten bereitet, kann 
hier allein die sorgfältige erforschung der spräche nach ihrem 
entwickelungsgange und geschichtlichen verlauf den rechten weg 
zeigen. H. F. Müller. 



52. Ludovicus Lahmeyer, de apodotico qui dicitur 
particulae 8i in carminibus Homericis usu. Lipsiae typis B. G, 
Teubneri 1879. 46 p. 4. 

Eine dissertation von bleibendem werthe, deren anzeige auch 
jetzt noch nicht zu spät kommt. Die methodisch fortschreitende 
Untersuchung wird in folgender weise geführt. 

Kap. I eruiert, auf kritik und exegese gestützt, diejenigen 
stellen, in denen das 8i anobotiKov unzweifelhaft vorkommt. 
Ausgeschlossen bleiben vor der hand die Zusammensetzungen von 
b 8t und 70101^ 8t, weil es vielfach zweifelhaft sein kann, ob 
nicht 68s oder To/ot,ö* dafür zu schreiben sei. Diese fälle be- 
rücksichtigt das III. kap. Die partikeln, denen das 8t des nach- 
satzes korrespondiert, sind: ort (ön/iÖTs), evrs, tnti, siog (sicog), 
oqp^a, cog (temp.), ti (at), s'msQ, ferner die relativa 0(;, ag, oaaov. 
Niemals korrespondiert 8t den partikeln ngir, i](iog, rjvixa (letz- 
teres überhaupt nur einmal Od. 22, 198); Od. 13, 19 ist statt 
y/Ja ö' IntcGtiovzo (Aristarch) mit Bekker zu schreiben fTJdd^ 
sntaosvovzo. 

Der Schwerpunkt unserer abhandlung liegt in kap. II : Quo- 
modo 8s uno8oTi>:6v explicandum esse videatur. Um sichern boden 
zu gewinnen, verläßt der Verfasser das schwankende gebiet der 
etymologie, auf welche neuere erklärer zu großes gewicht gelegt 
haben. Die beweisaufnahme beginnt, wie billig, mit einem zeu- 
genverhör. Kvicala {8t demonstrativum) , K. W. Krüger (8t ab- 
geschwächt aus ö//). Kühner {8i anderntheils), Härtung (8t cor- 
responsivum,^, Nägelsbach (Öh oppositivum), Härtung (8e coniunctivum), 



270 52. Homeros. Nr. 6. 

Gottfried Hermann, der das 8f apod. in der regel durch eine 
anakoluthie erklärt, passieren der reihe nach revue und ihre er- 
klärungen werden in sachlich ruhiger weise besprochen , theils 
zurückgewiesen, theils auf das richtige maß beschränkt. Sodann 
nimmt die Untersuchung einen neuen anlauf, um sich von einem 
andern ausgangspunkte her ihrem ziele zu nähern. Wie näm- 
lich die parataktischen partikeln ä^>l«, avtäg, ri-', xaC, xai Tots 
den nachsatz beginnen, so scheint nichts im wege zu stehen, 
auch dem Ss des nachsatzes seine natürliche und ursprüngliche 
bedeutung zu vindicieren. In der that beschreiten Nägelsbach 
und Classen diesen weg, indem sie eine inkongruenz des logi- 
schen Verhältnisses der periode und ihres grammmatischen 
ausdrucks annehmen, also das scheinbar nach der grammatischen 
struktur hypotaktische 8s aus einer logischen parataxis erklären. 
Lahmeyer bemerkt dagegen, wie uns scheint mit recht, daß wir 
damit wieder auf die erläuterung durch eine art anakoluthie 
zurückgewiesen würden , die freilich nicht gänzlich auszu- 
schließen ist. Gerathener dürfte es sein , sich an Thiersch 
und Buttmann anzulehnen , die historisch verfahren und von 
dem grundsatz ausgehen, daß die spräche auf ihrer ersten d. h. 
epischen entwickelungsstufe die sätze parataktisch an einander 
reiht und erst allmählich zu hypotaktischen Satzverbindungen 
übergeht, vielfach noch mit beibehaltung parataktischer partikeln. 
Das princip ist gewiß richtig- Die homerische spräche bildet 
kein in sich abgerundetes einheitliches ganze , sondern trägt die 
spuren verschiedener Zeitalter und wohl auch verschiedener ma- 
nipulationen an sich •, oder wie es in unserer doctordissertation 
heißt: apparet , linguam Homericam minime certis et firmis legibus 
in unam viam impulsam et compressam esse, sed multa in ea fluctuare. 
Allerdings erwächst nun die aufgäbe zu zeigen , wie sich der 
Übergang von der parataxis zur hypotaxis, das fluctuieren beider 
constructionen, vollzogen habe und bemerkbar mache. Buttmann 
hat das zuerst versucht und Lahmeyer geht auf seinen spuren 
weiter. Die Verknüpfung der sätze, sagt Buttmann, geschah in 
den ältesten zeiten einfach durch pronomina und adverbia, die 
durch copulative und adversative partikeln verbunden wurden. 
Als beispiel einer solchen relation der sätze nimmt er ein ur- 
sprüngliches , jetzt zwar nicht mehr vorhandenes jöcfqa fulr — 
zo'gop« di an, das sich allmählich in oqga fxsp — TÖqga de, wie 



Nr. 6. 52. Homeros. 271 

wir es heute lesen, umgestaltete. Im weitern verlauf fielen auch 
fiH und di weg, beide zugleich oder eins von beiden; so er- 
halten wir die reine hypotaxis öcfou — Toqtga. Erscheint nun 
trotzdem neben dem r'.qoa noch ein (''V, so entsteht der ,, schein" 
einer anakoluthie. Wie aber, wenn wir ein bloßes 8t ohne Torfoa 
im nachsatze lesen? Dasselbe ist, antwortet Buttmann, meisten- 
theils aus metrischen gründen hinzugefügt. Hier setzt Lahmeyer 
ein. Er leugnet zwar die hinzufügung eines 8i aus metrischen 
gründen nicht durchaus (IL 5, 439. 10, 507. 11, 411. 714. 16, 
199; Od. 7, 340. 24, 205), aber an vielen stellen lag ein me- 
trisches bedürfnis nicht vor , da weder ein hiatus zu vermeiden 
noch eine silbe zu verlängern war. Darum geht er, mit beru- 
fang auf das vorkommende o^' fj.tv — oc 5«' und ws' fitv — w^ 
8s, von der annähme eines ocjou liii — "xf.oa 8i aus, welches 
allmählich in cq^u /.itt — töqga 8t überging, ähnlich wie dem 
^|MOi,', 07S, toog ein t^mo^-, 707f, t^Ws entspricht. Weiterhinkommt 
dann auch für ToqQu 8s das Ss allein vor, mit oder ohne ein 
voraufgehendes [ah. Trotz des hypotaktischen aussehens bleibt 
aber oqgu so gut wie roqga und 8s eine parataktische partikel. 
Für den Übergang der beiordnung in die Unterordnung der sätze 
spricht auch der gebrauch des pronomens ö oder o s" , von dem 
man oft schwer sagen kann, ob es relativ oder demonstrativ sei. 
II. 23, 319 ff. ist es in v. 319 demonstrativ, in v. 322 relativ. 
Eine Vermischung parataktischer und hypotaktischer construction 
haben wir z. b. Od. 22, 216; II. 24, 14. 9, 510. Und da 
müssen wir denn freilich die anakoluthie zu hülfe rufen. Ein 
Schema des gebrauchs der fraglichen partikeln in parataktischer 
wie hypotaktischer Satzverbindung , illustriert durch zahlreiche 
beispiele, beschließt das lehrreiche kapitel. 

Kap. III beschäftigt sich mit o 8s und c8e bezw. zolot; 8i 
und ToirjgSs. Gegen Aristarch einerseits (ö 8s mit Vorliebe) und 
Kvicala andererseits (nach temporalen und condicionalen parti- 
keln 8s, nach o* aber o8t) kommt Lahmeyer zu dem resultate, 
daß in correspondenz mit 0(,' niemals "8s sondern stets ö 8s zu 
schreiben sei, weil in dem o^ eine determinierende kraft (Butt- 
mann) liege , während umgekehrt auch in den drei condicional- 
sätzen II. I, 39. 503 und Od. 17, 240 ff. o8e erfordert werde. 
Die stellen, an denen das stärkere demonstrativum (j8s statt des 
einfachen o stehen muß, findet man bei Ebeling, lexicon Home- 



272 53. Homeros. Nr. 6. 

ricum ; alle falle in denen o 8s zu lesen ist, zählt Lahmeyer, nach 
klassen geordnet, auf. 

Den beschluß bildet ein doppelter conspectus sämmtlicher 
stellen, die das 8s dnoSonnör enthalten. Die erste tabelle giebt 
an, in welchen Verbindungen es überhaupt vorkommt ; die zweite, 
wie sich die verschiedenen fälle auf die bücher und verse der 
Ilias und Odyssee vertheilen. 

Eine appendicula verzeichnet das 8s änü8urm6v aus den 
homerischen hymnen, den hesiodischen gedichten, sowie aus Tyr- 
taeus, Theognis, Archilochus je eine stelle. Mit dem letzten frag- 
ment aus Archilochus läßt sich nichts sicheres anfangen. 

Ueber den werth solcher eingehenden grammatischen Unter- 
suchungen brauchen wir kein wort zu verlieren. Sie können 
selbst für die sogenannte homerische frage von nutzen sein, wäre 
es auch nur, um voreiligen behauptungen entgegenzutreten. Wenn 
z. b. Gramme (Homerische miscellen) geneigt ist, die verse Od. 
8, 266—369 und 24, 1—204 für unecht zu halten, weil in ih- 
nen kein 8s dno8oziy.6v vorkomme, so zeigt ein blick auf Lah- 
meyers tabelle, daß in hunderten von versen, die nie ein mensch 
angezweifelt hat, besagtes 8s fehlt. Jedenfalls sind genaue und 
zuverlässige beobachtungen über den homerischen Sprachgebrauch 
ein sichereres material für die höhere kritik als historisch-philoso- 
phische vorurtheile oder ästhetische velleitäten. 

H. F. Müller. 

53. Die entwickelung der homerischen poesie von Bene- 
dictus Niese. Berlin, Weidmannsche buchhandlung 1882. 
261 p. gr. 8. Preis 7 mk. 

In der widmung an August Wilmanns sagt der Verfasser 
zur rechtfertigung seines Unternehmens : „das, worauf es mir am 
meisten ankommt, die innige und unauflösliche Verbindung des 
dichterischen Stoffes mit der lorm , in der er uns vorliegt , d. h. 
mit den homerischen gedichten , habe ich nirgendwo, soweit mir 
die homerische litteratur bekannt ist, mit der bestimmtheit und 
klarheit, wie es mir erforderlich zu sein scheint, ausgesprochen 
gefunden. Dieser Zusammenhang von stoff und form scheint 
etwas selbstverständliches zu sein, ist aber doch ganz allgemein 
verkannt worden , weil man über die entstehung der epischen 
poesie anderen Voraussetzungen huldigt, die man für selbstver- 



Nr. 6. 53. Homeros. 273 

ständlich hält, die aber uie erwiesen sind und aucla in der Über- 
lieferung keine stütze finden." Wir brauchen nur den namen 
Lachmann zu nennen um daran zu erinnern, welche „Voraus- 
setzungen" hier gemeint sind. „Solche einheiten, wie die Achil- 
leis und Odyssee macht nicht der einzelne poet, sondern die 
sage, das gemeinsame dichten des geistes aller" (Lachmann an 
Lehrs). Vielleicht ist das umgekehrte richtig. Nicht die sage 
macht die dichtungen , sondern die dichter machen die sage. 
Wenigstens schließt unser buch mit dem satze : ,, durch sie (die 
dichter) ist die griechische volkssage aus dem epos geschaffen. 
Daß deren entwickelung mit der entwickelung des epos eins ist 
und daß man den sachlichen inhalt der dichtung von ihrer form 
nicht lösen kann und darf, betrachte ich als das vornehmste er- 
gebnis dieser Untersuchungen." Eichtung und absieht des vor- 
liegenden buches dürften damit hinlänglich bezeichnet sein. 

Der erste abschnitt — unsere schritt hat nur abschnitte, 
keine kapitel mit orientierenden Überschriften — fragt nach dem, 
was wir über die persönlichkeit Homers und über die frühesten 
Schicksale seiner gedickte wissen. Die antwort fällt dahin aus, 
daß uns sichere nachrichten gänzlich fehlen. Welckers hypo- 
thesen werden als unhaltbar verworfen , die combinationen von 
Lauer und Sengebusch in starken ausdrücken zurückgewiesen. 
Mißglückt sind die deutungen des namens Homeros , fabelhaft 
die erzählung, welche Homer mit Lykurg zusammenbringt oder 
von einer Sammlung der homerischen gedichte durch Lykurg zu 
berichten weiß ; eine litterarische erfindung ist ferner die nach- 
richt von dem Pisistratus und seiner redaktionskommission , die 
ohnehin den ,, sichern thatsachen" widerspricht, aus denen her- 
vorgeht, ,,daß sich die homerischen gedichte längst vor Pisistratus 
in ihrem heutigen zustande befanden." Wir wissen nur , daß 
die sogenannten Kykliker den Homer ,,und zwar beide gedichte 
schon in der gestalt vorfanden , in der sie auch uns vorliegen ; 
ebenso finden wir bei den ältesten lyrikern sichere beispiele der 
kenntnis und nachahmung Homers." Also sind wir bei unserer 
forschung lediglich auf die beiden epen selbst angewiesen. 

Der zweite abschnitt beginnt mit den werten : ,,nur eins 
können wir mit bestimmtheit behaupten, daß nämlich die home- 
rischen gedichte ursprünglich nicht schriftlich aufgezeichnet wa- 
ren , sondern mündlich durch die kraft des gedächtnisses von 
Pbilol. An^. XII. 19 



274 53. Homeres. Nr. 6. 

Sängern und dichtem fortgepflanzt wurden." Autorität: Friedrich 
August Wolf. Trotzdem müssen wir gestehen, daß wir diese 
Behauptung nicht für bewiesen und nicht für beweisbar halten. 
Was Niese gegen die einwendungen Bergks, Volkmanns u. a. 
vorbringt, erscheint uns recht dürftig. Selbst Bonitz (5. aufl. 
der bekannten schrift anm. 56) betrachtet die frage nach dem 
alter der schreibkunst als eine offene , obwohl er sich den 
grundgedanken der Wolfschen erörterungen aneignet. Wenn 
aber Bonitz die bedeutung dieser frage für die Untersuchungen 
über Ursprung und entwickelung der homerischen gedichte abzu" 
schwächen und als bedeutungslos hinzustellen sucht, so können 
wir ihm darin nicht folgen. Thatsächlich rechnet er auch mit 
der „mündlichen fortpflanzung" ; auch Niese braucht eine solche 
für seine hypothese, und doch verliert diese annähme bei dem 
Vorhandensein der schreibkunst gar sehr an Wahrscheinlichkeit, 
wird wenigstens ziemlich überflüssig, ganz abgesehen davon, ob 
sie überhaupt möglich ist. Wie Vortrag und Verbreitung der 
homerischen gedichte geschehen sei , soll sich aus dem , was in 
der Odyssee über den aotSog gesagt wird, ergeben; der sänger 
daselbst sei ein idealisiertes bild des dichters, und wie dort die 
lieder, so seien einst auch die Ilias und Odyssee vorgetragen. 
Aber woher wissen wir denn, daß Homer in jenen sängern sich 
selbst idealisierte ? Woher wissen wir , daß die vortrage des 
Phemios und Demodokos epische dichtungen waren , wohl gar 
in hexametern? Nieses beweisführung , wenn man von einer 
solchen reden kann, wird uns um so zweifelhafter, da in der 
Ilias die xlea afdgav, welche Achilleus singt, nichts beweisen 
sollen , weder für die dichtungsart , die uns in den homerischen 
gedichten erhalten ist, noch für den Vortrag derselben. Woher 
wissen wir ferner, daß jene sänger auch dichter waren? Der 
sänger trägt bekannte lieder vor, solche, die im schwänge sind! 
„man erwartet aber auch neue von ihm (a 351); er singt nicht 
nur die gedichte anderer, sondern dichtet auch selbst." Das ist 
denn doch ein allzu kühner Schluß. Neue lieder singen heißt 
doch nicht gleich selbst welche dichten. Die möglichkeit frei- 
lich, daß ein sänger zugleich dichter sei, läßt sich nicht bestrei- 
ten ; aber daß die sänger in der Odyssee epische dichter wie 
Homer selber gewesen seien, läßt sich nicht beweisen. Ebenso 
wenig läßt es sich beweisen oder ist von Wolf oder Welcker 



i 

Nr. 6. 53. Homeros. 275 

bewiesen worden, daß die rhapsoden fortsetzer der aöden waren. 
Wenn vollends den „sängern", welche die homerischen gedichte 
fortpflanzten „dichterische neigung und begabung" zugeschrieben 
wird, so ist das wieder eine unbewiesene behauptung. Ich ver- 
weise wegen der aöden und rhapsoden auf die „Geschichte und 
kritik der Wolfschen prolegomena" von R. Volkmann p. 241 ff. 
276 ff. Man findet dort wirklich mehr als „stellen und litteratur 
über die Homeriden", wie es nach Niese p. 11 anm. 2 scheinen 
könnte. Mit diesen Homeriden , sagt Niese selbst , sei für die 
homerischen gedichte nicht viel anzufangen ; ob man eine eigene 
zunft der Sänger anzunehmen habe, ist ihm ungewiß, er vermu- 
thet aber, daß sie unter sich in Verbindung standen und so eine 
gleichmäßige tradition unter sich erhielten. Eine art schule, in 
welcher die epische kunst traditionell gepflegt wurde, braucht 
er. Die Odyssee lehrt ihn nämlich, „daß die epische poesie eine 
kunstdichtung ist und von gelernten sängern geübt ward." 
Daraus soll sich die planmäßige Ordnung der beiden großen epen, 
eines jeden für sich und der beiden untereinander, soll sich fer- 
ner die künstliche spräche , die sich an keinen dialekt bindet, 
erklären. „Das stimmt nun trefflich mit dem bilde des „epischen 
gesanges" [eine contradictio in adiecto\ ,,iu der Odyssee." Dieser 
letzte satz ist mir etwas dunkel ; die erklärungen auf grund des 
aus der Odyssee gewonnenen satzes würden mir einleuchten, wenn 
derselbe begründet wäre. 

Der dritte abschnitt giebt zunächst die grundzüge der 
einheitlich und planmäßig gestalteten handlung beider gedichte 
und weist dann auf einige erscheinungen hin, die mit dieser ein- 
heit der handlung im Widerspruch stehen : wille des Zeus im 
aufang des zweiten buches triebfeder der handlung , im weitern 
verlauf keineswegs mehr ; die gesandtschaft an Achilleus von 
diesem am folgenden tage (77 71 ff.) völlig ignoriert; botengang 
des Patroklos. Dissonanzen auch in der Odyssee : doppelte göt- 
terversammlung , reise des Telemach neben der haupthandlung 
herlaufend und materiell für dieselbe ohne bedeutung. Schluß- 
folgerung : widerstrebende demente und unthätige bestandtheile 
wie die gehäuften mißhandlungen des Odysseus im zweiten theil 
der Odyssee, die kampfesscenen im 16. und 17. buch der Ilias 
sind unerklärlich, wenn die gedichte in ihrer heutigen gestalt das 
werk eines dichters sein sollen ,,Da wir ferner wissen, daß 

19^- 



276 53. Homeros. Nr. 6. 

die epische poesie durch sänger, die zugleich dichter waren, geübt 
und vorgetragen wurde, so liegt die vermuthung nahe, daß diese 
Sänger, in deren händen die Überlieferung der gedichte lag, 
auch die Urheber jener Veränderungen sind". Da haben wirs, 
weshalb die Überlieferung der gedichte nicht durch die fixierende 
Schrift , sondern durch das gedächtnis der dichter - aöden und 
rhapsoden nothwendig erfordert wurde Dies postulat wird als 
fundament benutzt zu weiterer konstruktion. „Gegen diese Schlüsse 
bedeutet es wenig, daß die Überlieferung des alterthums einen 
dichter zum Verfasser der Ilias und Odyssee macht. Denn diese 
Überlieferung betrifft eine zeit, aus der wir überhaupt nur schat- 
tenhafte künde haben, und giebt im gründe nur eine allgemein 
herrschende ansieht wieder. Sie ist zudem unwahrscheinlich ; denn 
mit recht hat Wolf bemerkt, daß in einer so frühen zeit nicht 
wohl gedichte solchen umfangs von einem dichter entworfen und 
ausgeführt sein können. Auch wenn die gedichte in tadelloser 
harmonie uns erhalten wären, würde diese erwägung gegen die 
tradition des alterthums sprechen". Man sieht, an kühnheit las- 
sen diese sätze nichts zu wünschen übrig; namentlich übersteigt 
der letztere alles maß, das einem besonnenen forscher erlaubt ist. 
Wir verlieren über diesen weiter kein wort. Aber gegen die 
bemerkung Wolfs und nach ihm Lachmanns, die Niese zu der 
seinigen macht und noch übertreibt, trotzdem er voraussetzungs- 
los bloß die gedichte fi'agen zu wollen erklärt — gegen diese 
angeblich unumstößliche „erwägung" müssen wir doch an dissen- 
tierende meinungen von männern erinnern, deren urtheil auch 
Niese sonst hochschätzt. Um von älteren forschern zu schweigen, 
citieren wir nur Kammer, der in Übereinstimmung mit Lehrs er- 
klärt: „die homerischen gedichte stehen nicht am beginn, son- 
dern bilden den höhepunkt der epischen poesie der Griechen." 
Ein englischer gelehrter, Mahafiy, spricht sich über diesen punkt 
so aus : „jeder dichter alter zeiten hat sich früheren materials 
frei bedient, und es ist kein fall bekannt, daß in den anfangen 
litterarischen Schaffens jemals ein erster großer schritt vorwärts 
gethan worden wäre, der nicht vorangegangene arbeit zur basis 
gehabt hätte" (p. 10 der Übersetzung von Imelmann). Aber 
gerade das Vorhandensein von einzelliedern oder einer bereits 
vor Homer ausgestalteten sagenpoesie leugnet Niese in diametralem 
gegensatz zu Lachmann u. a. Ob indessen Homer und seine 



i 



Nr. 6. 53. Homeros. 277 

nachfolger auch die sage erst geschaffen haben, bleibt doch sehr 
fraglich. Das allerdings geben wir zu, daß sich aus einer zu- 
sammenfügung von einzelliedern vor allem die spräche der ho- 
merischen gedichte nicht erklären läßt. Ebenso wenig kommen 
wir dadurch über die Schwierigkeiten in der komposition hinweg 
und es ist meines erachtens unwidersprechlich , wenn Niese von 
der Dolouie, nach Lachmann wie nach Nitzsch einem selbständigen 
liede , sagt , sie lasse sich nur im zusammenhange mit unserer 
Ilias denken : wohl sei eine Ilias ohne Dolonie, aber keine Do- 
lonie ohne Ilias möglich. Mindestens, fügen wir hinzu, müßte 
der eindichter mit dem etwa vorgefundenen liede eine völlige 
Umarbeitung vorgenommen haben , so daß es doch wieder als 
sein eigenthum anzusehen wäre. Genug , die von Bergk und 
Naber ausführlich und nachdrücklich verfochtene ansieht , daß 
uns in den homerischen epen ein durch starke zusätze erweiter- 
ter, ursprünglich wenig umfangreicher kern vorläge, entspricht 
auch nach unserm Verfasser den vorliegenden thatsachen am be- 
sten. Nur fordere die sache eine erneute, von allen willkürlich- 
keiten freie Untersuchung. 

Der vierte abschnitt sucht die thesis zu erhärten, daß es 
eine sage vom trojanischen kriege vor Homer nicht gab , diese 
sage vielmehr erst durch die homerischen gedichte geschaffen ist. 
Zur ergänzung dienen zwei exku.rse p. 233 — 256, namentlich 
der erste, in dem besonders die erwähnung der Argonautensage 
(II. f/> 40. H 467, Od.: ' Agya nüai ixslovaa) behandelt wird. — 
Referent muß gestehen, daß Nieses ausführungen ihn nicht über- 
zeugt haben, sondern daß er geneigt ist an der alten annähme 
eines in liedern oder sonstwie bereits vorhandenen sagenstoffes, einer 
sage festzuhalten. Niese leugnet zuerst das Vorhandensein einer 
tradition überhaupt, im weitern verlaufe das einer festen tra- 
dition , an welche die dichter ,, gebunden" gewesen wären. Ge- 
bunden waren die dichter doch nur in soweit als sie sich selbst 
binden wollten ; der dichterischen phantasie blieb für neue erfin- 
dungen von persouen und ereignissen Spielraum genug ; die ge- 
dichte sind nicht als einfache „wiedergäbe" des gemeinssam über- 
lieferten Stoffes zu fassen und fest wurde die sage allerdings erst 
nach ihrer tixierung durch die vorliegenden dichtungen. Auch 
da noch war freiheit gestattet, wie die behandlung der mythen 
durch die tragiker zeigt. Wohl waren die Kykliker von Homer 



278 53. Homeros. Nr. 6. 

abhängig , aber •wo sie neues , von Homer nocb nicbt erzähltes 
geben, können sie ebenso gut aus der sage als aus der eigenen 
phantasie geschöpft haben. Wenn sie aus dem reichen stoff nur 
wenig durchgearbeitete gedichte von mäßigem umfang zu stände 
brachten und ihre werke weit hinter denen des Homer zurück- 
blieben, so beweist das nur, daß sie eben den kunstverstand des 
Homer und sein poetisches ingenium nicht hatten. Weiter be- 
sagen auch die „bekannten und treffenden bemerkungen des Ari- 
stoteles" (Poet. cc. 8. 23) nichts. TJebrigens müßten sie eine 
lebhafte und schöpferische phantasie gehabt haben, wenn sie den 
ansehnlichen sagenstoff erfanden. (Vergl. p. 27 — 30). Warum 
soll es aber „unwahrscheinlich" sein, daß die ältere sage vom tro 
janischen kriege „in die homerischen gedichte aufging und mit 
ihnen erlosch , so daß nun die späteren nur aus ihnen schöpfen 
konnten?" Etwa „weil eine solche sage vieles enthalten mußte, 
was nicht in den beschränkten rahmen der Ilias und Odyssee 
hineinpaßte" ? Als ob Homer verpflichtet gewesen wäre , die 
ganze sage „wiederzugeben" ! Vieles, sehr vieles hat er ja doch 
in sein gedieht hineingearbeitet und zwar mit großer kunst ge- 
rade da, wo es zur Situation paßte und in der Ökonomie des 
ganzen an seiner stelle war. Niese weist öfter selbst darauf 
hin , nur soll der dichter das alles selbst erfunden haben ; und 
da, wo er darüber schweigt, soll er oder der dichter der betref- 
fenden partie nichts davon gewußt haben. Wenn in A nicht 
erzählt wird, was wir in Z erfahren (p. 35 und 38), so hat der 
dichter eben den schicklichsten ort gewählt. Den Schluß , daß 
Odysseus i 39 deshalb nicht erzählt, weil der dichter nicht wußte 
was Nestor 7 162 berichtet (p. 36), möchte ich nicht machen. 
Dies nur einige beispiele. Daß alle Widersprüche sich lösen 
alle Unebenheiten sich ausgleichen ließen, behaupte ich keines- 
wegs. An manchen stellen werden wir allerdings mit Lachmann 
die „spuren einer abweichenden sagentradition" wahrnehmen dürfen. 
Schließlich giebt Niese (p. 233 ff.) selbst zu, daß es lyrische 
Volkslieder gegeben haben könne. Auch hindere nichts anzu- 
nehmen, daß es vor dem epos eine erzählende poesie gab. „Man 
kann untersuchen, ob es spuren eines, einflusses giebt, den solche 
erzählungen, die nicht ursprünglich eigenthxim der sänger waren, - 
ausübten und ob derartige dichtungen eingang in die großeiy 
epen fanden. Auch hier ist ein urtheil sehr erschwert, weil dif 



Nr. 6. 53. Homeros. 279 

homerische poesie alles derartige , was schon vor ihr bestand, 
überwuchert und sich angeeignet hat." Der geschichte Bellero- 
phons und Meleagers können nach Niese volksthümliche erzäh- 
lungen zu gründe liegen , die der dichter nicht schlechthin er- 
fand , sondern nur einer passenden stelle einverleibte. Mit der 
^Aqyoi näai fxilovaa wird es nicht anders sein. Was für uns 
versunken und verloren ist, war es für Homer und die Kykliker 
nicht. Wie lange in und nach dem homerischen Zeitalter eine 
lebendige tradition sich erhielt, wissen wir nicht. Der Ursprung 
der sage und die anfange der poesie hüllen sich für uns in ein 
undurchdringliches dunkel. Daß es eine sage gab und daß lie- 
der gesungen wurden vor Homer , steht außer allem zweifei. 
Jedes kulturvolk hat seine sagen und lieder, wie immer sie ent- 
standen und beschaffen sein mögen : warum nicht auch das grie- 
chische? Wir kennen diese weit der sagen und der dichtung 
nur in soweit als sie uns durch Schriftwerk überliefert sind. Schade, 
daß die Ilias nicht auch beginnt : uns ist in alten maeren lounders 
vil geseit. Das wäre doch wenigstens eine künde und ein un- 
widerlegliches Zeugnis von der existenz jener uranfänglichen 
poesie. Dann hätte Niese auch nicht argumentieren können: 
weil die Ilias an keine früheren sagen anknüpft und nichts als 
bekannt voraussetzt, sondern sich schlechtweg als das erste epos, 
das epos vom trojanischen kriege giebt, darum gab es frühere 
sagen vom trojanischem kriege nicht (p. 32). Homer hat alles 
selbst erdacht, was er erzählt, auch den „hintergrund , der sich 
im laufe der dichtung erweitert und bestimmter ausgemalt wird." 
Auch diesen? ganz und gar? Nein. „Es ist selbstverständlich, 
daß die homerischen gedichte ihren hintergrund von anfang an 
gehabt haben müssen ; denn er ist dasjenige , was die dichtung 
in die reale weit hinein versetzt, in dem jede dichtung sich be- 
wegen muß. Aber was den dichter , wer er auch war , bewog 
z. b. den zorn des Achilleus zu dichten und ihm diese vimge- 
bung zu geben , daß wissen wir nicht. Natürlich empfing er 
dazu eine anregung aus der Wirklichkeit, einer Wirklichkeit, 
die jetzt verschollen ist. Aber es braucht das nicht ein 
trojanischer krieg oder eine der handlung des gedichtes ähn- 
liche begebenheit zu sein ; denn dann könnte man ebenso 
gut annehmen , daß die Ilias und Odyssee nichts seien als ge- 
schichte in versen. Hier hört für uns die möglichkeit des Wissens 



280 53. Homeros. Nr. 6. 

auf, das historisch gegebene beginnt erst mit den in sich fertigen 
und abgeschlossenen poetischen kompositionen." Wir fragen dem 
gegenüber: muß der dichter die anregung von der Wirklichkeit 
empfangen und muß jede dichtung sich in einer realen weit be- 
wegen? Wir meinen, der stoff einer dichtung brauche keineswegs 
der Wirklichkeit entnommen zu sein , sondern könne von anfang 
bis zu ende auf freier erfindung beruhen ; wahr muß die dich- 
tung allerdings sein , aber wirklich braucht sie nicht zu sein. 
Der dichter kann die anregung ebenso gut aus der sage wie 
aus der Wirklichkeit empfangen , und die frage ist nicht : was 
bewog den Homer den zorn des Achilleus zu dichten? sondern: 
wie mag die sage vom trojanischen kriege entstanden sein? 
Möglich, daß hier die möglichkeit des wissens für uns aufhört. 
Der dichter aber wählte gerade diesen stoff, weil er an ihm die- 
jenigen eigenschaften fand , die ihn zu einer poetischen behand- 
lung vor andern tauglich erscheinen ließen. Er hätte auch einen 
andern stoff wählen können, z. b. die geschichte des Meleager, 
die alle elemente eines glänzenden epos wie im keim in sich 
schließt (Mahaffy bei Imelmann p. 11). Ist es aber wohl denk- 
bar, daß Homer aus irgend einer, dem trojanischen kriege nicht 
einmal ähnlichen begebenheit die sage vom trojanischen kriege 
geschaffen habe? Es scheint uns einem manne zu viel zuge- 
muthet, daß er gedichte wie Ilias und Odyssee nach stoff und 
form gänzlich frei erfunden und gestaltet habe. Das behauptet 
auch Niese keineswegs. Er schließt vielmehr so : der dichter 
hat die sage nicht vorgefunden, sondern mit den gedichten sie 
erst geschaffen. Das kann aus verschiedenen gründen ein mann 
unmöglich geleistet haben. Folglich sind es mehrere gewesen. 
Ilias und Odyssee sind nach form und Inhalt das produkt einer 
längern entwickelungsreihe , das werk vieler jähre und vieler 
bände. Wie vieler, erfahren wir nicht; es müssen ihrer aber 
ziemlich viele gewesen sein. 

Aeltere und jüngere bestandtheile in beiden epen nachzu- 
weisen, macht sich der fünfte abschnitt zur aufgäbe. Daß die 
Odyssee aus sachlichen und sprachlichen gründen jünger ist als 
die Ilias, bezweifelt niemand. Jüngere bestandtheile in der Ilias 
sucht Niese nachzuweisen aus einigen stellen, die sich wie die 
kopie zu dem original verhalten : J2 283 ahmt /7 220, und 71419 
ahmt X 166 nach. Ganze verse oder versgruppen sind aus 



Nr. 6. 53. Homeros. 281 

einem theile in den andern übertragen, so Fl 214 in A^ 134. 
Das konnte nur von einem jüngeren dichter geschehen. Andere 
anstoße sind lediglich ästhetischer art: matte stellen, dürftige 
oder überladene partieen , überflüssige gleichnisse , störende epi- 
theta u. dergl. mehr. Darüber zu streiten ist zwecklos. Nur 
ein beispiel. Odysseus untersucht seinen bogen, 

[xtj xiga Ineg sdotev unoi'/^ofAiioto uvaxTog (qp 395). 
Das soll ein ,, abgeschmackter" zusatz sein , ,,als wenn auch die 
motten ihn als ihren herrn anerkennten", eine ,, phrasenhafte Wie- 
derholung" aus Q 296, wo von dem getreuen hunde Argos ge- 
sagt wird : 

8rj Tors asIt uno&sarog unoi^optiioio üvu>irog. 
Ich weiß nicht , ob jemals einer an dem verse in qo anstoß ge- 
nommen hat , meine aber , daß die motten den bogen deshalb 
zerfressen haben könnten, weil der herr oder der herrscher (nicht 
ihr, der motten, herr!) wegen seiner abwesenheit ihn so lange 
nicht gebraucht hat-, außer ihm vermochte ihn bekanntlich nie- 
mand zu spannen. — Nachdem festgestellt worden, daß ältere 
und jüngere partieen in den homerischen gedichten zu sondern 
sind , wird diese sonderung in den folgenden abschnitten vorge- 
nommen. Die leitenden gesichtspunkte giebt der Verfasser mit 
folgenden Worten an : ,,wir müssen bei dieser Untersuchung neben 
andern kriterien vor allem auch die schon bemerkten Uneben- 
heiten und anstoße der komposition selbst benutzen, die ja zuerst 
zweifei an der einheit der gedichte hervorgerufen haben. Jedoch 
darf man dabei nicht vergessen , daß uns die gedichte selbst, 
d. h. die poetisch gestaltete erzählung, als das zuerst und allein 
gegebene vorliegen, daß der Inhalt der gedichte und besonders 
der Ilias, soweit uns überhaupt eine erkenntnis möglich ist, nur 
in der form dieser bestimmten poetischen komposition existierte 
und daß davon die etwa anzunehmenden Veränderungen ihre 
feste grenze finden; diese also niemals so groß gewesen sein 
können, daß jene, die erzählung, erst ihr werk wäre. Alle die- 
jenigen theile ferner, die für die dichterische komposition, wie 
sie sich aus den elementen der handlung zusammensetzt, noth- 
wendig erscheinen, müssen demnach auch ursprünglich ihr ange- 
haftet haben. Das übrige für den verlauf derselben weniger 
wesentliche braucht darum nun noch nicht später hinzugefügt 
zu sein; es kann aber für hinzugefügt gelten, wenn diese an- 



282 53. Homeros. Nr. 6. 

nähme sich als nothwendig oder ■wahrscheinlich erweisen sollte. 
Als grundlage der handlung sind die auch in den jetzigen ge- 
dichten maßgebenden punkte zu bezeichnen : für die Ilias ist es 
der zwist des Achilleus und Agamemnon , die entfernung des 
Achill vom kämpfe , die dadurch verursachte niederlage der 
Achäer und der brand der schiffe. Ihm folgt die entsendung 
und der tod des Patroklus , durch den der zorn des Achilleus 
gelöscht wird und nun die räche an Hektor erfolgt. Für die 
komposition der Odyssee ist bestimmend, daß in die dichtung 
von der heimkehr des Odysseus seine frühern irrfahrten in form 
einer selbsterzählung eingelegt sind." Die erwähnten „andern 
kriterien" sind beispielsweise für die Ilias : das eingreifen der 
götter, die einführung neuer beiden und hinzudichtung von ari- 
stieen, die Verwendung der Streitwagen (X — XII). 

Dies referat würde zu einem buche anschwellen , wenn wir 
die folgenden abschnitte in gleicher ausführlichkeit wie die fünf 
grundlegenden besprechen wollten. Wir müssen uns mit einer 
kurzen Inhaltsangabe begnügen. Niese wiederholt vielfach schon 
früher gesagtes. Worauf es ihm besonders ankommt, haben wir 
gleich anfangs hervorgehoben. Das neue liegt in dem (auch 
von andern, z. b. von Kirchhoff für die Odyssee bereits versuch- 
ten) nachweis, daß die Jüngern bestandtheile planmäßige und 
oft sehr geschickte eindichtungen sind, die für sich selbst nie 
bestanden haben , sondern von anfang an auf eine einfügung •; 
in den ursprünglichen plan berechnet waren und deren zusam- ^ 
menhang mit dem vorliegenden kern sorgfältig motiviert wird. 
„Die bearbeitung der homerischen gedichte wurde eine schule : 
der dichtkunst," Das vorgestellte Zeitalter muß also an guten 
dichtem außerordentlich fruchtbar gewesen sein-, erst die Ho- 
meriden alle und dann die Kykliker: welch eine schaar ! 

Die abschnitte VI — XIV sind der Ilias gewidmet. Als re- 
sultat seiner Untersuchungen denkt sich Niese die ur-Ilias so : 
„der älteste und erste stamm der Ilias bestand etwa aus buch I 
mit ausnähme des letzten theiles , dem Schluß von 0, dem an- 
fange von 77 und theilen der späteren bücher bis zum 22. ge- 
sange ; vielleicht kamen dazu noch theile des IS.buches." Also: 
zwist des Achilleus und Agamemnon, trainnbild , auszug der 
Achäer; niederlage und brand der schiffe; entsendung und tod 
des Patroklos , kämpf um seinen leichnam ; räche des Achilleus, 



Nr. 6. 53. Homeros. 283 

rückkehr in den kämpf und tödtnng des Hektor. „Das was so 
als ursprünglicher kern der Ilias übrig bleibt, sind die einfachen 
grundzüge der handlung , deren träger wenige personen waren, 
außer Achill und Agamemnon, Odysseus, Aias, Hektor und Pa- 
troklos, vielleicht noch Idomeneus. Die erzählung war viel 
kürzer als jetzt und schritt rasch vorwärts" (p. 135). — Wir 
enthalten uns aller bemerkungen und geben nur noch die hülle 
dieses kerns an. „Zum ältesten stamm der Ilias wurde , soviel 
man erkennen kann, zuerst die "Exrogog öfiiXia, Hektors gang in 
die Stadt, hinzugedichtet, veranlaßt durch das drängen des Dio- 
medes, zugleich als Vorbereitung auf den tod des troischen bei- 
den ; die begegnung des Glaukos und Diomedes war darin einge- 
legt. Es ist der Inhalt von buch 6 , dessen abschluß die Ver- 
wundung Diomeds im 11. buche bildete. Nun wurde die aristie 
des Diomedes in ausführlicher dichtung hinzugethan mit den 
kämpfen der götter; auch die Streitwagen wurden hier zuerst in 
die Schlacht gebracht. Sie erhielt als einleitende scene den Zwei- 
kampf des Menelaos und Paris , in den nun weiterhin die tei- 
choskopie eingefügt ward. Das 2. buch ward durch die nsiga 
erweitert, der die inin(ü7iriaig folgte. In der zweiten hälfte der 
Ilias gehören vielleicht theile des 13. buches (Idomeneus) zum 
ältesten bestände-, jedenfalls ist der kern jenes buches dem dich- 
ter der teichomachie schon bekannt, die also erst nachher hinzu 
kam. Vielleicht wurde nun durch die größere ausdehnung der 
kämpfe eine Unterbrechung derselben veranlaßt : es geschah 
durch den Zweikampf Hektors mit Aias , dessen zeitliches Ver- 
hältnis zu dem früheren Zweikampfe nicht recht klar ist. Wer 
die kämpfe hier zur ruhe kommen ließ, mußte nun auch die wie- 
deraufnähme besorgen, die jetzt in der aristie Agamemnons sich 
vollzieht ; die teichomachie veranlaßte ferner den mauerbau, durch 
den ein Waffenstillstand geboten wurde. Dazu kam später die 
gesandtschaft hinzu sammt dem vorbereitenden 8. buche ; in der 
Dolonie erhielt diese sodann einen neuen Zuwachs, der jünger zu 
sein scheint als die snmcöXtjaig. Die gesandtschaft gab weiter- 
hin das modell für die Versöhnung der gegner im 19. buche 
u. s. w. So sehen wir die Ilias förmlich vor unsern äugen 
entstehen und schauen in die große dichterwerkstatt hinein. 
Wie der Inhalt sich erweitert, so bereichert sich auch die dar- 



284 53. Homeros. Nr. 6. 

Stellung : ein dichter lernt vom andern, der spätere machts besser 
als der frühere, manchmal auch schlechter (p. 139). 

Abschnitt XV — XXIII gehören der Odyssee. Vier schich- 
ten lassen sich unterscheiden : eine urschicht , auf die sich drei 
jüngere gelagert haben. Die älteste Odyssee: ankunft bei den 
Phäaken, apologe (vielleicht Kyklopeia ausgeschlossen), heimkehr, 
begegnung unter fremder maske mit Penelope, erkennung. „Die 
erzählung ist am reinsten in den ältesten apologen erhalten ; sie 
war kurz, gedrungen und einfach." Erste erweiterung : Kyklopie 
(vielleicht) , Kirke , Sirenen , Skylla und Charybdis ; besonders 
wichtige neuerung die Kalypso, damit verbunden einführung 
der götter , Poseidon und Athene ; Nausikaa. Zweite erweite- 
rung : Telemachie , erste götterversammlung , treiben der freier, 
räche unter mitwirkung des Telemach. Dritte erweiterung : 
Nekyia, Thrinakiaepisode, zusätze zum zweiten theil, wiedersehn 
mit Laertes , hadesfahrt der freier , Versöhnung. Keine dieser 
erweiterungen hat aber jemals für sich bestanden, alle schließen 
sich an die gegebene komposition an. Die Verbindung des neuen 
mit dem alten mochte oft nachträglich vervollständigt werden. 
Im besondern haben sich die dichter der Jüngern bestandtheile 
die aufgäbe gestellt, die sage durch neue dichtungen zu berei- 
chern (p. 190). 

Eine vergleichung der Odyssee mit der Ilias (XXIV) er- 
giebt als resultat, „daß die Ilias und Odyssee zu dem , was sie 
sind , erst durch eine wahrscheinlich lange andauernde und un- 
unterbrochene entwickelung geworden sind : während die anfange 
beider gedichte vielleicht nahe an einander liegen, ist der wei- 
tere ausbau zuerst bei der Ilias erfolgt, darnach bei der Odyssee." 
Dieser satz wird XXV weiter begründet und noch einmal eine 
genetische entwickelung der beiden epen in kurzem überblick 
gegeben. Am schluß tritt die anfangs schüchtern geäußerte 
meinung von einer eigenen „zunft der sänger" (p. 13 anm. 1) 
als sichere folgerung auf. „Es ergiebt sich, daß die sänger oder 
dichter unter einander in Verbindung standen und sich die dich- 
tung und ihre kunstübung überlieferten wie in einer schule, die 
zuerst wohl eine einzige war und deren wandernde mitglieder 
die dichtung und ihre Verbreitung besorgten" (p. 209). Sollte 
sich nicht auch ergeben, daß die ur-Ilias und ur-Odyssee von ei- 
nem einzigen dichter stammen? Bei der eigenthümlichen be- 



Nr. 6. 53. Homeros. 285 

schaffenheit der beiden „kerne" und ihrem Verhältnis zu einander 
wäre das ja möglich. Durch irgend ein wirkliches ereignis ver- 
anlaßt dichtete Homer einen kurzen trojanischen krieg mit dem 
zorn des Achilleus im mittelpunkt und dem nöthigen hinter- 
grunde. Diesen hintergrund benutzte er dann wieder für den 
Nostos des Odysseus, der in der Ilias wenigstens schon genannt 
wird; „und sein name", lesen wir bei Niese p. 192, „ist unzer- 
trennlich von seinem begriff, den er durch die Odyssee hat; wer 
ihn daher aussprach , dachte dabei wohl an den beiden der 
Odyssee und von der erwähnung des Odysseus muß man auf 
die existenz der Odyssee schließen." 

Abschnitt XXVI handelt von ort und zeit, Zeitalter der 
homerischen gedichte. Wann dieselben in ihrer heutigen gestalt 
vollendet waren? Spätestens schon um die mitte des 8. Jahr- 
hunderts, denn um diese zeit lebte Arktinos, der in seiner Aethio- 
pis nicht nur die Ilias, sondern auch die Odyssee voraussetzt. 
Ferner: Kallinos um 700 kennt die Kosten, die später fallen 
als die Odyssee. Demnach : Odyssee noch ein „beträchtliches 
stück'- vor der 1. Olympiade vollendet, „bedeutend früher" die 
Ilias. „Die zeit ihres anfangs zu bestimmen, verzichte ich: aber 
wahrscheinlich liegen Jahrhunderte zwischen ihrem anfang und 
ihrem abschluß ; denn ihre eigenthümliche beschaffenheit scheint 
ja zu beweisen, daß sie durch eine lange reihe von bänden ge- 
gangen sind, die in ihnen dichtung auf dichtung häuften" (p, 227). 

Der XXVII. und letzte abschnitt erinnert an den weitern 
ausbau und die Vollendung des trojanischen Sagenkreises durch 
die Kykliker und betont wiederholt den satz : keine griechische 
sage ohne die homerischen gedichte. 

So sind wir denn glücklich bei der umkehrung des bisher 
als gültig angenommenen satzes angelangt; keine homerischen 
gedichte ohne eine voraufgehende sage. Wäre der umgekehrte 
satz richtig, wir würden der lösung von mehr als einem problem 
mit einem schlage überhoben sein. Nicht nur der Ursprung und 
die entwickelung der homerischen gedichte, auch die entstehung 
der sage wäre zugleich mit erklärt. Niese hat einen kühnen 
griff gethan , aber die geschichte wird über ihn hinweggehen 
wie über manchen andern kühnen griff. Das fundament der 
hypothese ist höchst unsicher , die rekonstruktion der gedichte 
bewegt sich , wie alle derartige Unternehmungen , in einem clr- 



286 53. Homeros. Nr. 6. 

culus vitiosus. Veranlaßt durch wirkliche oder vermeintliche Wi- 
dersprüche, Unebenheiten und anstoße aller art konstruiert man 
sich eine einheitlich gegliederte handlung und beginnt nun von 
dieser selbstgemachten einheit aus, die widerstrebenden elemente, 
die störenden zusätze , die überschießenden und matten stellen, 
kurz die unorganischen theile auszuscheiden. Alles stimmt nun 
vortrefflich oder doch so ziemlich, auch zu den anderweitig ge- 
wonnenen Überzeugungen von der entstehung der sage, dem Ur- 
sprung der poesie u. s. f., Überzeugungen, die bewußt oder un- 
bewußt das ganze geschäft von vornherein beeinflußten. Angeb- 
lich hat man sich nur auf die gedichte selbst beschränkt. So 
auch Niese. Anfangs tritt er äußerst behutsam auf und sucht 
seinen fuß nur auf durchaus gesicherten boden zu setzen. Aber 
je länger desto mehr „verrathen" ihm die gedichte oder „schei- 
nen" ihm doch zu verrathen. Die gedichte selbst: „das 
mag theoretisch recht gut klingen , aber in der wirklichen aus- 
führung wird es doch wohl bedeuten, dem subjektiven belieben 
und der persönlichen Stimmung die entscheidung anheimgeben. 
Sahen wir doch männer des gediegensten urtheils auf dem ge- 
biete der poesie , welche sich unzweifelhaft eben durch die ge- 
dichte selbst in ihrem urtheil bestimmen ließen, im schärfsten 
Widerspruche stehen. Und sollte es überhaupt möglich sein, bei 
dichtungen aus einer uns so fern liegenden zeit zu bestimmen, 
welches maß inneren einklangs erforderlich ist, um sie als ur- 
sprünglich einheitlich anzuerkennen?" (Bonitz p. 17). Dazu die 
anmerkung aus Goethes briefwechsel mit Schiller : „es lebt über- 
haupt kein mensch und wird nicht wieder geboren werden, der 
dies zu beurtheilen im stände wäre. Ich wenigstens finde mich 
allen augenblick einmal wieder auf einem subjektiven urtheil: 
so ists andern vor uns gegangen und wirds andern nach uns 
gehen." — Völlig unbegreiflich erscheint es mir, daß Niese an 
dem ergebnis der Wolfschen prolegomena und an der mündli- 
chen fortpflanzung der homerischen gedichte wie an einem axiom 
festhält. Ueberlegen wir doch ! Ein beträchtliches stück vor die 
erste olympiade fällt die Vollendung der Odyssee und noch bedeu- 
tend früher die der Ilias : „wahrscheinlich liegen Jahrhunderte zwi- 
schen ihrem anfang und ihrem abschluß." Also Jahrhunderte vor 
der ersten olympiade schafft ein dichter die erste Ilias und „um ein 
beträchtliches" später derselbe oder vermuthlich ein anderer — 



Nr. 6. 53. Homeros. 287 

Niese spricht sich darüber nicht aus — die erste Odyssee. Als- 
bald finden sich sänger, die jene gedichte auswendig lernen und 
von geschlecht zu geschlecht überliefern. Weil aber die sänger, 
erst aöden dann rhapsoden, auch zugleich dichter sind, so schwel- 
len die gedichte zu immer größeren massen an, schiebt lagert 
sich auf schiebt , ,,eine lauge reihe von bänden häuft in ihnen 
dichtung auf dichtung." Hände sind es nun schwerlich gewesen, 
sie konnten ja nicht schreiben •, das gedächtniß allein hatte die 
von mund zu mund überlieferten dichtungen aufzunehmen, die 
immer höhere anforderungen an den dichtenden sänger oder sin- 
genden dichter stellten. Ohne die hülfe der schreibkunst, ohne daß 
ein fertiges exemplar vorgelegen hätte, werden die planmäßigen 
eindichtungen mitsammt den Veränderungen , die sie erheischen 
um den ursprünglichen plan nicht über den häufen zu werfen, 
bewerkstelligt. Aber endlich muß doch dieser ewige singsang, 
ich meine das ausschließliche singen und sagen aufhören. „Etwa 
um das jähr 830" sind die homerischen gedichte nach der an- 
gäbe Herodots „bekannt." Nur von hörensagen, nur durch münd- 
liche tradition? Vermuthlich erhalten sie sich auch so einige 
decennien. Denn wir lesen weiter p. 227: „dem erwachenden 
Hellas — und dieses erwachen fällt etwa in die mitte des 8. 
Jahrhunderts — lag das werk vollendet vor, das einzige sicht- 
bare erzeugnis der älteren zeit, eine erbschaft der väter, von 
der die söhne in vielen generationen zehrten." Ein „sichtbares 
erzeugnis liegt vollendet vor" , also geschrieben. Das stimmt 
nun schlecht zu dem von Wolf „erwiesenen" satze, daß um den 
anfang der Olympiaden höchstens die buchstaben bekannt waren, 
daß wir aber den allgemeinen gebrauch der schreibkunst , die 
abfassung von büchern nicht über das Zeitalter des Thaies, 
Solon und Pisistratus zurückverlegen dürfen. Niese selbst sagt 
p. 8 : „erst im 7. Jahrhundert begann mit der aufzeichnung von 
gesetzen ein reichlicherer gebrauch der schritt und erst damals, 
als mit der eröffnung Aegyptens für ihren handel den Hellenen 
im papyrus ein bequemes Schreibmaterial zukam (Herodot V, 58), 
begann die möglichkeit einer ausgedehnteren anwendung der 
Schrift in der litteratur, durch welche nun der prosaischen lit- 
teratur, die der schritt bedarf, der weg geebnet wurde." Also 
erst im 7. Jahrhundert begann die „möglichkeit" litteraturwerke 
aufzuschreiben, in Wirklichkeit wird man gedichte von dem um- 



288 54. Homeros. Nr. 6. 

fang der Ilias und Odyssee, 16000 und 12000 verse, nocli nicht 
aufgeschrieben haben. „Nicht einmal das wird man beweisen 
können, daß die beiden epen zu den frühesten werken der litte- 
ratur gehören, die zur schriftlichen aufzeichnung gelangten, wenn 
es auch wahrscheinlich genug ist" (p. 9). 

Ich bin hier völlig am ende. Ob Nieses buch ein ferment 
in der homerischen frage werden und neue bahnen eröffnen wird, 
bezweifle ich. Aber anerkennen wird jeder leser, daß die Un- 
tersuchung selbst mit gelehrsamkeit, umsieht und Scharfsinn gründ- 
lich und von den angenommenen prinzipien aus methodisch ge- 
führt worden ist. Besonders wohlthuend wirkt die ruhe und 
Objektivität der darstellung sowie die milde und überall würdige 
art der polemik. H. F. Müller. 

54. La commissione omerica di Pisistrato e il ciclo epico 
per Domenico Comparetti, professore nel E. Instituto di 
studii superiori a Firenze. — Torino, Ermanno Loescher 1881. 
Pag. 15. 8. 

Comparetti behandelt die vielbesprochene notiz des anony- '■ 
mus de comoedia bei Gramer, Anecd, Paris. I. : ol 8s rsaaagal 
tiai tijv im nsißiGigdTOv diOQ&coaiv avacfSQOvaiv, 'Ogqjsi Kgotm- 
viarri, ZoanvQCp 'HgaytlemTrj , 'Ovoiiangltcp ' ^&tjvai(^ xal nay inl 
KoynvXa. In den letzten, offenbar corrumpierten worten naysni- 
KoynvXm hat man vermuthet, stecke ein iniaog nvtiXog, und diese 
vermuthung nennt Ritschl ein laudabile sane inventum. E. Volk- 
mann sagt in seiner „Geschichte und kritik der Wolfschen Pro- 
legomena" p. 339, gegen die Überlieferung, daß Onomakritos 
mit seinen genossen den epischen cyclus zusammengestellt habe, 
lasse sich nichts einwenden •, die vermuthung, daß in sninoyvvXco 
eine erwähnung des epischen cyclus steckt, scheint ihm eine so 
evidente, daß sich dagegen gar nicht aufkommen läßt. Compa- 
retti urtheilt anders. Neben dem erwähnten passus findet sich 
nämlich die marginalnote ^&r]vo8oögcp sni'aXijv KogÖvkCmvt. Dar- 
aus ergiebt sich , daß man nicht abzutheilen habe nixy sni Koy- 
nvlco , sondern nay snin oynvXco ^ denn sniK sei die abkürzung 
oder der rest von inUlriv. So erhalten wir statt des KöynvXog 
QmQia. "OyHvXog ^ ein name , der auch "Ojft'^o?, "OkkeIoq , "Onnilog 
u. s. w. geschrieben wird. Nun erwähnt lamblichus am Schlüsse 
der vita Pythagorae zwei brüder: OxxsXog und "OuxiXog, wie nach 



Nr. 6. 55. Scolia. 289 

dem besten codex, dem Laurentianus, zu schreiben. In dem 
letzteren, dessen name vielleicht OaxuIoi,- lautete, entdeckt Com- 
paretti sein "Oyy.vlo^-, einen Pythagoreer um die zeit des Pisi- 
stratus. Das xuy ist gleich xar, wie leicht ersichtlich. Der 
von y.aj abhängige name war ausgefallen per una svista o per 
una raggione qualunque, hat sich aber am rande durch einen 
Schreiber , der ihn anderswoher kannte , erhalten und zwar in 
der form des dativs , etwa mg yQuqemi ' ^&t]vodcÖQ(i) at).. ur- 
sprünglich. Lesen wir also ku) , x«t' \^ yi&tjiodcofjov rov KoqSv- 
^./cor«] inixlijr, 'OynvXq) und die stelle ist geheilt, der sniKog xv- 
xlog aus der weit geschafft. Bisher hatte derselbe gedient, um 
eine dreifache , con insoUta haldanza festgehaltene behauptung zu 
stützen: 1. es habe eine Sammlung der gedichte des epischen 
cyclus in voralexandrinischer zeit gegeben ; 2. diese Sammlung 
sei unter Pisistratus veranstaltet; 3. zu dieser Sammlung hätten 
auch die andern ironischen gedichte sämmtlich gehört und zwar 
sei die ganze collection unter dem namen des Homer gegangen. 
Von diesen behauptungen oder „ideen" ist nach Comparetti die 
erste gratuita, die zweite gratuita ed improbabile , die dritte asso- 
lutamente falsa ed assurda. Wenigstens auf die notiz bei Gramer, 
sei es mit dem fninog xvy.log sei es ohne denselben, läßt sich 
nichts bauen. Auch Volkmann bestreitet ihre glaubwürdigkeit, 
„Diese nachricht", schreibt Benedictus Niese (die entwicklung 
der homerischen poesie, Berlin 1882), ,,ist ohne zweifei eine der 
zahlreichen litterarischen erfindungen der alten litteraturgeschichte ; 
wie unglaublich sie ist , haben Lehrs und Nutzhorn dargelegt." 
So lautet das urtheil des jüngsten werkes über die homerische 
frage. H. F. Müller. 



55. A. G. Engelbrecht, De scoliorum poesi. Vindo- 
bonae sumptibus et typis C. Gerold filii 1882. 101 p. 8. 
(Wiener promotionsschrift). 

„Animus miro quodam ardore inclinabat ad eam rem accura- 
tius tractandam , de qua hoc opusculo agitur" versichert der Ver- 
fasser, und in der that spürt man, daß er sich seiner arbeit mit 
liebe und lust hingegeben hat. Der von ihm behandelte gegen- 
ständ ist wohl geeignet anzuziehen und zu fesseln , wenngleich 
die proben , die uns von der skoliendichtung vorliegen , gering 
sind gegenüber dem einstigen reichthum dieses zweiges der hel- 
Philolog. Anz. XII 20 



290 55. Scolia. Nr. 6. 

lenischen lyrik. Engelbrecht stellt die nachrichten , die aus 
dem alterthum erhalten sind, und die forschungen der neueren 
über Ursprung, über namen und art der skolien, sowie über die 
dichter, die diese gattung gepflegt haben, zusammen; seine kritik 
der ansiebten, die er vorfindet, ist nicht selten glücklich, freilich 
aber ruhen seine eigenen hypothesen nicht immer auf genügend 
gesicherter grundlage. Zu seiner entschuldigung kann aber En- 
gelbrecht die Schwierigkeit des gegenständes anführen ; denn ge- 
rade die dinge, nach denen zuerst gefragt werden muß, der Ur- 
sprung, der name, die charakteristische eigenart der skolien, sind 
räthsel, deren lösung nicht auf der band liegt. Die ergebnisse, 
zu welchen Engelbrecht kommt, sind in kürze folgende : die sko- 
lien sind nach dem bei Plutarch erhaltenen zeugniß des Pindar 
von Terpander erfunden. „Satis notum autem esse puto , meint 
Engelbrecht , quid sibi velint veteres hunc ülumve poesis quoddam 
genus invenisse referentes , etenim qui huic poesis generi rudi antea 
ac minus exculto maiora attulit incrementa primusque id vel ad artis 
praecepta revocavit vel ab aliis gentibus acceptum in patriam intro- 
duxit, ad eum deferre solebant veteres eiusdem rei inventionem." 
Demgemäß meint Engelbrecht, daß wir dem zeugniße des Pindar 
keinen unbedingten glauben zu schenken haben, und meint, daß 
Terpander die skolienpoesie nicht sowohl erfunden als ver- 
vollkommet habe und zwar dadurch , daß er die vorher nur 
„carminum popularium instar nullo instrumento accinente" gesungenen 
lieder durch Instrumentalmusik begleiten lehrte. In hinsieht der 
entstehung des namens verwirft er alle im alterthum und in der 
neuzeit versuchten erklärungen und stellt auf eigene faust eine 
neue auf: 2y.olia ftih]^ meint er, müßten im gegensatz zu ir- 
gendwelchen gedichten, die als ogSa bezeichnet wurden, benannt 
sein. Nun glaubt er aus der nachricht, Terpander habe seine 
j'OjHoj im heroischen metrum gedichtet, schließen zu dürfen, vor 
Terpander sei mit ausnähme der „carmina popularia nullo certo 
metro astricta" nur der daktylische hexameter im gebrauch ge- 
wesen. Hesychius bringt eine durch fj.nrri:vta\>a( erklärte glosse 
OQ&icc^sif, was, wenn man an ausdrücke wie Xdyov oder yrwfiav 
OQf^ovv = einen richtigen, wahren ausspruch thun, 
denkt, durchaus nicht aufiPallend ist; Engelbrecht glaubt aber, 
der hexameter sei einstmals ngOiog genannt worden und die er- 
klärung /navTeifaüai für riQftin^fir sei gegeben „respecto rhythmo'i 



Nr. 6. 55. Scolia. 291 

orthio vel dactylico in oraculis usitatissimo." Ferner beruft er sich 
auf Longinus, nach welchem Orpheus oder die Pythia den hexa- 
meter 

('iQÜini', s^afjeQFi^ TtTogcov xa) sinoai fib-rgcov 
genannt haben soll. Schließlich führt er eine stelle des Maximus 
Tyrius an, wo verschiedene arten der ^«A// aufgezählt werden: 
xaiov fisv ii n()}J\ia) t6 oq^iov, naXav ds iv avftncaicp to nagoi- 
viov, X«? y,aXov pi8v xrl. Hier scheint ihm rn ogOiov und z6 
naooniov, was mit to axölinv synonym sein soll, im gegensatz 
zu stehn. Da nun vor Terpander nur der hexameter im ge- 
brauch war, welcher oqOio<; heißt, so muß einst unter den den 
gegensatz dazu bildenden a-Aolia ji^lrj die ganze melische poesie 
verstanden worden sein, „quia contra metrorum dactylicorum in 
poesi Sacra usitatorum rigiditatem vafxnc, ut Eustathii utar verbis, noi- 
Ki'kcixi söuoXiovTo in carminibus popularibus et convivalibus." Die 
melische poesie soll aber ursprünglich, um mit Härtung zu reden, 
„eine tischpoesie" gewesen sein , und an dieser ältesten gattung, 
glaubt Engelbrecht, sei der ursprünglich allgemeine name annXia 
fxilrj schließlich haften geblieben. Mir scheint , daß dies ein 
kartenhaus von hypothesen ist, in welches nicht leicht jemand 
viel vertrauen setzen wird. Eine bestimmte charakterisirung der 
skolienpoesie findet Engelbrecht nicht, er erklärt ausdrücklich, 
daß er weder im Inhalt noch in der form etwas sehe, wodurch 
sich die skolien von anderen ähnlichen gedichten scheiden. Da- 
her faßt er axi.ha und nuQnlna als gleichbedeutend: (7xdA<a 
sind lieder, die beim weine gesungen wurden, und verwendet 
konnten als aKolia lieder von jeglicher art werden (vergl. p. 60). 
Dies ist in kürze Engelbrecht's meinung, ich will nunmehr meine 
eigenen ansichten vorbringen. 

Wenn Pindar berichtet, Terpander habe die skolien er- 
funden , so können wir daraus zunächst nur schließen , daß 
Pindar kein älterer skoliendichter als Terpander bekannt war. 
Uebrigens will ja auch Engelbrecht den Terpander nur als 
veredler, nicht als begründer der skolienpoesie gelten lassen. 
Nebenbei muß ich bemerken : wenn Engelbrecht schließt „pecti- 
dem acute sonuisse concludas inde, quod Pindarus eam nominat 
v\pt]lj'jf'^, so stützt er sich offenbar auf eine falsche Übersetzung 
des betreffenden wortes. In betreff des Ursprungs der melischen 
poesie kann ich Engelbrechts anschauung nicht theilen. Wie 

20* 



292 55. ScoHa. Nr. 6. 

wir , um das homerische epos zu begreifen , eine durch lange 
zeit gepflegte ungeschriebene epische poesie annehmen müssen, 
so räth die metrik, auch eine allmählig entwickelte ungeschrie- 
bene lyrik vorauszusetzen. Es ginge nach meiner Überzeugung 
über menschliches vermögen hinaus, wenn Archilochus seine Jam- 
ben und trochäen, oder die Lesbier ihre logaödischen Strophen 
aus dem nichts schaffend erfunden haben sollten. Bei den ver- 
schiedenen Stämmen der Hellenen und in den verschiedenen gat- 
tungen der poesie: im epos, im gesang, der dem cult der götter 
diente, im lied, das beim spiel und der arbeit, beim mahl und 
beim auszug zum kämpf, bei der hochzeit und bei der bestat- 
tung der todten gesungen wurde, hat sich die rhythmik verschie- 
den entwickelt und so die reiche mannigfaltigkeit der griechi- 
schen metra erzeugt. 

Um zu bestimmen, was die alten unter skolien verstanden, 
kommt das bei Suidas erhaltene zeugniß des Dicaearch in erster 
linie in betracht: ^^anoXiov • tj nagoiviog ^8ri . mg fisv /Jixaiag^og 
iv 7<p nsQt liovaixäp äymvcov oti rgia ysvri t]v wdwv, to fiep vno 
ndvtoav adofjisvovj <to 8s> nad^ 'iva s^TJg , ro ö' vno rmp 6vi>s- 
zooTazooPf mg hv^s zy zd^st ' o 8rj yalsTa&ai 8ia ztjp zä^ip attoXiop. 
Aus dem ausdruck avpEzmzdzoop braucht man keineswegs zu 
schließen, daß die skolien schwieriger zu singen gewesen wären, 
als die bei dem allgemeinen rundgesang vorgetragenen lieder, 
er deutet nur an, daß am vertrag der skolien niemand theilzu- 
nehmen gezwungen war. Das zeugniß des Dicaearch glaubt zwar 
Engelbrecht verwerfen zu müssen, weil er meint, daß ihm das an 
mehreren stellen erhaltene des Aristoxenus entgegenstehe: „mg 
ö' ' jdgißzö^spog x«t Q^v'kXig b novainög^ ozi h zolg ydfioig nsgi 
(liap zgdas^ap noXXag xXipag zi&ivzsg naga fisgog i^ijg nvggivag 
'iiovzsg rj8op ypäfiag neu igcozittd aivrora • jj 8s nsgio8og ÜxoXid 
iyipszo 8id ztjp &eau' zmp yiXivcöf" (Die folgenden werte finden 
sich nur in den schollen zu Plato:) „im oimjfidzcap nolvyovioop 
ovamp nai zovz(p xai zdg in^ avzag HazaxXiasig nagaßvaTOvg ys- 
pia&ai . oh 8id. ztjp fisXonoiiap opp, 8id zs zr/p zTJg fivgglvijg ano- 
Xidp 8id8oaiv , zavzri nai zdg ^8dg anoXidg xalsla&ai^' Mag 
jedoch der musiker Phyllis aus Delos, über dessen zeit nichts nä- 
heres bekannt ist, des Aristoxenos meinung entstellend ausgeführt 
oder mögen beide übereinstimmend jene ansieht ausgesprochen 
haben : in der uns vorliegenden gestalt enthält sie albernheiten. 



I 



Nr. 6. 55. Scolia. 293 

Skolien waren lieder, die beim trinkgelage nach beendigung 
des gemeinsamen päan oder hymnos und nach beendigung des 
rundgesangs, an dem sich alle mit je einem einzelvortrag bethei- 
ligen mußten, ohne feste Ordnung und nur von denen, die daran 
theilzunehmen lust hatten, gesungen wurden. Eine bestimmte 
form, ein bestimmter Inhalt war, darin gebe ich Engelbrecht voll- 
kommen recht, nicht vorgeschrieben, aber natürlich gab es gewisse 
arten von liedern, die als skolien besonders wirksam und beliebt 
waren. Was für lieder waren es nun , die man als skolien zu 
singen pflegte? Darüber müssen uns die erhaltenen proben, vor 
allem die bei Athenäus XV, 694 C — 696 B, aufschluß geben. 
Als gemeinsames merkmal kann man eigentlich nur angeben, 
daß sie meist kurz und leicht verständlich ohne tiefe und dunkle 
gedanken zu sein pflegten; scherz und ernst hatten in ihnen 
gleiches recht. 

Es handelt sich schließlich um den namen a'AoXiov. Engel- 
brecht meint, daß die proparoxytonische betonung erfindung der 
grammatiker sei ; das ist möglich aber nicht nothwendig. Auf 
jeden fall aber müssen wir uns bei der erklärung des worts zu- 
nächst an das adjektiv anoXiöi: halten. Ich erinnere daran, daß 
die etymologen, z. b. Fick, in dem stamme den begriff einer be- 
wegung suchen; man bringt damit u.a. aniXog der schenke! 
als bewegenden oder bewegten körpertheil in Verbindung. Wahr- 
scheinlich war der zu gründe liegende verbale begriff sich schief 
oder schwankend bewegen, von welchem aus der Übergang 
in die übertragene bedeutung des moralisch schiefen, unredlichen 
handelns nahe lag, daher heißt dieselbe bildung, die im griechischen 
axiXoi; der Schenkel lautet, im lateinischen scelus das ver- 
gehen. Letzterer, der moralische begriff, ist der älteste, den 
wir im adjectiv axöXiog in der griechischen litteratur finden, 
vergl. anoXia) &ifxiaTsg bei Homer, GHoXia) dixai und anoXiol 
^vüoi bei Hesiod. Aber weder dieser noch der eigentliche 
krumm paßt auf a-Aoliu ^iXt]; axoXiu /uA?; sind vielmehr sich 
kreuz und quer im kreise der gaste bewegende lieder, 
wir haben also vermuthlich im ausdruck anöXiov eine in der lit- 
teratur nicht nachweisliche , aber der vorauszusetzenden grund- 
bedeutung des Stammes nahe liegende bedeutung. Ist dies rich- 
tig, so ist es ein beweis für das über die geschriebene litteratur 
hinausgehende alter der skoliendichtung. ' F. Hanssen. 



294 56. Lateinisches drama. Nr. 6. 

56. Die infinitivi apud scaenicos poetas Latinos usu. Scripsit 
Paulus Barth. Lipsiae MDCCCLXXXI. (Leipziger inaugu- 
raldissertation). 66 p. 8. 

Der titel der dissertation entspricht dem inhalte nicht genau, 
indem, wie der Verfasser auf p. 5 selbst bemerkt, Terenz mittel- 
punkt der Untersuchung ist und die anderen scenischen dichter 
mehr zur vergleichung herangezogen werden. Uebrigens zeichnet 
sich die arbeit durch klare darstellung und methodische erwei- 
terung aus und ist für kritik und erklärung des Terenz nicht 
ohne verdienst. Nach einer einleitung über die form und ur- 
sprüngliche bedeutung des infinitivs wird im cap. 2 vom abso- 
luten infinitiv gehandelt {inf. Mstoricus und exclamationis) , im 
cap. 3 vom inf. finalis und inf. nach dem verbis voluntatis), cap. 4 
vom inf. nach verbis declarandi sentiendi cogitandi , wobei in be- 
sonderen abschnitten die auslassung von esse beim accusativ des 
Partizipiums, die ellipse des pron. reflexivum, des pron. personale der 
dritten, ersten , zweiten person , endlich die ellipse des infinitivs 
selbst zur spräche kommt. Cap, 5 handelt von dem infinitiv 
nach verbis des affekts, cap. 6 von dem infinitiv als Subjekt 
und abhängig von verbis imperson., cap. 7 vom infinitiv, welcher 
die stelle eines Substantivs vertritt. Durch diese erörterungen 
wird für das grammatische verhältniß mehrerer stellen eine be- 
stimmte entscheidung gewonnen, z. b. ist Haut. 750 tantum de- 
venisse ad eum mali! als ausruf zu fassen , nicht abhängig von 
dem vorhergehenden miseret, ebenso Phorm. 613 facinus indignum 
Cliremes! Sic circumiri! Uebereinstimmend fassen Andr. 870 au- 
ßer Barth auch Bentley, Fleckeisen, Umpfenbach, Meißner, Spenr -; 
gel die worte tantum laborem capere ob talem filium als unab- 
hängig von dem vorhergehenden miseret, so daß die bemer- 
kung Barth's auf p. 11 „et editores omnes et Krasius infini- 
tivum pendere statuunt a verbo miseret" sehr auffällig erscheinen muß. 

Bezüglich der ellipse von esse im acc c. inf. ist die beob- 
achtung des verf. von besonderem Interesse, daß dieser infinitiv 
bei Terenz nie fehlt, wenn das prädikat durch den ablativ oder 
genitiv der eigenschaft ausgedrückt ist, wohl vereinzelt bei Plautus 
Merc. 521; auch fehlt esse nicht, wenn ein adverbium die stelle 
des prädikats vertritt, wieder vereinzelt bei Plautus Pseud. 798; 
selten fehlt esse bei Terenz, wenn ein substantivum mit präpo- 
sition das prädikat bildet. Wenn das pronomen reflexivum und 



Nr. 6. 56. Lateinisches drama. 295 

esse mit partic. perf. pass. oder fut. act. in einem satze sich ver- 
einigt finden , so sind an sich vier fälle möglich : dico me fa- 
cturum esse, oder mit ellipse von esse dico me facturum oder mit 
ellipse von me dico esse facturum oder mit ellipse von esse und 
me dico facturum. Thatsächlich stellt sich nach der beobachtung 
des Verfassers der gebrauch sowohl bei Plautus wie bei Terenz 
so, daß die zweite form die geläufigste ist, die erste und vierte 
etwas seltner , die dritte aber nie vorkommt. Es ergibt sich 
daraus mit Sicherheit, daß Andr. 661, wo die handschriften in- 
stare ut dicerem me esse ducturum patri haben , zur herstellung 
des senars gemäß dem Zeugnisse damals esse richtig getilgt wor- 
den ist; wollte man me tilgen, was ja leicht zwischen dicerem 
und esse hätte als fremder zusatz entstehen können , wenn es 
nicht ursprünglich vorhanden gewesen , so würde man gegen 
den gebrauch der komiker verstoßen. Das pron. reflexivum fehlt 
im acc. c. inf. bei Terenz nach den verbis declarandi immer in 
dem falle , wenn noch ein anderer akkusativ eines pron. person. 
sich in dem Infinitivsätze findet-, bei Plautus ist es aus beson- 
deren gründen an einigen stellen hinzugefügt : ein solcher ist 
nicht ersichtlich Men. 1050 men hodie usquam convenisse te, audax, 
audes dicere und der Verfasser tilgt deßhalb mit CD den accu- 
sativ te, wohl mit recht, da die Situation die annähme, daß me 
der Subjektsakkusativ sei, auszuschließen scheint. Nach den ver- 
bis sentiendi fehlt bei Terenz das pron. reflex. nicht, wohl 
mitunter bei Plautus, Andr. 428 muß deßhalb virginem forma 
bona memini videri geschrieben werden. Nicht einverstanden 
erklären können wir uns mit der auffassung von Haut. 204 et 
quod illum insimulat durum, non est und Hec. 152 pium ac pudicum 
Ingenium narras Pamphili, wo ein doppelter akkusativ, des objekts 
und prädikats, kein elliptischer acc. c. inf. gefunden wird ; ohne 
zweifei ist zur Vervollständigung der konstruktion esse zu er- 
gänzen : aliquem pium narrare oder durum insimulare können doch 
mit aliquem pium putare nicht gleichgestellt werden , wenn man 
den thatsächlichen gebrauch berücksichtigt. Die behandlung von 
Phorm. 249 muß referent als unglücklich bezeichnen. Der 
Bembinus hat molendum esse in pistrino vapulandum habendae com- 
pedes, mit ihm stimmen überein die besten handschriften der 
Calliopischeu recension, der Victorianus und der Decurtatus, auch 
BCF haben den Infinitiv molendum mihi esse, schieben aber da- 



296 57. Plautus. Nr. 6. 

hinter usque ein, nur der Riccardianus und Parisinus haben mo- 
lendum mihi est usque, offenbar eine absichtliche änderung. Donat 
hat ebenfalls esse, nahm aber , wie Calliopius und die neueren, 
mit recht anstoß an dem infinitiv molendum esse neben dem 
nominativ habend ae compedes: entweder müßte Terenz schreiben 
molendum esse, haben das compedes, was Donat verlangt, oder 
m,olendum est, haben dae compedes. Was Barth p, 31 zu der 
behauptung Donats bemerkt: Quod Donatus annotat, locutionem 
servilem esse : habendae compedes, ubi postuletur habendas compedes, 
abhorret a Terentii consuetudine. Oratio recta non exigenda est no- 
bis ; membrum enim condicionale saepe laxiore vinculo cum eis quae 
anteeedunt potius quam cum eis quae sequuntur , continetur ist ganz 
unverständlich und hätte der Verfasser nicht schreiben können, 
wenn er die konstruktion begriffen und ihm klar geworden wäre, 
wo der anstoß liegt. Mir scheint Fleckeisen (und ihm folgend 
Dziatzko) das richtige zu geben : molendumst in pistrino vapulan- 
dum habendae compedes. Allerdings entbehrt der vers einer der 
in der regel bei Terenz vorhandenen cäsuren , doch scheint mir 
dieser mangel durch die cäsuren hinter pistrino und vapulandum 
einigermaßen ersetzt zu werden, ferner ist der vers in seinem 
ganzen bestände durchaus unverdächtig und widersetzt sich hart- 
näckig jeder änderung : was Barth zur herstellung der cäsur vor- 
schlägt , molendum usque in pistrino erit (, f) plorandum , habendae 
compedes ist doch mehr ein gewaltakt der Verzweiflung als eine 
probabele emendation. 

Einen unangenehmen eindruck machen die zahlreich vor- 
handenen druckfehler, von denen nur der kleinste theil am 
Schlüsse berichtigt ist. 



57. T. Macci Plauti Truculentus. Eecensuit Fridericus 
S c h e 1 1. Comoediarum Plautinarum , tomi I , fasciculus V. 
Lipsiae in aedibus B. G. Teubneri MDCCCLXXXI. LH und 
155 p. 8. 

Die vorrede dieses zu der bekannten Eitschl'schen ausgäbe 
des Plautus gehörigen werkes beschäftigt sich vorzugsweise, wie 
natürlich, mit den grundlagen des textes des beispiellos corram- 
pirten Truculentus. P. XII f. handeln von den Überresten des 
Stückes in dem Ambrosianischen Palimpsest, die sich leider auf 
die verse 111 — 390 beschränken, obendrein mit einer lücke, 



Nr. 6. 57. Plautus. 297 

■worin 145 — 177 und 319 — 352 verlorengegangen sind. Scholl 
gibt die collation von Löwe, womit Studemund bei Spengel 
durchgängig stimmt , ebenso sind B und D zuletzt von Löwe, 
C von Scholl selbst verglichen. Der starke verlust, welcher den 
Ambrosianus betroffen, ist um so mehr zu bedauern, als bekannt- 
lich nirgendwo schärfer wie im Truculentus sich seine textgestal- 
tung von der der übrigen handschriften unterscheidet. Die Ur- 
sache der überaus zahlreichen und sinnlosen corruptelen dieser 
letzteren findet Scholl p. XV ff. zum theil zwar mit Kießling in 
dem verstümmelten zustande des archetypus , dann aber beson- 
ders in dem umstände , daß in der vorläge des archetypus ein- 
zelne buchstaben , silben , Wörter an der richtigen stelle ausge- 
fallen und nachträglich zur correktur am rande oder zwischen 
den Zeilen beigeschrieben waren , welche darauf der Schreiber 
des archetypus der palatinischen handschriften vielfach an ver- 
kehrter stelle im text untergebracht hat. Auf diese art des ver- 
derbnisses hat besonders Müller in der Plautinischen prosodie 
bei gelegenheit der emendation einiger stellen aufmerksam ge- 
macht; Scholl hat dann diese beobachtung in eingehenderweise 
weiter verfolgt und begründet. Er gibt von p. XVII — XXXII 
zahlreiche beispiele , zunächst aus dem im Ambrosianus erhalte- 
nen theile, in welchen BCD solche verkehrte Versetzungen auf- 
weisen, während A das richtige bewahrt hat; es folgt darauf 
eine reihe weiterer stellen, welche durch annähme einer solchen 
corruptel mit mehr oder weniger Sicherheit geheilt werden kön- 
nen oder bereits geheilt sind. In anbetracht der gegebenen bei- 
spiele darf Scholl p. XXXII mit vollem rechte bezüglich der 
vorgetragenen ansieht behaupten : ^^Quare de singulis etsi scrupulus 
remaneat, de re universa nemo, ni fallor, litem movebit." 

Daß die bereits durch die „divinationes in Plauti Truculentum" 
bekannte kritik Schöll's keine conservative ist, darf bei dem ver- 
wahrlosten zustande , in welchem uns der Truculentus vorliegt, 
nicht wunder nehmen: wenn bei irgend einer komödie, so müs- 
sen wir uns bei dieser damit begnügen , einen text herzustellen, 
wie ihn Plautus wohl geschrieben haben könnte. In dieser 
richtung ist anläugbar durch den eindringenden Scharfsinn Schölls 
ein wesentlich erschritt vorwärts gethan: an einer reihe von stellen 
gibt der neueste herausgeber, zum theil durch kundige freunde 
unterstützt, besseres als das bisher gebotene. Beispielshalber 



298 57. Plautus. Nr. 6. 

erwähne ich einige stellen aus dem anfange des Stückes und aus 
dem vierten akte: v. 5 meo ore aio equidem me adlatürum 
sine mora; v. 33 auctarium orat; 37 si inierit rete piscis 
(nach Bücheier); 82 exinde inJiiavit ilico wenigstens dem 
sinne nach richtig: Phronesium hat sich an einen neuen lieb- 
haber , nachdem dieser ihr mehr geld gegeben , als Diniarchus, 
sofort angeschlossen „quem ante hac odios um (Scholl 
mit Bücheier) sibi esse memorabat mala"; davon ist erst eine 
folge die Verdrängung des früher von ihr begünstigten Dini- 
archus, welche v. 86 berichtet wird; v. 101 schreibt Scholl ad 
nos congerrones consulto consilio statt des das metrum störenden 
ad scorta congerrones e.q.s. mit der begründung „neque unquam 
se ipsa scorta dicunt scorta." Nun ist ja sehr wohl denkbar, daß 
scorta ein in den text gedrungenes glossem ist, auch hat das 
Wort scortum durchgängig einen verächtlichen beigeschmack , so 
daß nicht leicht die meretrices das wort von sich selbst gebi'aucht 
haben, wie das auch an unserer stelle sehr unwahrscheinlich ist, 
aber Poen. I, 2, 52 ff. sagt doch Adelphasium , die mit ihrer 
Schwester zu dem loose verurtheilt ist, an dem nämlichen tage 
noch, nachdem sie mit den andern meretrices ein fest der Venus 
gefeiert, als scortum sich gebrauchen zu lassen, zu eben der j 
Schwester, sie solle nicht so sehr sich beeilen, jetzt sei ein ge- 
dränge der niedrigeren dirnen am altare, servolorum sordidulorum '. 
scorta duobolaria seien jetzt dort vertreten; für Truc. 101 
stimme ich jedoch, wie schon bemerkt, Scholl bei. Nicht sicher 
ist V. 710 bono animo sine vi omni agam precario, aber bes- 
ser als das früher vorgeschlagene, ebenfalls unsicher 714 ut tu 
gaudia quom paris perdas, doch geht Schöll's änderung weit 
schärfer auf den sinn der stelle ein als die früheren conjekturen; 
sehr ansprechend ist 727 nunc is est fundus novos. 

Daß bei der Unsicherheit der Überlieferung an einer be- 
trächtlichen anzahl von stellen die urtheile auseinander gehen, 
ist leicht begreiflich. So glaube ich zum beispiel, daß v. 2 die 
autorität des Priscian und Apuleius, welche de vestris magnis 
atque amoenis moenibus geben , a n s i c h schon höher steht als 
die corrumpirte lesart . unserer handschriften , aus der Lipsius 
(und mit ihm Scholl) de moeris magnis gemacht hat; dazu 
kommt aber noch, daß der begriff der muri hier unpassend, das 
pronomen vestri im gegensatz zu Atlienae notawendig ist; v. 6 



Nr. 6. 58. Vergilius. 299 

schreibt Scholl gegen den Sprachgebrauch quid si de vostro quip- 
piam exoremf — abnuont, denn ea;orare bedeutet nicht „sich et- 
was ausbitten", sondern mit sächlichem objekt „durch bitten etwas 
erreichen, erhalten", mit persönlichem ,, jemanden durch bitten 
bewegen, erweichen." Es liegt also immer der glückliche erfolg 
der bitte darin, der hier geradezu durch das folgende abnuont 
geläugnet wird. Ich halte das handschriftliche orem mit zuläs- 
sigem hiatus nach der starken Interpunktion für unverdorben, 
V. 56 lesen wir statt des handschriftlichen quod petra deheatque 
amans scorto suo bei Scholl quod deferat dedatque amant e. q. s., 
aber dedere ist hier für Plautus zu feierlich statt des einfachen 
begrifiPes dare, donare: mit bezug auf v. 50 ipsus gaudet, res perit 
möchte ich mit den Italienern quod pereat festhalten und dann 
deferatque statt des handschriftlichen debeatque schreiben, v. 64 ff. 
verbreitet sich Diniarchus über eine große zahl der scorta auf 
dem forum: v. 68 f. gibt Scholl quippe qui certo scio lieri plus 
scortoi'um fuisse iam quam ponderum: vermißt wird hierbei die 
angäbe des ortes, störend dagegen ist die angäbe der zeit, Spen- 
gels foro plus scortorum esse e. q. s. ist offenbar vorzuziehen; 
V. 700 halte ich den Vorschlag Seyflferts für den wahrscheinlich- 
sten quoi ego dictum aut factum melius quam Veneri meae mavelim, 
jedenfalls ist der zusatz Schöll's : quam bonae meae Veneri velim 
unglücklich : die geliebte wird wohl mea Venus (ohne den Zu- 
satz bona) genannt an der einen von Scholl citirten stelle Cure. 
192 tun meavi Venerem vituperas^ an der anderen Rud. 305 nunc 
Venerem Jianc veneremur honam ist die gütige göttin selbst ge- 
meint , beide stellen sind also nicht beweiskräftig für den aus- 
druck bona mea Venus von der geliebten. 

Gradezu unentbehrlich ist die ausgäbe SchöUs für die kennt- 
niß der citate der alten grammatiker und der conjekturen der 
neueren ; wie wenig in dieser beziehung die arbeit Spengels be- 
friedigen kann, zeigt auch der oberflächlichste vergleich in ganz 
erstaunlichem maße. 

58. Theodor Plüß, der reiz erzählender dichtung und 
die Aeneide Vergils, Einladungsschrift zur promotionsfeier des 
oberen gymnasiums (paedagogiums) in Basel. 1882. 22 p. 4. 

Wiederholt hat Th. Plüß proben seiner eigenthümlichen auf- 
fassung der epischen dichtung Vergils veröffentlicht. Der in 



300 58. Vergilius. Nr. 6. 

dem vorliegenden schriftchen enthaltenen auseinandersetzung über 
„die Wettfahrt der schiffe" Aen. V, 114—285 ist ein aufsatz 
über „zeitgemäße erzählende dichtung" vorangestellt. In diesem 
unternimmt es der verf., das Wohlgefallen des knaben an Robin- 
sonaden und den reiz, den ein roman von Boz auf den mann 
ausüben soll, psychologisch zu ergründen und mit der Wirkung 
Homers und Vergils zu vergleichen , indem er das nach seiner 
meinung für verschiedene lebensalter des einzelnen menschen 
geltende auch für verschiedene lebensalter der menschheit oder 
eines volkes gültig erachtet. Da der verf. selbst einsieht , daß 
„der vergleich hinkt wie jedes gleichniß , vielleicht sogar mehr 
als manches andere", so ist es nicht nöthig hiebei zu verweilen 
und darf sofort das beispiel betrachtet werden, an welchem der 
verf. zeigen will, „wie der dichter auch gewisse politische bewe- 
gungen seiner zeit im kunstbilde idealisiert hat." Erfreulicher 
weise nämlich bezeichnet der verf. jetzt als „dichterische dar- 
stellung" „im schönen bilde," was er früher als „gefälschte poe- 
tische waare" nachgewiesen zu haben glaubte. Minder erfreu- 
lich ist die methode seiner erklärung, durch welche der klare 
Vortrag des dichters eher verdunkelt werden dürfte. Nach meh- 
reren „ich nehme an" und „mochte" erscheint da ein kategori- 
sches „also". Fehlt beim dichter ein zug, dessen die deutung 
des vfs. bedarf, dann heißt es, er sei „von vornhereingegeben." 
Paßt eine andeutung, die der dichter gibt, nicht in den gedan- 
kengang des verfs., so wird sie abgeschwächt, auch schlankweg 
umgedeutet. Das soll belegt werden. 

Nach der schon früher ausgesprochenen ansieht des verfs. 
ist von den vier theilnehmern der Wettfahrt Gyas Vertreter des 
„alten patriciats", Sergestus der des „späteren adels", Mnestheus 
soll die römische „plebs" vertreten, Cloanthus das „Ttalikerthum." 
Die drei letzteren werden von Vergil v. 117, 121, 123 als ahn- 
herren der Memmier, Sergier und Cluentier bezeichnet. Wenn 
der dichter hier tendenziös symbolisiert, dann muß es befremden, 
daß er den Gyas als ahnherrn der Geganier zu kennzeichnen unter- 
ließ, obschon gerade dieses geschlecht „einen schon fast verschol- 
lenen adel repräsentierte". Bedenklich ist ferner, wie gegenüber 
dem Gyas Sergestus den „späteren adel" vertreten soll. Beim 
dichter findet sich keine spur, die für eines der beiden geschlech- 
ter auf ein früher oder später wiese; es sei denn, daß man die 



Nr. 6. 58. Vergilius. 301 

„aus leidenschaftlichem ehrgefühl der Jugend hervorgehende that 
des Gyas" auf das höhere alter seines geschlechtes zu beziehen 
lust hätte. Wenn endlich der verf. bei den zwei anderen wett- 
fahrern an die römische „plebs" und das „Italikerthum" erinnert 
wird , so kann er allerdings auf worte des dichters verweisen ; 
nur schade , das Mnestheus , der angebliche Vertreter der römi- 
schen plebs, vom dichter v. 117 mox Italus genannt, Cloanthus 
aber , der angenommene repräsentant der Italiker , als ahnherr 
V. 123 mit den Worten bezeichnet wird: genus undetibi, Romane Cluenti. 

Die vier schiffe der wettfahrer sind , wie der verf. glaubt 
und glaublich zu machen sucht, von Vergil in „chiastischer Ord- 
nung" angeführt. Das erste fahrzeug, die Pristis des Mnestheus, 
heißt V. 116 velox; das zweite, die Chimaera des Gyas, wird v. 
118 ingens (und 223 ingenti mole) , ähnlich das dritte, der Cen- 
taurus des Sergestus, v. 156 ingens genannt. Die Scylla des 
Cloanthus, das vierte fahrzeug, wird v. 123 nur als caerulea 
charakterisiert; die phantasie des auslegers hilft nach: „da nun 
der Centaur durch das beiwort „groß , mächtig" noch ausdrück- 
lich die große oder stärke in erinnerung bringt, die schon vor- 
her bei der Chimaera hauptvorstellung war, so wird man sich 
die Scylla, die keinerlei entsprechendes beiwort zeigt, von selber 
als ein vergleichsweise kleineres fahrzeug vorstellen". Aber die 
Pristis, der die Scylla entsprechen sollte, ist ja nicht als klein 
bezeichnet, sondern als schnell. Das attribut also würde in den 
Chiasmus passen-, leider paßt es nicht in den text des dichters, 
der von der Scylla v. 153 sagt: pondere pinus tarda. Wohl 
heißt sie ebenda melior remis, wie Vergil bei der Pristis v. 116 
von acri remige gesprochen hat; aber da die „betonung" der 
rüder und rüderer auch beim zweiten schiffe sich findet, so ist 
damit für die „chiastische Ordnung" nichts gewonnen. 

Den einfluß „zeitgemäßer Vorstellungen und empfindungen 
von politisch geschichtlichen Vorgängen und gestalten", meint 
der verf auch in der anordnung des Verlaufs der Wettfahrt zu 
erkennen. Ihm erscheinen die „Verhältnisse im ersten Stadium 
der Wettfahrt für die aesthetische darstellung gegeben mit den 
geschichtlichen typen, die in den vier beiden vertreten sind." 
Nimmt man mit ihm an, was wir jedoch nicht zugeben konnten, 
daß Gyas den „uralten römischen geschlechtsadel", Sergestus 
den „späteren adel" vertrete , so wird man begreiflich finden, 



302 59. Horatius. Nr. 6. 

daß jener den vortritt vor diesem hat und daß Mnestheus, der 
die römische „plebs" repräsentieren soll , diesen beiden folgt ; 
natürlich wird man dann das jüngste element, das durch Cloan- 
thus angeblich vertretene „Italikerthum", an letzter stelle er- 
warten. Indem aber Cloanthus beim dichter die zweite stelle 
einnimmt, ist die hypothese der politischen Symbolik zerstört. 
Doch der verf. weiß rath : „nothwendig muß der Vertreter eines 
elementes, das in den ältesten zeiten schon durch ursprüngliche 
kraft tüchtig gewesen war, aber erst im lauf der zeiten zur gel- 
tung und zur vollen geltung erst zu allerletzt gekommen ist, 
seine innere stärke neben seinem äußeren nachtheil schon jetzt 
ankündigen." Wer nun diese apodiktische behauptung gern be- 
gründet sähe, dem sagt der verf., in der gestalt eines Cluentiers 
liege das alles „von vornherein." 

59. Kritische beitrage zum IV. buche der Horazischen 
öden. Von Otto Keller. Wien 1878. Bei Karl Gerold's söhn. 

In diesem heft von 40 selten bespricht Keller 46 stellen. 
In IV, 1, 10 schützt er purpureis gegen die von Cruq[uius em- 
pfohlene (angebliche) lesart des Bland, antiquissimus ; in 20 ly- 
raeque et Berecynthiae — tibiae wegen der handschriften und der 
passenderen construction gegen Bentley und Meineke ; in IV, 2, 2 
lule gegen das von Peerlkamp eingeführte Ille , in 6 Quem — 
aluere gegen die lesart der späteren handschriften und des Bland, 
antiq. Quum — saliere\ er behält in 36 Sygamhri und in 49 jetzt 
Tuque dum procedis gegen Teque dum procedis der besseren hand- 
schriften und in 50 non semel bei; in IV, 4, 15 vertheidigt er 
lacte neben ab ubere („euter", nicht, ,, reichlich") durch andere \ 
dichterstellen, in 17 Raeti gegen Raetis des Nie. Heinsius, ohne 
et hinter gereutem einzuschalten, da nach seiner beobachtung die 
elision in der arsis im IV. buche der öden durchaus vermieden 
wird , so das Raeti Vindelici als ein name zu betrachten sein 
würde ; er hält die verse 18 — 22 quibus — omnia für acht, will 
in 19 fortibus et bonis, weil sie bei Horaz und andern Schriftstel- 
lern verbunden zu werden pflegen , nicht trennen , also kein 
komma hinter fortibus haben und bonis nicht mit iuvencis verbin- 
den ; er erklärt, wie in 43, statt des richtigen vel Eurus in den 
besseren handschriften , in andern et Eurus und per Euros ent- 
standen sein kann. In IV, 6, 10 erklärt er, wie aus 



Nr. 6. 59. Horatms. 303 

des besseren band Schriften irnpressa, wie in 14 aus sacra mentito 
durch die mönche sacramento gemacht worden ist (nebst vielen 
spaßhaften beispielen solcher mönchischer Verdrehungen); wie 
in 17 Victor aus eaptis, in 21 flexus aus victus, in 25 argivae aus 
argiäae , in 28 Agylleu des Burmann und Cruquius aus Aegyieu 
entstanden sein kann. In IV, 8, 12 schützen muneri alle guten 
handschriften , so wie in 15 celeres fugae] die verse 17 und 18 
Non incendia Karthaginis impiae Eins gui etc. nimmt Keller, trotz 
der vernachlässigten diärese, in schütz, Horazens Verwechselung 
der beiden Scipionen mit ähnlichen versehen alter Schriftsteller 
entschuldigend und gelegentlich gegen das vierzeilengesetz Mei- 
neke's , ungeachtet der Überschrift tetracolus zu der ode IV, 7 
und wenigstens in einigen handschriften der I. Masse auch zu 
dieser ode, ankämpfend; auch die verse 28 und 33 behält er 
bei, an beispielen zeigend , daß weder der pleonasmus noch die 
Wiederholung seiner eignen worte Horaz fremd sind. In IV, 

9, 19 ist nach ihm non (nicht nee) durch die besseren hand- 
schriften beglaubigt; in 31 bevorzugt er süeri, die gewöhnliche 
lesart süeho für eine conjectur des Mavortius erklärend. In IV, 

10, 5 hält er, trotz des handschriftlichen Ligurinum, die anrede 
Ligurine für nothwendig , in vers 6 die präposition in vor spe- 
culo, trotz Bentley, für prosaisch-, in IV, 12, 16 merebere für 
poetischer und durch die handschriften besser beglaubigt als 
mereberis. In IV, 13, 28 zieht er Dilapsam und eineres vor. 
In IV, 14, 4 erklärt er fastus (statt fastos) für besser beglaubigt 
und durch Priscian. VI, 72 und Claudian. IV cons. Hon. 155 
gestützt; in vers 5 ist lux einiger handschriften für sol als eine 
emendation des Mavortius anzusehen; in 24 wird medios per 
ignes als sprichwörtliche redensart vertheidigt und belegt; in 28 
wird meditatur, weil gewählter als minitatur, vorgezogen, in 35 
Alexandrea nach Priscian. II, 47, in 49 paventis als besser wegen 
des folgenden gaudentes. In ode 15, die er von 14 getrennt 
wissen will , zieht er derepta , trotz des handschriftlichen direpta 
vor, in 1 1 emovitque (nicht dimovitque), in 1 5 ortus (nicht ortum), 
das er durch Tib. II, 5, 57 und Ovid. met. I, 779 schützt; 
endlich in 18 exiget, weil es energischer ist als eximet, obgleich 
beide lesarten gleiche beglaubigung haben. Hieraus wird deut- 
lich , daß die kritik Kellers wesentlich conservativ ist. Es er- 
giebt sich ferner , daß er gegen die auctorität des Bland, vetu- 



304 60. Commodianus. Nr. 6. 

stissimus und Oruquius ankämpft, den er wiederholt beschuldigt, 
seine eignen vermuthungen durch angebliche lesarten dieses, als 
er seine anmerkungen drucken ließ , schon verbrannten codex 
habe annehmbar machen wollen. Dieser auffassung treten Kieß- 
ling (Deutsche literaturztg. 1881, p. 1038), L.Müller, Fritzsche, 
Schütz, Dillenburger (Zeitschr. t. deut, gymnasialw. 1881, p. 
321 flg.), besonders aber Mewes (Ueber den werth des codex 
Bland, vetustissimi, programm des Friedrich - Werderschen gym- 
nasiums Berlin 1882) energisch entgegen. Der letztere kommt 
geradezu zu dem schluß, daß sich jener gelehrte nur durch ein 
maßloses vorurtheil hat hinreißen lassen, die Wahrheitsliebe eines 
bisher hochverehrten mannes anzuzweifeln. H. F. Heller. 

60. F. Haussen, de arte metrica Commodiani. Argen- 
torati apud C. Truebner. MDCCCLXXXI. 90 p. 8. (Disser- 
tationes Argentoratenses, Vol. V, p. 1 — 90.) 

Die vorliegende schrift zerfällt in einen haupttheil (p. 1 — 72) 
über die metrik Commodians und einige anhänge (p. 73 bis gegen 
ende) über die verstechnik derjenigen carmina, welche der Com- 
modianischen art nahe stehen. Im ersten capitel „de incisionibus" 
(p. 7 — 22) stellt der Verfasser die lehre auf, daß Commodian 
stets die penthemimeres gebrauchte, und zwar nach einer syllaha 
communis; die überwiegende mehrzahl der verse hat diesen ein- 
schnitt und die von diesem fundamentalsatz abweichend gebauten 
verse sind als schlecht überliefert zu corrigieren. Unterstützt 
wird diese theorie auch durch den umstand , daß Commodian 
es thunlichst vermeidet sinngemäß zusammengehöriges durch die 
penthemimeres zu trennen; namentlich hält er präpositionen, con- 
junktionen und die copula, die sich als unselbständige Wörter 
an folgendes bezw. voraufgehendes anlehnen , überall von der 
Stellung unter der cäsur fern; doch scheint que durch die pen- 
themimeres von seinem vorhergehenden wort zuweilen getrennt 
zu sein, wenn noch eine hephthemimeres folgt. — Letztere tritt 
gewöhnlich zur penthemimeres, ebenso auch wohl die bucolische 
caesur, es sei denn, daß ein besonders langes wort einen weitern 
einschnitt im zweiten halbverse hindert. An den beiden acces- 
sorischen einschnitten findet jene beschränkuug , wonach zusam- 
mengehörige begrifi'e nicht getrennt werden sollen , nicht statt, 
ja selbst composita können unter die caesur fallen, z. b. 6c\-ci- 



Nr. 6. 60. Commodianus. 305 

sione, mani - festare. Vermieden wird ein einschnitt nacti dem 
dritten daktylus, auch nach dem dritten trochäus ist eine allzu- 
scharfe markierung nicht beliebt. 

Im zweiten capitel bespricht der verf. das wesen und die 
bedeutung des grammatischen accents , der bei Commodian eine 
große rolle spielt, jedoch nicht immer mit dem versictus zusam- 
menfällt, wie überhaupt nicht der grammatische accent an stelle 
der Quantität getreten ist und das ausschließliche princip des 
verses bildet. Zur genaueren erkenntniß dieser frage geht Haussen 
die betonungen in den verschiedenen Versfüßen durch: im sech- 
sten steht nur ein wort mit betonter paenultima ; der fünfte, stets 
dreisilbig , zeigt congruenz des wort- und versaccentes ; im vier- 
ten fällt wort- und versaccent zusammen, bei den versen mit bu- 
colischer caesur im dritten hat der theil zwischen caesur und 
dem vierten fuß keinen grammatischen accent. Abgesehen von 
hebräischen eigennamen, welche den ton in die hebung des drit- 
ten fußes hinübernehmen, liegt der grammatische ton auf der 
Senkung des zweiten fußes , und zwar reicht das wort gewöhn- 
lich noch mit seinem schluß an die penthemimeres , und nur zu- 
weilen steht eine vox monosyllaha mit schwacher betonung an der 
schlußstelle des ersten hemistichs. Sonst hat der grammatische 
accent in der ersten vershälfte keine bedeutung, so daß der me- 
trische ictus mit ihm nur gegen ihn wirken kann (bis p. 31). 

Ueber die quantität (cap. III bis p. 63) erfahren wir, daß 
Commodian sich nicht darum kümmert, außer am schluß der bei- 
den vershälften : während jedes hemistich mit einer syllaha com- 
munis endet, zeigt die zweite hälfte des zweiten und fünften fu- 
ßes eine gewisse norm der quantität. Allzugroße consequenz 
bewies Commodian indeß bei seiner neuerung nicht. — Kurze 
vokale mit dem grammatischen accent bleiben kurz, doch scheint 
im sechsten fuß eine längung statthaft zu sein •, in der Senkung 
des zweiten fußes soll nicht eine kürze statt der länge genügen, 
sondern es müssen stets zwei kürzen sie vertreten. — Lange 
Silben unter dem wortaccent bleiben lang; auch solche silben, 
die nach klassischem gebrauch positionslang sind, nimmt Commo- 
dian bei hinzutretendem wortaccent als lang. (Dabei macht qu 
in paroxytonis position, in proparoxytonis nicht). In der Sen- 
kung des zweiten fußes kann eine kurze silbe, die im auslaut 
steht, vor einer länge im anlaut des folgenden wortes mit dieser 
Philol. Änz. XII. 21 



306 60. Commodianus. Nr. 6. 

zusammen zwei kürzen vertreten. Sonst ist die Vertretung- einer 
kürze durch eine länge nicht statthaft. — Alle naturlangen vo- 
kale 5 die keinen accent haben , werden kurz gebraucht. Von 
den einsilbigen Worten haben die nomina immer langen vocal, 
die übrigen meist kurzen, da der wortaccent nicht nachdrücklich 
genug ist. — Positionslange silben ohne grammatischen accent 
werden nicht verkürzt , jedoch machen qa und muta cum liquida 
in unbetonten silben keine position. Präpositionen und negie- 
rendes in scheinen Vernachlässigung der position gestattet zu 
haben. — Von den consonanten im auslaut ist finales s dem 
metrum vielfach im wege, wird also in der ausspräche nicht vor- 
handen gewesen sein-, doch scheint dieser schwund nur nach 
kurzem vokal anzunehmen zu sein. Auch finales m vor anlau- 
tenden consonanten ist nicht mehr gehört worden , macht also 
keine position ; sonst darf aber die existenz des m nicht weiter 
angezweifelt werden, N hat eine ähnliche rolle ; zweifelhaft aber 
ist sein wesen in einsilbigen Wörtern. T im auslaut will Hau- 
ssen noch nicht bestimmt als stumm anerkennen. Alle andern 
consonanten haben sich im auslaut behauptet. 

Cap. IV Synisese. I kann bei nachfolgendem vokal nach 
t, c, d, r, l, V, consonantischen charakter (= j) annehmen; zu- 
weilen geht auch u mit folgendem vokal synizese ein. Syncope 
von e, i, o, u zeigen gewisse wortformen in der ausspräche. 
Est kann = st gesprochen werden nach vokalen, nach m und 
den endungen us und Ts. — Hiatus ist eine zweifelhafte erschei- 
nung. — Die ausspräche der hebräischen eigennamen ist nach 
bedürfniß für den vers zurechtgelegt. 

Dies ist wesentlich der inhalt der aufgestellten theorie, die 
wir unverkürzt gegeben haben, um nichts aus dem Zusammen- 
hang zu reißen, was wir in der controverse berühren wollen. 
Daß der Verfasser seine aufgäbe gründlich und mit methodischer 
consequenz angefaßt hat, ist aus dem gange der Untersuchung 
ersichtlich: keine der in den b er eich der äußerst schwierigen 
materie liegenden fragen ist übergangen oder oberflächlich ab- 
gemacht. Der in so mißlicher Verfassung überlieferte text ist 
überall kritisch behandelt und unter Benutzung einer in Harteis 
besitz befindlichen collation der Cheltenhamer handschriften (C 
und M) auch erheblich gefördert worden, (weist doch der index 
fast elf spalten behandelter stellen auf) wie wir an verschiede- 



Nr. 6. 60. Commodianus. 307 

Den stellen sehen werden. Mit der aufgestellten theorie sind 
wir in den meisten punkten einverstanden, nicht in allen. Daß 
das gewonnene System ein sehr compliciertes ist, wird jeder aus 
der mittheilung ersehen haben. Es will nun wenig einleuchten, 
wenn man einen simpeln dichterling, der sich sto£f und gedanken 
aus Cyprianischen Schriften geholt hat, eine so eigenartige (fast ei- 
gensinnige) theorie zuschreiben soll. Wer den Commodian liest, 
wird sich des eindrucks nicht erwehren können, daß von dem 
klassischen hexameter nicht viel mehr als ein sogenannter rhyth- 
mischer vers mit sechs hebungen und Senkungen, meist mit dak- 
tylischer bewegung, die gewöhnlich durch die penthemimeres 
geregelt ist, übrig geblieben. Daß diese immer stattgehabt, 
stellen wir in abrede : Haussen hat es nicht bewiesen, da er fast 
zehn selten correcturen an den bestehenden versen vorgenommen 
hat, um sie mit seiner theorie in einklaug zu bringen. Auch 
die beobachtung über die nebencäsuren halten wir nicht für 
richtig : sie steht und fällt mit jeuer. Eichtig ist, was über den 
accent im sechsten und fünften fuß gesagt ist, nur muß man 
das const anter im fünften fuß einschränken, insbesondere in 
den Instructionen. Die betonungen im vierten fuß hängen mit 
der auffassung der cäsur zusammen : auch hier ist ihre theorie 
nur mit mehr oder minder großen änderungen im texte zu hal- 
ten. Die weiter voraufgehenden betonungen gelten nur, wenn 
die angesetzte stelle für die einschnitte richtig ist, was unsers 
erachtens nicht immer der fall. — Hinsichtlich der Quantität 
möchten wir dem accent mehr einwirkung auf Verlängerung ein- 
räumen als dem Verfasser, der sich in seiner position wieder nur 
mit textesänderungen behauptet, Wir mochten auch umgekehrt 
unbetonte silben häufiger kurz nehmen , eine auflPassung , welche 
jedenfalls der bestehende text begünstigt. Die ausführung über 
die ausspräche hat weit mehr unsern beifall. Sicherlich ist auf 
diesem gebiete noch manches eigenartige gewesen, was den vers 
und seine bewegung erleichterte , für uns aber bei dem stände 
der Überlieferung nicht mehr erkennbar ist. Möglich, daß Com- 
modian bei seiner schrift die vulgäre ausspräche voraussetzte, 
möglich auch , daß er sie buchstäblich wiedergab , daß sie aber 
durch die späteren abschreiber wieder dem urbauen latein ge- 
nähert wurde. 

Wir würden unserer auzeigepflicht nur zu einem theile ge- 



308 60. Commodianus. Nr. 6. 

nügt haben , ■wenn wir nicht der eingehenden kritischen thätig- 
keit gedächten, welche Hanssen am texte gezeigt hat. Ist auch 
manches , was (und oft nicht ohne härte) in consequenter an- 
wendung des metrischen Systems geändert wurde, unbedingt ab- 
zuweisen, so bleibt der wirklichen eraendationen immer noch eine 
respektable anzahl. Dahin rechnen wir: Instr. 2, 4, 9 caelum et 
Hta terra; 2, 6, 6 lotus cavere dehet, similiter ut tu, (doch betonen 
wir cavere); 2, 29, 9 omnino amarum saeculi] 2, 26, 10 memorare 
potestis mit dem cod. C[heltenham.] und E. 5 1, 7, 8 deus momi- 
netur adulter-^ 2, 13, 6 disciplina profanus (^profans C); 1, 27, 6 et 
futile (für ut fatale) ; 2, 15, 10 sine causa finderis ; Carmen apolog. 548 
Dixerat et ipsud et complevit; Instr. 2, 33, 7 efferatamente; 1, 19, 3 
Mane ehrio, crudo , perituro creditis uno (mit C); 1, 26, 22 Lau- 
tities divis perfrui gui ipse parahat (mit C.) ; c. apol. 664 docent 
(mit M für diceni) ; Instr. 2, 20, 23 In talibus spes est, et vivit eccle- 
sia tota (mit C. R.); 1, 31, 9 ego pulex; 2, 34,8 merito surgunt; 
2, 22, 1 Belligerare cupis (C); 1, 24, 18 nam Uli prodest post 
funera recte qui vixit (nach C)*, c. apol. 984 Exorant Dominum pro 
mortuis uti resurgant (mit M.) ; Instr. 2, 11, 3 decernunt (C) ; 2, 24, 10 
nie nigratus (ni gratus C) ; c. apol. 507 pro miseria (M.); 856 
Suscitanturque solo . . . facti . . .; 794 et ulcus (mit Pitra) ; 613 
praeibat eos (M.); 97 minoris potentiae factos. Aus dieser fülle 
ergiebt sich, daß Hanssens kritische arbeit eine höchst verdienst- 
liche leistung ist , die , wenn man auch von den resultaten der 
metrischen Untersuchung nicht in allen punkten überzeugt ist, 
schon an sich volle anerkennung verdient. Dieser anerkennung 
geschieht kein abbruch, wenn wir andere seiner vorschlage ab- 
weisen , weil sie entweder nur folgen seiner doctrin in nicht zu 
billigenden punkten sind, oder weil sie der stelle und ihrer Über- 
lieferung nicht entsprechen. Es sind dies namentlich folgende: 
Instr. 2, 39, 12 tarnen et genere nati; c. apol. 842 consurgere ira (ohne 
in); 904 Et ibunt tres Uli Caesar es resistere contra; 326 credet 
ipsi sie sit; 853 pereunt inibi ; Instr. 1, 25,8 Nunc, si manus hohes, 
collige: vindemia venit] 2, 9, 19 uti sonans\ c. apol. 172 seibat 
(für sciehai); Instr. 1, 9, 4 paupercli; 1, 39, 8 AdCain terrae culto- 
rem intendite primum.; 2, 29, 12 tunc petit; 2, 20, 16 pauperibus', 
2, 25, 5 oculo nostro\ 2, 14, 3 dominus agri; 2, 11, 5 fuisti de- 
lictor. — Wir möchten von diesem theil des buches nicht scheiden, 
ohne uns noch über einige stellen auszusprechen, Instr. 2, 38, 2 



Nr. 6. 60. Commodianus. 309 

ist latibuU nequitia vincula tota mit C zu lesen. Wäre es nicht 
möglich c. apol. 994 bei rauca zu ergänzen voxf dann bliebe sed 
(M) statt des handschriftlich ganz unberechtigten fM&a. Instr. 2, 19, 7 
lies domini sancta\ 1, 19, 5 lies Severe dominum; 2, 4, 11 viel- 
leicht Inde qui pereunt ; 1, 30, 13 lies: Exuite divites tantis malis 
diu perversos. Subveniat etc.-, 1, 32,7 licet censes cum turba cho' 
raulica [censis cü turba chorauUca C); 1, 6, 9 illum deum devo- 
rasset. 

In einem fünften capitel zieht Haussen zwei afrikanische 
Inschriften, welche in einigen punkten seiner metrik entsprechen 
sollen, in die besprechung hinein. Indeß es kommen darin auch 
sieben- und achtfüßige verse vor, somit läßt sich ein wirklicher 
vergleich kaum durchführen. Eher läßt sich schon etwas mit 
der im selben capitel gleichfalls behandelten Exhortatio poenitendi 
des Verecundus anfangen, dessen versbau in der that vielfach an 
Commodian erinnert. Doch unterscheidet nach Haussen sich 
Verecundus darin von Commodian , daß er Quantität überhaupt 
nicht mehr beachtet; dagegen habe auch Verecundus die pen- 
themimeres , thunlichst mit den hephthemimeres und der bucoli- 
schen caesur verbunden. Im sechsten fuß steht ein wort mit 
betonter paenultima \ im fünften fällt der grammatische accent 
mit dem metrischen ictus zusammen ; ebenso im vierten , wenn 
die bucolische caesur eintritt. In der hebuug des zweiten fußes 
steht entweder eine grammatisch betonte silbe, oder zwei silben, 
deren erste den grammatischen accent hat. Vor der penthemi- 
meres liegt entweder die schlußsilbe eines wortes oder est (st) 
und einmal das pronomen te. Während Commodian gewöhnlich 
im ersten fuß drei, bisweilen zwei silben hat, braucht Verecun- 
dus immer drei silben; der zweite fuß hat drei oder zwei silben ; 
der dritte und vierte entweder je zwei silben, oder der eine drei 
und der andere zwei, aber niemals beide je drei ; der fünfte fuß 
ist stets dreisilbig. — Der buchstab i ist consonantisch (= j) 
nach r und p] est scheint einmal gleich st gesprochen. Syna- 
loephe kommt nicht vor. — Das gedieht des Verecundus hat 
nur 176 verse, daher sind allzu exakte regeln nicht unbedenk- 
lich •, mindestens scheinen textkorrecturen in strenger befolgung 
dieser regeln, wenn nicht andere gründe mitwirken, 
vorsichtig aufzunehmen zu sein. Wir möchten grade bei Vere- 
cundus nicht mehr postulieren , als daß er verse mit sechs he- 



310 60. Commodianus. Nr. 6. 

bungen und Senkungen in daktylischer Bewegung hat, und von 
den caesuren die penthemimeres ; und daß wort- und versaccent 
im fünften und sechsten fuß zusammen fallen. — Wir legen auch 
in diesem theil großes gewicht auf die kritischen beitrage Han- 
ssens, zumal Verecundus bisher noch wenig behandelt war. V. 
80 liest Haussen captare für capere , sehr ansprechend; indeß 
mag die entscheidung ausstehen : wir neigen, wenn sich provin- 
ziales capere (oder capiref) nicht weiter belegen läßt (Commo- 
dian hat capebat) eher zu cupire. — 12>jl^ will Haussen de- 
clinans || Si peccasse poenitet etiam peccare dedste, doch kann man 
der Überlieferung näher bleiben, wenn man declina \\ Et peccasse 
poenite etiam etc. liest, wobei nur ein e vor etiam ergänzt ist; 
persönliches poenitere ist im spätlatein und besonders bei 
Verecundus gewöhnlich. 

V. 33 ist Quid ludibrium mit recht bezweifelt , doch gehört 
quid vielleicht ans ende des vorhergehenden verses : 32 . . . in- 
terroga: mens quid || Ludibriosum cett. — 59 ist mit qui poenituisse 
mala perpetrata probantur richtig hergestellt. — 129 ist Sic vor 
David getilgt, ohne daß der vers an gelenkigkeit etwas gewon- 
nen hätte. — 155 ist richtig Amplectit aus dem folgenden verse 
als versschluß aufgenommen, doch muß 156 nach <Zamna auch gwae- 
dam eingesetzt werden, wie es die handschriften von Montpellier 
und Douai haben. — 54 ist ultra iam non mit recht hergestellt; 
ebenso 152 ac sese post; 28 ist te exaestuare wohl annehmbar; 
139/40/41 erscheint die zutheilung von iniquus aus 139 an den 
anfang von 140 zutreffend, wie auch die Verweisung von oblita 
von hier nach 141 (anfang). Eine ähnliche theilung möchten 
wir 25/26 befürworten, die dann lauten würde: . . quod instans 
veruere plagae || Pulsat henivolus , ut malo segregata exsistas • damit 
würde auch Hanssens conjectur zu der stelle (p. 78) erledigt. 

Wir benutzen die gelegenheit , um noch folgende lesungen 
zu vergleichen. V. 16 lies ut sinceritate und fulgere noscas-^ 21 
flagris urgens] 22 movet (statt monet) mit C. Kehren wir zu 
Hanssen schrift zurück, so bliebe noch zu erwähnen, daß er zum 
Schluß auf einige kleine gedickte des siebenten und achten Jahr- 
hunderts aufmerksam macht, die in der that in ihrer form mit 
Verecundus sich vergleichen lassen ; damit erhält der gegenständ 
einen gewissen historischen abschluß. Denn nach der ersten hälfte 
des achten Jahrhunderts dürften derartig geformte verse sich nicht 



Nr. 6. 61. Caesar. 311 

mehr antreffen lassen. Die am Karolingisclien hofe neu erblü- 
hende lateinische poesie lehnte sich an die klassischen Vorbilder, 
insbesondere Ovid und Virgil an. 

61. C. lulii Caesaris commentarii de hello Gallico. Zum 
schulgebrauch mit anmerkungen herausgegeben von Hermann 
Eheinhard. Zweite umgearbeitete aufläge. Stuttgart, Paul 
Neff 1878. 8. 

Die auffälligste eigenthümlichkeit dieses Schulbuchs ist die 
ausstattung mit buntem deckel , den die nach tertia versetzten 
schüler, besonders in kleinen Städten, mit stolz als einen beweis 
der ihrem ränge gebührenden auszeichnung ansehen werden; 
und die dem text selbst beigegebenen illustrationen und plane. Hier 
sieht man vorne auf der ersten tafel in buntdruck eine abthei- 
lung eines römischen heeres auf dem marsche, einen feldherrn 
vom suggestus eine anrede an die Soldaten haltend, den römischen 
legionsadler , das pilum, das schwert, pfeil und bogen, Schleuder, 
heim und die verschiedenen Schilde-, (das sacellum, welches bei 
Cäsar nicht erwähnt wird, ist überflüssig) ; auf der zweiten tafel 
einen grundriß des römischen lagers, die katapulte, die verschie- 
denen arten des tormentum, die gallischen mauern, einen angriffs- 
damm , einen wall mit brustwehr , einen thurm , eine vinea, eine 
testudo. Alles darauf berechnet, was der Schriftsteller erwähnt 
oder beschreibt, anschaulich und begreiflich zu machen. Am 
ende des buchs sind die plane der wichtigsten schlachten und 
belagerungen (mit ausnähme der Rheinbrücke, nach Napolöon's 
atlas) , so wie eine karte Galliens beigefügt. Man sieht schon 
aus diesem verzeichniß der ,, illustrationen", daß die ausgäbe dem 
inhalt der commentarien rechnung trägt, und mehr noch aus 
den unter dem text gegebenen erläuterungen, daß sie einzig und 
allein die sachliche seite des werks in's äuge faßt-, diese be- 
schäftigen sich nur mit der aufhellung der technischen fragen, 
welche sich bei dem lesen des militärischen Schriftstellers auf- 
werfen, und deren beantwortung zum verständniß desselben noth- 
wendig — oder vielmehr dem Verfasser nützlich erschienen 
ist. Denn um es kurz schon vorweg zu bemerken, die, obgleich 
nur knapp gehaltenen erläuterungen laboriren an einem zuviel, 
bringen wenigstens für den schulgebrauch viel überflüssiges. 

Seit dreißig jähren zeigen die Schulausgaben der commen- 



312 61. Cäsar. Nr. 6. 

tarien eine sehr verschiedene einrichtung, die hinzugefügten an- 
merkungen einen sehr verschiedenen inhalt. Da sie alle noch ^ 
neben einander gebraucht werden, kann man sich von der ver- "f 
schiedenheit der behandlung des Schriftstellers im Unterricht eine 
Vorstellung machen. Früher wurde der lateinische autor nur 
als eine Sammlung von beispielen zur einübung der grammati- 
schen regeln angesehen; in ausgaben wie der von Seifert wer- 
den fast nur paragraphen der grammatik citirt ; in andern, wie 
der von Hinzpeter , werden vorzugsweise anweisungen ertheilt, 
die lateinischen satzbildungen durch passende deutsche zu er- 
setzen, also anleitung zum übersetzen gegeben; noch andre, wie 
die von Kraner, wenden ihre aufmerksamkeit in gleicher weise 
dem ausdruck wie der sacherkläriTng zu. Mehr oder minder 
wird sich ganz natürlich nach den anmerkungen immer die Un- 
terweisung des lehrers richten. Sonst , wenn man Cäsar las, 
lernte man Zumpt; etwas später wurde man für das übersetzen 
auf dem abiturientenexamen zugestutzt; nach einer lectüre von 
einem oder zwei jähren blieb auf dem gymnasium, mit ausnähme 
seiner ausdrücke und constructionen , Cäsar selbst einem jeden 
vollständig fremd , und erst bei eigner späterer lehrthätigkeit 
lernte man zu seinem großen erstaunen den inhalt des römischen 
Schriftstellers kennen. Das wird nun jetzt anders : man fängt 
an, das hauptgewicht auf die sachen zu legen. Wie sehr in 
der neuesten zeit die reale seite der auslegung die oberhand 
gewinnt, kann, außer andern erscheinungen , wie von Kampens 
atlas, die hier vorliegende bearbeitung zeigen. Und wenn man 
dabei dia darstellung und die form nicht außer acht läßt , wird 
der Unterricht, so ist zu hoffen, gute fruchte zeitigen, — vor- 
ausgesetzt, daß man maß zu halten weiß. 

Denn allerdings liest ein Göler oder ein Napoleon die com- 
mentarien anders als ein schüler von 13 oder 14 jähren; es 
würde ganz unsinnig sein, bei diesem das lebhafte Interesse und 
das volle verständniß für die militärischen Vorgänge, die der 
schriftsteiler schildert oder andeutet, vorauszusetzen oder erwe- 
cken zu wollen. Wenn Göler und Eüstow im anschluß an die 
commentarien ein gesammtbild des militärwesens zur zeit Cäsars 
entworfen haben, so ist das für den gelehrten wichtig und giebt 
den inhalt ab für einen abschnitt der römischen antiquitäten. 
Wäre eine Schulausgabe für die Zurechtweisung des lehrers be- 



Nr. 6. 61. Cäsar. 313 

stimmt, so würde eine Vollständigkeit in den besprochenen mili- 
tärischen einrichtungen angebracht sein; für den schüler berech- 
net, muß sie sich auf das beschränken, was jedesmal für das 
verständniß einer stelle ausreicht; jedes mehr belastet in unnö- 
thiger weise sein gedächtniß und kann ihm die Sache selbst nur 
undeutlich machen. Auch hat man ihm nur unbestreitbar vorliegende 
thatsachen mitzutheilen ; alle noch unentschiedenen fragen gehö- 
ren vor das forum des forschers. Ich werde nun den nachweis 
bringen, daß gegen diese beiden grundsätze Eheinhard vielfach 
gefehlt hat. 

Folgende ausdrücke, die bei Cäsar nicht vorkommen, wer- 
den unter andern in den anmerkungen erklärt , ohne daß ihre 
erklärung zum verständniß des Schriftstellers das mindeste bei- 
trägt: onager (erst bei Vegetius, bei Cäsar allgemein tormentuni), 
carrohallista, libratores, tragularii, causaria vacatio (erst bei Livius 
causarii), emerita stipendia, ßaueonna („aus dem celtischen Soghan''''), 
emissarn; ferner in der lagerbeschreibung praetentura , latera 
'praetorii , retentura , castrorum metatores seu mensores, decumanus 
maximus , cardo maximus'^ tessera (oder signum), tesserarii, munifi- 
ces, ambulationes , decursiones, optio, framea, samhuca, exostra, vexil- 
larius, lituus (als musikinstrument , aes aduncum), liticines, te- 
studo arietaria, aries versatiUs, pensilis, duplex, compositus, aplustre, 
armillae , phalerae, duumviri navales , naves tabellariae, Lihurnae, 
{casae) stramenticiae , velati accensi , adscripticii, adscriptivi, rorarii 
frons obliqua, acies sinuata, caput porcinum (d. i. cuneus), forfex 
(als Schlachtordnung), tympana, die verschiedenen bedeutungen 
von lorica, darunter auch „der verputz an gebäuden" ; — die 
meisten nur für denjenigen brauchbar, der sich mit den alter- 
thümern des römischen felddienstes beschäftigt, und sehr viele 
erst der nachcäsarischen zeit angehörig. Auch viele namen 
werden unnöthiger weise eingeführt, die erst einer späteren zeit 
zukommen, so Gallia Narhonens'is (erst seit Agrippa für provineia), 
Augusta Taurinorum, Augusta Treverorum u. s. w. alles eben so viele 
anachronismen , welche für die Interpretation der commentarien 
sich entbehren lassen. Auch die strategischen nachweisungen 
sind oft für den schüler unnütz. ,, Cäsar marschirte wahrschein- 
lich über Altinum , Mantua , Cremona , Laus Pompeji , Ticinum, 
Augusta Taurinorum, Segusio in's thal von Pragelatto, wo Ocelum 
lag, auf der straße , die von Pignerol nach dem Col de Fene- 



314 61. Cäsar. Nr. 6. 

strelle führt, und von da über den Mont Genevre nach Brian^on 
(Brigantio), dann längs der Romanche (einem nebenflusse der 
Is^re) über Catorissum (Chaource) nach Cularo (Grenoble)." Der 
verf. folgt den angaben Göler's und Napolöon's; aber wenn es 
die aufgäbe des Strategen ist , den weg , den Cäsar genommen 
hat , durch vermuthungen , die auf den angaben alter quellen 
beruhen , zu ermitteln , wird man doch nicht verlangen , daß die 
Schüler das ihm nachlernen , oder auch nur auf ihren karten 
verfolgen sollen, auf denen sie einen großen theil der Ortschaften 
nicht einmal angegeben finden ; für sie genügt es, „das thal des 
Po hinauf über den mont Genevre." 

Man hat viel von der überbürdung der Jugend durch die 
masse der kenntnisse, mit denen man sie überschüttet, gesprochen ; 
sie kommt lediglich daher , daß ein jeder lehrer , übrigens aus 
sehr rühmlichem pflichteifer, seinen gegenständ so viel es an- 
geht, erschöpfend behandeln möchte. Ich kenne eine schule, in 
welcher ein lehrbuch der botanik gebraucht wird, zu dessen er- 
lernung ein botaniker , der sich nur mit seiner Wissenschaft be- 
schäftigt, mehrere jähre seines lebens gebrauchen würde, und in 
welcher ein Chemiker in seinen vortragen alles — und mehr — 
gegeben hat, was auf der Universität behandelt zu werden pflegt; 
in welcher endlich differential- und integralrechnung einen inte- 
grirenden theil des Unterrichts bildeten ; ich weiß , daß in den 
griechischen stunden von jungen leuten , welche die so überaus 
fruchtbaren Studien der vergleichenden sprachkunde liebgewon- 
nen hatten, den sekundanern schon die sanskritwurzeln der ent- 
sprechenden griechischen Wörter mitgetheilt worden sind, die sie 
natürlich nicht behielten ; die klage , daß die französischen und 
englischen lectionen in der neuesten zeit der etymologie aus dem 
lateinischen, dem altfranzösischen, dem proven^alischen und dem 
angelsächsischen zu großen platz einräumen, ist vor kurzen in 
öffentlichen lehrerversammlungen laut geworden ; welcher umfang 
stellenweis der erlernung der geographischen und historischen 
thatsachen im Unterricht gegeben wird , kann staunend nur der 
übersehen, welcher gelegenheit gehabt hat, bei vielen prüfungen 
in diesen fächern zugegen zu sein. Wenn die neuesten Verord- 
nungen für das preußische gymnasialwesen überall eine weise 
beschränkung des lehrstoffs zur pflicht machen, müssen sie von 
allen einsichtigen mit beifall und freude aufgenommen werden. 



Nr. 6. 61. Cäsar, 315 

Schon bei besprechung des von Kampen'schen atlas (Phil, 
anz. VII) habe ich es für angemessen erklärt , den schülern die 
nur problematischen entscheidungen über das terrain der schlachten 
vorzuenthalten; wo die localität nicht durch die nachgrabungen 
unbedingt feststeht, wird er durch eine bloße behauptung nicht 
mit einem wissen, sondern nur mit einem voruitheil erfüllt; für 
den gelehrten allein gehört das noch fragliche zu weiterer Un- 
tersuchung. So ist es z. b. mit der Helvetierschlacht , so mit 
der Schlacht gegen Ariovist. In solchen fällen wird der lehrer 
besser thun, die aufstellung der Schlachtordnungen ohne namen- 
angabe von Ortschaften mit ein paar strichen an der Wandtafel 
deutlich zu machen. Zu welchen übelständen die entlehnungen 
aus Naj)oleon's darstellung in den anmerkungen Rheinhard's ge- 
führt haben, will ich nur an einem beispiel deutlich machen. 
P. 1 7 heißt es : „Bibracte das heutige Autun" ; auf derselben seite 
wird angegeben , daß die schlacht Cäsars mit den Helvetiern 
zwischen le grand Marie und le petit Marie vorgefallen ist, — 
eine feststellung , welche nur haltbar ist , wenn unter Bibracte 
der von Autun drei deutsche raeilen entfernte mont Beuvray ver- 
standen wird, und nachträglich wird denn auch p. 20 nachge- 
holt, daß Napoleon ,,mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit" diese an- 
nähme mache. P. 16 heißt es zu suh monte in B. G. I, 21: 
,,es ist dies wohl der mont Taufrin an einem zuflaß der Somme^^. 
Dem Schüler steht, auch in den „Illustrationen" des Verfassers, 
keine karte zu gebot , auf welcher er diesen berg und diesen 
bach auffinden kann ; ja der name Somme wird ihn wahrschein- 
lich zu dem irrthum veranlasssen, daß der mehr als 50 deutsche 
meilen davon vor Arniens vorbeifließende größere fluß gemeint sei. 
Aus den „Illustrationen" würde danach mindestens noch die be- 
lagerung von Aduatuca (Namur, für das von Kampen den mont 
Falldze angiebt) und die schlacht an der Vingeanne zu streichen sein. 
Ich könnte meine ausstellungen noch sehr vermehren ; ich 
glaube aber auch so schon hinlänglich gezeigt zu haben , daß, 
wenn die neuen errungenschaften der forschungen in den com- 
mentarien für die schule nutzbar gemacht werden sollen, knap- 
pes festhalten des für die auslegung nöthigen und außer allem 
zweifei feststehenden unumgänglich geboten ist. Sonst könnte 
leicht der fall eintreten, daß man — und das nicht ohne alle 
berechtigung — die neue art der für die schule bestimmten an- 



316 62. Cicero. Nr. 6. 

merkungen zu dem werk Cäsars gänzlich verwirft und den eben 
erst eingesclilagenen richtigen weg, als zu beschwerlich und zu 
wenig förderlich, wieder im stich läßt. Es genügt nicht, für 
den schulgebrauch aus den quellenschriften beliebige auszüge zu 
machen, man muß nach einem festen princip, was dienlich, was 
ungehörig , zu unterscheiden verstehen. Vielleicht arbeitet für 
eine folgende aufläge der Verfasser, der doch dazu, die erforder- 
lichen Vorstudien gemacht hat , sein buch in der von mir deut- 
lich bezeichneten weise um. H. F. Heller. 

62. Martin Hertz, zur kritik von Cicero's rede für 
den P. Sestius. Leipzig, Teubner 1881. 52 p. 

Diese A. Fleckeisen zum fünfundzwanzigjährigen doktorju- 
biläum gewidmete abhandlung bespricht in dem größeren theile 
die ergänzungen der lücken, die in der maßgebenden handschrift 
Paris. 7794 von zweiter band herrühren. Zuerst wird an stellen, 
wie §§ 48, 93, 116, 118 u. a., wo die von späterer band nachge- 
tragenen Worte allgemein als echt anerkannt und aufgenommen 
sind, klar nachgewiesen, daß der abschreiber der handschrift von 
gleichen buchstaben abirrte und daß somit an anderen ähnlich 
gelagerten stellen der gleiche maßstab bei beurtheilung der er- 
gänzungen anzulegen sei. Doch ist nicht die stelle § 54 hierher 
zu rechnen, wo zudem erst von einer sehr späten band des 15. 
oder 16. Jahrhunderts (nach Halm) die lücke zwischen intermeum 
und et suam 'praedam falsch durch discrimen ergänzt ist; denn 
Cicero versenkt sich bei besprechung seiner Verhältnisse an ge- 
nannter stelle ganz in seine damalige läge, kann also nicht von 
einem „kritischen , gefahr - und entscheidungsvollen moment" 
{discrimen), sondern nur von verderben, Untergang reden •, ferner 
kann man an praeda nur denken, wenn der feind vernichtet, 
nicht mehr zu fürchten ist. Deshalb ist nur das von M. Seyffert 
vorgeschlagene, überdies auch paläographisch leichter zu ergän- 
zende interitum richtig. 

Nun hat aber die zweite band manche lücken nicht ausge- 
füllt, woraus Hertz folgert, daß schon die vorläge derselben 
keine ergänzung geboten habe. Daß aber doch vorsieht dieser 
gegenüber anzuwenden ist, sieht man aus § 68, wo P conteretur 
und dieselbe zweite band conqueretur bietet, während das richtige 
in einer handschrift der zweiten klasse, conßeretur, enthalten ist. 



Nr. 6. 62. Cicero, 317 

Auf grund dieser seiner gewonnenen resultate geht Hertz 
auf §§ 4, 8, 57, 58 (nur bei G ergänzt), 88, 107, 110, 115, 
132 über, deren umfangreichere ergänzungen, von zweiter band 
theilweise von den kritikern angezweifelt werden. Auch hier 
erachtet er diese zusätze als echt, da die lücken ebenfalls durch 
homöoteleutie sich erklären ließen. Aber die vermuthiing zu 
§ 110, es sei im hinblick auf die lesart des P von erster band: 
nihil saneattq libelli und die von zweiter band überschriebenen 
Worte : iuvahant anangnostae zu lesen : nihil savia te invabant ana- 
gnostae, ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil eine apostro- 
phierung des Gellius (te) neben den anderen bezeichnungen an 
dieser stelle unmöglich ist. Da sein unersättlicher hunger und 
durst und seine geringen mittel einen gegensatz bilden , so ist 
vielleicht mit benutzung früherer vermuthungen zu schreiben 
nihil satiabant tarnen eum anagnostae, libelli etc. 

Von p. 34 an bespricht der verf. eine ziemlich große an- 
zahl kritisch beanstandeter stellen mit Scharfsinn und besonnen- 
heit , wenn auch nicht mit entsprechendem glücke. Eine ganz 
merkwürdige vermuthung wird u. a. zu § 15 geboten: fugerat 
nie annus iam inreplarabilis reipJ], iudices, quo intentus etc. ; doch 
glaubt er selbst keineswegs, daß sein versuch „die volle Über- 
zeugungskraft besitze." Der fehler wird wohl in tarn in repara- 
bilis stecken {fatalis reip.). Ebensowenig überzeugend liest Hertz 
§ 23 corporis poris, § 24 sermonum statt sermonis (man erwartet 
vielmehr eine bezeicbnung der schwelgereien) ; scharfsinnig und 
wahrscheinlich richtig ergänzt er § 37 spiritus vor sumpserat. 

Kann also auch ref., der allerdings sich nicht rühmen kann, 
ein Fleckeisen ,, gleich sachkundiger richter" zu sein (p. 7), 
kaum eine oder die andere der im zweiten theil vorgebrachten 
vermuthungen als evident erklären, so steht er doch nicht an, 
das gründliche und besonnene urtheil anzuerkennen, womit Hertz 
die Schwierigkeiten untersucht und die möglichkeit der heilung 
erwägt. Doch liegt der weith der abhandlung in dem ersten 
theil , und der verf. hat dort sein versprechen gelöst, die kritik 
dieser interessanten rede , der die fachgenossen sich „in fast zu 
reichlicher weise zugewendet haben", diesen ihren „mannigfachen 
Studienresultaten gegenüber nach der negativen seite hin fördern 
zu wollen. hr. 



318 63. Pliuius. Nr. 6. 

63. Fr. Aly, die quellen des Plinius im achten buch 
der naturgeschichte. Marburg 1882. 67 p, in 8. 

Die Untersuchung Alys , ein erfreulicher beweis , daß die 
schwierige frage nach den quellen der N. H. des Plinius doch 
immer noch rüstige forscher anzieht, schlägt einen neuen weg 
ein, um ihr ziel zu erreichen. Brunn versuchte 1856 die be- 
ziehungen zwischen den von Plinius selbst gegebenen indices auc- 
torum und dem texte der einzelnen bücher aufauklären •, über 
die quellen ganzer büchercomplexe stellten verschiedene gelehrte 
Untersuchungen an, Montiguy bereits 1844 zur thiergeschichte, 
Brieger 1857 und Furtwängler 1877 zur kunstgeschichte ; über 
einzelne quellenschriftsteller giebt es eine ganze reihe von ab- 
handlungen. Aly will an einem einzelnen buch , dem achten, 
dessen quellen besonders vollständig nachweisbar sind, die art, 
wie Plinius seine arbeit mosaikartig zusammensetzte, zeigen, in- 
dem er glaubt , daß daraus die methode , nach der er überall 
verfuhr, erkennbar sein werde. 

Seine schrift zerfällt in zwei kapitel, deren erstes, größeres 
(p. 3 — 55) die textes worte der N. H. mit den entsprechenden 
der quellen zusammenstellt. Hier kommt es zunächst auf mög- 
lichste Vollständigkeit an. Daher werden einige nachtrage er- 
wünscht sein. Besonders die von Müller in den Histor. Graec. fragm. 
II, 469 ff. gesammelten fragmente des luba hätten mehr beach- 
tung verdient. Daß N. H. 8, 2 nach Brunn vielleicht aus luba ent- 
lehnt ist, wird durch lubas fragm. 32 bei Plut. de sollert. an. 
c. 17 noch wahrscheinlicher; § 7 ist gleich fragm. 34 bei Phi- 
lostr. de vita Apoll, c. 13. Auch der schluß von § 13 namque 
traditur — in arte grammatica ist aus luba fragm, 33 entlehnt 
und ebendaher § 24 Africa — extrahere. 

Weiter schreibt H. Peter bist. Rom. rel. I, p. CL Villi den 
§ 18 dem Cornelius Valerianus, den ersten satz von § 19 dem 
Cato zu. Der letzte satz von § 27 ist vielleicht aus Polyb. 5, 
84, 6 entnommen. Die erste hälfte von § 37 theilt auch Val. 
Max. 1, 8, 19 (aus Liv. per. 18) mit, ähnliches Tubero bei 
Gell. 7 (6), 3. Zum anfang von § 43 vgl. Herod, 3, 108 und 
Antig. bist. mir. 21. Auch § 76 findet sich wie § 75 an der 
angeführten stelle des Aristoteles aus Ktesias entlehnt. Daß 
der Schluß von § 161 einer schrift des Varro verdankt wird, scheint 
aus B, 35, 137 und aus Fest. p. 274 hervorzugehen. Endlich 



Nr. 6. 63. Plinius. 319 

sind die worte § 224 cui vivaria — instituit wohl aus Varro de 
r. r. 3, 15 und 3, 12 entnommen. 

Wie fleißig im übrigen die Zusammenstellungen Alys sind, 
geht schon daraus hervor, daß er nur zu 73 unter den 229 §§ des 
achten buches keine quelle hat nachweisen können. Freilich, 
ob er überall die richtige gefunden hat, dürfte zweifelhaft sein. 

Kapitel II soll dann die resultate aus dem ersten ziehen 
und aufschluß geben über die arbeitsweise des Plinius. Zu an- 
fang steht eine statistische Übersicht der benutzten quellen, wo- 
nach Aristoteles und Theophrast , sodann Varro und Columella 
die wichtigsten sind ; die bedeutung der anderen — sei es be- 
nutzten , sei es citirten — autoren müsse eine geringere sein. 
Es folgt eine Untersuchung über die benutzung des Aristoteles 
und Theophrast. Längst war die ansieht ausgesprochen , daß 
Plinius trotz seiner erklärung 8, 44 häufig nicht die Schriften 
des Aristoteles selbst excerpiert habe, sondern dessen römische 
ausschreiber, den Trogus, Nigidius oder Papirius Fabianus 5 Aly 
modificirt diese ansieht dahin, daß er vielmehr eine verlorene 
griechische Überarbeitung des Aristoteles und Theophrast zur 
gemeinschaftlichen quelle dieser auctoren und des Plinius selbst 
machen möchte. Sein beweis dafür ist schwach ; er führt ex_ 
cerpte aus den naturwissenschaftlichen Schriften des Aristoteles 
u. a. an, die unter dem namen des Timotheus von Gaza (c. 500 
n. Ch.) erhalten sind. In ähnlicher weise wie dieser hätten 
schon vor Plinius griechische Schriftsteller die systematisch an- 
gelegten werke des Aristoteles für das niedrige bildungsniveau 
ihrer zeit bearbeiten können. Eine weitere begründung aus 
dem texte des Plinius wird nicht gegeben , und doch wäre es 
hier wohl angezeigt gewesen, die fleißigen Zusammenstellungen 
bei Montigny, Quaestiones in C. Plinii See. Nat. bist, de anima- 
libus libros p. 57 ff. einer eingehenden revision zu unterziehen. 

Mit den übrigen auctores externi verfahrt Aly p. 61 ff, sehr 
radical; er streicht sie alle bis auf luba aus der reihe der von 
Plinius wirklich gelesenen schriftsteiler ; Plinius habe sie wohl 
beim Aristoteles, Theophrast und luba oder in seinen römischen 
quellen bereits genannt finden können. Daß dies für einige der- 
selben der fall ist, geht aus den beigebrachten stellen zwar 
hervor, aber für alle kommt der beweis nicht über die möglich- 
keit hinaus. Ich für meine person kann bei aller geneigtheit 



320 63. Plinius. Nr. 6. 

dem Plinius flüchtigkeit zuzutrauen, doch nicht mich dazu über- 
winden, gegenüber den Worten seiner praef, 17 und der bestä- 
tigung derselben durch seinen neffen den Plinius für solch einen 
aufschneider zu halten, als wozu ihn Aly macht. Ein wenig 
vorsichtiger hätte übrigens letzterer wohl in bezug auf den Ar- 
chelaus verfahren können. Er meint p. 62, dessen worte seien 
sowohl § 202 wie 218 aus Varro de r. r. 2, 3 und 3, 12 ent- 
nommen. Allein an letzterer stelle finden sich nur die der er- 
sten hälfte des citats bei Plinius entsprechenden worte, nicht die 
für die zweite die also Plinius doch wohl direkt aus dem Ar- 
chelaus entlehnt hat. 

Bei dem nachweis der römischen quellen kommt Aly kaum 
über die von Plinius selbst gemachten angaben hinaus. Was er 
schließlich über den Trogus sagt , ist eingehender , wenn auch, 
wie es in der sache liegt, mit ebensowenig nutzbarem endresultat 
früher von A. v. Gutschmid , über die fragmente des Pompeius 
Trogus in den jahrbb. für class. philol. Suppl.-bd. II, hft. 2 aus- 
geführt worden. 

Der verf , meint am Schluß , die arbeitsweise des Plinius in 
mancher beziehung klarer gestellt zu haben. Gewiß ist seine 
Zusammenstellung dankenswerth , sie fügt den in den bisherigen 
commentaren angegebenen quellen mancherlei neue hinzu; auch 
ich verdanke ihm einzelne belehrung. Wer aber sich mit quel- 
lenforschung zum Plinius abgegeben hat, wird längst zu ähnli- 
chen resultaten gekommen sein. Die für das achte buch von 
Aly gemachte Zusammenstellung habe ich in ziemlich vollstän- 
digem umfange längst für die gesammte N. H. vollendet und 
möchte wohl einmal gelegenheit haben , sie nach der weise des 
Mommsen'schen Solin zu veröffentlichen. Aber damit ist nur die 
nothwendige Vorarbeit für die Untersuchung gemacht; die auf 
solche weise noch nicht unmittelbar auf ihre quellen zurückgeführten 
theile der N. H. werden von mancherlei gesichtspunkten aus je 
nach der natur der behandelten gegenstände untersucht werden 
müssen. Besonders darf man sich, wie ich glaube, auf geogra- 
phischem gebiete und vielleicht auch auf dem der annalistik 
handgreifliche resultate versprechen. 

Was Aly p. 66 über die möglichkeit der emendation des 
Pliniustextes aus den quellen sagt , ist durchaus richtig. Wie 
vorsichtig dabei zu verfahren ist, mag vielleicht an ein paar von 



Nr. 6. 64. Mythologie. 321 

ihr selbst aufgestellten, auf den ersten blick recht ansprechen- 
den vermuthungen gezeigt werden können. Er will (p. 6) N. 
H. 8, 27 statt des handschriftlichen donantur autem rdbidi {seil, 
elephanti) fame et verberibus, elephantis aliis admotis gid tumultuantem 
catenis coerceant vielmehr rabidi fame et elephantis aliis admotis 
qui tumultuantem verberibus coerceant lesen. So sei der sinn ta- 
dellos , und die stelle der fast wörtlich ausgeschriebenen quelle 
Arist. h. an. p. 571 b 31 angepaßt. Aber fame ist doch grade 
das gegentheil von tgorp/,!; Snwileia, und daß die vorderfüße der 
wilden elephanten mit seilen oder ketten, afiijal^^ gefesselt wur- 
den 5 steht nahe hinter den von Aly zur stelle ebenfalls ange- 
führten Worten p 610 a 20. Hat Plinius hier den Aristoteles 
ausgeschrieben, so hat er, wie sonst oft, verschiedene stellen des- 
selben zusammengezogen. Weiter will Aly §28 gegen £^ Ä- i^^, 
d. h. gegen sämmtliche Vertreter der älteren handschriftlichen 
tradition und gegen den ausschreiber Solin 25, 8 hinter amplius 
quam mit Harduin die worte semel gignere pluresque quam strei- 
chen. Mir scheinen dieselben auf einem mißverständnis der den 
von Aly angeführten werten des Aristoteles bist. anim. p. 546 b 11 
unmittelbar vorhergehenden o»^ ö' hv iy-Aifiota Tiotfiorj, Toirov 
nuliv Ol'/ lintfiai zu beruhen, wo Plinius vielleicht örav statt 
ov ö' UV las oder beim vorlesen zu hören glaubte. 

D. Detlefsen. 

64. De Proserpinae raptu et reditu fabulas varias inter 
se comparavit, programmati gymnasii Georgiani Lingensis ad- 
iunxit Alb. Zimmermann. Lingae 1882. gr. 8. 67 p. 

Der Verfasser will, wie er einleitend sagt, zu Försters 
treflPlichen buche über den raub und die rückkehr der Perse- 
phone nachtrage liefern , auch unbedeutende abweichungen in 
der Überlieferung über die sagen von der Persephone, die dort 
übergangen sind , sammeln und sachlich geordnet den mitfor- 
schenden vorlegen, damit das material über diesen Sagenkreis 
vollständig zusammengestellt und handlich disponirt vorliege. 
Die sich so ergebende bedeutende anzahl der citate stellt er, 
um gleichzeitig den text lesbar zu machen , am fuße der ein- 
zelnen selten auf. Mit lobenswerthem fleiße hat er von allen 
enden , was zu erwähnen und nachzutragen war , zusammenge- 
tragen und dabei eine seltene belesenheit an den tag gelegt. 
Philo!. Anz XII 22 



322 65. Griechische geschichte. Nr. 6. 

lieber die ereignisse, welche dem raiibe der Persephone vorauf- 
gehen, über die einzelheiten der entführung selbst und die ört- 
lichkeit, wo sie nach den verschiedenen angaben der alten statt- 
gefunden, über die Stellung, die Zeus ihr gegenüber einge- 
nommen, über die Wanderung der Ceres und ihren aufenthalt 
in Eleusis , die genealogie des Triptolemus und über den Ur- 
sprung des ackerbaues hat er manche noch unbenutzte stelle 
beigebracht. Leider hat der Verfasser sich aber auf die bloße 
Zusammenstellung beschränkt und die für die feststellung der 
geschichte eines mythos so überaus nothwendige Untersuchung 
über die abhängigkeit der quellen von einander nicht angestellt, 
hat lokalsagen und allgemein griechische sagen nicht von ein- 
ander getrennt, auch die etymologisierenden mythen nicht von 
den übrigen gesondert oder besonders hervorgehoben. Aber 
selbst in dieser gestalt wäre die schrift noch recht werthvoll, 
wenn ihre benutzung nicht dadurch ungemein erschwert wäre, 
daß weder kapitelüberschriften noch indices der Orientierung zu 
hülfe kommen. St. 

65. Klimke, Diodorus Sikulus und die römische anna- 
listik. Königshüttte O/S. 1881. Verlag von Louis Lowacks 
buchhandlung. 40 p. 4. 

Vorstehende abhandlung beschäftigt sich in ihrem ersten 
theil mit der kritik und erklärung der vielfach verderbten und 
entstellten nachrichten über römische geschichte bei Diodor-, der 
zweite theil behandelt die frage nach Diodors römischer quelle. 
Der verf. wendet sich vornehmlich gegen die ausführungen Momm- 
sens im zweiten band der Römischen forschungen (p. 221 fi.). 
Mommsen glaubte die für die beurtheilung der älteren römischen 
geschichte und für die römische annalistik nicht unwichtige frage 
nach Diodors quelle zu gunsten des Fabius Pictor entschieden 
zu haben. Wer nun vorher durch eine eingehende beschäfti- 
gung mit Diodor die entgegengesetzte Überzeugung gewonnen 
hatte , wird schwerlich durch die von Mommsen entwickelten 
gründe zur Niebuhr'schen hypothese bekehrt worden sein. Aber 
mancher anhänger derselben ist vielleicht dadurch in seiner an- 
sieht bestärkt worden. Der verf. hat sich daher ein verdienst 
erworben , indem er die frage einer erneuten prüfung unterzog. 
Das ergebnis seiner Untersuchung ist , daß Diodor in den voll- 



Nr. 6. 65. Griccbische geschichte. 323 

ständig erhaltenen büchern XI — XX nicht das geschichtswerk 
des Fabius Pictor sondern die annalen des Calpurnius Piso 
benutzt habe. Ref. kann den von fleiß und Scharfsinn zeugen- 
den ausführungen des verf.'s, im großen und ganzen zustimmen, 
wenn er auch im einzelnen manches auszusetzen hätte. Z. b. 
kann ich mich mit Klimke's auffassung von dem Verhältnis des 
Diodorischen berichts über die gallische katastrophe zur sonstigen 
tradition nicht einverstanden erklären : ich stehe hier im we- 
sentlichen auf dem Standpunkt Schweglers. 

Manche punkte sind vom verf. nicht mit der nöthigen 
gründlichkeit und ausführlichkeit behandelt. Namentlich ist die 
Widerlegung der hypothese, daß Fabius die quelle des Diodor 
sei, sehr mangelhaft und keineswegs erschöpfend. Und es ist 
nicht schwer diesen gegenbeweis zu führen. Ohne auf einzelheiten 
einzugehen , will ich hier nur auf einen allgemeinen gesichts- 
punkt hinweisen. Er betrifft den charakter des fabischen ge- 
schichtswerkes. Aus den wenigen nachrichten, die wir über 
Fabius Pictor besitzen, geht jedenfalls klar hervor, daß er eine 
— für jene zeit — nicht unbedeutende bildung besaß und po- 
litisches ansehen in Rom genoß. Er war Senator und nahm als 
solcher an den wichtigen senatsberathungen in jener zeit der noth 
gewiß regen antheil. Das vertrauen , welches ihm der senat 
schenkte, indem er ihn nach der schlacht bei Cannä nach Delphi 
sandte, ist sowohl ein zeugnis für sein politisches ansehen als 
für seine gelehrte d. h. griechische bildung ; letzteres geht auch 
daraus hervor , daß er seine geschichte griechisch schrieb , ver- 
muthlich, weil er auch auf einen griechischen leserkreis rechnete. 
Was nun seine politische gesinnung betrifft, so kann es wohl 
keinem zweifei unterliegen , daß er die politik seiner gens und 
seines großen verwandten Fabius Maximus unterstützte, also den 
patricisch-conservativen Standpunkt vertrat, den die politik der 
Fabier in dem ganzen verlauf der geschichte der römischen re- 
publik fast durchgehends zeigt. Dieselbe gesinnung wird er 
auch in seinem geschichtswerk nicht verleugnet haben. Der 
conservative partei-standpunkt darf als ein charakteristisches merk- 
mal der fabischen annalen angesehen werden. Dazu kommt ein 
zweites nicht minder bezeichnendes. Das geschlecht der Fabier 
war uralt , es hatte eine lange reihe hochverdienter ahnen auf- 
zuweisen und wußte viel von deren großthaten zu erzählen: die 

22* 



324 65. Griechische geschichte. Nr. 6. 

fabische familien-chronik muß bedeutend gewesen sein. Diese 
benutzte Fabius Pictor jedenfalls, und wir dürfen annehmen, 
daß er alles, was in ihr von heldenthaten und triumphen von 
Fabiern verzeichnet war, in pietätvollen glauben in seine anna- 
len herübernahm. So mußte das fabische geschlecht bei ihm 
überall glänzend hervortreten. Daß aber in diesen römischen 
familien-überlieferungen viele ereignisse gefälscht und erfunden 
waren, wird von den alten selbst wiederholt berichtet. In wel- 
chem maße gerade die fabische chronik an dieser Verfälschung 
der römischen geschichte betheiligt war, ist zur genüge bekannt. 
Für den Charakter der fabischen annalen ergeben sich demnach 
zwei sichere principien , der conservative politische Standpunkt 
und die besondere bevorzugung des fabischen geschlechts. G-eht 
man nun mit diesen Voraussetzungen an die betrachtung der 
Diodorischen nachrichten , so ersieht man , daß dieselben dem 
muthmaßlichen Charakter des fabischen Werkes in keiner weise 
entsprechen. 

Der positive beweis für die benutzung Piso's durch Diodor 
ist vom verf. gründlich geführt. Der allgemeine Charakter der 
Diodorischen erzählungen paßt auf Piso vortrefflich: die klaren 
kriegsberichte verrathen den militär; der stil ist einfach und 
kunstlos , zeigt neigung für eine gewisse breite und für wider- 
holungen; die quelle war lateinisch (Diodors eigene ausdrück- 
liche angäbe I, 4 wird durch eine reihe von irrthümern bestä- 
tigt, die nur aus falscher Übersetzung des lateinischen entstanden 
sind); der autor war rationalistisch und moralisierend. Auch 
die politische farbung der berichte, der meist nüchterne ton ent- 
spricht am besten dem partei - Standpunkt des Piso. Calpurnius 
Piso war zwar anhänger der Senatspartei , in Wirklichkeit aber 
stand er mehr in der mitte zwischen der nobilität und der de- 
mokratie , er haßte in gleicher weise die extreme beider rich- 
tungen : er war ein heftiger gegner der Gracchen, er verkannte 
aber auch nicht die fehler der nobilität und scheute sich nicht 
sie aufs schärfste zu tadeln. So zeigten denn auch seine an- 
nalen nicht den einseitigen Standpunkt der regierungspartei, man 
erkennt vielmehr ein gewisses streben nach okjectivität in der 
beiirtheilung der parteikämpfe und das bemühen, beiden parteien 
gerecht zu werden und beiden in gleicher weise ihre fehler und 
übergriffe vorzuhalten. 



Nr. 6. 66. Aelteste kirchengeschichte. 325 

Gegen die form der abhandlung muß ich entschieden ein- 
sprach erheben. Der verf. spricht in einem tone gegen den 
von ihm bekämpften gelehrten, der aufs schärfste gerügt werden 
muß, — auch wenn dieser gegner nicht Tb. Mommsen wäre, 
dessen große Verdienste um die Wissenschaft wahrlich nicht ge- 
schmälert werden durch einzelne irrthümer, die in seinen arbei- 
ten nachgewiesen werden. Wendungen wie „daß seine Komi- 
schen forschungen .... von groben fehlem und ungeheuerlichen 
behauptungen wimmeln" (p. 1), „springt Mommsen .... mit dem 
texte um" (p. 16), „hier läßt sich Mommsen zum mindesten (!) 
eine grobe nachlässigkeit zu schulden kommen" (p. 36) und 
andere ähnliche persönliche ausfälle gereichen der arbeit keines- 
wegs zur empfehlung und sind eher geeignet mistrauen auch 
in die sachlichen ausführungen zu erwecken. — Die correctur 
ist sehr nachlässig , es wimmelt von druckfehlern namentlich in 
den griechischen citaten und in den anmerkungen, so daß manche 
stellen geradezu unverständlich sind. L. C. 

66. Th. Keim, Eom und das christenthum. Eine dar- 
stellung des kampfes zwischen dem alten und dem neuen glauben 
im römischen reiche während der beiden ersten Jahrhunderte 
unserer zeit." Aus Th. Keims handschriftlichem nachlaß heraus- 
gegeben von H. Ziegler. Berlin, G. Reimer 1881. XXXVI 
und 667 p. 

Dieses postume bereits zwischen 1855 und 1860 niederge- 
schriebene werk des der Wissenschaft zu früh entrissenen Verfas- 
sers von „Jesus von Nazareth" und „Celsus' wahrem wort" (aus- 
gäbe und commentar) zeichnet sich wie alle seine Vorgänger 
durch gewissenhafte methodische kritik und erfreuliche ergebnisse 
aus und gewährt eine doppelt genußreiche lektüre, da hier alle 
jene gehässige und maßlose polemik vermieden ist, die in den 
Publikationen Keims im letzten decennium , zumal in seinem 
„Aus dem urchristenthum" Zürich 1878, so unangenehm und 
verletzend hervorgetreten ist. Durch den herausgeber wird der 
leser übrigens belehrt, daß jene maßlose gereiztheit mit kränk- 
lichkeit zusammenhing. Ziegler hat seiner ebenso von treue- 
ster pietät für den zu früh dahingeschiedenen freund zeugenden 
als verdienstlichen edition zahlreiche höchst werthvolle noten hin- 
zugefügt, die Keims ansichten hinsichtlich der einzelnen litte- 



326 66. Aelteste kirchengeschichte. Nr. 6. 

rarischen controversen unter Heranziehung späterer Schriften und 
aufsätze des Verfassers und unter verwerthung eigener Studien 
controliren. 

Die gediegenen ausführungen Keims über den fortschreiten- 
den unaufhaltsamen zerfall des griechisch-römischen polytheismus 
im ersten Jahrhundert (p. 4 — 86) und „den sich auflösenden 
und regenerirenden alten glauben" im zweiten Jahrhundert un- 
serer Zeitrechnung (p. 219 — 328) bieten willkommene ergänzun- 
gen zu den gleichfalls vortrefflichen Schilderungen über heidni- 
schen aberglauben von Jacob Burckhardt ( Constantin der 
große, zweite aufläge, p. 135), der aber vorzugsweise die spä- 
tere zeit, den eigentlichen auflösungsproceß im dritten und vier- 
ten Jahrhundert, berücksichtigt. Die abschnitte unseres buches 
über heidnische widerleger des christenthums (p. 385 — 415) und 
die christlichen apologeten des zweiten Jahrhunderts (p. 415 — 
510) ergänzen in einer förderlichen weise das tüchtige werk 
Aub^'s, welches ganz dem erstem gegenständ gewidmet ist: 
„Histoire des persdcutions de l'eglise. La poldmique paienne k 
la fin du Ile sifecle. Fronton, Lucian, Celse, Philostrate. Paris 
1878, Tome II. XV und 516 p. Von den heidnischen Wider- 
sachern betrachtet Keim den Lucian , insofern ihm das christen- 
thum als eine der zahllosen bemitleidendeuswerthen religiösen 
thorheiten seiner zeit innerhalb (nicht außerhalb) der antiken 
weit steht, mit fug als den mildesten, aber auch den oberfläch- 
lichsten , C e 1 s u s als den schärfsten , folgerichtigsten. Den re- 
ligiösen abenteurer Peregrinus Proteus, den der spottende | 
Lucian dem Christengotte gegenüberstellt, und dessen Selbstver- 
brennung hält Keim (p. 258) mit recht für geschichtlich; 
denn „die kenntniß dieses feuertodes beim beiden Philostratus 
und dem christlichen apologeten Athenagoras ist eine selbstän- 
dige, nicht durch Lucian vermittelte'" — Athenagoras, der , 
in seiner apologie auch das allgemein menschliche „das 
zwischen dem alten und dem neuen glauben übereinstim- 
mende" betont, repräsentirt unserm verf und gewiß mit recht, 
„den höhepunkt der apologetik" (p. 451 ff.), das gegentheil 
davon Theophilus von Antiochien (p. 487). Den vielberufenen, 
allzu kühn dem lustinus Martyr zugeschriebenen „brief an 
Diognetos", in dem man gar schon eine fälschung aus sehr 
später zeit erblickt hat, hält Keim (p. 460 ff.) in übereinstim- 



Nr. 6. 66. Aelteste kircheugeschichte. 327 

mung mit A. Hilgenfeld (Zeitsclir. für wissensch. theol. 1873, 
p. 970 ff.), gewiß nicht mit unrecht für eine in der letzten 
zeit Marc Aureis, in den stürm jähren 177 ff. u. z. 
entstandene christliche apologie , nicht für den kaiserlichen hof, 
sondern für das heidnische publikum bestimmt. „In der gluth 
des feuers also", so schließt Keim (p. 462) seine bezüglichen 
recht lesenswerthen ausführungen , „ist dieses edle gold 
des briefes an Diognet entstanden, das lieblichste, 
ja ein fast zauberhaftes wort des zweiten Jahrhun- 
derts." — Die erste spur gottesdienstlicher gebäude der 
Christen findet der verf. (p. 343 und anmerk. 4 daselbst) im 
Widerspruch mit der gewöhnlichen ansieht schon beim apologeten 
Minucius Felix (zur zeit des Marc Aurel) , wo es heißt (Octa- 
viiis c. 9, ed. Oehler, Lipsiae 1847, p. 10) •, „per Universum orhem 
s acr aria ista teterrima impiae coitionis adolescunt. Es sind dies 
Worte (des später selbst zum christenthum übergetretenen) beiden 
Cäcilius. 

Die abschnitte p. 166—218 und 498—642 hat Keim der 
darstellung der äußern Schicksale des christenthums unter den 
einzelnen römischen kaisern von Tiberius bis einschließlich Com- 
modus gewidmet. Gern verweise ich die leser des „Philol. an- 
zeigers" bei dieser gelegenheit auf die ebenso fleißige als tüch- 
tige und verdienstliche monographische bearbeitung , die jüngst 
K. Hilgenfeld^), noch dazu philologe von fach, genau über 
denselben gegenständ veröffentlicht hat (Zeitschr. für wissensch. 
theol. XXIV, 1881, hft 3, p. 291-331 „Verhältniß des römi- 
schen Staates zum christenthnm in den beiden ersten Jahrhun- 
derten"). Die bezüglichen partieen des Keim'schen Werkes la- 
boriren an einer erheblichen und principiellen schwäche ! ich 
vermisse da die erforderliche stete berücksichtigung der juridi- 
schen basis der Christenverfolgungen. Es war zu betonen, 
daß das christenthum seit Trajan dem römischen Staate gegen- 
über einer fünffachen kriminalrechtlichen verpönung latae senten- 
tiae verfallen war. Die Christen galten seitdem dem heidnischen 
Staate als maiestatis rei (in zweifacher hinsieht), als sacrüegi, 
als magi, endlich als inductores religionis novae et ülicitae. Frei- 
lich hat erst der berühmte epigraphiker L e B 1 a n t zuerst in 

1) Ein sehn des herausgebers der Zeitschrift für wissenschaftliche 
theologie. 



328 66. Aelteste kirchengeschichte. Nr. 6. 

seiner epochemachenden noch viel zu wenig verwertheten ab- 
handlung „Sur les bases juridiques des poursuites dirigees contra 
les martyrs" (Comptes rendus de l'Acad. des Inscr. etc. nouvelle 
Serie, T. II (Paris 1866), p. 358 — 373) auf diesen zur correcten 
Würdigung der kampfes zwischen dem christenthum und dem 
römischen Staat so wichtigen grundsatz hingewiesen (vgl. F. X. 
Kraus, Eoma sotterranea, zweite aufläge, Freiburg i. B. 1879, 
Herder), p. 47 ff. und meinen artikel ,, Christenverfolgungen" 
in der F. X. Kraus'schen realencyklopädie des christl. alter- 
thums, liefg. 3 [Freiburg i. Br. 1880, Herder] [p. 215—288], 
p. 215 — 255 und zumal 215 — 219). Sonst verdient die Keim'- 
sche darstellung das lob einer gründlichen beherrschung des ge- 
sammten quellenmaterials, auch der profanschriftsteller, und einer 
besonders scharfsinnigen abweisung unechter christlicher traditio- 
nen, zumal der apokryphen toleranzedicte. Auch wird der für 
das christenthum im contact mit der heidnischen weit gefahrdro- 
hende universale Charakter von unserm verf. stets mit gebüh- 
render schärfe betont (sehr gut z. b. p. 166). 

Die gesammtlage der vortrajanischen kirche wird (p. 
166 f.) mit fug als eine im ganzen günstige bezeichnet und da- 
hin präcisirt, daß das christenthum im ersten Jahrhundert als 
jüdische secte galt, also die vortheile einer religio licita et 
adscita genoß, aber freilich einerseits den unberechenbaren 
despotenlaunen eines Nero und Domitian ebenso wenig entging, 
wie die übrige römische weit, und anderseits auch von den 
staatlicherseits gegen die Juden zuweilen verhängten maßrege- 
lungen polizeilicher und fiscalischer art mitbetroffen wurde. — 
P. 167 — 171 legtKeim in ebenso überzeugender als anziehender, 
weise die ungeschichtlichkeit der bekannten tradition dar, wo- 
nach bereits kaiser Tiberius auf den bericht des Pontius Pilatus 
hin im senate die reception Christi als die dreizehnte staatsgott- 
heit beantragt, aber mit seinem gesuche abgewiesen wurde und 
sich dann damit begnügte, wenigstens die ankläger der Christen 
mit schwerer strafe zu bedrohen. Als quellen dieser Tiberius 
fabel werden (p. 168, anm. 1) aufgeführt: Tertull. Apolog. c. 5, 
Euseb. h. e. 11,2, Hieronym chron., chron. pasch, ed. Dindorfl, 
p. 430. Im sachlichen Interesse ist da nachzutragen, daß noch 
ein weiterer christlicher autor, der sogenannte Anonymus post Dia 
nem, die sage mittheilt, und noch dazu mit einem recht bezeich 



Nr. 6. 66. Aelteste kircheugeschichte. 329 

nenden christlich-tendenziösen Zusätze; es heißt nämlich dort, nach 
erfolgter ablehnung des kaiserlichen Wunsches durch die curie 
hätte jemand die witzige bemerkung gemacht: ,,wenn ihr Chri- 
stum als das dreizehnte numen verschmäht, so hält er als 
die erste gottheit seinen einzug" ^). Also schon wenige jähre 
nach Christi tod hätte man im heidnischen Rom die provi- 
dentielle bedeutnng der neuen religion geahnt ! Was die schwie- 
rige stelle Sueton. Claud. c. 25 (edit. Bipont.) : {Claudius) ludaeos 
impulsore Chresto adsidue rebellantes Roma expidit betrifft, so deu- 
tet Keim (p. 171 ff.; vgl. auch p. 109. 130) das impulsore Chresto 
mit recht nicht auf einen jüdischen aufwiegeler (so noch 
jüngst H er z og, artikel Claudius in der von ihm und P litt be- 
sorgten zweiten aufläge seiner Realencyclop. der protestantischen 
theologie), er will aber auch von der gewöhnlichen Interpretation der 
stelle, die etwa so lautet : „zwischen den hauptstädtischen juden- 
gemeinden und den dortigen Judenchristen waren erbitterte Strei- 
tigkeiten ausgebrochen. Die regierung erließ nun, um die ruhe 
wiederherzustellen, gegen sämmtliche Juden ein ausweisungs- 
mandat, und so wurden denn Juden und Christen, welche letz- 
ten dem Staat ja als jüdische secte galten , vorübergehend aus 
der hauptstadt verbannt (s. u. a. Le Nourry, Tillemont, 
Gieseler, Neander, Döllinger, de Rossi, Aub^ und 
zumal A. Hilgenfel d, hist.-krit. einleitung ins neue testament, 
Leipzig 1875, p. 303 f. und ich selbst „das christenthum un- 
ter Vespasianus" , zeitschr. für wiss, theol. XXI, [1878], hft. 4, 
(p, 492 — 536), p. 493. 498 f., und Christenverfolgungen a. a. o. 
p. 220) , will Keim nichts wissen , faßt vielmehr das Chrestus 
(= Christus, vgl. lustin. Apolog. I, c. 4 ed. Otto, Tert. ad noct. 
1. I, c. 3, Lact. Institutt. divinae, IV, 7) nicht dem sinne nach 
als christiani auf, sondern will Christus selber darunter ver- 
stehen: er meint, Sueton hätte sich in echt römischer Unwissen- 
heit in Sachen des christenthums den Messias damals (c. 50) noch 
am leben und zu Rom wirkend gedacht." Für diese immerhin 

1) AnoD. p. Dien, (bei Lud. Dindorf, ed. Dioiiis. Cassii bist. Rom. 
vol. V [Lipsiae 1865] p. 232). „ori, TißsQiog äv^yytXhi^ int t^v avyxltj- 
Tou, oiare rbv XgiaToy TQigxaidrxaTov {^sop dvui rj öi ßvyxXrjTog ovx dnt- 
ö'i^aio, üioTf xttL ri,va a anitv ößtv ov ilmlv oii TQigxai&i— 
XttTüp ov daxe<f&f, xat UQüiiog SQXirat-" — Der Anon. p. Dion. 
schrieb sicher nach Sozomenos, also nach 439 u. z. (vgl. meine aus- 
führungen über diesen Schriftsteller in Fleckeisens Jahrbüchern für 
class. philol. 1875, hft. 3, p. 212—219). 



330 66. Ael teste kirchengeschichte. Nr. 6. 

höclist auffallende aber wohl zu beachtende deutung spricht der 
umstand , daß Sueton , weil ebenso wie Tacitus bereits zur zeit 
Trajans seine kaiserbiographieen verfassend, sonst genau zwi- 
schen Juden und Christen zu unterscheiden weiß (vgl. Nero c. 16), 
auch ist die gewöhnliche Interpretation {Chrestus: Christiani) von 
künstelei nicht freizusprechen. Bei dieser Sachlage verdient R. 
Hilgenfelds scharfsinnige vermuthung beachtung, wonach der 
betreffende kaiserliche erlaß vielleicht so gelautet hat: „ut 
ludaei, impulsore Chresto adsidue tumultuantes , Roma expelle- 
rentur" (a. a. o. p. 295). Hiernach spiegelt sich also in un- 
serer stelle nicht Suetons eigene Unklarheit über das christen- 
thum wieder — diese war bei ihm zur zeit des Trajan nicht 
mehr recht vorhanden — , sondern die Unklarheit des römischen 
Staates (in betreff der Christen) in der mitte des ersten Jahrhun- 
derts u. z. ! R. Hilgenfeld verwirft auch natürlich mit recht 
die annähme eines jüdischen aufwieglers Christus und zieht mit 
fug auch Cass. Dion. 1. 60, c. 6, 556 (ein früherer milderer 
erlaß des Claudius gegen die Juden) zur sachlichen interpreta- 
tion der stelle heran (p. 293 ff.). 

Mit recht will Keim (p. 184 — 193) bezüglich der neroni- 
schen Christenverfolgung bloß das bekannte hauptstädtische 
blutbad vom jähre 64 (vgl. Tacit. Ann. XV, 44, Sueton, Nero 
c. 1 6) und im Zusammenhang hiermit auch noch das schon durch 
den ersten Clemensbrief (c. 5 und 6, ed. A. Hilgenfeld 
1876) bezeugte martyrium der apostel Petrus und Paulus als 
geschichtlich gelten lassen ■'), dagegen beanstandet er mit fug die 
nachrichten der spätem christlichen tradition (Lactantius, Sulpi- 
cius Severus und Orosius) über neronische Christengesetze und 
über eine im anschluß an die hauptstädtischen gräuel in 
allen provinzen inscenirte Verfolgung der anhänger Jesu. Es ist 
also nur eine unkritische inconsequenz, wenn unser verf. 
(p. 194) von „nachahmungen (der römischen blutthaten) in 
schwächern formen in den provinzen" und spricht sogar die geschicht- 
lichkeit des nur durch Apocal. loh. c. 2, v. 12. 13, (also eine 
quelle von rein visionärem charakter) bezeugten pergameni- 

1) In völliger Übereinstimmung mit A. Hilgenfeld („Aposto- 
lische vä.ter" , p. 83, „Petrns in Rom", zeitschr. f. wiss. theol. 1872, 
p. 340 f. Hist. krit. einleitung ins neue testament, p. 914, anm. 1. 351. 
620-624. 630 ff.). 



% 



Nr. 6. 66. Aelteste kirchengesclnclite. 331 

sehen märtyrers A nti pa s einräumt (vgl. meine christenverfol- 
gung" 221 ff. und meinen „Antipas von Pergamum", zeitschr. für 
wissensch. theol. XXI [1878], heft 2, p. 257—279). — Durch- 
aus unzulänglich ist der abschnitt über das christenthum unter 
den beiden ersten Flaviern (p. 904—906). Sulp. Sev. II, c. 30, 
nr. 7 , ed. Halm , Oros. adv. pag. VII, c. 9 sind zu wenig be- 
rücksichtigt, und Hilarius Pictav. contra Arianos über (ad calcem 
von: Cypriani opera cum adnott. Panelii. Coloniae 1617, p. 101 
sogar gänzlich übergp.ngen ; auch die pseudo- märtyrer der ge- 
trübten tradition haben gar keine beachtung gefunden (vgl. mei- 
nen ,,Vespasianus" a. a, o,). — Bezüglich der strafen, die D o- 
mitian im letzten regierungsjahre gegen ihm verdächtige Chri- 
sten verhängte (Verbannung oder enthauptung) verweist Keim 
(p. 214, anm. 1) mit unrecht auf lul. Pauli. 5, lit. 21, §§ 21; 
denn erst seit Trajan war die römische Staatsgewalt in der 
läge, mit bewußtsein gegen die Christen auf grimd der alten 
gesetzlichen bestimmungen gegen die incluctores religionis üUcitae 
einzuschreiten. — In der darstellung der christenfeindlichen 
regierung des Nerva (p. 217 f.) vermisse ich die erwähnung 
der interessanten, noch dem jähre 96 angehörenden münze „Imp. 
Neron Caesar Augustus P. M. Pr. P. Cos. II) Fisci ludaici Ca- 
lumnia sublata", welche beweist, daß seit Nerva auch die mit 
eintreibung des didrachmon zusammenhängenden fiscalischen 
bedrückungen so mancher Christen aufhörten (vgl. Eckhel, D. N. 
pars II, vol. VI, p. 404 f. und meine „Christenverfolgung" 
p. 225). 

Der abschnitt über die äußeren Schicksale des christenthums 
zur zeit der glorreichen adoptivkaiser des zweiten Jahrhunderts 
(98 — 180 u. z.) (p. 510 — 634) ist ebenso anziehend, auch für 
die weitesten gebildeten kreise, diirch den ausgedehnten histori- 
schen hintergrund, den der verf. mit seinem Stoffe zu verbinden 
weiß — recht interessant ist zumal die Schilderung der persön- 
lichkeit und politik jedes einzelnen der hier in betracht kom- 
menden Imperatoren — , als reich an den erfreulichsten er- 
gebnissen einer consequenten echt historischen kritik. Die wis- 
senschaftliche ausbeute wäre aber noch eine weit größere und 
fester begründete , wenn Keim der juridischen basis der Chri- 
stenverfolgungen in etwas gerecht geworden wäre. Folgendes 
sind die wichtigsten ergebnisse : 



332 66. Aelteste kirchengeschichte. Nr. 6. 

I. In dieser ganzen zeit bis zur ersten hälfte der regie- 
rungszeit Marc Aureis einschließlich bleibt das Trajanische rescript 
an den Jüngern Plinius die im wesentlichen unveränderte 
norm des von der Staatsgewalt gegen die Christen zu beobach- 
tenden Verfahrens, wird jedoch in der letzten zeit des zweiten 
Antoninus erheblich verschärft. 

n. Alle toleranzedicte, auch die scheinbar hochauthentisch 
bezeugten, welche die christliche tradition den imperatoren Trajan, 
Hadrian und den beiden ersten Antoninen zuschreibt, sind ge- 
schichtliche und juridische fictionen und verdanken ihre entste- 
hung christlichen falschem , welche unter dem eindrucke der 
christlichen leidensuoth , zumal in den letzten jähren Marc Au- 
reis (176—180), bemüht waren, die imperatoren und die kaiser- 
lichen behörden durch den hinweis auf angebliche von den kai- 
sern selber herrührende frühere schutzedicte milder zu stimmen ^). 

III. Die bisherige, sich auf Eusebius (vgl. z. b h. e. [ed. Din- 
dorf.] III, 32) stützende annähme, wonach schon seit Hadrian 
oder gar schon seit Trajan der heidnische pöbel auf ungesetz- 
liche tumultuarische weise gegen die Christen einschritt, 
ist irrig, weil Eusebius da nur aus den noch dazu mißverstan- 
denen gefälschten schutzrescripten, zumal der kaiser Hadrian und 
Antoninus Pius, seine Schlüsse gezogen hat. 

IV. Die bezüglichen märtyreracten, mit fast alleiniger aus- 
nähme der passion des Polycarp und theilweise auch der des 
Symphorian, haben gar keinen geschichtlichen werth. — Zu p. 
535 f ist folgendes zu merken : da die Christen seit Trajan dem ; 
römischen Staate als „maiestatis rei" und „sacrüegi" galten, so 
kann es nicht auffallen, daß die bischöfe Symeon von lerusalem 
und Ignatius von Antiochien wie so manche andere überzeu- 
gungsfeste Christen, selbst unter der regierung eines so gütigen 
fürsten wie Trajan den bestehenden gesetzen gemäß eine schimpf- 
liche und grausame todesstrafe erlitten (kreuzigung , vorher fol- 
terung, „kämpf" mit den wilden thieren). Jene entsetzliche; 
executionen hat man sich eben nach Paullus sentent. V, 291 
und Ulpian. Digest. 1. I ad leg. lul. maiestatis [XLVIII], 4 
(bei Le Blant a. a. o. p. 360; vgl. auch p. 363 f. 373) z 
erklären. Eine offenbare Übertreibung ist es, Avenn Keim (p. 582 

1) Vgl. auch A. Hilgenfeld (bist. -krit. einleitung (p. 169 f.] 
und R. Hilgenfeld a. a. o. (p. 320—324. 327 f.). 



Nr. 6. 66. Aelteste kirchengeschichte. 333 

mit bezug auf die sturmjahre 176 — 180 meint: „vor Diocle- 
tians Zeiten war Marc Aureis zeit die unerträglichste für die 
Christen. Freilich will unser verf (p. 605 ff.) aus den apologien 
des Melito von Sardes und des Athenagoras ein generelles 
neues christenedict des kaiserlichen strikers eruiren , welches 
etwa zwischen 174 und 176 erschienen wäre. Diese Verfügung 
hätte erstens den eintritt der ankläger in das besitzthum der 
Christen verordnet und zweitens für die angeklagten gläu- 
bigen den sogenannten bürgerlichen tod, die „«r//^m", festge- 
setzt. Aber erstens bedeutet dieses edict, selbst wenn es im gan- 
zen reiche geltung gehabt hätte, noch lange keinen opferzwang, 
und dann scheint dieses gesetz sich auf den Orient beschränkt 
zu haben: Melito (ap. Eus. h. e. IV, 26) sagt nur: to ynQ ov8s 
ncönnjs ysrofjsrot', vw 8i(üxf7ai to räv Oioaf.ß(äv yfvog n a i v n i g 
tlavvnnsvov 8 6 y fi a 6 t -aata r ri v 'Aaiav, und auch Athena- 
goras gleichfalls ein Orientale, hat bei seinen beschwerden in 
erster linie die kleinasiatische Christenheit im äuge. — Mit 
der regierungszeit desCommodus (vgl. Keim p. 634 — 647 und 
zwar bereits mit dem ersten jähre seiner alleinherrschaft , hat 
man jetzt auch die berühmten seil litauischen märtyrer in 
Zusammenhang zu bringen, nachdem Usener im vorigen jähre 
in der Pariser nationalbibliothek in dem codex Ms. nr. 1470 
anni 890 aerae nostrae einen griechischen text der acta mar- 
tyrum ScüUtanorum entdeckt und publicirt hat, der nicht nur älter 
und correcter als die bisher bekannten lateinischen texte ist, 
sondern beinahe als das original gelten darf^). 

Die räumlichen Verhältnisse dieses „Philol, anzeigers" zwin- 
gen mich leider, hier abzubrechen-, hoffentlich werden diese we- 
nigen Seiten genügen , um auch die philologen auf das tüchtige 
Keimsche buch aufmerksam zu machen. 

Frans Görres. 

1) Acta martyr. Scillitanor. graece edita ab Herrn. Usener in 
Indice scholar. Bonn, per menses aestivos a. 1881, Bonnae 4. p. 6, ab- 
gedruckt und auch mit textkritischen noten und einer lateinischen 
Übersetzung versehen bei Aube, Etüde sur unnouveau texte des Ac- 
tes des martyrs Scillitains, Paris 1881, p. 22 — 29. Vgl. hierzu Aube 
a. a. 0. p. 1 — 20 und A. Hilgenfelds anzeige der Usener'schen 
Publikation riebst R. Hilgenfelds recension von Aube, Etüde etc. 
(zeitschr. f. wiss. theol. XXIV, [1881], hft. 3, 382 f., XXV, [1882], hft. 3, 
p. 369 — 371 nebst der note 1 von A. Hilgenfeld. 



334 Bibliographie. Nr. 6. 

Bibilugraphie. 

Ein bericht über die buchhändler - ostermesse dieses Jahres 
findet sich Börsenbl. 111. 

Ueber die feier des 200jährigen Jubiläums der Metzler'' sehen 
buchhandlung in Stuttgart berichtet Augsb. allg. ztg. nr. 144. 

Die ausstellung der neuen buchhändlerischen erzeugnisse 
dieses jahres bespricht Börsenbl. nr. 139. 141. 144. 

Eingesandt ein prospect „Universitätskalender für das Stu- 
dienjahr michaelis 1882 — 83." Verzeichniß der an den Universitä- 
ten deutscher zunge lehrenden professoren, docenten, lectoren hrsg. 
von Paul Emil Richter. Secretär an der königl. öffentl. biblio- 
thek in Dresden. 

Ausgegeben ist: Bibliotheca philolologica oder geordnete 
Übersicht aller auf dem gebiete der classischen alterthumswissen- 
schaft etc. neu erschienenen bücher, hrsg. von E. Ehrenfeuchter. 
34. Jahrg. 1881. Juli-december. Göttingen, Vandenhoeck und 
Euprecht. 

Mittheilungen von B. G. Teubner 1882. No. 2. Abth. I. 
Anzeigen über künftig erscheinende bücher: Ueber den bau der 
Pindarischen Strophen. Von Moritz Schmidt, gr. 8. geh. — 
Alazon. Elin beitrag zur antiken ethologie und zur kenntnis der 
griechisch-römischen komödie, nebst Übersetzung des Plautinischen 
Miles gloriosus Von Otto Eibbeck. gr. 8. geh. — Briefwechsel 
zwischen August BöcTch und Karl Otfried Müller, gr. 8. geh. — 
M. Tullii Ciceronis scripta quae manserimt omnia. Pars I. Opera 
rhetorica. Recognovit Guilelmus Friedrich. Vol. I. 8. geh. 

Uns zugesandt wurde folgende anzeige: Die durch ihre her- 
ausgäbe weit verbreiteter sprachwerke bekannte C. A. JTocA'sche 
Verlagshandlung in Leipzig bereitet die herausgäbe eines neuen 
größeren werkes dieser art , betitelt: lateinisch und grie- 
chisch nach dem , ,me ister schafts- sys tem", unter gleich- 
zeitiger anwendung der Eobertson'schen methode in leichtfaßli- 
cher weise für den Selbstunterricht, herausgegeben von 
dr. F. Booch-Arhossy, in einer lieferungs-ausgabe (je 2 kurse in 
ä 15 lieferungen ä, 50 pf.) vor, deren erste lieferungen in kürze er- 
scheinen sollen. Da dieses werk durch seine praktische bearbeitung 
sich in den betreffenden kreisen rasch eingang verschaffen dürfte, 
wollen wir schon jetzt unsere leser auf das erscheinen desselben 
aufmerksam machen. 

Ferner sendet die buchhandlung S. Calvary u. co. ein : 
subscriptionsbogen für Philolologische Wochenschrift hrsg. von 
W. Hirschfelder. Jahrg. II. 

Carl Konegen's Verlagsbuchhandlung versendet: Kritik und 
gegenkritik über und von : Anton Krichenbauer , theogonie und 
astronomie. Ihr Zusammenhang nachgewiesen an den göttern 
der Griechen, Aegypter, Babylonier und Arier. 



Nr. 6. Bibliographie. 335 

Eingesandt : Catalog von der Weidmannschen buchhand- 
lung in Berlin. Ausgewählte werke aus dem verlage derselben. 
n. Philologie 1882; von der akademischen Verlagsbuchhandlung 
von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in Freiburg i. Br. und Tü- 
bingen : Philologischer anzeiger. Classische philologie no. II. 

Cataloge von antiquaren : Ch. Graeger, Halle a. S. no. 218. 
Philologie und alterthumskimde. — F. E. Lederer (Ernst See- 
liger) in Berlin. Bibliotlieca philologica N. F. B. 34. 35. — 
Mayer und Müller Berlin, Bibliotheca Sengebuschiana. (Kata- 
log nr. 65). — Carl Steyer in Caustatt, verzeichniß no. 5. 

Auctions-catalog des Rheinischen buch- und kunst-antiqua- 
riats (dr. Nolte) über die bibliotheken von prof. Theod. Bergh, 
schulrath dr. von Raczeh, gymn. - dir. Roeren, auction am 26. 
juni 1882. 

Verzeichniß der wichtigeren publicationen auf dem gebiete der alter- 
thumswissenschaft. 1882. IV, 

Beilage. A. Schulschriften und programme 1882'). (Erstes ver- 
zeichniß). 

491. Alsters , Norbert, de quaestione quae vocatur Magdalenica. 
Theil. II. Aachen. (Teubner no. 372). 

492. Baeumker, Clemens, quibus antiquis auctoribus Petrarca in 
conscribendis rerum memorabilium libris usus sit. Münster. (Teubner 
no. 318). 

493. Barisch, J. , Horazische öden in deutscher nachdichtung. 
Stade. (Teubner no. 288). 

494. Benseier, Gust , der Optimismus des Sokrates bei Xenophon 
und Piaton gegenüber den pessimistischen stimmen in der älteren 
griechischen litteratur. Chemnitz. (Teubner no. 473). 

495. Berger, F., über die heerstraßen des römischen reichs. Ber- 
lin, Luisenstädtische gewerbeschule. (Teubner no. 98). 

496. Bindseil., geschichte der stadt Akragas bis zu ihrer Zerstö- 
rung durch die Kömer. Neustettin. (Teubner no. 115). 

497. Bock, W. , Homerische poesie mit vergleichender betrach- 
tung des epos von andern Völkern. Theil I. Marienburg. (Teubner 
no. 82). 

498. Boeckler, die polychromie in der antiken sculptur. Aschers- 
leben. (Teubner no. 230). 

499. Bodenstein , Rieh., studien zu Ovids Heroides. Merseburg. 
(Teubner no. 272). 

500. Brand, A., über die ausdrücke der zeit bei Homer. Dram- 
burg. (Teubner no. 111). 

501. BraumüHer, R., über tropen und figuren in Vergils Aeneis. 
Berlin, kaiser-Wilhelms-gymn. (Teubner no. 55). 

502. Breysiq, Alfred , Rufi Festi Avieni Prognostica edidit. Lip- 
siae 1882. 8. (Progr. v. Erfurt.) (Teubner no. 205). 

503. Brieger, A. , Epikurs brief an Herodot § 68—83. Halle, 
stadtgymn. (TeulDner no. 208). 

504. Bünger, Rieh., zu Xenophons expedition in das gebiet der 
Drilen. Görlitz. (Teubner no. 168). 

1) Nur wo das format ein anderes ist als quarto, ist es an- 
gegeben. 



336 Bibliographie. Nr. 6. 

505. Capelle, C. , zur erinnerung an H. L. Ahrens. Hannover, 
lyceum I. (Teubner no. 272). 

506. Cholevius, über den griechischen epiker ApoUonius Rhodius I. 
Königsberg, Eneiphöf. gymn. (Tenbner no. 10). 

507. Deiter, de Ciceronis codice Leidensi no. CXVIII. Emden. 
(Teubner 268). 

508. Deüweiler, P., über den freieren gebrauch zusammengesetz- 
ter adjectiva bei Aeschylus. Gießen. (Teubner no. 561). 

509. Dissel , Karl, der mythos von Admetos und Alkestis seine 
entstehung und seine darstellung in der bildenden kunst. Branden- 
burg a. d. Havel. (Teubner no. 63). 

510. Dressel, Hermann, lexikalische bemerkungen zu Firmicus 
Maternns. Zwickau. (Teubner no. 480.) 

511. EichJiorst, Otto, die lehre des ApoUonius Dyscolus vom Ar- 
ticulus postpositivus. Wehlau. (Teubner no. 16). 

512. Eichner, über die partikel wen. Gleiwitz. (Teubner no. 160). 

513. Engebnann, Richard, beitrage zu Euripides. I. Alkmene. 
Berlin, Friedrichsgymn. (Teubner no. 54.) 

514. Erdtman , parallellehre von den modi in der lateinischen 
und griechischen spräche. Warendorf. (Teubner no. 325). 

515. Eyßenhardt, Franc, Nie. Nucii fragmentum ex cod. Ambro- 
siano excripsit. Hamburg, gelehrtenschule des lohanneums. (Teubner 
no. 643). 

516. Faltin, G. , über geist und tendenz der Pseudoxenophontei- 
schen schrift vom staate der Athener. Barmen. (Teubner no. 374). 

517. Fisch, de quibusdam partibus grammaticae Latinae accura- 
tius definiendis pars altera. Bonn. (Teubner no. 376). 

518. Friedrich, P., die kenntniß von Afrika im alterthume. Woh- 
lan. (Teubner no. 186 . 

519. Fritzsche , Herrn., die Sullanische gesetzgebung. Essen. 
(Teubner no. 391). 

520. Frotnmann, H. , über den relativen werth der homerischen 
gleichnisse. Büdingen. (Teubner no. 559). 

521. Genthe, H., grammatik und schriftstellerlektüre im altsprach- 
lichen unterrichte. Hamburg, neue gelehrtenschule. (Teubner no. 644). 

522. Genz, H. , die centuriatcomitien nach der reform. Freien- 
walde a. 0. (Teubner no. 69). 

523. Gübel, Ed., zu Piatons apologie und Kriton. Fulda. (Teub- 
ner no. 344). 

524. Güthling , K. E. , die lehre des Aristoteles von den seelen- 
theilen. Liegnitz, evangel. gymn. (Teubner no. 170). 

525. Hache, Rieh., de participio Thucydideo. Pars I. Löbau i. 
Westpr. (Teubner no. 31). 

526. Hahn, H., das gegenseitige verhältniß der platonischen dia- 
loge. Phaedrus und Symposion. Birkenfeld. 

527. Hamann, K. , weitere mittheilungen aus dem Breviloquus 
Benthemianus enthaltend beitrage zur textkritik der vulgata nebst 
einem anhang. Abschnitte aus dem Liber derivationum des Ugutio 
von Pisa. Hamburg, realschule des lohanneums. (Teubner no. 645). 

528. Harnecker, 0., Qua necessitudine coniunctus fuerit cum Ci- 
cerone Catullus. Friedeberg in der Neum. (Teubner no. 70). 

529. Hasper, L W. , die feinheit der Ökonomie und der charak- 
terzeichnung in den einzelnen dramen des Sophokles und der kern 
der sittlichen anschauungen desselben. Theil II. Groß-Glogau, evang. 
gymn. (Teubner no. 161). 

580. Hasper, Theod., Ad Epidicum Plautinam coniectanea. Dres- 
den-Neustadt. (Teubner no. 477). 



Nr. 6. Bibliographie. 337 

531. Hemmerling, de Theoclymeno vate. Köln, gyinn. an Mar- 
zellen. (Teubner no. 380). 

582. Hendeß, Rieh. , Untersuchungen über die echtheit einiger 
Delphischen orakel. Guben. (Teubner no. 72). 

533. Hesselbarth, H., historisch - kritische Untersuchungen im be- 
reiche der dritten dekade des Livius. Lippstadt, realschule. (Teubner 
no. 329). 

534. Hoche, Job., de L. Cornelio Balbo. Halle a. S. Progr. d. 
klosterschule Roßleben. (Teubner no. 219). 

535. Hiielsenbeck, Fr., kritische Studien zu den öden des Horaz. 
Paderborn. (Teubner no. 319). 

536. Jerxsen, Carl, anmerkungen zu Horazens brief an die Pisonen. 
Magdeburg, kloster unserer lieben frauen. (Teubner no. 211.) 

537. Keck , Heinr. , ein kleiner beitrag zur erklärung und Ver- 
besserung von Sophokles Antigone. Husum. (Teubner no. 248). 

538. Kirchhoff, Fr. Chr., vergleichung der Überreste vom theater 
des Dionysos ai;s dem fünften Jahrhundert vor Christi geburt mit den 
regeln des Vitruv für die erbauung griechischer theater und mit mei- 
ner orchestischen hypothese. Mit einer steindrucktafel. Altona. 
(Gymn.). (Teubner no. 244). 

539. Kleiher, über die Unterweisung in der beredsamkeit bei den 
alten I. Leobschütz. (Teubner no. 169). 

540. Klimke, de zweite Samnitenkrieg. Königshütte. (Teubner 
no. 167). 

541. Knütgen, Adolf, de Horat. carm. I, 17 et epist. I, 11, inter 
se comparatis sive de BuUatio Horatiano. Oppeln. (Teubner no. 176). 

542. Köhler, Felix, de Plini Secundi minoris locis quibusdam iu- 
terpretandis et emendandis. Neisse. (Teubner no, 172). 

543. Köhler, W. , Johannes der täufer nach den synoptischen 
evangelien und nach Josephus. Weimar. (Teubner no. 601). 

544. Kraffert, Herm., beitrage zur kritik und erklärung lateini- 
scher autoren. Theil II. Aurich 1882. 8. 

545. Krichimff, Quaestiones de imagine et translationum apud 
Sophoclem usu. Lyck. (Teubner no. 12). 

546. Kühne , W. , das causativum in der griechischen spräche. 
Leipzig. Progr. von Dobberan. (Teubner no. 574a). 

547. Laharre, die römische colonie Carthago. Potsdam. (Teub- 
ner no. 77). 

548. Langen, A. v., die heeresverpflegung der Römer im letzten 
Jahrhundert der republik. III. theil. Brieg. (Teubner no. 155.) 

549. Laves, A., kritische beitrage zu Xenophons Hellenika. Posen. 
(Teubner no. 138). 

550. Lehnerdt, A. , die deutsche dichtung des 17. und 18. jahrh. 
in ihren beziehungen zu Horaz. Königsberg, Friedrichs -collegiuni. 
(Teubner no. 7). 

551. Leist, 0., der Anticlaudianus, schluß. Stendal. (Teubner 
no. 223). 

552. Lueck, G., de comparationum et translationum usu Sophocleo. 
Pars III. Preuß, Stargardt. (Teubner no. 37). 

553. Liihmann, F. v., die Sectio rationis, sectio spatii und Sectio 
determinata des Apollonius, nebst einigen verwandten geometrischen 
aufgaben. Königsberg in der Neum. (Teubner no. 73). 

554. Mackrodt , Rob. , der Olymp in Ilias und Odyssee. Alten- 
burg. (Teubner no. 610). 

555. 3Iagdeburg, über die bildet und gleichnisse bei Euripides. 
Danzig, städt. gymn. (Teubner no. 27). 

Philol. Anz. XIL 23 



dichtem 


I. theil 


565. 


Mnller, 


hausen. 


Progr. V 


566. 


Müller, 


ner uo. 


56). 


567. 


Müller, 



338 Bibliographie. Nr. 6. 

556. Marjcm, keltische imd lateinische Ortsnamen in der Rhein- 
provinz. 3. abth. Aachen. (Teubner no. 413). 

557. MatthiaH, Adolf, de lituris et correctionibus quae iuveniun- 
tur in Xenophontis Anabasis codice C (Parisino 1640.) Berlin 1882. 
Progr. von Bochum. (Trnbner no. 307). 

558. Meckhach, Theodor. Sophokles Antigene in den versmaaßen 
des Originals übersetzt. Tilsit. (Tcnbuer no. 15). 

559. 3Iethner, R., de tragicorum Graecorum minorum et anonymo- 
rum fragmentis observationes criticae. Bromberg. (Teubner no. 138). 

560. Metves, W. , über den vs^erth des codex Blandinius vetustis- 
simus für die kritik des Horaz. Berlin, Friedrich-Werdersches gymn. 
(Teubner no. 51). 

561. Meyer, .Julius, über die quellen inPlutarchs lebensbeschrei- 
bungen des Themistocles und Aristides für die zeit der Perserkriege. 
Alienstein. (Teubner no. 1). 

562. Micltaelis, K. G., zu Aristoteles de aninia III, 8. Neustre- 
litz. (Teubner no. 588). 

568. Moerschhaclter, Jacob, über aufnähme griechischer gottheiten 
in den römischen cultus. .Tülich. (Teubner no. 894). 

564. Moijk , Aug. , loci memoriales zur lateinischen syntax aus 

: casuslehre. Tilsit. (Realschule). (Teubner no. 19.) 

H. F. , Plotin's forschung nach der materie. Nord- 

Ufeld. (Teubner no. 277). 

Electa Statiana. Berlin, Luisenstädt. gymn. (Teub- 

G. H., Metra Horatiana in puerorum usum. Berlin. 
Progr. von Wongrowitz. (Teubner no. 144.) 

568. Müller, Ernst, aufgaben zu lateinischen stilübungen im an- 
schluß an Gicero's rede gegen Caecilius und das vierte buch der an- 
klagerede gegen Verres nebst Vorbemerkungen. Kattowitz. (Teubner 
no. 166). 

569. Müller, August, Ciceron proconsul de Cilicie l'an 51 av. J.-Ch. 
s'est montre digne de l'estime qu'il a gagne pour son consulat. Hal- 
berstadt. (Teubner no. 206). 

570. Muff, Chr., der chor in den Sieben des Aischylos. Stettin, 
könig-Wilhelms-gymn. (Teubner no. 121). 

571. Nast, L. , über die ana^ liyöfxsva und seltene poetische 
Wörter bei Aeschylus soweit ihre Überlieferung in den handschriften 
nicht feststeht. Gumbinnen. (Teubner no. 4). 

572. Neermann, K., über ungeschickte Verwendung Homerischer 
motive in der Aeneis. Ploen. (Teubner no. 251.) 

573. Nesemmm, zur textkritik des Brutus und des Orator. Lissa. 
(Teubner no. 133). 

574. Neuhaus, Otto, die quellen des Trogus Pompeius in der 
Persischen geschichte. Osterode in Ostpreußen. (Teubner no. 5). 

575. Newie, Friedr. , über den Sprachgebrauch Arrians besonders 
in der ^Ävaßadis ' Akil^äv^Qov. Stargard. (Teubner no. 118). 

576. Nieherding, R., über die parataktische anknüpfung des nach- 
satzes im hypotaktischen Satzgefüge. Groß-Glogau, kathol. gymnas. 
(Teubner no. 162). ; 

577. Nitzsch, kritische bemerkungen zum Herodot. Bielefeld.: 
(Teubner no. 306). 

578. Nohl, H., Analecta Vitruviana. Berlin, köln. gymn. (Teub- 
ner no. 48). 

579. Oetling, W. , über Cicero's Quinctiana. Oldenburg. (Teub- 
ner no. 594). 



Nr. 6. Bibliographie. 339 

580. Ortmann, Scriptorum Latinorum qui in scholis publicis fere 
leguntur loci non paiici vel explanantur vel emendantur. Meiningen. 
Progr. von Schleusingen. (Teabner no. 222). 

581. Palm, de luvenalis satira quinta decima. Nordhausen, 
(Gymn.). (Teubner no. 216). 

582. Plathner, lul. , zur quell enkritik der geschichte des bürger- 
kriegs zwischen Caesar und Pompeius. Bernburg. (Teubner no 603). 

588. Fohl, Aug. , das zweite buch und die erste hälfte des vier- 
ten buches der Georgica von P. Vergilius Maro übersetzt. Neisse. 
(Teubner no. 192). 

584. Poppendleck, griechische syntax. Kursus der obersecunda. 
Wolfenbüttel. (Teubner no. 616). 

585. Preiß, neue beitrage zur geschichte Agis III. (IV.) königs 
von Sparta. Pillau. (Teubner no. 23). 

586. Rasch, Franz, de ludo Troiae commentatio philos. Jena. 
(Teubner no. 600). 

587. Pegell, P., Fragmenta auguralia. Hirschberg. (Teubner 
no. 164). 

588. Reimann, H., studien zur griechischen musikgeschichte. A: 
der Nöfiog. (Teubner no. 179). 

589. Reuter, F., Übungsstücke zum übersetzen aus dem deutschen 
in das griechische. (Für secundaner und primaner). Glückstadt. 
(Teubner no. 246). 

590. Richter, Otto, die befestigung des laniculum. Berlin, askan. 
gymn. (Teubner no. 58). 

591. Reeder, Wilh. , über C. G. Gobets emendationen der atti- 
schen redner insbesondere des Isaios. Gnesen. (Teubner no. 129). 

592. Rothe, Carolus, de vetere quem ex OdysseaKirchoffius eruit 
NoGTO}. Berlin, College frau^ais. (Teubner no. 52). 

593. Rumpe, Paul, Euripides und der seelische kämpf in seinen 
stücken. Posen. (Teubner no. 138). 

594. Saalfeld, G. A., Italo-graeca. Vom ältesten verkehr zwi- 
schen Hellas und Rom in der kaiserzeit. Prenzlau. (Teubner no. 78). 

595. Schaefer, de quibusdam locis Herodoteis. Trier. (Teubner 
no. 409). 

596. Schlüter, Jos., Übersetzung des besondern theils der Germania 
des Tacitus. Andernach. (Teubner no. 373). 

597. Schmidt, H. , Homer als kenner der natar und treuer dar- 
steiler. Hagen. (Teubner no. 337). 

598. Schmolling , Ernst, über den gebrauch einiger pronomina 
auf attischen Inschriften. Stettin, Marienstift. (Teubner no. 119). 

599. Schneidewin, Herm., de Theognide eiusque in Stobaei flori- 
legio servatis. Stettin, realschule. (Teubner no. 126). 

600. Schuhring, Fr. , die philosophie des Athenagoras. Berlin, 
köln. gymn. (Teubner no. 48). 

601. Schulze. E. R., de attractionis pronominis relativi apud ora- 
tores Atticos recentiores usu et formis. Bunzlau. (Teubner no. 472). 

602. Schwenke , R. , über das gerundium und gerundivum bei 
Caesar und Cornelius Nepos. Franckenberg in Sachsen. (Realschule). 
(Teubner no. 497). 

603. Stegmann, Carl, über den gebrauch der negatiouen bei Plu- 
tarch. Geestemünde. (Teubner no. 269). 

604. Steigt, Heinr. Conr., kritik der Überlieferung über den spar- 
tanischen gesetzgeber Lykurgos. Glatz. (Teubner no. 159). 

605. Steinmetz, K., eine synesis. Ratzeburg. (Teubner no. 252). 

606. Stalte, de chori qualis in perfecta Graecorum tvagoedia a,p- 
paret ratione et indole. Rietberg. (Teubner no. 322). 

23* 



340 Bibliographie. Nr. 6. 

607. Thiele, Übersetzungen aus Ovid mit anmerkungen. Sonders- 
hausen. (Teubner no. 635). 

608. Urban , Karl , über die erwähnungen der philosophie des 
Antistheiies in den Platonischen Schriften. Königsberg. (Wilhelms- 
gymn.). (Teubner no. 8). 

609. Vogt , Heinr. , die quadraturen des Archimedes. Theil I : 
quadratur des kreises. Langensalza. (Teubner no. 242). 

610. Weidgen, J., Quaestiones Propertianae. Coblenz. (Teubner 
no. 379). 

611. Weidner, A., Adversaria Plautina. Darmstadt. (Teubner 
no. 560). 

612. Welhnann, E. , Galeni qui fertur de partibus philosophiae 
libellus primum edidit. Berlin, königsstädt. gymn. (Teubner no. 61). 

613. Wilhelm, E., über lateinische phraseologien. Jena. (Teub- 
ner no. 600). 

614. Windel, Job., de oratione quae est inter Demosthenicas de- 
cima septima et inscribitur ntgl twp ngbg Idli^aydgop avv&rixwiv. Leipzig, 
Thomasschule. (Teubner no. 481.) 

615. Woerner, E. , die sage von den Wanderungen des Aeneas 
bei Dionysios von Halikarnassos und Vergilius. Leipzig, kgl. gymn. 
(Teubner no. 482). 

616. Wolß, 0., Quaestiones lophonteae. Meißen, realsch. (Teub- 
ner no. 507). 

617. Wulfert , zur Würdigung des Zoilos mit dem beinamen Ho- 
meromastix. Creuznach. (Teubner no. 885.) 

618. Zimmermann, A,, de Proserpinae raptu et reditu fabulas 
varias inter se comparavit. Lingen 1882. 8. (Teubner no. 278). 

619. Festschrift zu dem fünfzigjährigen Jubiläum der königstäd- 
tischen realschule zu Berlin. Veröffentlicht vom lehrer-collegium der 
anstalt. Berlin, Winckelmann und söhne 1882. 8. 348 p. 8 mk. 
(Philologischer Inhalt: O. Tappe, Analecta critica et esegetica ad 
Sex. Propertii elegiarum librum primum p. 75 — 100. E. Jüvers, ein 
beiti'ag zur Untersuchung der quellenbenutzung bei Diodor p. 241 — 292. 
Fr. C. Hermann, die ausgaben des Symmachus, p. 293 — 320. 

B. Academica und dissertationen. 
Berlin. Ostern 1881 — 82. 620. Vahlen, Joh., ad Ciceronem et 
Lucretium. Index lectt. hibern. 1881 — 82. Berlin 1881. 4. 30 p. 

621. — — , Emendationes Catullianae. Index lectt. aestiv. 1882. 
Berlin 1882. 4. 

622. Curtius , Ernst, Wissenschaft, kunst und handwerk. Berlin 
1881. 4. 16 p. . 

623. — — , die reichsbildungen im classischen alterthume. Berlin 
1881. 4. 

624. Adam, Job., de codicibus Aeschineis. Berlin 1882. 8. 46 p. 

625. JJeneken, Frid., de theoxeniis. Berlin 1881. 8. 56 p. 

626. Ilerrmanoivski, Paulus, de homoeoteleutis quibusdam tragi- 
corum et consonantiis repetitione eiusdem vocabuli ab Aeschylo effectis. 
Berlin 1881. 8. 70 p. 

627. Kraetsch, Aemilius, de abundanti dicendi genere Lucretiano. 
Berlin 1881. 8. 87 p. 

628. Kuehler , Bernardus , de M. Valerii Probi Berytii commen- 
tariis Vergilianis. Berlin 1881. 8. 40 p. 

629. Philippson , Roh., de Philodemi libro qui est mql Cijfteioiv 
xal crjfiHwattüv et Epicureorum doctrina logica. Berlin 1881. 8. 78 p. 

630. Fodiaski, Otto, quomodo Terentius in tetrametris iambicis 
et trochaicis verborum accentus cum numeris consociaverit. Berlin 
1881. 8. 77 p. 



Nr. 6. Kleine philologische /eituiig'. 341 

631. Poniiow, Job., Riid., Quaestionum de oraculis caput selec- 
tum. Berlin 1881. 8. 27 p. 

632. Steig, Reinhold, de Theocriti Idylliorum compositione. Ber- 
lin 1882. 8. "48 p. 

633. Sydow, Rudolfus, de recenseudis Catulli carminibus. Berlin 
1881. 8. 76 p. 

634. Wetzel , Paul, de coniunctivi et optativi apud Graecos usu 
capita selecta. Berlin 1881. 8. 79 p. 

685. Ohnesseit, Guil., de iure municipali Romanoruni quod primo 
imperatorum saeculo obtinuit. Berlin 1881. 8. 96 p. Dissertatio 
iuridica. 

Breslau. 636. Hertz, Martin, Analecta ad carminum Horatia- 
norum historiam V. Breslau 1882. 4. (Ind. lectt.). 

Heidelberg. Ostern 1881—82. 637. Herzog, Aug., Stati epi- 
thalamium (Silv. I, '^) denuo edituni adnotatur quaestionesque addun- 
tur archaeologicae. Lipsiae 1881. 8. 47 p. 

638. Fauer, Philipp , de rerum ab Agricola in Britannia gesta- 
rum narratione Tacitea. Göttingen 1881. 8. 34 p. 



Kleine philologische zeifung. 

Zu Homer. Das oben heft 3, p. 141 über eine homerische 
handschrift berichtete, wird officiell als lüge erklärt. Beil. z. 
Augsb. allg. Ztg. nr. 68. 

Pergamum. In der Versammlung des architektenvereins am 
23. hielt der vor kurzem aus Pergamon zurückgekehrte 5o7i« 
eiuen vertrag über die ausgrabungen daselbst, aus dem von be- 
sonderem Interesse ist , was Bohn über die zweite — hoffent- 
lich nicht letzte — kampagne mittheilte, die ende august 1881 
geschlossen wurde. Die ausgrabungen galten hauptsächlich dem 
oberhalb des altars auf der eigentlichen hochburg gelegenen 
tempel der Athene Polias, einem peripteraltempel von 6 
resp. 10 Säulen und 13 meter breite bei 22,50 meter länge. 
Die Säulen, mit einschluß der kapitelle 5,25 meter hoch, hatten 
glatte Schäfte ; an dem architrav war ein eigenes dreitriglyphen- 
system angebracht worden. In der letzten kampagne unter al- 
leiniger thätigkeit von ITumann xind Bohn wurden die reste 
der zweigeschossigen hallen des imigebenden platzes von 70/90 
meter aufgedeckt. Unten hatten die hallen dorische säulen, oben 
zwischen den säulen brüstungen mit hochinteressanten reliefs. 
Weiter nördlich stand das Auguste um, ein korinthischer bau 
aus dem jähre 28. Am südabhange der akropolis lag ein gym- 
n a s i u m , das aber vorläufig nicht eingehender untersucht wer- 
den konnte. Kunsthistorisch sind die ergebnisse bedeutend , da 
mit diesen bauten für die hellenistische epoche ein neuer mittel- 
punkt gewonnen ist. Auch materiell sind die funde so beträcht- 
lich , daß sie mit den Olympiafunden zusammen einen werth- 
vollen stamm für ein muscum klassischer architoktur abgeben 
werden. Nationalzeitung bciblatt zu no. 49. 

Pergamum. Dr. Karl Hii.mann, dessen arbeiten für die wei- 



342 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

tere aufklärung der pergamenischen bürg jetzt ruhen, wird sich 
in diesen tagen in begleitung eines österreichischen gelehrten, 
Höfler, nach Angora, dem alten Ankyra, begeben. Diese gala- 
tische Stadt, welche sich zur Römerzeit noch einer hohen blüthe 
erfreute, ist überaus reich an inschriften, deren schätz durch frü- 
here reisende , wie Texier u. a. , keineswegs gehoben ist. Die 
steile btirg von Angora ist durch einen dreifachen mauerring 
umschlossen , dessen material fast ganz aus antiken marmorqua- 
dern und iuschriftblöcken besteht. Die bekannteste dieser in- 
schriften, das sogenannte monumentum Ancyranum, befindet sich 
indessen im pronaos des Augustustempels ; die platte enthält in 
einer sehr langen lateinischen Inschrift einen großen theil des 
testamentes dieses kaisers und giebt dessen thaten und, was bau- 
geschichtlich wichtig, die reihe der von ihm ausgeführten bau- 
werke an. Die herstellung eines genauen papierabdruckes dieser 
inschrift ist unter anderm zweck des Unternehmens. — National- 
zeitung no. 125, erstes beiblatt; Augsb. allg. ztg., beil. zu no. 75. 
Rom, 22. april. Das kaiserlich deutsche archäologische in- 
stitut beging gestern in herkömmlicher weise den mythischen 
gründungstag Eoms durch eine feierliche Sitzung. Dieselbe er- 
öffnete Gamurrini durch einen vertrag über große fragmente 
einer etruskischen bronzegruppe, welche vor mehreren jähren zu 
Chianciano im Val di Chiana gefunden wurden. Er erkannte 
in ihr Diana Selene auf einem Zweigespann und stützte diese 
vermuthung ganz besonders auf den namen Sellene, welchen der 
fundort noch im mittelalter führte. Der tempel der göttin , der 
untersucht wurde, war in alterthümlicher weise aus holz erbaut, 
und drei gräber in der nähe, welche menschen und pferdekno- 
chen enthielten , gaben dem redner anlaß , an menschenopfer zu 
denken. Er erwähnte, daß in Mittelitalien andere ähnliche hei- 
ligthümer der Diana als mondgöttin vorhanden gewesen sein 
müssen, vind zwar größtentheils aus dem dritten Jahrhundert vor 
Christi geburt. Schließlich äußerte er die vermuthung, der tem- 
pel möge zerstört worden sein, als im jähre 529 d. st. die Cal- 
lier das gebiet von Clusium verheerten. Es folgte ein vertrag 
dr. Dessau's über die Schicksale , welche im laufe der Jahrhun- 
derte die alterthümer Ostia's betroffen. Während die zahl der 
dort gefundenen inschriften in folge der ausgrabungen der letz- 
ten Jahrzehnte auf mehr als 1800 angewachsen, seien bis vor 
einem Jahrhundert deren kaum 30 bekannt gewesen. Andere 
Städte hätten schon im mittelalter ihre monumente gesammelt 
und aufbewahrt, Ostia dagegen sei ein verfallenes und verlasse- 
nes dorf geworden, ohne irgend andere merkwürdigkeiten als 
die nackten mauern der eingestürzten gebäude. Der mangel 
in inschriften in Ostia lasse eine systematische Verwüstung vor- 
aussetzen zum zwecke , marmor und anderes baumaterial zu ge- 
winnen; ausgrabungen zu wissenschaftlichen zwecken seien erst 



Nr. 6. Kleine philologische zeitnn^. 343 

in neuester zeit unternommen worden. Wie sehr aber in erste- 
rer absieht Ostia ausgebeutet worden , das ersehe man aus den 
zahlreichen steinen, welche eine genauere kenntniß der Ostien- 
sischen verfassungs- und familienverhältnisse nach und nach in 
Eom und in vielen orten der küsten des Mittelmeeres Avieder 
entdecken lasse. Der vortragende führte mehrere interessante 
fälle dieser art an , und zeigte wie sogar schon in der späteren 
kaiserzeit solche Verschleppungen vorgekommen, namentlich durch 
die römischen stadtpräfecten des vierten Jahrhunderts. Uebri- 
geus seien die bürger von Ostia selbst in ähnlicher weise mit 
den deukmälern früherer zeiteu verfahren , wie denn bei der 
ausbesserung des antiken theaters marmorblöcke verwendet worden 
seien , welche spuren der ausmeißelung alter Inschriften zeigen. 
Zum Schlüsse besprach der erste sekretair des instituts, professor 
Henzen, anknüpfend an einen vor vielen jähren am gleichen orte 
gehaltenen Vortrag, das in Rom stationirte corps der frumentarii, die 
er für polizeisoldaten und für eng verbunden, wenn nicht identisch, 
mit den percgrini erklärte. Bekannt sind der in-inceps und suh- 
lirinceps, sowie die eastra der letzteren. Auf grund verschiedener, 
zum theil neuerlich entdeckter inschriften wurde nachgewiesen, 
daß das corps der frumentarii Stationen in der umgegend der 
hauptstadt und selbst in Ostia gehabt habe. Der vortragende 
schloß mit einer danksagung an den minister des öffentlichen 
Unterrichts , Baccelli , welcher dem institut gypsabgüsse der bei 
der bloßlegung des Pantheon aufgefundenen architekturfragmente, 
die im saale ausgestellt waren , zum geschenk gemacht hatte, 
ebenso an Ruggiero, director der ausgrabungen in den südlichen 
Provinzen, dessen Sammlung der ausgrabungsberichte von Stabiä 
vorlag. Der Sitzung wohnten an : in Vertretung des noch ab- 
wesenden botschafters der botschaftsrath v. Derenthall, ferner der 
königliche gesandte am päpstlichen stuhle, v. Schlözer, dann 
graf Maniani, vicepräsident der akademie der Lincei, nebst den 
classensekretairen baron Carutti und professor Ferri, der Vorsi- 
tzende der commission für vaterländische geschichte , professor 
Cugnoni, nebst mehreren der mitglieder derselben, der präsident 
der iDäpstlichen academie der alterthümer, de Rossi, der director 
der Ecole fran(^aise, GefiFroy, mit den Zöglingen derselben. Von 
sonstigen einheimischen gelehrten bemerkte man Bruzza , Corvi- 
sieri, Gatti, Lanciani, Lumbroso, Pigorini, Re, M. de Rossi, Ta- 
barini u. a. m. ; von fremden namentlich die professoren Delius 
aus Bonn , Jordan aus Königsberg , Lange und Springer aus 
Leipzig. (Augsb. allg. ztg., beilage zu no. 120). 

Athen. (Durchstich des Isthmus von Korinth). Am 4. mai 
um zwei uhr nachmittags hat , nach einem berichte der „Polit. 
corresp.", in feierlicher weise zu Kalamaki auf dem Isthmus von 
Korinth die eröffnung der arbeiten zum zwecke des durchstichs 
stattgefunden. Dreizehn fahrzeuge, theils kriegsschiffe der grie- 



344 Kleine philologische zeitung, Nr. 6. 

chischen und russischen marine, theils Privatgesellschaften gehö- 
rige dampfer, beförderten die königliche familie, den großfürsten 
Constantin und mehr als 3000 zu der feierlichkeit geladene be- 
wohner Athens an den Schauplatz der letzteren. König Georg 
that mit einer silbernen schaufei den ersten Spatenstich und füllte 
eigenhändig mit der ausgehobenen erde einen silbernen schieb- 
karren, welchen der ministerpräsident Trikupis ins meer ausleerte. 
Es folgte unter führung des Ingenieurs Bela Gerster die besich- 
tigung der schon vollendeten und noch zu vollendenden arbeiten, 
wobei die königin eine dynamit- und pulvermine entzündete, 
durch welche ein mächtiger felsvorsprung abgesprengt wurde. 
Das fest, bei dem general Türr und gemahlin die honneurs mach- 
ten, endete mit einem bankett in einem eigens hergestellten und 
mit großer pracht ausgestatten kiosk. — Augsb. allg. ztg. vom 
10. mal 1882, no. 130, beilage. 

Eine kurze besprechung des werkes von ,, Haller, spanische 
Sprichwörter" findet sich in Augsb. allg. ztg. beil. no. 137, das 
werk wird als sehr gelehrt bezeichnet. 

Die geschichte der antiquarischen gesellschaft in Zürich wird 
bei erwähnung des 50jährigen Jubiläums derselben kurz berichtet 
in Augsb. allg. ztg. beil. no 138. 

Die Augsb. allg. ztg. nr. 141 zeigt an als bedeutende er- 
scheinung den zweiten band von Saint- Victor les deux masques : 
doch vgl. Phil. anz. bd. 11, hft. 4, p. 252. 

Berlin, 22. mai. (Schliemanns neueste ausgrabungen in Troja). 
Ueber den fortgang der neuen trojanischen ausgrabungen des 
dr. Schliemann lagen der anthropologischen gesellschaft in ihrer 
gestrigen sitzixng wieder eine reihe interessanter mittheilungen 
vor. Die ,,Post" berichtet hierüber : die ausgrabungen, mit de- 
nen zur zeit 150 bis 160 arbeiter beschäftigt sind, haben sich 
nicht nur auf einen großen theil der altberühmten fundstellen, 
sondern auch auf den tkrakischen Chersones ausgedehnt. Hier 
war es vor allem das grabmal des Protesilaus , das Schliemann 
einer eingehenden durchforsch ung unterwarf, und in dem er u. a. 
eine reihe steingeräthe fand neben glacirten topfscherben und 
anderen funden. Um den wünschen der hiesigen classischen 
archäologen zu genügen, hat er den schutt der früheren aus- 
grabungen nochmals durchwühlt. Man wird sich erinnern, daß 
Schliemann bei seinen ersten grabungen einen tempel mitten 
durchschnitten hatte, es sollte sich nun vor allem darum han- 
deln, zu versuchen , noch bruchstücke dieses tempels zu gewin- 
nen, leider sind nach dieser richtung die bestrebungen ziemlich 
fruchtlos gewesen, nur in der nähe auf einem türkischen kirch- 
hof hat man einige stücke gefunden. Die hauptaufgabe Schlie- 
manns ist nun aber im letzten monat die gewesen, weiter in die 
tiefe zu gehen , und bei diesen Untersuchungen hat sich denn 
herausgestellt, daß seine frühere Chronologie und classificirung 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 345 

in mehrfacher weise eine correctur erfahren muß. Es hat sich 
vor allem herausgestellt , daß jene steinblöcke , die man bisher 
für mauerreste der dritten Stadt hielt, Überreste von gebäuden 
der zweiten Stadt sind , daß alle gefundenen schätze im schütte 
dieser, nicht der dritten Stadt gelegen haben, und daß die zweite 
Stadt in einer noch schrecklicheren feuersbrunst untergegangen 
ist, wie dritte. Die ergebnisse der Schliemanu'schen ausgrabun- 
gen lassen sich somit unter berücksichtigung der geänderten an- 
schauungen wie folgt zusammenfassen. Die erste stadt, die am 
tiefsten befindliche, deren mauern aus großen steinblöcken zu- 
sammengesetzt waren, war nur eine kleine burgähnliche nieder- 
lassung , die sehr lange zeit bestanden haben mag. Als man 
begann die zweite stadt zu erbauen , lag die erste bereits in 
trümmern. Man planirte einfach die Schutthaufen und errich- 
tete auf ihnen Wohnhäuser und tempel, die zusammen die akro- 
polis bildeten , an die sich eine untere Stadt anschloß , welche 
aber wohl nur vorübergehend eine größere ausdehnung gehabt 
hat. Von der akropolis dieser zweiten stadt sind bisher ausge- 
graben ein thor, das nur einen Verschluß hatte, und daher wohl 
nicht nach außen , sondern in die Unterstadt führte , ein Wohn- 
haus, zwei große tempelartige gebäude, deren eines zum großen 
theil noch unter den kleinen Wohnhäusern der dritten Stadt ver- 
borgen liegt, und die mauern, vorzüglich construirt und aus Zie- 
geln errichtet, die mit den primitiven mauern der älteren stadt 
gar nicht zu vergleichen sind. Auch diese zweite stadt ist nun, 
den neueren forschungen zufolge , durch feuer zerstört worden, 
so daß Schliemann also jetzt zwei verbrannte Städte annimmt. 
Die dritte stadt wurde auf dem schuft der akropolis der zweiten 
Stadt errichtet, bei dem bau der neuen häuser fanden die alten 
steine Verwendung, und daher erklärt es sich, daß man aus der 
periode der dritten stadt charakteristische bauwerke nicht auf- 
findet. Das thor dieser stadt war, da eine Unterstadt wohl fehlte, 
ein außenthor, die mauern waren gleichfalls aus ziegeln con- 
struirt, die aber schlechter als die der zweiten Stadt gebrannt waren. 
Zwischen den festungsmauern war der schuft der zweiten stadt 
unberührt liegen geblieben, und daher hat man auch gerade 
hier die meisten schätze gefunden. Die dritte stadt bestand nur 
aus kleinen winzigen gebäuden, während die unterste erste stadt, 
die der früheren zweiten entspricht und von der ein flächenraum 
von mehr als 1000 quadratmeter abgegraben ist, ganz kolossale 
gebäude aufzuweisen hat. In einem briefe vom 10. mai giebt 
sodann Schliemann weitere mittheilungen über den fortgang der 
arbeiten. Er ist neuerdings mit etwa 50 arbeitern dabei, ein 
zur zweiten stadt gehöriges thor, westlich von dem bereits frei- 
gelegten, auszugraben. Mit seinen nachrichten sind Zeichnungen 
interessanter fundstücke eingegangen , und zwar aus der ersten, 
■früheren zweiten stadt die abbildung eines bearbeiteten terracotta- 



346 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

Stückes, aus der zweiten , früheren dritten Stadt die eines löffeis 
von knochen, von stücken bearbeiteten magneteisensteins und 
aragonits u. a. mehr. — Beilage zur Augsb, allg. ztg. vom 24. 
mai, no. 144. Auch enthält einiges Nationalztg. abendausg. no. 235. 



Auszüge aus zeitschrifteil. 

Philologische rimdschau, 1882, no. 1, sp. 1: W. Christ, die sach- 
lichen widerspräche der Ilias, ein beitrag zur lösung der homerischen 
frage. Aus den Sitzungsberichten der philos.-philolog. klasse der k. 
baier. akademie der Wissenschaften. 1881. Band II, heft 2, p. 125 — 
171. München 1881. Der ref. Ed. Kammer empfiehlt die anregende 
und belehrende abhandlung, hält aber den versuch des verf., eine 
ganz bestimmte Vorstellung Homers von dem flußnetz in der troischen 
ebene nachzuweisen, für nicht gelungen. — Sp. 8: Augustinus Pohl, 
de oratione pro Polystrato Lysiaca. Argentorati 1881. 37 p. 8. (Se- 
paratabdruck aus den dissertationes Argentorenses tom. V, p. 333 — 
365). Inhaltsreferat von i'. Stutzer, welcher abweichend vom verf. 
annimmt , daß die rede ende 409 gehalten und nur in gekürzter ge- 
stalt auf uns gekommen ist. — Sp. 13: T. Macci Plauti comoediae. 
Recensuit instrumento critico et prolegomenis auxit Fridericus Rit- 
schelius sociis operae adsumptis Gustavo Loewe, Georgia Goetz, Fride- 
rico Schoell. Tom. I, fasc. IV. AsinarJa. Lipsiae 1881. XXVIII, 
110 p. 8. 3 mk. 60 pf. Lobende anzeige von P. Langen. — Sp. 16: 
Cornelii Nepotis vitae excellentium imperatorum. In usum scholarum 
textum constituit C. G. Cobet. Lugduni Batavorum 1881. 8. XII, 
142 p. Die vorschlage des verf. hinsichtlich der textgestaltung be- 
ruhen auf genauer sprachkenntniß, gehen aber vielfach zu weit, da 
oft nicht die Überlieferung, sondern der Schriftsteller verbessert wird. 
Gemfi. — Sp. 25: Friedrich Matz und F. v. Duhn, antike bildwerke 
in Rom mit ausschluß der größeren Sammlungen beschrieben von F. 
3Iatz, nach des Verfassers tode weitergeführt und herausgegeben von 
F. von IJuhn. Leipzig 1881. 8. 24 mk. Erster band: statuen, her- 
nien, büsten, köpfe. XVIII, 532 p. Zweiter band: sarkophagreliefs. 
VIII, 484 p. Anzeige von H. Heydemann. — Sp. 29: L. Friedländer, 
darstellungen aus der Sittengeschichte Roms in der zeit von August 
bis zum ausgang der Antonine. Fünfte , neu bearbeitete und ver- 
mehrte aufläge. Leipzig 1881. Bd. I. II. Anzeige von J. Jung. 

No. 2. Sp. 33: August Hagemann , die eigennamen bei Homer. 
Praktisches handbuch zur präparation der Ilias und Odyssee. Berlin. 
98 p. 8. Abfällig besprochen von Wilhelm Heymann. — Sp. 38: F. 
Baufngarten, de Christodoro poeta Thebano. Bonn 1881. 64 p. 8. 
Inhaltsreferat von F. Haussen. — Sp. 40: Arrianea, scripsit A. Boeh- 
ner. (Act. sem. philol. Erlang. II, p. 501—507.) Angezeigt von R. 
Schnee. — Sp. 41: Le Querolus comedie latine anonyme texte en vers 
restitue d'apres un principe nouveau et traduit pour la premiere fois 
en fran9ais precedö d'un examen litteraire de la piece par L. Havet. 
Paris 1880. (Bibliotheque de l'e'cole des hautes etudes-sciences phi- 
losophiques et historiques — quarante et unieme fascicule.) VI, 363 p. 
8. Der ref. Rudolf Peiper hält die annähme einer Umarbeitung des 
ursprünglichen textes , worauf sich das verfahren des verf. gründet, 
für falsch und seine reconstruction des textes für mißlungen. Der 
quaternarius mit vorausgehender prosa sei gerade eine eigenthümliche 
form des Querolus und charackterisire sich als eine art vers. Das 
examen litte'raire sei vortrefflich. — Sp. 49: David Böhm, beitrage, 
welche C. Julius Caesar in seinen commentarien de hello Gallico zur 



Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 347 

ethnologie der Germanen liefert. Progr. des evangelischen unterreal- 
gyranasiums zu Sachs. -Regen (in Siebenbürgen) 1881. 24 p. 4. Ta- 
delndes referat von Ig. Frammer. — Sp. 52: Ch. Kelber, zu lulius 
Firmius Maternus, dem astrologen. Erlangen 1881. 43 p. 8. Der 
ref. K. E. Georges nennt die abhandlung einen schätzbaren beitrag 
zur Würdigung der späteren latinität. — Sp. 54: Hermann Deiters, 
Studien zu den griechischen musikern. Ueber das verhältniß des Mar- 
tianus Capella zu Aristides Quintilianus. Posen 1881. 28 p. 4. An- 
erkennende anzeige von R. [vgl. Ph. anz. XI, p. 238.] — Sp. 57: 0. 
Hoffmann , quaestioues grammaticae de coniunctionem temporalium 
usu apud historicos Romanos. (Diss.) Halle 1880. 57 p. 8. Eine 
erfreuliche arbeit. J. Segebade. — W . Fackel, philolologisches schrift- 
stellerlexicon. Zweite lieferung. Leipzig 1881. p. 65—128. 8. 1 mk. 
— Sp. 63 : Entgegnung von Th. Fritzsche auf die recensiou in no. 45 
(betr. Pindar). 

No. 3. Sp. 65 : Jacob Bernays, Phokion und seine neueren beur- 
theiler. Ein beitrag zur geschichte der griechischen philosophie und 
politik. Berlin 1881. IV, 139 p. 8. Rühmende anzeige von Her- 
inan7i Zurborg. — Sp. 67 : Artemidoros aus Daldis Symbolik der träume. 
Uebersetzt und mit anmerkungen begleitet von Friedrich S. Kruuß. 
Wien, Pest, Leipzig 1881. 333 p. 8. 3 mk. Anzeige von R. — 
Sp. 70: G. Hart, de Tzetzarum nomine vitis scriptis. (Aus Jahrbücher 
für class. philol. Suppl.-bd. XII, heft 1). Leipzig 1880. 75 p. 8. 
2 mk. Henricus Giske , de loannis Tzetzae scriptis ac vita. Disser- 
tatio inaugut'alis. Rostochii 1881. 94 p. 8. Anerkennende anzeige 
von W. Seelmatm, welcher abweichend von den Verfassern das jähr 
1143 als todesjahr des Isaak Tzetzes ansetzt. — Sp. 74: Laves, kri- 
tisch-exegetische beitrage zu Vergil's VI. u. X. ecloge , sowie zum I. 
buche der Georgica. Lyck 1881. 15 p. 4. Abfällig besprochen von 
F. Glaser. — Sp. 78: Ciceros erste und zweite Philippische rede er- 
klärt von K. Hahn. Sechste, verbesserte aufläge. Berlin 1881. 124 p. 
8. 1 mk. 20 pf. Anzeige von Rubner. — Sp. 83: G. Lukas, das 
häusliche leben in Athen zu den zeiten des Aristophanes, auf grund 
der in den komödieu des dichters gegebenen andeutungen. I. abthei- 
lung. Graz 1878. (Programm des k. k. I. staatsgymnasiums in Graz). 
36 p. 8. II. abtheilung. Weidenau 1881. 43 p. 8. Es ist nicht 
viel neues vorgebraclit , doch ist die arbeit wegen ihrer praktischen 
kürze und Übersichtlichkeit für pädagogische zwecke empfehlenswerth. 
L. Grasberger. — Sp. 85 : H. Brunn , zur griechischen künstlerge- 
schichte. Abdruck aus den Schriften der Münchener akademie, 1880. 
Der referent nennt das schriftchen nach tendenz und inhalt gleich 
interessant. — Sp. 88: Minton Warren, on the enclitic ne in early 
latin. (American Journal of philology vol. 2 , no. 5). Der verf. hat 
eine bisher offene frage mit großem Scharfsinn behandelt und einen 
höchst dankenswerthen beitrag zur grammatik des archaistischen la- 
teins geliefert. F. Faetzoldt. 

No. 4. Sp. 97 : ./. Pochop, über die poetische diction des Hesiod. 
Programm des gymnasiums in Mähr.- Weißkirchen. 1881. 18 p. 4. 
Nach Rudolf Fepjmiüller werthlos. — Sp. 100: Henricus Wolf, ana- 
lecta Aeschylea. Diss. Bonn 1881. 24 p. 8. Der inhalt der abhand- 
lung ist mannigfaltig und beachtenswerth, doch ist der Verfasser all- 
gemeinen regeln zu liebe zu sehr mit der annähme von interpolationen 
und weiter gehenden änderungen bei der band. N. Wecklein. — Sp. 
104: Georg Helmreich , Galeni üb. ntgt algiaeoiv rolg iiGayofiivois rec. 
Im II. bände der acta seminavii philologici Erlangensis edid. ho. Mül- 
ler et Woelfflin. (Erlang. 1881.) pag. 239-310. Angezeigt von H. 
Marquardt. — Sp. 108: De C. Sollii Apollinaris Sidouii studiis Sta- 



348 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

tianis. Scripsit Rudolf us Bitschofshy. Vindob. 1881. 87 p. gr. 8. 
Eine sorgfältige gründliche arbeit. Paul Mohr. — Sp. 111: J. Vah- 
len , de Taciti dialogi locis quibusdam. Index lectionum Berolini. 
1881. 14 p. 4. Anzeige von Eduard Wolff. — Sp. 114: Aug. Tau- 
ber, de auctoritate commentariorum in Terentium, quae sub Aelii 
Donati nomine circumferuntui-. (Programm des Wilhelmsgymnasiums 
und der höheren bürgerschule zu Eberswalde. 1881. 22 p. 4. Dem 
verf. ist an einzelnen stellen die beseitigung von corruptelen gelungen, 
zu einer lösung der schwierigen , auf die composition des commentars 
und der ihm vorausgeschickten einleitung bezüglichen probleme ist 
er aber nicht vorgeschritten. Karl Dziatzko. — Sp. 117: Anton Ma- 
erhöfer, die Florentiner Niobegruppe. Mit abbildungen der einzelnen 
figuren. Bamberg 1881. 110 p. 8. 2 mk. Das endresultat der Un- 
tersuchung über die anordnung der figuren kann nur als eine hypo- 
these bezeichnet werden. H. Jh'Uschke. — Sp. 121: Luken, die göt- 
terlehre der Griechen und Römer oder das klass. heidenthum vom 
religionsvergleichenden Standpunkt aus bearbeitet. Paderborn 1881. 
XXII, 445 p. 8. Der ref. E. Glaser erklärt das buch für sehr anre- 
gend , hält aber den vom verf. eingeschlagenen weg der verquickung 
der christlichen offenbarungslehre mit den kosmogenischen erklärungs- 
versuchen des heidenthums für bedenklich. 

No. 5. Sp. 129: Th. Gollwüzer, de asyndetis Aeschyleis (Acta 
seminarii philologici Erlangensis vol. alterum. p. 359 — 403). Erlaugae 
1881. 8. Anzeige von G. Bromig. — Sp. 132: Faust, studien zu Eu- 
ripides. Beilage zum Jahresbericht über das realprogymnasium zu 
Altkirch. 1881. 81 p. 4. Der Verfasser trifft selten das richtige und 
zeigt oft auffallenden mangel an eindringendem verständniß. H. GloSl. 
— Sp. 135: A. Patin, quellenstudien zu Heraklit. Pseudohippokra- 
tische Schriften. Würzburg 1881. 37 p. 8. 80 pf. Eine einge- 
bende und klar sichtende Untersuchung. KUhlewein. — Sp. 186: P. 
Vergili Maronis opera with a commentary by John Conington M. A. 
vol. I. Fourth edition revised by Henry Nettleship M. A. profes- 
sor of latin in the university of Oxford. London 1881. Lobende 
anzeige von R. Ellis. — Sp. 138: Joseph Walter, M. T. Ciceronis phi- 
losophia moralis. Pars prior, Prag 1878. Pars altera, sect. 1 — 3 in 
Programmen des staats-, real- und obergymnasiums in Mies. 1879 bis 
1881. Anzeige von A. Sirelifz. — Sp. 140: Cornelii Taciti de vita 
et moribus lulii Agricolae. Texte latin publie avec une notice, un 
argument analytique, des notes en fran9ais et une carte par Emile 
Jacob. Paris 1881. 90 p. Die absieht des herausgebers , statt der 
veralteten vulgata einen auf die urkundliche Überlieferung gegründe- 
ten text zu bieten und für das bedürfniß angehender leser des Tacitus 
zu erläutern, ist im wesentlichen erreicht. A. Etißner. — Sp. 146: 
Jul. Binder, Tacitus und die geschichte des römischen reiches unter 
Tiberius in den ersten sechs büchern ab excessu divi Augusti. Wien 
1880. 102 p. 8. Die arbeit hat die kritik und historik des Tacitus 
in nichts gefördert. Weidemann. 

No. 6. Sp. 161 : Caroli Dilthey de epigrammatis nonnullis Graecis 
disputatio. Göttingen 1881. Universitätsprogr. 12 p. 8, Angezeigt 
von J. Sitzler. — Sp. 163: De loannis Stobaei codice Photiano scri- 
psit Atttotmis Elter. Bonnae 1880. 75 p. 8. 2 mk. Die gediegene 
abhandlung wird von keinem forscher auf dem gebiete der griechi- 
schen florilegienlitteratur unberücksichtigt bleiben dürfen. F. Lor- 
tzing. — Sp. 170: /. Baumann, de arte metrica Catulli. Landsberg 
a. W. 1881. 22 p. 4. Die Untersuchung des verf. enthält nicht viel 
neues, gewährt aber einen instructiven überblick über die formelle 
Seite der dichtweise CatuUs. Alois Rzach. — Sp. 173: Schäfer, Gice- 



Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 349 

ronis de legibus libri I. cap. 21 et 22 interpretatio. Programm des 
progymnasiums zu St. Wendel 1880/81. 13 p. 4. Durchaus unbe- 
deutend, yi. Streliiz. — Sp. 174: Octavius, ein dialog des M. Minu- 
cius Felix übersetzt von Bernhard Domhart. Zweite ausgäbe. Erlan- 
gen 1881. XV, 142 p. 8. 2 mk. 40 pf. Anzeige von Ernst Kluß- 
maim. — Sp. 179: Adolf Bauer, Themistokles. Studien und beitrage 
zur griechischen historiographie und quellenkunde. Marburg 1881. 
173 p. 8. 3 mk. Der hauptwerth des tüchtigen buches besteht in 
der entwickelung und begründung der Veränderungen , welche die 
Überlieferung über die Perserkriege im laufe der Jahrhunderte erfah- 
ren, sowie in der im weseu zutreffenden kennzeicbnung der verschie- 
denen Perioden der griechischen geschichtsschreibung. £J. Bachof. — 
Sp. 187: die griechischen Inschriften. Zwei aufsätze von Charles T/io- 
7))as Neivton. Uebersetzung von J. Imehnann. Hannover 1881. 102 p. 
8. Ohne wissenschaftlicben werth. C. Sckaefcr. — Sp. 189: A. Va- 
nicek , etymologisches Wörterbuch der lateinischen spräche. Zweite 
umgearbeitete aufläge. Leipzig 1881. VIII, 888 p. 8. 6 mk. Em- 
pfehlende anzeige von G. A. Saalfeld. 

No. 7. Sp. 193: P. Gislur Egerer, die homerische gastfreund- 
schaft. Programm des collegium Borromaeum zu Salzburg. 1881. 
27 p. 8. Der ref. Wilhelm Heymann erkennt an der arbeit die flei- 
ßige Sammlung und verwerthung des materials an. — Sp. 199: Piatons 
Alkibiades I , Charmides , Protagoras von H. Bertrain. Progr. der 
königl. landeoschnle Pforta. 1881. 52 p. 4. Der verf. weist in 
überzeugender weise die fünftheiligkeit der besprochenen dialoge 
nach. Gustav Schimmelpfeng. — Sp. 200: P. Ovidii ISTasonis libellus 
de medicamine faciei edidit, Ovidio vindicavit Antonius Kunz. 
Praemissa est de codicibus Ovidianis disputatio. Vindobonae. 
1881. 92 p. 8. 2 mk. Lobende anzeige von Otto Korn. — Sp. 203 : 
Benno Ehrlich, de TibuUi elocutione quaestiones. Halis Saxonum 1880. 
(Dissertation.) 40 p. 8. Eine überaus schwache leistung. Konrad 
Roßherg. — Sp. 206: Jakob 3lWler, zur Übersetzung und erklärung 
des Livius (II, 1 20). Neustadt a. d. H. 1881. 48 p. 8. Angezeigt 
von E. Kräh. — Sp. 210: Alfred Surher, die Meleagersage. Eine 
historisch-vergleichende Untersuchung zur bestimmung der quellen von 
Ovidi met. VIII, 270—546. D. J. Zürich 1881. 128 p. 8. Die lösung 
des schweren problems ist nach O. Hemiiel dem verf. nicht gelungen. 
— Sp. 214: Einhauser, J. Ev.. die drei Spiranten der griechischen, 
spräche. Ein beitrag zum unterrichte im griechischen. Programm 
der königl. bayer. Studienanstalt Landshut für das schulj. 1880/81. 
61 p. 4. Abfällig Ijesprochen von Fr. Stolz. — Sp, 216: Wulfflin, 
über die alliterirenden Verbindungen der lateinischen spräche. Si- 
tzungsbericht der philosophisch-philologischen classe der königl. bayr. 
akademie der Wissenschaften. Bd. II, heft I, p. 1 — 94. München 
1881. Der verf. hat seinen zweck, über das weseu und den reichthum, 
die entwickelung und den allmählichen verfall der alliterirenden Ver- 
bindungen im lateinischen neues licht zu verbreiten, in höchst gelun- 
gener und vollständiger weise erreicht. Gustav Landgraf. — Sp. 222: 
Erklärung von M, Srhanz , betrefl'end einen aufsatz von 31. Wohlrah 
über Platokritik in Fleckeisens jahrb. 1881, p. 721 — 731. 

No. 8. Sp. 225: C. Härtung, der protagonist in Sophokles Anti- 
gene. Festschrift für Ludwig Urlichs. Würzburg 1880. 21 p. 8. 
Der verf. tritt mit recht für die alte ansieht ein, daß Antigone die 
trägerin der hauptrolle ist. Friedrich Schubert, [vgl. Ph. anz. XI, 
p. 551.] — Sp. 227: Julius Schwahe , die Proklamation des königs in 
Sophokles tragödie könig Oedipus v. 216-275. Progr. Altenburg. 
1881. 26 p. Der ref. 3Ietzger hält die frage durch diese schriftnock 



350 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

nicht für gelöst; er schlägt vor, v. 227 — 235 zwischen v. 254 u. 255 
einzusetzen. — Sp. 229 : Zwei kapitel aus einer schnlerklärung des 
Platonischen Protagoras, von Adolf Westermmjer. Progr. der könig- 
lichen Studienanstalt zu Nürnberg. 1880. 32 p. 8. Angezeigt von 
Gustav Schimmeljifeng. — Sp. 230 : The hellenic orations of Demos- 
thenes (Symmories , Megalopolitans , Rhodians) with notes by Isaac 
Flagg. Boston 1880. 8. Anzeige von M. L. D'Ooge. — Sp. 230: Gu- 
stav Graber, quaestionum Ovidianarum pars prior. Berlin 1881. 38 p. 
4. Anton Zingerle referirt darüber im ganzen anerkennend. — Sp. 
232 : P. Stamm , adnotationes grammaticae et criticae ad M. Tullii 
de divinatione libros. Programm des gymnasiums zu Rössel 1880/81. 
10 p. 4. Anzeige von A. Strelitz. — Sp. 234 : Fligier, die urzeit von 
Hellas und Rom. Separatabdruck aus dem „Archiv für anthropologie" 
band 13, heft 4. Braunschweig 1881. 50 p. 4. 2 mk. Der ref. C. 
Pauli billigt das resultat des verf. , daß die Pelasger Illyrier gewesen 
seien. Besonders beachtenswerth erscheint ihm der nachweis lykischer 
einwanderung nach Europa. — Sp. 239: Georg Friedrich Unger, die 
römische stadtaera. (Abhandl. der königl. bayer. akad. der wissensch. 
cl. XV, 1, p. 87—180). 4. München 1879. Der verf. hat in seiner 
musterhaft gründlichen arbeit den in der hauptsache wohlgelungenen 
versuch gemacht, die grundlage des bisher geltenden Systems der alt- 
römischen Chronologie durch eine neue zu ersetzen. Wilhelm Soltau. 

— Sp. 245: E. Herzog, über die glaubwürdigkeit der aus der römi- 
schen republik bis zum jähre 387 d. st. überlieferten gesetze. Tü- 
bingen 1881. 43 p. 4. Es ist dem verf. gelungen zu zeigen, daß in 
der gleichzeitigen aufzeichnung der chronik das Interesse für die ge- 
setzgebung namentlich über die ersten 150 jähre der republik sehr 
zurücktrete; nicht aber ist es ihm gelungen, daraus schon die unglaub- 
würdigkeit der gesetzangaben an sich nachzuweisen. Wilh. Soltau. — 
Sp. 250 : P\iedrich Knoke , über hie und nunc in der oratio obliqua. 
Einladungsschrift des herzoglichen Karls - gymnasiums in Bernburg. 
1881. 11 p. 4. Anzeige von 3fax Heinacher. — Sp. 252: Obermaier, 
die conjugatio periphrastica activa und der irrealis im lateinischen. 
Programm zum Jahresbericht über das königl. lyceum und das königl. 
alte gymnasium zu Regensburg. 1881. 40 p. 8. Die abhandlung 
bietet nichts neues , giebt aber eine übersichtliche , wohl zu verwer- 
thende beispielsammlung für die lehre von der conjugatio periphrastica 
und vom irrealis. Fr. Holzweißig. — Sp. 1hi:"Exd-i<sig ^nvgldcovog 
n. A et finQov TiQog t^v BovXiju tiuy "EXkrjVüiiv ntgl r^g fl; ro aytov ogog 
dnooTol^g avTov xcitk t6 &sQog tov 1880. 'A&TJvtiGtp 1880. 32 p. 8. 
Die bibliotheken der klöster des Athos. Nach dem rechenschafts- 
bericht des prof. dr. Spyridien Lantbros an die griechischen kammern 
deutsch von August Boltz, professor. Bonn 1881. 32 p. 8. Referat 
von O. Lehmann. 

No. 9. Sp. 257: B. Unebner .^ de temporum qua Aeschylus utitur 
praesentis praecipue et aoristi varietate. p. 109 — 146. Aus den diss. 
Halenses 1880. Halle. Lobende anzeige von G. A. Saalfeld. — Sp. 
257: J'. Äör^e/, Demosthenische Studien I. Hof 1881. 36 p. 8. (Pro- 
gramm). Inhaltsreferat von Wilhelm Fox. — Sp. 261 : O. HarnecJcer, 
CatuUs carm. LXVIII. Programm des gymnasiums zu Friedeberg Nm. 
14 p. 4. Den ref. Konrad Roßberg haben die ausführungen des verf. 
von der einheit des c. 68 nicht überzeugt. — Sp. 264: Jan Hanusg, 
Opisanie i ocenienie listöw Cyceronskich ,,ad Familiäres" w Rodeksie 
krakowskim z. r. 1448. Krakow 1881. Angezeigt von J. L. Kossotoicz. 

— Sp. 265 : das achte buch vom gallischen kriege und das bellum 
Alexandrinum. Eine studie von Eduard Fischer. Passau 1880. An- 
zeige von C^trt Fleischer. — Sp. 269: Pauli Orosii historiarum adver- 



Nr. 6. Literatur, 351 

sum paganos libri VII accedit einsdem liber apologeticus recensuit et 
commentaiüo critico iusti'uxit (Jarolns Zanyi-minstcr . Viudoljonae 1882. 
XXXIX, 819 p. 8. 16 mk. Das werk genügt allen ansprächen im 
vollen maße. C. W. — Sp. 275: ./• Holle, Megara im mythischen 
Zeitalter. Programm des gymn. z. Recklinghausen. 1881. 25 p. 4. 
Der verf. hat mit geschick und richtiger uiethode eine Urgeschichte 
des landcheus Megara zusammengestellt, die unleugbar viel Wahr- 
scheinlichkeit für sich in anspruch nehmen kann. Hahn. — Sp. 286: 
Erklärung von A, Teuher betreffend das referat in no. 4, p. 114 (Terenz- 
commentar de« Donat). — Sp. 287 : Erwiderung darauf von Kdvl Dziatzko, 
No. 10. Sp. 280: Herodotos. Mit erklärenden anmerkungen von 
K. ]\'. Kiiiyer. 2. heft. (III. IV). 2. sehr verbess. aufläge von W. 
Pi',]:cl. Leipzig 1881. 192 p. 8. Die ausgäbe i.st nach Lorenz bei 
allen Vorzügen noch mancher Verbesserung bedürftig. — Sj5. 294 : G. 
SclLömann, commentatio de Zenobii commentario rhematici Apolloniani. 
Beilage zum programm des städt. gymnasiums zu Danzig, ostern 1881. 
29 p. 4. Anzeige von A. Hilgurd. — Sp. 296: Catullforschungen von 
K. 1'. Schulze (in der festschrift des Friedrich -Werderschen gymna- 
siums zu Berlin). Berlin 1881. p. 195-214. 8. Der ref. O. Har- 
necker stimmt dem resultat des verf. bei, demzufolge nur c. 1 — 14b 
eine kleine, vom dichter selbst herausgegebene Sammlung ist, wäh- 
rend Catull außer ihr keine mehr veranstaltet hat. — Sp. 301 : Hans 
Kern , zum gebrauch des ablativ bei Vergib Programm der königl. 
bayer. studienanstalt Schweinfurt für das Schuljahr 1880/81. 45 p. 8. 
Empfehlende anzeige von Otto Güthling. — Sp. 303: De dialogi qui 
Taciti noraine fertur sermone iudiciura scripsit Theoclortts Vogel. Com- 
mentatio ex supplementis annalium philologicorum seorsum expressa 
(vol. XII, p. 249-282). Lipsiael881. 8. Der verf. stützt mit neuen 
gründen das zeugniß der Überlieferung, daß Tacitus der autor des dia- 
logus ist. A. Evßner. — Sp. 305: V. Cucheval, histoire de l'eloquence 
latine depmis l'origine de Rome jusqu'a Ciceron d'apres les notes de 
M. Ad. Berger, deux. ed. Paris ' 1881. 2 bde. 8. XVI, 381, 373 p. 
Ref. R. Vo'lmann: die darstellung ist klar und überaus anmuthig, 
aber der wissenschaftliche werth des ganzen ein geringer. — Sp. 309: 
A- Mcinyafit, über das wesen des griechischen accentes und seine be- 
zeichnung. 1880. Klagenfurt. 55 p. 8. Ueber den Inhalt referirt 
G. A. Saalfeld. — Sp. 311: Joseph Wex, die metra der alten Griechen 
und Römer in maßen des deutschen reiches übersichtlich dargestellt. 
Programm der königl. studienanstalt. Straubing 1881. 64 p. 8. 
Franz Villicus , geschichtliche skizze der rechenkunst. Erste abthei- 
lung. A. u. d. t. : das zahlenwesen der Völker im alterthume und die 
entwicklung des zifferrechnens. (Sep. - abdr. aus dem Jahresberichte 
1880 der k. k. staatsoberrealschule am Schottenfelde in Wien). 1880. 
88 p. 8. Ref. Rudolf Menge tadelt an dem ersten schriftchen die 
zahllosen Unklarheiten , das unvermittelte aneinanderreihen von ganz 
verschiedenartigem, das gewaltsame heranziehen von unpassenden oder 
wenigstens überflüssigen bemerkungen, den mangel an Übersichtlich- 
keit selbst bei einigen tabellen. Auch die abhandlung von Villicus 
habe keinen wissenschaftlichen werth , sei aber klar geschrieben und 
halte sich frei von groben irrthümern. 

LUeiatiir 1882. 

(dem Philologns und PliAnzeiger zugesandt). 

Hnmer's Odyssee. Für den schulgebrauch erklärt von K. F. 
Ameis. Bd. I. 2. heft. Gesang VlI-XlI. 7. bericht. aufl. besorgt 
von C. Hetitze. Leipzig 1882. 8. 



352 Berichtigung. Nr. 6, 

Rothe, Carl, de vetere quem ex Odyssee Kirchhoffius eruit Nöaiu. 
Berlin 1882. 4. Progr. des französ. gymn.). 

Musäos, das gedieht von Hero und Leander. Eingeleitet und 
übersetzt von Hermann Oelschläger. Leipzig, Teubner 1882. 43 p. 

Gehhardt, Rudolf, de Supplicum Euripideae interpolationes. Co- 
burg 1882. 8. (Diss. lenens). 

B. Zeitz ^ bemerkungen zu deu Vorlesungen Herodots. Marien- 
werder 1882. 4. 

Bünger, Rieh., zu Xenophons expedition in das gebiet der Drilen. 
Görlitz 1882. 4. (Progr.). 

Heiberg , J. L. , literargeschichtliche Studien über Euklid. Leip- 
zig, Teubner 1882. 8. 224 p. 

Galeni qui fertur de partibus philosophiae libellus primum edidit 
Eduardus Wellmann. Berlin 1882. 4. (Progr. des königsstädt. gymn.). 

Destinon, Justus von, die quellen des Flavius losephus. 1. die 
quellen der archäologie. Buch XII— XVII = jüdischer krieg. Bd. I. 
Kiel 1882. 8. 128 p. 

— — , die Chronologie des losephus. Kiel , Lipsius und Fischer 
1882. 4. 

Schuhring, Friedr., die philosophie des Athenagoras. Berlin 1882. 
4. (Progr. des Kölln. gymn.). 

Braumüller, Ptichard, über tropen und figuren in Vergils Aeneis. 
Theil II. Berlin 1882. 4. (Progr. des könig- Wilhelms gymn.). 

Horatius Flaccus, Q., recensuit atque interpretatus est Jo. Gaspar 
Orellius. Editionum minorum sextam post Jo. Geo. Baiterum curavit 
Guil. Hirschfelder. Vol. I, fasc. 1. Odarum libri I. II. Berlin, Cal- 
vary 1882. 8. 

Mewes , W. , über den werth des codex Blandinius vetustissimus 
für die kritik des Horaz. Berlin 1882. 4. (Progr. des Friedrich- Wer- 
derschen gymn.). 

Plüß, Hans Theodor, Horazstudien. Alte und neue aufsätze über 
Horazische lyrik. Leipzig, Teubner 1882. 8. 366 p. 

3Iüller, Otto, Electa Statiana. Berlin 1882. 4. (Progr. des Lui- 
senstädt. gymn.). 

Stangl, Th., textkritische bemerkungen zu Cicero's rhetorischen 
Schriften. München 1882. 8. (Aus: Blätter für das bayer. gymn.-wes. 
Bd. XVIII, heft 6. 7.) 

Krauß , Frid. Salomo, de praepositionum usu apud sex scriptores 
historiae Augustae. Vindobonae, C. Konegen 1882. 8. 

Huemer, Joh. , die epitomae des grammatikers Virgilius Maro 
nach dem Fragmentum Vindobonense 19556. Wien , Gerold's söhn 
1882. 8. 



Berichtigung zu p. 213. 
Durch ein versehen des referenten ist H. J. Müller's emendations- 
vorschlag zu Flor. p. 41, 19 (Jahn) mit einem vorschlage von Th. 
Opitz verwechselt worden. Im hinblick auf Liv. XXX, 30, 1 liest 
H. J. Müller: duo omnium et antea et postea ducum maximi duces, 
was durch Jord. Rom. p. 26, 15 (Mommsen) bestätigt wird. — 
P. 215, z. 25 ist zu lesen: oder (nicht ohne) consurgitur. — 
Druckfehler auf p. 223—26. — P. 223, z. 1 und 2 lies: Vlpiae, 
Ulpius. — p. 224, z. 14 v. u. setze nach Silvanus ein komma. - z. 13 
V. u. lies Sarmandus. — p. 225 z. 12 v. u. lies: Zos. I c. 20 und 
Migne statt Miopre. — z. 11 v. u. lies: Idatiani z. 10 v. u. lies Tusco. 



Nr. 7. 8. Jnli, Aiignst 1882. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzimg des Pliilologus 



Ernst von Leutsch. 



67. Die epen des Homer. Von dr. Adolf Kiene, pro- 
fessor. Hannover 1881. Helwingsclie Verlagsbuchhandlung. 
123 p. 8. 

Den sehr summarischen titel hat der Verfasser seiner schritt 
vermuthlich deshalb gegeben , weil er den mannigfachen Inhalt 
auch nicht entfernt anzudeuten vermochte. Dieselbe enthält näm- 
lich als einleitung eine betrachtung über die Goethischen verse : 
„wer den dichter will verstehen, muß in dichters lande gehen." 
Sodann I. „die Widerlegung der Wolfschen hypothese." Darin 
die these: ein dichter hat die Ilias und die Odyssee, so wie sie 
sind , gedichtet. Beweis : die strenge einheit und ganzheit der 
handlung, für die Ilias früher nachgewiesen in „komposition der 
Ilias" (Göttingen 1864), für die Odyssee jetzt zur anschauung 
gebracht. — II. „grundzüge zur geschichte der epen und ihres 
textes, vertheilung desselben in die gesänge, in denen die Ilias 
und Odyssee zum vortrage gebracht wurden." An den großen 
festen, in Athen an den Panathenaeen, wurden die homerischen 
gedichte zum Vortrag gebracht. Zu dem zwecke gab es sänger- 
schulen, die Homeriden, welche die gedichte abschnittweise aus- 
wendig lernten und recitierten. Die erste schule in Chios ist 
höchst wahrscheinlich von Homer selbst gestiftet. Damit der Will- 
kür und allmählich eingerissenen Unordnung gewehrt würde, ließ 
Pisistratus durch die bekannte kommission ein staatsexemplar 
herstellen , das fortan als grundlage diente. Danach kam die 
Ilias in acht gesängen zum Vortrag: 1) buch 1 — 3, 1949 verse; 
2) buch 4—6, 1973 verse; 3) buch 7—9, 1960 verse; 4) buch 
10—12, 1898 verse; 5) bi;ch 13—15, 2105 verse; 6) buch 16 
Philol. Anz. XU. 24 



354 67. Homeros. Nr. 7. 

—18,352. 1981 verse; 7) buch 18, 254— 21, 1802verse; 8) buch 
22 — 24, 2216 verse. Eine Inhaltsangabe rechtfertigt die angege- 
bene eintheilung. Alles ist in schönster Ordnung. Dasselbe läßt 
sich an der Odyssee nachweisen. Die handlung derselben zer- 
legt sich in sechs rhapsodien. 1) buch 1 — 4, 2222 verse; 2) 
buch 5—8, 469. 1640 verse; 3) buch 8, 470—13, 184, 2534 
verse; 4) buch 13, 185—16, 1827 verse; 5) buch 17—20, 
2032 verse; 6) buch 21—24, 1855 verse. In den schlußbe- 
trachtungen wird aus dem eingang von Piatons Ion erhärtet, 
daß in den epischen wettkämpfen immer vier rhapsoden um die 
ehre des sieges stritten, ein jeder mit einem gehülfen. „Von 
solcher anordnung fällt dann auch ein licht zurück aiif die tra- 
gischen aufführungen, welche sich später den epischen anreihten. 
Auf der Übergangsstufe steht der erste tragiker Aeschylus. Wie 
ein tag der Odyssee drei gesänge vorführte, trat er mit drei 
tragödien auf, welche, wie jene gesänge, noch in engerer Ver- 
knüpfung derselben handlung standen. Da die Ilias vier ge- 
sänge brachte, reihte er seinen trilogien ein kürzeres satyrspiel 
an. Er selbst füllte einen tag aus mit seinen gegangen, wäh- 
rend Homer vier tage forderte. Mit großem rechte konnte er 
daher von sich zeugen, daß er schnitte vom großen mahle des 
Homer bringe, und bekannte damit den engen Zusammenhang 
seiner kunst mit der des Homer" u. s. w. — III. „Gespräche 
in den Zwischenakten des ersten Vortrags der Odyssee." Zwei 
Griechen, Charikles und Klearchos, beide rhapsoden, der eine 
ein edler greis in silberweißem haar, haben in der „schule des 
Homer", einem amphitheater auf dem berge Epos bei Chios, den 
ersten abschnitt der Odyssee mit angehört. Sie sind von stau- 
nen und bewunderung erfüllt, sie suchen in ihren gesprächen 
die unvergleichliche kunst des dichters sich und uns klar zu 
machen. — IV. „Kritische gänge." 1) die blutrache. „Erst die 
abfindung mit der blutrache ist das wirkliche ende der Odyssee." 
Darum also 23, 297 — 24 unzweifelhaft echt. 2) das todtenreich 
des Homer, Bespricht einige Interpolationen, wirkliche und an- 
gebliche. 3) konnte der dichter Homer seine epen selbst nie- 
derschreiben oder einem schreibkünstler diktieren? Ja. — Eine 
Schlußbetrachtung macht auf die pädagogische bedeutung des 
gewonnenen resultates mit warmen worten aufmerksam. 

Das die reich besetzte tafel ; viele gerichte auf engem räume. 



Nr. 7. 67. Homeros. 355 

Referent kann nicht sagen , daß er des mahlea reclit froli oder 
satt geworden wäre. Doch fehlte es an einiger erheiterung nicht. 
So namentlich bei den beiden conjecturen auf p. 16 ixnd 18. 
In dem scholion Plautinum, nach welchem die redaktionskom- 
mission die arbeit des Zenodot und Aristarch allen andern vor- 
gezogen hätte, findet sich die Zeitangabe: Nam Ol' LXXII duo- 
hus doctis viris etc. ,,Da", sagt Kiene, ,,Heliodorus aus einer 
guten quelle schöpfen mußte, so glaube ich, daß unser scholiast 
in seiner quelle vorfand: Ol' LXa, IUI doctis viris etc. Weil 
er aber in a ein Zahlzeichen sah, nahm er von der gesammtzahl 
II weg zu doctis viris und behielt so die von ihm gegebene zahl 
LXXII." — Bei Gramer, Anecd. Paris. I, p. 6 lesen wir am 
Schluß der angäbe über die Diorthoten n«« xay Im KoyavXco. 
„Erwägen wir nun , daß in mehreren anderen Überlieferungen 
Ko-j'Kvlog als vierter name erscheint, stets mit auslassung seines 
Ursprungs, so liegt die vermuthung nahe, daß in dem namen die 
bezeichnung des Ursprungs mit steckt. Stand in der quelle un- 
seres grammatikers oder eines Vorgängers Xiq) , so daß i dem jf 
oben angehängt war, wie oft in handschriften , und hatte eine 
rasur oder ein fleck in der handschrift das oben angehängte i 
mit dem strich verwischt, so blieb ihm l<x) übrig. Verband er 
dies mit dem namen , so fiel das bedürfnis des co am Schlüsse 
des namens weg und er las nv statt rm. Auf diesem wege fin- 
den wir die conjectur Kovrcp Xico.^^ Q. e. d. 

Beneidenswerth möchte man die Sicherheit nennen, mit der 
Kiene den Ursprung , die Vortragsweise und Überlieferung , die 
composition und geschichte der homerischen epen durchschaut. 
Von einer Widerlegung kann keine rede sein, wenigstens in einer 
philologischen Zeitschrift nicht. Denn zweierlei hat sich dem ge- 
lehrten Verfasser schon auf p. 8 ergeben : „einmal, daß eine ge- 
lehrte und gründliche kenutnis der griechischen spräche kein 
nothwendiges erfordernis ist für die beurtheilung der frage, ob 
die Ilias wie die Odyssee einen dichter für ihre abfassung mit 
nothwendigkeit voraussetzen oder ausschließen; zweitens, daß ge- 
rade die Philologen bei dem gegenwärtigen stände der homerischen 
kritik am wenigsten geeignet sind, ein unbefangenes urtheil über die 
aufgeworfene frage abzugeben. Mit langgehegten Vorstellungen zu 
brechen hält immer schwer, selbst wenn sie sich für das unbefangene 

urtheil als vorurtheile ergeben." H. F. Müller. 

_____ __ 



356 68. Homeros. Nr. 7. 

68. Zur erkläruug des Homer und Horaz, von dr. Hein- 
ricli Stöpler. Progr. des Ludwig - Georg's gymnasiums zu 
Darmstadt, herbst 1881. 32 (20) p. 4. 

Im ersten theile handelt der verf. über den gebrauch von 
övuQ, orsiQoe, opEiQor, uvsiQaraj oi'tiQuiijai bei Homer und findet 
in der bei Hesychius überlieferten kretischen form aiaigov den 
beweis für die Zusammengehörigkeit dieser wortgruppe mit grie- 
chisch a^-£-jUOt', Sanskrit an-i-mi, an-a-s, lateinisch an-i-mus, an- 
i-ma, also für die abstammung von der wurzel an und für die grundbe- 
deutung „hauch." Wie nun das wort „hauch" im deutschen, so weit 
es von personen gebraucht wird, 1) vage, auf die eigene persön- 
lichkeit beschränkte erregungen im Innern des menschen, 
2) aber den dem munde entströmenden athem und die dadurch 
vermittelte rede in bald mehr sinnlicher, bald mehr geistiger 
Wirksamkeit auf andere bezeichne, so sei diese doppelte be- 
deutung auch bei orag vorhanden , und zwar die erste im ge- 
gensatze des ovaq und vnaQ erkennbar, die zweite an die ein- 
zige beschränkung geknüpft, daß auf andere wirksam nur das 
ovag der gottheit gedacht werde (ursprünglich des Zeus, spä- 
ter auch der Athene). So gelangt der verf. zu der Scheidung 
des subjectiven uftigog vom &eloi^ oveigog-^ die unterscheidenden 
merkmale bilden bei ersterem: 1) unruhe des gemüthes, 2) in- 
halt des traumes sind die bekannten gedanken, die schon im 
wachen beschäftigten, 3) Verworrenheit des oreigog, 4) Ursprung 
aus dem innern des menschen, bei letzterem 1 . die ruhe des ge- 
müthes, 2. unerwartetes im erscheinen des durch den ovsigoi; 
angeregten neuen gedankens, 3. deutlichkeit des öreiQoi;, 4. gött- 
licher Ursprung. 

Es folgt die besprechung mehrerer Horazstellen, vorab eine 
nur zwei selten lange aber anregende und einen neuen gesichts- 
punkt aufstellende erörterung der composition des seinem poeti- 
schen werthe nach so verschieden beurtheilten einleitungsliedes 
zu den drei ersten büchern der Oden. Der verf. findet nämlich 
eine responsion der gedanken des ersten haupttheiles (v. 1 — 28) 
mit dem zweiten (29 — 36), indem er beide folgendermaßen glie- 
dert (v. 1. 2. stehen als anrede außerhalb der responsion) I, v. 
3 — 10 die einseitigen neigungen sind thöricht und eitel; v. 11 
— 18 solche neigungen beherrschen alle den menschen völlig und 



Nr. 7. 68. Homeros. 357 

machen ihn stumpf und unempfindlich für andere lebensrichtun- 
gen; V. 19 — 28 indem aber der mensch seiner neigimg fröhnt, 
kehrt er sich an kein fremdes urtheil. 77, v. 29. 30 ich bin ergrif- 
fen von einer leidenschaftlichen neigung zur dichtkunst {dis mis- 
cent superis entsprechend den obigen evehit ad deos); v. 30 — 34 
ich habe nur sinn für den verkehr mit den Musen , nicht für 
das was die meisten schätzen (secernunt populo entspricht dem 
numquam dimoveas, ut)\ v. 35. 36 dabei unterwerfe ich mich je- 
doch deinem urtheile, wie es auch ausfallen mag. 

Campe hatte in seiner analyse der ode, Fleckeisens jahrb. 
bd. 101, p. 125 — 42, der vollständigsten und unbefangensten, 
welche die neuere zeit gebracht hat, den gedankengang so re- 
sumirt: ich sehe, daß so viele eitlen phantomen nachjagen (bild 
1 — 3) — ich sehe, daß so wenige zu wahrem genuß ihres seins 
kommen (bild 4 — 6), nur hier und da ein glücklicher: da habe 
ich mir denn die poesie erkoren, die mir tiefe und reine befrie- 
digung und freude gewährt. Die verschiedenartigkeit der bei- 
derseitigen auffassung erklärt sich wesentlich daraus, daß Campe 
in V. 19 — 22 das bild eines vornehmen Römers gezeichnet fin- 
det, der wie Philippus Epist. I, 7 seines lebens sich einmal wahr- 
haft zu erfreuen versteht, während Stöpler nur einen schlemmer 
geschildert sieht. Aber alle beide schießen über das ziel hin- 
aus ; die verse können nicht ein unbedingtes lob enthalten, wie 
Campe will , weil sie in einem register menschlicher schwächen 
stehen, sie enthalten aber auch ebensowenig ein unbedingtes ver- 
dammungsurtheil , weil damit dann auch über den passionirten 
Soldaten und Jäger der stab gebrochen wäre. Das letztere er- 
kennt man deutlich, wenn man die vorliegende Schilderung mit ei- 
ner solchen des Maenius oder anderer nepoten vergleicht. Weit 
eher paßt hierher die vergleichung von scenen wie Od. II, 3, 
6 — 16, 11 V. 13ff. , nur daß Horaz an unserer stelle die nei- 
gung zu einer solchen leichten lebensführung theils durch den 
Zusammenhang , theils durch die werte solido de die (d. h. dem 
tage , der dem geschäfte gewidmet ist , oder sein sollte) als ta- 
delhaft bezeichnet. Horaz führt uns den lebemann vor, der nach 
dieser richtung hin zu viel thut. Aber insofern derselbe Horaz 
das , was er hier tadelt , oft genug als das ziel seiner wünsche, 
als den schönsten lebensgenuß hinstellt, natürlich mit der be- 
schränkung auf das vernünftige maß, tritt mehr die liebenswür- 



358 69. Euripides. Nr. 7. 

dige , als die verächtliclie seite hervor und das ist auch hier 
sein zweck: je mehr er sich dem ende, der Schilderung der ei- 
genen natur, nähert, desto weniger craß werden die bilder. Daß 
in diesem letzten theile die pointe des ganzen liedes liegt, darauf 
weist Stöjjler gut hin und darum begreift es sich auch, daß hier manche 
der fäden zusammenlaufen, die weiter oben angesponnen waren-, 
von einer förmlichen responsion in seinem sinne kann ich mich 
nicht überzeugen, wie denn auch secernunt populo mit dem num- 
guam dimoveas nichts gemein hat. Hingegen möchte ich die bei- 
den ersten verse nicht als bloße anrede und widmung betrachten, 
sondern eine ganz bestimmte beziehung zwischen ihnen und v. 
35. 36 behaupten. Auch den übrigen von ihm behandelten Ho- 
razstellen (Od. Ill, 8, anf., I, 7, IV, 7, 21—24 weiß der verf. 
etwas neues abzugewinnen ; gewagt ist die erklärung von I, 7 ; 
zweifellos richtig beobachtet und erklärt dagegen die thatsache, 
daß Horaz auch in der ode einzelne Wendungen des sermo fo- 
rensis wählte, um auf den Juristen Torquatus zu wirken. Die 
analogie von Ep. I, 5 tritt v. 8 ff. und v. 35 hervor in v. 15 
inconsultus und in v. 21 haec ego procurare, was meines wissens 
bisher noch nicht beachtet ist. Th. Fritssche. 

69. ETPini/IOT MB^EIA, The „Medea" of Euripides 
with an introduction and commentary by A. W. Verrall, M. A. 
Fellow of Trinity, Cambridge. London, Macmillan and Co. 1881. 
(XXXIII, 126 p.). 

Es kommt wohl vor, daß man ein buch nur flüchtig durch- 
blättert, sei es, daß man glaubt, der gegenständ sei zu gründ- 
lich durchforscht um neue resultate zu erwarten, sei es, daß man 
nicht in der Stimmung ist, sich in dasselbe zu vertiefen. Auch 
den so gestimmten lesern wird die vorliegende ausgäbe der Medea 
bald durch neue gesichtspunkte für die interpretation anziehen. 
So finden wir manchmal den Wortlaut genauer erklärt, wie wenn 
zuv. 194 {ipQovto ßiüv tEQTivag änoäg) darauf hingewiesen wird, 
daß bei Euripides ßlog oft den sinn des behaglichen lebens hat 
{yg\.2h^ ßiov t' ovrioig). Zu v. 228 wird bemerkt, daß das wort 
oifia&ia für die Griechen vorwiegend sich weniger auf den in- 
tellect als auf die moral bezieht. So bezeichnet es das unpas- 
sende benehmen der barbarin Andrem. 170, die rohheit der men- 
schenopfer Iphig. Taur. 386, gefühllose gleichgültigkeit gegen 



Nr. 7. 69. Euripides. 359 

hellenische interessen (Troad. 972); sie zeigt sich in der selbst- 
blendung des Oedipus Phoen. 770, im Selbstmorde (Herc. für. 
1254) und der Selbstüberhebung. Insbesondere bezeichnet a[xa- 
üiu den mangel an mitgefühl gegen andere, in allen abstufungen 
von grausamkeit bis zur gleichgültigkeit •, sie zeigt sich im be- 
nehmen der eitern gegen die kinder (Herc. für. 347. So schützt 
Verrall das handschriftliche a/nad/jg in Ion v. 916, wo Kreusa 
vorwurfsvoll zu Apollo sagt ö 8^ ifAog ysvsiag tial aög y^ aiia^qg 
. . . olcoioii; sQQii) und umgekehrt. (Orest. 417). Auch vom 
verhältniß zum freunde wird aj.ivi.drjg gebraucht (fragm. 163). 
So erklärt sich dfta&sg ovndog Iphig. Taur. v. 999 als undeli- 
cater Vorwurf (doch läßt es sich an dieser stelle ebensogut auf die 
mangelnde kenntniß der thatsachen beziehen, und ä^a&sg qiQovripKx. 
Heracl. 459 bezeichnet gefühllosen stolz. Dazu verglich Pflugk 
Electr. v. 294 hsart 5' oUtog uf.iadifi nlv olda^iov , aocpoioi ö' 
ai'8()(äi', welche stelle Verrall übersehen hat. Und so tritt die mora- 
lische bedeutung von afxa&ia auch Phoen. v. 396 hervor. Auch 
in der benutzung eines Orakels kann sich u^a&ia zeigen (Ion v. 
369). Schließlich wird darauf hingewiesen, daß die rein intel- 
lectuelle bedeutung von a^ia&rjg, wie sie Suppl, 421 hervortritt, 
selten ist. Diese bemerkungen waren uns sehr interessant,- es 
zeigt sich darin, wie für die Griechen die quelle der unsittlich- 
keit im intellect lag, während nach der christlichen Weltanschauung 
umgekehrt der intellect durch die sünde verdunkelt worden ist. 
Andrerseits heißt es freilich in einem fragmente des Aeschylos 
(fr. 286: aftagTÜtsi ii nai aocpov aoqimteQog. Wir erinnerten 
uns unwillkürlich der worte Döllingers (heidenthum und juden- 
thum, p. 266: den Griechen fehlte ein lebendiger begrifP von 
dem wesen des bösen, der sünde, und die einsieht in dessen Ur- 
sprung. Selbst die spräche bot keine präcisen bezeichnungen 
für das moralisch böse. Dasselbe wort galt auch für das phy- 
sische übel, und ebensowenig konnte das positive böse von dem 
schlechten, geringen sprachlich gesondert werden. Zu v. 274 
wird darauf hingewiesen, daß ßgaßevg öfter die bedeutung von 
„augenzeuge" hat. In stellen wie Orest. 1063, wo Orestes zu 
Pylades sagt: Tlvladt] av 3' ijfAiv zov cpovov y&vov ßQaßsvg und 
Hes. 703 , wo der böte hinsichtlich der Helena die frage stellt 
ovx r^Ss ^6x&(»v Tcöf iv ' IXlcp ßQaßsvg; ist diese bedeutung, 
welche an die aualogic des lateinischen arbüer erinnert, unver- 



360 69. Euripides. Nr. 7. 

kennbar, aber die qiiXofiuxoi ßQctßng Aescb. Ag. 230 geboren 
nicbt hierbin. Hesycbius erklärt ßgaßsa durch ag^cvTa, wie 
der scholiast zu Pers. 302 '^(jts^ißaQTjg ds fiVQiag innov ßqaßsvg 
durch rjysfiäv. Weiterhin wird gut bemerkt, daß an dieser stelle 
{cog lym ßgaßevg Xöyov tov8^ sl/i}) der genetiv nicht eigentlich 
objectiv ist, denn ßQaßsvsiv loyov beißt über einen gegenständ 
der berathung entscheiden wie Hei. 996 (iv aol ßgaßsvsiv, oo 
vsai'i , rovg Xoyovg) , sondern vielmehr die beziehung im allge- 
meinen bezeichnet. Weniger können wir uns damit befreunden, 
daß öUt] in den worten des chors v. 411 xnl Si'y.a nca nana 
TiäXiv Grsq)trcti die bedeutung „gewohnheit, herkommen" haben 
soll. Die dafür angeführten stellen Ag. 250 (ö/'xa ds tolg fisv 
na&ovaiv iia&siv IniQQinsi to ixiXlov) und Eur. Suppl. v. 746 
(xßJ TtQog SiKijg ys nolln näo'ji^ovreg Haxd) haben keine beweis- 
kraft, eben so wenig wie Soph. El. 1211 (ngog dixtjg yng ov 
ersvsig j zu den übrigens auch Oed. Tyr. v. 1014 hinzugefügt 
werden konnte). Aus dem fragment des Euripides 1013, dessen 
Zusammenhang wir nicht kennen, läßt sich kein Schluß ziehen. 
Wenn Verrall geltend macht, daß der chor darauf hinweist, daß 
die gerechtigkeit in beziehung auf die weiber gerade jetzt her- 
gestellt werden soll , so hat er übersehen , daß es im folgenden 
zunächst heißt : avdgäai fxiv doliai ßovXai^ dumv S' ovxiti. niaTig 
ägags. Auch die erklärimg der werte des Aegeus v. 722 [ig 
rovTO yag 8fj cpQovdog nag iyco), wonach derselbe der Medea ge- 
genüber seine Impotenz bekennt, scheint uns nicht glücklich; 
für den sinn ,, darauf ich ganz in meinem sinne gerichtet" hat 
Weil Hipp. 234 im &i]Qag n('&ov iatiXlov gut verglichen. Mit 
recht bestreitet der herausgeber mit Wecklein zu v. 916 die 
herkömmliche erklärung von y(7.mQ0v ddxgv , aber mit ihm dies 
epitheton als bezeichnung der färbe zu fassen in dem sinne wie 
)lXcoQov Ssfxia können wir uns deshalb nicht entschließen , weil 
eine solche Wirkung der thränen doch nur in außerordentlichen 
fällen eintritt. Vollends möchten wir nicht noXiov 8dy,QV Herc. 
für. 1208 hierhinein ziehen, da es nahe liegt darunter mit Her- 
mann die senilis lacrima zu verstehen. Wenn beiläufig Theoer. 
XXVII, 66 mg oi fisp ;f^0£50i(T<j' lairöfisi'oi f^eXieaaiv äXXäXoig 
\pi&vQi.^ov in ^Xisgoiaiv geändert wird, so wundern wir uns, daß 
XIV, v. 70 äg yovv x^coqov nicht von dieser änderung abge- 
halten hat. Auch die bemerkung über die andeutung von ßd^ig 



Nr. 7. 69. Euripides. 361 

zu V. 1374, wo Medea zum lason sagt ariyn. • nr/.nav fi? ßü'^ir 
i-j^&uiQco aidtv ist beachteuswerth. Das verbum /i/«Cco hat bei 
den tragikern nie die bedeutung „reden", sondern bezeichnet im 
anklänge an ßnu^m ein aufgeregtes , herausforderndes heraussto- 
ßen der Worte, das an das gebelfer der hunde erinnert. So faßt 
denn der herausgeber auch hier ßä^ig als beleidigende, heraus- 
fordernde rede. Dagegen läßt sich aber einwenden, daß ßii^ig 
sonst in zwei bedeutungen vorkommt 1) gerücht, 2) orakelspruch, 
welche sich nicht auf die hier geltend gemachte bedeutung von 
ßd^o:) zurückführen lassen. Der versuch, auch bei Homer die 
den tragikern vindicierte bedeiitung als ursprünglich nachzuwei- 
sen erscheint uns nicht geglückt. Wir möchten das wort an 
der genannten stelle im sinne von ,,namen" fassen. In den sinn 
der namengebung spielt das wort Sept. 571 hinüber {■/.u-Aoiai 
ßat,£i nolXu Tcöf'cot,' ßiuv^ 'Eoivvog •A).7jrt]oa nQuanoknv qoi'ov sc[_ 
Wir denken dabei an stellen wie Pers. 284 m nlnazor '^ix^ng 
oroiia ^aXnn'vog 'AXveir. Zu v. 45 [o'vroi QuÖicog ye öi'^/ßalojv 
'i-jl^dnuv Tig ul^f, -/.('.lli'n-Aor n'i'asTdi) wird bemerkt daß y.alliii>iog 
sonst nicht ohne artikel als substantivum gebraucht wird und 
daher hier als prädicat zu r/ßno.r zu fassen ist. Sehr anspre- 
chend ist die bemerkuug zu v. 888 ?/ yoliv f^sTthui. Tcöjöi imv 
ßovlfVfAÜTcor .... t'i\i(Cf\j (so ändert Verrall das handschriftliche 
iif.Kfm') TS HijS^LOvauv ^Stöx^ai at'üi^r, daß y.tjÖivtn auf das neue 
verwandtschaftsverhältniß zwischen Medea und Kreusa zu bezie- 
hen ist. In den worten der Medea v. 296 ;^mo'i,' yao ällijg ijg 
s/ovaip aoyiag {jf^nrnv nnng uaimv aXcpävovai övnnsvl] wird aoyia 
im commerciellen sinne als unproductivität gefaßt. Manche stelle 
erscheint durch vergleichung mit einer anderen in einem neuen 
lichte, wie v. 280 HjtjOoitui 8f k«J y.aytög nnaiova'' o^cog durch 
vergleichung von Troad. 898 [ujun ay^idov ia?v oiSä am arvyov- 
^t'vT], oficog ö' igh^ai ßovlofiui. — An anderen stellen wird die 
herkömmliche construction verlassen , wie in den worten der 
Medea v. 338 ov zovO' ly.iTsvau aov jv/^hi, wo es als sehr zwei- 
felhaft bezeichnet wird, ob Tvyyjiroo einen objeetsaccusativ bei sich 
haben kann und jovto als accusativ der näheren bestimmung zu 
iKSTsvaa jv/^sTv ani gefaßt wird. (Ebenso v. 259). Zu v. 497 
(^äg (ACiTrjv ys'j^Qoians&a •auxov nQog ätdoog) wird bemerkt, daß 
der Ursprung von nnjijv gegen die Verbindung ccg uarip' spricht, 
und daß hier wie Ilel. 1220 (ro riQ/aits y-ru y7j T(>mug^ rog 



362 69. Euripides. Nr. 7. 

eQQEig nätriv) ag causale bedeutung hat. Zuweilen finden wir 
die handschriftliclie Überlieferung durch eine erklärung geschützt. 
So die Überlieferung v. 741 noXlr^v sXe^ng iv loyoi^ nQ0(ii]9iav 
dadurch daß h Xoyoig auf die in aussieht stehenden Verhand- 
lungen zwischen Kreon und den Korinthiern bezogen wird. V. 
228 wird das handschriftliche ii' qi yao 'Jjv (xoi navja yiytco- 
GHSiv nalw^ ansprechend erklärt: For one, lohom to judge aright 
was everything to me, my husband, has proved etc. Die von Weck- 
lein erhobenen bedenken gegen die Wiederholung des pronomen 
V. 1296 di^i yuQ vtv ijtoi yijg acfs ytfjvcf&rjvai x«rco werden da- 
durch gehoben, daß yijg zu 8ti gezogen wird, so daß die werte 
arps aovq^&Jjrai xiira) epexegetisch hinzutreten. Die Zweideutig- 
keit der tragischen rede wird um ein beispiel vermehrt, indem 
zu den worten der Medea v. 957 ry rygärrai ftaitagia pvfxqirj dors 
qiSQnvTsg daran erinnert wird, daß ixay.nQiog öfter euphemistisch 
vom tode gebraucht wird. Auch in den folgenden Worten ovzoi 
8moa fA^/inzd ds^szai ist fASfiTtra doppelsinnig. 

Wir haben von der erkhärung den eindruck, daß sie ebenso 
gründlich als geschmackvoll ist. Zuweilen findet aber der her- 
ausgeber in den worten des dichters pointen , die uns gesucht 
erscheinen, wenn z. b. zu v. 31 (^airrj ngog aiiztjv /tütsq' anoi- 
(i(ät,ii (jii'Xot) die Präposition auf den sinn von ,, besonders" ab- 
gesondert zurückgeführt wird, wie in ani'f^hiv^ anohipißdveiv. Wir 
wüßten nur wenig hinzuzufügen. Es konnte z. b. darauf hin- 
gewiesen werden, daß in den worten der Medea v. 934 insl rv- 
Qfivi'oig ytjg (i anoaTslXai Sonst der genetiv y?]g mit arzoaTsiXai 
zu verbinden ist, daß in den worten des lason v. 963 ngoürjasi 
IQtiuäjmv letzteres wort etwas ungewöhnlich von einem werth- 
vollen schmucke gebraucht ist, daß rj nov sonst nirgends in der 
frage gebraucht wird, wie v. 1308 ri nov nai-i aTioxTslvai &£Xsi ; 
sondern stets versichernde kraft hat. Zu v. 695 wird dies be- 
merkt und das handschriftliche /} nov in der frage nach Schen- 
kels Vorgang mit fi>]7iov vertauscht. Warum nicht auch an die- 
ser stelle? Die bemerkungen über die bedeutung von nagSia 
zu V. 398 ließen sich erheblich erweitern. Wie ausgedehnt die- 
ser begriff bei den antiken Völkern war, hat Delitzsch in seiner 
biblischen psychologie gezeigt p. 252 — 254. Bei Aeschylos z. b. 
ist 'Augdia 1) sitz der trauer (Sept. 834. 967. Suppl. 71 5 2) der 
frcude (Ag. 481); 3) der furcht und sorge (Pers. 161. Ag. 171. 



Nr. 7. 69. Euripides. 363 

1421. Ch. 165. Ch, 1024. Prom. 881) und des gegentlieils der 
hoffnung (Ch. 183) und der tapferkeit (Ag. 1402. Ch. 832); 4) 
des neides (Ag. 824); 5) des zornes (Ch. 391); 6) des willens 
(Suppl. 347. 799). Als sitz der affecte im allgemeinen erscheint 
xuQdla Eum. 782. 812 und als bezeichnung des geistes über- 
haupt Eum, 679. Auch steht y.a()8iu im gegensatz zur zunge, 
welche die worte ausstößt, so daß die Ku^bla als quelle für die 
Worte erscheint (Ag. 1028 nQncpdäaaaa y-aoÖCu yläanui' av rßö' 
sSi'^ff. Ch. 102). KuQÖia ist auch sitz der einbildungskraft, 
durch welche der geist im schlafe mit der außenweit im Zusam- 
menhang steht (Eum. 103. Ag. 179. Auch geht von der xagdia 
die Weissagung aus. (Ag. 977). 

Zu V. 46 («X tqÖji^oiv ne/iavfxt'ioi) vermissen wir den hin- 
weis darauf, daß nach Choeroboscus aj). Gaisf. p. 238 r^/oj^off 
locale bedeutung hatte (tqÖ'/^ü^ (jugviörco^' 6 tQr/^ofitiog rünog^ 
Tour' eari jo -/i'i^iiäaiof siOu TQf^ovfUv). Darauf hat Bernhardy 
paralip. synt. gr. p. 47 hingewiesen. 

Auch die kritik geht in der neuen ausgäbe nicht leer aus. 
Die abweichungen zwischen den handschriftenfamilien S und S ^ 
sind öfter der art , daß der Ursprung derselben schwer zu er- 
klären ist. In V. 668 hat S ?/ 8' (>(x(f\alov yJjg {^sanimdoi' i x d- 
vsig; S^ sdTulrjg. Der herausgeber liest lC(ii8tg indem er die 
zweite lesart als glossem ansieht und geltend macht daß , wenn 
die Medea uns nur in den handschriften der familie S überlie- 
fert wäre und iaTd).t]g nicht da wäre, um uns irre zu führen, 
wahrscheinlich schon längst diese emendation gemacht wäre. 
An sich ist die verderbung von l^üifig in ixaisig nicht unwahr- 
scheinlich , aber ebensowohl konnte das dem iazuhjg synonyme 
wort trotz der falschen Quantität durch reminiscenz an Homer 
einem abschreiber in die feder kommen. Die stelle aus den 
Eumeniden v. 40 aber hat keine beweiskraft, denn Orestes ist 
schutzflehender, was bei Aegeus nicht zutrifft. Und der nnlvä- 
vooQ ^etösig ßgövog in Iphig. T. v. 182 braucht nicht den sitz 
für die fremden zu bezeichnen , sondern ist der sitz des Apollo 
oder der Pythia , um den herum die fremden in menge stehen. 
Auch V. 887 führt Verrall die diflferenz der lesarten ^vyyandv 
Goi und ^vixneQaivsiv (t) auf die wechselnde Verbesserung von 
^v(ii.isvaie'iv, welches für ^vvvfJEvaisiv stand, zurück. Aber ivyyu' 
fiBtv konnte, wie uns scheint, wohl im köpfe eines Schreibers 



364 69. Euripides. Nr. 7. 

unwillkürlich entstehen , während die lesart S anoöXXvro für 
TjytiQSTo V. 1184 (^dsirov nrsrnl^aa^ y rdXniv^ j/j'sj'pf to) , welche 
Verrall auf ein ursprüngliches arcouuäiov zurückführt, durch 
reminiscenz an v. 277 entstanden ist. An den Worten des lason 
V. 914 vfiit 8e 7Tal88C ovh aq'Qnviiaron,' niniiQ nnXlijV fdtjus avv 
Osnu' awTriQiav (so S. nQninjdlav S") nimmt Verrall anstoß, da 
lason ja wußte, daß seine kinder in die Verbannung gehen 
mußten und schreibt daher mit der änderung acfgöviiarog noaXi} 
8' fi^' r/hf( (jvv t>*o/V acaTTjola. Aber lason ist ja ein heuchler 
und deutet hier an, daß er die neue heirath im Interesse seiner 
kinder geschlossen hat. Darin aber stimmen wir dem heraus- 
geber bei, daß die Variante 77()o/«/9/«i eine reminiscenz an v. 741 
ist. Beifallswerth erscheint es uns , wenn v. 890 die differenz 
der handschriften auf das ursprüngliche ov-now XQ'] ^^o(xoiovG&ai 
yaHoi>: zurückgeführt wird. Ein allgemeiner gedanke ist hier 
besser am platz als die anrede mit ip. 

An der Verbindung naTsga xal naJSat; as&sv in den Worten 
des boten v. 1158 tt^Iv i'^ dntncor juaxQur anfivai narega yai 
7Z(d8a^' (JtOsr hatte Elmsley anstoß genommen. Da nun überdies 
die Variante TtHia (B. E) wie das ursprüngliche aussieht, so 
schreibt Verrall rt'xra öTuatr. Durch diesen Verbesserungsvor- 
schlag wird die corruptel besser erklärt als durch die früheren. 
Dagegen erscheint uns die änderung TTodtin) 8t) nXvovai avfi- 
qjngu V. 1221 (die handschriften Saxovniai , nur Ba und Haun. 
Elmsl. 8aHgi'ov6i) paläographisch unwahrscheinlich. Mit recht 
begnügt sich der herausgeber nicht mit der herkömmlichen er- 
klärung von v. 180 8ivqo nogsvaov o'Umr sta (pila xal t«ö' 
a'vda. Es war aber anzuführen, daß die traiectio von nai erst 
bei den Alexandrinern sich findet , wie Haupt in den observ. 
crit. p. 57 bemerkt hat. Dafür wird gelesen g^oo, q:C'ka d rdb' 
av8(i. Zu den Verbesserungsvorschlägen anderer gesellt sich 
zu V. 857 die neue herstellung nöQtv ünäang )} cpgerct; ij x^'Q^^ 
OFÜfv tf^vm' yanSia ts ^»/t/;f» ; hier war Heimsöth's Vorschlag zu 
erwähnen /) x^'Q' ^^ ''''''' «^^p'"?. Ueberhaupt läßt die ausgäbe 
in beziehung auf die mittheilung früherer emendationsversuche 
viel zu wünschen übrig. Namentlich Weil's meist sehr beach- 
tenswerthe vorschlage bleiben häufig unberücksichtigt^), ebenso 

1) Zu V. 1099 , wo Verrall daran denkt, die unerhörte auflösung 
oQfXM fxfkhp in den tcxt aufzunehmen, war WeiTs emendation tidny 



Nr. 7. 69. Euripideö. 365 

wie Mekler, Kvicala, Bauer uud andere. Eine emeudatiuii wie 
die von Wilamowitz v. 339 ti ohv ßia^si xovx unncXldaati 
Xegog für )[üutdi,' verdiente erwähnung. Daß es deutschen kriti- 
keru so geht, nimmt uns nicht wunder ^) , aber auch dem eng- 
länder Badham ist dies zu v. 660 widerfahren, avo die änderung 
HuOa(jäi> avui'^avJK. y.li,Öu. CffjtiöüV für yiuOuyäv nicht erwähnt 
ist. Als ansprechende emendation des herausgebers nennen wir 
V. 234 w^' n(jmtu ^sv dti 'iQruxutcov vntQßoXTj nöaiv nQiaadai 
dsanörijv is aoifjiazog Außslv ' Xaßeiv y ot, Q ov tÜÖ^ uXyiov aa- 
xSv , V. 1345 uia^Qonois -Aal zi'/^vijv lAiaiqjoi'S., v. 1380 cuj,' [aij 
■zig UV 70 V 72o).efiia>p aadvßgiöi]. Geistvoll ist die vermuthung, 
daß V. 1317 (rt tugSe Httelg ndi'UfiO)(^X£v£tg nvXag;^ das letzte 
wort an die stelle eines seltneren wie In dg getreten ist, und so 
Aristophanes (nub. 1397) anlaß hatte sich über die aaiid tmj 
lustig zu machen. Auch die behandlung der chorstelle v. 836 
sc[. wird den leser anziehen. Auch darin stimmen wir dem 
herausgeber bei, daß in den worten des chors v. 1109 

kl 8i /.vQijöai 

8ai{Ab}f ovtog.) ifgoiÖug ii^ Ai8i]v 

üarazog rzQoqi^jcov ocoiautu rizrcov, 
die herkömmliche erklärung mangelhaft ist. Insbesondere paßt 
qioovdog schlecht zu duturog, da dies adjectivum sich auf per- 
sonen oder sacheu bezieht, welche vor kurzem gegenwärtig wa- 
ren , nun aber verschwunden sind. ,,Wie kann man von dem 
tode sagen , daß er verschwinde" ? Weniger schwer wiegt das 
bedenken gegen die Verbindung von öui^iuv mit xvQi'iaut. Ver- 
rall macht geltend, daß öaifittt nur in geringem maaße weniger 
persönlich als ßstg und in der tragödie wenigstens nie mit be- 
griffen , welche macht oder thätigkeit ausschließen , verbunden 
ist. Gegen diese beobachtung sprechen stellen wie Pers. 601 



erwähnenswerther als Naucks dd-gui. Die zu v. 982 vorgeschlagene 
änderung von Hippol. 136 {aßQwrov statt (<juß(joßiov) war von Barthold 
vorweggenommen, welcher ctßQÜJTog wollte. Wecklein zäfd^ (cßgioGia. 

1) Auch die in nr. 6 des philol. anzeigers vom jähre 1880 ge- 
machten vorschlage scheinen dem herausgeber unbekannt geblieben 
zu sein. Wenn in der dort angezeigten ausgäbe von Prinz v. 298 
als frage gelesen wird fxiyav y' iQüiTcr ntarog oix itfv qikoi.^; so mag 
dies druckfehler sein, wie das kolon hinter iQotza zu beweisen scheint. 
Es läßt sich aber wirklich mit fragezeichen lesen : fAiyav y kgwx' 
aniOTog ovx tqv (fUoi.g; das explicative asyndeton ist an sich unta- 
delig, hier aber wäre die definitiou des f.tsyas sqcos kraftlos. 



366 • 70. Aristophanes. Nr. 7. 

OTup 8' 6 8ui\uo3v evQoy und Phoen. 1265 ovx iv xoQsiaig . . . 
vvr (joi 77QOX03QEI öaifAOvcov natäataaig. Ä.ber olrog hat seine 
bedenken; ich faßte es früher euphemistisch, habe aber kein 
beispiel für diesen gebrauch gefunden und würde der änderung 
oloog beistimmen, wenn sonst kein ausweg wäre. Jetzt schlage 
ich aber vor: 

£1 8s KVQi^aai 

8ai'fxo3v Oll zdog, qiQov8' Big ^iStjv 
Oavarog nqoqifQaiv am/xata jsxvcov. 
Dazu ist zu vergleichen Aesch. suppl. v. 400 sinov ti. ixtj toTov 
tv^oi. Bergk führte dazu stellen alter glossatoren an, wo zoiov 
gradezu durch dya&or erklärt wird. Kruse verglich dos.isQa im 
gegensatz zu eI Philoct. 502. 

An anderen stellen aber erscheinen mir die änderungen des 
herausgeber unnöthig , wenn z. b. v. 392 in den Worten ^t- 8' 
i^tlavrri avfiqiogd f.C anrnavog, letzteres wort in dfx^^avov geän- 
dert wird. Weil erklärt richtig un malheur sans ressource, un 
exile sans lieu de süreti. Auch v. 1330 (ot' in Sofioav as ßag- 
ßägov r' üno 'j(^doiog "EMtjv ig oinov ij)'öfi7]v sind die bedenken 
gegen die handschriftliche Überlieferung unbegründet ; hier haben 
wir ein beispiel des g/^jM« oltio :<oit'oii. Dasselbe gilt von v. 
1369 ao) 8s nävx iax\v xanä, wo höchstens aoi mit Wecklein 
in 00 1' zu ändern ist. 

Als verfehlt erscheint mir die herstellung von v. 738 xpddg 
yevoi av y.rtni'AijQV^isvpiata ovk dviiaoto, WO xpilog in unerhörter 
weise gebraucht ist und der gedanke unklar bleibt. Auch das 
neugeformte avXkalovg v. 910 yüfxovg naQffxno'Kmvri avXXaiovg 
ncast. hat wenig unspruch auf probabilität. Ueber die stelle 
V. 1270, wo der herausgeber avr(j)8ot. beseitigt und inl yalav in 
hl taih verwandelt, habe ich schon früher gesprochen ; ich habe ' 
auch den änderungen Verrall's gegenüber an meinen Verbes- 
serungsvorschlägen festhalten müssen. 

Fassen wir unser urtheil schließlich zusammen , so haben 
wir den eindruck, daß die Vorzüge dieser von der verlagshand- 
lung schön ausgestatteten ausgäbe mehr in der Interpretation 
als in der kritik liegen. Ludwig Schmidt. 

70. Aristophanis comoediae. Annotatione critica, commen- 
tario exegetico et scboliis graecis instruxit Fredericus H. M. 



Nr. 7. 70. Aristophanes. 367 

Blaydes. Pars IV. Aves. Halis Sax. 1882. Waisenhaus, 
gr. 8. XX, 510 p. 

In unerwartet rascher folge sind 4 stücke des Aristophanes 
(Thesmoph., Lysistrata 1880, Eccl. 1881, Aves 1882) von Blaydes 
bearbeitet im verlage des Hallischen Waisenhauses erschienen, das 
erscheinen eines fünften (des friedens) ist angekündigt, und es 
scheint somit gegründete aussieht auf Vollendung der beabsich- 
tigten gesammtausgabe zu sein. 

Der vorliegende band, der freilich auch die längste komö- 
die enthält , hat den erstaunlichen umfang von 530 Seiten 
(Thesm. 271, Lys. 326, Eccl. 220), von denen auf die einlei- 
tung 20, den text mit annotatio critical74, den commentar 278, 
auf Addenda et Corrigenda nicht weniger als — 56 entfallen. — 
Die einleitung beginnt mit der angäbe: „Acta est haec fabula 
Dionysiis urbanis, arch. Chahria, ol. 91, 2, per Callistratum, cuius 
ope usus est Aristophanes etiam in Daetalensibus Babyloniis Acliarnensibus 
Lysistrata, ut Philonidis in Nubibus prioribus Vespis Proagone Ampliia- 
rao Ranis." Was soll das heißen „cuius ope usus est in Daetalensibus" f 
und wozu überhaupt diese dürftige notiz? der kenner weiß doch, 
daß die sache lange nicht so einfach ist, wie sie hiernach schei- 
nen könnte , und der unkundige wird dadurch nicht aufgeklärt. 
Von der reichen litteratur über Philonides und Kallistratus er- 
fährt der leser nichts , und was Blaydes nicht erwähnt , scheint 
er auch nicht zu kennen. 

Dann folgt nach einer kurzen Inhaltsangabe eine bespre- 
chung der tendenz der vögel. Die ansichten von Palmerius 
Süvern, Droysen , Thomas (eine seltsame auswahl !) werden mit 
wenigen Worten angeführt, ausführlicher mitgetheilt die von Fel- 
ton, Donaldson und Green , welcher letztere die ansichten von 
Süvern, 0. Müller, Schlegel, Köchly, Vögelin, Droysen und Th. 
Kock bespricht. Behaghels geschichte der auffassung der aristopha- 
nischen vögel (Progr. gymn. Heidelberg. 1878 — 79) scheint Blay- 
des nicht bekannt zu sein. Zum Schluß spricht Blaydes seine eigene 
ansieht aus, nach der er zu gruppe III, 1 bei Behaghel, hauptver- 
treter Köchly, zu stellen ist. Der stoff habe dem dichter wohl 
das Orakel des Bakis svöaif^of ntolit&Qov 'AOijvuiTjg uyeltitjg ( — ) 
aiBToi; iv teqflrjai ysvi'jasui i'/fxaTa ndvia (schol. Eq. 1013) gelie- 
fert. Ohne kritik wird die notiz hinzugefügt: „in deorum nno' 
Tei)^iasi nonnulli Deceleae munitionem Alcibiadis suasu susceptam 



368 70. Aristophaues. Nr. 7. 

ar/noverunt" — warum ist mit keinem worte darauf hingewiesen, 
daß dies schon chronologisch unmöglich ist? (vgl. nur Seeger 
übers. II, 257 sq.). 

In dem Personenverzeichniß wird die Schreibung des 
namens des haupthelden ausführlich besprochen, und Blaydes ent- 
scheidet sich schließlich unter beibringnng vieler analogien für 
die form Tlsia s laigog, fügt aber seltsamer weise zuletzt hinzu: 
erunt tarnen fortasse guibus magis arrideat seriptura Tliad&raiQog'''' 
er scheint also allen gefallen zu wollen, und das ist bekanntlich 
schlimm. 

Dieser zug der unentschiedenheit , des unbestimmten hin- 
und herschwankens geht nun durch die ganze annotatio cri- 
tica, an welcher nur der fleiß erstaunlich ist (nur zu wenigen 
versen ist keine bemerkung gegeben), mit welchem der Verfasser 
hier alles zusammengetragen hat, was ihm erreichbar war, wenn 
wir auch leider die meist in programmen und Zeitschriften zer- 
streute neuere deutsche literatur zum großen theile vermissen. — 
An handschriften werden 13 aufgezählt (E. V. Ven. 475 
Parr. A. B. C. Ambros. L. 39 und 41. Vat.-Urb. Flor. Tund 
J. Leid. Dobr. und Haun.), von denen der herausgeber, wie er 
angibt, 6 selbst verglichen hat (A. B. Ven. 475 ganz, ß. Am- 
bros. L. 39 und 41 zum theil). Aber in der anführung der 
Varianten herrscht große ungleichmäßigkeit, und nur an wenigen 
stellen werden die lesarten von allen angegeben , so daß man 
sehr oft über die Überlieferung nicht ganz im klaren ist. Ja, 
Blaydes ist manchmal selbst nicht sicher über die lesart einer 
oder mehrerer selbst der von ihm verglichenen hd. (so 292. 293. 
300. 301. 302. 309. 322—350. 358. 448. 470. 519. 553. 653. 
662.837). Auch finden sich bemerkungen, mit denen man gar 
nichts anzufangen weiß, wie zu 1311 {yvo Mav^ g im text steht): 
;,Ma%7jg A. B. E, S. V. Aid.", zu 553: „noliüfia A. etc. tsi- 
%iö^a B. pr." Es war besser eine geringere anzahl handschrif- 
ten nach sorgfältiger auswahl zu gründe zu legen , von diesen 
dann aber genau alle lesarten anzugeben , wie es Velsen thut, 
von dessen ausgaben Blaydes keine kenntniß zu haben scheint. 

Außer der Zuverlässigkeit fehlt es der annotatio critica aber 
auch an Übersichtlichkeit: Varianten und conjecturen sind nicht 
geschieden, wie bei Velsen, und es mangelt auch nicht an Wieder- 
holungen und an unnützer breite. So zu 134: jw/} fiot noz'' 



Nr. 7. 70.' Aristophanes. 369 

sXO-rjg Cobet. zo're f libri et vulg. Bergk. not^ Suid. in (J.^ fioi. 
Cobet. Mein. Hold. t(W ed. Bas. 1547. Kust., Dind., Kock., 
Eecte opinor" (und so im text). Es konnte mit voranstellung 
der vulg. einfach heißen: röri: y~\ tot' ed. Bas. 1547. Kust. 
Dind. Kock. nm' Suid. Cob. Mein. Hold." — Was zu 150 
„Richter ad Ach. p. 306" heißen soll , ist mir nicht klar ge- 
worden. 

An eigenen conjecturen des hg. ist kein mangel. 
Wo nur irgend etwas nicht ganz alltägliches steht, wird sogleich 
an corruptel gedacht. Aber die stellen werden nicht mit si- 
cherm tacte emendiert, sondern es wird an ihnen herumconjiciert, 
was der hg. in richtigem gefühle tentare nennt, so daß wir 
oft eine hochfluth von vermuthungen zu derselben stelle mit 
quaeritur — vel — vel — fortasse — nisi malis etc. über uns 
ergehen lassen müssen. So bekommen wir 3 conjecturen zu 23 
und 34, 5 zu 517, 7 zu 1358, 8 (und dazu noch 2 andere in 
den Add. p. 470) zu 1013, 9 zu 150 (auch hier noch 1 im 
anhang) ! So jagt ein einfall den andern. Vertrauen kann 
dieses hin- und hertasten bei dem leser nicht erwecken , und 
die kritik wird dadurch eher gehemmt als gefördert. Auffallend 
ist auch die oft wiederkehrende bemerkung „hane conjecturäm et 
ipse feceram", die sich selbst bei solchen findet, die älter sind 
als der hg, : so bei einer conjectur von Elmsley v. 2 , Porson 
V. 59, Bentley v. 1229. 

Im commentar sind mit rühmlichem fleiße Übersetzungen 
und erklärungen in großer zahl zusammengetragen, vor allem 
sehr viel parallelstellen, so daß nur wenige verse ganz leer aus- 
gehen. Blaydes achtet sehr genau auf den Sprachgebrauch und 
ist im besitze höchst umfangreicher Sammlungen, aber es fehlt 
durchaus an sichtung und am rechten maßhalten, an Unterschei- 
dung des nöthigen vom überflüssigen , des selbstverständlichen 
von dem der erklärung bedürftigen. So ist auf erklärung des 
Versmaßes so gut wie gar nicht eingegangen , dagegen finden 
sich solche unnöthige bemerkungen wie 577: vn' uyvoiag prae 
inscitia. 602 : xTijCOfiai paraho. 709 : mgaq tempestates anni. 
919: 2inaivi8ov poetae eeleherrimi Cei. 968: iv ravzq) in eodem 
loco. Man stößt auch auf Widersprüche: so 712: ikahav vesti- 
mentum crassius externum, Jiyemi [sie!) aptum", dagegen in den 
Add. „ilaivavvestem aestivam, ut aiövga erat hiberna. Cf. R. 1459". 
Philol, Anz. XU, 25 



370 70. Aristophaues. Nr. 7. 

Die fülle der parallelstellen aus den verschiedensten 
Schriftstellern ist manchmal fast erdrückend : so werden uns 720 
zu qpi^/M?/ 11 stellen (15 zeilen) geboten, 925 zu äfxaQvyd 13 
(10 z.), 1106 zu ETTilstnco 17 (13 z.) , 1237 zu oig ßvzsov ah- 
zovg resp. aviolg 39 (fast 1 seite), 1665 zu lolg syyvtärm yi- 
vovg 55 stellen (fast 1 seite), und die meist fehlende sichtung 
und gruppierung des materials macht eine rasche Übersicht un- 
möglich. — Eine große Unbequemlichkeit endlich entsteht da- 
durch, daß man die bemerkungen zu den meisten stellen an 4 
orten zusammensuchen muß : in der annotatio critica, im commentar 
und in der Add. et Corr. zu beiden, die ebenfalls getrennt sind. 
Und diese mühe darf man sich nicht sparen , denn Blaydes än- 
dert seine ansichten oft im umsehen, so daß nicht bloß dsirsgai, 
sondern selbst zgizai und rhaQzai q^gnizCdsi zu unterscheiden 
sind. Es ist diese einrichtung des buches um so auffallender, 
als Blaydes sonst auf die bequemlichkeit der benutzer sehr be- 
dacht ist: so druckt er im commentar die schollen zu jedem 
einzelnen verse ab (wie wird sich das in den scholienreichen 
wölken und fröschen und gar im Plutus durchführen lassen?), 
ja er spart sich dies nicht einmal dann , wenn das scholion 
schon in der voranstehenden anmerkung selbst vollständig an- 
geführt ist (so zu 609. 721. 1656), wie wir denn überhaupt 
manches 2 mal zu lesen bekommen: so zu 28 in den Add. 4 
schon im commentar beigebrachte beweisstellen, zu 809 und 815 
dieselben stellen über ofof^a dsa&ai. u. s. w. 

Es sei nun gestattet einige stellen zu besprechen, um zu- 
gleich einige neue beitrage zur kritik und erklärung zu liefern. 
V. 14: niva^onMlrig (liiKonQarijg fitXay^f^oläv] so schreibt auch 
Blaydes , es ist aber wohl mit hinzugefügtem artikel o fi.aXayxo- 
Xmv zu schreiben , da es nur als apposition aufgefaßt werden 
kann. — V. 16: avOgtonöi not' mv für eV. zmi' ogiscov schreibt 
Blaydes mit der bemerkung „ipse tentabam", aber ebenso schon 
Köchly über Ar. vögel p. 26, - — V. 34: äazo} fitz^ äffroöj] 
f^qu. aßzol [A,£t^ aazoig vel aazol y sv aazolg vel aazoi zs x«^ 
aazcöv. Quam facile ze aa^ aazmv in /isz' aaicov corrumpi potue- 
rit neminem latebit." (Daß [iezd und ndga öfter verwechselt werden 
— vgl. des ref. Observatt. Ar. p..l5 — , hat Blaydes übersehen, 
sonst bekämen wir wohl noch zu lesen „vel dazoi nag' aazolg"). 
Aber [xttä c dat. hat Aristophanes nur an lyrischen stellen 



Nr. 7. 70. Ariötophanes. 371 

(Av. 251. Lys. 1284), und an uazol ju«?' aatäv ist nichts auszu- 
setzen (vgl. Eur. Suppl. 952: t^ov/^oi fxsd'' ijav^o^f). Uebrigens 
findet sich //.etu c. gen. 84 mal bei Aristophanes, darunter 76 mal 
bei personen und zwar 29 mal mit gen. plur. Die gesellschaft, in 
der sich jemand aufhält [inter), bezeichnet es außer unserer stelle 
noch Av. 1345: orAnlv fxst' 6(ju&mf. 753: jusz' 0{)i40(xii' — 8ia- 
nli-nHir. 155: ö //fr' oQvi&mv ßiög (an welchen stellen Blaydes 
keinen anstoß nimmt) , 5mal bezeichnet es die begleitung mit 
der jemand geht (Fax 116. Av. 1428. 1686. 1692. Ec[. 1143), 
an den übrigen 20 stellen die genossenschaft, mit der zusammen 
jemand etwas ausführt. — v. 424 : ü^: [öm yuQ lavta ncipza^ 
codd. , es fehlt aber eine silbe , wie die strophe zeigt. Bei der 
ergänzung darf nun kein spondeus hineingebracht werden, denn 
beide Strophen sind rein jambisch. Das hat Blaydes bei seinen 
conjecturen nicht beachtet; Meineke schreibt ciög | au yuQ zd 
nüvza zavza — viel einfacher ist w^ | au /«(;, a« zavza nuvza, 
dema so ist nur au eingeschoben vor za- (über diese art anaphora 
vgl. nur Lys. 668: pIv 6ti vvv. Eq. 120: 86g fioi dög. P. 166: 
uTzolsii; jw' unoXdi:. Eq. 19: fxtj 'fioC yn ju/) ^ (aoi. Th. 715: 
zig olv aov zig Hr. Eur. Iph. Taur. 1406: ßülXov 8s ixüllov) 
und zavza navza ist aus den handschriften beibehalten: denn 
diese Stellung (vgl. im allgemeinen Lobeck Aj. 1023) scheint Ari- 
stophanes vorzuziehen. Wenigstens findet sich , wie es scheint 
ohne Variante in den handschriften , außer unserer stelle z avt a, 
;7aj'r« Ach.898.E(|.176. Nub. 258. Fax. 1306. Av. 756. Eq. 272^ 
frg. 387 R. zavz' -n ävza Eq. 449 : zavz -nävQ'' Fl. 532. zov- 
T CO V navzmv Lys. 584. Fl. 516. zovzoiv nävzav Vesp. 561. 

605. Z V I (ü V TZeQl TZCiVZCOV Av. 1595. T0VT03V eivsKa 

udvzmv Eq. 544. Zu diesen 16 stellen kommen 5, an denen 
die handschriften schwanken: Ran. 1130: zavza ndvzav R. Vat., 
navza zavza Ven. A. M. ; Fl. 927: zavza nävza A., nüvza zavza 
R. V. Vat. (Fl. 979: zavza nävza R. A., nävta zatza V. Vat.) 
Fl. 1087: zauza nävza R. A. , nävza za'oza V. Vat. Fl. 531: 
zolizttv näucüf V., nävzcüv zovzcov R. A. Vat. Nur 2 mal 
haben, wie es scheint, alle handschriften nävza zavza 
Vesp. 514 und frg. 294 K. (bei Stob. flor. 56, 1). Die Stellung 
zavza nävza ist also bei weitem besser beglaubigt, und man 
könnte sie sogar , wenn man uniformieren wollte , überall hex*- 
stellen (ausgenommen Ran. 1130 — vgl. Velsen — und PI. 979, 

25* 



3t72 70. Aristophaues, Nr. 7, 

wo y' al T« ndrO' mit Hold. , Mein. , Vels. zu schreiben ist). 
Jedenfalls aber darf nävza ravta nicht durch conjectur in 
den text gebracht werden. 

V. 466: ovrojg v/^mv vTZEgalyöci] ,,ovTmg alicuhi propositum 
memini videre" bemerkt Blaydes , beruhigt sich aber bei ovtcog 
durch Eupol. frg. 117 K. : ■na) ptijv iyoj noXlmv nagövrcov ovn 
s^oo Ti 7.8^00 ■ I ovtoj aqiodg'' dXyöö (dieselbe stelle erscheint übri- 
gens außer im commentar auch noch in den Add. !) Er konnte 
noch Av. 736 anführen: naglazat xoniüv ifili' — vtzo töäv aya- 
■&a}v' I ovTM TiXovTt'iaETs nävng, ebenso Av. 522. Eq. 530. Aber 
an allen diesen stellen weist ovtco auf das vorhergehende als auf 
die folge zurück. Anders an unserer stelle. Die vorhergehen- 
den Worte ^a /Ji^ aXXa Xiysiv l^yrcü iglnalai fifya yal XaQtvov 
inog Ti, I 0, ri rr/v tovtcav {fgavasi ipvp'jv sind (wie auch Tovrmv 
zeigt) nicht an die vögel, sondern an Euelpides gerichtet als 
antwort auf dessen frage Ötini/josiv fiilXofisv ; 7) rl ; wenn sich 
jetzt Pithetaerus an die vögel wendet , so darf er sich offenbar 
nicht auf die für sie gar nicht bestimmten worte (beachte ^gavaE^) 
beziehen. Ich möchte daher i'ix m g vßär vnfgaXyä vorschla- 
gen : so haben wir sogleich im, anfange seiner rede , den heuch-. 
lerischen demagogen kennzeichnend , ein bedeutungsvolles wort, 
das aufmerksamkeit und Spannung erregen muß. (Belegstellen 
zu o'i'iA.^ lag bei Müller Ach. 590). Vgl. übrigens die äußerung 
der vögel 540 : 00 g idaHgvoa y' f/imp narsgmv naxT^v. — r 

v. 997: TTQOsgst 7ig ael 7mr ogvi&mv fiartsvofihq) nsgl rov 
nXoi^ I vvv\ fiTj n7vEi, ^eifimv 'iarai, rwl nXsi, nsgSog fnsßTai]. 
„tentaham vqvE^ia cTai" sagt Blaydes. Das wäre ein schlechter 
rath gewesen bei windstille zur see zu fahren! — v. 719: 
OQViv TS fOfii^ETS nävd'' oaaneg Tisgl fAC(.vr.elag diaxgi'rsi^ an die- 
ser vielbesprochenen stelle (vgl. des. ref. observatt. Ar. p. 26)f 
hat sich auch Blaydes mit einer anzahl conjecturen versucht, 
yon denen mir keine annehmbar erscheint. Zunächst wundert 
es mich aber, daß noch niemand, so viel ich weiß, an vofnX&ze- ; 
anstoß genommen hat : es handelt sich doch darum , daß die ' 
Athener alles, was sie als Vorbedeutung ansehen, ogtig zu nen- 
nen pflegen (720: magfior t' ögrida it aX eir £, Schol. ndvta ■ 
yag omvovg xaXovai aal rä ny ogrsa. Thom. Mag. 657: 
när 70 eig [xanatcv avviiXrov ogriv eXEyot). Ich denke also,. 
Av. schrieb ogrir 7' f' »o/i« C« 7« (vgl. Av. 288.1292. Eq, 299. 



Nr. 7. 71. Demostlienes. 373 

PI. 207. frg. 488 K.). Das folgende weiß ich allerdings auch 
nicht sicher zu emendieren; der gedanke aber, der nach meiner 
ansieht hier allein zulässig ist , ließe sich (unter der annähme 
oaaneg tjsqI sei eine dittographie : vgl. Ach. 615: vttsq sQavov 
codd. pro vTi' igätov [Bentley]. Kock Verisim. p. 176) leicht 
so ausdrücken: oQtiv t' omfid^tTe näv&'' oaansQ fiavztV e'i&iads 
ro^iXiir „quaecunque pro vaticiniis aecipere soletis." 

Um zum Schluß unser urtheil über Blaydes ausgäbe zu- 
sammenzufassen, müssen wir sagen: Es ist ein fleißig gearbeite- 
tes, nützliches buch, denn es enthält viel material, aber dies 
material ist nach adversarienart weder genügend gesichtet noch 
verarbeitet, die anläge erschwert die benutzung, die Unsicherheit 
des urtheils verwirrt, man kommt nicht zur ruhe und zum genuß, 
man sieht keinen fortschritt im ganzen trotz manches erfreuli- 
chen im einzelnen. Könnte sich Blaydes entschließen seine avis- 
gabe zu verlangsamen, den gesammelten stofi" nach allen selten hin 
durchzuarbeiten und sich in der annotatio critica die Velsen'schen 
ausgaben zum muster zu nehmen , so wäre die fortsetzung der 
ausgäbe ein gewinn für die Aristophanes -Studien zu nennen, 
sonst wird das gelten müssen , was v. Bamberg Lit. Centralbl. 
1881 n. 27, p. 938 bemerkt, daß ,, arbeiten dieser art besonders 
geeignet erscheinen angehenden philologen nicht als muster 
kritisch-exegetischer leistungen, wohl aber als anregendes object 
für eine eingehende und systematische prüfung vorgelegt zu 
werden" — d. h. um sich daran ein beispiel zu nehmen , wie 
man es nicht machen solle. 

Die äußere ausstattung, und das war von dem verlage nicht 
anders zu erwarten , ist so gediegen , wie man es von dem In- 
halte nur wünschen möchte. (Zusätze s. Philol. XLI, 4.) 

Ottomar Bachmann. 

71. Wilh. Hartel, Demosthenische Studien II. Wien, 
Gerold 1878. 136 p. 8. 2 mk. 40 pf. 

Der verf. behandelt in dieser schrift die Verhandlungen 
des philokratischen friedens in der absieht, an der band der 
ausführlichen berichte des Demosthenes und Aeschines über die- 
selben „die formen des parlamentarischen lebens in Athen im 
Zusammenhang zu studieren." Er bespricht daher mit beson- 
derer rücksicht auf den formellen geschäftsgaug zunächst die 



374 71. Demosthenes. Nr. 7. 

einleitenden Verhandlungen und die erste gesandtschaft der Athe- 
ner an Philipp (p. 18 ff.), dann die antrage , die Demosthenes- 
nach der rückkehr derselben stellte (p. 32 ff.), das gutachten 
der athenischen bundesgenossen über den frieden (p. 40 ff.) die 
kompetenz des bundesrathes (p. 46 ff.) und des athenischen ra- 
thes bei friedensverhandlungen (p. 59 ff.), woran sich eine Un- 
tersuchung über den begriff der 77pf);^«(po70j/'« anschließt, p. 76 ff. 
kehrt Hartel noch einmal zum rathe der bundesgenossen zurück, 
bespricht dann p. 82 ff. die in Athen mit den makedonischen 
gesandten gepflogenen Verhandlungen , die ausschließung des 
Thrakerkönigs Kersobleptes vom frieden (p, 108 ff.), die zweite 
gesandtschaft der Athener an Philipp (p. 111 ff.), endlich (p. 
119 ff.) die Verhandlungen des athenischen rathes und volkes 
nach der rückkehr dieser gesandtschaft und die einleitung der 
klage des Demosthenes gegen Aeschines nsg) naganQEaßfiag 
(p. 135 f.) 

Diese schritt verräth ein eingehendes Studium der quellen 
sowohl als auch der nevieren litteratur über diese für Athen so 
verhängnißvollen friedensverhandlungen und liefert manchen 
schätzenswerthen beitrag zur aufklärung derselben. Den haupt- 
resultaten des verf. jedoch kann ich nicht beistimmen. Diese 
betreffen die betheiligung einerseits des rathes der athenischen 
bundesgenossen, andererseits des athenischen rathes der 500 an 
den friedensverhandlungen. In betreff der kompetenz der er- 
steren behörde schließt sich der verf, p. 47 und 82 an die von 
G. Busolt in Fleckeisens jahrb. suppl. VII, p. 691 ff. darge- 
legten ansichten an, die ich in denselben jahrb. 1878 p. 473 ff. 
zu widerlegen versucht habe. Auch hält Hartel p. 40 ff. mit den 
meisten neueren gelehrten die beiden von Aesch. v. d. ges. § 60 
und gg. Ktes. § 70 citierten beschlüsse des athenischen bundes- 
rathes für identisch. Meine entgegenstehende meinung habe ich 
im Hermes 1879 p. 119 ff. zu begründen versucht. 

Die doppelte Verhandlung, welche beim friedensschluß des 
Jahres 346 und auch sonst bisweilen bei wichtigen staatsverträ- 
gen in der attischen Volksversammlung stattfand, sowie der um- 
stand , daß Demosthenes die termine für diese Verhandlungen 
vorher durch Volksbeschluß festsetzen ließ , verleiten den verf. 
zu seiner hypothese einer doppelten lesung in der athenischen 
ekklesie, die er zuerst in dieser schritt p. 59 ff. für alle auf 



Nr. 7. 72. Aristophanes von Byzanz. 375 

auswärtige und sakrale angelegenheiten bezüglichen Verhand- 
lungsgegenstände plausibel zu machen und dann in den „Studien 
über attisches Staatsrecht u. Urkundenwesen" (Wien 1878) für 
alle beratungsgegenstände ausführlich zu begründen versucht 
hat. Hiernach war der rath nicht befugt , einen gegenständ 
ohne weiteres auf die tagesordnung der nächsten Volksversamm- 
lung zu setzen, sondern mußte sich dazu erst durch eine ngo- 
XsiooToria vom volke die erlaubniß ertheilen lassen , worauf 
die entscheidende Verhandlung erst in einer folgenden Volksver- 
sammlung stattfinden konnte. Wenn es nun in vielen Inschriften 
heißt: 's'8(j^£i 7?] ßnvlfi ynl tw d'jiiqr — exp7]cp[adai. tTj ßovlfi' 
Tovc TiQn^'dQnVi.' , <n av lä^coai TTQOfÖQevsiv sv rä) drjfiq) eig rtjp 
TiQKTtjV ey.xh]n(ui\, (^TTQognyaysii' top Snva aai) y^QtjitnTiaai' yvoo- 
^iTjv de ^vußalXEüd^ai T/'c ßcvXJjg ffs' 707' dijunv, ort doyst ttj ßnv}.]j, 
so ist die tjacÖti] By.y,hjain nicht, wie man gewöhnlich annimmt, 
von der rathssitzung an zu rechnen, in welcher das TiQoßovJsvixa 
vom rathe angenommen wurde , sondern von der Volksversamm- 
lung an , in welcher es zur Verlesung gelangte. Wenn uns 
schon diese deutung unnatürlich erscheint, so muß es uns erst 
recht bedenklich erscheinen , wenn der verf. der von ihm ange- 
nommenen autorisation des rathes durch das volk den namen 
TiQny^siQOToii'a beigelegt und dabei die einzige erklärung dieses 
namens , die uns Harpokration überliefert , für falsch erklärt. 
Harteis hypothese ist daher mehrfach angegriffen worden , so 
von G. Gilbert in Fleckeisens jahrb. 1879 p. 225 ff. und 1880 
p. 529 ff., von mir in denselben jahrb. 1880 p. 801 ff., von 
A. Hug in den ,, Studien aus dem klass. alterth." heft I, p. 104 ff. 
Obgleich ich mir die entgegnung Hartel's auf Gilbert's ersten 
aufsatz, die sich in den Wiener Studien I, p. 269 ff. findet, 
nicht habe verschaffen können, glaube ich doch berechtigt zu 
sein, das urtheils Hugs (p. 132) zu unterschreiben: „doppelte 
berathung oder lesung ist überall nur ausnähme." 

A. Hoch. 

72. De Aristophaue Byzantio et Suetonio Tranquillo Eu- 
stathi auctoribus scripsit Leopold Cohn. (Commentatio ex 
supplementis annalium philologicorum seorsum expressa). Lip- 
siae, Teubner 1881. 8. 

Nachdem Fresenius durch seine abhandlung „de }.t^sa)v 



376 72. Aristophanes von Byzanz. Nr. 7. 

Aristophanearum et Suetonianarum excerptis Bysantinis" ^) für die 
excerpte in M L P und bei Eustathius einen gemeinsamen ar- 
chetyp erwiesen und dessen beschaffenheit im allgemeinen cha- 
racterisiert hatte ^) , wobei er von Eustathius hauptsächlich nur 
die stellen berücksichtigte, die durch vergleichung mit den 
drei andern sich sogleich als den Xt^sig angehörig erwiesen: 
war es eine lohnende aufgäbe, den Eustathius auf seine quellen 
hin von neuem zu durchmustern und zu zeigen , wie vieles und 
auf welchem wege aus den Xs^tig in ihn übergegangen sei. 

Es ließ sich erwarten , daß eine umfassende Untersuchung 
des Eustath, die nicht in Fresenius' plane lag, manches neue 
fragment der Xe^sig zu tage fördern würde ; ebenso mußte eine 
solche auch über die ganze anläge der }ii^eig so viel licht ver- 
breiten, daß noch dieses und jenes fragmentum sine sede einem 
bestimmten capitel zugetheilt werden konnte. Beides leistet die 
arbeit von Cohn. Was den letztern punct betrifft , so hatte 
schon Fresenius p. 20. 21 eine übersieht der fragmente gegeben, 
welche er (meist nach M) bestimmten capiteln der Xs^ntg des 
Aristophanes zuweisen konnte. Einigen andern weist er nach 
ziemlich sicherer vermuthung ihre stelle an. Cohn geht weiter 
und nimmt no. 36. 79 für das cap. nsQl tmv vnnnrsvouitcov in an- 
sprach (p. 297), 75 für die yXäaaai laacovixai 64. G9. 76. 77. 
78. 81. 86. 90 für die arTixai l^^sig und ebenso mit Fresenius 
das Erotianfragment (65) HO)[Dc,Tt]. Andrerseits will er die frag- 
mente Q2. 63. 80. 83. 84. 87. 88 ganz von den Af|ff<; trennen. 
Es sind, so meint er, Homererklärungen deren Überlieferung wir 
wohl des Aristophanes schülern zu verdanken haben. Zwischen 
den capp. nsgl ngoocposv/jascov (von Fresenius nsgi noXirinmv 
ovoiiäiojv genannt) und mg] naiSmv findet sich eine glosse t,oorj 
in P, die, in keins der beiden capitel passend, nach Fresenius' 
vermuthung aus Zenodor neo). avry&slag stammt; Cohn p. 289. 
290 vindiciert sie dem cap. n8Qi töjv vnontsvonivmv. Ebendahin 
zieht er auch fgm. 22 Xsftcpog und adwag , welches Nauck zu 
nsQi ßXtta<j)t]iJiiwv gestellt hatte. 

1) S. Phil. anz. Vin, 80 ff. 

2) Unter anderm hatte er auch die ansieht ausgesprochen , daß -, 
in demselben weder die «ntxat U^ne noch die Xaxoivixal ykwcaai ver- 
treten waren , und daß , was etwa Eustath aus diesen hat, durch in- 
directe Vermittlung zu ihm gekommen sei. 



Nr, 7. 72. Aristophaaes von Byzanz. 377 

Es folgt p. 292 — 297 der nachweis einer gewissen Über- 
einstimmung von Bekkers antiatticista A. G. I, 74 — 114 mit 
Aristophanes und auf grund dessen wird die glosse x?,«« , die 
bei Eustath an vier stellen obwohl ohne nennung des auctors 
erhalten ist, dem Aristophanes viudiciert. Möglich ist aller- 
dings, daß diese stelle demselben gehört; aber die Übereinstimmung 
ist doch nur eine äußerst geringe, und mit demselben rechte 
könnte man Et. M. 545, 1 den ersten theil der erklärung von 
nvijpiit dem Aristophanes zuschreiben y.v(xa: v.vä -/.vi^nm y.viiiia 
xai xi'//«' /ragci to xitu t6 xvo^spov. Es wäre dann auch hier 
die belegstelle, die Eustath erhalten hat, ausgefallen; das folgende 
J) nuou TO y.vxä j welches mit f/> 240 belegt ist, würde dann 
aus einer andern quelle stammen. 

Wenn Bergk gemeint hatte, der Antiatticista hätte noch den 
Aristophanes selbst vor sich gehabt , so widerspricht dem Colin 
und macht es plausibel, daß weder er noch Pollux, Hesych, Pho- 
tius über Didymus zurückgehen. 

Fresenius p. 15 meinte aus der Übereinstimmung von M 
Eustath. 724, 14 und Alexion, dem epitomator des Didymus bei 
Ammonius -/^qcop y.u} noho^v^ , schließen zu dürfen , daß in M 
jetzt vieles noch genau so erhalten sei , wie es Aristophanes 
geschrieben hatte. Dagegen wendet sich Cohn mit recht (p. 299), 
indem er geltend macht , Aristophanes habe seine bemerkungen 
durch testimonia aus der alten litteratur gestützt, wovon in die- 
sem falle aber nur noch Eustath eine s p u r ^) bietet , der bei 
an6ioi^8g den Callimachus citiert, während M sowohl wie Alexion 
gar nichts derartiges haben. Wir haben also in M und bei 
Alexion nur ein excerpt aus Didymus. 

Aus dem fgm. 42, bei Nauck noch sedis ineertae, werden mit 
recht, wie auch schon Fresenius gethan hatte, Eust. 877, 49. 
1648, 53. 1828, 56 für das cap. rr^Q] orofidtoav /ßmiäi' in an- 
spruch genommen p. 303. 

Für das frgmt II bei Nauck, Eust. 1404, 59 die gl. Xei- 
ncyrcöpkoav und die gl. ußoXog 'Innog Eust. 1405, 19 ermittelt 
Cohn recht ansprechend den platz hinter der die Innoi betref- 



1) Denn daß Aristophanes mehr beispiele angeführt habe , folgt 
aus Eustath 1720, 25 , wo derselbe die gleiche beobachtung über die 
mit äno zusammengesetzten adjectiva vollständiger wiederholt und mit 
einem beispiel aus Euripidcs belegt. 



378 72. Aristophanes von Byzanz. Nr. 7. 

fenden partie in M. Dort sind nämlich die innornnot ^ Innoßov- 
aöXoi, iTT^TorroXoi und luTiocfOQßnl genannt, ebenso die mnocpog^ia 
und fj/ärÖQui , aber es fehlt jegliche notiz über die ijXmiai tkv 
innar. — Dagegen scheint das verwerfungsurtheil, welches er 
gegen die aufnähme von Eustath 1627, 14 (N. p. 100) aus- 
spricht (p. 304 adn. 42), mit der Übereinstimmung von Eustath 
Et. Magn. Zonaras (die den Ursprung der stelle aus einem le- 
xicon rhetoricum erweisen soll) nicht genügend begründet zu 
sein. — Sollte etwa das unter jrwpKür im Et. M. 236, 52 ste- 
hende f'j'OJ (^f ivQf)v fV rori.' Q7]TO()iHolg Ttjv ii^hr atjfiai'voVaav 
ovrmg den vfr. veranlaßt haben, das ganze sowohl unter yväfimv 
als auch das unter aßnl.m: ibid. 3, 54 dargelegte auf ein lexicon 
rhetoricum zurückzuführen ? Dann wäre zu beachten , daß das 
unter dem lemma yvayuor 236 überlieferte augenscheinlich in zwei 
ganz verschiedene theile zerfällt, von denen der erste bis o rjdi] 
ßfßXijyiOJi; Tovc (^dörra^^ vom ersten compilator des Etym. hier ein- 
getragen ist, während f'jfo Sf fhnov von einem spätem, vielleicht 
dem letzten Überarbeiter des Etym. aus einem lexicon rhetoricum 
nachgetragen ist [vgl. über diese eigenthümlichkeit meine ab- 
handlung de Zenohii commentario rhematici Äpolloniani. Gedani 
1881. p. 3] nach meiner ansieht spricht grade das lyai Ös 
£(00) xrA, dafür, daß das voranstehende, auf welches es in 
diesem falle ja ankommt, einer andern quelle entstammt und 
auf Aristophanes zurückweist; denn daß aristophanisches eigen- 
thum im Et. M. enthalten ist, und mehr als die vier mit seinem 
nameu bezeichneten stellen, scheint sicher; das medium durch 
welches es hineingekommen ist , dürfte schwerlich mit Sicherheit 
zu ermitteln sein, daß aber Et. M. nicht auf einem der uns 
bekannten excerpte beruht, glaube ich versichern zu können, muß 
aber den beweis einer andern gelegenheit vorbehalten, — Im 
übrigen stimmt die fragliche Eustathstelle doch dem inhalte 
nach genau mit der als aristophanisch beglaubigten 1404 über- 
ein. Letztere sagt, daß die vollthiere (Tt'lein) bei den meisten 
thierarten Ifinnytäfjiora heißen, weil sie nicht mehr die yvoofiovag 
haben, während die andere davon ausgeht, daß Xsirroyvmfjojv ei- 
gentlich von pferden, aber au ch von andern thieren gebraucht 
werde und daß es diejenigen bezeichne , deren alter sich nicht 
mehr an den zahnen erkennen lasse. Es werden dann die aßo- 
Xni genannt und die nQcoToßöXoi^ welche auch in jener vorkom- 



Nr. 7. 72. Aristophanes von Byzanz. 379 

men und daselbst bezeichnet werden als die, welche die kenner 
noch an den zahnen erkennen können. Wenn ich nicht fürch- 
ten müßte den für anzeigen zugemessenen räum erheblich zu 
überschreiten , möchte ich gern die einschlägigen stellen im zu- 
sammenhange behandeln; das eine sei hier wenigstens bemerkt: 
die ganze stelle 1627,9—18 scheint mir sicher auf Aristophanes 
zurückzugehen, denn wenn in M auch keine weiteren deutungen 
der einzelnen altersbezeichnungen erhalten sind, solche auch ge- 
wiß an manchen stellen nicht nöthig waren, so kann wenigstens 
die erläuterung des kretischen ilnüÖijniAo^ für '^cfitjßoc den beweis 
liefern , daß Aristophanes derartige erläuterungen nicht grund- 
sätzlich von der band gewiesen habe (die dürre aufzählung in M 
dürfte selbst an den stellen, die dem originale noch am nächsten 
kommen, höchstens ein abgeblaßtes bild desselben gewähren) und 
nun forderte das wort Ifino-j lontoiv geradezu zu einer erklärung 
heraus und die erwähnung des Istros in den yitTixa} P.s'^t/c dürfte 
grade bei Aristophanes einem Jüngern zeit- und alexandrini- 
schen studiengenossen desselben am platz sein. Nebenbei sei 
bemerkt daß zeile 11 zu lesen ist riXetm ovv o ainei,!)^ /.u; ovx 
i'cTsltjK', xaToi uQiii xai uuidt (für y.cu 70 u()ihi6t). — Wenn dann 
ferner der verf, bemerkt , Aristophanes unterscheide nur zwei 
ijXi'Alai tmr Tionßiiiooi , tu T^Xtia und ra lia und wenn er des- 
wegen PoUux VII, 184 dem Aristophanes absprechen hu müssen 
glaubt, so ist zu erwidern, daß dafür wahrscheinlich der excerp- 
tor verantwortlich zu machen sein wird, der vollthiei'e und junge 
entgegensetzt, ohne die verschiedenen abstufungen der nicht aus- 
gewachsenen zu berücksichtigen. Wer aber wie Aristophanes 
ex professo über die i']liy.fai schrieb, der mußte auch darin ge- 
nauer sein, als die dürren excerpte bei M — bei aller Vollstän- 
digkeit der einzelnen positionen — vermuthen lassen. Freilich 
ist und bleibt die Polluxstelle trotzdem ein bloßes Sammelsurium 
von synonymen ohne weiteren werth ; aber ist nicht dasselbe stel- 
lenweise sogar von dem exe. M zu sagen? Vgl. A^vojv Ifyetui 
nal TtTmi. xai daavnnvi; va/ rayitag — das sind nur Synonyma, 
die eigentlich gar nichts mit den t])iy.(ui zu thun haben. 

Darauf wird das Verhältnis des Aelian und Eustathius in 
dem theile über die jagdbaren tbiere kurz charakterisiert , und 
dem Eustathius hier geringere Zuverlässigkeit als im früheren 
zugesprochen. Sogar Aelian hat weniges, das die excerpta By- 



380 72. Aristophanes von Byzanz. Nr. 7. 

zantina nicht hätten und scheint kein ganz vollständiges exem- 
plar des Aristophanes zur hand gehabt zu haben. 

An das cap. nsgl OKifiäioav Ißiaiäv schließt sich, mit der 
gleichung rt^&tj beginnend das cap. tieqi avyyenxööv ovofxceToar, 
über dessen umfang zweifei bestehen, indem Nauck, die daran 
sich anschließenden glossen von ^Tj^g an einem cap. ntgi 8ov- 
Xmäv ofOfAÜrcGv zuschrieb , wogegen Fresenius schon mit aarög 
ein cap. nnlnty^mv oio^i'ncov annahm. Keine der verschiedenen 
Überlieferungen bringt hierin licht; auch Eustathius hat diese 
capp. nicht gesondert gelesen. Die ansprechenden und zum theil 
sichern emendationen Cohns aufzuzählen würde zu weit führen. 
Als resultat verzeichnen wir : dem archetyp von M und L fehlte 
mit der Überschrift auch der anfang, den Eustathius 971, 21 — 27 
hat, in dem, was darauf bei Eustathius folgt, giebt dieser sich der 
führung eines lexicon rhetoricum hin 971,27—37 das nach ihm 
auch Photius und Suidas benutzt haben. 971, 37 — 44 wendet sich 
Eustathius wieder zu Aristophanes, aber bald benutzt er neben 
demselben auch Sueton, indem die gleichung Trj&aX}.adovg anfangs 
aus Sueton nf()} p.uaqtj^ttwv nachher aus Aristoph. mgl avyysvi- 
xmv jedoch ohne Quellenangabe erläutert wird. — Am deutlich- 
sten zeigt Pollux (III, 16—83) seine abhängigkeit von Aristo- 
phanes gerade in diesem cap. „atque ordo quidem glossarum ac 
dtspositio verum integra fere e capite Aristophaneo recepta videtur, 
zd quod primo aspectu cernitur , nee minus in singularum glossarum 
expUcatione cum Aristophane Pollux consentit" ; dabei sieht man wie 
stark die excerpta, gegen Pollux gehalten, gekürzt sind. 

Was das cap. TJtfjl ngnacpcovi^asoav betrifft, so hatte zuerst 
Meier und nach ihm gegen Nauck Schneider, die Selbständigkeit 
desselben bezweifelt; ihnen folgte Fresenius. Cohn tritt auf 
Naucks Seite besonders gestützt auf Eustathius 777, 60, wo er 
meint , daß derselbe mit den seltenen worten v^vvog aävvag und 
qprt'xwAa absichtlich die verschiedenen capp. der lexeis berück- 
sichtige, und deshalb für ätm auch ein besonderes ansetzt. Ich 
meine, significanter wäre noch die stelle, die auch Nauck p. 153 
citiert, Cram. An. Par. III, 242, 30 ; denn stammt die Eustathstelle 
sicher aus Aristophanes, so unbedingt auch dieses Homerscho- 
lion: und wenn hier nun aira eine Xs^tg nQoacpojt'ijTix?] , vsppog 
eine ^e^ig avyysiDcri in unmittelbarer nebeneinanderstellung ge- 



Nr. 7, 72. Ariötoj^lianeö von Byzanz. 381 

nannt wird, so ist es wolil klar, daß hier ausdrücklich zwei ver- 
schiedene capp. der Xe^eii,' bezeichnet werden. 

Nachdem alsdann hervorgehoben, daß die dztiHcu Xi-^ti^- und 
die yXmaaai Xaxcarixui keine stelle im corpus byzant. gefunden, 
nachdem ferner Kleins vermuthung, Aristophanes habe auch lo- 
nicas glossas behandelt, und endlich E. Rohdes meinung, das 
ganze werk des Aristophanes habe den titel uzTixia Xs^ei^' geführt, 
mit weitern gründen widerlegt ist, wendet sich verf. der ge- 
schichte der Überlieferung des Aristophanes zu, wobei Nauck in 
einzelnen punkten berichtigt wird. Dabei ist bemerkenswerth, 
daß aus der Übereinstimmung von Erotian , Pollux , Hesych im 
gegensatz zu Harpocration , der auf Didymus zurückgeht , als 
gemeinsame quelle Pamphilus nicht unwahrscheinlich dargestellt 
wird. 

Wenden wir uns zu Sueton. Auch in betreff dieses ist M 
von der größten Wichtigkeit. Wie bei Aristophanes so ist auch 
hier zu constatieren, daß M sowohl wie L in gleicher weise ge- 
kürzt , oft nur die glosse ohne ihre erklärung bieten , während 
Sueton selbst sorgfältig seine bemerkungen mit belegstellen aus- 
stattete die Eustathius oft noch bewahrt. Wenn aber Cohn be- 
hauptet, keinen seiner gewährsmänner habe Eustathius mehr mit 
eigenen klügeleien versetzt als den Sueton, und als beweis dafür 
die etymologie von xaaalßäg • naga tu :<daat Kai rb uXXo^ xai 
Tu ßä^eiv beibringt, die Eusthatius auf eigne faust riskiert haben 
soll, so kann ich ihm darin nicht folgen. Denn wenn auch die 
lesart a aX a aßäi;, an welche er die Suetonsche ano tov nakelv 
Koi öoßsiv anschließt, sonst nicht weiter bezeugt ist, so führt 
doch die im Et. M. tiberlieferte Schreibung yaaaaßug mehr auf 
diese als auf i<aaaXßüg hin , und es ist sehr wohl möglich , daß 
beide neben einander vorhanden waren , und daß xaXaaßäg nur 
weil sie sonst nicht weiter bezeugt ist, von der durch den co- 
miker Aristophanes auch metrisch gesicherten aaiyuXßäg allmäh- 
lich verdrängt wurde. Auch scheint es nicht unmöglich , daß 
die Originalnotiz bei Sueton erheblich vollständiger war, als die 
jetzt in M erhaltene, welche vielleicht nur eine hälfte von jener 
ausmachte. Auf unsichere Überlieferung in dieser beziehung 
deutet wohl auch das daselbst stehende yuaaXßc^stv (für sonsti- 
ges naaaXß ä ^ew), das , wenn auch sonst wohl erklärlich , jeden- 
falls nicht weniger allein steht als Eusthats nuXaaßäg. Natürlich 



382 72. Aristophanes von Byzauz. Nr. 7. 

würde auch das Aristophanesscholion (equ. 355) ori xaXovai ovk 
tyovaai rovg sQuaTaü, aoßoiiat ds toiji,- oi'T«i,' nicht minder ein 
theil aus einem vollständigeren commentare irgend eines altern 
alexandrinischen grammatikers sein , der vielleicht Suetons Vor- 
gänger war. Ebensowenig möchte ich dem Eustath persönlich 
für die lesart (fdei vrjv in 555 verantwortlich machen. Je- 
denfalls müßte ein so schwerer Vorwurf gegen den Eustath als 
einen falsarius doch etwas sicherer begründet sein. 

Nachdem dann Cohn die einzelnen abtheilungen dieses cap. 
nsQ'i ßaacf)7jniäv durchgegangen und an einer markanten stelle 
besonders des Eustath art dieselbe zu benutzen aufgezeigt hat 
p. 337. 338, wendet er sich der frage zu, auf wessen schultern 
wohl Sueton hierbei stehe, denn daß er ein griechisches vorbild 
gehabt habe ist zweiffellos : und dabei kommt er denn zu dem 
Schlüsse Tranquülum ^JJ'ösec^P^^^^ auctorem secutum esse Pamphüum 
comparatio docet cum Hesychio aliisque Pamphüi pedisequis instituta. 
Da findet er auch gelegenheit sich über das Verhältnis des Di- 
dymus Pamphilus Diogenian auszusprechen (342 ff.) und den 
Zusammenhang von Aelius Dionysius, Pausanias, Hesych, Pollux 
u. a. mit Sueton zu beleuchten (347). 

Für die schrift ns^l tööv nuQ' "EXhjCt natdtmv können die 
excerpte M L aus Eustath nicht unwesentlich ergänzt werden. 
Cohn nimmt im gegensatz zu Miller und Fresenius alle von 
Eustath geschilderten Tjatöiai , die nicht ausdrücklich einer an- 
dern quelle zugeschrieben werden, für Sueton in anspruch. Eine 
aufzählung aller lusus des Sueton (p. 355) enthält 21 nummern 
gegen 11 bei Keifferscheid. Auch bei dieser schrift geht es wie 
mit der ntQ"/ ßXaacprjfximv , uns ist kein Grieche überliefert der 
über dies thema geschrieben hätte. Eine vergleichung mit Pollux 
zeigt, daß dieser alle spiele die als Suetonisch nachgewiesen wer- 
den können, und noch einige mehr hat; sogar ihre anordnung 
ist bei beiden im wesentlichen dieselbe ; beide gehen auf die 
gleiche quelle , die auch Boethus (= schol. Plat.) und Hesych 
benutzte : so findet vrf wiederum Sueton , Diogenian , Pollux, 
Boethius in Übereinstimmung, und dies führt ihn wieder auf 
des Pamphilus großes lexicon. 

Im einzelnen bemerke ich p. 359 zu noXttg nai^siv warnt 
Cohn Verla tait; xpi/qioiii cave ne coniungas cum zuh' XsyofASvais ; 
mit recht. Gleichwohl ist die stelle , so wie sie überliefert ist, 



Nr. 7. 72. Aristopliaucs von Byjsauz. 383 

nicht richtig; ich lese Öoxit (Ätziiijir/^Oui um) rcoj- raii^ ipiiffui 
nui^oncoi) iv Zf/Ts liyo^itKciii vvi' fAtv j^cooui^; rors i^e mtXnöir. 
Gut ist die erläuterung zu ÖiayijufAfxiatAOi;, mit dem der ludus duo- 
deeim scriptorum absolut nichts gemein hat. Mit recht wird ein 
spiel qitni'i oder qtil^ bei Hesychius , Photius , Eustathius als 
reine erfindung nachgewiesen und die entstehung dieser fiction 
überzeugend dargelegt. 

Zum Schlüsse untersucht der verf. den Zusammenhang zwi- 
schen Sueton und Aristophanes und kommt nach beseitigung 
der bedenken, die Fresenius gegen den titel KuiaÜQcov bei Sui- 
das erhoben, (vgl. auch Phil. anz. VIII, 83) zu der behauptung 
„ut rationem aliquam intercedere credam inter hos grammaticos eo 
maxime adducor, quod in libris ML grammaticus Alexandrinus cum 
granimatico Latino ita coniunctus reperüur ut inter duo scri^Jta Sue- 
toniana inserta sint capita quaedam /.i-'^tcop AristopTianearum" und 
macht es so höchst wahrscheinlich , daß Sueton in sein Pratum 
ganze capitel sowohl der lexeis des Aristophanes als auch eines 
ungenannten nEo) jmf n(i.(j "Ellrjai nuidtäp in seine historia lu- 
dicra übernahm. So erklärt sich auch einfach das fehlen der 
äiii'Aal Xs^tii^ und der jlwooai Xay.cüxy.ui in den byzantinischen 
excerpten, während alle andern capitel der J.fit/v mehr oder we- 
niger vollständig darin vertreten sind. — Endlich meint Cohn 
habe Sueton nicht einmal des Aristophanes Schriften selbst in 
bänden gehabt, sondern kenne sie nur aus zweiter band durch 
Pamphilus , der ihm neben nt()l ßXuüqtjuicüi' und mg} naidiüp 
auch die Aristophanischen Xt'^tui suppeditiert habe. 

Dies mit großem Scharfsinne gewonnene resultat bringt je- 
denfalls eine befriedigende lösung der durch Millers entdeckung 
auf dem Athos in fluß gebrachten frage nach dem zusammen- 
hange von Aristophanes und Sueton. Die ganze arbeit läßt wün- 
schen , daß die fortsetzung , welche die übrigen quellen des Eu- 
stath einer Untersuchung unterziehen will , nicht lange auf sich 
warten lassen möge. 

Der druck der schönen abhandlung ist im ganzen ohne stö- 
rende fehler. Außer einigen spiritus und accenten (/}/l^ p. 366, 
eni 351, fxviu(,' statt ^viu^ 370 adn. 186, stultorm für stultorum 
349, sine dubis für dubio, uyoixov^ für uyQoixovg 339) hat mich 
besonders ein satz p. 347 wenig angenehm berührt wegen seiner 
form; e Follucis loco EustatJd verba y.ai iümi^ cpvaiuyrmfiOii'AOJ^ nzX. 



384 73. SuidaB. Nr. 7. 

e Suetonio descripta esse apparet. Jedenfalls aber danken wir dem 
verf. für die resultatreiche arbeit, aucb wenn sie dem titel nicht 
ganz genau entspricht, denn sie bringt viel mehr als man nach 
jenem erwarten durfte. Georg Schoemann. 

73. Studien zu den biographika des Suidas. Zugleich ein 
beitrag zur griechischen litteraturgeschichte von A. Daub, dr. 
phil. Freiburg i. Br. imd Tübingen 1882. Akademische Ver- 
lagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck). 8. IV 
und 158 p. Preis 4 mk. 

Mit den biographika des Suidas hat sich in den letzten zwei 
Jahren kaum irgend jemand eingehender beschäftigt als der Ver- 
fasser der vorliegenden schrift. Seine umfangreiche doctor-dis- 
sertation „De Suidae biographicorum origine et fide" (Jahrbücher 
für classische philologie XI. supplementband, auch separat bei 
Teubner 1880) und zahlreiche in den genannten jähren in ver- 
schiedenen Zeitschriften veröffentlichte aufsätze legen zeugnis ab 
von dem staunenswerthen fleiß, mit dem Daub in die vielen ein- 
zelfragen des weiten gebietes eingedrungen ist und das massen- 
hafte material zu beherrschen gelernt hat. 

Auch diese seine „Studien" waren ursprünglich bestimmt 
zum theil in Fleckeisen's Jahrbüchern, zum theil im Eheinischen 
museum gedruckt zu werden. „Allein die erwägung , daß die- 
selben der in bälde erscheinenden ^) ausgäbe der fragmente des 
Hesychius (Suidas) von H. Flach (Leipzig, bei B. G. Teubner) 
in mancher hinsieht zu gute kommen möchten, ließ eine frühere 
und darum auch eine separate publication dieser beitrage als 
wünschenswerth erscheinen", wie der Verfasser im Vorwort sagt. 

Der selbstverläugnende fleiß und die große gewissenhaftig- 
keit Daub's in der benutzung aller vorarbeiten treten auch in 
dieser seiner neuesten arbeit auf jeder seite zu tage •, etwas mehr 
Selbstkritik wäre freilich auch diesem buche sehr zu statten ge- 
kommen. Manches wäre besser ungedruckt geblieben , vieles 
hätte in weit kürzerer form seinen zweck gewiß eher erreicht. 

Als fortsetzung eines in Fleckeisen's Jahrbüchern 1881 , p. 
241 erschienenen aufsatzes zu den „biographika des Suidas", der 
sich mit den „Viten" der dichter beschäftigte, behandeln die ab- 
schnitte I — III, (p. 1 — 123) eine lange reihe von viten der hi- 

1) Inzwischen erschienen. 



Nr. 7. 73. Suklas. 385 

storiker (I, ji. 1 — 30), rhetoren und Sophisten (II, p. 31 — 73) 
und grammatiker (III, p. 74 — 123). Die art der behandlung 
ist dieselbe wie in dem aufsatz in den Jahrbüchern. Es werden 
einzelne ßioi im allgemeinen nach der anordnung in Wester- 
mann's ßioyoäqioi herausgegriffen und unter vollständigster Wür- 
digung aller bisher geäußerten ansichten über die textgestaltung 
und die quellen der einzelnen theile beurtheilt. Daß dabei man- 
ches in den resultaten sehr fragwürdig bleibt, daß der Verfasser 
vielfach nach höchst ximständlicher auseinandersetzung aller mög- 
lichkeiten doch nur ein neues ,, vielleicht" zu den schon vorhan- 
denen hinzuzufügen im stände ist , liegt am ende in der natur 
der Sache. Es fragt sich nur, ob in einem selbständigen buch 
diesen nicht eben abschließenden bemerkungen so viel räum ver- 
stattet werden durfte. 

Der vierte abschnitt, ursprünglich für das Rheinische mu- 
seum bestimmt, ist betitelt „Hesychius von Milet und Suidas" 
und gänzlich der beurtheilung von Flach's in derselben Zeitschrift 
XXXV, p. 191 ff. erschienenen „Untersuchungen über Hesychius 
Milesius" gewidmet. Zuerst, von p. 124 — 129, spricht der Ver- 
fasser über hesychianische und nicht - hesychianische partieen in 
einigen viten des Suidas. Nachdem er gleich am anfang richtig 
Flach gegenüber bemerkt hat, daß Eudocia bei dieser Untersu- 
chung ganz aus dem spiel zu lassen ist, führt er eine reihe von 
artikeln an , in betreff deren er aus diesem oder jenem gründe 
Flach's ausführungen nicht gutheißen kann. Dabei passirt es 
ihm freilich nicht selten , daß er bei sehr breiter erörterung 
nichts anderes erreicht , als eine unsichere vermuthung Flach's 
durch eine nicht sicherere seinerseits zu ersetzen. 

Es folgt p. 129 — 137 eine eingehende prüfung von Flach's 
(a. a. 0. p. 193 ff.) beurtheilung der frage, auf wen die mit be- 
ziehung auf eine „schreibende person" in den biographika des 
Suidas vorkommenden bemerkungen zurückgehen, auf Hesychius 
oder auf Suidas , oder auf einen leser. Die bemerkungen des 
Verfassers sind aiich hier zum großen theil völlig überflüssig und 
dabei vielfach zu iinangenehmer bre